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Neue Zürcher Zeitung

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Neue Zürcher Zeitung

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Beschreibung Schweizer Tageszeitung
Sprache deutsch
Verlag Neue Zürcher Zeitung AG
Erstausgabe 12. Januar 1780
Gründer Salomon Gessner
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage 53'771 Exemplare
(WEMF-Auflagebulletin 2025<ref name="wemf2025">https://wemf.ch/media/wemf_auflagebulletin.pdf.pdf</ref>)
Verbreitete Auflage 79'384 Exemplare
(WEMF-Auflagebulletin 2025<ref name="wemf2025" />)
Reichweite 0,223 Mio. Leser
(Mach Basic 2023-1)
Chefredaktor Eric Gujer
Herausgeber Aktiengesellschaft für die Neue Zürcher Zeitung
Weblink www.nzz.ch
Artikelarchiv e-newspaperarchives.ch
ISSN (Print)
CODEN NZZTA

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), im Zürcher Dialekt Zürizytig genannt, ist eine Schweizer Tageszeitung des Medienunternehmens NZZ-Mediengruppe mit Sitz in Zürich. Als traditionsreiche Zeitung wird sie zu den Leitmedien der Schweiz (neben der Genfer Le Temps) und des deutschsprachigen Raums gezählt. Bezüglich ihrer innenpolitischen Ausrichtung hat sie eine Nähe zur FDP und gilt als «eher konservativ und rechtsliberal».

Geschichte

Schweiz

Datei:NZZ Erstausgabe Titelseite.jpg
Titelseite der Erstausgabe vom 12. Januar 1780
Datei:Neue Zürcher Zeitung 1906.jpg
Namensaktie über 1000 Schweizer Franken der AG für die Neue Zürcher Zeitung vom 16. März 1906

Salomon Gessner gab das Blatt erstmals am 12. Januar 1780 unter dem Namen Zürcher Zeitung heraus. Es ist damit die älteste heute noch erscheinende Zeitung der Schweiz. Das Blatt erschien zunächst jeweils am Mittwoch und am Samstag, ab 1843 an jedem Wochentag inklusive Sonntags. Von 1894 bis 1969 lieferte die NZZ täglich drei Ausgaben (morgens, mittags, abends) mit internationalen Nachrichten aus Politik und Finanzen.<ref>Finanzwissen. Was Anleger lesen sollten: Die Neue Zürcher Zeitung. Liechtenstein Global Trust, 31. März 2021.</ref>

Die ersten vier Redaktoren, die die Zeitung damals als der Aufklärung verpflichtetes Nachrichtenblatt machten,<ref name=":0">Thomas Maissen: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Historisches Lexikon der Schweiz, 10. April 2015, abgerufen am 21. Januar 2024.</ref> waren Johann Kaspar Riesbeck, Johann Michael Armbruster, Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner – vier deutsche Publizisten und politische Migranten.<ref>aus: «Gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Grundsätze», NZZ-Newsletter vom 9. August 2022. Original-Wortlaut: «Wussten Sie, dass die ersten vier Redaktoren, die vor über 241 Jahren die damalige ‹Zürcher Zeitung› machten, Johann Kaspar Riesbeck, Johann Michael Armbruster, Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner waren – vier deutsche Publizisten, politische Migranten, wissensdurstige Abenteurer, die durch wichtige Grundsätze vereint wurden.»</ref> Seit 1821 trägt sie den Namen Neue Zürcher Zeitung. Unter der Redaktion von Paul Usteri trat sie als liberales Kampfblatt gegen die Zensur und den Sonderbund für den Bundesstaat ein. Nach dessen Gründung 1848 diente sie als Sprachrohr des «Systems Escher» des Zürcher Politikers und Unternehmers Alfred Escher.<ref name=":0" />

Aufgrund der Demokratischen Bewegung zerbrach 1867 im Kanton Zürich das «System Escher», die NZZ geriet in eine Krise. Zürcher Liberale gründeten deshalb 1868 eine Aktiengesellschaft, die die NZZ bis heute herausgibt.<ref name=":0" /> Deren Statuten schreiben vor, dass kein Aktionär mehr als 1 Prozent des Aktienkapitals halten darf und dass der Verwaltungsrat Bewerber ablehnen kann, die nicht der FDP (oder früher der LPS) angehören oder sonst ein «Bekenntnis zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung» ablegen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein.<ref>Statuten der Aktiengesellschaft für die Neue Zürcher Zeitung. (PDF) 9. April 2011, abgerufen am 22. Januar 2024.</ref> Heute zählt die AG rund 3000 Aktionäre.<ref>Geschäftsbericht 2020 AG für die Neue Zürcher Zeitung. (PDF) 2021, abgerufen am 24. Januar 2024.</ref>

