Il pastor fido (Händel)
| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Il pastor fido |
Titelblatt des Librettos von 1712 | |
| Form: | Opera seria |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Georg Friedrich Händel |
| Libretto: | Giacomo Rossi |
| Literarische Vorlage: | Giovanni Battista Guarini: Il pastor fido (1585) |
| Uraufführung: | 22. November 1712 |
| Ort der Uraufführung: | Queen’s Theatre, Haymarket, London |
| Spieldauer: | ca. 2 ½ Stunden, 3 Stunden mit Prolog |
| Ort und Zeit der Handlung: | im mythischen Arkadien, in mythischer Zeit |
| Personen | |
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Prolog
Il pastor fido
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Il pastor fido (englisch: The faithful shepherd; HWV 8a-c) ist eine Oper (Opera seria) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Die erste Fassung der Oper (HWV 8a) wurde am 2. November 1712 im Queen’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt. Die zweite Fassung (HWV 8c; sic !) erlebte ihre Premiere am 18. Mai 1734 am selben Ort (umbenannt in King’s Theatre). Für die dritte Fassung (HWV 8c; sic !) fügte Händel unter anderem den Prolog Terpsicore (HWV 8b) hinzu; in dieser Form war das Werk zum ersten Mal am 9. November 1734 zu erleben.<ref>Die dritte Fassung besteht laut Baselt also aus 8b und 8c, obwohl Händel Änderungen und Zusätze der zweiten Fassung auch in der eigentlichen Oper machte. Logischer wäre HWV 8b für die zweite und HWV 8c für die dritte Fassung (samt Prolog). Zur merkwürdigen und nicht ganz logischen Nummerierung im HWV, siehe: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 3-7618-0610-8), S. 111, 117 und 119.</ref>
Die Handlung ist eine vereinfachte Version von Giovanni Battista Guarinis berühmter „Tragicomedia pastorale“ Il pastor fido von 1585.
Entstehung
Erste Fassung
Nach dem großen Erfolg seiner ersten Londoner Oper Rinaldo (UA: 24. Februar 1711) ging Händel im Juli 1711 wieder nach Hannover, um seinen Pflichten als Kapellmeister des Kurfürsten Georg Ludwig nachzukommen. Dort verbesserte er nebenbei seine Englischkenntnisse<ref>David Vickers (deutsche Übersetzung: Ingeborg Neumann): Il pastor fido, Oper in drei Akten HWV 8a, Erste Fassung 1712. Booklettext zur CD-Einspielung: Harmonia Mundi 907585.86 (2012), S. 25</ref> und kehrte im Herbst 1712 mit der Erlaubnis seines Dienstherren nach England zurück, „mit dem Bedinge, sich nach Verlauff einer geziemenden Zeit wieder einzustellen“ (Mainwaring/Mattheson).<ref name="HH4-57">Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 978-3-7618-0717-0, S. 57.</ref><ref>Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 66–67.</ref>
Der genaue Zeitpunkt seiner Ankunft ist nicht bekannt,<ref name="Dean-215">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 215</ref> aber ab Oktober 1712 war Händel nachweislich wieder in London und beendete dort am 24. Oktober die Komposition seiner neuen Oper Il pastor fido, wie er am Ende des dritten Aktes notierte: „Fine dell Atto terzo | G F H | Londres | ce 24 d’Octobr v.st. | 1712“<ref name=HH4-57 /> („v.st.“ = „vieux style“ ist der Hinweis auf den noch bis 1752 in England gültigen Julianischen Kalender). Es ist das früheste Autograph Händels mit einer erhaltenen genauen Datierung.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 223.</ref> Eine offene Frage ist, ob er mit der Komposition eventuell bereits in Hannover oder zumindest auf der Reise begonnen hatte – dazu müsste er natürlich irgendwie in Kontakt mit dem Librettisten Giacomo Rossi gestanden haben, mit dem er schon an Rinaldo zusammengearbeitet hatte.
Wahrscheinlich wählte Händel (und Rossi) für seine zweite Londoner Oper aus Gründen der Abwechslung und Vielfalt ein Sujet des pastoralen Genres; die direkt im Anschluss entstandene dritte, Teseo, sollte dagegen wieder eine heroische Zauberoper werden.<ref name=Vickers-26>David Vickers (deutsche Übersetzung: Ingeborg Neumann): Il pastor fido, Oper in drei Akten HWV 8a, Erste Fassung 1712. Booklettext zur CD-Einspielung: Harmonia Mundi 907585.86 (2012), S. 26</ref> Es hat den Anschein, dass Il pastor fido in Eile entstand,<ref>„...the opera shows every sign of being a hurried job“. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 215</ref> worauf auch die Tatsache hindeuten könnte, dass Händel mehr als die Hälfte der Musik aus früheren Werken entlehnte;<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 213.</ref><ref>Baselt hat die Ursprünge von nur 13 Arien als Entlehnungen identifiziert: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 126–127.</ref> dabei war Rossi sogar bereit, schon bestehende Arien in den Text zu integrieren.<ref name=Vickers-26 /><ref name="Ehrmann-66">Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 66.</ref>
In der Uraufführung am 22. November 1712 im Londoner Queen’s Theatre sangen:
- Mirtillo – Valeriano Pellegrini, genannt „Valeriano“ (Soprankastrat)
- Amarilli – Elisabetta Pilotti-Schiavonetti (Sopran)
- Eurilla – Margherita de l’Épine, genannt „La Margherita“ (Sopran)
- Silvio – Valentino Urbani, genannt „Valentini“ (Altkastrat)
- Dorinda – Jane Barbier (Alt)
- Tirenio – Richard Leveridge (Bass)
Die Oper gilt als Misserfolg, zumindest konnte sie sich nicht mit dem Erfolg des Rinaldo messen und kam insgesamt nur auf sieben Vorstellungen.<ref name="HH4-58">Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 978-3-7618-0717-0, S. 58.</ref> Ein Grund dafür mag die bescheidene Inszenierung mit alten Kostümen und Kulissen gewesen sein, die etwa gleichzeitig auch in einem Pasticcio namens Dorinda verwendet wurden.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 215–216</ref> Das fälschlicherweise Francis Colman zugeschriebene Opera Register berichtete:
“The Scene represented only ye Country of Arcadia ye Habits were old. – ye opera short.”
„Das Bühnenbild stellte vom Anfang bis zum Ende die Gegend Arkadiens dar, die Kleider waren die alten – die Oper ist kurz.“
Zweite Fassung
Nach über 20 Jahren, im Frühjahr 1734, gegen Ende der zweiten Royal Academy of Music, besann sich Händel wieder auf seinen Il pastor fido und machte eine „gründliche“ Revision, auch mit Hinblick auf sein aktuelles Sängerensemble. Dabei blieb die Handlung erhalten, aber das Ergebnis ist eigentlich ein ganz anderes Werk, ein Pasticcio, das nur noch zu etwa einem Viertel mit der ersten Fassung des Pastor fido übereinstimmt. Der Rest stammt aus verschiedenen jüngeren Bühnenwerken Händels,<ref name="Dean-Table3">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 217–219 (siehe auch Table 3 !).</ref><ref name="Ehrmann-68">Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 68.</ref> woraus nicht zuletzt auch eine gewisse Modernisierung resultierte.
Eine wichtige Änderung bei den Gesangspartien betrifft die Partie des Silvio, der nun nicht mehr von einem Alt, sondern von dem Soprankastraten Carlo Scalzi gesungen wurde. Die beiden Partien von Mirtillo und Amarilli wurden für die beiden virtuosen Stars Giovanni Carestini und Anna Maria Strada del Pò aufgewertet, während die dramaturgisch wichtige und im Original auch musikalisch bedeutende Rolle der Eurilla für die alternde Margherita Durastanti verkleinert wurde.<ref name="Dean-217">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 217</ref><ref name="Ehrmann-68" />
Die Premiere der zweiten Fassung von Il pastor fido fand am 18. Mai 1734 im King’s Theatre am Haymarket statt. Es sangen:
- Mirtillo – Giovanni Carestini, genannt „Il Cusanino“ (Mezzosoprankastrat)
- Amarilli – Anna Maria Strada del Pò (Sopran)
- Eurilla – Margherita Durastanti (Sopran)
- Silvio – Carlo Scalzi, genannt „Il Cichione“ (Soprankastrat)
- Dorinda – Maria Caterina Negri (Alt)
- Tirenio – Gustavus Waltz (Bass)
Laut Dean und Knapp gab es 13 Vorstellungen bis zum 6. Juli;<ref>Laut Händel-Handbuch 4 waren es 15 Vorstellungen bis 15. Juli, von denen jedoch zwei laut Dean/Knapp nicht stattfanden (siehe dazu folgenden Beleg). Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 978-3-7618-0717-0, S. 241.</ref> bei der letzten Vorstellung war Händels ehemalige Schülerin und Freundin Prinzessin Anne anwesend, zu deren Hochzeit mit Wilhelm IV. von Oranien, am 14. März des Jahres, er die Serenata Il Parnasso in festa komponiert hatte.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 216</ref>
Dritte Fassung
Nachdem Händels Vertrag über die Nutzung des King’s Theatre im Sommer 1734 ausgelaufen war und Johann Jacob Heidegger es an die Konkurrenz, die „Adelsoper“ verpachtet hatte, tat sich der Komponist mit John Rich, dem Impresario des Theatre Royal in Covent Garden, zusammen.<ref>Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie, aus dem Englischen von Bettina Obrecht, Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 145–146.</ref> Dort brachte Händel Il pastor fido mit einigen Änderungen und Erweiterungen im November 1734 nochmals auf die Bühne. Diese dritte Fassung des Werks erlebte fünf Vorstellungen.<ref name="HH4-245">Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 978-3-7618-0717-0, S. 245.</ref>
Grundsätzlich lag diesen Aufführungen die zweite Fassung von Il pastor fido zugrunde, doch da zum Covent Garden Theatre auch ein Ballettensemble mit der berühmten französischen Tänzerin Marie Sallé gehörte, erweiterte Händel die Oper um einen Prolog namens Terpsicore mit zahlreichen Tanzeinlagen, und um Ballett-Divertissements am Ende aller drei Akte der eigentlichen Oper. Darüber hinaus wurde die Partie des Silvio nun für den jungen Tenor John Beard eingerichtet,<ref name="Dean-220">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 220</ref> der damit eine lange Karriere als einer von Händels Lieblingssängern begann.
Besetzung der Premiere der dritten Fassung am 9. November 1734 im Theatre Royal, Covent Garden:<ref name=HH4-245 />
Terpsicore
- Apollo – Giovanni Carestini (Mezzosoprankastrat)
- Erato – Anna Maria Strada del Pò (Sopran)
- Terpsicore – Marie Sallé (Tanzrolle)
Il pastor fido
- Mirtillo – Giovanni Carestini (Mezzosoprankastrat)
- Amarilli – Anna Maria Strada del Pò (Sopran)
- Eurilla – Maria Rosa Negri (Alt)
- Silvio – John Beard (Tenor)
- Dorinda – Maria Caterina Negri (Alt)
- Tirenio – Gustavus Waltz (Bass)<ref name="Dean-220"/>
Aufführungsgeschichte
Eine erste Aufführung der Neuzeit ist dem Pionier der historischen Aufführungspraxis August Wenzinger zu verdanken. Sie fand am 5. September 1946 im St. Albansaal in Basel als Produktion der Schola Cantorum Basiliensis und des Basler Marionetten-Theaters statt. Von den sechs Aufführungen dieser Produktion waren zwei in italienischer und vier in deutscher Sprache.
Libretto
Händels Il pastor fido gehört zum Operngenre der Pastorale, das sich nicht nur in Italien, sondern auch in England großer Beliebtheit erfreute.<ref name="Dean-209">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 209.</ref><ref name=Ehrmann-66 /> Allerdings hatte es zwischen 1705 und 1708 auf Londoner Bühnen mehrere erfolglose Pastoralopern gegeben, was einen Autor zu der Bemerkung veranlasste, „dass die Opernunternehmer schon beim bloßen Namen Pastorale eigentlich erzittern müssten“.<ref>„...that the Undertakers of the Opera ought to tremble at the very name of Pastoral“. Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. xvii</ref>
Vorlage für das Libretto von Giacomo Rossi war Giovanni Battista Guarinis Schäferdrama Il pastor fido (Der getreue Schäfer), das (spätestens) seit seiner Publikation 1590 in Venedig vor allem zahlreiche Madrigale, aber nur wenige Opern inspiriert hatte.<ref name="Peteri">Judit Péteri: Il Pastor Fido. Hungaroton SLPD 12912-14, Kecskemét 1988, Booklet S. 12 f.</ref> Letzteres mag daran gelegen haben, dass die unbarmherzig strengen Gesetze in Guarinis Arkadien und die hinterhältige Intrige, die auf den Tod von Amarillis abzielt, der für die Opernpastorale typischen Idee einer unverdorbenen, naturnahen Welt und lieblichen Idylle massiv widerspricht.<ref name=Ehrmann-66 /> Auch in England war Guarinis Stück durch eine Übersetzung von Richard Fanshawe (1647) bekannt. Im Jahr 1676 war es von Elkanah Settle mit musikalischen Einlagen auf die Bühne gebracht worden<ref name=Dean-209 /> und noch zwischen 1706 und 1711 gab es ähnliche Aufführungen des Stückes mit einem rein weiblichen Ensemble in Dorset Garden, Drury Lane und Greenwich.<ref name=Dean-215 />
Rossi hatte keine leichte Aufgabe: Guarinis fünfaktige Tragicommedia musste auf die in der italienischen Oper üblichen drei Akte reduziert, und die außerordentlich komplexe Handlung mit 18 Personen für die sechs verfügbaren Sänger stark vereinfacht werden; die Figur der intrigierenden Corisca wurde in „Eurilla“ umbenannt.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 208.</ref> Von der verwickelten Original-Handlung ging dabei soviel verloren, dass man offenbar meinte, dem Publikum im Textheft zusätzliche Erklärungen zum Verständnis liefern zu müssen.<ref>David Vickers (deutsche Übersetzung: Ingeborg Neumann): Il pastor fido, Oper in drei Akten HWV 8a, Erste Fassung 1712. Booklettext zur CD-Einspielung: Harmonia Mundi 907585.86 (2012), S. 26</ref><ref>Auch Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 267.</ref>
Der im November 1734 hinzugefügte Prolog Terpsicore geht zurück auf den Prologue zum Ballet héroique Les Festes grecques et romaines (1723) von François Colin de Blamont. Die Vorlage wurde gekürzt und eine Figur (die Muse Clio) gestrichen.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 221.</ref> Die mythologische Handlung mit der Muse des Tanzes Terpsicore, dem Gott Apollo und der Muse Erato, die hier als „President of Musick“ gilt, steht in keinem direkten Bezug zur Opernhandlung,<ref>Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 660.</ref> was bei barocken Opernprologen (die sonst allerdings meist Huldigungen an ursprünglich anwesende Fürsten enthielten) kein Einzelfall ist.
Handlung: Tersicore (nur dritte Fassung, 1734)
In ihrem Tempel bereitet die Muse Erato mit ihren Schülern ein Fest zu Ehren von Apollo und Jupiter vor. Apollo erscheint mit den anderen Musen außer Terpsichore, und betet zu Jupiter um dessen Beistand. Als Terpsichore immer noch auf sich warten lässt, wird Apollo langsam ungeduldig, doch Erato versucht ihn zu beruhigen und besingt die Schönheit und Freuden des Parnass. Endlich erscheint Terpsichore, begleitet von ihren Schülern, die alle „unterschiedlich gekleidet sind, je nach ihrem Charakter“. Nachdem sie mit einer Chaconne das Fest begonnen haben, stellt Terpsichore auf Wunsch von Apollo und Erato mit Tanz und Gesten zuerst die Liebe dar, danach verschiedene Gefühle, die mit der Liebe einhergehen, wie Hoffnung und Eifersucht, und schließlich die Schnelligkeit der Winde. Alles wird von Erato und Apollo freudig und mit Applaus kommentiert und das Fest endet in freudigem Einvernehmen.
Handlung: Il pastor fido
Vorgeschichte der Oper
Die Vorgeschichte der Handlung wird im Argument (Vorbemerkung) des Librettos erklärt:
Das Volk von Arkadien musste jedes Jahr der Göttin Diana eine Jungfrau opfern. Als man das Orakel befragte, wie man diesem grausamen Gesetz ein Ende bereiten könne, antwortete es, das Elend werde nicht enden, „bis zwei von himmlischem Ursprung sich in Liebe vereinen würden, und die glühende Leidenschaft eines treuen Hirten das uralte Verbrechen eines treulosen Mädchens auslöschen würde“. Daraufhin beschlossen Titirus und Montanus die Verbindung ihrer beiden Kinder Amarillis und Silvio. Doch es kam Alles ganz anders…<ref>Siehe Original-Libretto in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. 85</ref>
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf der ersten Fassung von 1712 (HWV 8a). Die beiden späteren Fassungen stimmen generell damit überein, mit wenigen kleinen Änderungen, z.B. fehlt die erste Szene mit Mirtillo in der dritten Fassung.
Erster Akt
Ein Wald in Arkadien
(Mirtillo beklagt sein grausames Schicksal, da er Amarilli liebt, aber von ihr nicht erhört wird. Dann befragt er die Vögel und Bäche, ob sie wissen, wo seine Geliebte ist.)<ref>Diese erste Szene kommt nur in der ersten und zweiten Fassung vor (1712 und Mai 1734); in der dritten (November 1734) wurde sie gestrichen.</ref>
Auch Amarilli ist unglücklich. Denn sie liebt nicht ihren Verlobten, den gefühlskalten Jäger Silvio, sondern Mirtillo, muss ihn aber wegen der unbarmherzigen Gesetze Arkadiens abweisen. Da springt plötzlich Mirtillo hervor und will sie ganz glücklich umarmen, weil er sie belauscht und mitgehört hat, dass sie seine Liebe erwidert. Doch zu seiner großen Enttäuschung weist sie ihn dennoch zurück und verlangt von ihm, auf ihre Ehre Rücksicht zu nehmen.
Als sie gegangen ist, ist Mirtillo so verzweifelt, dass er sich mit einem Pfeil das Leben nehmen will, doch Eurilla verhindert es. Als er ihr erzählt, dass er nur für Amarilli lebe, bietet sie ihm ihre Hilfe an. Mirtillo schöpft Hoffnung.
Doch als Eurilla allein ist, zeigt sie ihr wahres Gesicht: Sie ist ebenfalls in Mirtillo verliebt und entschlossen ihre Rivalin Amarilli durch Lüge und Täuschung loszuwerden.
Silvio besingt fröhlich seine Liebe zur Jagd in Gestalt der Göttin Diana und ist froh, fern von seiner Verlobten Amarilli zu sein, die ihm völlig gleichgültig ist. Da erscheint Dorinda und gesteht ihm ihre Liebe, doch er weist sie kalt zurück, denn er wisse gar nicht was „Liebe“ ist. Nachdem die schwer enttäuschte Dorinda gegangen ist, widmet Silvio sein Leben erneut Diana.
Zweiter Akt
Landschaft Arkadiens, im Hintergrund ein Berg mit der Höhle der Ericina
Der erschöpfte Mirtillo legt sich unter einen Baum und schläft ein. Eurilla erscheint mit einer Blumengirlande, in die ein Spruch eingeflochten ist: „Deine Wünsche sind mir teuer, und ich erwarte Dich“. Nachdem sie Mirtillo betrachtet hat, legt sie ihm die Girlande in den Arm und geht.
Mirtillo wacht auf und ist zunächst über die Girlande irritiert, doch dann vermutet er, sie käme von Amarilli und freut sich.
Nun tritt Amarilli auf. Sie hat Mirtillo von Weitem beobachtet und glaubt, die Girlande sei eine Botschaft einer heimlichen Geliebten. Ihre Eifersucht ist geweckt und wird kurz darauf von Eurilla bestärkt, die behauptet, genau zu wissen, dass Mirtillos Herz schon einer anderen Nymphe gehöre. Amarilli ist verzweifelt.
Dorinda will wissen, wann Silvio endlich ihre Gefühle erwidern werde. Doch er will sie nur loswerden und wendet sich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, zu. Dorinda bleibt allein und hoffnungslos zurück, gesteht sich aber ein, dass sie ihm trotzdem völlig verfallen ist.
Eurilla spinnt weiter ihre Intrigen und macht nun Mirtillo weis, dass die Girlande mit der „Einladung“ von Amarilli kam und dass diese ihn in der Höhle erwarte. Mirtillo zieht freudig von dannen.
Auf Amarillis Fragen hin bestätigt Eurilla nochmal, sie habe mit eigenen Augen gesehen, wie Mirtillo ganz glücklich die „Einladung“ einer anderen erhalten habe und es kaum abwarten konnte ihr zu folgen. Da Amarilli es gar nicht glauben kann, schlägt Eurilla ihr vor, sich in der Höhle zu verstecken, um sich selbst von der Wahrheit zu überzeugen. Nach anfänglichem Zögern beschließt Amarilli, dem Rat zu folgen. Kaum ist sie gegangen, da taucht Mirtillo wieder auf. Eurilla fordert ihn auf, Amarilli zu folgen. Das lässt er sich nicht zweimal sagen… Alleingeblieben, offenbart Eurilla ihren Plan: Sie will die beiden Liebenden durch eine andere Person bei den Priestern anzeigen lassen; und wenn sie dann bei ihrem „Stelldichein“ in der Höhle erwischt werden, muss Amarilli nach arkadischem Gesetz sterben, und Mirtillo ist frei…
Dritter Akt
Ein Wald
Die unglückliche Dorinda versteckt sich in einem Busch, um Silvio zu beobachten, der auch prompt zusammen mit anderen Jägern erscheint. Da er den Eindruck hat, dass sich ein wildes Tier im Gebüsch versteckt, schießt er einen Pfeil ab und verletzt damit Dorinda, die von den anderen Jägern herbeigetragen wird. Silvio tut es furchtbar leid, was passiert ist, und er macht sich große Sorgen um Dorinda. Die fließt jedoch trotzdem vor Liebe zu ihm über und schließlich merkt Silvio, dass auch er sie liebt und schwört ihr Treue. Nachdem Dorinda von den Jägern weggetragen wurde, bittet Silvio Gott Amor, sie vor dem Tode zu bewahren.
