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Silla (Händel)

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Werkdaten
Originaltitel: L. C. Silla
Datei:Georg Friedrich Händel - Lucio Cornelio Silla - title page of the libretto - London 1713.png

Titelblatt des Librettos, London 1713

Form: Opera seria
Originalsprache: Italienisch
Musik: Georg Friedrich Händel
Libretto: Giacomo Rossi
Uraufführung: vermutlich 2. Juni 1713
Ort der Uraufführung: Burlington House oder Queen’s Theatre, London
Spieldauer: 2 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Rom, 82–79 v. Chr.
Personen
  • Lucio Cornelio Silla, Diktator von Rom (Alt)
  • Metella, seine Frau (Sopran)
  • Lepido, Volkstribun, Freund des Silla (Sopran)
  • Flavia, seine Frau (Sopran)
  • Claudio, Senator, Geliebter der Celia (Alt)
  • Celia, Tochter des Catulus, eines Leutnants des Silla (Sopran)
  • Mars (Bass)
  • Scabro, Günstling des Silla und Vertrauter der Metella (stumm)

L. C. Silla<ref>Laut Titelblatt des Original-Librettos von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. xviii und S. 209.</ref><ref>Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 81–86 (Überschrift) und S. 83.</ref><ref>Auch Hicks, der sogar meint: „Die Form Lucio Cornelio Silla, die in neuerer Literatur übernommen wurde, ist nicht berechtigt“. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 29</ref> (auch: Silla<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 260–272.</ref><ref>Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 415</ref><ref name="Hicks">Anthony Hicks: Silla. In: The New Grove Dictionary of Opera. Stanley Sadie (Hrsg.), London 1992, ISBN 0-333-73432-7, S. 377.</ref><ref>Stollberg verwendet zwar als Überschrift L. C. Silla…, aber im laufenden Text normalerweise die Kurzform „Silla“. Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 81–86 (Überschrift) und S. 83.</ref><ref>Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. viii-xiv.</ref><ref>Albert Scheibler: Silla, in: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 599–612</ref><ref>Hogwood erwähnt die Oper nur einmal kurz. Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 356.</ref> oder Lucio Cornelio Silla<ref>Baselt verwendet den vollständigen Namen als Überschrift, aber sonst gewöhnlich die Kurzform „Silla“. Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 140–146.</ref><ref>Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 164 und 254.</ref> (HWV 10) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Sie ist mit zwei Stunden Spieldauer seine kürzeste Oper.

Entstehung

Die Umstände der Entstehung von Händels Silla sind bis heute (Stand 2026) nicht völlig geklärt — es ist nicht einmal nachgewiesen, ob die Oper überhaupt jemals aufgeführt wurde.<ref>Dazu besonders ausführlich: Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 30</ref> Ein Exemplar des Original-Librettos wurde Ende der 1960er Jahre von John Merrill Knapp in der Huntington Library in Kalifornien gefunden.<ref>Laut einem 1969 veröffentlichten Artikel Knapps. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 269 (Fußnote 8).</ref><ref name="Stollberg-83">Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83</ref> Dieses Textbuch ist einzigartig, da es weder eine englische Übersetzung des italienischen Textes noch eine Besetzungsliste enthält; auch ist das Format größer als andere Londoner Libretti.<ref name="Dean-269">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 269.</ref> Darüber hinaus wird das Textbuch eingeleitet durch eine ungewöhnlich lange Widmung des Librettisten Giacomo Rossi an den außerordentlichen französischen Botschafter Louis-Marie, Duc D’Aumont de Rochebaron (1667–1723), der nach England gekommen war, um die diplomatischen Beziehungen zwischen England und Frankreich nach dem Spanischen Erbfolgekrieg wieder aufzunehmen; dies führte im Frühjahr 1713 zum Frieden von Utrecht.<ref name=Dean-269 /><ref>Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83–84</ref> Die Widmung an Rochebaron ist auf den 2. Juni 1713 datiert,<ref>Siehe Original-Libretto von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. 217.</ref> was nach den Gepflogenheiten der Zeit auch das Datum der Aufführung sein könnte.<ref name=Dean-269 /><ref name=Hicks /> Der Aufführungsort wird jedoch nicht genannt. Friedrich Chrysander hatte im 19. Jahrhundert die Vermutung geäußert, dass Silla im Burlington House in Piccadilly, der Residenz von Händels Gönner, aufgeführt worden sein könnte und „nicht von großen geschulten Sängern, sondern von den Damen und Herren der Hauses und der Bekanntschaft“.<ref>Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 415</ref> Doch mittlerweile wurde darauf hingewiesen, dass einerseits die anspruchsvollen Gesangspartien italienisch geschulte Sänger verlangen,<ref name="Dean-270">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 270.</ref> und andererseits die erforderlichen Bühneneffekte außerhalb eines großen Theaters nicht hätten umgesetzt werden können. Daher vermuten einige Autoren, dass die Oper im Queen’s Theatre, eventuell als einmalige „Privatvorstellung“, aufgeführt wurde; dabei hätten auch bereits vorhandene Bühnenbilder und Maschinerie benutzt worden sein können.<ref name=Dean-269 /><ref name=Hicks /> Hicks wies allerdings darauf hin, dass „die Idee einer privaten Opernaufführung in London jedoch ... andererseits unbekannt“ sei, und „es ist schwierig zu verstehen, warum die Aufführung einer neuen Oper vor dem französischen Botschafter nicht als ein bedeutendes öffentliches Ereignis betrachtet“ worden sei.<ref>Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 30</ref> Scheibler vermutete (in der Nachfolge von Chrysander) eine „halbszenische Darstellung“ in Burlington House.<ref>Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 599.</ref>