Eine ambivalente Zeit erlebte die Zeitung, als sie vor den Zürcher Gemeinderatswahlen im Herbst 1933 ebenso wie der Zürcher Freisinn eine Listenverbindung der Frontisten mit den bürgerlichen Parteien guthiess, eine Solche in Schaffhausen gleichzeitig scharf verurteilte. Dies, obschon die Frontisten die NZZ ihrerseits als «Sprachrohr der französischen Regierung oder als freimaurerisch und jüdisch unterwandertes Organ» bezeichnet hatten. In der Stadt Zürich verfügte die SP damals über die absolute Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat. Der Historiker Thomas Maissen zitiert, dass seitens der NZZ dabei ob derer patriotischen und antimarxistischen Bekenntnisse «die antiparlamentarische Grundhaltung der Fröntler vernachlässigt» worden sei.<ref>Thomas Maissen: Geschichte der NZZ 1780–2005. NZZ-Verlag, Zürich 2005, S. 99.</ref> Nach dessen schon zuvor ausgesprochenen Warnungen einer «nationalen Gefahr» und der Wahl von Willy Bretscher zum Chefredaktor im selben Herbst 1933 schlug die Zeitung einen klar antifaschistischen Kurs ein. Am 18. Juli 1934 wurde als Reaktion auf die Berichterstattung zum Röhm-Putsch der Vertrieb der Zeitung im Deutschen Reich verboten.<ref>Adrian Sulc: Als Hitler den «Bund» verbieten liess. In: Der Bund (online). 30. September 2010, abgerufen am 18. April 2013.</ref> Chefredaktor Bretscher forderte noch 1940 nach der Kapitulation Frankreichs, als der Bundesrat die «Anpassung an die neuen Verhältnisse» empfahl, «die Bereitschaft des Schweizervolkes zu jedem Opfer für die Erhaltung der Unabhängigkeit des Landes». In seinem Pult in der Redaktion lag eine geladene Pistole für den Fall, dass Nazi-Schergen eindringen sollten.<ref>Marc Tribelhorn: Der NZZ-Chefredaktor, den die Nazis hassten. NZZ, 12. Januar 2017, abgerufen am 22. Januar 2024.</ref>

Im Kalten Krieg galt die NZZ als massgebliche Stimme mit einer dezidiert antikommunistischen Position.

International wurde die NZZ wegen ihres weiten Korrespondentennetzes als wichtigste Qualitätszeitung des neutralen Landes zwischen den Blöcken wahrgenommen, dank einer Fernausgabe seit 1937.<ref name=":0" /> Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt meinte deshalb, er lese lieber gleich die NZZ als die Berichte seines Auslandgeheimdienstes BND.<ref>Still in der Ackerfurche. In: Der Spiegel. 18. Dezember 1994, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Mai 2024]).</ref> National war sie das Sprachrohr des Zürcher Freisinns, der auch im konkordanten System ab 1959 den Führungsanspruch behauptete. Mehrere NZZ-Redaktoren sassen während oder nach ihrer Tätigkeit bei der Zeitung für die FDP im Nationalrat, so neben Chefredaktor Bretscher (1951–1967) Ernst Bieri (ab 1966 Zürcher Stadtrat), Kurt Müller und Richard Reich (ab 1971 Direktor des Vororts).

Seit der 68-er Bewegung geriet die NZZ als Stimme des kapitalistischen Establishments in die Kritik. Scharf äusserte sich Max Frisch, der in der Jugend rege für die NZZ geschrieben hatte, vor allem in seinem Tagebuch 1966–1971:

«Ihr Kniff: die Inhaber als die Verantwortungsbewussten. Nicht nur in Wirtschaft und Industrie, auch in der Armee. Die Inhaber sind von der Arbeitskraft abhängig, aber nicht von deren Meinung; hingegen ist die Mehrheit abhängig von der Meinung der Inhaber: Das ergibt das Verantwortungsbewusstsein der Inhaber. Es spricht aus fast jedem NZZ-Artikel, oft zwischen den Zeilen. Man gibt sich in der mise-en-page so langweilig wie möglich, das wirkt seriös. Es überträgt sich auf die Leser; sie kommen sich seriös vor, schon wenn sie die NZZ in der Hand halten.»<ref>Daniel Foppa: Max Frisch und die NZZ. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2003, ISBN 3-03823-041-3, S. 320.</ref>

Nach 1989 verlor der Zürcher Freisinn und damit die NZZ die Führungsrolle, aufgrund des erzwungenen Rücktritts der Zürcher FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp und des dadurch ausgelösten Fichenskandals. Die Bindung der Zeitung zur Partei lockerte sich. Ab 1994 leitete erstmals ein Parteiloser die Inland-Redaktion.<ref name=":2">Friedemann Bartu: Umbruch. Die Neue Zürcher Zeitung: Ein kritisches Porträt. Orell Füssli, Zürich 2020, ISBN 978-3-280-09089-3, S. 29.</ref> Der führende FDP-Politiker Ulrich Bremi gab 1999 das Verwaltungsratspräsidium der AG für die Neue Zürcher Zeitung an den ehemaligen FDP-Regierungsrat Eric Honegger weiter. Der Bundesratssohn musste aber 2001 zurücktreten, weil die SAirGroup, die er als Konzernchef und Verwaltungsratspräsident führte, in Turbulenzen geraten war. Seit Karin Keller-Sutter (2012–2016) sassen keine freisinnigen Politiker mehr im Verwaltungsrat.