Inzwischen wurden Amarilli und Mirtillo in der Höhle zusammen entdeckt und Eurilla frohlockt über ihre gelungene Intrige. Als Silvio und Dorinda vorbeikommen, bricht Eurilla in heuchlerische Krokodilstränen aus und erzählt ihnen von Amarillis Todesurteil. Die beiden sind bestürzt. Doch Silvio erkennt auch, dass nun seine Verlobung mit Amarilli dem Glück mit Dorinda nicht mehr im Wege steht, und schlägt vor, zu seinem Vater zu gehen und ihn um seinen Segen zu bitten. Eurilla, allein, dankt freudig den Sternen für ihre Hilfe.
Ansicht von Arkadien mit Diana-Tempel im Hintergrund
Amarilli, in einem langen Gewand und mit einem Myrtenkranz im Haar, wird von Priestern zum Tode geleitet. Sie ist untröstlich, dass sie sich nicht einmal von Mirtillo verabschieden konnte. Mirtillo stürzt herbei und bittet völlig verzweifelt darum, an ihrer Stelle sterben zu dürfen. Amarilli will das nicht zulassen und bedauert nur, dass sie ihm im Leben ihre Gefühle nicht zeigen durfte. Beide sind bereit ihr Leben für den anderen hinzugeben.
Da tritt Tirenio, der Hohepriester der Diana, auf und verkündet, dass die Göttin besänftigt sei: Mirtillo sei der „treue Hirte“ aus himmlischem Geschlecht, der dazu ausersehen war, den Irrtum „eines untreuen Mädchen“ zu sühnen. Die Göttin ordne die Hochzeit von Mirtillo und Amarilli sowie von Silvio und Dorinda an. Dann kniet Eurilla vor Amarilli und Mirtillo nieder und bittet um Vergebung für ihren Betrug. Die Liebenden verzeihen ihr, und alle besingen das vom Himmel vorgegebene Schicksal, das niemand begreifen und dem niemand entgehen könne.
Musik
Nur Teile des Autographs sind erhalten; sie befinden sich in der British Library in London (RM 20 b 12) und im Fitzwilliam Museum in Cambridge (Mus MS 256, pp. 17–32). Darüber hinaus gibt es eine Reihe von zeitgenössischen Abschriften, darunter (wahrscheinlich) auch die Direktionspartitur (British Library, RM 19 e 4). Die Quellenlage ist wegen der drei verschiedenen Fassungen ziemlich komplex. Dean und Knapp wiesen darauf hin, dass die von Friedrich Chrysander erstellte Notenausgabe, besonders bezüglich der Unterschiede der zweiten und dritten Fassung, nicht verlässlich ist (wie meistens).<ref>Genaueres in: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 223–225 und 226–233.</ref>
Erste Fassung, 1712
Instrumentierung und andere musikalische Faktoren der Partitur sind auf die pastorale, arkadische Atmosphäre der Handlung abgestimmt. So besteht das Orchester nur aus Streichern und Holzbläsern mit Basso continuo. Auffällig schöne solistische Aufgaben fallen immer wieder den Oboen zu, schon in der sechssätzigen Ouverture in d-moll, die ein komplettes Concerto grosso mit verschiedenen Solo-Instrumenten darstellt und über weite Strecken von extremer Schönheit und Ausdruckskraft ist, besonders im Largo und im Adagio.<ref>Ausführlicheres zu Ouverture und Instrumentierung in: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 213–215.</ref>
Sechzehn von 28 Nummern (mit Ouverture) stehen in Dur-Tonarten. Am häufigsten, nämlich jeweils fünfmal, werden B-Dur<ref>Alle im Folgenden erwähnten Tonarten, Taktarten und Vortragsbezeichnungen, wenn nicht in anderen Quellen erwähnt, siehe: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 3-7618-0610-8), S. 111–125.</ref> und g-moll verwendet (beides sind typische Oboen-Tonarten); F-Dur und c-moll kommen jeweils dreimal vor. Insgesamt gibt es nur sechs Arien in Kreuz-Tonarten, davon drei in G-Dur (Nr. 7, 9, 16) und zwei in A-Dur (Nr. 5, 18).<ref>Zu den Tonarten siehe auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 215.</ref>
15 Arien sowie der Schlusschor enthalten Entlehnungen aus früheren Werken Händels, und zwar aus italienischen Kantaten sowie aus seinen Opern Rodrigo und Agrippina, dem Oratorium La Resurrezione und der Serenata Aci, Galatea e Polifemo.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 213.</ref><ref>Baselt hat die Ursprünge von nur 13 Arien als Entlehnungen identifiziert: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 126–127.</ref>
Sieben Arien werden nur vom Basso Continuo begleitet (Nr. 1, 3, 4, 7, 11, 19, 22), haben aber meistens ein Orchesterritornell am Ende. Davon stehen allein vier im ersten Akt, wo in einer weiteren Arie (Nr. 2 „Augelletti“) die Gesangstimme nur von Violinen colla parte „begleitet“ wird – der Grund dafür ist aber offensichtlich nicht nur, dass Händel Material aus frühen Kantaten einbauen wollte, sondern die intime Begleitung verleiht den unglücklich Liebenden Mirtillo, Amarilli und Dorinda eine Aura von Einsamkeit. Durch die sparsame Instrumentierung erhält vor allem der erste Akt einen betont intimen Charakter. Das wurde allerdings oft als zu eintönig kritisiert,<ref>Ehrmann-Herfort spricht auch von einem Mangel an „Bühnenwirksamkeit“. Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 67.</ref> auch wenn einige der Continuo-Arien – besonders „Fato crudo“ (Nr. 1) und „Son come navicella“ (Nr. 3) im ersten Akt, sowie Mirtillos „Allor che sorge astro lucente“ (Nr. 11) und Dorindas „Se m’ami“ (Akt III, Nr. 19) – von hoher Qualität und Schönheit sind. Die musikalische Qualität des zweiten und dritten Aktes lässt nichts zu wünschen übrig.
An drei Stellen hat eine Figur zwei Arien nacheinander (aber durch Secco-Rezitative getrennt): Zu Beginn des Ersten Aktes Mirtillo („Fato crudo“ und „Augelletti“, Nr. 1 & 2), zu Beginn des dritten Aktes Dorinda („Ho un non sò che“ und „Se m’ami“, Nr. 18 & 19) und später noch Eurilla („D’allor trionfante“ und „Secondaste alfine“, Nr. 21 & 22).
Die drei wichtigsten Partien der Oper sind mit Sopranen besetzt: Der primo uomo ist Mirtillo (urspr. Valeriano Pellegrini) mit sechs Arien und einem Duett mit Amarilli. Als eigentliche prima donna entpuppt sich die Intrigantin Eurilla (urspr. Margherita de l’Épine) mit fünf Arien, die auch als musikalisch besonders interessant gelten,<ref>Ehrmann-Herfort bezeichnete Eurilla sogar als „bevorzugt“. Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 66.</ref> während die von Mirtillo geliebte Amarilli (urspr. Elisabetta Pilotti) nur drei Arien singt, allerdings hat sie auch das einzige Accompagnato. Die beiden Alt-Partien Dorinda und Silvio haben je vier Arien, der deus ex machina Tirenio nur eine.