Auch über die beteiligten Interpreten kann nur spekuliert werden. Wenn man davon ausgeht, dass es sich um die Sänger des Queen’s Theatre handelte, könnten diese hypothetisch folgendermaßen auf die Rollen aufgeteilt gewesen sein (laut Chisholm<ref>Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83 und 85 (Fußnote 5)</ref> und Dean und Knapp):<ref name=Dean-270 />

Dabei gibt es aber durchaus Fragezeichen, z. B. bei der Aufteilung der beiden Altpartien Silla und Claudio auf den Kastraten Valentino Urbani und die englische Altistin Jane Barbier, die auch umgekehrt gewesen sein könnte. Denn die Titelrolle in einer Barockoper wurde nicht automatisch vom primo uomo gesungen, wie z. B. in Händels Tamerlano (1725), wo die (ebenfalls unsympathische) Titelrolle von dem secondo uomo Andrea Pacini, und Andronico von dem primo uomo Senesino übernommen wurde.

Aufführungsgeschichte

Eine Wiederbelebung der Oper ließ lange auf sich warten und fand erst am 12. Oktober 1990 (277 Jahre nach ihrer Uraufführung) in der Salle Dupré des Hôtel des Monnaies in Paris unter Leitung von Gabrielle Marcq statt. Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis sah man in Händels Geburtsstadt Halle anlässlich seines 308. Geburtstages am 23. Februar 1993 mit dem Kölner Ensemble La Stravaganza unter der Leitung von Dieter Gutknecht.

Libretto

Giacomo Rossi, der zuvor mit Händel schon an Rinaldo und Il Pastor fido zusammengearbeitet hatte, schrieb das Libretto. Eine Vorlage konnte bisher nicht identifiziert werden, obwohl der römische Diktator Silla (Lucius Cornelius Sulla Felix, 138 v. Chr.–78 v. Chr.) seit dem späten 17. Jahrhundert als Inspiration für mehrere Opern diente.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 262.</ref><ref>Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 254.</ref> Die spezielle Mischung der Handlung, mit einer Betonung von „Sex and Crime“, die oft am Rande der Komik schwebt,<ref>„...die gelegentlich lächerliche Handlung des Librettos...“. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 32</ref> scheint auf ein eher altmodisches Vorgänger-Libretto aus der venezianischen Tradition hinzudeuten.<ref name="Dean-263">Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 263.</ref> Auf ein Vorgängerlibretto könnten auch einige von Händel nie vertonte Szenen hinweisen, unter anderem eine Szene im Amphitheater am Ende des ersten Aktes.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 271.</ref> Dean und Knapp fällten ein hartes Urteil:

“[…] It is the worst libretto Handel ever set, with scarcely a redeeming feature. The construction is clumsy, the characterization incredible. Silla's villainy is as difficult to swallow as Metella's devotion to him and his final repentance. His frenzied pursuit of Flavia and Celia leads him to commit no fewer than seven indecent assaults on stage, all singularly fruitless and most of them followed by an indignant and undignified exit ... in a modern opera-house it would be ludicrous. … In his text, stripped to the minimum of recitative, the incidents remain, grotesquely foreshortened; the motives that occasioned them are suppressed or simplified to the point of banality.”

„Es ist das schlechteste Libretto, das Händel je vertont hat, mit kaum einem Lichtblick. Der Aufbau ist unbeholfen, die Charakterisierung unglaubwürdig. Sillas Schurkerei ist ebenso schwer zu schlucken wie Metellas Hingabe an ihn und seine endgültige Reue. Seine irre Verfolgung von Flavia und Celia führt zu nicht weniger als sieben unanständigen Annäherungsversuchen auf offener Bühne, die alle gleichermaßen erfolglos bleiben und auf die meist ein erzürnter und würdeloser Abgang folgt ... in einem modernen Opernhaus wäre das lächerlich. … In seinem Text sind die Rezitative auf das Minimum reduziert, doch bleiben die Begebenheiten erhalten, grotesk verkürzt; die Motive, die ihnen zugrunde lagen, werden unterdrückt oder bis zur Banalität vereinfacht.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Winton Dean & John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726<ref name=Dean-263>Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 263.</ref>

Handlung

Historisch-literarischer Hintergrund

Datei:Q. Pompeius Rufus, denarius, 54 BC, RRC 434-1 (Sulla only).jpg
Porträt Sullas auf einem Denar des Quintus Pompeius Rufus, 55 v. Chr.