Der Umbruch um die Jahrtausendwende traf die NZZ unvorbereitet. Sie druckte am 20. September 1999 das umfangreichste Blatt aller Zeiten, mit insgesamt 168 Seiten. Und für 2000 schrieb die NZZ-Gruppe einen Rekordumsatz von über einer halben Milliarde Franken und einen innert fünf Jahren auf 50 Millionen Franken verdoppelten Gewinn. Deshalb machte das Bonmot die Runde, die NZZ sei die einzige Bank der Schweiz, die sich eine Tageszeitung leiste. Der ehemalige Redaktor Friedemann Bartu stellt in seinem «kritischen Porträt» der NZZ fest:<ref>Bartu: Umbruch. S. 11–12.</ref>

«Man sass auf einem Matterhorn von Cash und Finanzanlagen und auf entsprechend hohem Ross. Das galt selbst für die Redaktion, deren hochmütige Devise lautete: Wir schreiben etwas, wovon wir glauben, dass es Leser und Leserinnen interessiert. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist das nicht unser, sondern deren Problem. Auch hinsichtlich Enthüllungsjournalismus gab man sich blasiert: Die NZZ sei so wichtig, dass, wenn es etwas Wichtiges zu berichten gäbe, sie das sowieso als Erste erfahre.»

Aufgrund der Wirtschaftskrise nach dem Platzen der Dotcom-Blase und dem Swissair-Grounding brach der Erlös von Inseraten und Annoncen innert zwei Jahren um 40 Millionen Franken ein. Die NZZ-Gruppe schrieb deshalb für 2002 einen rekordhohen Verlust von 50 Millionen Franken und musste Stellen abbauen. Von 2002 bis 2006 ging die Mitarbeiterzahl der NZZ-Gruppe von 2095 auf 1714 zurück, jene der NZZ, die sich im Namen des Primats der Publizistik gegen den Abbau wehrte, von 712 auf 548 Personen. Dabei wurde auch die Expansion des 1997 erfolgreich gestarteten Internet-Auftritts gestoppt und das Online-Team, das eigenständige Artikel verfassen konnte, mit der Nachrichtenredaktion verschmolzen.<ref>Bartu: Umbruch. S. 36–45, 207–210.</ref>

Chefredaktor Hugo Bütler, der nie einen Computer in seinem Büro hatte,<ref>Bartu: Umbruch. S. 208.</ref> trat 2006 zurück. Unter seinem jungen Nachfolger Markus Spillmann, der von der 2002 gegründeten NZZ am Sonntag kam, vollzog die wegen ihres Konservatismus in Stil und Layout als «Alte Tante» belächelte Zeitung<ref>«Alte Tante» in neuem Kl… Nein, wir verzichten zur Neulancierung der NZZ auf DIE Überschrift. In: Watson. 21. August 2015.</ref> einen Relaunch und stellte das Online-Angebot neu auf. Im Juni 2012 wurden Online- und Print-Redaktion vereinigt und die Website unter «Neue Zürcher Zeitung» (nicht länger als «NZZ Online») neu lanciert. Nachrichten der Print-Redaktion wurden unmittelbar online gestellt; nach Einführung einer Paywall gingen die Seitenaufrufe zurück.<ref>Das Sorgenkind der NZZ. In: Tages-Anzeiger. 10. Januar 2013, abgerufen am 10. Juli 2015.</ref>

Im Dezember 2014 trat Spillmann wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat als erster NZZ-Chefredaktor der jüngeren Geschichte unfreiwillig von seinem Posten zurück.<ref>NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann tritt zurück. NZZ-Mediengruppe, 9. Dezember 2014 (Medienmitteilung).</ref><ref>Christian Lüscher: NZZ opfert den Chefredaktor. In: Tages-Anzeiger. 10. Dezember 2014, abgerufen am 10. Juli 2015.</ref> Der Verwaltungsrat plante, Markus Somm als Chefredaktor einzusetzen, löste damit aber Protest in der Redaktion und der Öffentlichkeit aus.<ref>Redaktion appelliert an Verwaltungsrat. 16. Dezember 2014, abgerufen am 13. Juli 2019.</ref><ref>«Für Markus Somm ist das eine gewaltige Niederlage». In: Blick.ch. 27. Februar 2019, abgerufen am 13. Juli 2019.</ref><ref>Christof Moser: Die Händel des Martin Meyer. In: Aargauer Zeitung. 17. Januar 2015, abgerufen am 13. Juli 2019.</ref> Befürchtet wurde ein «Rechtsputsch», da Somm sich als «Statthalter Blochers» sehe und, obwohl FDP-Mitglied, zur SVP neige.<ref>Rechtsputsch abgewendet: «Neue Zürcher Zeitung»: Markus Somm wird nicht Chefredakteur. In: Tagesspiegel. 15. Dezember 2014, abgerufen am 22. Juli 2019.</ref><ref>Thomas Wagner: Neue Zürcher Zeitung. Verteidigung der liberalen Werte. In: Deutschlandfunk. 20. Dezember 2014, abgerufen am 22. Juli 2019.</ref><ref>Thomas Kirchner: «NZZ»-Chefredakteur Spillmann tritt zurück. Vom digitalen Sturm zerzaust. In: Süddeutsche Zeitung. 10. Dezember 2014, abgerufen am 22. Juli 2019.</ref> Zuvor hatten die Handelszeitung, der Tages-Anzeiger und die Schweiz am Wochenende berichtet, dass «zurzeit Personen Aktien erwerben, die SVP-Volkstribun Christoph Blocher nahe stehen», um «eine unfreundliche Übernahme herbeizuführen».<ref>Othmar von Matt: Leute aus Blochers Umfeld kaufen NZZ-Aktien. In: Aargauer Zeitung. 21. Juni 2014, abgerufen am 23. Juli 2019.</ref><ref>Blocher-Geist im Hause NZZ. In: Handelszeitung. 22. Juni 2014, abgerufen am 23. Juli 2019.</ref><ref>Philipp Loser: Der Kampf um die alte Schweiz. In: Tages-Anzeiger. 12. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juli 2019.</ref> Blocher selbst bestritt diese Aussagen im Interview mit der Zeitschrift persönlich.<ref>NZZ. Christoph Blocher sieht «keinen Sin» in einer Beteiligung. In: persoenlich.com. 14. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juli 2019.</ref>

Neuer Chefredaktor wurde Auslandchef Eric Gujer, der seit 1986 vorwiegend als Korrespondent in Deutschland für die NZZ tätig war.<ref>Marc Felix Serrao, Charlotte Theile: NZZ-Chefredakteur Gujer im Interview. «Es gibt in Deutschland eine Lücke». In: Süddeutsche Zeitung. 11. Dezember 2015, abgerufen am 13. Juli 2019.</ref><ref>Charlotte Theile: Eric Gujer wird Chef der NZZ. Einer von ihnen. In: Süddeutsche Zeitung. 11. März 2015, abgerufen am 22. Juli 2019.</ref> Danach kam es zu einigen Entlassungen und Umbesetzungen in der Redaktion. Verschiedene Zeitungen wie die WOZ,<ref>Kaspar Surber: NZZ: Die Angst geht um an der Falkenstrasse. Die Wochenzeitung, 11. Oktober 2017, abgerufen am 31. März 2024.</ref> Die Zeit<ref>Matthias Daum, Caspar Shaller: "Neue Zürcher Zeitung": Und immer an die Leser denken. In: Die Zeit. 16. Dezember 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 31. März 2024]).</ref> und der Tages-Anzeiger<ref>Dominique Eigenmann, Philipp Loser: Nach Deutschland, nach rechts. Tages-Anzeiger, 11. März 2017, abgerufen am 31. März 2024.</ref> sahen deshalb bei der NZZ unter Gujer eine «rechtskonservative» oder «rechte» Ausrichtung. Der Chefredaktor bestritt diese Einschätzung; er ordnete die Zeitung als bürgerlich-liberal ein und beklagte einen «stark links-liberalen Hintergrund» vieler Journalisten.<ref name=":3">Charlotte Theile, Claudia Tieschky: Nordgelüste. Süddeutsche Zeitung, 26. Juni 2017, abgerufen am 31. März 2024.</ref><ref>«Wir haben keine falschen Berührungsängste» | MEDIENWOCHE. 2. September 2015, abgerufen am 31. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ende Juni 2015 stellte die Druckerei NZZ Print in Schlieren den Betrieb ein. Die NZZ wird seither im Druckzentrum Zürich von Tamedia aufs Papier gebracht.<ref>NZZ schliesst Druckerei in Schlieren. In: Werbewoche. 25. November 2014.</ref> Spätestens ab Ende 2026 übernimmt das Druckzentrum Bern von Tamedia den Druck, da das Druckzentrum in Zürich geschlossen wird.<ref>Tamedia: Bern wird zur Druckhochburg der Schweiz. In: persoenlich.com. 16. April 2026, abgerufen am 18. April 2026.</ref><ref>NZZ und Tamedia verlängern Zusammenarbeit für Druck und Logistik bis 2034. In: tamedia.ch. 17. April 2026, abgerufen am 18. April 2026.</ref> Per 1. Januar 2021 wurden die Ressorts Wirtschaft und International der NZZ und der NZZ am Sonntag zusammengeführt.<ref>NZZ und «NZZ am Sonntag» intensivieren Zusammenarbeit. In: unternehmen.nzz.ch. 17. September 2020, abgerufen am 31. August 2023.</ref>

Aktivitäten in Österreich und Deutschland

Nach dem Scheitern von NZZ Österreich, einer Online-Plattform, die von 2014 bis 2017 mit einer Redaktion in Wien «liberalen Qualitätsjournalismus» bieten wollte, baute die NZZ ihre Aktivitäten in Deutschland aus.

NZZ Berlin

Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 bot sie dann ein tägliches E-Paper samt Newsletter und einen wöchentlichen Kommentar von Chefredaktor Eric Gujer an.<ref>Geschäftsbericht 2017. (PDF) AG für die Neue Zürcher Zeitung, 2018, abgerufen am 30. März 2024.</ref> Das wachsende Interesse, das sich 2018 mit einem Wachstum der Abonnentenzahl um 50 Prozent zeigte,<ref>Geschäftsbericht 2018. (PDF) AG für die Neue Zürcher Zeitung, 2019, abgerufen am 30. März 2024.</ref> führte zu einem Ausbau des Angebots und damit des Büros Berlin. Die Abonnentenzahl stieg bis 2023 auf rund 50'000.<ref name=":1" /> Die zehnköpfige Redaktion wird von Chefredaktor Florian Eder geleitet; weitere Redaktoren sind unter anderem Alexander Kissler und Oliver Maksan, von 2016 bis 2021 Chefredaktor der konservativen katholischen Wochenzeitung Tagespost.<ref>Warum Chefredakteur Maksan «Die Tagespost» verlässt. In: Neues Ruhr-Wort. RW Media UG (haftungsbeschränkt), 31. Mai 2021, abgerufen am 26. Juni 2021.</ref><ref name="impressum">Impressum. Neue Zürcher Zeitung, 10. Mai 2023, abgerufen am 30. März 2024.</ref> In Deutschland wirbt die NZZ mit dem Slogan „Der andere Blick“.<ref>Stefan Niggemeier: Die NZZ, eine der etabliertesten Zeitungen der Welt, gibt sich als Anti-Mainstream-Blatt aus. 30. August 2024, abgerufen am 31. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seit dem Markteintritt 2017 erregte die NZZ Aufsehen. Gemäss ihrem Selbstverständnis sieht sie Deutschland mit einem bürgerlich-liberalen Blick und wahrt Distanz zum Berliner Politikbetrieb.<ref name=":3" /><ref name=":1" /> Der in Berlin lebende Schweizer Publizist Frank A. Meyer meinte dazu, der deutsche Medienmarkt sei eintönig geworden, da wirke die NZZ wie früher das Westfernsehen in der DDR, «weil jetzt Sachen gesagt werden, die jahrelang nicht gesagt wurden».<ref>NZZ: Kurswechsel ist Thema in deutschen Medien. Abgerufen am 13. Juli 2019.</ref><ref name="ZAPP">Wie früher das Westfernsehen in der DDR. ZAPP – Das Medienmagazin, 1. März 2018, abgerufen am 13. Juli 2019.</ref><ref>NZZ: Warum das Blatt sich wendet. NDR, abgerufen am 16. Juli 2019.</ref> Vor allem Chefredaktor Eric Gujer wurde vorgeworfen, er fische im rechten Spektrum, indem er in seinen Kommentaren Positionen vertrete, die bei der Alternative für Deutschland (AfD) Anklang fänden.<ref>Cornelius Oettle: Gehirnwäsche in der Höhenluft. taz.de, 10. Juli 2019, abgerufen am 4. Juli 2024.</ref> Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger stellte dazu fest, die NZZ geriere sich in ihren Meinungsbeiträgen zwar rhetorisch nicht populistisch und distanziere sich immer wieder von der AfD und von der Rechten allgemein. Sie spiele aber bewusst mit Begrifflichkeiten, die dort anschlussfähig seien.<ref>Neue Zürcher Zeitung – Expansion in Berlin. deutschlandfunk.de, abgerufen am 5. September 2023.</ref>