Zu den besonders gelungenen Stücken der Partitur zählt der Beginn des zweiten Aktes mit Mirtillos Schlummer-Cavatina „Caro Amor“ (Nr. 9), die mit Flöten und Streichern über langen Orgelpunkten orchestriert ist und in lieblichem G-Dur steht.<ref>Zu „Caro Amor“ siehe auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 211.</ref> Gleich darauf folgt der Schlüsselmoment der Oper mit Eurillas Adagio „Occhi belli“ (Nr. 10), als sie den schlafenden Mirtillo beobachtet und ihre Blumengirlande platziert: Die Tonart schlägt in ein düsteres c-moll um, und die aparte Begleitung, mit pizzicato und unisono geführten Streichern und einem „arpeggiato“ spielenden Cembalo, erzeugt eine geheimnisvoll knisternde Atmosphäre zu der schmachtend-melancholischen Gesangslinie.<ref>Zu „Occhi belli“ siehe auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 210.</ref>
Sehr wirkungsvoll und geradezu durchkomponiert ist das Ende der Oper. Es beginnt mit einem tragisch gefärbten G-moll-Largo („Sinfonia“ Nr. 23) mit obligaten Oboen und Fagott, das als Einleitung zu Amarillis Accompagnato „Oh! Mirtillo“ dient; nach einem Secco-Rezitativ mit Mirtillo folgt das ausdrucksvolle Duett der beiden Liebenden „Per te mio dolce bene“ (Nr. 24) – wiederum in g-moll und mit obligaten Oboen. Zum Auftritt des Tirenio erklingt eine weitere Sinfonia (Nr. 25), die von Es-Dur nach c-moll zu dessen Solo „Risonar mi sento“ (Nr. 26) überleitet; dieses hat eine Dacapo-Form, aber der B-Teil ist ein Secco-Rezitativ.<ref>Siehe auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 212.</ref> Der vierstimmige Schlusschor Quel ch’il Cielo già prefisse (Nr. 27) kann nicht nur vom Solistenensemble gesungen werden wie üblich, sondern verlangt mindestens auch einen zusätzlichen Tenor.<ref>Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. x-xi</ref>
Orchester
Zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute bzw. Theorbe, 2 Cembali<ref name="Dean-34">Es ist bekannt, dass in Händels Opernaufführungen der 1720er Jahre Erzlaute und zwei Cembali (wie in Italien) verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.</ref>).
Zweite Fassung, Frühling 1734
Die zweite Fassung von Il pastor fido ist wie oben erwähnt ein Pasticcio aus eigenen Werken Händels. Von der ersten Fassung blieben (abgesehen von Rezitativen) nur sechs Arien, ein Duett und eine Sinfonia übrig – fünf andere der Original-Arien hatte Händel kurz zuvor schon in seiner italienisch-englischen Fassung von Acis and Galatea eingeschoben.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 217 (Fußnote 14)</ref>
Hinzu kamen vierzehn Arien, ein weiteres Duett, fünf Chöre – vor allem an den Aktschlüssen<ref>Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 68.</ref> –, eine neue Ouverture und zwei Sinfonias. Allein acht der „neuen“ Nummern, darunter alle Chöre, stammen aus seiner zwei Monate zuvor entstandenen Serenata Il Parnasso in festa, die anderen Stücke aus seinen Opern Teseo, Rodelinda, Riccardo Primo, Lotario, Partenope und Ezio, sowie aus der Kantate Nr. 63 („Son gelsomino“). Völlig neu komponiert waren nur das Largo in der Ouverture und Mirtillos Cavatina „Fato crudo“ zu Beginn des ersten Aktes.<ref name=Dean-Table3/><ref name="Ehrmann-68" />
Mehrere Rezitative wurden gekürzt oder gestrichen, es kamen aber auch einige hinzu (u. a. eine kurze Begegnung von Amarilli und Silvio in Akt I,7).<ref name=Dean-217 />
Der Gesamteindruck der Partitur ist farbiger und moderner als 1712. Die Zahl der reinen Continuo-Arien wurde stark reduziert.<ref>Von den sieben der 1712er Fassung blieben nur zwei übrig: Mirtillos „Lontan del mio tesoro“ in Akt I und Eurillas „Secondaste“ in Akt III.</ref> Die Instrumentierung ist nun um Hörner erweitert, die bereits in der neuen Ouverture und Bourrée in F-Dur zum Einsatz kommen; auch einige andere der neuen Nummern, die ursprünglich aus Il Parnasso in festa stammen, verlangen Hörner im Orchester.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 217.</ref> Jeder Akt beginnt nun mit einem instrumentalen Vorspiel (Ouverture oder Sinfonia) und endet mit einem Chor.<ref name="Dean-Table3" />
Einige Stimmlagen wurden geändert: Mirtillo wurde an den Mezzosopran von Giovanni Carestini angepasst und Silvio mutierte vom Alt zum Sopran (für Carlo Scalzi). Die Zahl der Arien für die beiden Stars, den brillanten Carestini als Mirtillo und Händels Lieblingssängerin Anna Maria Strada als Amarilli wurde vergrößert: Mirtillo hat nun acht Arien und Amarilli fünf. Außerdem erhielten sie ein zweites gemeinsames Duett gegen Ende („Caro, ti dono“).
Ein Schwachpunkt der zweiten Fassung ist die dramaturgisch eigentlich wichtige Figur der Eurilla, die von einer ursprünglich musikalisch anspruchsvollen und interessanten Hauptrolle (in der 1712er Fassung) 1734 zu einer Nebenrolle mit nur zwei Arien wurde, weil Händel auf die nachlassenden Kräfte und den mittlerweile abgesunkenen und begrenzten Stimmumfang seiner alten Freundin Margherita Durastanti Rücksicht nahm.<ref>Genaueres zur zweiten Fassung in: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 217–220 (einschließlich Table 3).</ref><ref name="Ehrmann-68" />
Orchester, Frühling 1734
Zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute bzw. Theorbe, 2 Cembali<ref name=Dean-34 />).
Dritte Fassung, November 1734
Die dritte Fassung von Il pastor fido basiert zu einem großen Teil auf der zweiten Fassung. Die wichtigsten Zusätze sind der Prolog Terpsicore und die Ballett-Divertissements am Ende aller drei Akte der eigentlichen Oper – also die Ergänzungen für Marie Sallé und ihre Balletttruppe. Dadurch hat diese Fassung einen ganz eigenen Charakter, mit einer Tendenz zum französischen Opéra-ballet, der in Händels Werk einzigartig ist.
