24-Stunden-Rennen von Le Mans 1994
Das 62. 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der 62e Grand Prix d’Endurance les 24 Heures du Mans, auch 24 Heures du Mans, Circuit de la Sarthe, Le Mans, fand vom 19. bis 20. Juni 1994 auf dem Circuit des 24 Heures statt.
Das Rennen
Neues Reglement
Das Engagement von zwei Personen beeinflusste das 24-Stunden-Rennen 1994 wesentlich. Einmal der frühere französische Rennfahrer Alain Bertaut, und zweitens der Deutsche Rennfahrer und Unternehmer Jochen Dauer. Bertaut war in den 1960er Jahren als Rennfahrer aktiv gewesen und hatte 1962 mit Partner André Guilhaudin auf einem CD Dyna den 16. Rang in der Gesamtwertung erreicht. Dies bedeutete gleichzeitig den Sieg in der Klasse für Experimental-Rennwagen bis 850 cm³ Hubraum. In seiner Funktion als technischer Direktor des Rennens, die er seit 1970 ausübte, war er an allen technischen Reglements des Rennens seither maßgeblich beteiligt.
Nach dem Ende der Gruppe C 1993 war es notwendig geworden, neue technische Rahmenbedingungen für das Rennen zu schaffen. 1992 war außerdem die seit 1953 ausgetragene Sportwagen-Weltmeisterschaft eingestellt worden. 1993 waren in Le Mans noch die ehemaligen Gruppe-C-Fahrzeuge, wie der langgediente Porsche 962, der Peugeot 905 und der Toyota TS010, am Start gewesen. Die Funktionäre des Automobile Club de l’Ouest, und mit ihnen Bertaut, schufen neue Rennklassen. Die bisher nicht existierende GT1-Klasse und die zwei neuen Klassen der Le-Mans-Prototypen. Einmal die speziell entwickelten, hubraumstarken und normalerweise mit Turboladern ausgestatteten LMP1 und die LMP2, die kleinere seriennahe Motoren verwendeten.
Die GT1-Klasse war eigentlich seriennahen Fahrzeugen vorbehalten, die Rennwagen mussten ein Pendant auf der Straße haben. Damit wollte der ACO Automobilen wie dem Bugatti EB110 und dem McLaren F1 die Tür nach Le Mans öffnen. Gegen die ursprüngliche Intention von Bertaut und seinen Technikern war dennoch ein ehemaliger Gruppe-C-Prototyp am Start. Mit der Hilfe von Porsche-Mitarbeitern fand Jochen Dauer eine Lücke im Reglement. Nur ein einziges Fahrzeug eines gemeldeten Rennwagens musste eine Serienzulassung haben. Schon 1991 hatte Dauer fünf fabrikneue 962-Chassis bei Porsche gekauft. 1993, als das neue Reglement bereits bekannt war, wurde neben einer Rennversion auch ein erstes Straßenfahrzeug aufgebaut. Eine Straßenzulassung war nur möglich, nachdem eine rückwärtsgerichtete Kamera eingebaut wurde, da die Sicht nach hinten sonst zu sehr eingeschränkt war<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Informationen zum Dauer 962LM ( vom 17. März 2008 im Internet Archive)</ref>. Sonst entsprach der Wagen weitgehend dem Porsche 962C.
Vor dem Rennen
Dauer wurde beim Renneinsatz von Reinhold Joest unterstützt. Die Meldung kam zwar von Dauer Sportwagen, die Logistik und den Einsatz vor Ort übernahmen aber die Techniker und Mechaniker von Joest Racing mit tatkräftiger Unterstützung der Werksmannschaft von Porsche. Als Fahrer kamen routinierte Le-Mans-Starter zum Einsatz, die teilweise große Erfahrung beim Pilotieren des Porsche 962 mitbrachten. Der US-Amerikaner Hurley Haywood hatte das Rennen schon 1977 und 1983 gewonnen und viele Veranstaltungen mit dem 962 und dem Vorgängermodell 956 bestritten. Mit ihm im Team fuhren der Franzose Yannick Dalmas (Gesamtsieger 1992 mit Peugeot) und der Italiener Mauro Baldi, der nach seinen Engagements in der Formel 1 seit 1984 Sportwagenrennen bestritt. Das zweite Auto war mit dem zweifachen Gesamtsieger und langjährigen Porsche-Werksfahrer Hans-Joachim Stuck, dem Indianapolis-500-Sieger von 1985 Danny Sullivan und dem dreifachen Grand-Prix-Sieger Thierry Boutsen ebenfalls prominent besetzt.
