Johann Gaudenz von Salis-Seewis
Johann Gaudenz Gubert (Freiherr, ab 1815 Comte) von Salis-Seewis<ref>Französisch: (baron) de Salis Sevis. In der Revolutionszeit schrieb sich der Dichter nur «J. G. Salis». Vom Titel Comte machte er im Gegensatz zu Nachfahren nie Gebrauch.</ref> (* 26. Dezember<ref>Das gelegentlich auftauchende falsche Geburtsdatum 26. September geht zurück auf: Dresdner Journal. 27. März 1862, S. 289 f. (Digitalisat); Édouard-Marie Oettinger (Hrsg.): Moniteur des Dates […] (Dresden). 25. Lieferung, Januar 1868, S. 9 (Digitalisat).</ref> 1762 in Malans; † 29. Januar 1834 ebendort) wurde als «namhaftester Schweizer Lyriker vor Gottfried Keller» bezeichnet.<ref>Friedrich Pieth: Bündnergeschichte. F. Schuler, Chur 1945, S. 292.</ref> Obwohl er dem einflussreichsten Adelsgeschlecht des Freistaats der Drei Bünde angehörte, begeisterte er sich als Offizier in französischen Diensten für die Ideale der Revolution. Nach Hause zurückgekehrt, gehörte er der regimekritischen Partei der Patrioten an, setzte sich aber nicht genügend für die Befreiung des Untertanengebiets Veltlin ein. Andererseits betrieb er den Beitritt seiner Heimat zur Helvetischen Republik, als deren Generalstabschef er im Frühjahr 1799 zugleich Oberbefehlshaber der Armee war.<ref>Generalstabschef: 5. April–6. Juni 1799; Armeechef: ab 26. Mai.</ref> Danach bekleidete er Ämter in Politik und Justiz des revolutionären Einheitsstaats wie auch Graubündens, das vom helvetischen Kanton Rhätien zum Stand der von Bonaparte mediatisierten Eidgenossenschaft wurde.
Drei Bünde (1762–1778)
Die Herrschaft Maienfeld, in der Malans liegt, war bis im 18. Jahrhundert Untertanengebiet wie das Veltlin, im Unterschied zum diesem aber auch Teil eines der Drei Bünde, nämlich des Zehngerichtenbunds.
Die Salis-Seewis, einer der zehn Zweige des konservativen Salis-Clans,<ref>Frey (1889), S. 6 (Digitalisat); Peter Conradin von Planta: Salis. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Januar 2012.</ref> gehörten wie dessen überwiegende Mehrheit der evangelisch-reformierten Landeskirche des nicht nur sprachlich, sondern auch konfessionell gemischten Freistaats an. 1588 waren sie von Kaiser Ferdinand I. in den Freiherrenstand erhoben worden. Der Grossvater Johann Gaudenz Dietegen (1708–1777)<ref>Jürg Simonett: Johann Gaudenz Dietegen von Salis (Seewis). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Januar 2012.</ref> und der Vater Johann Ulrich (1740–1815)<ref>Jürg Simonett: Johann Ulrich von Salis (Seewis). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 6. Januar 2012.</ref> waren Inhaber einer Kompanie des Regiments der Schweizer und Bündner Garden in Paris. Der Grossvater war 1734/35 und 1750/51 Bundslandammann des Zehngerichtenbunds sowie jahrzehntelang Oberhaupt der französischen Partei im Freistaat, bis Ludwig XV. 1768 Ulysses von Salis-Marschlins zu seinem dortigen Geschäftsträger ernannte.<ref>Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 2, 8, 14.</ref> Der Vater war 1761–1763 Landvogt in Maienfeld, 1766/67, 1782/83 sowie 1792/93 Bundslandammann des Zehngerichtenbunds und 1787–1789 Landeshauptmann im Veltlin mit Sitz in Sondrio.
Die sensible Seele des «weichen phantasievollen Knaben» Johann Gaudenz (im Folgenden «Salis» genannt) war laut Adolf Frey<ref>Rosmarie Zeller: Adolf Frey. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 23. August 2024.</ref> von der Mutter Jacobea geb. von Salis-Bothmar (1741–1791) geprägt.<ref>Adolf Frey: Salis-Seewis: Johann Gaudenz von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 245–248.</ref> Diese brachte als Letzte ihres Geschlechts<ref>Laut Frey (1889), S. 3 (Digitalisat), war einer ihrer Brüder im Duell gefallen, der andere schwermütig geworden.</ref> Schloss Bothmar in Malans in die Ehe ein, wohin der Vater nach der Heirat aus dem Stammschloss in Seewis im Prättigau übersiedelte. Ihre Eltern waren Gubert Abraham (1704–1766), 1725 Landvogt in Maienfeld, 1744/45 Bundslandammannn des Zehngerichtenbunds sowie 1749–1751 Podestà in Morbegno, und Jacobea von Buol (1700–1764).<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 61/1911. Justus Pertes, Gotha, S. 802–804 (Digitalisat); Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. Band 4. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 297, 311–314.</ref>
Der Vater erbte von seinem Bruder Herkules (1734–1774), der es zum französischen Brigadier brachte,<ref>Encyclopédie méthodique. Art militaire. 1. Band. Panckoucke, Paris/Plomteux, Liège 1784, S. 351 (Digitalisat); Hans Jakob Holzhalb: Supplement zu dem allgemeinen helvetisch-eidsgenößischen oder schweizerischen Lexicon […]. 5. Theil. Selbstverlag, Zürich 1791, S. 284 (Digitalisat).</ref> die Schlösser Seewis und Flims (Oberer oder Grauer Bund) sowie Güter in Bergün (Gotteshausbund), St. Margrethen (Fürstabtei St. Gallen) und Meilen (Kanton Zürich), was ihn zum wohlhabendsten Bündner gemacht haben soll.<ref>Frey (1889), S. 1 f. (Digitalisat).</ref> 1776 verlieh ihm Ludwig XVI. den Titel Comte, den Salis als ältester Sohn erbte. 1792–1797 war der Vater Korrespondent des französischen Botschafters in der Eidgenossenschaft, Barthélemy.
Salis hatte sechs Geschwister, von denen fünf innerhalb des Clans verheiratet wurden:
- Jacobea (1765–1850), ∞ Vincenz von Salis-Sils (1760–1832), 1803, 1806 und 1810 Regierungsrat<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. 4. Band. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 366.</ref>, Teilnehmer an der Krönung Napoleons und am Wiener Kongress
- Gubert Abraham Dietegen (1767–1840), ∞ Perpetua von Salis-Soglio (1771–1845), 1788 Unterleutnant im französischen Regiment Salis-Samaden,<ref>Jacques de Roussel (Hrsg.): État militaire de France. Onfroy, Paris 1788, S. 246 (Digitalisat).</ref> später Oberstleutnant
- Katharina (1768–1845), ∞ Daniel von Salis-Soglio (1765–1832), Unternehmer, Stadtrichter in Chur, Teilnehmer am Wiener Kongress
- Herkules Dietegen (1770–1847), ∞ Perpetua von Salis-Soglio († 1825), 1789–1791 Podestà in Piuro<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. 4. Band. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 315.</ref>
- Anna Paula (1773–1740), ∞ Karl Ulysses von Salis-Marschlins (1760–1818), Italienreisender, Schriftsteller
- Johann Ulrich Dietegen (1777–1817),<ref>Georg von Wyss: Salis-Seewis: Joh. Ulrich Dietegen v. S.-S. In: Allgemeine Deutsche Biographie. 30. Band. Duncker && Humblot, Leipzig 1890, S. 248 f. (Digitalisat); Guido v. Salis-Seewis: Ein bündnerischer Geschichtsschreiber vor hundert Jahren. Johann Ulrich v. Salis-Seewis 1777–1817. H. R. Sauerländer & Co., Aarau 1926.</ref> infolge eines Badeunfalls in der Plessur halbseitig gelähmt und unverheiratet, Historiker, Präsident der Ökonomischen Gesellschaft von Graubünden<ref>Emil Erne: Ökonomische Gesellschaften. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. November 2017.</ref>
Salis wuchs im Marktflecken Malans und in der Kleinstadt Chur auf. Im Bergdorf Seewis wurde er von der Grossmutter väterlicherseits<ref>Anna Katharina geb. Cleric (1709–1793). Stammtafel der Familie Cleric von Chur. (Digitalisat).</ref> verwöhnt. Von seinen Privatlehrern Conradi, Schulze und Heinrich Ludwig Lehmann dürften die beiden erstgenannten Deutsche gewesen sein.<ref>Frey (1889), S. 6, 68, 251 (Digitalisat).</ref> Vom 14. Jahr bis zum 31. Geburtstag, an dem er heiratete, führte Salis mehr oder weniger ausführlich Tagebuch.<ref>Frey (1889), S. V f., v. a. 241–262: Aus Salis’ Tagebuch vom Jahr 1789 (Digitalisat); Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 334 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 181–183.</ref> Der Religionsunterricht beim Seewiser Pfarrer, Dekan Anton Zanuck, war ihm «nicht immer angenehm».<ref>Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 349 (Digitalisat).</ref> Den letzten Schliff erhielt er 1778/79 zusammen mit Schweizern, Deutschen, Franzosen, Holländern und Engländern in der Pension Bugnon in Lausanne.<ref>Frey (1889), S. 7 f., 10 f. (Digitalisat).</ref> (Die Nachricht, Salis sei wie seine beiden nächstjüngeren Brüder Schüler der École militaire des blinden Dichters Pfeffel in Colmar gewesen,<ref>Nachdruck des Nachrufs der Bündner Zeitung. In: Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f., hier S. 43; Neuer Nekrolog der Deutschen. 12/1834, 1. Theil, Bernh. Fr. Voigt, Weimar 1836, S. 95–97, hier S. 95 (Digitalisat); Frey (1884), S. 208 f., 215 (Digitalisat).</ref> beruht auf einem Irrtum.<ref>Frey (1889), S. 17, 19, 21, 65 (Digitalisat); Heino Pfannenschmid (Hrsg.): Gottlieb Konrad Pfeffel’s Fremdenbuch […]. Selbstverlag, Colmar 1892, S. 128 f. (Digitalisat).</ref>)
Seine Jugendfreundin Barbara Laurer (1763–1796), deren Vater später Churer Stadtvogt wurde, heiratete zu seinem Leidwesen 1787 den späteren Stadtschreiber Schwarz.<ref>Offenbar war sie bei der Hochzeit bereits Mutter oder hochschwanger. Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 339–341, 362 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 183, 188, 222; Stammtafel der Familie von Schwarz von Chur (Digitalisat).</ref> In Lausanne verliebte der Fünfzehnjährige sich in die neunzehnjährige Marianne Porta, der er ein verschollenes Drama widmete und die ihrerseits für den amerikanischen Freiheitshelden Washington schwärmte.<ref>Meine erste Liebe. Frey (1889), S. 8–10, 91 (Digitalisat).</ref>
Königreich Frankreich (1779–1792)
Mit sechzehn wurde Salis 1779 bei der Schweizergarde in Paris Fähnrich im Offiziersrang.<ref>Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern 1976, S. 15. Die Schweizergarde zählte 1786 2349 Mann in 16 Kompanien. Mercure de France. Paris, 29. Juli 1786, S. 59 (Digitalisat).</ref> Anfangs betreute ihn dort wie in Lausanne der in der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky (Sachsen) ausgebildete,<ref>Der Pietismus und die Herrnhuter hatten unter den Bündner Protestanten zwischen 1710 und 1780 eine beträchtliche Anhängerschaft aufgebaut, wurden dann aber rasch von der Aufklärung verdrängt. Florian Hitz et al.: Graubünden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. August 2023.</ref> laut Salis «edle, gutherzige, geschickte und fromme» Theologe Gottlob Friedrich Hilmer (1756–1835) als Hofmeister.<ref>Frey (1880), S. 6 f., 10 (Digitalisat). Hilmer wurde später preussischer Oberkonsistorialrat.</ref> Salis brachte es in der Garde nicht zum Hauptmann, wie immer wieder zu lesen ist,<ref>Frey (1889), S. 70/Anm. 1 (Digitalisat).</ref> sondern erst nach sieben Jahren zum Unterleutnant (erster Unterleutnant der Generalskompanie).<ref>Jacques de Roussel (Hrsg.): État militaire de France. Onfroy, Paris 1780, S. 140 (Digitalisat); 1781, S. 154 (Digitalisat); 1782, S. 143 (Digitalisat); 1783, S. 130 (Digitalisat); 1784, S. 139 (Digitalisat); 1785, S. 131 (Digitalisat); 1786, S. 131 (Digitalisat); Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern 1976, S. 15.</ref> Auch die Richtigkeit der Nachricht, dass «der geistvolle junge Mann bei der unglücklichen Königin Marie Antoinette ausgezeichnete Gunst genoß»,<ref>Nachdruck des Nachrufs der Bündner Zeitung. In: Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f., hier S. 43; Neuer Nekrolog der Deutschen. 12/1834, 1. Theil, Bernh. Fr. Voigt, Weimar 1836, S. 95–97, hier S. 95 (Digitalisat).</ref> ist «durch keine Silbe des Dichters zu erweisen».<ref>Frey (1889), S. 24 f. (Digitalisat).</ref>
Über sein Verhältnis zu Paris schrieb sein Dichterkollege und Freund Friedrich Matthisson (1761–1831):<ref>Friedrich v. Matthisson’s Literatischer Nachlaß nebst einer Auswahl von Briefen seiner Freunde. 2. Band. August Mylius, Berlin 1832, S. 89–125 (Digitalisat); Hilde Ribi: Eine Dichterfreundschaft. In: Bündner Jahrbuch. 7/1965, S. 69–77 (Digitalisat).</ref> «[…] die Schimmerscenen der üppigen Hauptstadt und des glänzenden Hofes hatten für ihn höchstens den flüchtigen Reiz einer Feenoper; die feine Welt, die sonst dem Neuling in zauberischem Helldunkel zu erscheinen pflegt, zog seine Blicke kaum so lange an, als nöthig war, um […] auch dies Kapitel des Buchs der Menschheit im Original zu lesen.»<ref>Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1793 (Digitalisat), S. VI.</ref>
Lyriker (1781 ff.)
1780 begann Salis Gedichte bzw. Liedtexte in deutscher Sprache zu verfassen.<ref>Salis (1848), S. 173 (Digitalisat).</ref> Erhalten haben sich ca. hundert, die laut Rose Friedmann «oft von wahrer und tiefer Empfindung erfüllt, oft anmutig und herzlich» sind. Zwar nehmen sie in der Literaturgeschichte keinen bedeutenden Platz ein, doch wurden sie zur Zeit der Veröffentlichung von Friedmanns Dissertation über ihre Entstehungsgeschichte (1907) noch immer gelesen und gesungen.<ref>Friedmann, S. 1 f.</ref>
Salis frequentierte in Paris das Cabinet de littérature allemande von Adrian Christian Friedel, mit dem er sich befreundete.<ref>Frey (1889), S. 17, 26 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 183, 191; Jürgen Voss: Ein Berliner Literat in Paris. Adrian Christian Friedel (1753–1785). In: Michel Espagne, Werner Greiling (Hrsg.): Frankreichfreunde. Mittler des französisch-deutschen Kulturtransfers. Leipziger Universitätsverlag 1996, S. 177–188.</ref> Christian Erni äusserte die Vermutung, jener habe ihn auf die schweizerischen und deutschen Almanache aufmerksam gemacht, in denen er seine Gedichte veröffentlichte.<ref>Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 356 (Digitalisat).</ref> Salis selbst fand diese einmal von der Allgemeinen Literatur-Zeitung<ref>Allgemeine Literatur-Zeitung. Jena/Leipzig 1788, 1. Band, Sp. 57 f., 63 (Digitalisat).</ref> «weit über ihren Werth erhoben»<ref>Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 365 (Digitalisat).</ref> und bestritt lebenslang, den «Dichter-Namen im strengeren Sinne des Wortes» zu verdienen.<ref>Frey (1884), S. 211 (Digitalisat).</ref>
Anregungen empfangen haben soll er von Young, Thompson, Haller, Ewald von Kleist, Gray,<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 397 f. (Digitalisat).</ref> Klopstock, Gessner, Hölty, Goethe, Schiller und dem erwähnten Matthisson. Letzterer schrieb über Salis: «[…] abgeschieden von deutschem Umgange, hat der Dichter mit der Sprache gerungen, wie Winckelmann und Haller, und gleich ihnen dadurch an Kraftfülle des Ausdrucks gewonnen.»<ref>Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1793 (Digitalisat), S. VII.</ref> Von Matthisson unterscheidet den Bündner gemäss Frey ein schlichter, «von Manier fast gänzlich freier Ausdruck».<ref>Frey (1884), S. 209 (Digitalisat).</ref> Die französische Literatur vermittelte ihm laut Alfred Rufer<ref>Jean-René Suratteau: Alfred Rufer. La Suisse et la Révolution Française. Société des Études Robespierristes, Paris 1974, S. 7 ff. (Biografie), 47 ff. (Bibliografie); Hans von Rütte: Alfred Rufer. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Januar 2012.</ref> «ausgeprägten Sinn für Einfachheit, Eleganz, Klarheit und Präzision der Ausdrucksweise».<ref>Rufer (1938), S. 5.</ref> Im Gegensatz zu Roeder<ref>Georg Wilhelm Roeder: Der Dichter Joh. Gaudenz v. Salis-Seewis. Ein Lebensbild als Festgabe am Seculartage seiner Geburt. Huber u. Compagnie (F. Fehr), St. Gallen 1863, S. 16 (Digitalisat). Zu Roeder vgl. Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 360 f.</ref> schrieb Frey dem französischen Gessner-Epigonen Florian keinen nennenswerten Einfluss auf Salis zu.<ref>Frey (1884), S. 208, 221 (Digitalisat).</ref> Gemäss Rémy Charbon fand dieser «einen eigenen, meist etwas melancholischen, gelegentlich auch patriotisch-enthusiastischen Ton». Als seine hauptsächlichen Sujets bezeichnete er «die heimatliche Landschaft, die Liebe zu seiner (späteren) Gattin und die Vergänglichkeit alles Irdischen».<ref>Rémy Charbon: Salis-Seewis, Johann Gaudenz Gubert Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> Was die Verbreitung seiner Lyrik betrifft, schrieb Matthisson, in der Deutschschweiz sei Salis neben Haller und Gessner als vaterländischer Dichter «allbekannt und allgelesen».<ref>Schriften von Friedrich von Matthisson. 7. Band. Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1829 (Digitalisat), S. 257 f.</ref> Bewunderung zollten seiner Dichtkunst gemäss Humm unter anderen Klopstock, Voss, Wieland, Schiller, Meyer, Keller, Hofmannsthal und Rilke.<ref>Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern 1976, S. 7.</ref>
Das 1782 verfasste, 1799 von Reichardt vertonte Herbstlied gilt heute als Volkslied. Es schildert – aus der Perspektive des 20-jährigen Gutsbesitzerssohnes – in Sechszeilern die Zeit der Weinlese in der Herrschaft Maienfeld:
<poem lang="nl" style="margin-left:2em; float:left;"> «1. Bunt sind schon die Wälder; Gelb die Stoppelfelder, Und der Herbst beginnt. Rothe Blätter fallen, Graue Nebel wallen, Kühler weht der Wind.
2. Wie die volle Traube, Aus dem Rebenlaube, Purpurfarbig stralt! Am Geländer reifen Pfirsiche mit Streifen Roth und weiss bemalt.
3. Sieh! wie hier die Dirne<ref>In der älteren Bedeutung: Magd, Mädchen.</ref> Emsig Pflaum’ und Birne In ihr Körbchen legt! Dort, mit leichten Schritten, Jene, goldne Quitten In den Landhof trägt! </poem>
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> 4. Flinke Träger springen, Und die Mädchen singen, Alles jubelt froh! Bunte Bänder schweben, Zwischen hohen Reben, Auf dem Hut von Stroh!
5. Geige tönt und Flöte Bei der Abendröthe Und im Mondenglanz; Junge Winzerinnen Winken und beginnen Deutschen Ringeltanz.»<ref>Salis (1848), S. 1 f. (Digitalisat). Mit dem «Deutschen Ringeltanz» ist wohl ein Kreistanz und nicht die Allemande (Gesellschaftstanz) gemeint.</ref> </poem>
(In der Erstfassung hatte das Gedicht noch zwei weitere, allzu erotische bzw. sententiöse Strophen.<ref>Johann Heinrich Voss, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (Hrsg.): Musen Almanach. C. E. Bohn, Hamburg 1786, S. 34–36, hier S. 35 (Digitalisat); Friedmann (1917), S. 15–17.</ref>)
Vielleicht von Merciers Tableau de Paris inspiriert, das von der Société typographique de Neuchâtel gedruckt wurde,<ref>(Louis-Sébastien Mercier:) Tableau de Paris. 12 Bände, 1781–1788; 1. Band: Virchaux & Compagnie, Hambourg/Samuel Fauche, Neuchâtel 1781 (Digitalisat).</ref> konfrontiert die Elegie An mein Vaterland (1785) das idyllisierte Bünden mit Frankreichs Hauptstadt, ihrem Lärm, ihrem Verkehrschaos, ihrem Luxus und ihrer Luftverschmutzung. In der Erstfassung heisst es – mit 17 «aktivischen» Präsenspartizipien in 9 Distichen – nach Reminiszenzen des Dichters an die Heimat:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Aber – die Täuschung zerschmilzt;<ref>Wie das Wachs an den Flügeln des Ikarus.</ref> von deinen hebenden Schwingen,
Gaukelnde Fantasie, stürz’ ich in luftiges Nichts!
Langsam flatternd, sinkt so der heimatzu streichende Kranich,<ref>Dass dieser grosse Zugvogel einst auch in der Schweiz gejagt wurde, zeigt das Wappen von Greyerz.</ref>
Wenn das quetschende Bley plötzlich den Fittig ihm lähmt.
Schon erweckt mich das Donnergetöse der spritzenden Räder,
Und des raschen Gespanns schlagender klappernder Huff;
Der geschwungenen Geißel Knall, des treibenden Fuhrmanns
Wilder drohender Fluch; heischerer Krämer Geschrey;
Und des gierigen Pöbels Gewühl um den faulenden Fischmarkt,
Oder die triefende Bank, blutiger Metzger gedrängt.
Ha! mich umschlingen weit Lutetiens kreutzende Gassen:
Mancher Zauberpallaß, voll des Goldes und Grams!
Wo der wolkichte Staub, umdüsternd brütende Dünste,
Stockender Niederung Duft, und der gekräuselte Rauch
Ewig die thürmenden Giebel in bläuliche Nebel verhüllen,
Welche mit stumpferem Strahl mühsam die Sonne durchwühlt.
Lebet nun wohl, ihr blühenden Thäler, ihr waldigten Berge;
Fernher tönet mein Lied Seegen und Frieden euch zu! […]»<ref>Schweitzersches Museum. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1786, S. 84–86 (Digitalisat); Friedmann (1917), S. 20–27, 88–93. Die Endfassung – Salis (1848), S. 6–8 (Digitalisat) – enthält eine diskutable Überleitung vom Anbau verschiedener Getreidesorten in der Herrschaft Maienfeld auf die Mannigfaltigkeit der Erinnerungen des Dichters. Die vorletzte zitierte Zeile lautet beschwörender: «Lebet nun wohl ihr Thäler der Heimath! Ihr heiligen Alpen!» Übrigens freute sich Salis, als er 1790 mit Liebeskummer aus der Heimat zurückkehrte, dass ihm «das weite, lange Paris, durch den feuchten, stinkenden Qualm und seine Wagen und Menschengewühl» Ablenkung verhiess. Erni (1995) (Digitalisat), S. 190 f.</ref>
</poem>
Von den 64 immer wieder umgearbeiteten und ergänzten Gedichten der Ausgabe letzter Hand entstanden 36 im Zeitraum von 1780 bis 1792 und je 14 von 1793 bis 1799 bzw. von 1800 bis 1821.<ref>Salis (1848), S. 173–176 (Digitalisat).</ref> Es existieren über 400 Vertonungen einer Vielzahl von Komponisten, allen voran Schubert. Allein von dem «literarisch-musikalischen Bestseller» Das Grab (1783) fand Weinmann 43 Kompositionen.<ref>Alexander Weinmann: «Das Grab» von J. G. v. Salis-Seewis. Ein literarisch-musikalischer Bestseller. (Wiener Archivstudien. Band 4.) Krenn, Wien 1979.</ref> Er endet mit den Worten:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Das arme Herz, hienieden Von manchem Sturm bewegt, Erlangt den wahren Frieden Nur wo es nicht mehr schlägt.»<ref>Erstdruck: Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1788 (Digitalisat), S. 118 f.; Jean Paul: Hesperus, oder 45 Hundsposttage. Drittes Heftlein. Karl Matzdorff, Berlin 1795, S. 210 f. (Digitalisat); Vertonungen von Schubert: Deutsch-Verzeichnis 329a, 330, 377, 569; Salis (1848), S. 37 f. (Digitalisat); Friedmann (1917), S. 45–47.</ref> </poem>
(Salis glaubte an die Unsterblichkeit der Seele, spottete aber über Bigotterie und sinnentleerten Gottesdienst.<ref>Auf einen Heuchler bzw. Während einer Predigt. Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1786, S. 168 (Digitalisat); 1788 (Digitalisat), S. 31; Frey (1884), S. 345, 350 (Digitalisat).</ref> 1787 kaufte er die Pensées von Pascal, die seine Einstellung zur Religion beeinflussten.<ref>Frey (1889), S. 41 f. (Digitalisat).</ref>)
Die adligen Offiziere erhielten alljährlich lange Urlaube, in denen Salis meist in die Heimat zurückkehrte. Dort wurde der Theologe Heinrich Bansi (1754–1835) sein Mentor. Mit diesem späteren Revolutionär und französischen Geheimagenten begann er 1783 zu korrespondieren.<ref>Johann Martin Trepp: Heinrich Bansi, In: Jahresbericht der Historisch-antiquarischen Gesellschaft von Graubünden. 37/1907, S. 100–267, hier S. 117–122 (Digitalisat).</ref>
Über Sophie von La Roche (1730–1807), die Salis 1785 in Paris kennenlernte, schrieb er Bansi: «Warmes Gefühl für Tugend und Natur, Kenntnisse in allen Fächern der Litteratur und philosophischer Scharfsinn unterscheiden sie gänzlich von den eitlen, gefallsüchtigen Putzpuppen, die von nichts als faden französischen Romanen Kopf und Herz angefüllt haben.» Das Gefallen war gegenseitig: In ihrem 1787 veröffentlichten Reisetagebuch nannte ihn die Schriftstellerin «einen der edelsten jungen Männer, welche ich je sah; Sitten, Geist und Grundsätze vortrefflich. Er wohnt am äussersten Ende des schönen Dorfs Chaillot,<ref>Dort befand sich die Kaserne des 1. Bataillons des Régiment des Gardes Suisses et Grisons.</ref> um von dem Getümmel in Paris und Versailles gleichweit entfernt zu seyn, und nach der Schweizer angebohrnen Liebe für die Natur, eine schöne Aussicht auf Gottes Boden zu geniessen, wo er Stoff zu artigen Gedichten, voll der edelsten Gefühle, sammelt.» Laut der Verfasserin empfindsamer Romane war Salis «zugleich eine der schönsten Mannspersonen».<ref>(Sophie von La Roche:) Journal einer Reise durch Frankreich, von der Verfasserin von Rosaliens Briefen. Richter, Altenburg 1787, S. 97–100, 376 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 21 f. (Digitalisat); Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 335 (Digitalisat).</ref> (Nach einem Pass von 1802 war er brünett<ref>Nicht blond wie auf dem Umschlag der Naxos-CD 8.570480 Schubert: Poets of Sensibility. Vol. 6.</ref> und 5 Fuss 6 Zoll = nach Pariser Mass 1,79 m gross.<ref>Frey (1889), S. 188 (Digitalisat).</ref>)
1786 wurde er in die Freimaurerloge La Bienfaisance aufgenommen.<ref>Frey (1889), S. 28 (Digitalisat).</ref> Die Welt der Aufklärung lernte er beim Zürcher Kaufmann Johann Caspar Schweizer<ref>David Heß: Joh. Caspar Schweizer. Ein Charakterbild aus dem Zeitalter der französischen Revolution. Hrsg. v. Jakob Baechtold. Wilhelm Hertz, Berlin 1884 (Digitalisat), S. VII, XXXI–XXXIII, XXXV, 52.</ref> kennen, der mit Bansi befreundet war und dessen älteste Tochter Barbara<ref>Maria Morf-Tanner: Barbara Bansi (1777–1863). In: Bündner Jahrbuch. 5/1963, S. 121–123 (Digitalisat).</ref> adoptiert hatte. Schweizer übersiedelte im erwähnten Jahr nach Paris, wurde dort mit Mirabeau bekannt und trat später dem Jakobinerklub bei. Einen grossen Einfluss übten auf Salis die Werke Rousseaus aus, zu dessen Grab in Ermenonville er damals pilgerte.<ref>Frey (1889), S. 33 f., 42, 94, 119 f. (Digitalisat); Erni (1995)(Digitalisat), S. 183.</ref>
Hauptmann (1786–1793)
Weil Salis keine Aussicht auf das Kommando der Erbkompanie der Salis-Seewis hatte,<ref>Die Beförderungen erfolgten nach Willkür statt nach Anciennität, wogegen die Offiziere nach der Revolution protestierten. Ariane Knüsel: Aloys Jost – ein Bündner Patriot und die Französische Revolution. In: Bündner Monatsblatt. 2013, S. 493–515, hier S. 497 ff. (Digitalisat).</ref> wurde er auf den 25. August 1786, unter Beibehaltung seiner Bezüge in der Garde, kommandierender Hauptmann<ref>Encyclopédie méthodique. Art militaire. 1. Band. Panckoucke, Paris/Plomteux, Liège 1784, S. 463 (Digitalisat); Hans Jakob Holzhalb: Supplement zu dem allgemeinen helvetisch-eidsgenößischen oder schweizerischen Lexicon […]. 5. Theil. Selbstverlag, Zürich 1791, S. 285 (Digitalisat).</ref> der Oberstenkompanie im Regiment Salis-Samaden.<ref>Jacques de Roussel (Hrsg.): État militaire de France. Onfroy, Paris 1787, S. 275 (Digitalisat); 1788, S. 246 (Digitalisat); 1789, S. 241 (Digitalisat); 1790, S. 241 (Digitalisat); 1791, S. 55, 209 (Digitalisat); 1792, S. 186 (Digitalisat); Frey (1889), S. 30, 94 (Digitalisat).</ref> (Neben den Cent-Suisses und der Schweizergarde stellten die Eidgenossenschaft und ihre Verbündeten Frankreich elf Regimenter Linieninfanterie, wobei Bünden damals mit 19 von 176 Kompanien das wichtigste Rekrutierungsgebiet war.<ref>Mercure de France. 29. Juli 1786, S. 59–61 (Digitalisat).</ref> Hauptaufgabe der Schweizer war Ende des 18. Jahrhunderts die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, oft fungierten sie als Marktpolizei.<ref>Alain-Jacques Czouz-Tornare: Les formations suisses, substituts aux gardes nationales dans les capitales provinciales en 1789–1790. In: Serge Bianchi, Roger Dupuy (Hrsg.): La garde nationale entre nation et peuple en armes […]. Presses Universitaires de Rennes 2006, ISBN 978-2-7535-3179-6 (Digitalisat), § 2.</ref>)
Das Regiment Salis-Samaden, dessen greiser Inhaber<ref>Adolf Collenberg: Vincenz Guido von Salis (Sils). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 6. Juni 2012.</ref> in der Heimat lebte und dessen Mannschaft 1789 nur noch zu drei Vierteln aus dem Gebiet des Corps helvétique stammte,<ref>Alain-Jacques-Tornare: Le régiment de Salis-Samade en Normandie […]. In: Christine Le Bozec, Eric Wauters (Hrsg.): En hommage à Claude Mazauric. Pour la Révolution Française. Publications de l’Université de Rouen 1998, S. 211–222, hier S. 211.</ref> war in der nordfranzösischen Grenzfestung Arras stationiert. Von den Offizieren unterstützten neben Salis die Hauptleute Buxtorf, Burckhardt und Joseph Ignaz von Flüe sowie Leutnant Remi(gius) Frey die Revolution. Nachdem Letzterer 1791 in seiner Heimatstadt Basel geheiratet hatte, blieb er mit Salis durch Briefwechsel verbunden. Wie Frey waren auch dessen Landsleute Buxtorf und Burckhardt mit dem späteren Autor der helvetischen Verfassung und Mitglied des helvetischen Direktoriums Peter Ochs befreundet, den Frey Anfangs 1798 als Deputierter seiner Heimatstadt in Paris ablöste.<ref>Charles Bourcart: Aus den Papieren des Samuel Ryhiner. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. 11/1912, S. 1–220, hier S. 18 f. (Digitalisat); Alfred Rufer: Aus dem Garnisonsleben des Dichters Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1918, S. 73–81, hier S. 77 (Digitalisat); Heinrich Scheel: Süddeutsche Jakobiner. Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im deutschen Süden Ende des 18. Jahrhunderts. Akademie-Verlag, Berlin 1962, S. 186, 190, 458 f., 473, 475.</ref> Der Obwaldner von Flüe bekleidete in der Helvetik hohe Ämter und war 1799 Regierungskommissär im Hauptquartier des französischen Oberkommandierenden Massena. Der Freimaurerloge von Arras fehlte es an Niveau.<ref>Frey (1889), S. 35 f., 58, 65, 92, 96 f., 110, 112 f., 151, 207 (Digitalisat). Dass Salis gemäss Rufer (1938), S. 6, in Arras eine Lobrede Robespierres auf die Schweiz und das Regiment Salis-Seewis hörte, beruht auf einem Irrtum. Pierre Despatys: La Révolution, la Terreur, le Directoire 1791–1799 […]. Plon-Nourrit et Cie., Paris 1909, S. 261 (Digitalisat).</ref>
Die wohl in Arras entstandene Elegie an die Ruhe (1786) stellt das Gutsbesitzerleben in der Heimat dem Garnisonsdienst gegenüber:
<poem style="margin-left:2em;"> «Wie nach dem röthenden Abend die Schnittermädchen sich sehnen,
Also sehnt sich mein Herz, ländliche Ruhe, nach dir. […]
Aber was lullst du mich ein in Zauberschlummer der Täuschung,
Nichtige Phantasie? Selten, ach! selten gedeiht
Deine Blüthe zur Frucht! Mir ruft die wirbelnde Trommel,
Und der Kanonen Zug klirrt durch die Wölbung des Thors,
Bayonette blitzen in langen, starrenden Reihen,
Hoch vom Flattergeräusch farbiger Fahnen umweht. […]
Ruhe, dich lieb’ ich umsonst! Ich flieh’ und wende die Blicke;
Nur noch ein Seufzer entschlüpft mir in betäubendem Lärm,
Wie der entführten Braut im Arme des siegenden Jünglings,
Wenn sie an’s heimische Haus zärtlicher Ältern gedenkt.»<ref>Salis (1848), S. 33–35 (Digitalisat); später stark überarbeitete Erstfassung: Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1787 (Digitalisat), S. 201–204; Friedmann (1917), S. 93–95.</ref>
</poem>
Berenice (1787 ff.)