Einige Nummern von Terpsicore – die Chöre, die beiden ersten Arien und die Chaconne – sind der Serenata Il Parnasso in festa entlehnt. Der Prolog wird durch die F-Dur-Ouverture der zweiten Fassung eingeleitet, aber ohne die Bourrée.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 220 und 222.</ref>
Die Musik des Prologs ist insgesamt von hoher Qualität, reizvoll und zum Teil „von außerordentlicher Schönheit“ („of exceptional beauty“).<ref name="Dean-222">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 222.</ref> Sehr apart ist das Duett Tuoi passi son dardi / Col mezzo d’sguardi (HWV 8b, Nr. 9), bei dem Händel außer Blockflöten, sordinierten Streichern und Pizzicato-Bässen als Continuo-Instrumente „Les Orgues doucement, e la Teorbe“ besetzt – das ist der einzige erhaltene Hinweis auf die Verwendung einer Orgel in einer von Händels Opern.<ref name=Dean-222 />
Die eigentliche Oper wird nun wieder durch die leicht gekürzte D-moll-Ouverture der ersten Fassung eingeleitet (d. h. nur durch den ersten der ursprünglich sechs Sätze).<ref name="Dean-220" />
Wahrscheinlich als Konsequenz der doch beachtlichen Verlängerung der Partitur (allein der Prolog dauert etwa 40 Minuten) und der zwei Solo-Arien für Carestini als Apollo im Prolog wurde die ganze erste Szene des ersten Aktes von Il Pastor fido, mit zwei Arien Mirtillos, gestrichen – daher beginnt die dritte Fassung der Oper nicht mit Mirtillo, sondern mit Amarilli, für die Händel ein neues Accompagnato-Rezitativ einfügte.
Händel komponierte für Carestini als Mirtillo eine neue Bravourarie „Sento brillar nel cor“ (in Akt I, anstelle von „Lontan dal mio tesoro“), die stilistisch vom galanten „neapolitanischen“ Stil beeinflusst ist und an einige Carestini-Arien in Arianna in Creta und Ariodante erinnert.<ref name="Dean-220" />
Bedeutend für den Gesamteindruck ist auch die Änderung der Partie des Silvio für den Tenor John Beard, der ebenfalls eine neue virtuose Ersatzarie im ersten Akt („Non vo' mai seguitar“, HWV 8c, Nr. 7b) erhielt (anstelle von „Quel gelsomino“);<ref name="Dean-220" /><ref>Zur Musik der dritten Fassung siehe auch: Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 69–70.</ref>
Offenbar wegen der Länge dieser Fassung nahm Händel nach der Premiere noch einige Kürzungen vor.<ref>Genaueres in: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 223.</ref>
Orchester, November 1734
Zwei Blockflöten, zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute bzw. Theorbe, 2 Cembali,<ref name=Dean-34 /> Orgelpositiv).
Struktur der Oper
Erste Fassung, 1712
Ouverture – Largo – Allegro – [Menuet] – Adagio – [Allegro]
Erster Akt
| Scena I | 1. Aria. Mirtillo (BC) Fato crudo, Amor severo |
| Recitativo. Mirtillo Ah! nò, sia pur pietosa | |
| 2. Aria. Mirtillo (2 Vl, BC) Augeletti, rusceletti | |
| Scena II | Recitativo. Amarilli Ah! infelice mia patria |
| Scena III | Recitativo. Mirtillo, Amarilli Son di Mirtillo! |
| 3. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Son come navicella | |
| Scena IV | Recitativo. Mirtillo Come viver poss’io |
| Scena V | Recitativo. Eurilla, Mirtillo Ferma, Mirtillo! |
| 4. Aria. Mirtillo (Str, BC) Lontan del mio tesoro | |
| Scena VI | Recitativo. Eurilla Ah! che sperar mi resta |
| 5. Aria. Eurilla (2 Ob, Str, BC) Di goder il bel ch’adoro | |
| Scena VII | 6. Aria. Silvio (2 Vl, BC) Casta Dea, a te divoto |
| Recitativo. Silvio, Dorinda Tu sola, oh bella Diva | |
| 7. Aria. Dorinda (Str, BC) Mi lasci, mi fuggi | |
| Scena VIII | Recitativo. Silvio Cintia, mia casta Dea |
| 8. Aria. Silvio (2 Ob, Str, BC) Non vo’legarmi il cor |
Zweiter Akt
| Scena I | Recitativo. Mirtillo E ancor non giunge Eurilla |
| 9. Aria. Mirtillo (2 Fl, Str, BC) Caro Amor, sol per momenti | |
| Scena II | 10. Aria. Eurilla (2 Vl, Vc, Cemb) Occhi belli, voi sol siete |
| Recitativo. Eurilla Gia fortuna m’arride | |
| Scena III | Recitativo. Mirtillo E chi tenta rapirmi il bel tesoro? |
| 11. Aria. Mirtillo (Str, BC) Allor che sorge astro lucente | |
| Scena IV | Recitativo. Amarilli Mi fian cari i tuoi voti |
| Scena V | Recitativo. Eurilla, Amarilli Mia diletta, che pensi? |
| 12. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Finte labbra! stelle ingrate! | |
| Scena VI | Recitativo. Silvio, Dorinda Vanne lungi da me! |
| 13. Aria. Silvio (2 Vl, BC) Sol nel mezzo risuona del core | |
| Scena VII | Recitativo. Dorinda Dorinda, ove hai tu poste le tue speranze? |
| 14. Aria. Dorinda (Str, BC) Se in ombre nascosto ritira | |
| Scena VIII | Recitativo. Mirtillo, Eurilla Ed è pur ver |
| 15. Aria. Mirtillo (2 Ob, Str, BC) Nel mio core ritorna il contento | |
| Scena IX | Recitativo. Amarilli, Eurilla E tu stessa vedesti recar l'invito? |
| 16. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Nò! non basta a un infedele | |
| Scena X | Recitativo. Eurilla, Mirtillo Ah! tepido amator |
| Scena XI | Recitativo. Eurilla Sù, sù! per mano altrui |
| 17. Aria. Eurilla (2 Ob, Str, BC) Ritorna adesso Amor |
Dritter Akt
| Scena I | Recitativo. Dorinda Sventurato mio amore! |
| 18. Aria. Dorinda (2 Vl, BC) Ho un non so che nel cor | |
| Scena II | Recitativo. Silvio Miei fidi, oggi v’accenda |
| Scena III | Recitativo. Dorinda, Silvio Oh! dolce uscir di vita |
| 19. Aria. Dorinda (2 Ob, 2 Vl, BC) Se m’ami, oh caro | |
| Scena IV | Recitativo. Silvio Amor, se gloria stimi |
| 20. Aria. Silvio (2 Vl, BC) Tu nel piagarmi il seno | |
| Scena V | 21. Aria. Eurilla (2 Ob, Str, BC) D’allor trionfante si cinga la fronte |
| Recitativo. Eurilla Già Amarilli fù colta | |
| Scena VI | Recitativo. Dorinda, Silvio, Eurilla |
| 22. Aria. Eurilla (2 Ob, Str, BC) Secondaste al fine, oh stelle | |
| Scena VII | 23. Sinfonia e Recitativo accompagnato. Amarilli (2 Ob, Fg, Str, BC) Oh! Mirtillo, Mirtillo! |
| Scena VIII | Recitativo. Mirtillo, Amarilli Sciogliete quelle mani! |
| 24. Duetto. Mirtillo, Amarilli (Ob, Fg, Str, BC) Per te, mio dolce bene | |