Als der ehemalige Präsident des deutschen Bundesamts für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen im Juli 2019 die Zeitung in einem Tweet ebenfalls als «Westfernsehen» bezeichnete, bat die Redaktion, diesen Vergleich zu unterlassen.<ref>„Für mich so etwas wie Westfernsehen“: Maaßen provoziert mit Tweet über Medien. tagesspiegel.de, 10. Juli 2019, abgerufen am 4. Juli 2024.</ref> Und sie wandte sich ebenso gegen einen Aufruf der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, sich bei der NZZ auf ein Volontariat zu bewerben.<ref>Reza Rafi: AfD-Star macht Werbung für die NZZ. blick.ch, 15. Juli 2018, abgerufen am 4. Juli 2024.</ref><ref>Neue Zürcher Zeitung: Verlag distanziert sich von AfD-Aufruf. persoenlich.com, 16. Juli 2018, abgerufen am 4. Juli 2024.</ref>

Während in den letzten Jahren die NZZ in der Schweiz immer wieder Stellen abbaute, wurde das Berliner Büro immer größer. Waren 2019 noch 5 Redaktoren beschäftigt, stieg die Zahl bis 2025 auf 11. Das Deutschland-Geschäft ist ab 2021 rentabel geworden und wird als zukünftige Cashcow angesehen. Gleichzeitig ist mit diesem Wachstum ein Schwenk der NZZ zur AfD zu beobachten. Ursache dafür könnten marktökonomische Gründe sein. So wurde ab dem Jahr 2024 in mehreren Artikeln des Berliner Büros zu einer Regierungsbeteiligung der AfD aufgerufen. Werbekampagnen der NZZ ähneln dem Medienwissenschaftler und dem früheren Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Klaus Meier, zufolge jenen der AfD. Mit der Übernahme durch Eric Gujer als Chefredaktor habe Meier zufolge die NZZ begonnen, Begriffe zu verwenden, die aus rechtspopulistischen bis rechtsextremen Kreisen stammen, und sie damit in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht. So spreche sich die NZZ für die Umsetzung einer „Remigration“ aus und verwende den Begriff „Zwangsabgabe“ für Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Arbeit der NZZ ordnet Klaus Meier zwischen „Ideologie, Aktivismus und Propaganda“ ein. In Artikeln werfe die NZZ anderen Medien immer wieder vor, nicht neutral zu berichten. So würden Faktenchecks anderer Medien, etwa der DPA, von „Ideologen“ durchgeführt. Dabei besuchen Journalisten der NZZ Faktencheck-Seminare der DPA, und selbst ein Artikel der NZZ mit der Überschrift „Wie Faktenchecker die Unwahrheit verbreiten und die Debatte vergiften“ musste nachträglich mehrmals korrigiert werden. Der Soziologe Oliver Nachtwey befindet daher, dass die NZZ sich in einem Kulturkampf gegen alle Formen des Liberalismus befinde. Einer Einschätzung des emeritierten Geschichtsprofessors und langjährigen Hausautors der NZZ, Georg Kreis, zufolge müsse sich der Chefredaktor Gujer den Vorwurf gefallen lassen, vom konsequent liberalen Kurs der Zeitung abzuweichen. Die Forderung Gujers, Björn Höcke (AfD) solle in Thüringen zum Ministerpräsidenten gewählt werden, kommentierte der frühere CEO der NZZ, Veit Dengler, so: „Einer NZZ, die ich kenne und liebe, ist das unwürdig. Der Verwaltungsrat und die Aktionäre sollten nach ihr schauen.“<ref>Marco Maurer: Auf dem rechten Weg nach Deutschland. In: Republik. 30. April 2025 (republik.ch [abgerufen am 3. Mai 2025]).</ref>

Ausrichtung

Der amerikanische Journalismus-Professor John Calhoun Merrill nannte die NZZ 1968 eine «europäische Institution».<ref>John Calhoun Merrill: The Elite Press: Great Newspapers of the World, Pitman Publishing Corporation, 1968, S. 214</ref> In Medienratings der Schweizer Medien gelangt die NZZ in der Regel auf höchste Positionen, dies regelmässig im Wettstreit mit dem Echo der Zeit von Radio SRF 1.<ref>«Qualitätsrating»: «Echo der Zeit» und NZZ an der Spitze, Kleinreport.ch, 20. September 2016</ref><ref>Medienqualitätsrating 2022 – Das ist die Bestenliste der Schweizer Medien, persönlich.com, 13. September 2022</ref>