Der historische Hintergrund für die ziemlich reißerische und absurde Handlung – mit einer Betonung von Sillas lasziven Gelüsten und von ihm verhängten Todesstrafen – basiert auf Plutarch (Bíoi parálleloi), wie der Librettist Giacomo Rossi im „Argomento“ („Vorbemerkung“) zum gedruckten Textbuch angibt. Der historischen Überlieferung entspricht die zu Beginn der Oper angedeutete Machtergreifung des Lucius Cornelius Sulla Felix (138 v. Chr.–78 v. Chr.) im Jahre 82 v. Chr., nachdem er den Konsul Gaius Marius besiegt hatte. Sulla errichtete in den drei folgenden Jahren eine Diktatur, in der er seine Feinde – angeblich auf göttlichen Befehl – gnadenlos umbringen ließ. Rossi erwähnt des Weiteren, dass Sulla das Leben eines Wüstlings geführt, mehrere seiner Ehefrauen verstoßen habe und schließlich im Jahre 79 v. Chr., völlig überraschend und ohne Gründe zu nennen, abdankte und sich ins Privatleben zurückzog.<ref>Siehe Original-Libretto von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. 219.</ref><ref name="Leopold">Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 254.</ref>

Die meisten Figuren der Oper sind historisch dokumentiert: Metella hieß eigentlich Caecilia Metella Dalmatica und war die vierte Ehefrau Sullas; anders als in der Oper, starb sie bereits vor seiner Abdankung. Hinter Claudio verbirgt sich Sullas Anhänger Appius Claudius Pulcher, der nach Sullas Rücktritt 79 v. Chr. Konsul wurde. Lepido ist Marcus Aemilius Lepidus, der spätestens seit 81 v. Chr. Prätor und im Jahr 80 v. Chr. als Proprätor Statthalter von Sizilien war. Im Jahr 78 v. Chr. wurde Lepidus Konsul.<ref name=Leopold /> Er versuchte, die Maßnahmen des zurückgetretenen und verstorbenen Diktators Sulla wieder rückgängig zu machen, traf dabei aber auf den Widerstand seines Kollegen Quintus Lutatius Catulus. Letzterer war der Vater der für das Libretto erfundenen Celia.<ref name=Leopold />

Erster Akt

Ein Platz in Rom, mit einem Triumphbogen.
Silla feiert seine Siege über Mario und über die östlichen Königreiche in einem Triumphzug. Als seine Frau Metella und sein Freund Lepido ihn begrüßen, präsentiert er ihnen stolz die gefangenen Führer der eroberten Gebiete und den Kopf des Mario, und verlangt als Gegenleistung für seine Siege die absolute Herrschaft über Rom. (Alza il volo la mia fama, Nr. 1) Darüber sind Metella und Lepido entsetzt, da sie die Freiheit und die Werte der Römischen Republik bedroht sehen. Metella beschließt, ihren Mann von seinem überheblichen Plänen abzubringen (Fuggon l’aure in me di vita, Nr. 2).

Lepidos Frau Flavia erzählt ihm von einem furchtbaren Traum, in dem sie Rom durch ein „schreckliches Monstrum“ in Schutt und Asche gelegt sah. Lepido versucht sie zu beruhigen (Se ben tuona il ciel irato, Nr. 3). Gerade als Flavia gehen will, zückt ein Blitz vom Himmel und zerstört einen großen Teil des Triumphbogens. Flavia und Celia sehen ihre schlimmen Vorahnungen bestätigt und Flavia bittet Jupiter, ihr einen Hoffnungsstrahl zu schicken (Un sol raggio di speranza, Nr. 4).
Nun erscheint Claudio mit einem Porträt, welches er bewundernd betrachtet. Da Celia vermutet, dass es das Bild einer anderen Frau ist, reagiert sie eifersüchtig und entreißt es ihm. Als sie aber sieht, dass es ein Bild des toten Mario ist, den Claudio gegen Silla unterstützt hatte, geraten sie in Streit, da sie selbst als Tochter eines Offiziers des Silla automatisch auch auf dessen Seite ist. Claudio erklärt ihr dennoch seine Liebe (Senti, bel idol mio!, Nr. 5), doch erst als Celia allein ist, gesteht sie sich ein, dass sie ihn liebt, aber aus Gründen der Ehre darf sie es nicht zeigen (Se la speranza nudrisce il mio cor, Nr. 6).

Ein Garten.
Claudio beschuldigt Silla, unrechtmäßig die Macht über Rom an sich gerissen zu haben und die römische Freiheit zu unterdrücken. Um zu verhindern, dass die Situation völlig eskaliert, versucht Celia, die von Weitem Alles mitbekommen hat, Silla mit Fragen nach ihrem Vater abzulenken. Tatsächlich hat Silla einen Brief von ihrem Vater für sie. Nun lässt Claudio sich dazu hinreißen, Silla zu drohen. Der ist empört und verlässt den Garten, gefolgt von Celia. Claudio ist entschlossen, Silla zu bekämpfen (Con tromba guerriera, Nr. 7).

Zweiter Akt

Landschaft mit Tempel der Berekyntia, wo Männer und Frauen Schutz suchen.
Silla begegnet Flavia beim Tempel und macht ihr erotische Avancen, doch sie stellt klar, dass sie zwar seinen Ruhm bewundere, aber ihrem Mann Lepido treu bleiben werde (Qual scoglio in mezzo all’onde, Nr. 8).
Allein geblieben und enttäuscht schläft Silla ein (Dolce nume de’ mortali, Nr. 9). Im Traum erscheint ihm ein Gott (bzw. die Göttin Hekate) auf einem von Drachen gezogenen und von Furien begleiteten Streitwagen und fordert „Krieg, Massaker und Raserei“, wenn Rom nicht Sillas Macht anbete (Guerra, stragi e furor, Nr. 10). Als Silla erwacht, ruft er sofort seine Wachen und fordert sie auf, die Anwesenden zu töten. Lepido eilt herbei und stellt Silla wegen seines blinden Wahns und der Profanierung des Tempels zur Rede. Aber Silla ist überzeugt, als Werkzeug der Götter zu handeln und verlangt, dass Lepido sich von seiner Frau Flavia trenne, damit er, Silla, sie heiraten könne. Als Lepido sich weigert, ist Silla umso entschlossener, jedes Hindernis, das sich seiner Leidenschaft entgegenstellt, mit Gewalt zu überwinden (È tempo, oh luci belle, Nr. 11).

Lepido seinerseits ist nun entschlossen, sich an Silla zu „rächen“ und berichtet Flavia von dessen Vorhaben. Flavia würde lieber sterben als sich von Lepido zu trennen und beide erlären sich gegenseitig ihre Liebe und Treue (Sol per te, bell’idol mio, Nr. 12).
Claudio trifft Celia weinend an, und als er den Grund dafür wissen möchte, berichtet auch sie, dass Silla ihr gegenüber zudringlich wurde. Claudio wird wütend und will ihr Beschützer sein, obwohl sie ihn nicht erhört hat. Da bekennt sie, dass sie seine Liebe erwidert, und er ist glücklich (Mi brilla nel seno, Nr. 13).
Als er gegangen ist, taucht Silla auf und beginnt sofort Celia wieder zu belästigen, trotz der Anwesenheit seiner eigenen Frau Metella. Diese geht empört dazwischen, besingt aber nach Sillas wütendem Abgang die hübschen Augen Celias, die „jedes Herz“ becircen würden (Hai due vaghe pupillette, Nr. 14).

Garten vor Lepidos Palast. In der Mitte erhebt sich eine Statue Sillas.
Flavia ist entsetzt, als Silla mit Soldaten in ihrem Garten erscheint. Er versucht sie zu umarmen und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnt. Doch er lässt nicht locker und will sie wieder umarmen. Da erscheinen vier Geister, schweben um die Statue herum, und diese versinkt im Boden; an ihrer Stelle erhebt sich eine Zypresse (ein Symbol des Todes). Flavia weist ihn darauf hin, dass dies eine Warnung des Himmels sei, doch er macht weiter mit seinen Zudringlichkeiten. Als sie um Hilfe schreit, erscheint Lepido mit gezogenem Schwert. Silla ruft augenblicklich seine Soldaten und lässt die beiden verhaften. Das Paar nimmt voneinander Abschied (Ti lascio, idolo mio, Nr. 15), dann werden sie abgeführt.

Während Claudio und Celia sich ihrer Liebe erfreuen, taucht Silla mit seinen Soldaten auf und lässt Claudio entwaffnen und verhaften. Auch Celia lässt er unter Bewachung abführen. Schließlich befiehlt Silla seinem Diener Scabro, dafür zu sorgen, dass Lepido mit Pfeilen erschossen werde, während Claudio wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden soll. Silla frohlockt im Angesicht seiner Rache (La vendetta è un cibo al cor, Nr. 16). Kaum ist er gegangen, tritt Metella ein und zieht Scabro mit sich, in der Absicht, die Unschuldigen zu retten.

Ein Hof neben dem Wildtiergehege.
Claudio steht am Fenster eines Turmes, blickt hinab auf die Löwen, denen er vorgeworfen werden soll, und betet zu den Göttern (Se’l mio mal da voi dipende, Nr. 17).

Scabro lässt Silla ein durchlöchertes, blutiges Gewand aus dem Besitze Lepidos vor die Füße werfen. Der Diktator ist überaus zufrieden und freut sich schon darauf, dass auch Claudio bald tot sein wird. Doch da erscheint Metella und berichtet von einem Aufstand der Anhänger des toten Mario gegen Silla. Dieser gibt Scabro noch einmal Befehl, für Claudios Exekution zu sorgen und eilt wütend davon.
Nun lässt Metella Scabro schnell die beiden Gefangenen holen und fleht die Götter um Beistand an (Secondate, oh giusti dei, Nr. 18). Als Lepido und Claudio erscheinen, nimmt Metella sie bei der Hand und eilt mit ihnen fort.

Dritter Akt

Korridor zu Metellas Gemächern.
Lepido bedankt sich bei Metella für seine Rettung, doch als er ihr seinen Wunsch mitteilt, Rom durch den Tod Sillas zu befreien, lehnt sie dies ab, da sie doch schließlich dessen Frau sei. Nachdem Scabro ihr einen Brief übergeben hat, aus dem sie von der Abreise Sillas aus Rom erfährt, gibt Metella Scabro Anweisung, Lepido in Flavias Gefängnis zu bringen und sie freizulassen. Metella selber ist traurig, dass ihr Mann sich nicht einmal persönlich von ihr verabschiedet hat (Io non ti chiedo più, Nr. 19) und geht. Nun bedankt Lepido sich bei Scabro für dessen treue Freundschaft und freut sich auf das baldige Wiedersehen mit Flavia (Già respira in petto il core, Nr. 20).