| Scena IX | 25. Sinfonia. (Str, BC) |
| 26. Aria. Tirenio (2 Vl, BC) Risonar mi sento al core | |
| Recitativo. Tirenio Cessate omai, cessate | |
| Scena X | Recitativo. Mirtillo, Amarilli, Dorinda, Silvio, Eurilla E ti stringo, mio ben! |
| 27. Coro. (2 Ob, Str, BC) Quel ch’il Cielo già prefisse |
Dritte Fassung, November 1734
Prolog Terpsicore
Ouverture
| 1. Coro. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) I nostri cori dobbiamo offrir |
| Recitativo. Apollo Melodiosa germana |
| 2. Aria. Apollo (Fg, Str, BC) Gran tonante |
| Recitativo. Apollo Ma Terpsicore snella, dov’e? |
| 3. Aria. Erato (BC) Di Parnasso i dolci accenti |
| 4. Prelude. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Apollo Ecco sen vien |
| 5. Chaconne. (2 Ob, Fg, Str, BC) |
| 6. Duetto. Erato, Apollo (BC) Col tuo piede brilla amor/Co’tuoi giri incantil il cor |
| 7. Sarabanda. (Str, BC) |
| Recitativo. Apollo Pingi i trasporti d’un amator |
| 8. Gigue. (Str, BC) |
| Recitativo. Erato La speme, e cura d’un fido amor |
| 9. Duetto. Apollo, Erato (BC) Tuoi passi son dardi/Col mezzo d’sguardi |
| Recitativo. Apollo La gelosia, cieco il furor |
| 10. Air. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Erato, Apollo Dai, quando vuoi |
| 11. Aria. Apollo (2 BlFl, Str, BC) Hai tanto rapido |
| 12. Ballo. (2 BlFl, Vl unis) |
| 13. Duetto. Apollo, Erato (2 Vl, BC) Vezzi più amabile |
| 14. Coro. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) Cantiamo lieti della virtù |
Erster Akt
Ouverture – Bourrée
| Scena I | 1b. Recitativo accompagnato. Amarilli (Str, BC) Ah! Infelice mia patria! |
| Scena II | Recitativo. Mirtillo, Amarilli Son di Mirtillo |
| 2b. Aria. Amarilli (2 Vl, BC) D’amor a fier contrasti | |
| Scena III | Recitativo. Mirtillo Come viver poss’io |
| Scena IV | Recitativo. Eurilla, Mirtillo Ferma, Mirtillo! |
| 3. Aria. Mirtillo (2 Ob, Str, BC) Sento brillar nel sen | |
| Scena V | Recitativo. Eurilla Ah! Che sperar mi resta |
| 4. Aria. Eurilla (2 Vl, BC) Frode, sol a te rivolta | |
| Scena VI | Recitativo. Silvio, Amarilli Tu sola, oh bella Diva |
| 5. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Finché un Zeffiro soave | |
| Scena VII | Recitativo. Dorinda, Silvio Respira, anima mia! |
| 6. Aria. Dorinda (2 Fl, Str, BC) Quanto mai felici siete | |
| Scena VIII | Recitativo. Silvio Cintia, mia casta Dea |
| 7b. Aria. Silvio (2 Ob, Str, BC) Non vo’mai seguitar | |
| 8. Coro. (2 Ob, Fg, 2 Hr, Str, BC) Oh, oh quanto bella gloria | |
| 9. Balli: March. (2 Hr, Str, BC) | |
| 10. Pour les Chasseurs. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) | |
| 11. [Allegro]. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) |
Zweiter Akt
| Scena I | 12. Sinfonia. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Mirtillo E ancor non giunge Eurilla | |
| 13. Aria. Mirtillo (Str, BC) Caro Amor | |
| Scena II | Recitativo. Eurilla Già fortuna m'arride |
| 14. Aria. Eurilla (2 Vl, BC) Ho un non so che nel cor | |
| Scena III | Recitativo. Mirtillo E chi tenta rapirmi |
| 15. Aria. Mirtillo (2 Vl, BC) Torni pure un bel splendore | |
| Scena IV | Recitativo. Amarilli Mi fian cari i tuoi voti |
| Scena V | Recitativo. Eurilla, Amarilli Mia diletta, che pensi |
| 16. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Finte labbra! | |
| Scena VI | Recitativo. Silvio, Dorinda Vanne lungi da me! |
| 17. Aria. Silvio (2 Vl, BC) Sol nel mezzo risona del core | |
| Scena VII | Recitativo. Dorinda Non mi fuggir |
| 18. Aria. Dorinda (Str, BC) Se in ombre nascosto | |
| Scena VIII | Recitativo. Mirtillo, Eurilla Ed è pur ver |
| 19. Aria. Mirtillo (2 Vl, BC) Sì, rivedrò | |
| Scena IX | Recitativo. Amarilli, Eurilla E tu stessa vedesti |
| 20. Aria. Amarilli (2 Ob, Str, BC) Scherza in mar la navicella | |
| Scena X | Recitativo. Eurilla, Mirtillo Ah! Tepido amator |
| 21. Aria e Coro. Mirtillo (2 Ob, Fg, Str, BC) Accorrete, o voi pastori | |
| 22. Balli di pastori e pastorelle: Ballo. (2 Ob, Str, BC) | |
| 23. Musette. (2 Fl, Str, BC) | |
| 24. Menuet. (Str, BC) | |
| 25. Menuet. (Str, BC) |
Dritter Akt
| Scena I | 26. Sinfonia. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Dorinda Sventurato mio amore! | |
| Scena II | Recitativo. Silvio Miei fidi, oggi v'accenda |
| 27. Coro. (2 Ob, Fg, 2 Hr, Str, BC) Oh! Quanto bella gloria | |
| Recitativo. Silvio Ma veggio, o veder parmi | |
| Scena III | Recitativo. Dorinda, Silvio Oh! Dolce uscir di vita |
| 28. Aria. Silvio (Str, BC) Sento nel sen distruggersi fra | |
| Scena IV | Recitativo. Eurilla Già Amarilli fu colta |
| Scena V | Recitativo. Dorinda, Silvio, Eurilla Grazie agli Dei, mio cara |
| 29. Aria. Eurilla (2 Ob, Str, BC) Secondaste al fine | |
| Scena VI | 30. Sinfonia e Recitativo accompagnato. Amarilli (2 Ob, Fg, Str, BC) Oh! Mirtillo, Mirtillo! |
| 31. Aria. Amarilli (Str, BC) Ah! Non son io che parlo | |
| Scena VII | Recitativo. Mirtillo, Amarilli Sciogliete quelle mani |
| Scena VIII | 32. Duetto e Coro. Mirtillo, Amarilli (2 Ob, Fg, Str, BC) Per te, mio dolce bene |
| Scena IX | 33. Aria e Recitativo. Tirenio (2 Ob, Str, BC) Dell'empia frode il velo / Cessate omai, cessate |
| Recitativo. Mirtillo, Amarilli, Dorinda, Silvio E ti stringo, mio ben! | |
| 34. Duetto. Amarilli, Mirtillo (Str, BC) Caro / Cara | |
| Recitativo. Eurilla, Dorinda, Silvio, Amarilli, Mirtillo Chiedo, fedeli amanti | |
| 35. Aria. Mirtillo (2 Vl, BC) Sciolga dunque al ballo | |
| 36. [Ballo]. (2 Vl, BC) | |
| 37. Gavotte. (2 Ob, Str, BC) | |
| 38. [Ballo]. (2 Ob, Str, BC) | |
| 39. Coro. (2 Ob, Str, BC) Replicati al ballo, al canto |
Erfolg & Kritik
“[…] the opera; which, upon the whole, is inferior in solidity and invention to almost all his other dramatic productions, yet there are in it many proofs of genius and abilities which must strike every real judge of the art, who is acquainted with the state of dramatic Music at the time it was composed.”