Favorit auf den Gesamtsieg war aber die Werksmannschaft von Toyota. Seit Ende der 1980er-Jahre versuchte der japanische Automobilkonzern in Le Mans den großen Erfolg zu erzielen; ein Sieg war jedoch bisher ausgeblieben. Das neue Einsatzfahrzeug war der Toyota 94C-V, der auf dem Gruppe-C-Toyota 92C-V beruhte, aber bereits den Vorgaben der LMP1-C90-Klasse entsprach. Einer der Fahrer war der Nordire Eddie Irvine, der 1994 einen Vertrag bei Jordan Grand Prix hatte und den 194 in der Formel-1-Weltmeisterschaft steuerte. Dass ein aktueller Formel-1-Pilot neben den Grand-Prix-Starts auch in Le Mans an den Start ging, war 1994 ein inzwischen ungewöhnlicher Vorgang. Irvine kam als Ersatz für den beim Großen Preis von San Marino tödlich verunglückten Roland Ratzenberger ins Team. Der Name des Österreichers blieb als Anerkennung am Einsatzfahrzeug stehen. Im Toyota mit der Startnummer 4 versuchte Bob Wollek endlich seinen ersten Le-Mans-Sieg einzufahren.
Durch die Homologation des Dauer 962 war auch der Porsche 962C GTi startberechtigt. Bei den Offiziellen des ACO fand der Einsatz des Dauer wie des Porsche von A.D.A. Engineering Ltd. wenig Gegenliebe, zu einem Ausschluss der Wagen konnten sich diese aber nicht durchringen. Ein weiterer LMP1-C90-Prototyp war der Kremer K8 Spyder, dessen Basis ebenfalls ein Porsche 962 war.
Der Rennverlauf
Kurz nach dem Start übernahm Derek Bell im Kremer K8 die Führung, verlor diese aber noch vor dem Ende der ersten Runde an den aus der Pole-Position gestarteten Alain Ferté im Courage C32. Der Sieg wurde über die Distanz zwischen Dauer und Toyota ausgefahren. Die 94C-V waren über eine Runde fast zwei Sekunden schneller als die Dauer-Porsche, hatten aber den kleineren Tank und deren 3,6-Liter-V8-Motor den höheren Spritverbrauch. Während die Toyota nur maximal elf Runden bis zum nächsten Tankstopp fahren konnten, erreichten die Dauer 962 eine Distanz von 15 Runden. Nach zwei Stunden Fahrzeit lagen die beiden Dauer daher in Führung. Kleinere technische Unzulänglichkeiten zwangen die beiden Wagen aber zu einigen unplanmäßigen Aufenthalten an die Box.
Vom Morgen des Sonntag weg führte neun Stunden lang der Toyota von Eddie Irvine, Mauro Martini und Jeff Krosnoff das Rennen überlegen an, ehe 90 Minuten vor dem Rennende ein Getriebeproblem den Ambitionen der Japaner auf den Erfolg in der Gesamtwertung ein Ende setzte. Eddie Irvine konnte in der Schlussphase noch eine Runde auf die Führenden wettmachen, den Triumph von Haywood, Baldi und Dalmas aber nicht verhindern<ref>Le Mans 1994</ref>.
Ergebnisse
Piloten nach Nationen
| Frankreich 56 Franzosen | Vereinigtes Königreich 18 Briten | Deutschland 11 Deutsche | Japan 11 Japaner | Italien 8 Italiener |
| Vereinigte Staaten 8 US-Amerikaner | Spanien 7 Spanier | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg 7 Schweizer | Datei:Flag of Belgium (civil).svg 6 Belgier | Niederlande 3 Niederländer |
| Dänemark 2 Dänen | Datei:Flag of New Zealand.svg 2 Neuseeländer | Schweden 2 Schweden | Datei:Flag of Argentina.svg 1 Argentinier | Datei:Flag of Brazil.svg 1 Brasilianer |
| Datei:Flag of Slovenia.svg 1 Slowene | Datei:Flag of South Africa.svg 1 Südafrikaner |
Schlussklassement
1 nicht qualifiziert 2 nicht qualifiziert
Nur in der Meldeliste
Hier finden sich Teams, Fahrer und Fahrzeuge die ursprünglich für das Rennen gemeldet waren, aber aus den unterschiedlichsten Gründen daran nicht teilnahmen.