Silla bedrücken mittlerweile die Lasten des Regierens, wo er sich doch eigentlich lieber mit Flavia oder Celia amüsieren würde. So beschließt er vor seiner Abreise nach Trinacria nochmal Celia kommen zu lassen. Doch diese erweist sich einmal mehr seinen „Verführungsversuchen“ gegenüber als immun und bezeichnet ihn als Tyrannen. Nun wird Silla wütend und teilt ihr mit, dass Claudio schon tot sei. Celia ist untröstlich und will selber nicht mehr leben (Sei già morto, idolo mio, Nr. 21). Doch während sie liebevoll und traurig an Claudio denkt, hört sie auf einmal seine Stimme, und als er plötzlich vor ihr steht, hält sie ihn zuerst für einen Geist. Doch schließlich fallen sie sich voller Freude in die Arme und Claudio besingt seine Liebe (Luci belle, serene stelle, Nr. 22).

Gefängnis.
Flavia erwartet ihren Tod und denkt an Lepido (Stelle rubelle, a torto morirò, Nr. 23). Silla erscheint mit einem Soldaten und erzählt ihr, Lepido habe bereits „süße Ruhe“ im Totenreich, wohin sie ihm folgen werde, wenn sie weiterhin ihm (Silla) gegenüber die Stolze spiele. Empört lässt Flavia ihn wieder abblitzen und erwidert, sie sei bereit ihrem Liebsten zu folgen. Da lässt Silla ihr das blutige Gewand Lepidos vor die Füße werfen und zieht wutentbrannt und mit Drohungen von dannen. Während Flavia sich wieder ihren Vorstellungen vom Elysium hingibt, tritt Scabro mit Lepido ein. Flavia glaubt zuerst zu träumen, doch er erzählt ihr, dass Metella ihn gerettet habe. Sie sind überglücklich.

Mondnacht. Meeresufer mit einem Felsen in der Mitte; am Strand ein kleines Schiff und ein Boot.
Silla und Metella verabschieden sich voneinander, bevor er das Schiff besteigt und absegelt. Im selben Moment hebt ein heftiger Sturm an, der Mond verschwindet und ein großer Komet erscheint unter Donner und Blitz. Silla erleidet Schiffbruch, kann aber schwimmend die Felseninsel erreichen. Metella ruft verzweifelt die Götter um Hilfe, steigt in das Boot und rudert zur Insel, um Silla zu retten.

Großer Platz mit dem Kapitol über einer großen Treppe im Hintergrund.
Lepido, Flavia, Claudio und Celia, der Senat und das ganze römische Volk haben sich versammelt, um gegen die Tyrannei Sillas zu revoltieren. Da senkt sich eine Wolke auf das Kapitol hinab und Gott Mars erscheint „in seiner ganzen Pracht“. Alle knien nieder, um ihn anzubeten. Im selben Moment kommt Metella mit Silla, der ebenfalls niederkniet, reuig sein Schwert niederlegt und auf alle Würden der Republik verzichtet. Schließlich bittet er Mars und das ganze Vaterland um Vergebung für alle seine Fehler und verkündet, dass er seine letzten Tage zurückgezogen mit Metella verbringen wolle. Dann gibt er sein Einverständnis für die Ehe zwischen Claudio und Celia. Alle erheben sich und besingen den Himmel, der allein Rettung aus der Not bringen könne (Chi si trova tra procella, Nr. 24).

Musik

Datei:G.f.händel by harding after a painting by dennes.gif
Georg Friedrich Händel Stich von Harding nach dem Porträt von B. Denner

Abgesehen von dem nur unvollständig erhaltenen Autograph wird die Musik zu Silla in fünf späteren Abschriften überliefert.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 270 und 271–272.</ref><ref>Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 145.</ref> In einer dieser Abschriften (Add MS 5334, aus dem Besitz von Sir John Hawkins) wurde die Komposition irrtümlich Giovanni Bononcini zugeschrieben;<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 272.</ref> dies ist auch die einzige Quelle, die eine Ouverture (in sechs Sätzen) überliefert.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 268, 270 und 271.</ref> Dean und Knapp wiesen darauf hin, dass die Partitur zum Teil unvollständig wirkt, da Händel für einige signifikante Ereignisse, wie den Triumph zu Beginn, oder vor allem auch für die überirdischen Erscheinungen gegen Ende der Oper keine (Instrumental-)Musik geschrieben zu haben scheint – es sei denn, die Überlieferung ist tatsächlich lückenhaft.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 264.</ref><ref>Bei modernen Aufführungen bzw. Einspielungen werden normalerweise dafür passende Instrumentalstücke aus anderen Werken eingefügt.</ref>

Auch wenn die Handlung ziemlich absurd ist und es einige Lücken in der Partitur geben mag, findet sich in Händels Musik manches Interessante und Erfindungsreichtum, was indirekt durch die Tatsache bestätigt wird, dass er zwei Jahre später relativ viel Material aus Silla in seinem Amadigi wieder verwendete, und zwar aus acht Arien (Nr. 1, 4, 9, 12, 16–19, 21), darunter auch zwei Arien (Nr. 12 und 16) mit Entlehnungen aus Keisers Die römische Unruhe oder Die edelmütige Octavia (1705).<ref>Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 146 (ausführlich) und 155 (nur Hinweis).</ref><ref>Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 85</ref><ref>Auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 264 und 268</ref>

Händel verwendet in Silla noch nicht soviele verschiedene Tonarten wie in seinen späteren Opern und es fällt eine Betonung von B-Dur (Ouverture und 5 Nummern), g-moll (sechsmal) und F-Dur (viermal) auf. Im zweiten Akt gibt es einige Stellen, wo zwei Arien unterschiedlicher Figuren hintereinander dieselbe Tonart aufweisen<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 269.</ref> (Nr. 8 und 9 in F-Dur, Nr. 16 und 17 in g-moll).<ref>Alle im Folgenden erwähnten Tonarten, Taktarten und Vortragsbezeichnungen, wenn nicht in anderen Quellen erwähnt, siehe: Bernd Baselt: ''Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke.'' In: Walter Eisen (Hrsg.): ''Händel-Handbuch.'' Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 3-7618-0610-8), S. 140–145.</ref>