Sophie von La Roche nannte Salis «einen Mann, der von früher Jugend in Frankreich im Militär oder am Hofe in tausend verführerischen Lagen war,<ref>Die Legende will, dass er sogar «bei der unglücklichen Königin Marie Antoinette ausgezeichnete Gunst genoß». Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f. (Nachdruck des Nachrufs der Bündner Zeitung).</ref> mit diesem Feuer, mit dieser Gestalt, der dennoch unverdorben blieb und mit der höchsten männlichen Schönheit die größte moralische Vollkommenheit vereinigte».<ref>Ernst Zimmerli: Johann Gaudenz von Salis-Seewis, Jakob Ulrich Sprecher v. Bernegg, Karl Gotthard Graß und Sophie von Laroche. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1936, S. 204–213, hier S. 208 (Digitalisat).</ref>
In Heinrich und Mariechen, ein ländliches Gedicht<ref>Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1787 (Digitalisat), S. 8–12.</ref> schilderte er das Schicksal eines Mädchens, das von seinem Geliebten verlassen wird. In Arras ging er keine Liebesbeziehung ein, und zwar nicht nur, weil er das «schöne Geschlecht» dort grösstenteils nicht schön fand.<ref>Er schrieb: «Die meisten sind fett und phlegmatisch, trocken und übertrieben mißtrauisch, zurückhaltend gegen Offiziere.»</ref> Nur einmal gab ihm «die sanfteste griechische Bildung, der schlankeste Wuchs, ein Auge voll jungfräulichen Unschuld-Sinns und Milde […] einige Tage ein leichtes Seelenfieber».<ref>Frey (1889), S. 35, 46 (Digitalisat).</ref>
Bansi gestand er: «[…] sey es nun Furcht schief beurtheilt zu werden, schüchterne Zurückhaltung, Abneigung vom süßthuenden Geziere, oder nöthig angenommene Kälte, – Ich darf und kann mich fast keinem Weib offen zeigen […].» Und in einem anderen Brief: «Ein Weib zur Freundin haben, muß für den ders kann und darf ein Himmel seyn. – Ich dürfte es nicht, wie sehr ich auch fühle, daß ihr sanftes [Wesen] meinen Menschenfeindlichen (nicht Menschenfeindlichen; Ich haße dieses Wort und war es Gottlob nie! aber Menschenscheuen) Anfällen heilsam seyn würde; Ich dürfte es nicht – denn ich fühle zu tief, und meine Seele haftet zu sehr auf einem Punkt, um nicht immer [nach einer] Verbindung zu streben.»<ref>Frey (1884), S. 218 (Digitalisat); zweites Zitat etwas modernisiert auch in: Frey (1889), S. 46 (Digitalisat).</ref>
Von den Bündnerinnen seines Standes schrieb Salis, dass man sie «unbarmherzig verhunzt und entweder in fremden Verziehungsanstalten zu Pietistischen Statuen versteinern läßt, oder zu krittelnden Schwätzerinnen zu Hause bildet».<ref>Frey (1884), S. 228 (Digitalisat).</ref>
Eine Ausnahme war offenbar Ursina, genannt Sina von Pestalozzi (1771–1835), in die er sich 1787 in Malans verliebte und die er wegen ihres schönen blonden Haares Berenice nannte.<ref>Salis (1848), S. 67–69, 85 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 47–49 (Digitalisat). Anderer Meinung betreffend das Pseudonym war Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 346 (Digitalisat).</ref> Ein siebenjähriger Aufenthalt im Herrnhuter Töchterinstitut Montmirail im preussischen Fürstentum Neuenburg scheint der Tochter des ehemaligen piemontesischen Oberstleutnants Johann Jakob von Pestalozzi (1733–1814) und der Margaretha Dorothea von Albertini († 1815)<ref>(Anton Herkules Sprecher von Bernegg:) Sammlung rhätischer Geschlechter. 1. Jahrgang. G. Hitz, Chur 1847, S. 111 (Digitalisat); Hans Pestalozzi-Keyser: Geschichte der Familie Pestalozzi. PDF 2021 (Original 1958), S. 265–267, 358–360.</ref> nicht geschadet zu haben.<ref>Zuletzt hatte Ursina sich noch in Bern aufgehalten. Brief von ihrer Hand: Friedrich v. Matthisson’s Literatischer Nachlaß nebst einer Auswahl von Briefen seiner Freunde. 2. Band. August Mylius, Berlin 1832, S. 111–117 (Digitalisat).</ref>
Leider aber war sie in den Augen seines Vaters keine ebenbürtige Partie für den Stammhalter. Als der Urlaub von 1788/89 zu Ende ging, musste Salis Pestalozzi mitteilen, dass er auf die Hand seiner Tochter verzichte. In sein Tagebuch schrieb er: «Meine Seele war erschüttert, ob ich gleich kalt und gelassen zu sein suchte. Abends schrieb ich einen Brief an Sina, nahm Abschied und holte [brachte] ihr Porträt zurück; das Losreissen kostete mich Kraft.»<ref>Erni (1995) (Digitalisat), S. 188.</ref> Der Geliebten gegenüber hatte er die Situation durch die Wahl der Sprache des europäischen Adels zu objektivieren versucht: «Mes parents; mon métier de militaire, les circonstances; enfin des plus fortes raisons – que je ne puis vous dire, me retiennent de toutte liaison.» (Meine Eltern, mein Beruf als Militär, die Umstände, schliesslich stärkere Gründe, die ich ihnen nicht nennen darf [!], halten mich von jeder Verbindung ab.) Ursina aber war entschlossener und antwortete auf Deutsch: «Sie sagen, ein andrer soll mich glücklich machen, nein, das soll niemals geschehen, nicht wahr, ich kann ja unschuldig seyn und Sie doch lieben, biß ich nicht mehr bin … aber vergessen, ach daß kann ich Sie nicht […]» Darauf gestand ihr Salis in einem (vermeintlichen) Abschiedsbrief, ebenfalls in der Muttersprache: «Oh, wie so manche Stunde Ihres Umganges versagte ich mir – oh, oh wie so sehr that ich meiner Seele Gewalt an, nicht mit Ihnen vertrauter zu werden – Sie nicht ein einziges Mal (darf ich’s sagen) an mein Herz zu drücken!»<ref>Frey (1889), S. 57, 61, 260 (Digitalisat). Sein letzter Besuch vor der Abreise galt dann allerdings der verheirateten Jugendfreundin Barbara Schwarz-Laurer. Erni (1995) (Digitalisat), S. 188.</ref>
Sturm auf die Bastille (1789)
Auf dem Rückweg nach Frankreich liess Salis sich 1789 in Olten in die gemässigt regimekritische Helvetische Gesellschaft aufnehmen.<ref>Frey (1889), S. 60, 64 f. (Digitalisat).</ref>
Am 1. Juni traf er in Paris ein, wohin das Regiment Salis-Samaden zum Ordnungsdienst verlegt worden war. Nachdem sich die Abgeordneten des Dritten Standes in den Generalständen am 17. zur Nationalversammlung erklärt hatten, stand der Dichter im Brennpunkt des Geschehens, wovon sein Tagebuch Zeugnis ablegt.<ref>Frey (1889), S. 241–162 (Transkription des Textes vom 27. Mai bis zum 21. August) (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 190–193.</ref> «[Am] 25.», notierte er, «bekamen wir Kanonen mit Munition und Kugeln […].» Am 30.: «[…] man theilte scharfe Patronen aus und wir brachen auf. Mit muthiger Entschlossenheit zog ich der vermutheten so widrigen als gefährlichen expedition entgegen; (das Volk stand betäubt. Der Mond schien etwas düster feyerlich). es kam aber, als wir kaum eine Viertelstunde marschirt hatten, contreordre [Gegenbefehl] […].»<ref>Frey (1889), S. 248 f. (Digitalisat).</ref>
Zum vollen Ausbruch brachten den Aufstand am 12. Juli die Nachricht von der Absetzung Neckers als Directeur général des finances<ref>Der Genfer Bankier bekleidete dieses Amt 1777–1781 und 1788/89. 1789/90 war er Premier ministre des finances.</ref> und Kavallerieattacken auf meuternde französische Garden vor dem Tuilerien-Palast.<ref>Frey (1889), S. 252 (Digitalisat).</ref> Während der Kornpreis in Frankreich ein Allzeithoch erreichte,<ref>Jacques Godechot: La prise de la Bastille. 14 juillet 1789. Gallimard, Paris 1985 (Erstausgabe 1965), S. 427.</ref> drang das Volk am Quatorze Juillet ins Hôtel des Invalides ein und erbeutete 40'000 Gewehre. Laut Salis schätzte man die Zahl der Bewaffneten auf 60'000. Er schrieb: «An diesem Tage ward durch Mord, Brand und alle Gräuel des fürchterlichen Aufruhrs die Stadt und die Nation gebrandmarkt […]. Die Bastille wurde erobert, drin war auch ein detachement von unserem Regiment. Die Commandanten wurden enthauptet, unser commandirender offizier, Louis von der Flüe soll … aufgehängt worden sein.»<ref>Ludwig von Flüe blieb im Gegensatz zu einigen seiner Untergebenen am Leben und stiess am 1. August wieder zum Regiment. Frey (1889), S. 253, 258 (Digitalisat).</ref>
Reichard wollte von Salis gehört haben, Ludwig von Flüe sei «sein Lieutenant» gewesen. Während dieser mit 30 Mann die aus Invaliden bestehende Besatzung der Bastille unterstützte, habe Salis mit dem »Rest der Kompanie» an der Drehbrücke zwischen der Place Louis XV und dem Jardin des Tuileries gestanden.<ref>Hermann Uhde (Hrsg.): H. A. O. Reichard (1751–1828). Seine Selbstbiographie. J. G. Cotta, Stuttgart 1877, S. 227 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 69 f. (Digitalisat).</ref> In Wirklichkeit hatte das Regiment Salis-Samaden die heutige Place de la Concorde nur in der Nacht vom 12. auf den 13. einige Stunden lang besetzt gehalten.<ref>Jacques Godechot: La prise de la Bastille. 14 juillet 1789. Gallimard, Paris 1985 (Erstausgabe 1965), S. 467 f.</ref>
Nach dem Fall der Bastille befahl Ludwig XVI. den Truppen, Paris zu räumen. Gemäss Salis war es seine Kompanie, an deren Spitze die Generäle Narbonne-Fritzlar<ref>Generalleutnant Jean-François comte de Narbonne-Pelet-Fritzlar (1724–1804).</ref> und Besenval,<ref>Der Solothurner Generalleutnant kommandierte die zur Niederschlagung der Unruhen nach Paris befohlenen Truppen. Andreas Fankhauser: Peter Viktor Besenval von Brunnstatt. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 6. November 2002.</ref> «sehr verlegen» zu Fuss marschierend, den nächtlichen Rückzug der Schweizerregimenter Salis-Samaden, Diesbach, Lullin de Châteauvieux und Rheinach sowie von Kavallerieeinheiten vom Marsfeld nach Sèvres anführten.<ref>Frey (1889), S. 253 (Digitalisat).</ref>
Dass Salis tags darauf die dortige Porzellanmanufaktur besichtigte,<ref>Sie wurde vom Winterthurer Hettlinger geleitet, der 1791 Administrator des Départements Seine-et-Oise (Hauptort Versailles) wurde. Frey (1889), S. 69, 254 (Digitalisat); Martin Lassner: Johann Jakob Hettlinger. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 30. August 2006.</ref> deutet darauf hin, dass ihn das Schicksal Ludwig von Flües nicht besonders beschäftigte.<ref>Ludwig von Flüe wohnte mit Salis Zimmer an Zimmer. Er hatte ihn noch am 22. Juni besucht. Salis missbilligte, dass er 1790 mit beteiligten Soldaten den Jahrestag des Bastillesturms feierte. Frey (1889), S. 93, 97 f., 248 (Digitalisat). 1791 erhielt von Ludwig von Flüe die Hauptmannsstelle eines zurücktretenden Verwandten. Jacques de Roussel (Hrsg.): État militaire de France. Onfroy, Paris 1789, S. 241 (Digitalisat); 1791, S. 359 (Digitalisat); 1792, S. 186 (Digitalisat).</ref> Reichards Mutmassung, die Französische Revolution hätte nicht stattgefunden, wenn die Verteidigung der Bastille Salis anvertraut worden wäre,<ref>Hermann Uhde (Hrsg.): H. A. O. Reichard (1751–1828). Seine Selbstbiographie. J. G. Cotta, Stuttgart 1877, S. 227 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 69 (Digitalisat).</ref> entbehrt jeder Grundlage, auch wenn der Dichter am 16. ins Tagebuch schrieb: «Ich stand die Mühseligkeiten leicht aus; meine Heiterkeit und Festigkeit wuchs in der Gefahr. Ich habe alle Ursache mich für den Krieg tüchtiger und fähig zu halten, mehr als ich mir selbst zutraute.»<ref>Frey (1889), S. 254 (Digitalisat); Erni (1995)(Digitalisat), S. 193.</ref>
Als der König sich am 17. die dreifarbene Kokarde der Revolution an den Hut steckte,<ref>Jacques Godechot: La prise de la Bastille. 14 juillet 1789. Gallimard, Paris 1985 (Erstausgabe 1965), S. 428.</ref> sollte das Regiment nach Arras zurückkehren (wohin die Stadt Paris sein Gepäck sandte). Stattdessen wurde es vom 18. an in Pontoise zurückgehalten, um Getreidetransporte zur Versorgung der Hauptstadt zu sichern. Tags darauf notierte Salis: «Streifende Horden von Bösewichtern […] beunruhigten die Gegend […] plünderten, enthaupteten und marterten [folterten] die Leute bey denen sie überflüssiges Korn fanden […]. Seit 3 Tagen verlor ich 6 Mann durch desertion, das Regiment mehr als 100 […].»<ref>Frey (1889), S. 255 f. (Digitalisat); Alain-Jacques Czouz-Tornare: Les formations suisses, substituts aux gardes nationales dans les capitales provinciales en 1789–1790. In: Serge Bianchi, Roger Dupuy (Hrsg.): La garde nationale entre nation et peuple en armes […]. Presses Universitaires de Rennes 2006, ISBN 978-2-7535-3179-6 (Digitalisat), § 7.</ref>
Zwischen Beschreibungen der durchgemachten Strapazen und des Zusammenbruchs der öffentlichen Ordnung finden sich im Tagebuch immer wieder Naturschilderungen in rhythmisierter Prosa wie Bruchstücke ungeschriebener Gedichte. So am 26., anlässlich eines erfolglosen Einsatzes in Mantes: «Der Abend war schön; von der Brücke […] bewunderte ich mit Frei [Frey] den herrlichen Lauf der Seine, deren Weidenufer und stillhergleitende Flut von einem röthlichen Schlaglicht der untergehenden Sonne sanft verklärt war.»<ref>Frey (1889), S. 257 (Digitalisat).</ref>
Am 4. August musste das Regiment zur Bekämpfung von Unruhen in Eilmärschen nach Rouen aufbrechen.<ref>Mercure de France. Paris, 26. September 1789, S. 340–346 (Digitalisat); Alain-Jacques Czouz-Tornare: Le régiment de Salis-Samade en Normandie […]. In: Christine Le Bozec, Eric Wauters (Hrsg.): En hommage à Claude Mazauric. Pour la Révolution Française. Publications de l’Université de Rouen 1998, S. 211–222, hier S. 212.</ref> Wie sich die Schweizer fühlten, schrieb Salis an jenem Tag dem mit Schiller befreundeten württembergischen Hofarchitekten Wilhelm von Wolzogen (1762–1809), der in Paris seine Bekanntschaft gesucht hatte:
«Verläumdet, verabscheuet, verrathen, – weil wir gehorchten! – gehaßt, als Werkzeuge der Unterdrückung, zu einer Zeit, wo wir wähnten unser Leben nur für die öffentliche Ruhe auszusetzen. Doch ich bin mit allem zufrieden, wenn nur die Freiheit aus den düstern Rauchwolken emporsteigt, die diese Stadt [Paris] bedecken, wo manche leichtsinnige Grausamkeit in diesen Tagen der Rache zwar ewig die Thäter schändet – doch nur Vergeltung ist.»<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 393–395 (Digitalisat).</ref>
Auf dem Weg nach Rouen bewunderte Salis die von der Natur «mit allen ihren Lieblichkeiten überschüttete» Umgebung und den Blick vom Hügel Sainte-Catherine auf die Kathedrale und die «mit dem Forst von Masten und Thauwerk von mehr als hundert Schiffen bepflanzte» Seine. Beim Näherkommen erwartete ihn der Anblick zweier Gehängter. Später musste er selbst bei Exekutionen Kordon bilden.<ref>Frey (1889), S. 259–262 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 194.</ref>
1789/90 unternahm Salis eine Bildungsreise durch die Österreichischen und die Vereinigten Niederlande. Beim Verlassen Frankreichs schrieb er ins Tagebuch: «O Freiheit, heilige, grosse, missverstandene, verkannte Freiheit, wie viel Unheil richten Menschen unter deren Namen an.»<ref>Erni (1995) (Digitalisat), S. 195.</ref>
Eine Erkrankung an Nervenfieber (Typhus) hielt ihn ein Vierteljahr lang im Haag fest, wo er vom Zürcher Schriftsteller und Zeichner David Hess betreut wurde, der dort als Gardeoffizier diente. Während der Rekonvaleszenz begann er wieder zu dichten.<ref>An D. Heß. Beym Abschied den 19. Jenner 1790. (Im Haag.) In: Schweitzersches Museum. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1789, S. 876 f. (Digitalisat); Frey (1884), S. 354 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 79, 81–83, 214, 232, 234 (Digitalisat); Ernst Eschmann: David Heß (1770–1843). Sein Leben und seine Werke. Sauerländer & Co., Aarau 1910 (Diss. Universität Zürich), S. 38 f. (Digitalisat).</ref> Durch Goethes An die Entfernte (Charlotte von Stein)<ref>Goethe’s Schriften. 8. Band. Georg Joachim Göschen, Leipzig 1789, S. 117 (Digitalisat); John Reed: The Schubert song companion. Manchester University Press 1997, ISBN 978-1-901341-00-3, S. 31.</ref> inspiriert worden sein dürfte das an Ursina gerichtete Gedicht Der Entfernten, in dem die fiebernde Phantasie vom Meeresstrand zur Heimat schweift:
<poem lang="nl" style="margin-left:2em; float:left;"> «1. Wohl denk ich allenthalben, O du Entfernte, dein! Früh, wenn die Wolken falben Und spät im Sternenschein. Im Grund des Morgengoldes, Im rothen Abendlicht Umschwebst du mich, du holdes, Geliebtes Traumgesicht.
2. Es folgt in alle Weite Dein trautes Bild mir nach, Es wallt mir stets zur Seite, In Träumen oder wach; Wenn Lüfte sanft bestreifen Der See beschilften Strand, Umflüstern mich die Schleifen Von seinem Busenband.<ref>Zum modischen Chemisenkleid aus Mousseline wurde unterhalb des Busens ein farbiges Seidenband getragen.</ref>
3. Ein Abglanz seines Schleiers Scheint auf die Saat gewebt; Sein Hauch, was des Gemäuers Bewegten Eppich hebt, Der Kleidung weiche Falten, Geformt aus Glanz und Duft, Entschwinden in den Spalten Der öden Felsenkluft. </poem>
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> 4. Wo rauschender und trüber Der Strom Gebirge trennt, Weht oft sein Laut herüber Den meine Seele kennt; Wenn ich den Fels erklimme, Den noch kein Fuß erreicht, Lausch ich nach jener Stimme; Doch Kluft und Echo schweigt.<ref>Bei in der Schweiz üblicher Aussprache des Standarddeutschen unreiner Reim.</ref>
5. Wo durch die Nacht der Fichten Ein Dämm’rungsflimmer wallt, Seh’ ich dich zögernd flüchten, Geliebte Traumgestalt! Wenn, sanft dir nachzulangen, Der Sehnsucht Arm sich hebt, Ist dein Phantom zergangen, Wie Thaugedüft verschwebt.»<ref>Erstdruck: Gedichte. Vierte vermehrte Auflage. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1800, S. 122–124 (Digitalisat); Vertonungen von Schubert: Deutsch-Verzeichnis 331, 350; Salis (1848), S. 87–89 (Digitalisat); Frey (1889), S. 74, 80 f. (Digitalisat).</ref> </poem>
Der beschriebene «Strom» erinnert an den Alpenrhein, die «öde Felsenkluft» an den Durchbruch der Landquart in der Klus zwischen Seewis und Malans, der unbestiegene «Fels» an die senkrechte Wand über der dortigen Grottenburg Fracstein (Erstbesteigungen bis hin zu jener des Mont Blanc im Jahr 1786 waren gefeierte Heldentaten der Zeit).
In Schillers Beziehungsdreieck (1790)
Auf der Weiterreise besuchte Salis die Berühmheiten von Weimar. Dort notierte er: «Wielands Genius ward oft zum ausgelassenen Satyr.» Herder hingegen sei «von reiner Anmuth». Der (konterrevolutionär eingestellte) Goethe habe ihn «mit viel Anstand und Kälte» empfangen.<ref>Frey (1889), S. 86–89 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 227–238.</ref>
Dass Wilhelm von Wolzogen 1789 in Paris die Bekanntschaft von Salis gesucht hatte, war auf Anraten seiner Cousine Charlotte von Lengefeld (1766–1826), der künftigen Gattin Schillers, geschehen.<ref>Wilhelm Fielitz (Bearb.): Schiller und Lotte. 1788–1805. 3. Ausgabe, J. G. Cotta, Stuttgart 1879 (Digitalisat), 1. Buch, S. 247, 2. Buch, S. 9 f.; Frey (1889), S. 243, 246, 250 (Digitalisat).</ref> Wolzogen hatte darauf in seinem Tagebuch über Salis geschrieben:
«Er ist allerdings ein interessanter Mensch, der fein fühlt, ohne Schwärmer zu sein. Er drückt sich gut aus und spricht mit Wärme und umfaßt seinen Gegenstand ganz. […] Es ist unglaublich, wie ein Mensch in seinen Verhältnissen […] jenen feinen Takt, jenes Gefühl für alles moralisch Gute und Edle so beibehalten kann.»
Wolzogen fuhr fort, er habe sich besser gefühlt, als er von Salis weggegangen sei. Es sei in ihm der glückliche Seelenzustand erwacht, in dem er oft bei Charlotte von Lengefelds älterer Schwester, der Schriftstellerin Caroline von Beulwitz (1763–1847), und deren «Club» gewesen sei. Er habe eingesehen, wie nötig seiner moralischen Existenz der Umgang mit Leuten sei, «die besser und gescheiter sind als ich». Nach einem späteren Besuch bei Salis notierte er: «Es freute mich sehr, wie er mir sagte, er kenne Caroline aus Schriften und schätze sie sehr.»<ref>Wilhelm von Wolzogen: »Dieses ist der Mittelpunkt der Welt.« Pariser Tagebuch 1788/1789. Hrsg. von Eva Berié, Christoph von Wolzogen. S. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-10-092244-1, S. 180 f., 185 f. Vgl. Wilhelm von Wolzogen: Pariser Tagebuch 1788/1789 – diplomatische Fassung. Transkription Eva Berié, Christoph Frhr. v. Wolzogen. 2007 (Digitalisat), S. 127, 131 f.</ref> Gemeint waren ihre Beschreibung des Waadtlands, die im selben Almanach erschienen war wie eines seiner Gedichte,<ref>Caroline v. B** Gebohrne v. L***: Ueber das Pays de Vaud. 1783. (Von einem adelichen deutschen Frauenzimmer.) In: Schweitzerisches Museum (Zürich). 2/1784 (Digitalisat), 5. Stück, S. 396–405; Johann Gaudenz von Salis-Seewis: Bergreise-Lied. Ebendort, S. 479 f.</ref> und ihr Brief über eine Schweizreise in einer Frauenzeitschrift.<ref>(Caroline von Lengefeld:) Schreiben einer jungen Dame, auf ihrer Reise durch die Schweiz. In: Pomona für Teutschlands Töchter, von Sophie von La Roche (Speyer). 5. Heft, Mai 1784, S. 477–487 (Digitalisat).</ref>
Bei Frau von Stein lernte Salis nun die Lengefeld-Schwestern persönlich kennen. Über Caroline schrieb er ins Tagebuch: «Ein Glücklicher, der die herrlichen Briefe dieser liebenswürdigen Dame über das Pays de Vaud im Schweizerischen Museum kennt.»<ref>Frey (1889), S. 87 (Digitalisat).</ref> Vielleicht hatten ihm dort Stellen gefallen wie: «O! Natur, du liessest mich trinken süssen Rausch, aus deinem mit reiner Wonne gefüllten Becher.»<ref>Caroline v. B** Gebohrne v. L***: Ueber das Pays de Vaud. 1783. (Von einem adelichen deutschen Frauenzimmer.) In: Schweitzerisches Museum (Zürich). 2/1784 (Digitalisat), 5. Stück, S. 396–405, hier S. 398.</ref> Line, von der ihm deren späterer Gatte Wolzogen in Paris vorgeschwärmt hatte,<ref>Frey (1889), S. 142 (Digitalisat).</ref> lebte von ihrem damaligen Gatten getrennt in einer Dreiecksbeziehung mit Schiller und Lotte, die vor der Heirat standen.<ref>Schillers Schwester Christophine vermutete, die schlanke, brünette Caroline entspreche mehr dem Geschmack des Bruders als die kleine, blonde Charlotte. Schiller schrieb Charlotte über Caroline: «Sie hat mehr Empfindungen in mir zur Sprache gebracht als Du […]. Was Caroline vor Dir voraus hat, mußt du von mir empfangen […] und mein Geschöpf mußt Du seyn.» Kirsten Jüngling, Brigitte Roßbeck: Schillers Doppelliebe. Die Lengefeld-Schwestern Caroline und Charlotte. List Taschenbuch, Berlin 2006, ISBN 978-3-548-60650-7, S. 107, 124.</ref> Obwohl die Begegnung mit den Schwestern kaum eine Stunde gedauert haben soll,<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 195 (Digitalisat).</ref> verliebte die ältere sich etwas in Salis, wie Caroline von Dacheröden ihrem Verlobten Wilhelm von Humboldt berichtete. Sie sage, er sei noch schöner als Sophie von La Roches Sohn Carl (der frühere Verlobte der Schreibenden) «und so mild und graziös».<ref>Philipp Zinsli: Caroline von Dacheröden über den Dichter Salis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1933, S. 247 f. (Digitalisat).</ref>
1791 bat Salis Wolzogen, ihn bei Caroline in Erinnerung zu rufen, «deren Geist und Herz ich innig verehre, obgleich mein Blick nur Momente auf ihr ruhte, und meine Seele sich ihr nur mit wenigen fliegenden Worten entdeckte». Auch erkundigte er sich, ob diese «liebenswürdige Schriftstellerin» seit ihrem Welschlandaufenthalt nichts mehr veröffentlicht habe.<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 396 (Digitalisat).</ref>
Drei Jahre später sollte Salis Wolzogen Auskünfte für einen Freund liefern, der eine ungeplant schwanger gewordene Dame in die Schweiz begleitete. Der Dichter riet darauf von einer Niederkunft an seinem damaligen Wohnort Chur ab, weil es dort an einem diskreten Wirt und einem kompetenten «Accoucheur» mangle. Und er fragte: «Sind Sie auch noch in Briefwechsel mit Ihrer edeln Freundin Caroline v. Beulwitz, welche mir erst durch ihre Briefe über die Schweiz, sodann durch persönliche Bekanntschaft in Weimar – unendlich interessant geworden[?]»<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 399–402 (Digitalisat).</ref> Er ahnte also wahrschenlich, dass der bewusste Freund Wolzogen selber und die Dame Caroline war. Die Geburt fand schliesslich im damals zürcherischen Stein am Rhein statt.<ref>Hatte sich im Steiner Krieg 1784 gegen Zürichs Herrschaft empört.</ref> Um den Eindruck zu erwecken, die Zeugung des Kindes sei erst nach der Scheidung der Mutter und deren anschliessende Heirat mit Wolzogen erfolgt, wurde die Taufe im Kirchenbuch massiv umdatiert und der kleine Adolf bis 1797 in Bibermühle bei Stein in Pflege gegeben. Zur Hochzeit gratulierte Salis Wolzogen mit den Worten: «Wenn ich mir zurückrufe, mit welcher Innigkeit Sie mir bereits in Paris das schöne Bild ausmalten, das meine Phantasie von Ihrer Freundin Lengefeld auf ihre trefflichen Briefe hin entworfen hatte, dann glaube ich, daß Ihre süßeste Ahnung erfüllt worden und ihr Wunsch sein Ideal erreicht habe.»<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 402 f. (Digitalisat).</ref>
Biologischer Vater des Kindes hätten allerdings wegen der damals in Klerus und Adel verbreiteten Libertinage neben Wolzogen auch ein Behaghel von Adlerskron, Karl Theodor von Dalberg, Koadjutor des Bischofs von Konstanz, sowie – last, not least – Schiller sein können.<ref>Fast eine Kriminalgeschichte. In: Kirsten Jüngling, Brigitte Roßbeck: Schillers Doppelliebe. Die Lengefeld-Schwestern Caroline und Charlotte. List Taschenbuch, Berlin 2006, ISBN 978-3-548-60650-7, S. 160–181.</ref> Die nunmehrige Frau von Wolzogen verarbeitete die Themen Liebe und Mutterschaft darauf in ihrem Roman Agnes von Lilien, der 1796–1798 in Fortsetzungen erschien<ref>(Caroline von Wolzogen:) Agnes von Lilien. In: Die Horen, eine Monatsschrift, herausgegeben von Schiller. 2/1796, 10. Stück, S. 6–69 (Digitalisat); 12. Stück, S. 36–104 (Digitalisat); 3/1797, 2. Stück, S. 43–60 (Digitalisat); 5. Stück, S. 55–90 (Digitalisat), mehr nicht erschienen; 2 Theile, Johann Friedrich Unger, Berlin 1798 (1: Digitalisat, 2: Digitalisat).</ref> und solchen Erfolg hatte, dass sich Goethe geschmeichelt fühlte, für den anonymen Verfasser gehalten zu werden.<ref>Thomas Anz: Geheimnisse um eine literarische Sensation des Jahres 1797. Schillers Schwägerin Caroline von Wolzogen und ihr vergessener Liebesroman «Agnes von Lilien». In: literaturkritik.de, 7. Mai 2005, letzte Änderung: 21. November 2016 (Digitalisat).</ref> Äusserungen Carolines über Salis sind nicht erhalten ausser der einzigen, dass die Persönlichkeit des «liebenswürdigen Dichters» ganz mit seinen Dichtungen in Einklang gestanden habe.<ref>(Caroline von Wolzogen:) Schillers Leben, verfaßt aus Erinnerungen der Familie […]. 2. Theil, J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1830, S. 65 (Digitalisat).</ref>
Weniger positiv als über dessen künftige Schwägerin urteilte Salis im Tagebuch über Schiller, damals Professor in Jena, den er 1790 ebenfalls besuchte: «Seinen Genius, seine Talente konnte [ich] bewundern, wenn ich ihn auch nicht liebgewinnen und mich ihm nähern [konnte]. Sein Angriff auf mein Vaterland in den Räubern<ref>(Friedrich Schiller:) Die Räuber. Ein Schauspiel. Frankfurt und Leipzig 1781, S. 81 (Digitalisat): «[…] zu einem Spizbuben wills Grüz — auch gehört darzu ein eigenes National-Genie, ein gewises, daß ich so sage, Spizbuben Klima, und da rath ich dir, reis du ins Graubünder Land, das ist das Athen der heutigen Gauner.»</ref> könnte noch eher entschuldigt werden als das ebenso frevelnde Gedicht Griechenlands Götter […].»<ref>Friedrich Schiller: Die Götter Griechenlandes [später stark überarbeitete Erstfassung]. In: Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Teutsche Merkur. Leipzig März 1788, S. 250–260 (Digitalisat). Nicht vor Augen gekommen zu sein scheint Salis Schillers berüchtigte anonym erschienene Anthologie auf das Jahr 1782. Gedrukt in der Buchdrukerei zu Tobolsko. (Digitalisat).</ref>
Schiller hingegen berichtete Charlotte von Lengefeld über Salis: «Er erzählte mir von Wolzogen, von Paris, was mich intereßirte. Ueberhaupt hat er mir wohl gefallen, er scheint etwas stilles und ernstes in seinem Wesen zu haben, was mich an ihn feßelt. Diesen Abend werde ich noch mehr mit ihm umgehen, ich verspreche mir viel Vergnügen. Ich glaube ihr<ref>Charlotte von Lengefeld und Caroline von Beulwitz.</ref> seid ihm gut aus seinen Gedichten, und dieß hat ihn mir noch mehr empfohlen.»<ref>Eberhard Haufe (Hrsg.): Schillers Werke. Nationalausgabe. 25. Band (Schillers Briefe 1.1.1788–28.2.1790). Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1979, S. 413, 778.</ref> Lotte ihrerseits schrieb Schiller über Salis: «[…] er hat so einen artigen Ton, die Französischen Sitten haben ihm nicht die Schweizerische Offenheit, und Treuherzigkeit geraubt, ich könnte ihm [sic] recht gern sehen, lebte ich mit ihm an einen [sic] Ort.» Dass Wolzogen Salis (vertrauliche) Briefe von ihr und Line gezeigt hatte, missfiel ihr.<ref>Wilhelm Fielitz (Bearb.): Schiller und Lotte. 1788–1805. 3. Ausgabe, J. G. Cotta, Stuttgart 1879 (Digitalisat), 2. Buch, S. 286.</ref> Dem Cousin gestand sie: «[…] Salis ist einer von denen wenigen, dem ich gern ein liebliches Bild von mir in der Seele lassen möchte.» Es sei ihr gewesen, als hätten sie sich lange gekannt. «Wenn er nur wieder nach Deutschland käme, er müßte lange bei uns in Jena bleiben […].»<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 195, 197 f. (Digitalisat).</ref>
In Abwesenheit von Salis unterzeichneten 1790 54 Bündner in Chur eine vielbeachtete Adresse an die französische Nationalversammlung, um ihre Bewunderung für die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte zu bekunden.<ref>Alfred Rufer: Die Adresse der Bündner Patrioten an die französische Nationalversammlung von 1790. In: Bündner Monatsblatt. 1945, S. 244–249 (Digitalisat).</ref>
Friedrich Matthisson (1790 ff.)
Die Kunstepoche der Empfindsamkeit war die hohe Zeit der Männerfreundschaften. Im erwähnten Jahr traf Salis auf der Esplanade Montbenon bei Lausanne erstmals den zwei Jahre älteren Matthisson, mit dem er seit 1788 korrespondiert hatte. Der Dichterkollege, damals Gast des Berner Landvogts von Bonstetten in Nyon, gestand ihm darauf, dass er nie ein Wesen («selbst kein weibliches») zärtlicher und feuriger geliebt habe als ihn. Der Bündner seinerseits beteuerte dem Norddeutschen gegenüber: «O Du, den meine Seele liebt, Du fehlst mir; hier ist kein Wesen, das Dir gleicht, Liebling Uraniens.»<ref>Frey (1889), S. 98, 100 (Digitalisat).</ref> Eine Auswahl seiner Gedichte, die Johann Heinrich Füssli (1745–1832) in Zürich herausgab, widmete Matthisson 1791 Bonstetten und Salis und Letzterem zudem zwei der darin enthaltenen Gedichte. Auch wird Salis in drei weiteren erwähnt.<ref>Friedrich Matthisson’s auserlesene Gedichte. Herausgegeben von Joh. Heinr. Füssli. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1791, S. III, IX f., 17 f. (Wunsch. An Salis.), 19 f. (Die Nachtigall.), 21 (Die Grazien. An Salis.), 33 f. (Erinnerung am Genfersee.), 94 (An die Grille.) (Digitalisat).</ref>
Namentlich wegen seiner Freundschaft mit Matthisson erklärte Hergemöller Salis für homosexuell,<ref>Bernd-Ulrich Hergemöller et al. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. 2 Bände, Lit Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-643-10693-3, S. 1015 f.</ref> doch sind viele seiner Belege an den Haaren herbeigezogen. So handelt ein angebliches «Liebesgedicht», das der Dichter 1787 aus Arras dem Hofmeister seiner Geschwister<ref>Johann Gottlieb Kahlert (1756–1831) aus Breslau. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Findlinge. Zur Geschichte deutscher Sprache und Dichtung. 1. Band. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1860, S. 305–307 (Digitalisat); Frey (1889), S. 10, 40–43 (Digitalisat).</ref> gesandt hatte, einzig von Mangel an Lebensfreude und Suche nach Trost in der Natur. Seine heterosexuelle Orientierung manifestierte er in Gedichten wie Tändeley.<ref>Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1786, S. 171 (Digitalisat); Frey (1884), S. 344 (Digitalisat).</ref> In Matthissons Gedicht Die Grazien. An Salis. heisst es:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Unser Pokal, geweiht von Mädchenlippen,
Unsre Leier, bekränzt von Mädchenhänden, Bleibe, bis Elysium winkt, den keuschen Göttinnen heilig. […]»<ref>Friedrich Matthisson’s auserlesene Gedichte. Herausgegeben von Joh. Heinr. Füssli. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1791, S. 21 (Digitalisat).</ref>
</poem>
Vor allem aber heirateten Salis und Matthisson, als es ihnen die Umstände erlaubten, Letzterer sogar zweimal.<ref>Andreas Bürgi: Friedrich von Matthisson. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. Oktober 2009.</ref>
Im Februar 1791 gelang es Salis, mit 75 seiner Soldaten, 200 Nationalgardisten, 75 Kavalleristen und 12 Polizisten einen Aufstand in Elbeuf bei Rouen unblutig niederzuschlagen.<ref>Frey (1889), S. 96 (Digitalisat); Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 23 f.; Alain-Jacques Czouz-Tornare: Les formations suisses, substituts aux gardes nationales dans les capitales provinciales en 1789–1790. In: Serge Bianchi, Roger Dupuy (Hrsg.): La garde nationale entre nation et peuple en armes […]. Presses Universitaires de Rennes 2006, ISBN 978-2-7535-3179-6 (Digitalisat), § 40.</ref> Wenn er seinen politischen Überzeugungen Ausdruck verlieh, bediente er sich der unverblümten Sprache des Sturm und Drang. So schrieb er Matthisson, als er nach der vereitelten Flucht Ludwigs XVI. nach Varennes (20./21. Juni 1791) den Eid auf die Nation abgelegt hatte:<ref>Le Courrier de Paris dans les 83 départements. Paris, 7. Juli 1791, S. 102 (Digitalisat); Casimir Folletête: Le régiment de l’Évêché de Bâle au service de France 1758–1792. Imprimerie catholique suisse, Fribourg 1882, S. 55 (Digitalisat); Frey (1889), S. 94 (Digitalisat); Louis Hartmann: Les officiers de l’armée royale et la Révolution. Félix Alcan, Paris 1910, S. 245 f. (Digitalisat); Alfred Rufer: Aus dem Garnisonsleben des Dichters Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1918, S. 73–81, hier S. 77 (Digitalisat).</ref>
«Im entscheidenden Augenblicke der Königsflucht habe ich mich geprüft und bewährt gefunden, bereit, Alles aufzuopfern für Freiheit, und entschlossen, mir eher jedes Glied zerschmettern zu lassen als wieder dem heillosen Despotismus zu fröhnen. Ich habe der Frankennation und dem Gesetze den heiligen Eid der Treue geschworen und das letzte Band abgestreift, das mich an einen König heftete. Nun darf ich scheinen was ich schon lange war, ein Vertheidiger der Freiheit und der Menschenrechte […].»<ref>Frey (1889), S. 149 (Digitalisat).</ref>
Matthisson, damals Hauslehrer eines St. Galler Kaufmanns in Lyon, veröffentlichte diese Stellungnahme, worauf sie zum Ärger der Familie seines Freundes in das Zeitungsblatt für Graubünden eingerückt wurde. Nachdem Frankreich zur konstitutionellen Monarchie übergegangen war, entwarf Salis nachstehende (wohl nicht veröffentlichte) Rechtfertigung: «Damals theilten alle ächten Patrioten meine Gesinnungen, mit welchen ich nun in der Person des Königs die Stütze der Verfassung, das gesetzmäßige Oberhaupt der Armee und den Vater eines freien Volkes verehre.»<ref>Frey (1889), S. 149 f. (Digitalisat); Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 24–28.</ref>
Im Spätsommer 1791 wurde das Regiment nach Givet<ref>An der Grenze zum österreichischen Herzogtum Luxemburg und zum Fürstbistum Lüttich, mit dem Fort de Charlemont.</ref> an der Maas verlegt. Dort notierte Salis, hoffentlich werde auf den Kanonenrohren bald statt ultima ratio regum (letztes Mittel der Könige) ultima ratio populorum (letztes Mittel der Völker) stehen. Kurz darauf konnte er einen Heimaturlaub antreten, unter anderem um Ersatz für die Deserteure zu suchen.<ref>Als auf der Rückreise der Postillion vom Wagen fiel, konnte Salis noch rechtzeitig die Leitseile der durchgehenden Pferde ergreifen und so einen Unfall verhindern. Frey (1889), S. 102–105 (Digitalisat); Alain-Jacques Czouz-Tornare: Les formations suisses, substituts aux gardes nationales dans les capitales provinciales en 1789–1790. In: Serge Bianchi, Roger Dupuy (Hrsg.): La garde nationale entre nation et peuple en armes […]. Presses Universitaires de Rennes 2006, ISBN 978-2-7535-3179-6 (Digitalisat), § 42.</ref>
Spätestens in jenem Jahr entstand das Lied im Freien, das mit den nachstehenden Strophen schliesst:
<poem lang="nl" style="margin-left:2em; float:left;"> «[…] Hier sträubt sich kein Pförtner, Hier schnörkelt kein Gärtner Kunstmäßig am Hain. Man braucht nicht des Geldes; Die Blumen des Feldes Sind Allen gemein. </poem> <poem style="margin-left:2em; float:left;"> Wie schön ist’s im Freien! Despoten entweihen Hier nicht die Natur, Kein kriechender Schmeichler, Kein lästernder Häuchler Vergiftet die Flur.»<ref>Erstdruck: Johann Heinrich Voss (Hrsg.): Musen Almanach für 1792. C. E. Bohn, Hamburg, S. 18–20 (Digitalisat); Vertonungen von Schubert: Deutsch-Verzeichnis 572, Anhang I/19; Interpunktion nach: Salis (1848), S. 62–64 (Digitalisat); Friedmann (1917), S. 40–43. Der vom Englischen Landschaftsgarten verdrängte Französische Garten galt als Symbol des Ancien Régime.</ref> </poem>
Ende 1791 musste Salis Abschied von der Mutter nehmen, die in seiner Anwesenheit (offenbar an Tuberkulose) starb. Er erbte von ihr neben Ländereien das Brückersche Haus oder Haus zum grünen Turm in Malans.<ref>Frey (1889), S. 105–108, 142, 184, 231 (Digitalisat).</ref> In einem Sonett, das Frey (als allzu privat?) nicht in seine Sammlung der Gedichte aufnahm,<ref>Friedmann, S. 6.</ref> gedachte er später ihres 30. Todestags. Es endet:
<poem lang="nl" style="margin-left:2em; float:left;"> «[…] Wie als geboren dir im Mutterarm’ ich lag.
Und schmerzverlächelnd noch dein Blick auf mir verweilte, Erst Mitleid, Hoffnung dann aus deinen Zügen sprach:
So wenn des Todes Nacht sich schon vor mir zertheilte,
Empfange meinen Geist der liebend zu dir eilte: Durch Dunkel geht die Bahn, die Herrlichkeit darnach!»<ref>Am dreyßigsten Jahrestage nach dem Tode meiner Mutter. Am 18ten des Christmonds 1821. In: Amadeus Wendt (Hrsg.): Musenalmanach. Weidmannsche Buchhandlung, Leipzig 1831, S. 190 f. (Digitalisat); Salis (1848), S. 163 (Digitalisat).</ref>
</poem>
Tuileriensturm (1792)
Da der Vater sich 1792 als Mitglied einer Delegation in Mailand aufhielt, konnte Salis Ursina ungehinderter besuchen und mit ihr den Frühling erleben.<ref>Frey (1889), S. 108 (Digitalisat).</ref> Schliesslich aber musste er wieder zum Regiment einrücken, das nach Rouen zurückverlegt worden war.
Als der Erste Koalitionskrieg ausbrach, ersuchten Buxtorf, Burckhardt und Salis die Nationalversammlung, auf Seiten Frankreichs kämpfen zu dürfen.<ref>Ière Assemblée Nationale-Législative: Journal des débats et des décrets (Paris). Nr. 324/1792, S. 205 (Digitalisat); Gazette nationale ou le Moniteur universel. Paris, 15. August 1792, S. 957 (Digitalisat).</ref>
Es war ein offenes Geheimnis, dass Konterrevolutionäre planten, Ludwig XVI. in die Normandie zu holen und ihm von dort die Flucht nach England zu ermöglichen. Dabei zählten sie auf die Unterstützung des Regiments Salis-Samaden, dessen Fahne bis zur Umtaufe in 64e régiment d’infanterie im Jahr 1791 den Wahlspruch Pro patria et liliis (Lilien des Hauses Bourbon) gezeigt hatte.<ref>Alphonse Roserot (Hrsg.): Mémoires de Madame de Chastenay 1771–1815. 1. Band. E. Plon, Nourrit et Cie., Paris 1896, S. 158–160 (Digitalisat); Alain-Jacques Czouz-Tornare: Le régiment de Salis-Samade en Normandie […]. In: Christine Le Bozec, Eric Wauters (Hrsg.): En hommage à Claude Mazauric. Pour la Révolution Française. Publications de l’Université de Rouen 1998, S. 211–222, hier S. 217 f.</ref>
Im Juni kehrten die drei erwähnten Hauptleute aus Le Havre zurück, wohin ihre Kompanien detachiert worden waren. Als sie in Rouen ankamen, kritisierte Regimentskommandant Oberstleutnant Niklaus Franz von Bachmann – laut Frey «eine rücksichtslose und tyrannische Seele»<ref>Frey (1889), S. 94 (Digitalisat)</ref> – die Haltung der erschöpften Soldaten und schlug einige mit der Degenklinge, bis diese brach. Anschliessend verweigerte er den beleidigten Kompaniechefs Satisfaktion.<ref>Nach Darstellung von Alain-Jacques Czouz-Tornare: Le régiment de Salis-Samade en Normandie […]. In: Christine Le Bozec, Eric Wauters (Hrsg.): En hommage à Claude Mazauric. Pour la Révolution Française. Publications de l’Université de Rouen 1998, S. 211–222, hier S. 218–220, hätten die Basler berechtigte Kritik Bachmanns zum Anlass genommen, um sich gegen den «unversöhnlichen Konterrevolutionär» aufzulehnen.</ref> Darauf nahmen die drei ihren Abschied und beschwerten sich in Paris beim Administrateur général des Suisses et Grisons, d’Affry, die Basler aber auch bei den Behörden ihrer Vaterstadt, die eine Untersuchung verlangten. Zudem intervenierte der französische Botschafter Barthélemy zu ihren Gunsten.<ref>(Anton Küchler:) Louis Bastillien oder Gardehauptmann Ludwig von Flüe […]. Josef Müller, Sarnen 1886, S. 13–15 (Digitalisat); Frey (1889), S. 66, 112–114, 116 (Digitalisat); Alfred Rufer: Aus dem Garnisonsleben des Dichters Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1918, S. 73–81, hier S. 77 ff. (Digitalisat); Rufer (1938), S. 10.</ref>
Den Tag des Tuileriensturms verbrachte Salis im Zimmer, wo er jeweils in Paris abstieg.<ref>Frey (1889), S. 115 (Digitalisat).</ref> Währenddessen liess der ältere Bruder ihres Vorgesetzten, Maréchal de camp (Général de brigade) Karl Joseph von Bachmann, Gardes-Suisses auf Demonstranten und Nationalgarde schiessen, was zu sinnlosem Blutvergiessen führte und ihm später den Kopf kostete.
Am 13. August befasste sich die Nationalversammlung mit dem Fall des Regimentskommandanten von Rouen.<ref>Ière Assemblée Nationale-Législative: Journal des débats et des décrets (Paris). Nr. 324/1792, S. 205 (Digitalisat); Gazette nationale ou le Moniteur universel. Paris, 15. August 1792, S. 957 (Digitalisat); Mercure universel. Paris, 15. August 1792, S. 215 f. (Digitalisat): «[…] traitemens qu’ont éprouvés MM. Bucdorf, Bouclar et Salis, de la part du lieutenant-colonel Battement [sic!].»</ref> Nach Entlassung der Fremdenregimenter (20. August) erhielten Salis und seine beiden Kollegen Genugtuung, indem der Provisorische Vollziehungsrat sie seiner Zufriedenheit versicherte, Bachmann hingegen tadelte und aus Frankreich auswies.<ref>Alfred Rufer: Aus dem Garnisonsleben des Dichters Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1918, S. 73–81, hier S. 81 (Digitalisat); Rufer (1934), S. 10.</ref>
Französische Republik (1792/93)
Salis meldete sich zur Armée du Midi unter dem Marquis de Montesquiou,<ref>Generalleutnant, Schriftsteller und Politiker.</ref> wie dies vor ihm schon die Bündner Gardeoffiziere Salis-Samaden und Aloys Jost getan hatten.<ref>Tatius Rudolf Gilbert von Salis-Samaden war Sohn des Regimentsinhabers. Frey (1889), S. 110, 112–114, 263–265 (Digitalisat); P. Nicolaus von Salis-Soglio: Tapfer und treu. Einige Korrespondenzen und andere Schriften aus dem Archiv Salis zu Zizers aus der Zeit der französischen Revolution. In: Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden. 46/1916, S. 155–194, hier S. 177–181 (Digitalisat); Cécile-René Delhorbe: Personnages: Deux rois, un officier. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. 4/1954, S. 537–540 (Digitalisat).</ref> Montesquiou stellte ihm die Ernennung zum Generaladjutanten in Aussicht.<ref>Correspondance du Général Montesquiou […] en 1792. Du Pont, Paris an IV (1796), S. 49 f. (Digitalisat).</ref>
Durch die Septembermorde liess Salis sich nicht von seinen Gängen und Besuchen abhalten. Dann begab er sich nach Lyon. Er meldete sich aber vorerst nicht bei Montesquiou, weil diesem die Besetzung Genfs befohlen worden war.<ref>Frey (1889), S. 115–117, 119 (Digitalisat). Genf war mit Bern und Zürich verbündet.</ref> (Montesquiou hatte dem Kriegsminister bereits mitgeteilt, er zähle nicht mehr auf Salis als Generaladjutanten.<ref>Correspondance du Général Montesquiou […] en 1792. Du Pont, Paris an IV (1796), S. 49 f. (Digitalisat)</ref>)
Savoyen (1792)
Zeitgleich mit der Absetzung Ludwigs XVI. und der Proklamation der Republik besetzte die Südarmee praktisch kampflos Savoyen.<ref>Pierre-Louis Rœderer: Éloge historique de Montesquiou […]. Imprimerie du Journal de Paris, an VII (1799), S. 33 ff. (Digitalisat).</ref>
Zu Ursinas 21. Geburtstag sandte ihr Salis, der mit dem Soldatentod rechnen musste, das Gedicht Der Herbstabend. Es beschreibt einen Kirchhof unter Linden und endet:
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> «[…] Wenn schon meine Rasenstelle
Nur dein welker Kranz noch ziert,
Und auf Lethe’s leiser Welle
Sich mein Nebelbild verliert:
</poem> <poem style="margin-left:2em; float:left;"> Lausche dann! Im Blätterschauer
Wird es dir vernehmlich wehn:
Jenseits schwindet jede Trauer;
Treue wird sich wieder sehn!»<ref>Erstdruck: Friedrich Matthisson (Hrsg.): Lyrische Anthologie. 15. Theil, Zürich 1806, S. 48 f. (Digitalisat); Vertonung von Schubert: Deutsch-Verzeichnis 405; Salis (1848), S. 90 f. (Digitalisat); Frey (1889), S. 117 f. (Digitalisat).</ref>
</poem>
In Savoyens Hauptstadt Chambéry wartete er nochmals zehn Tage ab. Der Geliebten schrieb er von dort: «Mein ganzes Verlangen nach meiner Heimath ist nur eine Sehnsucht – nach Ihrem Ofensteglein<ref>Ofentreppchen, Aufgang zur Schlafkammer. Eine Liebesgeschichte aus diesem Jahrhundert. In: Bündner Kalender, Senti & Casanova, Chur 1871, S. 306–317, hier S. 307 (Digitalisat).</ref> oder gar nach der Manschnixen<ref>Staatsarchiv St. Gallen, KPC 1/55.1 (Digitalisat): «Wiese Manschnigs, zum [1838 säkularisierten] Kloster Pfäffers gehörig». Oberhalb Malans, heute Maschnix. Schweizerisches Idiotikon: Das Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. id:3032904 (Digitalisat).</ref>-Hütte. An die letzte darf ich kaum denken – denn in allem Ernst, die süße Erinnerung kann mich rühren zu Thränen der Sehnsucht. Denken Sie, wie sich das schickte – mitten im Kriegsgetümmel, unter unsern von der Sonne schwarzgebräunten Grenadieren, schnurrbärtigen Reutern und blutgierigen Volontairs […].»<ref>Frey (1889), S. 119 f. (Digitalisat).</ref>
Am 23. Oktober traf er endlich im Hauptquartier der Südarmee in Bardonnex ein, wo ihm die Funktion eines Aide-de-camp (Flügeladjutanten) zugewiesen wurde.<ref>Das damals savoyische Bardonnex ist seit 1815 Teil der Schweiz. Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 399 (Digitalisat). Er bezeichnete sich auch als «Adjunkt der Generaladjutanten». Frey (1884), S. 227/Anm. ** (Digitalisat).</ref> Zwei Tage später führte er ein Bataillon Kriegsfreiwillige von Saint-Julien-en-Genevois nach Bossey.<ref>Bardonnex und Bossey gehörten damals zu Savoyen. Ersteres und der nördliche Teil des Letzteren wurden 1815 schweizerisch.</ref>
Unterdessen quittierten Salis-Samaden und Jost den Dienst, da sie ihre Zugehörigkeit zur Garde des Royalismus verdächtig machte.<ref>Frey (1889), S. 118–121 (Digitalisat); Cécile-René Delhorbe: Personnages: Deux rois, un officier. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. 4/1954, S. 537–540, hier S. 538 (Digitalisat).</ref> Weil Montesquiou sich weigerte, die Neutralität von Genf zu verletzen, ordnete das Jakobinerregime in Paris seine Verhaftung an; doch gelang es ihm, über den Genfersee in die Waadt zu fliehen.<ref>Correspondance du Général Montesquiou […] en 1792. Du Pont, Paris an IV (1796), S. 318–321 (Digitalisat).</ref> Während drei seiner Aides-de-camp festgenommen wurden,<ref>Mercure universel. Paris, 18. November 1792, S. 284 (Digitalisat).</ref> blieb dies Salis erspart, wohl weil er in ein Linienregiment übergetreten war und dessen Kommandanten verklagt hatte. Als sein Bataillon aber Winterquartier in Chambéry bezog, ersuchte er um einen Urlaub, aus dem er nicht zurückkehrte.
In dreizehn Jahren französischer Dienste hatte der Grafensohn es nur zum Hauptmann der Linieninfanterie gebracht und praktisch keine Kriegserfahrung erworben. Die ersehnte Heirat mit Ursina lehnte der Vater erneut ab.
Ende 1792 traf Salis zunächst in Vevey Matthisson, der mit seinem Arbeitgeber in die Waadt übergesiedelt war. Auf dem Friedhof von Montreux besiegelten die beiden Dichter ihren Freundschaftsbund.<ref>Frey (1889), S. 122–124, 220.</ref> Nachdem Salis von Matthisson lange vergeblich gedrängt worden war, einer Sammlung seiner verstreuten Gedichte zuzustimmen, erlaubte er diesem nun, eine solche zu veranstalten. Verlegt wurde sie von Füssli, der Matthissons Gedichte herausgegeben hatte und mit Salis lebenslang in Kontakt blieb. Matthisson schrieb Füssli, dass er den Gedichten des Freundes «durch die letzte Feile gern den höchsten Grad der Vollendung geben möchte». In der Auswahl wolle er streng sein. Diese wurde von Salis aber persönlich beaufsichtigt, heisst es in der Vorrede des Bändchens, und er selbst sei es gewesen, der die Verbesserung der 35 ausgewählten «Arbeiten seines Jünglingsalters» vorgenommen habe.<ref>Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich von Matthisson. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1793, S. VII f. (Digitalisat).</ref> Auf der Titelseite wurden seine Vornamen abgekürzt, weil er Gaudenz nicht leiden konnte. Matthisson schrieb Füssli: «Auch den Freyherrn hat er hinzuzufügen verboten.» Das Adelsprädikat von blieb ausgeschrieben, der Stammsitz des Familienzweigs aber unerwähnt. Obwohl das poetische Werk von Salis schmal blieb, erlebte es zahlreiche Ausgaben, worunter allein achtzehn weitere bei Orell Füssli in Zürich, die von 1803 bis zum Tod des Verfassers von diesem selbst herausgegeben wurden.<ref>Friedmann (1917), S. VIII, 2–14; Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern 1976.</ref>
In einem Brief an die Geliebte begründete Salis vier Tage, nachdem Ludwig XVI. (am 21. Januar 1793) hingerichtet worden war, sein Ausscheiden aus dem französischen Dienst wie folgt: «[…] auch Frankenfreiheit war nur ein Schatten, den blutige Hunde besudelten; eine Freiheit, die ich mir einst schön und hold dachte wie meine Berenice, die aber je länger je unwürdiger ist, mit einem Engel verglichen zu werden […] Frankenfreiheit ward Cromwellisch.»<ref>Frey (1889), S. 122 (Digitalisat). Der Englische Bürgerkrieg (1642–1651) hatte in der Hinrichtung König Karls I. und der Diktatur Cromwells geendet.</ref>
Gegenüber Wolzogen hingegen nannte der Dichter im März 1794 als Grund für seine Rückkehr, von der Mutter so viele liegende Güter geerbt zu haben, «daß ich nicht ohne große Unbequemlichkeit länger aus meinem Vaterlande fernbleiben konnte». Dazu habe er (im Brückerschen Haus) endlich einen «Zufluchtsort für meine gehinderte, sechs Jahre treu befestigte Liebe» gefunden. Dann erst erwähnte er die Radikalisierung der Ereignisse in Frankreich, wohl mehr auf die Hébertisten als auf Robespierre gemünzt: «Die Revolution hatte einen blutgierigen Lauf genommen, und die neue Sonne, welche über das Menschengeschlecht aufgehen sollte, hatte sich schrecklich verfinstert.»<ref>Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. 2. Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1849, S. 399 (Digitalisat).</ref>
Drei Bünde (1793–1798)
Im Juli 1793 besuchte Matthisson den Freund in Malans, wo er dessen künftige Lebensgefährtin kennenlernte.<ref>Friedrich von Matthisson: Erinnerungen. 1. Band, Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1810, S. 155–178 (Digitalisat).</ref> Er schrieb darauf: «Gewiss, ihm fiel ein schönes Loos; denn die harmonische Vereinigung der sittlichen Grazie mit dem reinsten Natursinne und der sanftesten Weiblichkeit, verheisst ihm unwandelbare Glückseligkeit […].»<ref>Briefe von Friedrich Matthisson [2. Teil]. Orell, Gessner, Füssli und Comp., Zürich 1795, S. 59 (Digitalisat).</ref>
Schliesslich konnte Salis an seinem 31. Geburtstag (in Masans bei Chur) Ursina heiraten. Da das Brückersche Haus renoviert wurde, zog das Paar in das Pestalozzische Haus in Chur und blieb dort.<ref>Frey (1889), S. 141 f. (Digitalisat).</ref>
Patriot (1793 ff.)
Der Freistaat der drei Bünde galt zwar als Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft, blieb aber «nach Innen eine eigene Eidgenossenschaft in kleinerem Maßstabe, nach Außen ein Staat mit selbständiger Politik».<ref>Carl Hilty: Die Bundesverfassungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft […]. K. J. Wyß, Bern 1891, S. 123 (Digitalisat).</ref> Einerseits verband ihn ein Soldvertrag mit Frankreich, andererseits ein Bündnis mit Österreich.<ref>Ein drittes Bündnis mit Venedig war aufgekündigt worden.</ref> Letzteres war Mitglied des Oberen oder Grauen Bundes, weil es (bis 1819) die Herrschaft Rhäzüns<ref>Heutige Gemeinden Rhäzüns, Bonaduz, Domat/Ems und Felsberg.</ref> besass. Die Herrschaften Haldenstein und Tarasp wurden erst 1803 Teile Graubündens, und bis dahin bildete auch der Bischofshof in Chur (Gotteshausbund), das von seinen evangelischen Zünften beherrscht wurde, eine Exklave des Heiligen Römischen Reiches.
Laut Frey zeigte der Freistaat starke Ähnlichkeit mit den Innerschweizer Kantonen: «auf dem Grunde der Demokratie eine weitgehende Geschlechterherrschaft und neben der eigenen Freiheit Untertanen in erobertem Gebiet». 52 nahezu souveränen Gerichtsgemeinden standen rund 40 Familien gegenüber, welche die Macht weitgehend unter sich teilten und sich von Paris oder Wien mit Pensionen bestechen liessen.<ref>Frey (1889), S. 145 f. (Digitalisat).</ref> Auch die Stimmen der Gemeinden bei Wahlen und Abstimmungen waren käuflich. Auf den Bundstagen, die alternierend in Ilanz, Chur und Davos stattfanden, besass der Obere oder Graue Bund 27, der Gotteshausbund 22 und der Zehngerichtenbund 14 Stimmen.
1786 hatte Salis das Epigramm Die Eiche des Bundes der Rhezier (gemeint ist der Ahorn von Trun) veröffentlicht, das er nicht in die Sammlung seiner Gedichte aufnahm:
<poem style="margin-left:2em;"> «Eiche des Bundes der Freiheit, dich splittern nicht zündende Blize,
Und kein schneidendes Beil droht dir Verheerung und Fall;
Aber wer schüzet die Wurzel vor heimlich verderbender Fäulniß?
Ach! das gefährlichste Gift ist das im Inneren schleicht.»<ref>Deutsches Museum (Leipzig). 2/1786, S. 483 (Digitalisat), Anm.: «Man zeigt noch die Eiche, wo durch eine feierliche Verbindung der erste Grund zur Freiheit der Republik Graubünden gelegt worden.» Frey (1884), S. 351 f. (Digitalisat).</ref>
</poem>
Nach der Französischen Revolution wandte sich die Partei der Aristokraten oder Oligarchen (vom Salis-Clan angeführte Anhänger des Ancien Régime) von Frankreich ab und dem reaktionären Österreich zu.<ref>Frey (1889), S. 146 f. (Digitalisat).</ref> Johann Gaudenz hingegen wurde zum Ärger des Vaters eines der eifrigsten Mitglieder der von Johann Baptista von Tscharner (1722–1806)<ref>Alfred Rufer: Johann Baptista von Tscharner 1751–1835. Eine Biographie im Rahmen der Zeitgeschichte. Bischofberger & Co., Chur 1963.</ref> angeführten Partei der Patrioten.<ref>Alexander Pfister: Die Patrioten. Ein Beitrag zur Geschichte Bündens am Ausgange des XVIII. Jahrhunderts. (Diss. Universität Bern.) In: Jahresbericht der Historisch-antiquar. Gesellschaft von Graubünden 33/1903, separat paginiert (Digitalisat).</ref> Diese wird von Chocomeli zu den «jakobinischen Sozietäten» gezählt, die in der Schweiz aber den Feuillants bzw. Girondisten näher gestanden hätten als den Anhängern Robespierres.<ref>Lucas Chocomeli: Jakobiner und Jakobinismus in der Schweiz. Wirken und Ideologie einer radikaldemokratischen Minderheit 1789–1803. Peter Lang, Bern 2006 (Diss. Universität Freiburg/Schweiz), ISBN 3-03910-850-6, S. 26–36.</ref> Ihre Hochburgen waren Chur und Umgebung sowie die Herrschaft Maienfeld.<ref>Ariane Knüsel: Aloys Jost – ein Bündner Patriot und die Französische Revolution. In: Bündner Monatsblatt. 2013, S. 493–515, hier S. 496 (Digitalisat).</ref>
Während einer Hungersnot, die durch eine Kornsperre Österreichs verschlimmert wurde, kam es im Februar 1794 zu einer Revolution,<ref>Alfred Rufer: Johann Baptista von Tscharner 1751–1835. Eine Biographie im Rahmen der Zeitgeschichte. Bischofberger & Co., Chur 1963, S. 245–266: «Die Revolution von 1794».</ref> die von der Val Lumnezia (Oberer oder Grauer Bund) ausging. Ihre Initianten Balletta und Columberg hatten bei den Gardes-Suisses gedient.<ref>Adolf Collenberg: 1794 – Anatomie einer Revolte. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2018, S. 103, 108.</ref>
Vom März bis im August tagte darauf in Chur eine ausserordentliche Standesversammlung. Ein Strafgericht rechnete mit den Salis ab. So wurde der 1792 entlassene französische Geschäftsträger Salis-Marschlins lebenslänglich verbannt.<ref>Salis widmete ihm das Gedicht Auf Ulysses von Salis Grab. In: Denkmal der kindlichen Ehrfurcht und Liebe, Herrn Ulysses von Salis Marschlins, dem ältern, errichtet von Seinen verwaisten Töchtern, U. P. A. v. S. M. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1801, S. 43 f. (Digitalisat); Frey (1884), S. 353 (Digitalisat).</ref>
Als Österreich mit einer Invasion drohte, bildete man nach französischem Vorbild einen Wohlfahrtsausschuss. Als dessen Präsident erhielt Jost, der mit Salis befreundet war,<ref>Frey (1889), S. 263 (Digitalisat).</ref> diktatorische Macht.<ref>Alfred Rufer: Alois Jost. Ein Bündner Patriot 1759–1827. In: Neue Bündner Zeitung (Chur). 11./18. Dezember 1959, und Separatdruck Chur 1960; Ariane Knüsel: Aloys Jost – ein Bündner Patriot und die Französische Revolution. In: Bündner Monatsblatt. 2013, S. 493–515 (Digitalisat).</ref>
Nach Abschaffung des Adelsprädikats<ref>Alfred Rufer: Johann Baptista von Tscharner 1751–1835. Eine Biographie im Rahmen der Zeitgeschichte. Bischofberger & Co., Chur 1963, S. 258.</ref> schrieb Salis an Bansi: «Man kann den Junkergeist und das Junkeriren<ref>Anne-Marie Dubler: Junker. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Februar 2008.</ref> nicht mehr verabscheuen als ich […].»<ref>Frey (1889), S. 153 f. (Digitalisat).</ref> Er arbeitete mit Tscharner ein Projekt zur Verbesserung des Schulwesens aus und mit Jost ein solches zur Reorganisation der Bündner Miliz, das die Volkswahl der Offiziere vorsah.<ref>Entwurf einer Kriegsverfassung für Bünden. August 1794. In Alfred Rufer (Hrsg.): Der Freistaat der III Bünde und die Frage des Veltlins. Korrespondenzen und Aktenstücke aus den Jahren 1796 und 1797. 1. Band, Basler Buch- und Antiquariatshandlung, Basel 1916, S. 147–155; Alfred Rufer: Joh. Baptista von Tscharner. Eine Biographie im Rahmen der Zeitgeschichte. Bischofberger & Co., Chur 1964, S. 259, 262.</ref> Bevor Jost aber umfassende Reformen durchführen konnte, musste er nach dem Sturz Robespierres in Frankreich die Standesversammlung auflösen.
Im selben Jahr schlugen Russland und Preussen den Kościuszko-Aufstand in Polen nieder, der mit dem von Suworow befohlenen Massaker von Praga endete. Gleichzeitig wurden die Verfasser des Stäfner Memorials verhaftet,<ref>Am 19. November 1794.</ref> das die Ausbeutung der Landbevölkerung durch die Stadt Zürich anprangerte. Vor diesem Hintergrund verfasste Salis (auch wenn er beim Erstdruck 1806 jeden Zusammenhang mit realen Ereignissen bestritt) An die edeln Unterdrückten. 1794. Darin heisst es:
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> «[…] Vernunft folgt ewigen Gesetzen, die Pöbelswuth, die ein Tyran Ein Menschenalter durch verletzen, Doch ewig nicht vertilgen kann. </poem> <poem style="margin-left:2em; float:left;"> […] Ihr Märtyrer für Menschenwürde, Vertraut der Wahrheit und der Zeit: Vergänglich ist des Druckes Bürde, Doch ewig die Gerechtigkeit.»<ref>Erstdruck: Friedrich Matthisson (Hrsg.): Lyrische Anthologie. 15. Theil, Zürich 1806, S. 37–39, 79 f. (Digitalisat); Salis (1848), S. 93–95 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 17: «eine seiner tiefsinnigsten und erhebendsten Dichtungen».</ref> </poem>
Den Begriff Vernunft verwendete Salis hier im Sinn des deistischen Kults der Vernunft der Hébertisten, den Robespierre in Kult des höchsten Wesens umbenannte. Im 1798 veröffentlichten Epigramm Fürbitte setzte er ihn dann wie Kant in Kontrast zum Begriff Verstand:
<poem style="margin-left:2em;"> «Heilige, reine Vernunft, vergieb den Blinden am Wege,
Die dich verfolgen und schmähn! – Göttin, sie kannten dich nie!
Aber wehre den Stolzen, die gerne uns zwängen zu knieen,
vor das vergoldete Kalb, ihren begränzten Verstand!»<ref>Erstdruck: Johann Heinrich Voss (Hrsg.): Musen Almanach. C. E. Bohn, Hamburg 1798, S. 128 (Digitalisat); Salis (1848), S. 112 (Digitalisat).</ref>
</poem>
Matthisson berichtete dem Freund 1794: «Deine Muse hat in Deutschland eben so viele Freunde, als darin gebildete und gefühlvolle Menschen wohnen […].»
1795 erhielt Salis Besuch von der dänischen Dichterin Friederike Brun (1765–1835) und danach von Matthisson. Der «nordischen Sappho», die sich von der Französischen Revolution «Feenwunder» versprochen hatte,<ref>1798 verurteilte sie dann aber unter dem Einfluss Bonstettens, der sich nach Kopenhagen abgesetzt hatte, die von Salis begrüsste Helvetische Revolution und schlug diesem vor, in dänische Dienste zu treten. Frey (1889), S. 169 (Digitalisat).</ref> war er 1791 in Paris begegnet. Sie nannte das Ehepaar Salis in einem Brief an Bansi «zwei hohe reine Gestalten aus dem Paradies»<ref>Frey (1884), S. 228 (Digitalisat).</ref> und schloss mit Ursina, die ihr erstes Kind stillte, Seelenfreundschaft.<ref>Friedchen über Sinchen: «Sie ist so ganz Sie, daß Miltons Eva es nicht mehr war! Eine stille Blume der Au! Ein Vergissmeinnicht [auch Bezeichnung für Ehrenpreis, griechisch Berenike] mit einem nie versiegenden Thautropfen im schmachtenden Auge». Friederike Brun geb. Münter: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz […]. Friedrich Brummer, Kopenhagen 1800, S. 48–148, Zitat S. 49 (Digitalisat).</ref>
Matthisson, der sich anschickte, im Gefolge der Fürstin von Anhalt-Dessau nach Italien zu reisen, schrieb: «Mein Eintritt in die friedliche Wohnung des treuen Salis war der Eintritt in ein hehres Heiligthum, wo Freundschaft, Liebe, Tugend, Weisheit, Natursinn, Geistesadel und Selbstgefühl in reiner und unwandelbarer Harmonie beisammen wohnen.»<ref>Friedrich von Matthisson: Erinnerungen. 3. Band, Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1812, S. 313–325 (Digitalisat).</ref>
Verlust des Veltlins (1796/97)
Eine unrühmliche Rolle spielte Salis beim Verlust des Veltlins. Im Frühjahr 1787 hatte er den Vater besucht, der dort das Amt des Landeshauptmanns antrat. In Teglio bewunderte er den Anblick des Tales voll blühender Bäume, «weiss die Kirschen, roth die Pfisiche – Die Mandeln weiss mit grünem Laub vermischt.» Umso mehr desillusionierte der Blick hinter die Kulisse. Über Buglio in Monte notierte er im Tagebuch:
«[…] alles athmet und verräth die Knechtschaft; manches erinnert mich in unangenehmer Weise an die elenden französischen Dörfer, und nichts verräth, dass man noch in der Schweiz seye.»
Auf dem Heimweg musste der Vater umkehren, da im Veltlin Unruhen ausgebrochen waren.<ref>Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 358, 361 (Digitalisat).</ref> Laut Coxe gab es kein Land, wo die Bauern unglücklicher waren, mit einem «Engros-Handel zwischen Verbrechern und Gerichtshöfen».<ref>Wilhelm Coxe: Briefe über den natürlichen, bürgerlichen und politischen Zustand der Schweitz. 3. Band. Orell, Geßner, Füßlin und Comp., Zürich 1792, S. 121, 141 (Digitalisat).</ref>
Als Bonaparte 1796 das Herzogtum Mailand besetzte und diesen Aussenbesitz des Hauses Österreich zur Transpadanischen Republik erklärte, drohte das italienischsprachige Untertanengebiet von den herrschenden Landen abzufallen. Um dies zu verhindern, gaben die Bünde ihren drei Häuptern 1796 und 1797 einen Zuzug von je drei mehrheitlich patriotischen Abgeordneten bei. Dieser ausserordentliche Kongress hätte es in der Hand gehabt, das von den Salis fast als Privateigentum betrachtete Veltlin<ref>1783 hatten sie sogar versucht, es dem Freistaat abzukaufen.</ref> für frei und gleichberechtigt zu erklären. Doch er verweigerte ihm die von Frankreich verlangte Eingliederung als vierter Bund (die den Katholiken ein zahlenmässiges Übergewicht verschafft hätte).
«Hauptmann Gaudenz Salis», der in beiden Jahren dem Zuzug des Zehngerichtenbundes angehörte, beteiligte sich 1797 an der Formulierung eines «einfältigen» bzw. «beleidigenden» Schreibens an die Untertanen<ref>Martin Bundi: Das Versagen der Dreibündepolitik 1797. In: Georg Jäger, Guglielmo Scaramellini (Hrsg.): Das Ende der Bündner Herrschaft im Veltlin […]. Museo Etnografico Tiranese, Sondrio 2001, ISBN 88-88058-09-5, S. 87–91, hier S. 88 f.</ref> und an der falschen Klassifikation der Ergebnisse einer Befragung der Bündner Gemeinden. Schliesslich ging der Kongress auseinander, «lahm gelegt durch die politische Bornirtheit eines seit Generationen verrotteten Kleinstaates» und der Familie Salis, «die in dem Augenblicke, wo nur entsagende Entschlossenheit den drohenden Verlust abwenden konnte, noch Geschäfte machen wollte».<ref>Frey (1889), S. 160 (Digitalisat).</ref> Obwohl Frankreich «in beinahe grenzenlosem Langmut» auf einer innerbündnerischen Lösung bestand, wurde die Angelegenheit «in unglaublich fährlässiger Manier» verschleppt.<ref>Silvio Färber: Die Bündner Führungsschicht und der Verlust des Veltlins […]. In: Georg Jäger, Guglielmo Scaramellini (Hrsg.): Das Ende der Bündner Herrschaft im Veltlin […]. Museo Etnografico Tiranese, Sondrio 2001, ISBN 88-88058-09-5, S. 15–23, hier S. 20.</ref> So stellte es Bonaparte schliesslich dem Veltlin frei, sich der neugeschaffenen Cisalpinischen Republik anzuschliessen, in die unter anderem auch die bis dahin venezianischen Wirtschaftszentren Bergamo und Brescia integriert wurden. Die Mailänder Regierung verfügte darauf nicht nur die Einverleibung der Talschaft, sondern auch die Enteignung der Bündner Grundbesitzer, was nach Rufer einer «schweren Vergewaltigung» gleichkam.<ref>Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 59 f.</ref> Der Verlust des Veltlins kostete den Freistaat 90'000 seiner 160'000 Einwohner.<ref>Florian Hitz et al.: Graubünden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. August 2023.</ref>
Auf den Beschluss Bonapartes hin erreichte Jost die Einberufung eines ausserordentlichen Landtags. Dieser wählte Tscharner zum Standespräsidenten und setzte ein Strafgericht ein, das die verantwortlichen Mitglieder des Zuzugs im April/Mai 1798 verurteilte – Salis «wegen nicht vollzogener Willensmeinung der Gemeinden» zu 600 Gulden Busse.<ref>Vincenz von Planta: Die letzten Wirren des Freistaates der drei Bünde. (Vom Frühling 1797 bis Frühling 1799.) Hrsg. v. Peter Conradin von Planta. Leonhard Hitz, Chur 1857, S. 42–44 (Digitalisat); Frey (1889), S. 155–160 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 23–35; Alfred Rufer: Joh. Baptista von Tscharner. Bischofberger & Co., Chur 1964, S. 387 f.; Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 104.</ref> Rufer meinte dazu: «Auch wenn Salis von jeder böswilligen Absicht freigesprochen werden muss, auch wenn er bloss aus Kleinmut, Schwäche, Kurzsichtigkeit und Verantwortungscheu fehlte, so kann das seine Mitschuld am Verlust des Veltlins nicht abschwächen.»<ref>Rufer (1938), S. 35.</ref>
Helvetische Republik (1798–1803)
Die Helvetische Revolution von 1798, «das Werk der revolutionären Partei in der Schweiz und der militärisch-diplomatischen Aktion Frankreichs»,<ref>Alfred Rufer: Helvetische Republik. In: Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz (Digitalisat). Band 4, Neuenburg 1927, S. 142–178, hier S. 142.</ref> versuchte, die Eidgenossenschaft in einen Einheitsstaat mit der Devise Freiheit, Gleichheit umzuwandeln. Dies laut dem Glarner Pfarrer Markus Freuler, weil die alte Verfassung «einem grossen Theil der Schweiz nicht mehr beliebig, und dem Geist des Volks nicht mehr angemessen war» und nur eine äussere Macht im Stande war, «dieses wichtige Werk auszuführen».<ref>Marcus Freuler: Kurze Geschichte des veränderten Schicksals und kriegrischer Auftritten, welche den alten Kanton Glarus vom Jahr 1798 bis 1801 [!] betraffen. Buchdruckerei Glarus 1800, S. 5 (Digitalisat). Ein anderer Zeitgenosse schrieb: «Eine freiwillige und friedliche Vereinigung dieser zahllosen Völkerschaften und Völkchen, von entgegengesezten Interessen, Zweken und Denkungsart […] war wol beinahe so undenkbar, als Spinoza’s Bildung der jezigen Welt aus blind im Chaos herumschwimmenden Atomen. Es bedurfte einer Gottheit, welche zu diesen Atomen sprach: Es werde; und die Rolle dieser höhern Macht übernahm hier – die fränkische Republik.» Skizze der helvetischen Revolution. In: Helvetischer Almanach für das Jahr 1799. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich, S. 125–184, hier S. 181 (Digitalisat).</ref>
Das geschrumpfte Bünden drohte damals von Österreich annektiert zu werden. Darum arbeiteten die Patrioten auf den Beitritt zur Helvetischen Republik hin, noch bevor diese am 12. April 1798 in Aarau ausgerufen wurde und den Freistaat in ihrer Verfassung einlud, «ein Bestandtheil der Schweiz zu werden».<ref>Verfassung der helvetischen Republik vom 12. April 1798 (Digitalisat), Artikel 18.</ref> Schon im Februar, als Salis noch auf sein Urteil wartete, pflanzten Malans und Maienfeld Freiheitsbäume. Als aber im Juli der Landtagsausschuss die Bündner Gemeinden über einen Anschluss an die Helvetische Republik abstimmen liess (und ihnen Zustimmung empfahl), lehnte die grosse Mehrheit ab<ref>Alfred Rufer: Malans während der Revolutionszeit. Bischofberger & Co., Chur 1936, S. 41, 53.</ref> – gemäss dem Schriftsteller Heinrich Zschokke (1771–1848),<ref>Werner Ort: Heinrich Zschokke 1771–1848. Eine Biographie. hier + jetzt, Baden 2013, ISBN 978-3-03919-273-1.</ref> der in Reichenau<ref>Sitz des französischen Residenten in Bünden.</ref> ein von Tscharner gegründetes Erziehungsinstitut geleitet hatte, ein erzwungener und gefälschter Entscheid.<ref>Friedrich Pieth: Bündnergeschichte. F. Schuler, Chur 1945, S. 315 f.</ref>
In den geheimen Artikeln des Allianzvertrags, den Frankreich am 19. August mit der Helvetischen Republik schloss, versprach es dieser Graubünden (mit Vorarlberg als Ersatz für das Veltlin).<ref>Simon Kaiser, Johannes Strickler: Geschichte und Texte der Bundesverfassungen der schweizerischen Eidgenossenschaft von der helvetischen Staatsumwälzung bis zur Gegenwart. K. J. Wyss, Bern 1901, S. 39 (Digitalisat).</ref> Da die französische Armée d’Helvétie unter Schauenburg aber mit der Konterrevolution in Nidwalden beschäftigt war, konnte sie den anschlusswilligen Bündnern nicht zu Hilfe eilen. Immerhin wurde diesen am 29. August das helvetische Bürgerrecht zugesichert.<ref>Salis erhielt es am 15. Dezember.</ref> Zwei Tage später reichte Zschokke ein Gesuch um Vereinigung ein, das Malans und Maienfeld im Namen der gleich gesinnten Gemeinden stellten.<ref>Alfred Rufer: Malans während der Revolutionszeit. Bischofberger & Co., Chur 1936, S. 60 f.; Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 133, 172, 174.</ref>
Im Oktober liessen die Aristokraten die Bündner Herrschaft und Chur durch bezahlte Bauern besetzen, denen eine österreichische Invasionsarmee unter Auffenberg folgte. Neben rund 250 anderen Patrioten, Angehörige eingerechnet,<ref>Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 170 f.</ref> floh auch der «stille harmlose Dichter», wie Zschokke Salis nannte, mit Frau und Kindern in die Schweiz.<ref>Alfred Rufer: Malans während der Revolutionszeit. Bischofberger & Co., Chur 1936, S. 75–80. Mit Vorsicht aufzunehmende Schilderungen der Flucht: Heinrich Zschokke: Eine Selbstschau. 1. Theil, Heinrich Remigius Sauerländer, Aarau 1842, S. 102 (Digitalisat); Frey (1884), S. 237 (Digitalisat).</ref> Dort lebte er fürs Erste vom Ertrag von Besitzungen der Familie in Meilen und Küsnacht, da das Vermögen der Geflohenen in Bünden unter Sequester gestellt wurde.<ref>Frey (1889), S. 2, 161, 166, 214 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 37 f.</ref>
Mit einem Empfehlungsschreiben von Schauenburg erschienen Salis und zwei Begleiter am 21. Oktober in Luzern, der damaligen Hauptstadt der Helvetischen Republik, wo sie von Zschokke eingeführt wurden. Dass der Präsident des Direktoriums, Frédéric-César de La Harpe, Zögling des Vorgängerinstituts von Reichenau in Haldenstein gewesen war, förderte die Sache der Bündner Patrioten. Tags darauf beschlossen die gesetzgebenden Räte, diese unter den Schutz der Regierung zu stellen.<ref>Tageblatt der Gesetze und Dekrete des gesetzgebenden Raths der helvetischen Republik. 2. Heft (Luzern 1798 f.), S. 38 (Digitalisat).</ref> Salis hätte nun dem Grossen Rat und dem Senat dafür danken sollen. Er habe Tag und Nacht an einer Rede geschrieben und gelernt, berichtet Zschokke. «Als aber der bestimmte Augenblick erschien, hatte der liebe Mann unglücklicherweise Alles rein wieder vergessen.»<ref>Heinrich Zschokke: Eine Selbstschau. 1. Theil, Heinrich Remigius Sauerländer, Aarau 1842, S. 117 f. (Digitalisat).</ref> Zschokke sprang darauf ein und sprach mit so viel Pathos, dass das Stenogramm seiner Worte in Druck gegeben wurde.<ref>Actensammlung, 3. Band (1889), S. 250–256 (Digitalisat); Johann Konrad Escher, Paul Usteri (Hrsg.): Der schweizerische Republikaner. 205. Stück, Luzern 1798, S. 818–820 (Digitalisat).</ref>
Generalinspektor (1798–1801)
Während Bonapartes Ägyptenabenteuer waren die Franzosen ihren Gegnern in Europa militärisch unterlegen. Als Verbündete sollte die Helvetische Republik Frankreich sechs Demi-brigades auxiliaires stellen. Diese liessen sich mit Freiwilligen aber nicht auf den Sollbestand von 18'000 Mann bringen.<ref>Fernando Bernoulli: Die helvetischen Halbbrigaden im Dienste Frankreichs 1798–1805 (Diss. Universität Bern). Huber & Co., Frauenfeld 1934, S. 19–33.</ref> Darum griff man vor Ausbruch des Zweiten Koalitionskriegs (19. November) auf die in der Verfassung verankerte Wehrpflicht zurück und stellte der am 4. September geschaffenen Helvetischen Legion (die am 1. Februar 1799 aus 1100 Berufssoldaten bestand<ref>Abel Boillot: Essais de levée et d’organisation d’une force nationale en Suisse. Novembre 1798 à mars 1800 […]. Jent & Reinert, Berne ohne Jahr (1888) (Digitalisat), S. 36–42, Tab. I, VIII.</ref>) kantonale Milizen an die Seite.
