Zum Inhalt springen

Theodora (Händel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Werkdaten
Titel: Theodora
Datei:Theodora and Didymus.jpg

Theodora und Didymus tauschen im Bordell ihre Kleidung – historischer Kupferstich

Form: Oratorium in drei Teilen
Originalsprache: Englisch
Musik: Georg Friedrich Händel
Libretto: Thomas Morell
Literarische Vorlage: Robert Boyle:
The Martyrdom of Theodora and of Didymus
Uraufführung: 16. März 1750
Ort der Uraufführung: Covent Garden Theatre
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Antiochia, um 304
Personen
  • Theodora, Christin adliger Herkunft (Sopran)
  • Didymus, römischer Offizier, durch Theodora bekehrt (Alt)
  • Irene, Christin, Freundin Theodoras (Alt)
  • Septimius, römischer Offizier, Freund von Didymus (Tenor)
  • ein Bote (Tenor)
  • Valens, römischer Statthalter von Antiochia (Bass)
  • Christen, Heiden (Chor)

Theodora (HWV 68) ist ein dramatisches Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel aus dem Jahr 1750.

Handlung

Erster Akt

Valens lässt zu Ehren des römischen Kaisers in Antiochia einen Festtag ausrufen, an dem Jupiter mit Opfergaben gehuldigt werden soll. Er beauftragt Septimius, jeden mit Kerker oder Tod zu bestrafen, der sich widersetzt. Didymus ersucht ihn, diejenigen auszunehmen, deren Gewissen es nicht erlaubt, fremden Göttern zu dienen, die aber trotzdem Freunde des Kaisers sind. Valens lehnt dies ab.

Didymus will sich bei Septimius vergewissern, dass dieser die Verfolgung nicht unterstütze, weil mit einer Todesdrohung der Glaube nicht zu beugen sei. Septimius hat zwar Verständnis und Mitleid, kann sich aber einem Befehl des Kaisers nicht widersetzen.

Theodora und die Christen schwören den Eitelkeiten der Welt ab. Ein Bote tritt auf und berichtet von der Verfolgung durch die Römer. Irene drückt ihr Vertrauen auf den Herrn aus. Da tritt Septimius auf und beschuldigt die Christen, ihre geheimen Bräuche zu begehen und den Befehl des Kaisers zu missachten. Theodora entgegnet, dass sie lediglich dem Gebot Gottes folgten. Doch Septimius lässt sie in den Freudentempel abführen, wo sie sich prostituieren muss – eine Strafe, die für sie härter als der Tod sein muss.

Didymus kommt und erfährt von den Geschehnissen. Er bittet um Mut und Stärke, um Theodora vor der Schmach zu retten. Die Christen wünschen, dass Gott ihm beistehen möge.

Zweiter Akt

Valens und die Heiden begehen ihr Fest. Septimius wird zu Theodora geschickt, um ihr ein letztes Mal Gelegenheit zu geben, ihren Sinn zu ändern. Tut sie dies und huldigt bis zum Abend den römischen Gottheiten, wird sie freikommen. Theodora ist derweil im Gefängnis, ängstlich und doch gefasst.

Didymus bekennt vor Septimius, dass er von Theodora zum Christentum bekehrt worden sei und dass er sie liebe. Septimius, der selbst auf seine Aufgabe nicht stolz ist, erlaubt ihm, Theodora im Gefängnis zu besuchen.

Während Irene und die Christen an Theodora denken, sucht Didymus sie im Gefängnis auf, um sie zu befreien. Er bietet ihr an, mit ihr die Kleider zu tauschen und ihren Platz im Gefängnis einzunehmen, während sie flieht. Theodora lehnt dies ab und bittet Didymus stattdessen, sie mit dem Tod zu erlösen. Erst als er sich weigert, lässt sie sich auf seinen Plan ein.

Der Chor schließt den Akt mit der Geschichte der Totenerweckung durch Christus in Nain.