Das Sänger-Ensemble besteht fast ausschließlich aus hohen Stimmen: vier Sopranen, zwei Altstimmen (Silla und Claudio) und dem winzigen Bass-Part des Gottes in der Traumszene Sillas. Im Schlusschor werden ungewöhnlicherweise nur zwei Stimmlagen (Sopran, Alt) verwendet.<ref>Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 608.</ref>

Von den 24 Gesangsnummern hat Claudio mit fünf Arien den größten Part – er ist also der primo uomo<ref>„Musikalisch gesehen hat Claudio die führende männliche Rolle...“. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 32</ref> –, gefolgt von Silla und Metella mit jeweils vier Arien. Flavia hat drei Arien sowie zwei Duette (davon ein kurzes Duettino) mit Lepido, welcher nur zwei Arien singt. Auch Celia hat nur zwei Arien.

Der Großteil der besten und schönsten Nummern der Partitur gehört zu den später in Amadigi wiederverwerteten Stücken, wie Flavias „Un sol raggio di speranza“ (Akt I, Nr. 4), Sillas Schlummer-Cavatina „Dolce nume“ (Akt II, Nr. 9), das Duett von Flavia und Lepido „Sol per te“ (Akt II, Nr. 12), Metellas aufgeregtes „Secondate, oh giusti dei“ am Ende des zweiten Aktes (Nr. 18), und Celias ergreifende Arie „Sei già morto“ (Akt III, Nr. 21), als sie Claudio für tot hält.

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Auschnitt aus Flavias Gefängnisarie „Stelle rubelle“ (B-Teil: rechts). Abschrift aus dem Besitz Victor Schœlchers, 19. Jhdt.

Von den übrigen Nummern sind besonders interessant:

  • Metellas Auftrittsarie „Fuggon l’aure“ (Nr. 2), die zwei kontrastierende Affekte hat: Im A-Teil ist die melancholische Gesangslinie von einer reich bewegten Continuo-Bassstimme unterlegt, während der B-Teil ein dramatisches Allegro mit Streichorchester ist. Metellas „Hai due pupillette“ (Akt II, Nr. 14) ist eine attraktive Giga mit Oboen und Fagott, deren inhaltlich-dramaturgischer Sinn allerdings ein Rätsel ist.<ref>„...but it is absurd that Silla's unbridled lust for another woman should stimulate his wife to a tender meditation on the power of love“. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 264.</ref>
  • Claudios kriegerische Trompetenarie „Con tromba guerriera“ (Nr. 7) am Ende des ersten Aktes und sein G-moll-Adagio „Se’l mio mal da voi dipende“ (Akt II, Nr. 17), ein kurzes Gebet mit einer Staccato-Begleitung, die mit einfachen Mitteln aber effektiv den Schrecken angesichts der Löwen verbildlicht, denen er zum Fraß vorgeworfen werden soll. Daneben hat er aber auch zwei glückliche, tänzerische Arien mit Blockflöte im Orchester („Mi brilla nel seno“, Nr. 13, und „Luci belle“, Nr. 22).<ref>Hicks erwähnt auch alle vier Stücke. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 32</ref>
  • Die gesamte Schlaf- und Traumszene Sillas im zweiten Akt ist besonders in formaler Hinsicht interessant. Der poetischen Schlummer-Cavatina „Dolce nume“ (Nr. 9) folgt die fulminante Erscheinung des Gottes und dessen Scena „Guerra, stragi“ (Nr. 10), deren B-Teil als Accompagnato vertont wurde. Dem Dacapo folgt ohne Übergang ein Secco-Rezitativ Sillas, wo dieser nicht nur die Worte „Guerra, stragi“ wiederholt, sondern auch in Koloraturen die aggressive Stimmung fortführt. Nach einem Rezitativ-Dialog mit Lepido folgt Sillas Arie „È tempo, oh luci belle“ (Nr. 11), deren A-Teil eine Art von Siciliano im 12/8-Takt ist, während im wiederum stark kontrastierenden B-Teil im Allegro-Tempo seine Zerstörungswut ausdrückt wird.<ref>Dazu auch: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 268.</ref>
  • Das kurze Duettino „Ti lascio“ (Akt II, Nr. 15), ein nur vom Continuo begleitetes Adagio in f-moll, in dem sich Flavia und Lepido nach ihrer Gefangennahme voneinander verabschieden.<ref>Dazu auch (mit Notenbeispiel): Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 265–266.</ref>
  • Flavias G-moll-Arie „Stelle rubelle“ (Akt III, Nr. 23), als sie im Gefängnis ihren ungerechten Tod erwartet. Auch hier gibt es einen starken Kontrast zwischen einem A-Teil im Dreiertakt und einem geradtaktigen B-Teil, und es ist ein ungewöhnlicher und interessanter Einfall, dass der von einem pochenden Streicherteppich begleitete B-Teil, wo sie ihr Unglück angesichts eines Lebens ohne Lepido besingt – den sie schon im Elysium sieht –, nach einem Secco-Dialog mit Silla wiederholt wird.<ref>Ausführlicher dazu (mit Notenbeispiel): Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 266–267.</ref>