Auf Empfehlung eines der Verfasser des Stäfner Memorials, Regierungsstatthalter Pfenninger, ernannte das Direktorium Salis am 9. November 1798 zum Generalinspektor der Miliz im Kanton Zürich.<ref>Actensammlung, 3. Band (1889), S. 242 (Digitalisat).</ref> Die Zürcher Zeitung ergänzte die entsprechende Meldung mit Zeilen aus seinem 1792 entstandenen Gedicht An ein Thal:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Undingbar, keines Königs Waffenknecht, Zu edelstolz, um Rang und Sold zu werben, Entsagt’ ich nie der bessern Menschheit Recht, Für Völkerglück zu siegen oder sterben. […]»<ref>Erstdruck: Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Neue Teutsche Merkur. Weimar 1793, 2. Band, S. 56–60 (Digitalisat); Zürcher Zeitung. 21. November 1798, S. 4 (Digitalisat); Salis (1848), S. 76–80 (Digitalisat); Frey (1889), S. 195 (Digitalisat). In der späteren Fassung: «und zu sterben».</ref> </poem>
Das helvetische Volksblatt schrieb bei derselben Gelegenheit, Salis habe «sich von seinen Verwandten getrennt, welche aus Eigennutz und Ehrgeitz lieber ihr Vaterland an Oesterreich verrathen, als daß sie zugeben wollen, daß sich Graubündten zu der Schweiz schlage. Sie fürchten, alsdann würden auch andre ihrer Landsleute sich erheben [sozial aufsteigen], und sie selber möchten nicht mehr wie bisher das Volk leiten und verführen können.<ref>Das helvetische Volksblatt (Luzern). Ohne Datum (1798), S. 214 (Digitalisat).</ref>
Salis gehörte auch der Kommission an, die das Gesetz über die Organisation der helvetischen Miliz vom 13. Dezember entwarf.<ref>Tageblatt der Gesetze und Dekrete des gesetzgebenden Raths der helvetischen Republik. 2. Heft (Luzern 1798 f.), S. 164–178, 181 f. (Digitalisat); Adolf Frey: Die Helvetische Armee und ihr Generalstabschef J. G. v. Salis-Seewis im Jahre 1799. F. Schultheß, Zürich 1888, S. 11 (Digitalisat); Actensammlung, 3. Band (1889), S. 755–775 (Digitalisat).</ref>
Ende Dezember schrieb er dem nach Mailand geflohenen Bansi: «Die Adlerstange, die in Chur aufgerichtet worden, wird bald dem Freiheitsbaum Platz machen und ihren Errichtern auf den Kopf fallen: welch eine Kur wird der Aufenthalt der Weißröcke [Österreicher] für den Volksgeist werden, wenn man ihren Zwang und Druck wird empfunden haben.»<ref>Frey (1889), S. 167 f. (Digitalisat). Die Franzosen trugen blaue Uniformröcke.</ref>
Als die Regierung wegen drohender Kriegsgefahr Ende Februar 1799 die Pikettstellung eines Teiles der Miliz verfügte, da war laut Rufer «außer dem Kanton Leman nur in Zürich die Organisation zum großen Teil vollendet».<ref>Rufer (1938), S. 41.</ref>
Obwohl die französische Armée d’Helvétie unter Schauenbergs Nachfolger Massena vom 6. März an Graubünden besetzte,<ref>Friedrich Pieth: Graubünden als Kriegsschauplatz 1799–1800. Bischofberger & Co., Chur 1940, S. 46–75.</ref> kehrte Salis nicht dorthin zurück. Am 22. März erhielt er Befehl, mit der Zürcher Miliz Unruhen im Untertoggenburg<ref>Distrikte Mosnang und Flawil des Kantons Säntis, ehemals Fürstabtei St. Gallen.</ref> zu ersticken, die zur Vorbereitung der bevorstehenden austro-russischen Invasion der Schweiz organisiert worden waren. Indem er die Aufständischen mit den ersten marschfähigen 1500 Mann einkreiste, stellte er die Ordnung in drei Tagen ohne Blutvergiessen wieder her und verhaftete die Rädelsführer.<ref>Rufer (1938), S. 42 f. Vgl. Tageblatt der Gesetze und Dekrete des gesetzgebenden Raths der helvetischen Republik. 2. Heft (Luzern 1798 f.), S. 508 f. (Digitalisat).</ref>
Während die Armée d’Helvétie noch in Graubünden stand, wurde die Armée du Danube unter Jourdan am 25. März bei Stockach von Erzherzog Karl geschlagen.<ref>Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 329 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Am selben Tag beschlossen der Grosse Rat und der Senat der Helvetischen Republik, zur Sicherung der gefährdeten Landesgrenze 20'000 Mann aufzubieten,<ref>Actensammlung, 3. Band, S. 1415 ff. (Digitalisat).</ref> die von den Generalinspektoren der Kantone befehligt wurden. Darauf eilten statt der erwarteten 4000 Zürcher «unter Jubel und Gesang» gleich 8000 an den Rhein.<ref>Rufer (1938), S. 41.</ref>
Am 28. März ernannte das Direktorium den Chef der Helvetischen Legion, Keller, zum Général de brigade (Zwei-Sterne-General) und Oberkommandierenden, den Chef der 1. Demi-brigade auxiliaire, Weber, sowie den Freiburger Milizinspektor von der Weid zu Generaladjutanten und den Chef de bataillon Louis La Harpe zum Generalstabschef.<ref>Actensammlung, 3. Band, S. 1436 (Digitalisat).</ref>
Am 4. April erhielt der einflussreiche Politiker Kuhn als Zivilkommissär die Oberaufsicht über die Armee.<ref>Friedrich von Wyss: Die helvetische Armee und ihr Civilkommissär Kuhn im Kriegsjahr 1799. In: Zürcher Taschenbuch. 12/1889, S. 97–146 (Digitalisat), hier S. 101 f.</ref> Salis wurde auch Milizinspektor des Kantons Schaffhausen, der jedoch kurz darauf in die Hand des Feindes fiel.<ref>Rufer, S. 45–48.</ref>
Generalstabschef (1799) [in Überarbeitung]
Als der für die Leitung des Generalstabs vorgesehene La Harpe diese Aufgabe nicht übernehmen wollte, übertrug das Direktorium sie am 5. April Salis, obwohl dieser nach Meinung General Kellers eher zum Truppenführer geeignet gewesen wäre. Gleichzeitig beförderte es ihn zum Generaladjutanten (Ein-Stern-General). Damit verdiente Salis sich noch vor dem Verfasser des Schauspiels Sturm und Drang, Friedrich Maximilian Klinger, das Epitheton Dichter-General.<ref>Klinger wurde in Russland 1801 Generalmajor, 1811 Generalleutnant. Vorangegangen war ihnen der österreichische Dramatiker Ayrenhoff, seit 1783 Generalmajor, 1794 Feldmarschallleutnant.</ref> Zwar erklärte er sich nur bereit, als Stabschef zu fungieren, bis sich ein geeigneterer Anwärter finden würde, doch blieb er es dann zwei entscheidende Monate lang, nämlich bis am 9. Juni.<ref>Rufer (1938), S. 49–52, 85 f.</ref>
Kuhn war selber mit Vorwürfen konfrontiert, als er dem Generalstabschef später «Nullität» vorwarf: «[…] Salis-Seewis, einer der sittlich besten, redlichsten Menschen, die ich kenne, war seiner Aufgabe nicht gewachsen. Es fehlte ihm dazu sowohl an Kenntnissen als an Thätigkeit. Er drehte Stunden lang an einer Phrase, unternahm zehn Geschäfte auf einmal und beendigte keines, und schien zu glauben, daß man auch im Felde nicht anders leben könne, als im häuslichen Kreis von Weib und Kindern. Er organisirte nicht einmal sein Bureau.»<ref>Friedrich von Wyss: Die helvetische Armee und ihr Civilkommissär Kuhn im Kriegsjahr 1799. In: Zürcher Taschenbuch. 12/1889, S. 97–146 (Digitalisat), hier S. 135 f.</ref> Rufer kommentierte: «Salis und Kuhn waren nach Charakter und Temperament grundverschieden: der eine [Kuhn] ein methodischer und systematischer Geist, doktrinär und autoritär, gewandt in Rede und Schrift, initiativ und rastlos tätig, der andere [Salis] eine beschauliche, träumerische Natur, tapfer im Felde, aber zögernd und langsam in seinen Entschließungen und schriftlichen Arbeiten.»
Den General und den Generalstabschef verglich Rufer wie folgt: «Der eine [Salis] war ein Abkömmling eines der ältesten Adelsgeschlechter, ein Mann von vieler Kultur und feinen Manieren, aber auch von exaltierten politischen Meinungen. Der andere [Keller] war der Sohn eines Schusters, in der Garnison und im Felde groß geworden, derb, sorglos, tapfer, ein Haudegen in des Wortes wahrem Sinne, die Uniform und militärische Aufzüge vorzüglich liebend, aber auch dem Wein und dem holden Geschlechte leidenschaftlich ergeben.»
Das Personal des Hauptquartiers arbeitete so ineffizient, dass Salis dem Kriegsminister einmal schrieb: «Ich werde diejenigen, die nicht thun, was sie sollen, und zwar vom General abwärts bis zum Bäckergesellen, zur Probe wenigstens, ob etwa dieses Mittel helfen will, in Arrest setzen.»<ref>Rufer (1938), S. 51, 59–61, 75.</ref>
Laut Rufer trug die helvetische Armee «in allen Teilen das Gepräge der Improvisation».<ref>Rufer (1938), S. 53.</ref> Sie stand grossenteils schon unter Waffen, als Salis am 14. April in St. Gallen, dem damaligen Standort des Hauptquartiers, eintraf. Die Eliten (Auszüger) der Grenzkantone waren dem Aufgebot über Erwarten zahlreich gefolgt, und allmählich trafen auch die übrigen Kontingente ein. Das Gros besetzte gemeinsam mit den Franzosen die 150 Kilometer lange Linie von der ehemaligen Grafschaft Werdenberg bis zur Aaremündung. Am 20. April standen zwischen Montlingen (ehemalige Vogtei Rheintal) und Weiach rund 11'000 Mann, davon rund 1000 Säntiser unter Oberteuffer (Berneck), rund 1000 Legionäre und Luzerner sowie rund 3000 Thurgauer unter von der Weid (Kreuzlingen) und rund 6000 Zürcher unter Weber (Winterthur).<ref>Abel Boillot: Essais de levée et d’organisation d’une force nationale en Suisse. Novembre 1798 à mars 1800 […]. Jent & Reinert, Berne ohne Jahr (1888) (Digitalisat), Tab. V.</ref>
Schliesslich zählten die helvetischen Truppen, die Kantone Waldstätten, Wallis und Basel eingeschlossen, rund 25'000 Mann. Jeder französischen Division war nun eine von einem Generaladjutanten kommandierte helvetische zugeteilt: die 1. unter Johann Rudolf Burckhardt (1764–1841) zwischen Basel und der Aaremündung, die 2. unter Weber zwischen der Aaremündung und Konstanz, die 3. unter von der Weid zwischen Konstanz und Rheineck und die 4. unter Louis Clavel (1762–1808) im heutigen St. Galler Rheintal.<ref>Frey (1889), S. 170–173 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 50–63, 90.</ref>
Am 21. April trat Graubünden als Kanton Rhätien der Helvetischen Republik bei, doch besetzen es schon am 15. Mai wieder die Österreicher (unter Hotze) und setzten eine Interimalregierung ein.<ref>Friedrich Pieth: Graubünden als Kriegsschauplatz 1799–1800. Bischofberger & Co., Chur 1940, S. 57 f., 76–114.</ref>
Nach Jourdans Niederlagen war die Armée d’Helvétie in die Armée du Danube integriert worden. Massena, der nun von Düsseldorf bis zum Umbrail kommandierte, wollte eigentlich die begonnene Offensive fortsetzen. Da besetzten die Austro-Russen Mailand. Um nicht von drei Seiten angegriffen zu werden, mussten die Franzosen darauf die Kantone Rhätien, Bellinzona und Lugano räumen und sich vom Rhein hinter die Thur sowie vom Gotthard zurückziehen, wodurch sich die Front auf die Linie Aaremündung–oberer Zürichsee–Luzern–Brünig verkürzte.
Die bevorstehende Aufgabe der Nordostschweiz wurde geheim gehalten, doch informierte Massena die Verbündeten, dass sie unvermeidlich geworden sei. Schweizerischerseits wollte man dies aber nicht wahrhaben und unterliess die erforderlichen Vorkehrungen. In der Folge desertierten viele Soldaten aus den Grenzkantonen, die den Österreichern überlassen werden mussten.
Massena versuchte nun zu verhindern, dass sich die Armee des Erzherzogs, der bei Paradies über den Rhein setzte, mit Hotzes von St. Gallen her vorrückendem Armeekorps vereinigte.
Gefechte bei Frauenfeld und Winterthur [in Überarbeitung]
Am 19. Mai wurde Kuhn vom Direktorium beauftragt, Weber zu bewegen, Salis abzulösen. Der frühere Adjutant des Prinzen von Oranien, der sich 1798 bei Neuenegg ausgezeichnet hatte, war dazu aber offensichtlich nicht bereit.<ref>Actensammlung, 4. Band (1892), S. 574 (Digitalisat).</ref>
Am 25. Mai nahm Salis mit 10'000 helvetischen Soldaten am siegreichen Gefecht bei Frauenfeld<ref>Johann Jakob Sulzberger: Das Treffen von Frauenfeld am 25. Mai 1799. In: Helvetische Militär-Zeitschrift (Bern). 5/1838, S. 1–5, 17–25, Tab. I f., S. 33–37 (Digitalisat); Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 335 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> teil. Rufer schreibt: «Trotz der elenden Verpflegung, mangelhaften Ausrüstung und ungenügenden Instruktion schlugen sich die helvetischen Truppen mit einem Mut und einer Tapferkeit, die jedermann in Erstaunen setzte.»<ref>Rufer (1938), S. 71.</ref> Da Weber beim Sturmangriff auf die Österreicher fiel, erfuhr er nicht mehr, dass er zum Nachfolger Kellers ernannt worden war, dem Kuhn «Imbecillität» vorwarf.<ref>Friedrich von Wyss: Die helvetische Armee und ihr Civilkommissär Kuhn im Kriegsjahr 1799. In: Zürcher Taschenbuch. 12/1889, S. 97–146 (Digitalisat), hier S. 133.</ref>
Kuhn schlug darauf vor, die Stelle nicht mehr zu besetzen, da der General unter den gegebenen Umständen nur «ein fünftes Rad am Wagen» sei. Stattdessen sollten die Generaladjutanten dem Generalstabschef unterstellt werden. Auf diesen Posten sei Generaladjutant Burckhardt zu berufen. Salis dagegen solle wie schon bei Frauenfeld den Befehl über Webers Division übernehmen. Dies beschloss das Direktorium am 28., doch wollte weder Burckhardt noch offenbar erneut auch der am Vortag zum Generaladjutanten beförderte Louis La Harpe<ref>Bulletin officiel du Directoire Helvétique & des autorités du Canton du Léman (Lausanne). Band 7 (1799), S. 220 (Digitalisat).</ref> Generalstabschef werden. Gleichentags schrieb Salis dem Direktorium: «In diesem Moment informiert man mich von der Amtsenthebung des Generals Keller und versichert mich, dass ich in Erwartung seiner Rechtfertigung das Kommando übernehmen müsse; ich bitte sie inständig […] mir nicht eine Aufgabe aufzubürden, die meine Kräfte übersteigt, und dies in einem so kritischen und so entscheidenden Moment für das Vaterland.»<ref>Actensammlung, 4. Band (1892), S. 605–607 (Digitalisat), übersetzt.</ref>
Das Oberkommando, das Salis schliesslich wiederum nur mangels geeigneterer Anwärter akzeptierte, überforderte ihn vollends: Innert zehn Tagen hatte die helvetische Armee 10'000 Mann verloren. Als die Franzosen sich nach dem Gefecht bei Winterthur am 27. Mai<ref>Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 335 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> hinter die Glatt zurückzogen, desertierten weitere 6000 Milizsoldaten, vor allem Zürcher. Trotzdem schrieb Salis seiner Gattin: «Ich verspreche Dir und ich wäre Deiner nicht werth, wenn ich nicht ausdauern würde.» Dem Kriegsminister gegenüber erklärte er im Entwurf eines Briefes: «Ich harre aus in einer Lage, in der ich gezwungen bin, zu gleicher Zeit die peinlichen Pflichten des Commandanten und [des] Generalstabschefs zu erfüllen, ohne weder das eine noch das andere [wirklich] zu sein, am Tage an der Spitze der Truppen und auf dem Schlachtfelde, nachts auf dem Bureau, ohne den einen oder andern Anforderungen genügen zu können.»<ref>Rufer, S. 79 f.</ref>
Erste Schlacht bei Zürich
Zu Beginn der Ersten Schlacht bei Zürich am 2.–4. Juni<ref>Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 336 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> verfügte die helvetische Armee dort noch über 3200 Mann. Sie verlor den letzten Rest an Selbständigkeit. Während der Kämpfe stand Salis stets an Massenas Seite. Was dieser am 5. Juni mit Erzherzog Karl vereinbarte, scheint sein machtloser Bundesgenosse aber erst am folgenden Tag erfahren zu haben, als sich die Franzosen kampflos hinter die Limmat zurückzogen.<ref>Frey (1889), S. 166–175 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 64–85.</ref>
An Mut hatte es ihm nicht gefehlt. Der Gattin berichtete er: «Den 3. um Mittag hast Du wohl an mich gedacht und mich umschwebt, mein Engel; denn eine Kanonenkugel schlug nur in einer Entfernung von ein paar Schuhen über mir in einen Baum.»<ref>Frey (1889), S. 175 (Digitalisat).</ref> Wie er später Matthisson erzählte, wurde dabei «der Federbusch auf seinem Hute herabgedrückt».<ref>Schriften von Friedrich von Matthisson. 7. Band. Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1829 (Digitalisat), S. 309.</ref> (Dem Kriegsminister hatte er nur gemeldet, dass eine Kanonenkugel zwei Schritt neben Massena einen Baum getroffen hatte.<ref>Bulletin officiel du Directoire Helvétique & des autorités du Canton du Léman (Lausanne). Band 7 (1799), S. 283 f. (Digitalisat).</ref>)
Die Magazine konnten aus Zürich evakuiert werden, obwohl die mit den Invasoren kollaborierenden Behörden der Stadt die Lieferung der nötigen Pferde verweigerten. Dies laut einem Brief aus Bern, «dank der Festigkeit des Generaladjutanten Salis-Seewis, der zwei Mitglieder der Munizipalität festnehmen und mitführen liess».<ref>Bulletin officiel du Directoire Helvétique & des autorités du Canton du Léman (Lausanne). Band 7, S. 285 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 84 f.</ref>
Am 7. Juni bezogen die Reste der helvetischen Armee bei Lenzburg Stellung. Salis schlug vor, sie in neuen Bataillonen zusammenzufassen.<ref>Frey (1889), S. 166–175 (Digitalisat); Rufer, S. 63–83.</ref> Zwei Tage später billigte das Direktorium seine Reorganisationsvorschläge und entband ihn gleichzeitig von den Aufgaben des Generalstabschefs. Im Juli wurde er Mitglied des Kriegsrats sowie des Kriegsgerichts, das General Keller wegen Gehorsamsverweigerung und Desertion in Abwesenheit zu einer (in Kriegszeiten sehr milden) Strafe von einem Jahr Gefängnis verurteilte. Am 9. August entliess man Salis auch als Generaladjutanten.<ref>Adolf Frey: Die Helvetische Armee und ihr Generalstabschef J. G. v. Salis-Seewis im Jahre 1799. F. Schultheß, Zürich 1888, S. 79 (Digitalisat); Abel Boillot: Essais de levée et d’organisation d’une force nationale en Suisse. Novembre 1798 à mars 1800 […]. Jent & Reinert, Berne ohne Jahr (1888) (Digitalisat), S. 153 f.; Frey (1889), 178–180 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 85 f., 89 f.</ref>
Rufer schrieb: «In bester Gesundheit, mit rosiger Gesichtsfarbe und wallenden braunen Locken war der schöne und elegante, erst siebenunddreißigjährige Salis-Seewis im Frühjahr 1799 ins Feld gerückt. Als hagerer, abgezehrter Greis, mit gebleichten Haaren, für seine besten Freunde beinahe unkenntlich geworden, kehrte er einige Monate später daraus zurück.» Noch im September bangte Tscharner um sein Leben.<ref>Rufer (1938), S. 87, 90.</ref>
Nach der Ablösung Erzherzog Karls durch die Russen und dem Sieg der Franzosen über Korsakow (Zweite Schlacht bei Zürich, 25./26. September) und dessen Vorgesetzten Suworow (Schlacht bei Näfels, 1. Oktober)<ref>Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 343 f. (Textarchiv – Internet Archive).</ref> war die Helvetische Republik mit Ausnahme des Kantons Rhätien wieder feindfrei.
Salis blieb auf eine Staatsstelle angewiesen. So wirkte er vom November 1799 bis im Januar 1801 erneut als Generalinspektor der Miliz im Kanton Zürich.<ref>Leonard Meister, Wilhelm Hofmeister (Hrsg.): Helvetischer Staats-Almanach. Gruner und Geßner, Nationalbuchdrucker, Bern 1800, S. 101 (Digitalisat).</ref>
Dass die Gedichte von Salis im Februar 1800 die vielbändige Sammlung der Lieblingsdichter Deutschlands eröffneten,<ref>Simonis und Rommerskirchen, Köln (Digitalisat).</ref> zeugt von ihrer Popularität. (Diesen Vorrang erhielten sie später auch beim Magazin der besten deutschen Klassiker<ref>Wilhelm August Joseph Roßnagel, Dillingen 1830.</ref> und zusammen mit jenen von Matthisson bei Meyer’s Groschen-Bibliothek der Deutschen Classiker.<ref>Bibliographisches Institut, Hildburghausen/Herrmann J. Meyer, New-York ohne Jahr (ca. 1850) (Digitalisat), S. 95–126.</ref>) Zum Dichten aber war Salis vorerst nicht mehr zumute. An seiner Stelle würdigte Zschokke, Regierungskommissär in den Waldstätten, dass 1799 mehr Schweizer für die Helvetische Republik gefallen waren als 1798 für die Alte Eidgenossenschaft.<ref>Adolf Frey: Die Helvetische Armee und ihr Generalstabschef J. G. v. Salis-Seewis im Jahre 1799. F. Schultheß, Zürich 1888, S. 4 (Digitalisat).</ref> Nachstehendes Zitat stammt aus Zschokkes in den Ruinen des abgebrannten Altdorf<ref>Johann Georg Heinzmann: Kleine Schweizer-Chronik. 2. Theil, Bern 1801, S. 657–662 (Digitalisat).</ref> entstandenen Elegie an den Winter 1799–1800:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Hüll’ in dein Todtengewand die tote Natur und die Wunden,
Welche das wüthende Jahr schlug mit eiserner Faust!
Und bedecke die stillen Gräber, die einsamen Hügel,
Wo sie ruhen vom Kampf, für die Freiheit gekämpft,
Unsre Brüder! die Helden! – fern von den Hütten der Heimath.
An den Ufern der Thur, an den Borden des Rheins! […]»<ref>Johann Konrad Escher, Paul Usteri (Hrsg.): Neues Helvetisches Tagblatt. 9. Dezember 1799, S. 440 (Digitalisat).</ref>
</poem>
Die Miliz neu aufzubauen fiel schwer. Die Niederlagen des Sommers 1799 und die Unfähigkeit der Helvetischen Republik, den versprochenen Sold zu bezahlen,<ref>Unter anderem wegen des Verzichts auf den Einzug der verhassten Zehnten.</ref> hatten die Wehrpflichtigen demoralisiert. Dazu wurde der als repräsentative Demokratie konzipierte Staat<ref>Actensammlung, 1. Band (1886), S. 630 (Digitalisat).</ref> zur Diktatur:<ref>Rufer (1938), S. 95.</ref> Im Jahr 1800 stürzten Republikaner (Notabeln)<ref>Lucas Chocomeli: Republikaner. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 23. Dezember 2011.</ref> und gemässigte Aristokraten mit zwei Staatsstreichen die aus den freien Volkswahlen von 1798 hervorgegangenen Behörden. Dadurch verlor Salis seine Protektoren La Harpe und Pfenninger. Die mit dem Inspektorat verbundenen Spesen überstiegen seine Einkünfte.<ref>Frey (1889), S. 182 (Digitalisat).</ref>
Der Kanton Rhätien wurde im Juli von Lecourbe zurückerobert,<ref>Der von Lecourbe eingesetzte Präfekturrat machte Malans zum Hauptort des Districts der untern Landquart. Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 593–596.</ref> aber im Waffenstillstand von Parsdorf, entgegen der militärischen Lage, in eine französische, eine neutrale und eine österreichische Zone geteilt.<ref>Friedrich Pieth: Graubünden als Kriegsschauplatz 1799–1800. Bischofberger & Co., Chur 1940, S. 117 f.</ref> Im September erhielt Salis Befehl, ein Zürcher Elitenbataillon zu stellen, um den Splügenübergang des französischen Generals Macdonald zu decken. Er schreckte jedoch vor der nötigen Zwangsaushebung zurück<ref>Die Gemeinden wären verpflichtet gewesen, auf hundert Aktivbürger einen Auszüger zu stellen.</ref> und wurde darum im November von Kriegsminister Lanther<ref>Alain-Jacques Czouz-Tornare: Joseph de Lanther. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. April 2011.</ref> gerügt. Die Entlassung als Generalinspektor, um die er darauf ersuchte, wurde ihm erst am 7. Januar 1801 gewährt, als der erwähnte Verband bereitstand.<ref>Rufer (1938), S. 91–95.</ref> Indessen befreite Macdonald Bünden endgültig,<ref>Friedrich Pieth: Graubünden als Kriegsschauplatz 1799–1800. Bischofberger & Co., Chur 1940, S. 115–133.</ref> und Österreich war gezwungen, im Friedensvertrag von Lunéville vom 6. Februar die Helvetische Republik anzuerkennen.
Zivile Funktionen (1801–1803)
Am 9. Mai 1801 veröffentlichte Bonaparte den Verfassungsentwurf von Malmaison, der eine Föderalisierung des wegen seiner Heterogenität chronisch unruhigen Einheitsstaats vorsah.
Nach der kränkenden Entlassung aus dem Militärdienst wurde Salis die Genugtuung zuteil, erster Vertreter Bündens in der Legislative der Schweiz zu werden, die damals Gesetzgebender Rat hiess. Das sich selbst ergänzende Gremium wählte ihn am 7. August zum Nachfolger Usteris,<ref>Wilhelm Oechsli: Usteri: Paulus S. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 399–408.</ref> der in die Vollziehungsrat genannte Exekutive aufgerückt war.<ref>Aktensammlung, 6. Band, S. 192.</ref> Bei dieser Gelegenheit wurde Salis von Alphons Pfyffer<ref>Markus Lischer: Alphons Pfyffer von Heidegg. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. August 2009.</ref> im «Freyheitsfreund» als «Mann von patriotischem, edlem Gemeingeist» bezeichnet.<ref>Alphons Pfyffer (Hrsg.): Der Freyheitsfreund oder das alte helvetische Tagblatt (Bern), 8. August 1801. Zitiert nach Rufer (1938), S. 96.</ref> Dass der Dichter das Amt trotz fehlender politischer Erfahrung annahm, begründete er mit dem Wunsch, «die Glükseligkeit des helvetischen Volks durch Eintracht, Freyheit und beruhigende Einleitung in eine weise Verfassung zu befördern».<ref>Paul Usteri (Hrsg.): Der neue Schweizerische Republikaner. Band 4. Bern 1801, S. 578 (Digitalisat).</ref>
In der Zwischenzeit war Salis auch Mitglied der helvetischen Tagsatzung geworden. Diese sollte gemäss der Verfassung von Malmaison den von Unitariern beherrschten Gesetzgebenden Rat ersetzen, war aber von den dafür zuständigen kantonalen Tagsatzungen mehrheitlich aus Einheitsfreunden zusammengesetzt worden. Die Bündner Tagsatzung allerdings hatte fünf Anhänger Österrreichs zu Repräsentanten bestimmt, worauf der als Sechster gewählte Maienfelder Enderlin<ref>Jürg Simonett: Johann Theodor Enderlin von Montzwick. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 16. August 2004.</ref> die Wahl abgelehnt hatte.<ref>Paul Usteri (Hrsg.): Der neue Schweizerische Republikaner. Band 4. Bern 1801, S. 463 (Digitalisat); Actensammlung, 7. Band (1899), S. 287, 355 f., 360 (Digitalisat).</ref>
Die Tagsatzung sollte die Verfassung von Malmaison absegnen. Salis wurde am 11. September in die siebenköpfige Kommission gewählt, die das Geschäft vorbereitete.<ref>Actensammlung, 7. Band (1899), S. 573 (Digitalisat).</ref> Sie schlug Veränderungen am Text vor, die den unbedingten Unitariern aber zu wenig weit gingen. Darauf wurde die Kommission vergrössert, und schliesslich verwandelte die Tagsatzung sich laut Rufer unter Führung von Innenminister Rengger «in einen Verfassungsrat und schuf eine Verfassung, die dem Einheitssystem auf Kosten der Kantone noch größere Ausdehnung gab». Aber sogar diese wurde von den extremen Unitariern in der Schlussabstimmung abgelehnt. Salis hingegen stimmte ihr zu, während 16 Föderalisten, unter ihnen alle seine Bündner Kollegen, schon vorher ausgetreten waren.<ref>Paul Usteri (Hrsg.): Der neue Schweizerische Republikaner. Band 4. Bern 1801, S. 561, 718 f. (Digitalisat); Rufer (1938), S. 98 f.</ref>
Eine erhaltene Rede von Salis bezieht sich wohl auf den ersten Entwurf der Kommission. Als Unitarier vermisste er darin folgende Bestimmungen:
- «Es giebt nur ein Helvetisches Staatsbürgerrecht, und keine politischen Kantonsbürgerrechte.»
- «Die Souverainität steht bey der Gesammtheit des helvetischen Volcks […]»
Andererseits forderte Salis, man solle nicht «die «Hirtenvölker und den Landbebauer zu Gunsten fabrizierender Städte bedrücken», indem diese die (dort reichlicher fliessenden) indirekten Steuern von den direkten abziehen dürften.<ref>Guido von Salis-Seewis (Hrsg.): Eine Rede des Dichters Joh. Gaudenz v. Salis-Seewis im helvetischen gesetzgebenden Rat [sic] Anno 1801. In: Bündner Monatsblatt. 1940, S. 44–48 (Digitalisat).</ref>
Am 25. Oktober wurde Salis zum Vertreter Bündens in dem von der Verfassung von Malmaison vorgesehenen Senat gewählt.<ref>Actensammlung, 7. Band (1899), S. 623 (Digitalisat). Der Senat bestand aus 23 Räten, unter ihnen maximal drei aus einem Kanton.</ref> Dieser trat aber nicht mehr zusammen, weil die Föderalisten am 27./28. mit Rückendeckung Frankreichs einen dritten Staatsstreich durchführten. Salis gehörte zu den elf Mitgliedern der Gesetzgebenden Rates und zur grossen Mehrheit der Repräsentanten, die öffentlich gegen die Auflösung der bisherigen Behörden protestierten.<ref>Paul Usteri (Hrsg.): Der neue Schweizerische Republikaner. Band 4. Bern 1801, S. 746, 763, 769 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 100.</ref>
Im Januar 1802 wählte Malans Salis zum Distriktsrichter und Friedensrichter. In der Zwischenzeit hatte Bonaparte die Föderalisten angewiesen, den Unitariern eine Minderheitsbeteiligung an der Regierung zu gewähren. Ursina hörte, ihr Gatte könnte Kriegsminister werden. Die Wahl fiel dann aber auf Escher (posthum von der Linth), wie Kuhn, Rengger und Usteri einer der führenden Republikaner.