Dritter Akt

Theodora kommt in Didymus’ Gewand in die Versammlung der Christen. Gemeinsam hoffen sie für Didymus. Ein Bote tritt auf und berichtet von Valens’ Befehl, die Flüchtige zu ergreifen und sie zu töten. Gegen Irenes Einwände geht Theodora davon, in der Hoffnung, ihren Retter Didymus befreien zu können.

Didymus rechtfertigt sich vor Valens. Einem Todesurteil hätte er sich nicht widersetzt, wohl aber dem von Valens erlassenen Urteil, das diesen der Menschheit verhasst machen würde. Valens verfügt, dass er entweder Reue zeigen oder sterben müsse.

Theodora erscheint und bietet an, an Didymus’ Stelle zu sterben. Septimius drückt seine Bewunderung für ihre hohe Tugend aus. Weil sowohl Didymus als auch Theodora anbieten, füreinander zu sterben, lässt Valens beide hinrichten. Zuversichtlich gehen sie in den Tod.

Gestaltung

Libretto

Das Libretto für Theodora wurde von Thomas Morell geschrieben, der schon vorher mehrere Texte für Händel produziert hatte. Das Material entnahm er der Schrift The Martyrdom of Theodora and of Didymus, die Robert Boyle 1687 in London publiziert hatte. Sie handelt von einer christlichen Märtyrerin, die im Jahr 304 während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian starb. Eine weitere Quelle war das Schauspiel Théodore, vierge et martyre, das Pierre Corneille 1645 schrieb. Der Ursprungstext ist von Händel-Forschern scharf kritisiert worden. Winton Dean bezeichnet die Heldin als „eine der unerträglichsten Tugendboldinnen der Literatur“.

Orchester

Die Orchesterbesetzung des Oratoriums enthält die folgenden Instrumente:<ref>Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2, S. 233–242.</ref>

Werkgeschichte

Nach den von Händel im Autograph eingetragenen Daten begann er die Komposition am 28. Juni 1749. Er beendete den ersten Teil am 5. Juli, den zweiten am 11. Juli, den dritten am 17. Juli. Bis zum 31. Juli konnte er dann die Mittelstimmen vollständig ausfüllen.

Wie üblich verwendete Händel einige Motive aus Werken anderer Komponisten. Bisher wurden als Quellen identifiziert: Gottlieb Muffats Componimenti musicali, Agostino Steffanis Opern La lotta d’Hercole con Acheloo und Orlando generoso, Duette von Giovanni Carlo Maria Clari und eine Messe von Antonio Lotti. Händel kündigte für die Aufführung auch ein neues Orgelkonzert an. Aus der Datierung des Konzerts g-moll HWV 310 auf den 31. Januar 1750 folgert man, dass dieses Konzert zwischen den Akten gespielt wurde.

Die Besetzung wurde bei der Uraufführung am 16. März 1750 im Theatre Royal in Covent Garden von folgenden Sängern gesungen:

Die Uraufführung war ein Misserfolg; das Werk wurde nur zweimal wiederholt, am 21. und 23. März. Danach kam es zu Händels Lebenszeiten nur noch zu einer Wiederaufnahme am 5. März 1755 unter der Leitung von Händels Assistent John Christopher Smith jun.

Theodora ist neben Messiah und La Resurrezione Händels drittes Oratorium mit einem christlichen Thema. Anders als der Messias ist es aber ein echtes dramatisches Oratorium mit einer Handlung. Von Morell ist überliefert, dass Händel zu dem Misserfolg des Werks gesagt haben soll: „The jews will not come to it because it is a christian story; and the ladies will not come because it is a virtuous one“.