Die NZZ gilt als «eher konservative, rechtsliberale» Zeitung.<ref name=":4">Marlene Kammerer, Fadri Crameri, Karin Ingold: Das Klima und die EU: Eine Diskursperspektive auf die deutsche und schweizerische Klimapolitik. In: The European Social Model under Pressure: Liber Amicorum in Honour of Klaus Armingeon. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-27043-8, S. 609, doi:10.1007/978-3-658-27043-8_34.</ref> Führende Köpfe, wie Chefredaktor Willy Bretscher, Carlo Mötteli,<ref>Carlo Mötteli: Schatten auf der sozialen Marktwirtschaft. 1971 (stiftung-utz.de [PDF]).</ref> Gerhard Schwarz,<ref>Bernhard Walpen: Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft: eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society (= Schriften zur Geschichte und Kritik der politischen Ökonomie). VSA-Verl, Hamburg 2004, ISBN 3-89965-097-2 (vsa-verlag.de [PDF]).</ref> Ernst Bieri und weitere waren entweder Mitgründer oder Mitglieder der Mont Pelerin Society, die als «gedankliche[r] Hort des Neoliberalismus» gilt.<ref>Andrea Franc: Schweiz, Filz und Neoliberalismus. 1. Februar 2013, abgerufen am 25. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der wirtschaftspolitische Kurs der NZZ wurde im und nach dem Zweiten Weltkrieg insbesondere auch von den Ideen Wilhelm Röpkes geprägt. Im Wirtschaftsteil der NZZ war auch noch im 21. Jahrhundert durch Gerhard Schwarz «eine eigentliche Röpke-Verehrung auszumachen».<ref name="schweizermonat2013">Andrea Franc: Schweiz, Filz und Neoliberalismus. schweizermonat.ch, 1. Februar 2013, abgerufen am 13. Juli 2024.</ref> Gerhard Schwarz<ref>Peter A. Fischer: Streit unter Liberalen eskaliert. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. Juli 2015, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 10. Juli 2024]).</ref> und René Scheu<ref>Liberale Klimaleugner: Das Netzwerk der «kreativen Zerstörer». 7. August 2019, abgerufen am 13. Juli 2024.</ref> waren Mitglieder der Hayek-Gesellschaft.

2015 änderte sich die Ausrichtung von einer zuvor liberal-demokratischen zu einer deutlich rechtskonservativen Blattlinie.<ref>Barbara Hönig, Simone Liesnig: Sozioökonomische Krisenfolgen und Geschlechtergerechtigkeit im Wissenschaftsbereich. In: Barbara Ratzenböck et al. (Hrsg.): Sozialer Zusammenhalt in der Krise. Interdisziplinäre Perspektiven auf Heterogenität und Kohäsion moderner Gesellschaften. Bielefeld 2023, S. 69–90 (hier S. 74).</ref> Die Presseschau eurotopics änderte im April 2019 ihren Eintrag über die NZZ dahingehend, dass die Zeitung seit der Übernahme der Chefredaktion durch Eric Gujer im Jahr 2015 «deutlich konservativer» geworden sei.<ref>Neue Zürcher Zeitung. In: eurotopics.net. Abgerufen am 1. März 2016, am 9. März 2019 und am 2. April 2019</ref> Davor hatte der Historiker Rudolf Walther 2018 geschrieben, dass es ab 2015 zu einem «redaktionellen Rechtsruck» gekommen sei.<ref>Rudolf Walther: Schweizer Medienlandschaft vor dem Ausverkauf – ein Sonderfall? Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, April 2018, abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich untersuchte von 2018 bis 2023 die Berichterstattung im Vorfeld von Volksabstimmungen in der Schweiz. Auf der dabei verwendeten Skala stand die NZZ auf 17 von 100 Punkten «rechts der Mitte».<ref>Die grossen Medien berichten politisch ausgewogen, Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft, 25. September 2023</ref>

Der Historiker Volker Weiß schrieb 2025, dass die neue politische Weltlage dazu geführt habe, dass Medien wie die NZZ, «die bereits seit einiger Zeit an der Normalisierung der AfD mitgewirkt hatten, grundsätzlich aber transatlantisch ausgerichtet» seien, gegenüber einer prorussischen Linie «auf weite Distanz» gegangen seien. «In der Haltung zu Flucht, Migration und den Grünen» seien «ihre Positionen für das Rechtsaußen-Lager oft nahtlos anschlussfähig» gewesen, «bei einer Kritik der politischen Westorientierung» habe die Gemeinsamkeit jedoch geendet.<ref>Volker Weiß: Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört. Klett-Cotta, Stuttgart 2025, S. 98</ref>

Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch zählte die NZZ 2025 zu den Mainstream-Medien, bei denen sich eine Tendenz erkennen lässt, dass sie «bestimmte Feindbilder oder Begriffe rechtsalternativer Medien übernehmen und sich ihnen – ob bewusst oder unbewusst – thematisch angleichen.»<ref>Luis Paulitsch: Alternative Medien. Definition, Geschichte und Bedeutung. Springer VS, Wiesbaden 2025, ISBN 978-3-658-47632-8, S. 84.</ref>