Salis erhielt dafür ein ehrenvolles ziviles Amt: Der Oberste Gerichtshof der Helvetischen Republik berief ihn im Februar zu seinem Bündner Mitglied, wobei ihm auch hier der erwähnte Enderlin den Vortritt liess. In eine neue Bündner Tagsatzung und einen von den Föderalisten beherrschten helvetischen Verfassungsrat hingegen wurde am 25. März bzw. 17. April der konservative Vater von Salis gewählt. Letztgenannte Wahl nahm der 61-Jährige allerdings krankheitshalber nicht an.<ref>Actensammlung, 7. Band (1899), S. 1119, 1241, 1269 (Digitalisat).</ref>
Im Mai übersiedelte Salis nach Bern. Nachdem der Oberste Gerichtshof sich am 31. August in eine Revisions- und eine Kassationssektion aufgeteilt hatte, gehörte er der ersteren an.<ref>Actensammlung, 8. Band (1902), S. 855 (Digitalisat).</ref> Im selben Monat sah Salis in Bern Matthisson wieder.<ref>Frey (1889), S. 187–190 (Digitalisat); Rufer (1938), S. 100–102.</ref> Die Korrespondenz mit ihm löst für die nachfolgende Zeit jene mit Bansi als Hauptquelle für seine Biografie ab.<ref>Frey (1884), S. 216 (Digitalisat).</ref>
Vom August bis zum Oktober fand die verharmlosend Stecklikrieg genannte Konterrevolution statt, die Bonaparte nach der Devise Teile und herrsche durch den Abzug der französischen Truppen unterstützte. Geführt wurden die (nicht nur mit Stöcken bewaffneten) Aufständischen vom selben Bachmann wie seinerzeit das Regiment Salis-Samaden.<ref>Sein Andenken pflegt die General-Bachmann-Gesellschaft im Kanton Glarus.</ref> Als die helvetische Regierung Bern verlassen musste, zog der Dichter sich mit der Familie für einige Wochen nach Saint-Blaise im neutralen preussischen Fürstentum Neuenburg zurück, wo Ursina ihre Ausbildung erhalten hatte. Dann kehrten die Franzosen zurück und beendeten den Bruderkampf zwischen Schweizern.<ref>Rufer (1889), S. 190–193 (Digitalisat). An die anschliessende Helvetische Consulta in Paris entsandte Bünden einen gemässigten Anhänger und einen gemässigten Gegner der Patrioten (Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg und Florian von Planta).</ref>
Kanton Graubünden (1803–1834)
Als Bonaparte im März 1803 die Helvetische Republik auflöste (Mediation), kehrte Salis in den nunmehrigen Kanton Graubünden zurück. Dort wurde er in eine Vielzahl meist unbezahlter Ämter gewählt, «obschon im Allgemeinen ihm die oft trockenen Geschäfte obrigkeitlicher Amtsverwaltung wenig zusagen mochten».<ref>Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f. (Nachdruck des Nachrufs der Bündner Zeitung).</ref>
1803–1809 und 1821–1824 gehörte er dem Oberappellationsgericht an, 1805–1809 und 1812–1814 dem Grossen Rat. 1806/07, 1813–1816 und 1819/20 war er Mitglied der neunköpfigen Standeskommission, 1807/08 und 1814/1815 Bundsstatthalter, 1808/09 und 1818/19 Bundslandammann des Zehngerichtenbunds und als solcher progressives Mitglied des dreiköpfigen Kleinen Rates (Regierungsrat).<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. 4. Band. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 367.</ref>
Als Napoleons Siegeszug zu Ende ging,<ref>Alexander Pfister: Ils grischuns sut Napoleon Bonaparte. Principalmein nos romontschs en ils quater regiments svizzers. In: Annalas della Società Retoromantscha (Coira). 38/1924, S. 57–90 (Digitalisat).</ref> scheiterte im Januar 1814 ein Putsch von Bündner Reaktionären. Salis gehörte darauf der fortschrittlichen Mehrheit der neunköpfigen Kommission an, die eine neue Kantonsverfassung erarbeitete, und der dreiköpfigen Delegation, die den Entwurf den Grossmächten unterbreitete. Dann war er Mitglied einer dreiköpfigen Kommission, die vorschlug, den Hauptteil des Veltlins zum Schweizer Kanton, die Grafschaften Chiavenna und Bormio aber wieder bündnerisch zu machen. Indem sie dies noch mit Entschädigungsforderungen verband, machte sie sich neben dem mit Salis befreundeten<ref>Frey (1889), S. 186 f. (Digitalisat).</ref> Landammann der Schweiz, Hans von Reinhard, mitschuldig am endgültigen Verlust des Tales.<ref>Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 209, 216, 234 ff.</ref>
Ab 1814 war Salis als Oberst Präsident der kantonalen Militärkommission, der er ab 1805 bis zum Tod angehörte, ab 1819 auch eidgenössischer Oberst und 1822 Mitglied der eidgenössischen Militäraufsichtsbehörde – angesichts der anarchischen Zustände im damaligen Graubünden wenig dankbare Ämter.<ref>Friedrich Pieth: Aus der Geschichte des bündnerischen Milizwesens. In: Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft Graubündens. 64/1934, S. 97–176, hier S. 111 ff. (Digitalisat); Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 320–325.</ref>
1820–1830 sass er im Kleinen Rat der Stadt Chur, ab 1822 alternierend als amtierender und ruhender Stadtvogt.<ref>Vorsitzender des Kriminal- und Polizeigerichts.</ref> 1811 wurde er Ehrenmitglied der Schweizerischen Musikgesellschaft. 1817 zählte er zu den Gründern der Churer Freimaurerloge Libertas et Concordia.<ref>Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 328.</ref>
Parteifreunde warfen dem früheren Demokraten «eine seit 1800 beginnende, allmählich doch sehr merkbare Schwenkung nach rechts» vor. In politischen Angelegenheiten nahm er auch nicht viel Rücksicht auf die Ansichten seiner Gattin. Dieser fiel nun mehr und mehr die Hauptsorge für die Ökonomie zu. In der Folge war sie «einem oft wiederkehrenden und nicht selten bis zur Bewusstlosigkeit sich steigernden Kopfweh unterworfen», das «quälende Zustände und Verstimmungen» verursachte.<ref>Frey (1889), S. 202, 234 f. (Digitalisat).</ref>
1825 erhielt Salis einen letzten Besuch des inzwischen nobilitierten Matthisson.<ref>Schriften von Friedrich von Matthisson. 7. Band. Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1829 (Digitalisat), S. 307–319.</ref> Dieser widmete damals Bonstetten und ihm die Ausgabe letzter Hand seiner Gedichte, «deren besserer Theil niemals entstanden wäre, wenn unsere Seelen sich nicht gefunden und erkannt hätten».<ref>Schriften von Friedrich von Matthisson. 1. Band. Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1825 (Digitalisat), S. VII f. Salis gewidmete Gedichte: S. 73 f., 86 f., 108–111.</ref> Roeder sah, «wie die beiden Greise als ein edles Zwillingspaar traulich auf Spaziergängen bald auf der Landstraße in der Ebene des Rheintals bei Chur, bald auf einem rauhen Bergwege zusammenwandelten […] Matthisson war schmächtig und trug das Aussehen eines Hofmannes in seiner äußern Haltung; v. Salis erschien kräftiger und in militärischem Ausdruck, der durch seine hohe Adlernase und festen Schritt sich deutlich unterschied.»<ref>Georg Wilhelm Roeder: Der Dichter Joh. Gaudenz v. Salis-Seewis. Ein Lebensbild als Festgabe am Seculartage seiner Geburt. Huber u. Campagnie (F. Fehr), St. Gallen 1863, S. 36 (Digitalisat).</ref>
Die Staatsämter liessen Salis laut Matthisson «für Ausflüge auf dem Pegasus oder für Spatziergänge in den Hainen der Minerva fast keine Sekunde übrig».<ref>Schriften von Friedrich von Matthisson. 7. Band. Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1829 (Digitalisat), S. 308.</ref> Aber obwohl er 1806 das Gedicht Abschied von der Harfe veröffentlicht hatte,<ref>Johann Georg Jacobi (Hrsg.): Iris. Ein Taschenbuch. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1806, S. 275 f. (Digitalisat); Vertonung von Schubert: Deutsch-Verzeichnis 406; Salis (1848), S. 148 f. (Digitalisat).</ref> ging er nicht vergessen. Dafür sorgten allein schon die 14 seiner Gedichte, die Schubert 1816/17 (zum Teil mehrfach) vertonte.<ref>Catalog of Works by Franz Schubert. (Digitalisat); Rémy Charbon: Salis-Seewis, Johann Gaudenz Gubert Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> Die Neue Zürcher-Zeitung bezeichnete ihn 1822 als ersten, «unter den Jetztlebenden auch wohl einzig klassisch zu nennenden» Dichter der Schweiz.<ref>Neue Zürcher-Zeitung. 7. Januar 1822 (Digitalisat), Beilage, S. 1.</ref> Und noch zwei Jahrzehnte lang stammte über ein Prozent der Tagesmottos im Morgenblatt für gebildete Stände (Tübingen) von ihm.<ref>71 von rund 6000. Morgenblatt für gebildete Stände. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Tübingen 1807, S. 209, 593, 609 (Digitalisat), 641, 985 (Digitalisat); 1808, S. 81, 85, 105, 145, 205 (Digitalisat), 477, 729 (Digitalisat), 893, 1069 (Digitalisat); 1809, S. 389, 605 (Digitalisat); 1810, S. 5, 213, 461 (Digitalisat), 905, 917, 957, 1049, 1073 (Digitalisat); 1811, S. 25, 85, 113, 197, 317, 337, 401, 505, 517 (Digitalisat), 757, 817, 877 (Digitalisat); 1812, S. 241 (Digitalisat), 1061 (Digitalisat); 1813, S. 205, 473 (Digitalisat), 789, 945 (Digitalisat); 1814, S. 233, 433, 485, 529, 557 (Digitalisat); 1815, S. 321 (Digitalisat), 781, 1177 (Digitalisat); 1816, S. 17, 69, 401, 485, 561, 569 (Digitalisat), 733, 785, 837, 1065 (Digitalisat); 1817, S. 721 (Digitalisat); 1818, S. 725, 857, 1169, 1237 (Digitalisat); 1819, S. 213, 477 (Digitalisat); 1820, S. 545 (Digitalisat); 1822, S. 221 (Digitalisat), 853 (Digitalisat); 1826, S. 49 (Digitalisat), 857 (Digitalisat).</ref>
Nachleben
Die letzte Lebensphase verbrachte Salis zurückgezogen in Malans.<ref>Andreas Fankhauser: Johann Gaudenz von Salis (Seewis). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Januar 2012.</ref> 1834 starb er mit 71 Jahren im Brückerschen Haus «an einem chronischen Leberleiden und an Schwäche in den Verdauungsorganen». Dies geht aus dem Nachruf der Bündner Zeitung hervor, der von der Neuen Zürcher-Zeitung und der Allgemeinen Zeitung (Augsburg) nachgedruckt wurde. Einleitend heisst es darin:
«Der Name des Dichters Johann Gaudenz von Salis-Seewis hat europäischen Ruf, und soweit die deutsche Muse ihre Priester und Verehrer gefunden, glänzt v. Salis unter den gefeierten Namen. Am südlichen Marksteine deutscher Sprache und Dichtung geboren, war er als Dichter eine seltene Erscheinung in den bündnerischen Thälern, und vielleicht dankbarer, als die engere Heimath, spricht das gesamte Deutschland, wenn es die Reihe seiner Zierden überblickt, mit edlem Stolze: "Der Mann gehört uns an!"»<ref>Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f.; Außerordentliche Beilage zur Allgemeinen Zeitung. Augsburg, 15. Februar 1834, S. 254 f. (Digitalisat).</ref>
Dass Salis, «gewesener Bundslandaman, eidgenössischer u. Kantonsoberst», «fest vertrauend in Christum» gestorben sei, betont die Gedenktafel an der Seewiser Kirchenmauer durch nachstehendes Zitat aus seinem Morgenpsalm:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Im Morgenroth, das naher Gletscher Reih’n Und ferner Meere Grenzkreis glorreich hellt, Verdämmert seines Thrones Wiederschein, Der mild auf Menschen, hell auf Gräber fällt. Er leuchtet Huld auf redliches Vertrau’n Und Licht der Ewigkeit durch Todesgraun. […]»<ref>Erstdruck: Johann Heinrich Voss (Hrsg.): Musen Almanach. C. E. Bohn, Hamburg 1797, S. 108 f. (Digitalisat); Salis (1848), S. 101 f. (Digitalisat); Martin Schmid: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762–1834). In: Bündner Jahrbuch. 5/1963, S. 1–15 (Digitalisat), hier S. 13.</ref> </poem>
Die Witwe, welche sich schon vorher zeitweise völlig apathisch und erschöpft gefühlt hatte, folgte dem Gatten 1835 mit 63 Jahren nach.<ref>Frey (1889), S. 236–238 (Digitalisat).</ref> Das Ehepaar hinterliess vier Kinder:
- Johann Ulrich Gaudenz (1794–1844), ∞ Barbara von Cleric (1801–1862), 1826/27 und 1828/29 radikaldemokratischer Regierungsrat,<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. Band 4. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 367.</ref> wohnhaft im Brückerschen Haus, Malans
- Margaretha Jakobea, genannt Meta (1797–1865),<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. Band 4. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 367.</ref> ∞ ihren Cousin Johann Ulrich von Salis-Soglio (1790–1874), 1847 General des Sonderbunds, wohnhaft in Chur
- Johann Jakob (1800–1881),<ref>Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. Band 4. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-04-9, S. 367.</ref> ∞ Anna Barbara von Jenatsch (1800–1856), wohnhaft auf Schloss Bothmar, Malans
- Ursina, genannt Sina (1803–1871), ∞ Oberst Anton Michel (1800–1857), wohnhaft in Chur und Seewis
Der Enkel Johann Gaudenz Dietegen von Salis-Seewis (1825–1886) nahm 1848 an der Deutschen Revolution teil und wurde radikaldemokratischer Regierungsrat, Ständerat und Nationalrat. Seine Schwester Anna Barbara (1829–1916) war mit dem liberalen Nationalrat und ersten Bündner Bundesrat Simeon Bavier (1825–1896) verheiratet, die Urenkelin Katharina Bavier (1851–1875) mit dem späteren Generalstabschef Theophil Sprecher von Bernegg (1850–1927).
1862 fanden in Seewis und Chur Feiern zum 100. Geburtstag von Salis statt. Dabei vermied man es, an die Kämpfe zwischen Patrioten und Aristokraten, Anhängern der Schweiz und Österreichs zu erinnern. In Seewis sang man Die Kinderzeit.<ref>Salis (1848), S. 46–48 (Digitalisat).</ref> Der Pfarrer bemerkte immerhin, es mache «einen bemühenden Eindruck», dass dem Grab des Dichters «bis anhin jegliches äußere Erinnerungszeichen fehle». In der Kantonshauptstadt zitierten Redner neben dem obligaten Grab auch An die Unterdrückten.
Vier Jahre später wurde im Churer Stadtgarten das von liberalen Adligen<ref>Dem Komitee gehörten an: Jakob Martin Raschèr, Adolf von Salis-Soglio, Johann Andreas von Sprecher, Peter Conradin von Planta, Johann Baptista von Tscharner und Fortunat Ambrosius von Sprecher.</ref> initiierte 5 m hohe Salis-Denkmal von Ludwig Keiser enthüllt.<ref>Das Salis-Denkmal für Chur. In: Illustrirte Zeitung (Leipzig). 21. April 1866, S. 264 f. (Digitalisat); Friedrich Pieth: Denkmal des Dichters J. G. von Salis auf dem alten Friedhof in Chur […]. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1938, S. 353–364 (Digitalisat); Ursula Jecklin (Red.): Churer Stadtgeschichte. Band 2, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 1993, ISBN 3-905241-33-1, S. 316 f.</ref> Es zeigt auf einem Säulenschaft eine wenig ähnliche Büste des Geehrten.<ref>Nach dem Titelkupfer von Gedichte. Neue Auflage. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1808 (Digitalisat). Salis schrieb seinem Verleger Füssli darüber: «Mein Bild von [Christian Gottlob] RICHTER und [Johann Heinrich] LIPS soll, sagt man, verzeichnet, aber gut gestochen seyn […].» Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern etc. 1976, S. 56.</ref> Den Sockel schmücken Reliefs mit Personifikationen der Lyrik (Euterpe), der Erinnerung (Mnemosyne, Mutter der Musen) und der Kriegskunst (Minerva). Auf der vierten Seite steht der Schluss des Jugendwerks von Salis An mein Vaterland, der so unverfänglich ist, dass er sogar zu antihelvetischer Propaganda verwendet worden war:<ref>Jakob Schweizer (Hrsg.): Neues helvetisches Volksblatt […] (Winterthur). 1. Heft, 1800, S. 224 (Digitalisat); Margrit Irniger: Johann Jakob Schweizer. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. November 2011.</ref>
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Heil dir und dauernde Freiheit, du Land der Einfalt und Treue!
Deiner Befreier Geist ruh’ auf dir, glückliches Volk!
Bleib’ durch Genügsamkeit reich und groß durch Strenge der Sitten;
Rauh sei, wie Gletscher, dein Muth; kalt, wenn Gefahr dich umblitzt!
Fest, wie Felsengebirge, und stark, wie der donnernde Rheinsturz;
Würdig deiner Natur, würdig der Väter, und frei!»<ref>Salis (1848), S. 6–8 (Digitalisat); Erstfassung: Schweitzersches Museum. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1786, S. 84–86 (Digitalisat).</ref>
</poem>
Bei der Einweihung des Werks erklang das Lied eines Landmanns in der Fremde («Traute Heimath meiner Lieben […]»).<ref>Salis (1848), S. 30–32 (Digitalisat).</ref> Pieth bezeichnete es als «eigentümliche Fügung», dass die Festrede «durch den Trommelwirbel eines vorüberziehenden, bei einem drohenden europäischen Kriege<ref>Preussisch-Österreichischer Krieg.</ref> zum Schutze der Grenzen bestimmten Bataillons aus Zürich gestört wurde».<ref>Friedrich Pieth: Denkmal des Dichters J. G. von Salis auf dem alten Friedhof in Chur […]. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1938, S. 353–364, hier S. 359 (Digitalisat).</ref>
Um Salis zu huldigen, imaginierte der Lyriker und Revolutionär Ferdinand Freiligrath 1872 einen an der Strecke Sargans–Chur<ref>Damals von den Vereinigten Schweizerbahnen betrieben.</ref> gelegenen Bahnhof:
<poem style="margin-left:2em;"> «[…] Station Malans!<ref>Eine solche existiert erst seit 1890 an der Linie Landquart–Davos der Rhätischen Bahn.</ref> Kein Halten! Vorbei! Ich hebe den Hut; Ich neige mein Haupt dem Alten, Dem Sänger lieb und gut. […]»<ref>Gedicht In Graubünden, zitiert von: Hans Peter Gansner: Zwei Lyriker-Schicksale. Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Ferdinand Freiligrath. In: Bündner Jahrbuch. 30/1988, S. 49–54, hier S. 53 f. (Digitalisat).</ref> </poem>
Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb Emil Jenal, ein Schüler des österreichischen Germanisten Josef Nadler,<ref>P. Bonaventura Thommen: Kantonsschulprofessor Dr. Emil Jenal, Zug. In: Sarner Kollegi-Chronik. 15. Jahrgang, Heft 4/1953 (Digitalisat), S. 118–121.</ref> Salis «völkische Wesenszüge» zu.<ref>Emil Jenal: Johann Gaudenz v. Salis-Seewis und die eidgenössische Wiedergeburt. F. Schuler, Chur 1924, Geleitwort.</ref> Dies inspirierte Heinrich Eugen Wechlin,<ref>Walter Wolf: Heinrich Eugen Wechlin. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 4. März 2016.</ref> den «größten Lyriker der eidgenössischen Wiedergeburt»<ref>W. (Heinrich Eugen Wechlin) (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis. (Schriftenreihe grosser Schweizerdichter. Folge 2, Heft 4.) Verlag Volk und Schrifttum, Zürich 1941, S. 3.</ref> für die Frontenbewegung zu vereinnahmen. Er behauptete: «[…] nicht aus der französischen Aufklärungsphilosophie und staatlichen Umwälzung schöpfte Salis sein Freiheitsideal, sondern aus dem bündnerischen und bergalemannischen Volkstum […].»<ref>Emil Jenal: Johann Gaudenz v. Salis-Seewis und die eidgenössische Wiedergeburt. F. Schuler, Chur 1924, S. 51; abgeschrieben von W. (Heinrich Eugen Wechlin) (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis. (Schriftenreihe grosser Schweizerdichter. Folge 2, Heft 4.) Verlag Volk und Schrifttum, Zürich 1941, S. 11.</ref>
Demgegenüber mutmasste der Linksfreisinnige Rufer 1938 im Zuge der Geistigen Landesverteidigung: «[…] lebte Johann Gaudenz Salis-Seewis unter uns, er stände in der vordersten Reihe der Kämpfer für Freiheit, Recht und Demokratie, Vernunft, Menschlichkeit und Kultur, gegen die Entwürdigung, Versklavung und Entrechtung der Individuen und Völker.»<ref>Rufer (1938), S. 19.</ref>
Ein Gedenkstein, der Salis zu seinem 200. Geburtstag in Seewis gesetzt wurde, trägt die Inschrift «Sänger der Heimat, Diener des Volkes».
Galerie
-
Malans in der Herrschaft Maienfeld, Elias Emanuel Schaffner (um 1830)
-
Schloss Bothmar, Malans, wo Salis 1762 geboren wurde
-
Hauptmann des Regiments Salis-Samaden, anonym (1786)
-
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, Lebarbier (etwa 1789)
-
Montbenon, Lausanne, wo Salis Matthisson traf, Johann Heinrich Bleuler d. J. (1824)
-
Haus zum grünen Turm,<ref>Der Turm trug bis 1908 eine von Grünspan überzogene Zwiebelhaube.</ref> Malans, das Salis von der Mutter erbte
-
Pro patria et liliis, Fahne des Regiments Salis-Samaden 1782–1791
-
Tuileriensturm, Jacques Bertaux (1793)
-
Brand der Grubenmann-Brücke bei Schaffhausen 1799, anonym
Werke
Die Gedichtsammlungen Salis (1848) und Frey (1884) sind in den Fussnoten abgekürzt. Von einer geplanten kritischen Ausgabe der Werke und Briefe in drei Bänden erschien infolge des Todes des Herausgebers nur eine Auswahl aus dem Briefband.<ref>Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern 1976, S. 95; Peter Risch: Zum Andenken an Prof. Felix Humm. In: Bündner Zeitung (Chur). 15. November 1978.</ref> Namentlich die Tagebücher von Salis<ref>Frey (1889), v. a. S. 241–262 (Digitalisat); Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368, hier S. 334 (Digitalisat); Erni (1995) (Digitalisat), S. 181–183.</ref> und seine Korrespondenz mit Bansi<ref>Frey (1884), S. 213 ff. (Digitalisat); Frey (1889), passim; Johann Martin Trepp: Heinrich Bansi, In: Jahresbericht der Historisch-antiquarischen Gesellschaft von Graubünden. 37/1907, S. 100–267, hier S. 117 ff. (Digitalisat).</ref> warten weiterhin auf eine Publikation.
Gedichte in Almanachen etc.
- Johannes Bürkli (Hrsg.): Schweizerische Blumenlese. 3. Theil. Joh. Caspar Füeßli, Zürich 1783, S. 114–116, 137 f., 215 f. (Digitalisat).
- Schweitzersches Museum. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1784, S. 479 f. (Digitalisat); 1785, S. 669 f., 958 f., 1150–1152 (Digitalisat); 1786, S. 84–86, 191 f. (Digitalisat); 1789, S. 719 f., 876 f. (Digitalisat).
- Poetische Blumenlese. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1785, S. 161–165, 173–175 (Digitalisat); 1786, S. 61–63, 105 f., 125 f., 168, 171 (Digitalisat); 1787 (Digitalisat), S. 8–12, 61–68, 100, 201–204; 1788 (Digitalisat), S. 17–19, 31, 33, 63, 118 f., 184 f.
- Joseph Lüthy (Hrsg.): Schweitzerischer Musenalmanach. Johann Schweighauser, Basel 1785, S. 18, 29 f., 79 f., 91 f. (Digitalisat).
- Deutsches Museum. Leipzig 1786, S. 481–483 (Digitalisat); 1787, S. 48 f., 369 f. (Digitalisat); 1788, S. 205 f., 450–452 (Digitalisat).
- Johann Heinrich Voss, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (Hrsg.): Musen Almanach. C. E. Bohn, Hamburg 1786, S. 34–36, 127 (Digitalisat); 1787, S. 10–12, 17, 92–94, 177–179 (Digitalisat); 1788, S. 81–83, 201–203, 211–213 (Digitalisat).
- Hans Heinrich Füssli (Hrsg.): Allgemeine Blumenlese der Deutschen. 6. Theil. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1788, S. 196, 215, 221, 260 f. (Digitalisat).
- Johann Heinrich Voss (Hrsg.): Musen Almanach. C. E. Bohn, Hamburg 1789, S. 133–135, 144, 151 f., 179–181, 198 f. (Digitalisat); 1790, S. 49–51, 119 f. (Digitalisat); 1791, S. 28 f., 135–137, 175–178 (Digitalisat); 1792, S. 18–20, 96–99, 131–133 (Digitalisat); 1793, S. 70–73 (Digitalisat); 1796 (Digitalisat), S. 154 f.; 1797, S. 38–40, 108 f., 134–136, 209 f. (Digitalisat); 1798, S. 105–109, 128 (Digitalisat).
- Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Neue Teutsche Merkur. Weimar 1793, 2. Band, S. 56–60 (Digitalisat).
- Christian Ulrich Detlev von Eggers (Hrsg.): Deutsches Magazin. 8. Band, 1794, nach S. 112 (Digitalisat).
- Neues Schweitzerisches Museum. Orell, Geßner, Füßli und Comp., Zürich 1795, S. 314 (Digitalisat).
- Johannes Bürkli (Hrsg.): Neue schweizerische Blumenlese. 1. Theil. Huber und Compagnie, St. Gallen 1798, S. 41 f., 72–75, 175 f., 233 f., 264 f., 270–274, 297, 305, 315, 333, 338 (Digitalisat).
- Denkmal der kindlichen Ehrfurcht und Liebe, Herrn Ulysses von Salis Marschlins, dem ältern, errichtet von Seinen verwaisten Töchtern, U. P. A. v. S. M. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1801, S. 43 f. (Digitalisat).
- Johann Heinrich Voss: Musenalmanach. Der lezte. Ferdinand Albanus, Neustrelitz 1800, S. 77–80, 115 f., 143 f. (Digitalisat).
- Johann Georg Jacobi (Hrsg.): Iris. Ein Taschenbuch. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1803, S. 252–258 (Digitalisat); 1804, S. 277–279 (Digitalisat); 1805, S. 338 f. (Digitalisat); 1806, S. 275 f. (Digitalisat); 1808, S. 183–187 (Digitalisat).
- Der ewige Musenalmanach junger Germanen. 2. Auflage, Gerhard Fleischer der Jüngere, Leipzig (1808, 1. Auflage 1806), S. 479–484 (Digitalisat).
- Morgenblatt für gebildete Stände. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Tübingen 1815, S. 785 (Digitalisat).
- Friedrich Haug (Hrsg.): Almanach poetischer Spiele. Friedrich Wilmans, Frankfurt am Mayn 1816, S. 125 (Digitalisat).
- Gottlieb Jakob Kuhn et al. (Hrsg.): Alpenrosen, ein Schweizer Almanach. J. J. Burgdorfer, Bern/L. G. Schmid, Leipzig, 1817 (Digitalisat), S. 305 f.; 1818, S. 228–230, 314–318 (Digitalisat); 1819 (Digitalisat), S. 315 f.; 1826 (Digitalisat), S. 275–277; 1828 (Digitalisat), S. 270 f., 345 f.; 1830 (Digitalisat), S. 360.
- Amadeus Wendt (Hrsg.): Musenalmanach. Weidmannsche Buchhandlung, Leipzig 1831, S. 190 f. (Digitalisat).
Gedichte von J. G. von Salis (Orell Füssli)
- Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, 1793 (Digitalisat).
- Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Zweite Auflage. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, 1794 (Digitalisat).
- Dritte vermehrte Auflage. Orell, Gessner, Füssli & Comp., 1797 (Digitalisat).
- Vierte vermehrte Auflage. Orell, Füßli und Compagnie, 1800 (Digitalisat), S. III–VII (Vorrede zur vierten Auflage); 1803; 1806; 1807.
- Neue Auflage. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, 1808 (Digitalisat).
- Neueste Auflage. Orell, Füßli & Co., 1816.
- Neue Auflage. Orell, Füßli und Compagnie, 1821 (Digitalisat).
- Neueste vermehrte Auflage. Orell, Füßli und Compagnie, 1823 (Digitalisat); 1830; 1835 (Digitalisat); 1839 (Digitalisat).
- Ausgabe letzter Hand. Orell, Füßli und Comp., 1843; 1848, S. 1–38 (64 Gedichte), 164–172 (Anmerkungen) (Digitalisat), zitiert als Salis (1848); 1860; 1869 (Digitalisat), S. V–XIV (Des Dichters Leben und Wirken).
- 4. Auflage. Orell, Füssli und Comp., Zürich 1880.
Andere Ausgaben (ohne Partituren)
- Gedichte. Dritte vermehrte Auflage. (Sammlung der besten prosaischen Schriftsteller und Dichter, 181. Theil.) Christian Gottlieb Schmieder, Carlsruhe 1799 (Digitalisat).
- Gedichte. (Sammlung der Lieblingsdichter Deutschlands, 1. Bändchen.) Simonis und Rommerskirchen, Köln 1800 (Digitalisat).
- Gedichte. Samt den zwey Gedichten das verlassene Dörfchen und der Reisende. v. S. G. Bürde. Franz Haas, Wien und Prag 1804 (Digitalisat).
- Friedrich Matthisson (Hrsg.): Lyrische Anthologie. 15. Theil, Zürich 1806, S. 3–80 (Digitalisat).
- Gedichte. Neue Auflage. August Friderich Macklot, Stuttgart 1811; 1821.
- Gedichte. Neue Auflage. W. Spitz, Köln 1811; 1815.
- Gedichte. Neueste Auflage. B[ernhard] Ph[ilipp] Bauer, Wien 1815 (Digitalisat); 1817.
- Anthologie der Gedichte von Matthisson und Salis. (Miniatur-Bibliothek der deutschen Classiker 50.) Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1829.
- Ausgewählte Gedichte von Matthisson und Salis. (Miniatur-Bibliothek der Deutschen Classiker.) Bibliographisches Institut, Hildburghausen und New-York 1829 (Digitalisat).
- Sämmtliche Gedichte. (Magazin der besten deutschen Klassiker 1.) Wilhelm August Joseph Roßnagel, Dillingen 1830.
- Gedichte. Fleischhauer und Spohn, Reutlingen 1834 (Digitalisat).
- Matthisson’s und Salis Gedichte. (Neue Miniatur-Bibliothek der deutschen Classiker 102.) Bibliogr. Inst., Hildburghausen 1841.
- Gedichte von Matthisson und Salis. (National-Bibliothek der deutschen Classiker 8.) Bibliographisches Institut, Hildburghausen etc. ohne Jahr (1850).
- Matthisson und Salis. (Meyer’s Groschen-Bibliothek der Deutschen Classiker. 1. Bändchen.) Bibliographisches Institut, Hildburghausen/Herrmann J. Meyer, New-York ohne Jahr (ca. 1850) (Digitalisat), S. 95–126.
- Gedichte. (Universal-Bibliothek 368.) (Ph. Reclam jun.), Leipzig ohne Jahr.
- Adolf Frey (Hrsg.): Haller und Salis-Seewis. Auswahl. (Joseph Kürschner (Hrsg.): Deutsche National-Litteratur […]. 41/2.) W. Spemann, Berlin und Stuttgart o. J. (1884), S. 203–250 (Einleitung), 251–333 (63 Gedichte der Ausgabe letzter Hand<ref>Geringe Veränderungen. Ohne Am dreißigsten Jahrestage nach dem Tode meiner Mutter.</ref>), 334–358 (Anhang: 31 weitere Gedichte<ref>Laut Friedmann (1917), S. 14, «vom Dichter und Herausgeber ihrer Minderwertigkeit wegen verworfen».</ref>), 362–364 (Wortregister), 365 f. (Register der Gedichtanfänge) (Digitalisat), zitiert als Frey (1884).
- Gedichte. (Bibliothek der Gesamtliteratur des In- und Auslandes 1562.) Otto Hendel, Halle a. d. S. (1902).
- Entwurf einer Kriegsverfassung für Bünden. August 1794. In: Alfred Rufer (Hrsg.): Der Freistaat der III Bünde und die Frage des Veltlins. Korrespondenzen und Aktenstücke aus den Jahren 1796 und 1797. 1. Band, Basler Buch- und Antiquariatshandlung, Basel 1916, S. 147–155.
- Eduard Korrodi (Hrsg.): J. G. Salis. Gedichte. (Die kleine Bibliothek 7.) Münster-Presse, Horgen-Zürich, Leipzig 1924.
- Eduard Korrodi (Hrsg.): J. Gaudenz von Salis-Seewis. Fretz & Wasmuth, Zürich 1937, S. 5–33 (Einleitung), 35–186 (Gedichte).
- Guido von Salis-Seewis (Hrsg.): Eine Rede des Dichters Joh. Gaudenz v. Salis-Seewis im helvetischen gesetzgebenden Rat [sic] Anno 1801. In: Bündner Monatsblatt. 1940, S. 44–48 (Digitalisat).
- W. (Heinrich Eugen Wechlin) (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis. (Schriftenreihe großer Schweizerdichter. 2. Folge, 4. Heft.) Verlag Volk und Schrifttum, Zürich 1941, S. 3–14 (Einführung), 15–34 (Gedichte).
- Christian Erni (Hrsg.): Gesammelte Gedichte. Calven, Chur 1964.<ref>Neudruck der 4. Auflage von 1800.</ref>
- Felix Humm (Hrsg.): Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Johann Heinrich Füßli in ihren Briefen. Hans Huber, Bern etc. 1976, S. 7–11 (Einleitung), S. 15–17 (Zeittafel).<ref>Auswahl aus dem Briefband einer geplanten, aber nicht erschienenen kritischen Ausgabe der Werke und Briefe von Salis in drei Bänden.</ref>
- Alice de Chambrier (Übers.): Gedichte/Poésies. Elvisia (H. R. Christen), Biel/Bienne 2013.
- Gedichte. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Hrsg. v. Karl-Maria Guth. Hofenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-8430-4636-7.
Rezensionen
- Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Teutsche Merkur. Weimar 1789, 1. Vierteljahr, S. 110 f. (Digitalisat).
- Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Neue Teutsche Merkur. Weimar 1791, 1. Band, S. 218–221 (Digitalisat).
- Oberdeutsche, allgemeine Litteraturzeitung. Salzburg, 12. Juli 1793, Sp. 81–84 (Digitalisat).
- Gothaische gelehrte Zeitungen. Gotha, 5. Oktober 1796, S. 706–712, hier S. 708 f. (Digitalisat).
- Allgemeine Literatur-Zeitung. Jena/Leipzig 1794, 2. Band (Digitalisat), Sp. 523–528; 1797, 1. Band, Sp. 14 f. (Digitalisat)<ref>Rezensent: August Wilhelm Schlegel.</ref>
- Neue allgemeine deutsche Bibliothek. Anhang zum 1.–28. Bande, 2. Abtheilung. Carl Ernst Bohn, Kiel 1797, S. 144–154 (Digitalisat).
- Morgenblatt für gebildete Stände. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Tübingen 1808, S. 1167 (Digitalisat).
- Neue Zürcher-Zeitung. 7. Januar 1822 (Digitalisat), Beilage, S. 1.
Literatur
Wohl wegen des erforderlichen interdisziplinären Ansatzes (Literatur-, Kriegs-, Politikgeschichte) und der Vielzahl von Quellen existiert noch keine umfassende Biografie. Die Titel Actensammlung, Frey (1889), Friedmann (1917), Rufer (1938) und Erni (1995) sind in den Fussnoten abgekürzt.
18. Jahrhundert
- Staatsarchiv Graubünden: Archiv v. Salis-Seewis, Bücher. Schloss Bothmar, Malans. Chur 1993 (Digitalisat).
- Staatsarchiv/Amt für Kultur: Gedruckte «Landesschriften». (Digitalisat).
- Jacques de Roussel (Hrsg.): État militaire de France. Onfroy, Paris 1780, S. 140 (Digitalisat); 1781, S. 154 (Digitalisat); 1782, S. 143 (Digitalisat); 1783, S. 130 (Digitalisat); 1784, S. 139 (Digitalisat); 1785, S. 131 (Digitalisat); 1786, S. 131 (Digitalisat); 1787, S. 275 (Digitalisat); 1788, S. 246 (Digitalisat); 1789, S. 241 (Digitalisat); 1790, S. 241 (Digitalisat); 1791, S. 209 (Digitalisat); 1792, S. 186 (Digitalisat).
- (Louis-Sébastien Mercier:) Tableau de Paris. 12 Bände, 1781–1788; 1. Band: Virchaux & Compagnie, Hambourg/Samuel Fauche, Neuchâtel 1781 (Digitalisat).
- (Friedrich Schiller:) Die Räuber. Ein Schauspiel. Frankfurt und Leipzig 1781, S. 81 (Digitalisat).
- Caroline v. B** Gebohrne v. L***: Ueber das Pays de Vaud. 1783. (Von einem adelichen deutschen Frauenzimmer.) In: Schweitzerisches Museum (Zürich). 2/1784 (Digitalisat), 5. Stück, S. 396–405.
- (Caroline von Lengefeld:) Schreiben einer jungen Dame, auf ihrer Reise durch die Schweiz. In: Pomona für Teutschlands Töchter, von Sophie von La Roche (Speyer). 5. Heft, Mai 1784, S. 477–487 (Digitalisat).
- Encyclopédie méthodique. Art militaire. 1. Band. Panckoucke, Paris/Plomteux, Liège 1784, S. 351, 463 (Digitalisat).
- Mercure de France. Paris, 29. Juli 1786, S. 59–61 (Digitalisat); 26. September 1789, S. 340–346 (Digitalisat).
- (Sophie von La Roche:) Journal einer Reise durch Frankreich, von der Verfasserin von Rosaliens Briefen. Richter, Altenburg 1787, S. 97–100, 376 f. (Digitalisat).
- Friedrich Schiller: Die Götter Griechenlandes [später stark überarbeitete Erstfassung]. In: Christoph Martin Wieland (Hrsg.): Der Teutsche Merkur. Leipzig März 1788, S. 250–260 (Digitalisat).
- Goethe’s Schriften. 8. Band. Georg Joachim Göschen, Leipzig 1789, S. 117 (Digitalisat).
- Aloys Jost: Gedanken eines Bündnerischen Offiziers der französischen Schweizergarde über die Aeusserung aller derjenigen Herren Offiziere im Bündnerregiment von Salis Marschlins, welche Bürger von Chur sind. Ohne Ort, August 1790.
- Le Courrier de Paris dans les 83 départements. Paris, 7. Juli 1791, S. 102 (Digitalisat).
- Hans Jakob Holzhalb: Supplement zu dem allgemeinen helvetisch-eidsgenößischen oder schweizerischen Lexicon […]. 5. Theil. Selbstverlag, Zürich 1791, S. 284 f. (Digitalisat).
- Friedrich Matthisson’s auserlesene Gedichte. Herausgegeben von Joh. Heinr. Füssli. Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, Zürich 1791, S. III, IX f., 17 f., 20 f., 34, 94 (Digitalisat).
- Reports of the business brought before the Landtag of the three Confederacies of the Grisons, from June 15, 1791, to April 18, 1800 (Dokumentensammlung). British Library, London 2000 (Digitalisat).
- Ière Assemblée Nationale-Législative: Journal des débats et des décrets. Paris, Nr. 324/1792, S. 205 (Digitalisat).
- Gazette nationale ou le Moniteur universel. Paris, 15. August 1792, S. 957 (Digitalisat).
- Mercure universel. Paris, 15. August 1792, S. 215 f. (Digitalisat); 18. November 1792, S. 284 (Digitalisat).
- Wilhelm Coxe: Briefe über den natürlichen, bürgerlichen und politischen Zustand der Schweitz. 3. Band. Orell, Geßner, Füßlin und Comp., Zürich 1792, S. 121, 141 (Digitalisat).
- Briefe von Friedrich Matthisson. 2 Theile. Orell, Gessner, Füssli und Comp., Zürich 1795, [2. Theil], S. 58–64 (Digitalisat); verbesserte Auflage in einem Band, Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1802, S. 178, 186 f., 192, 225, 230, 393 f. (Digitalisat).
- Jean Paul: Hesperus, oder 45 Hundsposttage. Drittes Heftlein. Karl Matzdorff, Berlin 1795, S. 210 f. (Digitalisat).
- Correspondance du Général Montesquiou […] en 1792. Du Pont, Paris an IV (1796), S. 49 f. (Digitalisat).
- (Caroline von Wolzogen:) Agnes von Lilien. In: Die Horen, eine Monatsschrift, herausgegeben von Schiller. 2/1796, 10. Stück, S. 6–69 (Digitalisat); 12. Stück, S. 36–104 (Digitalisat); 3/1797, 2. Stück, S. 43–60 (Digitalisat); 5. Stück, S. 55–90 (Digitalisat), mehr nicht erschienen; 2 Theile, Johann Friedrich Unger, Berlin 1798 (1: Digitalisat, 2: Digitalisat).
- Johann Konrad Escher, Paul Usteri (Hrsg.): Der schweizerische Republikaner. 205. Stück, Luzern 1798, S. 818–820 (Digitalisat).
- Tageblatt der Gesetze und Dekrete des gesetzgebenden Raths der helvetischen Republik. 2. Heft (Luzern 1798 f.), S. 38, 164–178, 181 f., 508 f. (Digitalisat); 5. Heft (Bern 1800 f.), S. 505 f. (Digitalisat).
- Zürcher Zeitung. 21. November 1798, S. 4 (Digitalisat).
- Das helvetische Volksblatt (Luzern). Ohne Datum (1798), S. 214 (Digitalisat).
- Helen Maria Williams: A Tour in Switzerland; or, A View of the Present State of the Governments and Manners of Those Cantons […]. Band 2, G. G. and J. Robinson, London 1798, S. 36–57 (Digitalisat).
- Skizze der helvetischen Revolution. In: Helvetischer Almanach für das Jahr 1799. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich, S. 125–184 (Digitalisat).
- Allgemeine Zeitung. Stuttgart 1799, 3. April, S. 398; 5. April, S. 406 f.; 9. April, S. 423; 14. Juni, S. 712 (Digitalisat); Augsburg 1834, 15. Februar, Außerordentliche Beilage, S. 254 f. (Digitalisat).
- Bulletin officiel du Directoire Helvétique & des autorités du Canton du Léman (Lausanne). Band 7 (1799), S. 220, 283–285 (Digitalisat); Band 8 (1799), S. 146, 250 (Digitalisat).
- Johann Konrad Escher, Paul Usteri (Hrsg.): Neues Helvetisches Tagblatt. 9. Dezember 1799, S. 440 (Digitalisat).
- Pierre-Louis Rœderer: Éloge historique de Montesquiou […]. Imprimerie du Journal de Paris, an VII (1799), S. 33 ff. (Digitalisat).
- Friederike Brun geb. Münter: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz […]. Friedrich Brummer, Kopenhagen 1800, S. 48–148 (Digitalisat).
- Marcus Freuler: Kurze Geschichte des veränderten Schicksals und kriegrischer Auftritten, welche den alten Kanton Glarus vom Jahr 1798 bis 1801 [!] betraffen. Buchdruckerei Glarus 1800, S. 5 (Digitalisat).
- Leonard Meister, Wilhelm Hofmeister (Hrsg.): Helvetischer Staats-Almanach. Gruner und Geßner, Nationalbuchdrucker, Bern 1800, S. 101 (Digitalisat).
- Jakob Schweizer (Hrsg.): Neues helvetisches Volksblatt […] (Winterthur). 1. Heft, 1800, S. 224 (Digitalisat).
19. Jahrhundert
- Alphons Pfyffer (Hrsg.): Der Freyheitsfreund oder das alte helvetische Tagblatt (Bern). 2. Jahrgang, 1801 (Digitalisat). 1. Juni, S. 4; 8. August, S. 1; 26. August, S. 1; 12. September S. 3; 16. September, S. 2.
- Paul Usteri (Hrsg.): Der neue Schweizerische Republikaner. Band 4. Bern 1801, S. 463, 524, 561, 578, 746, 763, 769 (Digitalisat).
- Briefe von Friedrich Matthisson. Verbesserte Auflage. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1802, S. 178 f., 186–189, 191 f., 225, 230 f., 393–395 (Digitalisat).
- Gedichte von Matthisson. Fünfte vermehrte Auflage. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich 1802, S. 3, 56, 60, 85, 136–139, 235, 266 f., 318 f. (Digitalisat).
- Heinrich Zschokke: Historische Denkwürdigkeiten der helvetischen Staatsumwälzung. 1. Band. Steiner, Winterthur 1803, S. 255–265 (Digitalisat).
- Morgenblatt für gebildete Stände. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Tübingen 1807, S. 209, 593, 609 (Digitalisat), 641, 985 (Digitalisat); 1808, S. 81, 85, 105, 145, 205 (Digitalisat), 477, 729 (Digitalisat), 893, 1069 (Digitalisat); 1809, S. 389, 605 (Digitalisat); 1810, S. 5, 213, 461 (Digitalisat), 905, 917, 957, 1049, 1073 (Digitalisat); 1811, S. 25, 85, 113, 197, 317, 337, 401, 505, 517 (Digitalisat), 757, 817, 877 (Digitalisat); 1812, S. 241 (Digitalisat), 1061 (Digitalisat); 1813, S. 205, 473 (Digitalisat), 789, 945 (Digitalisat); 1814, S. 233, 433, 485, 529, 557 (Digitalisat); 1815, S. 321 (Digitalisat), 781, 1177 (Digitalisat); 1816, S. 17, 69, 401, 485, 561, 569 (Digitalisat), 733, 785, 837, 1065 (Digitalisat); 1817, S. 721 (Digitalisat); 1818, S. 725, 857, 1169, 1237 (Digitalisat); 1819, S. 213, 477 (Digitalisat); 1820, S. 545 (Digitalisat); 1822, S. 221 (Digitalisat), 853 (Digitalisat); 1826, S. 49 (Digitalisat), 857 (Digitalisat).
- Friedrich von Matthisson: Erinnerungen. Orell, Füssli und Compagnie, Zürich, 1. Band, 1810, S. 155–178, 225 (Digitalisat); 2. Band, 1810, S. 55–60, 99, 342 f., 355–357, 375, 395, 399, 418 (Digitalisat); 3. Band, 1812, S. 234, 304 f., 307, 313–325, 334, 357 f. (Digitalisat).
- Gottlieb Jakob Kuhn et al. (Hrsg.): Alpenrosen, ein Schweizer Almanach. J. J. Burgdorfer, Bern/L. G. Schmid, Leipzig 1815, S. 33 (Digitalisat) (Johann Rudolf Wyss: An J. G. Salis, den Dichter.); 1822 (Digitalisat), S. 177–179 (August Gebauer: An Salis. 1821.); 1824 (Digitalisat), S. 303–305 (Friedrich de La Motte Fouqué: An Salis.); 1826 (Digitalisat), S. 280 f. (B. v. R.: Das Zwilllingsgestirn.); 1828 (Digitalisat), S. 365 f. (B. v. R.: Auf einem Spaziergang an der Pleßur.); 1829 (Digitalisat), S. 196 f. (Jakob Schnerr: Gruß an Herrn J. G. v. Salis.).
- Heinrich Zschokke: Geschichte des Freystaats der drey Bünde im hohen Rhätien. 2., verbesserte Ausgabe. Orell, Füßli und Comp., Zürich 1817, S. 395 (Digitalisat).
- Friedrich von Matthisson: Schriften. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich. 1. Band, Ausgabe letzter Hand, 1825 (Digitalisat), S. VII, 73, 86, 109, 111; 7. Band, Ausgabe letzter Hand, 1829 (Digitalisat), S. 151, 257 f., 301, 307–309, 311–317.
- (Caroline von Wolzogen:) Schillers Leben, verfaßt aus Erinnerungen der Familie […]. 2. Theil, J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1830, S. 65 (Digitalisat).
- (Emanuel Friedrich von Fischer:) Zum Andenken des Freyherrn Niklaus Franz von Bachmann An-der-Letz […]. Orell, Füßli und Campagnie, Zürich 1831, S. 17–21 (Digitalisat).
- Maximilian Wilhelm Götzinger: Deutsche Dichter. 2. Theil. J. F. Hartknoch, Leipzig/Ziegler u. Söhne, Zürich 1832, S. 176–207 (Digitalisat).
- Friedrich von Matthisson: Literatischer Nachlaß nebst einer Auswahl von Briefen seiner Freunde. 2. Band. August Mylius, Berlin 1832, S. 40, 89–125 (Digitalisat).
- Heinrich Döring: Friedrich v. Matthisson’s Leben. Nach den zuverlässigsten Quellen bearbeitet. Orell, Füßli und Compagnie, Zürich 1833, S. 106 f., 112, 132–134, 137–140, 228 (Digitalisat).
- (Ludwig von Flüe:) Relation de la prise de la Bastille le 14 juillet 1789. In: Revue rétrospective ou Bibliothèque historique […]. Band 4. H. Fournier ainé, Paris 1834, S. 285–298 (Digitalisat).
- Neue Zürcher-Zeitung. 5. Februar 1834 (Digitalisat), S. 43 f. (Nachdruck des Nachrufs der Bündner Zeitung).
- Johann Ulrich von Salis-Seewis: Hinterlassene Schriften. 1. Abtheilung. S. Kellenberger’sche Buchhandlung, Chur 1834 (Digitalisat).
- Lebensgeschichte des Joh. Kaspar Pfenninger von Stäfa […]. Joh. Rudolf Wild, Zürich 1835, S. 93 (Digitalisat).
- Neuer Nekrolog der Deutschen. 12/1834, 1. Theil, Bernh. Fr. Voigt, Weimar 1836, S. 95–97 (Digitalisat).
- Johann Jakob Sulzberger: Das Treffen von Frauenfeld am 25. Mai 1799. In: Helvetische Militär-Zeitschrift (Bern). 5/1838, S. 1–5, 17–25, Tab. I f., S. 33–37 (Digitalisat).
- (Henry Wadsworth Longfellow:) Hyperion, a Romance. Samuel Colman, New York 1839 (Digitalisat), Band 2, S. 73–76.
- Heinrich Zschokke: Eine Selbstschau. 1. Theil. Heinrich Remigius Sauerländer, Aarau 1842, S. 85, 102, 117 f. (Digitalisat).
- Anton von Tillier: Geschichte der helvetischen Republik […]. 3 Bände, Chr. Fischer, Bern 1843 (1: Digitalisat; 2: Digitalisat; 3: Digitalisat).<ref>Adolf Frey: Die Helvetische Armee und ihr Generalstabschef J. G. v. Salis-Seewis im Jahre 1799. F. Schultheß, Zürich 1888, S. 5 (Digitalisat): «Tillier (Geschichte der Helvetik) weiß ein ziemlich reiches, aus archivalischen Studien gezogenes Material durchaus nicht zu verwerten.»</ref>
- (Anton Herkules Sprecher von Bernegg:) Sammlung rhätischer Geschlechter. 1. Jahrgang. G. Hitz, Chur 1847, S. 111, 178–182 (Digitalisat).
- Literarischer Nachlaß der Frau Caroline von Wolzogen. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1848 f., 1. Band, S. 28 (Digitalisat); 2. Band, S. 163, 195, 197 f., 393–403 (Digitalisat).
- Vincenz von Planta: Die letzten Wirren des Freistaates der drei Bünde. (Vom Frühling 1797 bis Frühling 1799.) Hrsg. v. Peter Conradin von Planta. Leonhard Hitz, Chur 1857, S. 43, 90 f. (Digitalisat).
- Johann Ulrich v. Salis-Seewis: Gesammelte Schriften. Hrsg. v. Conradin v. Mohr. J. Ant. Pradella, Chur 1858 (Digitalisat), S. V–VIII (Biographische Notizen).
- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Findlinge. Zur Geschichte deutscher Sprache und Dichtung. 1. Band. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1860, S. 305–307 (Digitalisat).
- Johann Caspar Mörikofer: Die Schweizerische Literatur des achtzehnten Jahrhunderts. S. Hirzel, Leipzig 1861, S. 533–536 (Digitalisat).
- Aufruf [zur Errichtung des Salis-Denkmals]. Chur, 18. Februar 1862 (Digitalisat).
- Dresdner Journal. 27. März 1862, S. 289 f. (Digitalisat).<ref>Falsches Geburtsdatum.</ref>
- Georg Wilhelm Roeder: Der Dichter Joh. Gaudenz v. Salis-Seewis. Ein Lebensbild als Festgabe am Seculartage seiner Geburt. Huber u. Campagnie (F. Fehr), St. Gallen 1863 (Digitalisat); Nachdruck: Beilage zum Programm der Bündner Kantonsschule 1962/63.<ref>Laut Frey (1884), S. 205 (Digitalisat), «fehlt es dem Verfasser an allen Erfordernissen zu einer wissenschaftlich genügenden Biographie, obwohl ihm, dem persönlichen Bekannten des Dichters […], mancherlei mündliche Mitteilungen und schriftliches Material zur Verfügung stand.»</ref>
- Das Salis-Denkmal für Chur. In: Illustrirte Zeitung (Leipzig). 21. April 1866, S. 264 f. (Digitalisat).
- Alfred Hartmann: Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit. 1. Band, Friedrich Hasler, Baden im Aargau 1868, Nr. 15 (Digitalisat).
- Édouard-Marie Oettinger (Hrsg.): Moniteur des Dates […] (Dresden). 25. Lieferung, Januar 1868, S. 9 (Digitalisat).<ref>Falsches Geburtsdatum.</ref>
- Peter Conradin von Moor: Geschichte von Currätien und der Republik «gemeiner drei Bünde» (Graubünden). 2. Band, 2. Abtheilung. Antiquariats-Buchhandlung, Chur 1874, S. 1149 (Digitalisat).
- Johann Andreas von Sprecher: Geschichte der Republik der drei Bünde (Graubünden) im achtzehnten Jahrhundert […]. 2. Band (Culturgeschichte), Selbstverlag, Chur 1875, S. 463, 479, 519, 535 f. (Digitalisat).
- Louis Susane: Histoire de l’infanterie française. Librairie militaire de J. Dumaine, Paris 1876. 2. Band, S. 163 (Digitalisat); 4. Band, S. 342 f. (Digitalisat).
- Hermann Uhde (Hrsg.): H. A. O. Reichard (1751–1828). Seine Selbstbiographie. J. G. Cotta, Stuttgart 1877, S. 175, 225–228, 247, 535 (Digitalisat).
- Wilhelm Fielitz (Bearb.): Schiller und Lotte. 1788–1805. 3. Ausgabe, J. G. Cotta, Stuttgart 1879 (Digitalisat), 1. Buch, S. 247; 2. Buch, S. 9 f., 286, 288.
- Étienne-Albert Chevalme: Historique du 64e régiment d’infanterie d’après les documents du Dépôt de la guerre. Imprimerie de L’Ouest, Nantes 1880.
- Casimir Folletête: Le régiment de l’Évêché de Bâle au service de France 1758–1792. Imprimerie catholique suisse, Fribourg 1882, S. 55 (Digitalisat).
- David Heß: Joh. Caspar Schweizer. Ein Charakterbild aus dem Zeitalter der französischen Revolution. Hrsg. v. Jakob Baechtold. Wilhelm Hertz, Berlin 1884 (Digitalisat), S. VII, XXXI–XXXIII, XXXV, 52.
- (Anton Küchler:) Louis Bastillien oder Gardehauptmann Ludwig von Flüe […]. Josef Müller, Sarnen 1886, S. 13–15 (Digitalisat).
- Johannes Strickler (Bearbeiter): Actensammlung aus der Zeit der Helvetischen Republik […]. Karl Stämpfli & Cie., Bern, 1. Band (1886), S. 630 (Digitalisat); 2. Band (1887), S. 593 (Digitalisat); 3. Band (1889), S. 163, 242, 250–256, 1401 f., 1415 ff., 1436, 1455 (Digitalisat); 4. Band (1892), S. 18, 29, 187–189, 223, 563, 568, 574, 605–607, 615 (Digitalisat); 6. Band (1897), S. 192 (Digitalisat); 7. Band (1899), S. 179, 276, 287 f., 354 f., 360, 551, 573, 623, 636, 655, 1119, 1241, 1269 (Digitalisat); 8. Band (1902), S. 566, 855 (Digitalisat); zitiert als Actensammlung.
- Jean Kaulek (Hrsg.): Papiers de Barthélemy, ambassadeur de France en Suisse, 1793–1797. Band 2. Félix Alcan, Paris 1887, S. 416, 420 (Digitalisat).
- Abel Boillot: Essais de levée et d’organisation d’une force nationale en Suisse. Novembre 1798 à mars 1800 […]. Jent & Reinert, Berne ohne Jahr (1888) (Digitalisat), S. 120, Tabellen VII, IX.
- Adolf Frey: Die Helvetische Armee und ihr Generalstabschef J. G. v. Salis-Seewis im Jahre 1799. F. Schultheß, Zürich 1888 (Digitalisat).<ref>Enthält laut Rufer (1938), S. 65/Anm. 2, einige wertvolle Dokuments aus dem Nachlass von Salis, aber auch zahlreiche Irrtümer, Fehler und Schiefheiten.</ref>
- Adolf Frey: J. Gaudenz von Salis-Seewis. J. Huber, Frauenfeld 1889 (Digitalisat), zitiert als Frey (1889).<ref>M. v. K.: Rezension in: Historische Zeitschrift (Oldenburg), 67/1891, S. 172–174 (Digitalisat). Gemäss Rufer (1938), S. 3, fehlte es dem Literaturhistoriker Frey «an einer tieferen Kenntnis der Zeitgeschichte».</ref>
- Friedrich von Wyss: Die helvetische Armee und ihr Civilkommissär Kuhn im Kriegsjahr 1799. In: Zürcher Taschenbuch. 12/1889, S. 97–146 (Digitalisat), hier S. 107 ff.
- Adolf Frey: Salis-Seewis: Johann Gaudenz von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 245–248.
- Georg von Wyss: Salis-Seewis: Joh. Ulrich Dietegen v. S.-S. In: Allgemeine Deutsche Biographie. 30. Band. Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 248 f. (Digitalisat).
- P. Gabriel Meyer: Aus alt fry Rhätia. (Die Familie von Salis.) In: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland (München). 107. Band, 1891, S. 595–604, hier S. 603 (Digitalisat).
- P. Nicolaus von Salis-Soglio: Die Familie von Salis. Gedenkblätter aus der Geschichte des ehemaligen Freistaates der drei Bünde in Hohenrhätien (Graubünden). Joh. Thom. Stettner, Lindau i. B. 1891, S. 332 f. (Digitalisat).
- Wolfgang Friedrich von Mülinen: Das französische Schweizer-Garderegiment am 10. August 1792. Gebrüder Räber, Luzern 1892 (Digitalisat).
- Heino Pfannenschmid (Hrsg.): Gottlieb Konrad Pfeffel’s Fremdenbuch […]. Selbstverlag, Colmar 1892, S. 128 f. (Digitalisat).
- Karl Goedeke, fortgef. v. Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 5. Band, 2. Abt. L. Ehlermann, Dresden 1893, S. 430 (Digitalisat).
- Adolf Stern: Beiträge zur Litteraturgeschichte des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Richard Richter, Leipzig 1893, S. 305–314 (Digitalisat).
- Wilhelm Oechsli: Usteri: Paulus S. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 399–408.
- Rudolf Weiss: Über Matthissons Gedichte mit besonderer Berücksichtigung der Sprache und des bildlichen Ausdrucks. Programm des Communalobergymnasiums in Komotau,<ref>Chomutov (Tschechien).</ref> 1895.
- Alphonse Roserot (Hrsg.): Mémoires de Madame de Chastenay 1771–1815. 1. Band. E. Plon, Nourrit et Cie., Paris 1896, S. 158–160 (Digitalisat).
- Rudolf Weiss: Über die stofflichen Beziehungen der Lyrik von Salis-Seewis zur Dichtung Höltys und Matthissons. Programm des Communalobergymnasiums in Komotau, 1897.
- Johannes Strickler: Die Helvetische Revolution 1798 mit Hervorhebung der Verfassungsfragen. Neudruck mit Verbesserungen und Beigaben. J. Huber, Frauenfeld 1898 (Digitalisat).
- Abel Boillot: La campagne de 1799 en Suisse […]. Librairie militaire, Neuchâtel 1899 (Digitalisat).
- H. E. Bühler (Recherche): Die Kämpfe in der Nordostschweiz im Frühjahr 1799 bis zum Rückzuge Massénas in die Stellung von Zürich. In: Kriegsgeschichtliche Studien herausgegeben vom eidgen. Generalstabsbureau. Heft 3. Haller, Bern 1899, S. 3–43 (Digitalisat), Karten.
- Émile Dunant (Hrsg.): La réunion des Grisons à la Suisse. Correspondance diplomatique de Florent Guiot, résident de France près les Ligues Grises (1798–1799) et des députés grisons à Paris avec Talleyrand, le Directoire et les gouvernements helvétiques et grisons. Georg & Co., Bâle/Genève 1899, S. 290 (Digitalisat).
- Ludwig Boschulte: Friedrich Matthisson, seine Anhänger und Nachahmer (J. G. von Salis, Friederike Brun geb. Münter). Ein Beitrag zur Geschichte der Empfindsamkeit. Beilage zum Programm der Realschule in der Nordstadt zu Elberfeld. Baedekersche Buchdruckerei A. Martini und Grüttesien, Elberfeld 1900.
20. Jahrhundert
- Simon Kaiser, Johannes Strickler: Geschichte und Texte der Bundesverfassungen der schweizerischen Eidgenossenschaft von der helvetischen Staatsumwälzung bis zur Gegenwart. K. J. Wyss, Bern 1901, S. 39 (Digitalisat).
- Alexander Pfister: Die Patrioten. Ein Beitrag zur Geschichte Bündens am Ausgange des XVIII. Jahrhunderts. (Diss. Universität Bern.) In: Jahresbericht der Historisch-antiquar. Gesellschaft von Graubünden 33/1903, separat paginiert (Digitalisat). S. 17, 46, 54, 79, 90–92, 101, 117–120.
- Johann Martin Trepp: Heinrich Bansi. In: Jahresbericht der Historisch-antiquarischen Gesellschaft von Graubünden. 37/1907, S. 100–267, hier S. 117–122 (Digitalisat).
- Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon (1618–1905). C. W. Stern, Wien/Leipzig 1908, S. 327, 329, 333, 335 f., 343 f. (Textarchiv – Internet Archive).
- Pierre Despatys: La Révolution, la Terreur, le Directoire 1791–1799 […]. Plon-Nourrit et Cie., Paris 1909, S. 261 (Digitalisat).
- Ernst Eschmann: David Heß (1770–1843). Sein Leben und seine Werke. (Diss. Universität Zürich). Sauerländer & Co., Aarau 1910, S. 38 f., 146, 187, 202 f. (Digitalisat).
- Louis Hartmann: Les officiers de l’armée royale et la Révolution. Félix Alcan, Paris 1910, S. 245 f. (Digitalisat).
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 61/1911. Justus Pertes, Gotha, S. 802–804 (Digitalisat).
- Ernst Trösch: Die helvetische Revolution im Lichte der deutsch-schweizerischen Dichtung. H. Haessel, Leipzig 1911, S. 50, 198.
- Charles Bourcart: Aus den Papieren des Samuel Ryhiner. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. 11/1912, S. 1–220, hier S. 18 f. (Digitalisat).
- Adolf Frey: Schweizer Dichter. (Wissenschaft und Bildung 126). Quelle & Meyer, Leipzig 1914, S. 63–66.
- Rudolf Jscher: Aus der Briefmappe J. R. Wyß des Jüngeren. In: Neues Berner Taschenbuch 20/1914. S. 70–110, hier S. 70–83 (Digitalisat).
- P. Nicolaus von Salis-Soglio: Tapfer und treu. Einige Korrespondenzen und andere Schriften aus dem Archiv Salis zu Zizers aus der Zeit der französischen Revolution. In: Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden. 46/1916, S. 155–194, hier S. 159, 176–181 (Digitalisat).
- Alfred Rufer (Hrsg.): Der Freistaat der III Bünde und die Frage des Veltlins. Korrespondenzen und Aktenstücke aus den Jahren 1796 und 1797. 2 Bände, Basler Buch- und Antiquariatshandlung, Basel 1916 f.
- Bernhard Delnon: Gaudenz v. Planta. Ein bündnerischer Staatsmann (1757–1834). Heinrich Keller, Chur 1917 (Diss. Universität Zürich).
- Rose Friedmann: Die Wandlungen in den Gedichten von Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Jul. Heuberger, Zürich 1917 (Diss. Universität Zürich), zitiert als Friedmann (1917), S. 84–101 (Anhang: 11 in keine Sammlung aufgenommene Gedichte).
- Stephan Pinösch: Die außerordentliche Standesversammlung und das Strafgericht vom Jahr 1794 in Chur. Gebr. Leemann & Co., Zürich-Selnau 1917 (Diss. Universität Bern).
- Alfred Rufer: Aus dem Garnisonsleben des Dichters Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1918, S. 73–81, hier S. 76 ff. (Digitalisat).
- Balser Puorger: Der Verlust des Veltlins, Chiavennas und Bormios. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1919, S. 169–183, 211–221 (Digitalisat).
- Benedikt Hartmann: Ein Beitrag zur Biographie des Joh. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1924, S. 297–310 (Digitalisat).
- Emil Jenal: Johann Gaudenz v. Salis-Seewis und die eidgenössische Wiedergeburt. F. Schuler, Chur 1924.
- Alexander Pfister: Ils grischuns sut Napoleon Bonaparte. Principalmein nos romontschs en ils quater regiments svizzers. In: Annalas della Società Retoromantscha (Coira). 38/1924, S. 57–90 (Digitalisat).
- Guido v. Salis-Seewis: Ein bündnerischer Geschichtsschreiber vor hundert Jahren. Johann Ulrich v. Salis-Seewis 1777–1817. H. R. Sauerländer & Co., Aarau 1926.
- Alfred Rufer: Helvetische Republik. In: Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz (Digitalisat). Band 4, Neuenburg 1927, S. 142–178.
- Gion Disch: Gion Gudegn, Giuncher de Salis-Seewis. In: Annalas da la Società Retorumantscha (Coira). 45/1931, S. 301–307 (Digitalisat).
- Charles Gos: Généraux suisses. Commandants en chef de l’Armée suisse de Marignan à 1939. Victor Attinger, Neuchâtel (1932).<ref>Befriedigt laut Rufer (1938), S. 65/Anm. 2 «nicht einmal die primitivsten Ansprüche».</ref>
- Philipp Zinsli: Caroline von Dacheröden über den Dichter Salis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1933, S. 247 f. (Digitalisat).
- Antoine-Elisée Cherbuliez: Kompositionen zu Gedichten von Johann Gaudenz von Salis-Seewis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1934, S. 17–26, 54–58 (Digitalisat).
- Wilhelm Frels: Deutsche Dichterhandschriften von 1400 bis 1900 […]. Karl W. Hiersemann, Leipzig 1934; Neudruck, Anton Hiersemann, Stuttgart 1970, S. 248 f. (Digitalisat).
- Emil Jenal: Johann Gaudenz von Salis-Seewis, dem Dichter, Menschen und Staatsbürger 1834–1934. Lebensbild und Würdigung des Dichterwerkes. Bischofberger & Co., Chur 1934.
- Friedrich Pieth: Aus der Geschichte des bündnerischen Milizwesens. In: Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft Graubündens. 64/1934, S. 97–176, hier S. 111 ff. (Digitalisat).
- Antoine-Elisée Cherbuliez: Der Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis und das deutsche Lied. In: Bündnerisches Haushaltungs- und Familienbuch. 1935, S. 23–31 (Digitalisat).
- Georg Walter: Salis-Kompositionen. In: Mitteilungen der Schweizer Musikforschenden Gesellschaft. 2/1935, S. 1–13, 32–38 (Digitalisat).
- Paul Gillardon: Geschichte des Zehngerichtenbundes. Festschrift zur Fünfhundertjahrfeier seiner Gründung 1436–1936. Buchdruckerei Davos, 1936.
- Ernst Zimmerli: Johann Gaudenz von Salis-Seewis, Jakob Ulrich Sprecher v. Bernegg, Karl Gotthard Graß und Sophie von Laroche. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1936, S. 204–213 (Digitalisat).
- Alfred Rufer: Malans während der Revolutionszeit. Bischofberger & Co., Chur 1936.
- Georges Dubois: Les intrigues contre-révolutionnaires à Rouen, de juin à août 1792 et le projet d’évasion de Louis XVI. In: Annales historiques de la Révolution française. 14/1937, S. 481–517 (Digitalisat).
- Friedrich Pieth: Denkmal des Dichters J. G. von Salis auf dem alten Friedhof in Chur […]. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1938, S. 353–364 (Digitalisat).
- Alfred Rufer: Johann Gaudenz v. Salis–Seewis als Bündner Patriot und Helvetischer Generalstabschef. Bischofberger & Co., Chur 1938,<ref>Rezensionen: Paul Gillardon in: Zeitschrift für Schweizerische Geschichte. 19/1939, S. 222 f. (Digitalisat); Georges Lefèbvre in: Annales historiques de la Révolution française. 17/1940, S. 189 f.</ref> zitiert als Rufer (1938).
- Gustav Bener: Bündner Schwerter und Degen. Vorbilder militärischen Könnens und Pflichtbewusstseins in in- und ausländischen Diensten. Bischofberger & Co., Chur 1939.
- Anton von Sprecher: Stammbaum der Familie von Salis. 9 Hefte. (Selbstverlag,) Chur 1939.
- Georg Jost: Friederike Brun, Johann Gaudenz von Salis-Seewis und das bündnerische Alpenerlebnis. In: Bündnerisches Monatsblatt. 1940, S. 103–119 (Digitalisat).
- Friedrich Pieth: Graubünden als Kriegsschauplatz 1799–1800. Bischofberger & Co., Chur 1940.
- Frédéric de Sendelbach: Le baron de Bachmann Anderletz. Victor Attinger, Neuchâtel (1944),<ref>Rezension von J. C. B. in: Schweizerisches Archiv für Heraldik. 62/1948. S. 127: «[…] rien d’autre – que le témoignage de l’admiration […]».</ref> S. 112, 195 f., 217, 294.
- Friedrich Pieth: Bündnergeschichte. F. Schuler, Chur 1945, S. 292, 307, 316 f., 363, 394–396, 427 f.
- Alfred Rufer: Die Adresse der Bündner Patrioten an die französische Nationalversammlung von 1790. In: Bündner Monatsblatt. 1945, S. 244–249 (Digitalisat).
- Eduard Korrodi: «Traute Heimat meiner Lieben». Johann Gaudenz v. Salis-Seewis. Ein Lebensbild. (Der Bogen. Heft 6.) Tschudy, St. Gallen 1950.
- Otto E. Deutsch: Schubert. Thematic Catalogue of all his works in chronological order. In collaboration with Donald R. Wakeling. Dent, London 1951.
- P. Bonaventura Thommen: Kantonsschulprofessor Dr. Emil Jenal, Zug. In: Sarner Kollegi-Chronik. 15. Jahrgang, Heft 4/1953 (Digitalisat), S. 118–121.
- Cécile-René Delhorbe: Personnages: Deux rois, un officier.<ref>Aloys Jost.</ref> In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. 4/1954, S. 537–540 (Digitalisat).
- Janett Michel (et al.): 150 Jahre Bündner Kantonsschule, Chur. 1804–1954 (Festschrift). F. Schuler, Chur 1954.
- Josef Feldmann: Propaganda und Diplomatie. Eine Studie über die Beziehungen Frankreichs zu den eidgenössischen Orten vom Beginn der Französischen Revolution bis zum Sturz der Girondisten. (Beihefte der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte. 10.) Leemann, Zürich 1957, S. 90 f.
- Laura Mancinelli: Il canto di un contadino in terra straniera. Ritratto di J. Gaudenz von Salis-Seewis. In: Cenobio, rivista mensile di cultura della Svizzera italiana (Mendrisio). 7/1958, Nr. 9 f.
- Alfred Rufer: Alois Jost. Ein Bündner Patriot 1759–1827. In: Neue Bündner Zeitung (Chur). 11./18. Dezember 1959, und Separatdruck Chur 1960.
- Christian Erni, Martin Schmid: Zum 200. Geburtstag von Johann Gaudenz v. Salis-Seewis. In: Bündner Schulblatt. 22/1962, S. 3–12 (Digitalisat).
- Alfred Rufer: Johann Gaudenz von Salis-Seewis. In: Neue Bündner Zeitung (Chur). 30. Mai 1962.
- Heinrich Scheel: Süddeutsche Jakobiner. Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im deutschen Süden Ende des 18. Jahrhunderts. Akademie-Verlag, Berlin 1962, S. 186, 190, 458 f., 473, 475.
- Alfred Rufer: Johann Baptista von Tscharner 1751–1835. Eine Biographie im Rahmen der Zeitgeschichte. Bischofberger & Co., Chur 1963, S. 259, 262, 322, 387 f.
- Martin Schmid: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762–1834). In: Bündner Jahrbuch. 5/1963, S. 1–15 (Digitalisat).
- Hilde Ribi: Eine Dichterfreundschaft.<ref>Salis und Matthisson.</ref> In: Bündner Jahrbuch. 7/1965, S. 69–77 (Digitalisat).
- Alfred Rufer: Das Ende des Freistaates der Drei Bünde. Erzählt in Aufsätzen über den Zeitraum von 1763–1803. Calven, Chur 1965, S. 23–28 (Wie Johann Gaudenz von Salis-Seewis sich zur Französischen Revolution bekannte), 37–50 (Die Institution des Landtages nach der Landesreform von 1794. Hier S. 40), 61–97 (Gaudenz von Planta), 104, 121, 130–134, 158 f., 167–181 (Die Bündner Patrioten in Helvetien. Hier S. 170–175), 229–240 (Die Notwendigkeit der Vereinigung), 256, 258, 265.
- Ernst Putz: Feldzeugmeister Johann Ulrich Graf Salis-Seewis (1862–1940). Ein Bündner in k. u. k. österreich-ungarischen Diensten. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift. 134/1968, S. 322–327, 386–389, 441–446 (Digitalisat).
- Heinz Weder: Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Zollikofer, St. Gallen 1968.
- Robert Rüegg: Haussprüche und Volkskultur. Die thematischen Inschriften der Prättigauer Häuser und Geräte, Kirchen und Glocken, Bilder und Denkmäler. G. Krebs, Basel 1970, S. 189 f.
- Martin Schmid: Johann Gaudenz von Salis-Seewis 1762–1834. In: Bedeutende Bündner aus fünf Jahrhunderten […]. Band 1. Calven, Chur 1970, S. 421–438.
- Jean-René Suratteau: Alfred Rufer. La Suisse et la Révolution Française. Société des Études Robespierristes, Paris 1974, S. 7 ff. (Biografie), 47 ff. (Bibliografie).
- Alfred Rufer, Jean-René Suratteau: Les cols des Grisons et la question de la Valteline. In: Bollettino della Società Storica Valtellinese. 28/1975, S. 14–21.
- Johann Ulrich Schlegel: Die Beziehungen zwischen Johann Gaudenz von Salis und Ignaz Heinrich von Wessenberg. Juris, Zürich 1976 (Diss. Universität Zürich), ISBN 3-260-04126-5.
- Peter Risch: Zum Andenken an Prof. Felix Humm. In: Bündner Zeitung (Chur). 15. November 1978.
- Robert Donatsch: Malans in der Bündner Herrschaft. Calanda, Chur 1979.
- Eberhard Haufe (Hrsg.): Schillers Werke. Nationalausgabe. 25. Band (Schillers Briefe 1.1.1788–28.2.1790). Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1979, S. 413, 778.
- Alexander Weinmann: «Das Grab» von J. G. v. Salis-Seewis. Ein literarisch-musikalischer Bestseller. (Wiener Archivstudien. Band 4.) Krenn, Wien 1979.
- Claudia Maggi: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762–1834). In: Werner Weber (Hrsg.): Helvetische Steckbriefe. Artemis, Zürich 1981, ISBN 3-7608-0540-X, S. 196–201.
- Jacques Godechot: La prise de la Bastille. 14 juillet 1789. Gallimard, Paris 1985 (Erstausgabe 1965), S. 297–300, 326–328, 341 f., 351–357, 361, 368–373, 438, 465–468 (Le journal de marche du régiment de Salis-Samade), 468–484 (Relation de la rédition de la Bastille donnée par le sieur Louis Deflue, lieutenant des grenadiers au régiment Salis-Samade avec rang de capitaine), 493.
- Andreas Fankhauser: Die Exekutive der Helvetischen Republik 1798–1803 […]. In: Studien und Quellen 12. Schweizerisches Bundesarchiv, Bern 1986, S. 113–193 (Digitalisat), hier S. 119.
- Hans Peter Gansner: Zwei Lyriker-Schicksale. Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Ferdinand Freiligrath. In: Bündner Jahrbuch. 30/1988, S. 49–54 (Digitalisat).
- Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1, Calven, Chur 1989, ISBN 3-905261-01-4, S. 44, 47–49, 146 ff., 209, 216, 234 f., 320–325, 328, 343 f., 360 f.
- Wilhelm von Wolzogen: »Dieses ist der Mittelpunkt der Welt.« Pariser Tagebuch 1788/1789. Hrsg. von Eva Berié, Christoph von Wolzogen. S. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-10-092244-1, S. 166, 180 f., 185 f., 190, 195.
- Caroline von Wolzogen: Gesammelte Schriften. Hrsg. von Peter Boerner. 6 Bände, Olms, Hildesheim etc. 1988–1999.
- Wilhelm Kosch (Begründer): Deutsches Literatur-Lexikon. 3. Auflage. 13. Band, Francke, Bern 1991, ISBN 3-317-01648-5, S. 727 f.
- Christian Erni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis’ Reise ins Veltlin 1788 […]. In: Bündner Monatsblatt. 1993, S. 334–368 (Digitalisat).<ref>Informativer über Salis als über die Veltlinfrage.</ref>
- Ursula Jecklin (Red.): Churer Stadtgeschichte. Band 2, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 1993, ISBN 3-905241-33-1, S. 316 f.
- Christian Erni: Von Paris nach Weimar. Johann Gaudenz von Salis-Seewis in der Französischen Revolution und auf Urlaubsreise nach Weimar 1789–1790 […]. In: Jahrbuch 1995 der Historischen Gesellschaft von Graubünden. S. 181–238 (Digitalisat), zitiert als Erni (1995).
- Otto Zuber: Bruder Johann Gaudenz von Salis-Seewis. In: Alpina (Magazin der Schweizerischen Grossloge Alpina). 121/1995, S. 100–104.
- Jürgen Voss: Ein Berliner Literat in Paris. Adrian Christian Friedel (1753–1785). In: Michel Espagne, Werner Greiling (Hrsg.): Frankreichfreunde. Mittler des französisch-deutschen Kulturtransfers. Leipziger Universitätsverlag 1996, S. 177–188.
- Doris und Peter Walser-Wilhelm et al. (Hrsg.): Bonstettiana. Briefkorrespondenzen Karl Viktor von Bonstettens und seines Kreises. Band 6, Peter Lang, Bern 1997, ISBN 3-906756-78-5.
- John Reed: The Schubert song companion. Manchester University Press 1997, ISBN 978-1-901341-00-3, S. 31.
- Holger Böning: Der Traum von Freiheit und Gleichheit. Helvetische Revolution und Republik (1798–1803) – Die Schweiz auf dem Weg zur bürgerlichen Demokratie. Orell Füssli, Zürich 1998, ISBN 3-280-02808-6, S. 63, 67.
- Alain-Jacques Czouz-Tornare: Le régiment de Salis-Samade en Normandie […]. In: Christine Le Bozec, Eric Wauters (Hrsg.): En hommage à Claude Mazauric. Pour la Révolution Française. Publications de l’Université de Rouen 1998, S. 211–222, hier S. 218–220.<ref>Der Autor erwähnt Salis nur beiläufig, anscheinend ohne in ihm den Dichter zu erkennen.</ref>
- Johann Ulrich Schlegel: Der Dichter als General. Vor gut 200 Jahren wurde der Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis zum Generalstabschef gewählt. In: Schweizer Soldat. 75/2000, S. 18 f. (Digitalisat).
- Jürg Simonett (Gesamtred.): Handbuch der Bündner Geschichte. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2000, ISBN 3-905342-00-6, Band 2, S. 113–140 (Silvio Färber: Politische Kräfte und Ereignisse im 17. und 18. Jahrhundert), 141–171 (Guglielmo Scaramellini: Die Beziehungen zwischen den Drei Bünden und dem Veltlin, Chiavenna und Bormio), 173–202 (Martin Bundi: Die Aussenbeziehungen der Drei Bünde), hier S. 199; Band 3, S. 188, 249–257 (Martin Leonhard: Die Helvetik […]), 313 (Bruder), 315; Band 4, S. 231–266 (Florian Hitz: Geschichtsschreibung in Graubünden<ref>Nichtbündner wie Rufer mit keinem Wort erwähnt!</ref>), hier S. 245 (Bruder), 267–387 (Listen und Tabellen zur Bündner Geschichte), hier S. 296 f. (Grossväter), 298 f. (Vater), 311 f. (Grossvater), 313 f. (Vater), 315 (Bruder), 366 (Schwager), 367 (Sohn), 368 (Enkel), 373 (Enkel), 376 (Enkel).
21. Jahrhundert
- Georg Jäger, Guglielmo Scaramellini (Hrsg.): Das Ende der Bündner Herrschaft im Veltlin […]. Museo Etnografico Tiranese, Sondrio 2001, ISBN 88-88058-09-5, S. 15–21 (Silvio Färber: Die Bündner Führungsschicht und der Verlust des Veltlins […]), 87–91 (Martin Bundi: Das Versagen der Dreibündepolitik 1797).
- Ivo Berther: «O Diaus pertgiri!» Graubünden um 1800 – Jahre des Umbruchs. Ausstellung des Staatsarchivs Graubünden aus Anlass der 200-jährigen Zugehörigkeit des Kantons Graubünden zur Schweiz. Terra Grischuna, Chur 2003, ISBN 3-7298-1142-8.
- H[ans] P[eter Gansner: Der Dichter-General. Eine dramatische Biographie des J. G. von Salis-Seewis. Calven, Chur 2003, ISBN 3-905261-27-8.<ref>Nicht aufgeführtes Freilichtspiel zum Jubiläum 200 Jahre Kanton Graubünden. Der Autor strapaziert die dichterische Freiheit schon im Vorwort, indem er den «eigentlichen Gründervater des Kantons Graubünden» am «Pulverdampf und Blutrausch der oberitalienischen Schlachten» teilhaben lässt.</ref>
- Erich Wenneker: Bansi, Heinrich. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 71–73.
- Thomas Anz: Geheimnisse um eine literarische Sensation des Jahres 1797. Schillers Schwägerin Caroline von Wolzogen und ihr vergessener Liebesroman «Agnes von Lilien». In: literaturkritik.de, 7. Mai 2005, letzte Änderung: 21. November 2016 (Digitalisat).
- Rémy Charbon: Salis-Seewis, Johann Gaudenz Gubert Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Zürich 1799. Eine Stadt erlebt den Krieg. (= Stadtgeschichte und Städtebau in Zürich 7.) Stadt Zürich, 2005, ISBN 3-905384-08-6 (Digitalisat).
- Kirsten Jüngling, Brigitte Roßbeck: Schillers Doppelliebe. Die Lengefeld-Schwestern Caroline und Charlotte. List Taschenbuch, Berlin 2006, ISBN 978-3-548-60650-7, S. 160, 167, 169, 306 f.
- Lucas Chocomeli: Jakobiner und Jakobinismus in der Schweiz. Wirken und Ideologie einer radikaldemokratischen Minderheit 1789–1803. Peter Lang, Bern 2006 (Diss. Universität Freiburg/Schweiz), ISBN 3-03910-850-6, S. 113–127 (Aloys Jost: Promotor der bündnerischen Revolution).
- Alain-Jacques Czouz-Tornare: Les formations suisses, substituts aux gardes nationales dans les capitales provinciales en 1789–1790. In: Serge Bianchi, Roger Dupuy (Hrsg.): La garde nationale entre nation et peuple en armes […]. Presses Universitaires de Rennes 2006, ISBN 978-2-7535-3179-6 (Digitalisat), § 2, 7, 39 f.
- Walter Zindel-Kuoni: Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Landschaft seiner Lieder und Geschichte seiner Zeit. Desertina, Chur 2006, ISBN 3-85637-328-4.
- Erich Wege et al. (Hrsg.): Das Stammbuch Friedrich von Matthissons […]. 2 Bände. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0002-6.
- Wilhelm von Wolzogen: Pariser Tagebuch 1788/1789 – diplomatische Fassung. Transkription Eva Berié, Christoph Frhr. v. Wolzogen. 2007 (Digitalisat), S. 116, 127 f., 130–132, 134, 137.
- Andreas Bürgi: Friedrich von Matthisson. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. Oktober 2009.
- Bernd-Ulrich Hergemöller et al. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. 2 Bände, Lit Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-643-10693-3, S. 1015 f.<ref>Unsorgfältig recherchiert.</ref>
- Andreas Fankhauser: Helvetische Revolution. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 24. März 2011.
- Walter Weber: Salis-Seewis, Johann Gaudenz von. In: Killy Literaturlexikon. 2. Auflage. Band 10. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022042-1, ISBN 978-3-643-10693-3, S. 174 f.
- Andreas Fankhauser: Johann Gaudenz von Salis (Seewis). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Januar 2012.
- Peter Conradin von Planta: Salis. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Januar 2012.
- Thomas Baumann: Das helvetische Parlament. Parlamentarismus im Lichte des Gegensatzes zwischen aufgeklärter Bildungselite und revolutionären Patrioten. Slatkine, Genève 2013 (Masterarbeit, Universität Bern).
- Ariane Knüsel: Aloys Jost – ein Bündner Patriot und die Französische Revolution. In: Bündner Monatsblatt. 2013, S. 493–515 (Digitalisat).
- Werner Ort: Heinrich Zschokke 1771–1848. Eine Biographie. hier + jetzt, Baden 2013, ISBN 978-3-03919-273-1, S. 192, 213, 237 f., 471.
- Graham Johnson: Franz Schubert. The Complete Songs. 3 Bände. Yale University Press, New Haven/London 2014, ISBN 978-0-300-11267-2.
- Marc Höchner: Selbstzeugnisse von Schweizer Söldneroffizieren im 18. Jahrhundert. V & R Unipress, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8471-0321-9 (Diss. Universität Freiburg/Schweiz).
- Adolf Collenberg: 1794 – Anatomie einer Revolte. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2018, ISBN 978-3-905342-56-7 (Cultura Alpina, Band 8), S. 74, 90.
- Rudolf Jaun: Geschichte der Schweizer Armee. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Orell Füssli, Zürich 2019, ISBN 978-3-280-06125-1.<ref>Überspringt die Militärorganisation von 1798 und die Beteiligung der Helvetischen Republik am Zweiten Koalitionskrieg.</ref>
- Schweizer Handbuch des Freimaurers. Band 1. Forschungsgruppe Alpina, Lausanne 2019, ISBN 978-2-9701170-2-5, S. 222–224.
- Martin Illi: Franzoseneinfall. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. September 2021.
- Hans Pestalozzi-Keyser: Geschichte der Familie Pestalozzi. PDF 2021 (Original 1958), S. 265–267, 358–360.
- Florian Hitz et al.: Graubünden. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. August 2023.
Weblinks
- Vorlage:Helveticat-GND
- Literatur von und über Johann Gaudenz von Salis-Seewis im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- International Music Score Library Project: Works with text by Johann Gaudenz von Salis-Seewis (Digitalisat).
- Texts by J. Salis-Seewis set in Art Songs and Choral Works (Digitalisat).
- Catalog of Works by Franz Schubert. (Digitalisat).
- Max Hilfiker, Willy Walther: Das Volk nannte ihn General. Johann Gaudenz von Salis-Seewis 1762–1834 […]. Dokumentarfilm, 40 min, Zürich 2002 (Digitalisat).
- Gemeinde Malans: Salisweg (Digitalisat).
Audiodateien
- Carpe Poem: Lied im Freien (1792). (Digitalisat)
- Carpe Poem: Winterlied (1793–1799). (Digitalisat)
- Carpe Poem: Vertrauen (1793–1799). (Digitalisat)
- Singphoniker: Das Grab (1787). Schubert, D.377 (Digitalisat)
- Singphoniker: Das Grab (1787). Schubert, D.569 (Digitalisat)
- Singphoniker: Der Entfernten (1789). Schubert, D.331 (Digitalisat)
Nachweise und Anmerkungen
<references />
<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang
| Alte Eidgenossenschaft vor 1798 Von der Tagsatzung ernannte Befehlshaber von Truppenaufgeboten |
Ulrich von Sax (Pavierzug, 1511) | Johann Ludwig von Erlach (1633/1636) | Sebastian Peregrin Zwyer (1653/1656) | Wilhelm Bernhard von Muralt (1792) | Karl Ludwig von Erlach (1798) |
|
| Helvetische Republik 1798–1803 |
Augustin Keller (1798) | Johannes Weber (†) (1799) | Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1799) | Joseph Leonz Andermatt (1801) | Pierre von der Weid (1802) | |
| Mediation und Restauration 1803–1847 |
Niklaus Rudolf von Wattenwyl (1805/1809/1813) | Niklaus Franz von Bachmann (1815) | Charles-Jules Guiguer de Prangins (1830/1838) | Peter Ludwig von Donatz (1845) | Guillaume Henri Dufour (1847) | Johann Ulrich von Salis-Soglio (Sonderbund 1847) | |
| Bundesstaat ab 1848 |
Guillaume Henri Dufour (1849/1856/1859) | Hans Herzog (Dt.-Frz. Krieg, 1870–1871) | Ulrich Wille (Erster Weltkrieg, 1914–1918) | Henri Guisan (Zweiter Weltkrieg, 1939–1945) |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Salis-Seewis, Johann Gaudenz von |
| ALTERNATIVNAMEN | Salis-Seewis, Johann Gaudenz Freiherr von |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Dichter |
| GEBURTSDATUM | 26. Dezember 1762 |
| GEBURTSORT | Malans GR |
| STERBEDATUM | 29. Januar 1834 |
| STERBEORT | Malans GR |
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Zitat
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Salis
- Freiherr (Salis)
- Titulargraf
- Person (Malans GR)
- Bündner Herrschaft
- Person (Kanton Graubünden)
- Autor
- Literatur (18. Jahrhundert)
- Literatur (19. Jahrhundert)
- Literatur (Deutsch)
- Literatur (Schweiz)
- Lyrik
- Söldner
- Person in der Französischen Revolution
- Person (Helvetik)
- Militärgeschichte (Kanton Zürich)
- Generalstabschef (Schweiz)
- Oberbefehlshaber der Armee (Schweiz)
- Kantonspolitiker (Graubünden)
- Freimaurer (18. Jahrhundert)
- Freimaurer (19. Jahrhundert)
- Freimaurer (Schweiz)
- Schweizer
- Geboren 1762
- Gestorben 1834
- Mann