| Pos. | Klasse | Nr. | Team | Fahrer | Chassis | Motor | Reifen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 51 | GT1 | 43 | Datei:Flag of Monaco.svg JCB Racing | Frankreich Jean-Claude Basso Frankreich François Migault Frankreich Claude Meigemont Datei:Flag of Belgium (civil).svg Philippe Olczyk |
Venturi 600LM | Renault PRV 3.0L Turbo V6 | |
| 52 | GT1 | 44 | Frankreich BBA Sport et Compétition | Frankreich Éric Graham Frankreich Francois Birbeau Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Laurent Lécuyer |
Venturi 600LM | Renault PRV 3.0L Turbo V6 | M |
| 53 | GT2 | 69 | Frankreich Guy Chotard | Frankreich Didier Caradec Frankreich Jean-Louis LeDuigou Frankreich André Gahinet |
Porsche 911 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 54 | GT2 | 71 | Deutschland Konrad Motorsport | Deutschland Franz Konrad | Porsche 911 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 55 | LMP1 C90 | 7 | Vereinigtes Königreich Stealth Engineering | Vereinigtes Königreich Justin Bell Vereinigtes Königreich Tiff Needell |
Porsche 962C | Porsche Type-935 3.0L Turbo Flat-6 | |
| 56 | WSC | 13 | Frankreich Courage Compétition | Courage C41 | Chevrolet 4.5L V8 | ||
| 57 | WSC | 14 | Vereinigte Staaten Brix Racing | Vereinigte Staaten Bob Schader Datei:Flag of Canada (Pantone).svg Jeremy Dale Italien Ruggero Melgrati |
Spice HC 94 | Oldsmobile 5.0L V8 | |
| 58 | WSC | 15 | Vereinigte Staaten Screaming Eagles Racing | Vereinigte Staaten Craig Nelson Vereinigte Staaten Dan Clark |
Spice SE90 | Lexus | |
| 59 | WSC | 16 | Vereinigte Staaten Pegasus Racing | Vereinigte Staaten Oliver Kuttner Vereinigte Staaten Mike Sheehan Vereinigte Staaten Jim Downing Österreich Dieter Quester |
Pegasus | BMW M88 3.5L I6 | G |
| 60 | GT1 | 32 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Ecurie Biennoise | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Enzo Calderari Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Lilian Bryner |
Porsche 911 Turbo | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 61 | GT1 | 33 | Frankreich Larbre Compétition | Frankreich Jean-Pierre Jarier Spanien Jésus Pareja Frankreich Dominique Dupuy Frankreich Joël Gouhier Frankreich Jack Leconte |
Porsche 911 Turbo S LM | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 62 | GT2 | 42 | Deutschland Gustl Spreng Racing | Deutschland Gustl Spreng Deutschland Fritz Müller |
Porsche 993 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 63 | GT2 | 51 | Deutschland Obermaier Racing GmbH | Italien Ruggero Grassi Italien Renato Mastropietro |
Porsche 911 Carrera 2 | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 64 | GT2 | 52 | Datei:Flag of Belgium (civil).svg Patrick Nève Racing | Frankreich Alain Gadal Frankreich Bruno Ilien Datei:Flag of Belgium (civil).svg Didier de Puysseleyr Niederlande Patrick Huisman Deutschland Bernd Netzeband Datei:Flag of Slovenia.svg Matiaz Tomlje |
Porsche 911 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 65 | GT2 | 67 | Frankreich Patrick Boirdon | Frankreich Patrick Boirdon Frankreich Jean-Marc Massé Frankreich Philippe Sinault Frankreich Jérôme Brarda |
Porsche 911 Carrera 2 | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 66 | GT2 | 70 | Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Mühlbauer Motorsport | Deutschland Alexander Mattschull Deutschland Arnold Mattschull Frankreich Philippe Auvray Italien Sandro Angelastro Datei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Toni Seiler |
Porsche 911 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |
| 67 | GT2 | Deutschland Konrad Motorsport | Porsche 911 Carrera RSR | Porsche 3.8L Flat-6 | |||
| 68 | GT2 | Deutschland Konrad Motorsport | Porsche 911 Carrera | Porsche 3.8L Flat-6 | |||
| 68 | GT2 | Datei:Flag of Norway.svg Erik Henriksen | Porsche 968 RS | Porsche 3.0L Flat-6 |
Klassensieger
| Klasse | Fahrer | Fahrer | Fahrer | Fahrzeug | Platzierung im Gesamtklassement |
|---|---|---|---|---|---|
| GT1 | Frankreich Yannick Dalmas | Vereinigte Staaten Hurley Haywood | Italien Mauro Baldi | Dauer 962 LM | Gesamtsieg |
| LMP1 C90 | Vereinigtes Königreich Eddie Irvine | Vereinigte Staaten Jeff Krosnoff | Italien Mauro Martini | Toyota 94C-V | Rang 2 |
| IMSA GTS | Datei:Flag of New Zealand.svg Steve Millen | Vereinigte Staaten Johnny O’Connell | Vereinigte Staaten John Morton | Nissan 300ZX | Rang 5 |
| GT2 | Spanien Jesús Pareja | Frankreich Dominique Dupuy | Spanien Carlos Palau | Porsche 911 Carrera RSR | Rang 8 |
| LMP2 | kein Teilnehmer im Ziel |
Renndaten
- Gemeldet: 69
- Gestartet: 48
- Gewertet: 18
- Rennklassen: 5
- Zuschauer: 140.000
- Ehrenstarter des Rennens: unbekannt
- Wetter am Rennwochenende: warm und sonnig
- Streckenlänge: 13,600 km
- Fahrzeit des Siegerteams: 23:57:33.410 Stunden
- Gesamtrunden des Siegerteams: 345
- Distanz des Siegerteams: 4685,701 km
- Siegerschnitt: 195,238 km/h
- Pole Position: Alain Ferté – Courage C32 (#2) – 3:51,050 = 211,902 km/h
- Schnellste Rennrunde: Thierry Boutsen – Dauer 962LM (#35) – 3:52,540 = 210,544 km/h
- Rennserie: zählte zu keiner Rennserie
Literatur
- Christian Moity, Jean-Marc Teissèdre: 24 heures du Mans 1994. Éditions IHM, Brüssel 1994, ISBN 2-930120-00-2.
Weblinks
Einzelnachweise
<references/>
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