Weblinks

Literatur

  • Winton Dean: Handel’s Dramatic Oratorios and Masques. Clarendon, Oxford 1989, ISBN 0-19-816184-0, (Originalausgabe: Oxford University Press, Oxford 1959), (englisch).
  • Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Ein Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2.
  • Albert Scheibler, Julia Evdokimova: Georg Friedrich Händel. Oratorien-Führer. Edition Köln, Lohmar 1993, ISBN 3-928010-04-2.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Opern
Der in Krohnen erlangte Glücks-Wechsel, oder: Almira, Königin von Castilien (HWV 1) | Die durch Blut und Mord erlangte Liebe, oder: Nero (HWV 2) | Der beglückte Florindo (HWV 3) | Die verwandelte Daphne (HWV 4) | Vincer se stesso è la maggior vittoria (Rodrigo) (HWV 5) | Agrippina (HWV 6) | Rinaldo (HWV 7a/b) | Il pastor fido (HWV 8a/b/c) | Teseo (HWV 9) | L. C. Silla (HWV 10) | Amadigi di Gaula (HWV 11) | Radamisto (HWV 12a/b) | Il Muzio Scevola (HWV 13) | Il Floridante (HWV 14) | Ottone, re di Germania (HWV 15) | Flavio, re de’ Longobardi (HWV 16) | Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) | Tamerlano (HWV 18) | Rodelinda, regina de’ Langobardi (HWV 19) | Scipione (HWV 20) | Alessandro (HWV 21) | Admeto, re di Tessaglia (HWV 22) | Riccardo I., re d’Inghilterra (HWV 23) | Siroe, re di Persia (HWV 24) | Tolomeo, re di Egitto (HWV 25) | Lotario (HWV 26) | Partenope (HWV 27) | Poro, re dell’Indie (HWV 28) | Ezio (HWV 29) | Sosarme, re di Media (HWV 30) | Orlando (HWV 31) | Arianna in Creta (HWV 32) | Ariodante (HWV 33) | Alcina (HWV 34) | Atalanta (HWV 35) | Arminio (HWV 36) | Giustino (HWV 37) | Berenice, regina d’Egitto (HWV 38) | Faramondo (HWV 39) | Serse (HWV 40) | Imeneo (HWV 41) | Deidamia (HWV 42)

Schauspielmusiken
The Alchemist (HWV 43) | Comus (HWV 44) | Alceste (HWV 45)

Oratorien
Il trionfo del Tempo e del Disinganno (HWV 46a) | Il trionfo del Tempo e della Verità (HWV 46b) | La Resurrezione (HWV 47) | Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus (Brockes-Passion) (HWV 48) | Acis and Galatea (Masque), (HWV 49a) | Acis and Galatea (Serenata) (HWV 49b) | Esther (Haman and Mordecai) (Masque, HWV 50a) | Esther (Oratorium, HWV 50b) | Deborah (HWV 51) | Athalia (HWV 52) | Saul (HWV 53) | Israel in Egypt (HWV 54) | L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (HWV 55) | Messiah (HWV 56) | Samson (HWV 57) | Semele (HWV 58) | Joseph and his Brethren (HWV 59) | Hercules (HWV 60) | Belshazzar (HWV 61) | An Occasional Oratorio (HWV 62) | Judas Maccabaeus (HWV 63) | Joshua (HWV 64) | Alexander Balus (HWV 65) | Susanna (HWV 66) | Solomon (HWV 67) | Theodora (HWV 68) | The Choice of Hercules (HWV 69) | Jephtha (HWV 70) | The Triumph of Time and Truth (HWV 71)

Serenaten und Oden
Aci, Galatea e Polifemo (HWV 72) | Il Parnasso in festa (HWV 73) | Ode for the Birthday of Queen Anne (HWV 74) | The Alexander's Feast (HWV 75) | Ode for St. Cecilia’s Day (HWV 76)

Pasticci und Fragmente
L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi (HWV A 1) | Genserico (HWV A 2) | Ormisda (HWV A 3) | Venceslao (HWV A 4) | Titus l’empéreur (HWV A 5) | Lucio Papirio dittatore (HWV A 6) | Catone (HWV A 7) | Semiramide riconosciuta (HWV A 8) | Caio Fabbricio (HWV A 9) | Arbace (HWV A 10) | Oreste (HWV A 11) | Didone abbandonata (HWV A 12) | Alessandro Severo (HWV A 13) | Giove in Argo (HWV A 14)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein