Scipione (Händel)
| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Scipione |
Titelblatt des Librettos, London 1726 | |
| Form: | Opera seria |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Georg Friedrich Händel |
| Libretto: | Paolo Antonio Rolli |
| Literarische Vorlage: | Antonio Salvi: Publio Cornelio Scipione (1704) |
| Uraufführung: | 12. März 1726 |
| Ort der Uraufführung: | King’s Theatre, Haymarket, London |
| Spieldauer: | 3 Stunden |
| Ort und Zeit der Handlung: | Neu-Karthago, 210 v. Chr./209 v. Chr. |
| Personen | |
Scipione<ref>Laut Original-Libretto von 1726</ref><ref>Hallische Händelausgabe von Reinhard Strohm</ref><ref>Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 141, 142, 143</ref><ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 604</ref> oder (englisch, deutsch) Scipio<ref name="Hicks">Anthony Hicks: Scipione (‘Scipio’), in: Grove music online, 1992/2002 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement)</ref><ref>Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 140 f.</ref> (auch: Publio Cornelio Scipione<ref>Im Händel-Handbuch Band 1 wird als Überschrift des Artikels Publio Cornelio Scipione verwendet, aber im folgenden Text der offensichtliche Original-Titel Scipione. Die dort gelisteten zeitgenössischen Libretti und Notenausgaben verwenden entweder Scipione oder das englische Scipio. Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 251.</ref><ref name=Jahr-162>Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 162</ref>; HWV 20) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die ihre Uraufführung am 12. März 1726 im King’s Theatre am Haymarket in London erlebte.
Thema der Handlung ist die sogenannte „Enthaltsamkeit des Scipio“ (italienisch: „la continenza di Scipione“), die als ideales Vorbild für Tugend, Moral und ehrenhaftes Verhalten – insbesondere für die Mäßigung und Beherrschung eigener Leidenschaften – von der Renaissance bis ins 18. Jahrhundert ein beliebter Gegenstand in der Malerei wie auch auf der Opernbühne war.<ref name=Hicks />
Entstehung
Die siebente Opernsaison der Royal Academy of Music war am 30. November 1725 mit einer Wiederaufnahme des Pasticcios L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi (mit Musik von Leonardo Vinci) eröffnet worden; es folgten Wiederaufnahmen von Rodelinda und Ottone<ref>Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar 1992, S. 359</ref> sowie im Januar 1726 eine Oper namens Elisa, deren Musik möglicherweise von Nicola Porpora stammte.<ref name=Baselt4-141>Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 141</ref>
Scipione war die letzte Oper, die Händel vor der lang erwarteten Ankunft der berühmten prima donna Faustina Bordoni schrieb. In der Literatur wird oft davon ausgegangen, dass die Oper eigentlich nur als „Lückenbüßer“ und in großer Eile geschrieben wurde, weil sich Bordonis Ankunft in London wegen ihres vorhergehenden Engagements in Wien und am dortigen Kaiserhof verzögert habe.<ref>Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 162</ref><ref>Christine Wunnicke: Die Nachtigall des Zaren – Das Leben des Kastraten Filippo Balatri, Allitera Verlag, München 2010, S. 140–141</ref><ref>Wolfgang Hochstein & Saskia Woyke: Faustina Bordoni, in: MGG online, 2000/2016 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement; abgerufen am 17. Januar 2026)</ref><ref name="Dean-24">Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 24</ref><ref>Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 142.</ref> Zumindest hatte Händel anscheinend schon vorher (oder gleichzeitig?) mit der Komposition seines Alessandro begonnen, der als Londoner Debut der Bordoni vorgesehen war. Das geht aus der Tatsache hervor, dass er eine Sinfonia aus Alessandro (aus dem zweiten Akt) in den Scipione übertrug.<ref name="Dean-24" />
Wann Händel mit Scipione begann, ist nicht bekannt, aber sein Librettist Paolo Antonio Rolli behauptete, sie sei innerhalb von nur drei Wochen entstanden.<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 617</ref> Die Fertigstellung der Komposition ist am Ende des Autographs notiert: „Fine dell’Opera GFH March 2 1726.“<ref name=Baselt4-141 />
Schon zehn Tage später, am 12. März, wurde die Oper im King’s Theatre in London erstmals aufgeführt, mit den folgenden Sängern:<ref>Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 21.</ref>
- Scipione – Antonio Baldi (Alt-Kastrat)
- Lucejo – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Alt-Kastrat)
- Berenice – Francesca Cuzzoni (Sopran)
- Lelio – Luigi Antinori (Tenor)
- Ernando – Giuseppe Maria Boschi (Bass)
- Armira – Livia Costantini, genannt „La Polacchina“ (Sopran)
Die Oper kam auf dreizehn Vorstellungen bis zum 30. April.<ref>Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 141–142.</ref>
Wiederaufnahme
Eine Wiederaufnahme erfolgte ab dem 3. November 1730 für sechs Aufführungen, in der allerdings zahlreiche Umarbeitungen vorgenommen wurden. Weniger als die Hälfte der originalen Gesänge blieb erhalten, dafür fügte Händel Arien aus früheren Opern ein – wie bei einem Pasticcio – und komponierte einiges neu. Die größten Änderungen betrafen die Titelrolle des Scipione, die für den Tenor Annibale Pio Fabri wegen der anderen Stimmlage ganz neu gestaltet werden musste, sowie die Partie der Armira, die für Antonia Margherita Merighi größer ausgebaut wurde. Nach Meinung von Winton Dean waren diese Änderungen kein Gewinn, außer eventuell für die Rolle der Armira.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 618–619.</ref>
Moderne Aufführungsgeschichte
Die erste moderne Aufführung fand am 20. Juni 1937 bei den Göttinger Händel-Festspielen in einer deutschen Textfassung von Emilie Dahnk-Baroffio und unter der musikalischen Leitung von Fritz Lehmann statt.
Die erste vollständige Aufführung des Stückes seit 1726 und in historischer Aufführungspraxis war eine konzertante Aufführung am 24. Juni 1993 beim „Festival International de Musique Baroque“ in Beaune mit den Les Talens Lyriques, unter Leitung von Christophe Rousset.
Libretto
Händels Libretto wurde von Paolo Antonio Rolli auf der Vorlage von Antonio Salvis Publio Cornelio Scipione erstellt, welches 1704 im Auftrag des Prinzen Ferdinando de’ Medici entstanden und in Livorno aufgeführt worden war (Komponist unbekannt)<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 607 (auch: Fußnote 6).</ref>. Vor Händel entstanden zahlreiche andere Opern über das Thema der „Enthaltsamkeit des Scipio“, über Libretti von Nicolò Minato (Scipione affricano, Venedig 1664, Musik von Francesco Cavalli),<ref>Martha Novak Clinkscale: Scipione affricano, in: Grove music online, 1992/2002 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement)</ref> Apostolo Zeno (Scipione nelle Spagne, 1710)<ref>Elena Sala Di Felice: Zeno, Apostolo, in: Grove music online, 2001 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement)</ref> und Agostino Piovene (Publio Cornelio Scipione, Venedig 1712; vertont von Carlo Francesco Pollarolo und Leonardo Vinci)<ref>Zu Komponisten siehe Abschnitt Writings, in: Michael Talbot, Kurt Markstrom: Piovene, Agostin, in: Grove music online, 1992/2002 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement)</ref>. Während vor allem Zenos Libretto häufiger vertont wurde – u. a. von Alessandro Scarlatti, Caldara und Albinoni –,<ref>Zu den Komponisten siehe unter Theatrical Works, in: Elena Sala Di Felice: Zeno, Apostolo, in: Grove music online, 2001 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement)</ref> ist Händels Scipione die einzige spätere Bearbeitung nach Salvi.<ref name="Dean-607">Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 607.</ref>
Rollis Textbuch gilt allgemein als eher schwach, was zumindest teilweise der Eile zugeschrieben wird, unter denen die Oper anscheinend entstand. Wie immer wurden die Rezitativ-Texte für das Londoner Publikum stark gekürzt. Rolli ersetzte aber auch die originalen Arien-Texte und strich die meisten Nebenfiguren von Salvis Vorlage. Die Rolle der Armira, die bei Salvi gleiches Gewicht wie Berenice und Lucejo hat, wurde stark beschnitten. Stattdessen wurde als neue Figur Berenices Vater Ernando eingeführt.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 607–608.</ref> Ursprünglich war auch ein Part für Berenices Mutter Rosalba geplant, der aber bereits während der Komposition wieder gestrichen wurde, weil die Altistin Anna Vicenza Dotti nicht mehr verfügbar war; die bereits komponierte Musik teilte Händel dem Part des Ernando zu.<ref>Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 261.</ref> Insgesamt ist die Handlung im Vergleich zu Salvi stark vereinfacht und auf die Liebesintrigen zentriert, die meisten politischen Zusammenhänge sowie komische Szenen entfielen.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 608–610.</ref><ref>Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 161–162</ref> Ein Pluspunkt ist die Tatsache, dass das lieto fine, anders als in vielen anderen Barockopern, organisch aus der Handlung entwickelt wird, glaubwürdig wirkt und nicht zuletzt auch der historischen Überlieferung entspricht.
Handlung
Historischer und literarischer Hintergrund
Von den zahlreichen römischen Persönlichkeiten mit dem Namen Scipio ist hier Publius Cornelius Scipio Africanus Major gemeint, der während des Zweiten Punischen Krieges 218–204 v. Chr. Carthago Nova (das heutige Cartagena) eroberte, die wichtigste Handelsniederlassung der Karthager auf europäischem Boden. Der historische Hintergrund wird berichtet in den Historiae (10. Buch) des griechischen Geschichtsschreibers Polybios und in dem römischen Geschichtswerk Ab Urbe Condita von Titus Livius. Im 50. Kapitel des 26. Buches berichtet Livius, ohne ihren Namen zu nennen, von einem ausnehmend schönen Mädchen, welches sich unter den Gefangenen nach der Eroberung Neu-Karthagos befand. Von einer Verliebtheit Scipios, wie in der Oper, ist bei keinem der beiden Historiker die Rede. Statt die junge Frau als „Beute“ und Sklavin für sich zu beanspruchen, behandelte er sie sehr respektvoll, gab sie ihrem Bräutigam, dem keltiberischen Häuptling Allucius, unversehrt zurück und gewann ihn dadurch zum Verbündeten.<ref name="Leopold">Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 271 ff.</ref> Das von ihren Eltern für den Freikauf bestimmte Gold nahm Scipio nur an, um es sofort dem Liebespaar als Brautgeschenk zu überreichen. Allucius schwor daraufhin Scipio Treue und begann sofort unter seinen Leuten mit der Rekrutierung von Soldaten für das römische Heer: Schon nach wenigen Tagen konnte er Scipio 1400 Reiter schicken.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 606.</ref>
Erster Akt
Platz mit Triumphbogen in Neu-Karthago. Scipione zieht mit seinem Streitwagen im Triumph durch die eroberte Stadt und zeichnet seine besten Kämpfer für ihre Taten aus. Lelio lässt die Gefangenen vorführen. Als Scipione diese mustert, fällt ihm eine besonders schöne Frau mit dem Namen Berenice darunter auf. Zusammen mit ihrer Vertrauten Armira übergibt er sie der Obhut Lelios und versichert ihr, dass ihre Ehre nicht angetastet werde. Danach setzt er seinen Triumphzug fort. Lelio erfährt von Berenice, dass sie Lucejos Verlobte ist, und erzählt ihr, dass dieser ihn einst freigelassen hatte, als er Gefangener von Lucejos Vater war. Lelio empfiehlt den beiden Frauen, sich erstmal in den Gärten zu erholen, doch Berenice quält die Sorge um ihren Geliebten.
Als Lelio die beiden Damen fortgebracht hat, erscheint Lucejo, verkleidet als römischer Soldat. Er hat seine Verlobte unter den Gefangenen während des Triumphzuges erkannt und will sich nun bei den Römern einschleichen, um Berenice nahe zu sein.
Garten. Scipione ist allein und stellt fest, dass er sich in Berenice verliebt hat, sieht das aber als Gefahr für seinen Ruhm an. Lelio erscheint und berichtet ihm, dass die beiden gefangenen Frauen voll des Lobes über Scipiones Höflichkeit waren. Dieser mutmaßt, dass Lelio sich in Armira verliebt habe, was der auch zugibt. Scipione weist Lelio an, auf Berenice besonders aufzupassen und niemanden zu ihr zu lassen, während Armira ihm gehören solle.
Lelio gesteht der in den Garten kommenden Armira seine Liebe, die darauf erwidert, dass er von ihr keine Liebe erwarten könne, solange sie eine Gefangene sei. Als Berenice kommt, weist Lelio sie darauf hin, dass Scipione in sie verliebt sei und sie gut daran täte, „den ersten der Römer“ auch zu lieben. Sie wirft ihm vor, undankbar zu sein und seinen Freund Lucejo vergessen zu haben, dessen Tod sie befürchtet. Doch Lelio versucht sie zu beruhigen und geht ab. Alleingeblieben überlässt sie sich ihrer Verzweiflung. Da hört sie zu ihrer Überraschung Lucejos Stimme, der ihren Gesang wiederholt: Sie ist überglücklich, ihn lebend wiederzusehen. Doch aus Angst, er könnte von Scipione entdeckt werden, drängt sie ihn, sich so schnell wie möglich zu entfernen. Gerade noch rechtzeitig erreicht er ein Versteck, das er aber wutentbrannt sofort wieder verlässt, als er hört, wie Scipione Annäherungsversuche bei seiner Verlobten macht. Nun ist es an Berenice, geschickt abzulenken, um zu verhindern, dass er seine Identität selbst verrät. Sie überschüttet ihn, den vermeintlichen Römer, mit Vorwürfen und lässt ihn gar nicht zu Wort kommen. Lelio, der dazukommt, erfasst die Situation sofort und beteiligt sich an der Täuschung Scipiones, indem er Lucejo mit „Erennio“ anspricht und den angeblich verstörten römischen Soldaten ins Feldlager zurückschickt. Als alle gegangen sind, bleibt Lucejo, von Eifersucht geplagt, zurück.<ref name="Leopold" />
Zweiter Akt
Hafen, mit einem anlegenden Schiff. Um seine Tochter Berenice zu retten, hat der balearische König Ernando beschlossen, sich den Römern zu unterwerfen. Er ist nach Neu-Karthago gekommen, um Scipione sein Friedensangebot zu überbringen, und wird von Lelio freundlich empfangen. Der deutet an, dass Scipione sogar Ernandos Freundschaft zu erlangen suche.
Gemach der beiden Gefangenen. Berenice hat inzwischen Lelio gebeten, Lucejo zur Flucht zu verhelfen und macht sich Sorgen. Scipione erscheint und eröffnet ihr, dass er mit dem Gedanken spiele sie freizulassen. Er fragt sie nach ihrer Herkunft, und sie sagt es ihm. Doch als er ihr seine Liebe erklären will, unterbricht sie ihn mit dem Hinweis, dass ihr Herz nicht mehr frei sei. Scipione behält seine Verzweiflung darüber für sich und geht.
Als Lelio und Lucejo eintreten, macht Berenice ihnen Vorwürfe, dass Lucejo noch nicht geflohen ist, denn wenn Scipione ihn erwische, werde es ihm schlecht ergehen. Lucejo versteht ihre Entschlossenheit falsch, bezichtigt sie der Untreue und äußert sogar Selbstmordgedanken. Als er gegangen ist, bittet Berenice Lelio, auf ihren vor Eifersucht blinden Verlobten aufzupassen, damit er sich nicht selbst in Gefahr bringe. Verzweifelt bleibt sie allein.
Armira versucht Lelio dazu zu bringen, sie freizulassen, denn, wenn überhaupt, könne sie ihn nur in Freiheit lieben. Obwohl er fürchtet, dass sie ihn nur täuschen will, gibt er sich Hoffnungen hin. Armira indessen hofft, dass ihr Vater Indibile sie bald aus der Gefangenschaft befreien werde. Auf der Suche nach Berenice trifft Lucejo, immer noch inkognito, auf Armira, die ihm erzählt, dass Scipione in Berenice verliebt sei. Er möchte wissen, ob Berenice Scipiones Liebe erwidert, denn er selbst liebe sie auch. Da Armira nicht weiß, wer er ist, antwortet sie ausweichend. Der vermeintlich römische Soldat ist ihr aber sympathisch, so dass sie ihm verspricht, ihm zu helfen und ihm dabei die Hand reicht. Gerade in dem Moment, als Lucejo ihre Hand ergreift, kommt Berenice herein und missversteht die Situation völlig. Von Eifersucht übermannt, wirft sie ihrer Freundin Vertrauensbruch vor. Beleidigt geht Armira ab. Als sich zwischen Berenice und Lucejo ein Streit entwickelt, eskaliert die Situation vollends durch das Eintreffen Scipiones. Dieser weist den „Soldaten“ an, zu verschwinden, doch Lucejo offenbart nun seine wahre Identität und fordert Scipione zum Duell heraus. Während Berenice einer Ohnmacht nahe ist, lässt Scipione Lucejo durch Lelio verhaften, verspricht aber Berenice, sein Leben zu schonen. Jedoch werde sie sich Roms Willen unterwerfen müssen und einen Römer heiraten, der ihrer würdiger sei als Lucejo – womit er natürlich sich selber meint. Das weist sie von sich: Sie sei keine niedere Seele, die man mit Ehrgeiz und Vermögen locken könnte, sondern steht wie ein Fels in der Brandung zu ihrer Liebe.<ref name="Leopold" />
Dritter Akt
Ernando wird von Scipione zu einer Privataudienz freundlich empfangen, der ihm sagt, dass er Gefallen an seiner Tochter Berenice gefunden habe und diese gern heiraten würde. Doch der aufrichtige Ernando weist dies zurück, da er der Ehe von Berenice und Lucejo schon zugestimmt habe und die Ehre es verbiete, dieses Versprechen zu brechen.
Nun hadert Scipione mit einem Konflikt zwischen seinen Leidenschaften und seinem Gewissen: Aufgrund seiner Macht könnte er seine Begehrlichkeit einfach durchsetzen, doch entscheidet er sich, den Pfad der Tugend zu gehen.
Er lässt Lucejo eine Nachricht überbringen, dass er als Gefangener nach Rom gebracht werden soll. Als dieser aber es von Lelio erfährt, möchte er lieber sterben, als in die Verbannung geschickt zu werden. Berenice bittet, ihm beistehen und folgen zu dürfen, was auch immer passieren möge, und fleht Scipione an, sie als Schuldige zu bestrafen und Lucejo zu verschonen. Scipione verspricht ihr, sie zufriedenzustellen.
Thronsaal. In einem offiziellen Empfang erscheint Ernando vor Scipione und überreicht diesem als Lösegeld für seine Tochter goldene und silberne Geschenke. Scipione lässt Berenice hereinholen. Als er merkt, dass sie immer noch nicht ganz glücklich ist, versucht er erneut, ihr Mut zu machen.
Lelio hat erfahren, dass auch Armira von hohem Stande, nämlich die Tochter des iberischen Fürsten Indibile, eines Freundes der Römer, ist, und lässt sie frei. Jetzt kann Armira zu ihrer Liebe für Lelio stehen. Auf dem Weg zum Thronsaal trifft Berenice auf Lucejo, der ihr berichtet, Scipione habe ihm die Freiheit geschenkt und ihm sein Schwert zurückgegeben. Beide haben ihre Eifersucht überwunden, verkünden ihre unsterbliche Liebe zueinander und eilen voller Hoffnung zu Scipione. Dieser verkündet, auf Berenice zu verzichten, und bietet ihnen die Freundschaft und Unterstützung Roms an. Schließlich überreicht er Berenice Ernandos Geschenke als Mitgift. Überwältigt von so viel Milde und Edelmut, schwört Lucejo in großer Dankbarkeit Rom ewige Treue. Alle zusammen besingen Frieden und Liebe.<ref name="Leopold" />
Musik
Scipione ist eine besonders selten aufgeführte Händel-Oper (Stand 2026). Dies mag daran liegen, dass die Partitur im Vergleich mit den drei vorangehenden anerkannten Meisterwerken (Giulio Cesare, Tamerlano, Rodelinda) auffällig unausgewogen wirkt, wie Autoren von Burney über Chrysander bis Dean feststellten: Die meiste Musik des ersten Aktes ist für Händels Verhältnisse relativ unscheinbar; andererseits wird der zweite Akt einhellig für seine Qualität und Schönheiten gepriesen, und auch der dritte fällt dahinter nur wenig ab.<ref name="Dean-610">Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610</ref><ref>Charles Burney: A General History of Music: from the Earliest Ages to the Present Period. Vol. 4. London 1789; originalgetreuer Nachdruck: Cambridge University Press 2010, S. 306.</ref><ref name=Chrys-141>Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 141.</ref> Da Händel bis kurz vor der Premiere zahlreiche Änderungen vornahm, ist die genaue Gestalt, in der das Werk schließlich erklang, in einigen Details nicht ganz gesichert. Winton Dean hat einige Dinge klargestellt, anderes bleibt nur Vermutung.<ref>Dean wies darauf hin, dass Chrysander für seine Ausgabe eine Reihe von Änderungen Händels, vor allem im dritten Akt, übersehen hat. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610</ref><ref>Die im Händel-Handbuch Band 1 gelisteten Noten-Incipits entsprechen anscheinend Chrysander, sind also (nach Dean) teilweise problematisch; es fehlt z. B. die einleitende kurze Sinfonia zu Akt III. Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 251.</ref>
Die Oper beginnt mit einer französischen Ouvertüre in der heiteren Tonart G-Dur, deren Allegro-Teil eine außerordentlich attraktive Konzert-Doppelfuge mit einigen Solo-Episoden der Oboen ist.<ref>Alle im Folgenden erwähnten Tonarten, Taktarten und Vortragsbezeichnungen, wenn nicht in anderen Quellen erwähnt, siehe: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 3-7618-0610-8), S. 251–258.</ref> Das Material entstammt einer berühmten Blockflötensonate Händels (op. I,7 in C-Dur, HWV 365), wie auch die meisten anderen Instrumentalsätze dieser Oper auf Entlehnungen aus früheren Werken basieren.<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 616 f.</ref>
Zum Triumphzug des Scipione, gleich nach der Ouverture und in derselben Tonart, erklingt eine festliche Marche, mit Hörnern im Orchester, die seit den 1740er Jahren von der englischen Grenadiergarde als Regimentsmarsch übernommen wurde<ref>Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar 1992, S. 101</ref><ref>Charles Burney: A General History of Music: from the Earliest Ages to the Present Period. Vol. 4. London 1789; originalgetreuer Nachdruck: Cambridge University Press 2010, ISBN 978-1-108-01642-1, S. 303.</ref> und das bis heute berühmteste Stück der Oper ist.<ref>Der Marsch wird in zahlreichen Instrumentierungen nicht nur von Blasmusikkapellen gespielt; besonders beliebt ist er auch als Arrangement für Kirchenorgel (z. B. bei Hochzeiten). Siehe: Suchergebnisse auf Youtube (Abruf am 31. Januar 2026)</ref>
Die Titelrolle des Scipione ist keine Haupt-, sondern eine – für das Drama allerdings bedeutende – Nebenrolle. Im Gegensatz zur Titelfigur des etwa gleichzeitig entstandenen Alessandro konzentriert sich Händel bei Scipione mehr auf seine privaten, sensibleren und philosophischen Seiten als auf den Kriegshelden. Es war die erste Partie, die Händel für seinen neuen secondo uomo Antonio Baldi komponierte, der zwar kein Virtuose, aber ein sensibler und offenbar zu ehrlichem Ausdruck fähiger Sänger war und bis Sommer 1728 in London bleiben sollte.<ref>Winton Dean: Baldi, Antonio, auf Oxford Music online (vollständiger Zugang nur mit Abonnement; englisch; Abruf am 1. Februar 2026)</ref> Die erste Szene scheint er mit einem einfachen Arioso in G-Dur („Abbiam vinto“) zu beginnen, das sich jedoch am Ende als A-Teil einer Dacapo-Form erweist, welche durch Secco-Rezitative unterbrochen wurde. Auf die besagten Rezitative folgt scheinbar ein zweites „Arioso“ („Scaccia, bella, dal seno il timore!“) in e-moll als B-Teil, bevor überraschend das Dacapo erklingt. Inhaltlich spricht Scipione im A-Teil die Römer bzw. Soldaten an, und im stark kontrastierenden B-Teil Berenice. Die Qualität vor allem des A-Teils ist eher mäßig.<ref>In Deans Worten: „Neither section of Scipio's aria has exceptional merit, but it fulfils its function“ („Kein Teil von Scipios Arie hat besondere Verdienste, aber sie erfüllt ihren Zweck“). Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 614</ref><ref>Dazu sehr knapp auch: Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 162</ref>
Darüber hinaus hat Scipione zwei Dacapo-Arien, ein weiteres Arioso und ein Accompagnato. Seine zunächst vorgesehene, von Chrysander und Dean hoch gelobte, Arie im zweiten Akt „So gli altri debellar“ (Nr. 16a) wurde von Händel gegen „Pensa, o bella“ (Nr. 16b), einem tändelnden Passepied mit Blockflöten, ersetzt.<ref>Dean kritisiert das scharf, aber es könnte sein, dass Händel sich für „Pensa, o bella“ entschied, weil es einen stärkeren Kontrast zu den vorangehenden und folgenden Arien für Berenice und Lucejo bildet. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 615</ref>
Inhaltlich-dramaturgisch ist Scipiones wichtigstes Stück – in der Tat der zentrale Punkt der Oper – das Accompagnato „Il poter qualche brami“ (Akt III, Nr. 24), in dem sein innerer Konflikt zwischen seinen Gefühlen und seinem Gewissen mithilfe weitschweifender Modulationen und teils abrupter Stimmungsumschwünge dargestellt wird, und das am Ende in ein kurzes friedliches Arioso mündet. Ob ausgerechnet dieses Stück von Händel gestrichen wurde, wie Dean (mit einem kleinen Fragezeichen) glaubte,<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 615</ref> erscheint fraglich, zumal der Text im Original-Libretto abgedruckt ist.<ref>Auf S. 47. Siehe: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume iv, Garland, New York 1989, S. 359</ref> Seine Arie „Gioja sì speri“ (Nr. 29), mit dem er Berenice aufzumuntern sucht, ist ein sensibles, intimes Stück mit Solo-Violine, und ein kleines musikalisches Juwel.<ref>Dean, der Scipione offenbar klischeehafter als rein martialische Figur sieht, hat Unrecht, diese Arie als „unseemly frivolity“ (ungebührliche Frivolität) und „ludicrous“ (albern, lächerlich) herunterzumachen. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 615</ref>
Der musikalische Löwenanteil fällt auf das Liebespaar Berenice und Lucejo, die ursprünglich von den beiden primarii Francesca Cuzzoni und Senesino gesungen wurden. Beide haben jeweils sieben Arien und das gemeinsame Schlussduett, Berenice darüber hinaus ein Arioso und zwei Accompagnati, Lucejo nur ein Accompagnato.
Musikalisch ist Berenice die interessanteste Figur mit einigen außerordentlich schönen und ausdrucksvollen Gesängen.<ref name=Dean-611>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 611</ref> Im ersten Akt hoben Chrysander und Dean die Gartenszene hervor, als Berenice und Lucejo sich begegnen, wobei das Dacapo von Berenices Arie „Dolci aurette“ von Lucejo unterbrochen und weitergeführt wird<ref name=Dean-611 /><ref name=Chrys-141 /><ref name=Jahr-162 /> – eine poetische Idee, die Händel aber anderswo noch inspirierter und schöner vertont hat (z. B. in Akt I von Ariodante).
Zu den Glanzstücken der Oper gehören vor allem im zweiten Akt Berenices melancholisches Arioso „Tutta raccolta“ (Nr. 15) und die sublime Dacapo-Arie „Come onda“ (Nr. 18) im wiegenden 12/8-Takt, mit vom Text inspirierten wellen-artigen Läufen in den Streichern. Beide Stücke stehen in c-moll und umrahmen damit eine größere Einheit, mit je einer Arie für Scipione und Lucejo in anderen Tonarten sowie den entsprechenden Secco-Rezitativen dazwischen. Chrysander zählte „Come onda“ „zu den Tonsätzen, mit welchen man sich nach und nach tief befreundet, um sie dann nicht wieder zu vergessen.“<ref name=Chrys-141 />
Berenices „Scoglio d’immota fronte“ (Nr. 22), das den zweiten Akt beschließt, ist die berühmteste (genaugenommen die einzige wirklich berühmte) Arie der Oper<ref>Abgesehen von den Gesamteinspielungen (u. a. mit Sandrine Piau) entstanden seit dem Ende des 20. Jahrhunderts CD-Aufnahmen für Arienprogramme mit Simone Kermes, Renée Fleming, Roberta Invernizzi, Emma Kirkby, Lisa Saffer, Lucy Crowe, Hasnaa Bennani, Hélène Brunet. Auf Youtube sind noch weitere Interpretationen zu hören und sehen (Stand 31. Januar 2026).</ref> – ein dramatisches Stück im seinerzeit modernsten galanten Stil mit einer abwechslungsreichen, fantasievollen und stark bewegten Orchesterbegleitung, wo der Sopran gleich zu Beginn einen aufsteigenden D-Dur-Akkord vom Umfang einer Duodezime von d’ zu a’’ zu singen hat. Das Stück wurde immer schon gepriesen und von verschiedenen Autoren mit Vinci, Porpora, Pergolesi und Mozart – und sogar mit Weber („Ocean, thou mighty monster“) – verglichen.<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 612</ref><ref name="Chrys-141" />
Im dritten Akt sind Berenices kurzer tragischer Accompagnato-Ausbruch „Ah, Scipion“ und ihre letzte Arie „Bella notte senza stelle“ (Nr. 32), ein glückliches, anmutiges Allegro mit Koloraturen in Triolen-Bewegung, erwähnenswert.<ref>Ausführlichere Besprechung von Berenices Part in: Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610–613</ref>
Auch wenn Lucejos Part musikalisch etwas hinter Berenice zurücksteht, gibt es einige herausragende Gesänge, wie die beiden Arien im zweiten Akt: Das wütende „Parto, fuggo“ (Nr. 17) in düsterem f-moll, und das ironische „Cedo a Roma“ (Nr. 21), in dessen A-Teil zwei verschiedene Affekte gegenübergestellt werden.<ref>Zum Kontrast in „Cedo a Roma“ auch: Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 163</ref> Beide Arien fordern eine Alt-Stimme von dramatischer Fülle und Koloraturfähigkeit.<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 613–614</ref> Einer der musikalischen Höhepunkte der Oper und Lucejos wohl schönste Nummer ist „Se mormora rivo“ (Akt III, Nr. 25), ein Largo von „bitter-süßem“ Charakter in der ungewöhnlichen und sensiblen Tonart h-moll und mit Traversflöten in der Begleitung.<ref>Die Bezeichnung „bitter-sweet“ verwendete Dean, der die Arie ebenfalls als „Lucejo's finest aria“ ansah. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 614</ref> Abgerundet wird die Partie durch Lucejos fröhlich-hüpfende Vogelarie „Come al natio boschetto“ (Nr. 33), wo Senesino spielerisch seine Treffsicherheit in verschiedenen Intervallsprüngen demonstrieren konnte; Dean fand das Stück interessanterweise „strongly masculine“.<ref>Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 614</ref>
Von den Nummern für die kleineren Rollen Armira, Lelio und Ernando ragen zwei besonders hervor: Ernandos noble Arie „Braccio si valoroso“ (Akt II, Nr. 14), mit ihrer kontrapunktisch reich gearbeiteten Begleitung, und Lelios „Del debellar la gloria“ (Akt III, Nr. 31), eine außerordentlich schöne, poetische Siciliana in G-Dur, die im Idealfall eine weiche, lyrisch geführte Tenorstimme erfordert; Dean attestierte dem Stück „ein fast mozartisches Flair“ („an almost Mozartian flavour“).<ref>Die Bezeichnung „bitter-sweet“ verwendete Dean, der die Arie ebenfalls als „Lucejo's finest aria“ ansah. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 616</ref>
Sehr schön und eingängig ist auch der für das Solistenensemble gedachte tänzerische Schlusschor (Nr. 38) im Stile eines Rigaudon, bei dem nicht nur die einleitende Tonart G-Dur, sondern auch die eingangs im berühmten Marsch erklungenen Hörner wiederkehren.<ref>Dean sprach von „a hint of the Bourrée“, aber es dürfte sich um einen Rigaudon handeln, wegen der Halben Noten im vierten Takt und auch anderswo, die den gleichmäßigen Fluss charakteristisch unterbrechen; dass der Chor „march-like“ wäre, ist eine Fehl-Assoziation von Dean. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 617</ref> Insgesamt stehen etwas weniger als zwei Drittel (ca. 60 %) der Musiknummern in Dur-Tonarten (ohne Secco-Rezitative).
Orchester
Zwei Blockflöten, zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute oder Theorbe, 2 Cembali<ref>Es ist bekannt, dass in Händels (wie in italienischen) Opernaufführungen zwei Cembali verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.</ref>).
Struktur der Oper
Ouverture. – (Air) Allegro. (2 Ob, Fg, Str, BC)
Erster Akt
| Scena I | 1. Marche. (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) |
| 2. Arioso. Scipione (2 Vl, BC) Abbiam vinto, e Iberia doma | |
| Recitativo. Scipione, Lelio, Berenice, Armira A Tiberio io, e a Sesto | |
| 3. Arioso. Scipione (BC) Scaccia, bella, dal seno il timore! | |
| Da capo: 2. Arioso. | |
| Recitativo. Berenice, Lelio, Armira Oh Lucejo! E qual nome con dolor proferisti? | |
| 4. Aria. Berenice (Str, BC) Un caro amante, gentil costante | |
| Scena II | Recitativo. Lujeco Quando vengo |
| 5. Aria. Lujeco (2 Vl, BC) Lamentandomi corro a volo | |
| Scena III | Recitativo. Scipione, Lelio Oh quante grazie Amore |
| Scena IV | Recitativo. Lelio, Armira Armira, e perche mesta? |
| 6. Aria. Armira (2 Vl, BC) Libera chi non è i lacci del suo piè | |
| Recitativo. Lelio Indegna e in ver | |
| Scena V | Recitativo. Lelio, Berenice Del vincitore, oh bella |
| 7. Aria. Lelio (Str, BC) No, non sì teme d’incerto affanno | |
| 8. Recitativo accompagnato. Berenice (Str, BC) Oh sventurati affetti! | |
| 9. Aria. Berenice (BC) Dolci burette che spirate | |
| Scena VI | Arioso e Recitativo. Lujeco, Berenice (BC) Molli aurette, v’arrestate! / E che ascolto! |
| 10. Aria. Lujeco (2 Vl, BC) Dimmi, cara, dimmi: “tu dei morir” | |
| Scena VII | Recitativo. Berenice, Scipione, Lujeco Ah, t’ascondi! non lunge |
| 11. Aria. Berenice (2 Vl, BC) Vanne, parti, audace, altiero | |
| Scena VIII | Recitativo. Lelio, Lujeco, Scipione Giunsi a tempo; si salvi |
| 12. Aria. Lujeco (2 Vl, BC) Figlia di reo timor, fredo velen |
Zweiter Akt
| Scena I | 13. Sinfonia. (2 Ob, Fg, Str, BC) |
| Recitativo. Ernando, Lelio Merce del vincitor | |
| 14. Aria. Ernando (2 Ob, Str, BC) Braccio si valoroso | |
| Scena II | 15. Arioso. Berenice (Str, BC) Tutta raccolta ancor nel palpitante cor |
| Recitativo. Scipione, Berenice Di libertade il dono | |
| 16a. Aria. Scipione (2 Ob, Fg, Str, BC) So gli altri debellar<ref>Diese Arie wurde von Händel gegen das ganz anders geartete Pensa, o bella ausgetauscht, das auch in Roussets Einspielung (1994) erklingt. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 614–615</ref> | |
| Scena III | Recitativo. Lelio, Lujeco, Berenice Ecco, oh Prence |
| 17. Aria. Lujeco (2 Vl, BC) Parto, fuggo: resta, e godi | |
| Recitativo. Berenice, Lelio Seguilo, oh duce! | |
| 18. Aria. Berenice (Str, BC) Come onda incalza altr’onda | |
| Scena IV | Recitativo. Armira, Lelio Importuno tu sei |
| 19. Aria. Lelio (2 Ob, Str, BC) Temo che lusinghiero | |
| Recitativo. Armira Lusingarlo mi giova | |
| 20. Aria. Armira (2 Ob, Str, BC) Voglio contenta allor | |
| Scena V | Recitativo. Lujeco, Armira Qui torno, e qui |
| Scena VI | Recitativo. Berenice, Lujeco, Armira ”Bella! mi conforti!” |
| Scena VII | Recitativo. Scipione, Lujeco, Berenice Tanto s’ardisce ancora |
| Scena VIII | Recitativo. Berenice, Scipione, Lelio, Lujeco Numi, lo difendete! |
| 21. Aria. Lujeco (Str, BC) Cedo a Roma, e cedo a te | |
| Recitativo. Berenice, Scipione Signor, del tuo fisso pensar | |
| 22. Aria. Berenice (2 Ob, Fg, Str, BC) Scoglio d’immota fronte |
Dritter Akt
| Scena I | Sinfonia e Recitativo accompagnato. Scipione (Str, BC) Miseri affetti miei!<ref>Die einleitende Sinfonia (und das Accompagnato ?) wurde von Chrysander übersehen, und ist auch nicht unter den Noten-Incipits im Händel-Handbuch Band 1 (Leipzig 1978, Kassel 2008) aufgelistet. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610</ref> |
| Recitativo. Scipione, Lelio, Ernando Scipione, a privata udienza Ernando vedi | |
| 23. Aria. Ernando (2 Ob, Fg, 2 Vl, BC) Tutta rea la vita umana | |
| Recitativo. Scipione, Lelio Degni amici di Roma | |
| 24. Recitativo accompagnato. Scipione (Str, BC) Il poter qualche brami | |
| Scena II | Recitativo. Lelio, Berenice, Lujeco In questo luogo, oh Prence |
| 25. Aria. Lujeco (2 Fl, Str, BC) Se mormora rivo o fronda | |
| Recitativo. Lelio Più resister non posso | |
| Scena III (erst in Takt 9) | 26. Recitativo accompagnato. Berenice, Scipione (Str, BC) Ah, Scipion, dove sei? |
| 27b. Aria. Berenice (2 Vl, BC) Già cessata è a procella<ref>Diese Nummer wurde von Händel schon vor der ersten Aufführung geändert. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610</ref> | |
| Scena IV | 28a. Sinfonia. (2 Ob, Fg, Str, BC) |
| Recitativo. Ernando, Scipione, Berenice All’invitto Proconsole Romano | |
| Scena V | Recitativo. Ernando, Scipione, Berenice Oh dolce figlia! |
| 29. Aria. Scipione (2 Vl, BC) Gioja sì speri, sì | |
| Scena VI | Recitativo. Lelio, Armira Tu, d’indibile Figlia |
| 30. Aria. Armira (2 Vl, BC) Nell’amor, nella speranza<ref name="Dean-610" /> Diese Nummer wurde von Händel schon vor der ersten Aufführung gestrichen.<ref>Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 610</ref> | |
| Recitativo. Lelio, Lujeco Prence, il rigor<ref name="Dean-610" /> | |
| 31. Aria. Lelio (Str, BC) Del debella la gloria | |
| Scena VII | Recitativo. Berenice, Lujeco Dove, oh Prencipe amato? |
| 32. Aria. Berenice (2 Vl, BC) Bella notte senza stelle | |
| Recitativo. Lujeco Squarciasi’l fosco vel | |
| 33. Aria. Lujeco (2 Ob, Str, BC) Come al nazio boschetto | |
| Recitativo. Lujeco Quanto timor costate | |
| 34. Aria. Lujeco (Str, BC) Son pellegrino che d’alto vede<ref name="Dean-610" /> | |
| Scena VIII | 35. Arioso. Scipione (2 Vl, BC) Dopo il nemico oppresso |
| Recitativo. Scipione, Lelio, Ernando, Lujeco, Berenice Venga Lucejo! … Prence | |
| 36. Recitativo accompagnato. Lujeco (Str, BC) In testimon io chiamo | |
| 37. Duetto. Berenice, Lujeco (2 Vl, BC) Sì fuggano i tormenti | |
| Recitativo. Scipione Marte riposi | |
| 38. Coro. (2 Ob, 2 Hr, Fg, Str, BC) Faranno gioja intera vittoria |
Reaktionen
Antoine François Prévost, Autor des Romans Manon Lescaut, berichtete 1733 aus London:
« D’habiles Musiciens m’ont assure que Julius Caesar, Scipione et Rodelinda sont ses plus excellens Ouvrages. »
„Kompetente Musiker haben mir mitgeteilt, dass Giulio Cesare, Scipione und Rodelinda [Händels] beste Werke sind.“
Der englische Musikhistoriker Charles Burney, der selbst als Geiger und Bratscher in den 1740er Jahren in Händels Orchester spielte, beurteilte Scipione 1789 so:
“[…] though the first act of this opera is rather feeble, and the last not so excellent as that of some of his other dramas, the second act contains beauties of various kinds sufficient to establish its reputation, as a work worthy of its great author in his meridian splendor.”
„[…] wenn auch der erste Akt dieser Oper ein bisschen dürftig ist und der letzte nicht so hervorragend, wie die einiger seiner sonstigen Dramen, enthält der zweite Akt doch Schönheiten verschiedener Art, um würdig in der Reihe der Werke eines großen Autors auf dem Zenit seines Ruhmes zu stehen.“
Diskografie
- Rappel FNAC 5 (1979): Anthony Roden (Scipione), Paul Esswood (Lucejo), Valerie Masterson (Berenice), Peter Jeffes (Lelio), Jan Comboy (Ernando), Helen Watts (Armira)
- Haendel Opera Society; Dir. Charles Farncombe (englisch)
- FNAC Music 592245 (1994): Derek Lee Ragin (Scipione), Doris Lamprecht (Lucejo), Sandrine Piau (Berenice), Guy Fletcher (Lelio), Olivier Lallouette (Ernando), Vanda Tabery (Armira)
- Les Talens Lyriques; Dir. Christophe Rousset (171 min)
Literatur
- Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
- Chapter 25 – Scipione, in: Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7 (englisch), S. 604–631
- Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5.
- Manuela Jahrmärker: Publio Cornelio Scipione (HWV 20), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Das Händel-Handbuch in 6 Bänden. Händels Opern. Teilband 2. Laaber-Verlag, Laaber 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 159–164
- Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
- Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
- Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
Weblinks
- Partitur von Publio Cornelio Scipione (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, Leipzig 1877)
- Scipione: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (PDF; 217 kB) von Scipione
- Weitere Angaben zu Scipione
- Handlung und Hintergrund von Scipione (englisch)
- Essay von Winton Dean (englisch)
- Burney über Scipione
- Ab Urbe Condita 26/50 (lateinisch)
- Ab Urbe Condita 26/50 (englisch)
- detaillierte Angaben zu Scipione (französisch)
Einzelnachweise
<references />
Opern
Der in Krohnen erlangte Glücks-Wechsel, oder: Almira, Königin von Castilien (HWV 1) |
Die durch Blut und Mord erlangte Liebe, oder: Nero (HWV 2) |
Der beglückte Florindo (HWV 3) |
Die verwandelte Daphne (HWV 4) |
Vincer se stesso è la maggior vittoria (Rodrigo) (HWV 5) |
Agrippina (HWV 6) |
Rinaldo (HWV 7a/b) |
Il pastor fido (HWV 8a/b/c) |
Teseo (HWV 9) |
L. C. Silla (HWV 10) |
Amadigi di Gaula (HWV 11) |
Radamisto (HWV 12a/b) |
Il Muzio Scevola (HWV 13) |
Il Floridante (HWV 14) |
Ottone, re di Germania (HWV 15) |
Flavio, re de’ Longobardi (HWV 16) |
Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) |
Tamerlano (HWV 18) |
Rodelinda, regina de’ Langobardi (HWV 19) |
Scipione (HWV 20) |
Alessandro (HWV 21) |
Admeto, re di Tessaglia (HWV 22) |
Riccardo I., re d’Inghilterra (HWV 23) |
Siroe, re di Persia (HWV 24) |
Tolomeo, re di Egitto (HWV 25) |
Lotario (HWV 26) |
Partenope (HWV 27) |
Poro, re dell’Indie (HWV 28) |
Ezio (HWV 29) |
Sosarme, re di Media (HWV 30) |
Orlando (HWV 31) |
Arianna in Creta (HWV 32) |
Ariodante (HWV 33) |
Alcina (HWV 34) |
Atalanta (HWV 35) |
Arminio (HWV 36) |
Giustino (HWV 37) |
Berenice, regina d’Egitto (HWV 38) |
Faramondo (HWV 39) |
Serse (HWV 40) |
Imeneo (HWV 41) |
Deidamia (HWV 42)
Schauspielmusiken
The Alchemist (HWV 43) |
Comus (HWV 44) |
Alceste (HWV 45)
Oratorien
Il trionfo del Tempo e del Disinganno (HWV 46a) |
Il trionfo del Tempo e della Verità (HWV 46b) |
La Resurrezione (HWV 47) |
Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus (Brockes-Passion) (HWV 48) |
Acis and Galatea (Masque), (HWV 49a) |
Acis and Galatea (Serenata) (HWV 49b) |
Esther (Haman and Mordecai) (Masque, HWV 50a) |
Esther (Oratorium, HWV 50b) |
Deborah (HWV 51) |
Athalia (HWV 52) |
Saul (HWV 53) |
Israel in Egypt (HWV 54) |
L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (HWV 55) |
Messiah (HWV 56) |
Samson (HWV 57) |
Semele (HWV 58) |
Joseph and his Brethren (HWV 59) |
Hercules (HWV 60) |
Belshazzar (HWV 61) |
An Occasional Oratorio (HWV 62) |
Judas Maccabaeus (HWV 63) |
Joshua (HWV 64) |
Alexander Balus (HWV 65) |
Susanna (HWV 66) |
Solomon (HWV 67) |
Theodora (HWV 68) |
The Choice of Hercules (HWV 69) |
Jephtha (HWV 70) |
The Triumph of Time and Truth (HWV 71)
Serenaten und Oden
Aci, Galatea e Polifemo (HWV 72) |
Il Parnasso in festa (HWV 73) |
Ode for the Birthday of Queen Anne (HWV 74) |
The Alexander's Feast (HWV 75) |
Ode for St. Cecilia’s Day (HWV 76)
Pasticci und Fragmente
L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi (HWV A 1) |
Genserico (HWV A 2) |
Ormisda (HWV A 3) |
Venceslao (HWV A 4) |
Titus l’empéreur (HWV A 5) |
Lucio Papirio dittatore (HWV A 6) |
Catone (HWV A 7) |
Semiramide riconosciuta (HWV A 8) |
Caio Fabbricio (HWV A 9) |
Arbace (HWV A 10) |
Oreste (HWV A 11) |
Didone abbandonata (HWV A 12) |
Alessandro Severo (HWV A 13) |
Giove in Argo (HWV A 14)