In mindestens sechs Arien der Oper wurden Entlehnungen aus eigenen Kantaten Händels gefunden,<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 264.</ref> außerdem gibt es, wie oben erwähnt, in zwei Arien (12 und 16) Motiv-Verwandtschaften mit Stücken aus Keisers Oper Octavia (1705).<ref>Baselt erwähnt nur drei Arien mit Material aus früheren Kantaten. Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 146.</ref>

Orchester

Zwei Blockflöten, zwei Oboen, Fagott, Trompete, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute bzw. Theorbe, 2 Cembali<ref>Die genannte Besetzung, u. a. mit zwei Cembali (wie in italienischen Opernaufführungen), ist für Aufführungen der 1720er Jahre überliefert. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.</ref>).

Struktur der Oper

Ouverture – Andante – Menuetto (2 Ob, Str, BC)

Erster Akt

Scena I Recitativo. Metella, Lepido, Silla Silla, s’hoggi risplende
1. Aria. Silla (2 Ob, 2 Vl, BC) Alza il volo la mia fama
Scena II Recitativo. Metella, Lepido Si ecclissa la mia gioja
2. Aria. Metella (2 Ob, Str, BC) Fuggon l’aure in me di vita
Scena III Recitativo. Flavia, Lepido Cieli! Numi! che vidi?
3. Aria. Lepido (2 Ob, Str, BC) Se ben tuona il ciel irato
Scena IV Recitativo. Celia, Flavia Sin con lingua di foco
4. Aria. Flavia (2 Ob, Str, BC) Un sol raggio di speranza
Scena V Recitativo. Celia, Claudio Sino su li occhi miei
5. Aria. Claudio (Str, BC) Senti, bel idol mio!
Scena VI Recitativo. Celia Sì, t’amo, oh caro!
6. Aria. Celia (Ob, 2 Vl, BC) Se la speranza nudrisce il mio cor
Scena VII Recitativo. Claudio, Silla, Celia Silla, dov’è la gloria
7. Aria. Claudio (Trp, 2 Ob, Str, BC) Con tromba guerriera

Zweiter Akt

Scena I Recitativo. Silla, Flavia Flavia! / Signor, la tua grandezza
8. Aria. Flavia (Str, BC) Qual scoglio in mezzo all’onde
Scena II Recitativo. Silla T’arresta, altera!
9. Aria. Silla (2 BlFl, 2 Vl, BC) Dolce nume de’ mortali
Scena III 10. Aria. Il Dio (2 Ob, Str, BC) Guerra, stragi e furor
Scena IV Recitativo. Silla Guerra, stragi e furor
Scena V Recitativo. Lepido, Silla Silla! Ove ti guida
11. Aria. Silla (Str, Vc, Fg, Cemb, BC) È tempo, oh luci belle
Scena VI Recitativo. Flavia, Lepido Mio diletto, che pensi?
12. Duetto. Lepido, Flavia (2 Ob, Str, BC) Sol per te, bell’idol mio
Scena VII Recitativo. Claudio, Celia Bella, lascia i sospiri?
13. Aria. Claudio (2 BlFl, Str, BC) Mi brilla nel seno
Scena VIII Recitativo. Silla, Metella Mio bel nume, t’arresta!
14. Aria. Metella (2 Ob, 2 Vl, BC) Hai due vaghe pupillette
Scena IX Recitativo. Flavia, Silla, Lepido Che miro? oh Dei!
Scena X Recitativo. Lepido, Silla, Flavia Tanto ardisci?
15. Duettino. Lepido, Flavia (Str, BC) Ti lascio, idolo mio
Scena XI Recitativo. Claudio, Celia, Silla Anima mia!
Scena XII Recitativo. Silla Scabro! Lepido sia
16. Aria. Silla (2 Vl, BC) La vendetta è un cibo al cor
Scena XIII Recitativo. Metella Oh! Perfido consorte
Scena XIV 17. Aria. Claudio (2 Vl, BC) Se’l mio mal da voi dipende
Scena XV Recitativo. Silla Sì, questi son trofei
Scena XVI Recitativo. Metella, Silla Deh! Corri al tuo signore!
Scena XVII Recitativo. Metella T’affretta, oh Scabro
18. Aria. Metella (2 Ob, Str, BC) Secondate, oh giusti dei

Dritter Akt

Scena I Recitativo. Lepido, Metella Quanto devo, oh Metella
Scena II Recitativo. Metella, Lepido Dunque partir deve
19. Aria. Metella (2 Ob, Str, BC) Io non ti chiedo più
Scena III Recitativo. Lepido Alla tua fedeltade
20. Aria. Lepido (Str, BC) Già respira in petto il core
Scena IV Recitativo. Silla L’imperio quanto è più vasto
Scena V Recitativo. Silla, Celia Placasti, oh bella diva
21. Aria. Celia (2 Ob, 2 Vl, BC) Sei già morto, idolo mio
Scena VI Recitativo. Celia, Claudio Rimembranze funeste
22. Aria. Claudio (2 BlFl, Str, BC) Luci belle, serene stelle
Scena VII 23. Aria. Flavia (2 Ob, Str, BC) Stelle rubelle, a torto morirò
Scena VIII Recitativo. Silla, Flavia Al fin, del mio rigore
Scena IX Recitativo. Flavia, Lepido Spirto adorato, oh Dio!
Scena X Recitativo. Silla, Metella Metella, oh Dio!
Scena XI Recitativo. Metella Propizio arrida il cielo
Scena XII Recitativo. Lepido, Claudio Pera la feritade
Recitativo. Silla, Lepido, Flavia, Celia, Claudio De’ miei falli pentito
24. Coro. (2 Ob, Str, BC) Chi si trova tra procella

Diskografie

  • SOMM Recordings 227-8 (2000): James Bowman (Silla), Rachel Nicholls (Metella), Joanne Lunn (Lepido), Natasha Marsh (Flavia), Simon Baker (Claudio), Elizabeth Cragg (Celia), Christopher Dixon (Il Dio)
London Handel Orchestra; Dir. Denys Darlow (115 min)
Europa Galante; Dir. Fabio Biondi (113 min)

Literatur

  • Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
  • Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860.
  • Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7 (englisch).
  • Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989.
  • Anthony Hicks: Silla. In: The New Grove Dictionary of Opera. Stanley Sadie (Hrsg.), London 1992, ISBN 0-333-73432-7, S. 377
  • Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000).
  • Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-458-34355-5.
  • Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
  • Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
  • Albert Scheibler: Silla, in: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 599–612
  • Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 81–86

Weblinks

Commons: Lucio Cornelio Silla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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Opern
Der in Krohnen erlangte Glücks-Wechsel, oder: Almira, Königin von Castilien (HWV 1) | Die durch Blut und Mord erlangte Liebe, oder: Nero (HWV 2) | Der beglückte Florindo (HWV 3) | Die verwandelte Daphne (HWV 4) | Vincer se stesso è la maggior vittoria (Rodrigo) (HWV 5) | Agrippina (HWV 6) | Rinaldo (HWV 7a/b) | Il pastor fido (HWV 8a/b/c) | Teseo (HWV 9) | L. C. Silla (HWV 10) | Amadigi di Gaula (HWV 11) | Radamisto (HWV 12a/b) | Il Muzio Scevola (HWV 13) | Il Floridante (HWV 14) | Ottone, re di Germania (HWV 15) | Flavio, re de’ Longobardi (HWV 16) | Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) | Tamerlano (HWV 18) | Rodelinda, regina de’ Langobardi (HWV 19) | Scipione (HWV 20) | Alessandro (HWV 21) | Admeto, re di Tessaglia (HWV 22) | Riccardo I., re d’Inghilterra (HWV 23) | Siroe, re di Persia (HWV 24) | Tolomeo, re di Egitto (HWV 25) | Lotario (HWV 26) | Partenope (HWV 27) | Poro, re dell’Indie (HWV 28) | Ezio (HWV 29) | Sosarme, re di Media (HWV 30) | Orlando (HWV 31) | Arianna in Creta (HWV 32) | Ariodante (HWV 33) | Alcina (HWV 34) | Atalanta (HWV 35) | Arminio (HWV 36) | Giustino (HWV 37) | Berenice, regina d’Egitto (HWV 38) | Faramondo (HWV 39) | Serse (HWV 40) | Imeneo (HWV 41) | Deidamia (HWV 42)

Schauspielmusiken
The Alchemist (HWV 43) | Comus (HWV 44) | Alceste (HWV 45)

Oratorien
Il trionfo del Tempo e del Disinganno (HWV 46a) | Il trionfo del Tempo e della Verità (HWV 46b) | La Resurrezione (HWV 47) | Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus (Brockes-Passion) (HWV 48) | Acis and Galatea (Masque), (HWV 49a) | Acis and Galatea (Serenata) (HWV 49b) | Esther (Haman and Mordecai) (Masque, HWV 50a) | Esther (Oratorium, HWV 50b) | Deborah (HWV 51) | Athalia (HWV 52) | Saul (HWV 53) | Israel in Egypt (HWV 54) | L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (HWV 55) | Messiah (HWV 56) | Samson (HWV 57) | Semele (HWV 58) | Joseph and his Brethren (HWV 59) | Hercules (HWV 60) | Belshazzar (HWV 61) | An Occasional Oratorio (HWV 62) | Judas Maccabaeus (HWV 63) | Joshua (HWV 64) | Alexander Balus (HWV 65) | Susanna (HWV 66) | Solomon (HWV 67) | Theodora (HWV 68) | The Choice of Hercules (HWV 69) | Jephtha (HWV 70) | The Triumph of Time and Truth (HWV 71)

Serenaten und Oden
Aci, Galatea e Polifemo (HWV 72) | Il Parnasso in festa (HWV 73) | Ode for the Birthday of Queen Anne (HWV 74) | The Alexander's Feast (HWV 75) | Ode for St. Cecilia’s Day (HWV 76)

Pasticci und Fragmente
L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi (HWV A 1) | Genserico (HWV A 2) | Ormisda (HWV A 3) | Venceslao (HWV A 4) | Titus l’empéreur (HWV A 5) | Lucio Papirio dittatore (HWV A 6) | Catone (HWV A 7) | Semiramide riconosciuta (HWV A 8) | Caio Fabbricio (HWV A 9) | Arbace (HWV A 10) | Oreste (HWV A 11) | Didone abbandonata (HWV A 12) | Alessandro Severo (HWV A 13) | Giove in Argo (HWV A 14)

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