„[…] die Oper, welche im Ganzen gesehen, fast all seinen anderen dramatischen Produktionen an Handwerk und Erfindungsgeist unterlegen ist. Trotzdem sind in ihr viele Beweise seiner Fähigkeiten und seines Genies zu finden, was jeder wirkliche Kunst-Richter zugestehen muss, der sich mit der dramatischen Musik, die in dieser Zeit komponiert wurde, auskennt.“
Diskografie
- Cetra LPC 1265 (1958): Dora Gatta (Mirtillo), Cecilia Fusco (Amarilli), Irma Bozzi Lucca (Eurilla), Anna Reynolds (Silvio), Rena Gavazioti (Dorinda), Renato Miville (Tirenio)
- Orchestra e Coro da camera di Milano; Dir. Ennio Gerelli (HWV 8a)
- Hungaroton HCD 12912-3 (1988): Paul Esswood (Mirtillo), Katalin Farkas (Amarilli), Maria Flohr (Eurilla), Gabor Kallay (Silvio), Marta Lukin (Dorinda), Jozsef Gregor (Tirenio)
- Savaria Vocal Ensemble; Capella Savaria; Dir. Nicholas McGegan (HWV 8c) (147 min)
- Hungaroton HCD 31193 (1993): Derek Lee Ragin (Apollo), Katalin Farkas (Erato)
- Chamber Choir; Capella Savaria; Dir. Nicholas McGegan (Terpsicore HWV 8b) (40 min)
- Harmonia Mundi 907585.86 (2012): Anna Dennis (Mirtillo), Lucy Crowe (Amarilli), Katherine Manley (Eurilla), Clint van der Linde (Silvio), Madeleine Shaw (Dorinda), Lisandro Abadie (Tirenio)
- La Nuova Musica; Dir. David Bates (HWV 8a) (145 min)
Literatur
- Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
- Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7 (englisch).
- Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 978-3-7618-0717-0, S. 57.
- Sabine Ehrmann-Herfort: Il pastor fido (HWV 8a-c), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 63-71
- Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel’s operatic career, volume ii, Garland, New York 1989
- Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992 (andere Ausgabe: Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-458-34355-5.)
- Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
- Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
- Judit Péteri: Il pastor fido. Booklettext zur CD-Einspielung: Hungaroton 12912-14, Kecskemét 1988.
- Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
- David Vickers (deutsche Übersetzung: Ingeborg Neumann): Il pastor fido, Oper in drei Akten HWV 8a, Erste Fassung 1712. Booklettext zur CD-Einspielung: Harmonia Mundi 907585.86 (2012)
Weblinks
- Partitur von Il pastor fido (1712) (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, 1. Ausgabe, Leipzig 1876)
- Partituren von Terpsicore und Il pastor fido (1734) (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, 2. Ausgabe, Leipzig 1890)
- Il pastor fido_1. Fassung: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Terpsicore_und_Il pastor fido: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (PDF; 146 kB) von Terpsicore
- Libretto (PDF; 305 kB) von Il pastor fido (1734)
- Weitere Angaben zu Il pastor fido (1. Fassung)
- Weitere Angaben zu Terpsicore
- Handlung und Hintergrund von Il pastor fido (englisch)
- Opera Register from 1712 to 1734 in der Handel Reference Database
- detaillierte Angaben zu Il pastor fido (1. Fassung) (französisch)
- detaillierte Angaben zu Terpsicore (französisch)
- detaillierte Angaben zu Il pastor fido (3. Fassung) (französisch)
Einzelnachweise
<references />
Opern
Der in Krohnen erlangte Glücks-Wechsel, oder: Almira, Königin von Castilien (HWV 1) |
Die durch Blut und Mord erlangte Liebe, oder: Nero (HWV 2) |
Der beglückte Florindo (HWV 3) |
Die verwandelte Daphne (HWV 4) |
Vincer se stesso è la maggior vittoria (Rodrigo) (HWV 5) |
Agrippina (HWV 6) |
Rinaldo (HWV 7a/b) |
Il pastor fido (HWV 8a/b/c) |
Teseo (HWV 9) |
L. C. Silla (HWV 10) |
Amadigi di Gaula (HWV 11) |
Radamisto (HWV 12a/b) |
Il Muzio Scevola (HWV 13) |
Il Floridante (HWV 14) |
Ottone, re di Germania (HWV 15) |
Flavio, re de’ Longobardi (HWV 16) |
Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) |
Tamerlano (HWV 18) |
Rodelinda, regina de’ Langobardi (HWV 19) |
Scipione (HWV 20) |
Alessandro (HWV 21) |
Admeto, re di Tessaglia (HWV 22) |
Riccardo I., re d’Inghilterra (HWV 23) |
Siroe, re di Persia (HWV 24) |
Tolomeo, re di Egitto (HWV 25) |
Lotario (HWV 26) |
Partenope (HWV 27) |
Poro, re dell’Indie (HWV 28) |
Ezio (HWV 29) |
Sosarme, re di Media (HWV 30) |
Orlando (HWV 31) |
Arianna in Creta (HWV 32) |
Ariodante (HWV 33) |
Alcina (HWV 34) |
Atalanta (HWV 35) |
Arminio (HWV 36) |
Giustino (HWV 37) |
Berenice, regina d’Egitto (HWV 38) |
Faramondo (HWV 39) |
Serse (HWV 40) |
Imeneo (HWV 41) |
Deidamia (HWV 42)
Schauspielmusiken
The Alchemist (HWV 43) |
Comus (HWV 44) |
Alceste (HWV 45)
Oratorien
Il trionfo del Tempo e del Disinganno (HWV 46a) |
Il trionfo del Tempo e della Verità (HWV 46b) |
La Resurrezione (HWV 47) |
Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus (Brockes-Passion) (HWV 48) |
Acis and Galatea (Masque), (HWV 49a) |
Acis and Galatea (Serenata) (HWV 49b) |
Esther (Haman and Mordecai) (Masque, HWV 50a) |
Esther (Oratorium, HWV 50b) |
Deborah (HWV 51) |
Athalia (HWV 52) |
Saul (HWV 53) |
Israel in Egypt (HWV 54) |
L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (HWV 55) |
Messiah (HWV 56) |
Samson (HWV 57) |
Semele (HWV 58) |
Joseph and his Brethren (HWV 59) |
Hercules (HWV 60) |
Belshazzar (HWV 61) |
An Occasional Oratorio (HWV 62) |
Judas Maccabaeus (HWV 63) |
Joshua (HWV 64) |
Alexander Balus (HWV 65) |
Susanna (HWV 66) |
Solomon (HWV 67) |
Theodora (HWV 68) |
The Choice of Hercules (HWV 69) |
Jephtha (HWV 70) |
The Triumph of Time and Truth (HWV 71)
Serenaten und Oden
Aci, Galatea e Polifemo (HWV 72) |
Il Parnasso in festa (HWV 73) |
Ode for the Birthday of Queen Anne (HWV 74) |
The Alexander's Feast (HWV 75) |
Ode for St. Cecilia’s Day (HWV 76)
Pasticci und Fragmente
L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi (HWV A 1) |
Genserico (HWV A 2) |
Ormisda (HWV A 3) |
Venceslao (HWV A 4) |
Titus l’empéreur (HWV A 5) |
Lucio Papirio dittatore (HWV A 6) |
Catone (HWV A 7) |
Semiramide riconosciuta (HWV A 8) |
Caio Fabbricio (HWV A 9) |
Arbace (HWV A 10) |
Oreste (HWV A 11) |
Didone abbandonata (HWV A 12) |
Alessandro Severo (HWV A 13) |
Giove in Argo (HWV A 14)