Berichterstattung zur Klimakrise

Die Berichterstattung der NZZ zum vom Menschen verursachten Klimawandel ist Gegenstand einiger Untersuchungen und wird medial diskutiert: Von 2009 bis 2014 lag die Anzahl der Artikel zum Klimawandel des Tages-Anzeiger gleichauf mit der der NZZ. Zwischen 2014 und 2017 sank dann der Anteil «der in der NZZ zum Thema Klimawandel publizierten Artikel deutlich unter de[n] des Tages-Anzeigers».<ref name=":4" /> Gemäss des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich war 2017 die Tonalität der Berichterstattung der NZZ zum Energiegesetz ablehnend, wenn auch weniger stark als bei der Weltwoche und der Basler Zeitung.<ref>Abstimmungsmonitor 2017. (PDF) In: FÖG. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> In der NZZ seien um 2011 in einer Reihe zu Energien der Zukunft die Windenergie immer wieder schlecht gemacht worden und der Klimawandel ignoriert worden, so Christina Marchand.<ref>Die NZZ auf Weltwoche- und BaZ-Niveau. In: Journal21. 11. Juni 2017, abgerufen am 13. Juli 2024.</ref> Bezüglich des CO₂-Gesetzes 2021 berichtete die NZZ neutral.<ref>Abstimmungsmonitor Juni 2021 – Schlussbericht. (PDF) In: FÖG. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> 2023 berichtete die NZZ laut FÖG bzgl. des Klimagesetz leicht positiv.<ref>Abstimmungsmonitor Juni 2023 – Schlussbericht. (PDF) In: FÖG. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> Ein Artikel des Magazins Republik verlautbarte, dass die NZZ auch wegen einiger Artikel zu Klimafragen «starke rechte Schlagseite erhalten» habe.<ref>Dennis Bühler: Wie die Schweizer Medien auf SVP-Kurs geraten sind. In: Republik. 28. September 2023 (republik.ch [abgerufen am 10. Juli 2024]).</ref>

Fokus auf Energie statt Klima

Im Abstimmungsmonitor von 2003 wird folgende Tendenz festgestellt: Während beim CO₂-Gesetz 2001 noch stärker das Problem (Klimawandel) thematisiert und damit die Dringlichkeit betont wurde, liegt nun der Fokus stärker auf der Umsetzung mit dem Klimagesetz. Damit verbunden, richtet sich die Aufmerksamkeit auf Energie- statt Umweltfragen; es geht vor allem um fossile vs. erneuerbare Energien statt beispielsweise um schmelzende Gletscher. Laut Abstimmungsmonitor verbindet die nzz.ch die Kostenfrage mit einer Kritik an den geplanten «schädlichen Subventionen» und bettet sie ein in eine Kritik, wonach «Klima-Kommunisten» nicht nur nach einem Umbau im Energiebereich strebten, sondern nach einem (linken) Umbau der Gesellschaft.<ref>Linards Udris: Abstimmungsmonitor Klimagesetz – OECD Mindestbesteuerung – Covid-19-Gesetz. (PDF) In: fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft. Universität Zürich, 16. Juni 2023, S. 5, abgerufen am 28. Juli 2024.</ref><ref>Christina Marchand: Die NZZ auf Weltwoche- und BaZ-Niveau. In: Journal21.ch. Journal21.ch ist ein im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragener Verein (CHE-169.338.194), 11. Juni 2017, abgerufen am 29. Juli 2024.</ref>

Rüge des Schweizer Presserates

Der Schweizer Presserat hat einen NZZ-Artikel vom 9. Oktober 2023 mit dem Titel «Das Schweizer Fernsehen schürt seit 35 Jahren Klimapanik – oft wider die Wissenschaft und gerne auch vor den Wahlen» gerügt. Die Rüge bezog sich insbesondere auf den Satz «Die Wissenschaft sieht noch heute keine Trends zu mehr Extremereignissen». Der Presserat kam zu dem Schluss, dass dieser Satz wichtige Informationen unterschlägt und damit gegen den Journalistenkodex verstößt. Dabei wurde betont, dass Journalisten zwar einen allgemein anerkannten Forschungsstand kritisch hinterfragen dürfen, aber wenn sie diesem widersprechen, sollten sie Belege liefern oder zumindest darauf hinweisen, dass es sich um eine Minderheitenposition handelt. Die Rüge wurde am 30. Dezember 2024 veröffentlicht.<ref>Wahrheitspflicht / Unterschlagen von Informationen. In: Schweizer Presserat. Abgerufen am 26. Februar 2025.</ref>

Aufmachung und Erscheinungsweise

Datei:NZZ Zuerich-msu-3037.jpg
Zentrale der NZZ-Gruppe in der Falkenstrasse 11 in Zürich

Die NZZ erscheint im üblichen Schweizer Zeitungsformat, das in Deutschland gelegentlich auch als «Format NZZ» bezeichnet wird. Die NZZ selbst hat diese Bezeichnung aufgenommen und bestreitet ein wöchentliches Fernseh-Magazin unter dem Titel NZZ Format.

Nach der Layout-Revision von 2009 gliederte sich die NZZ nur noch in drei Bünde. Am 21. August 2015 erschien die NZZ in einem wiederum in Zusammenarbeit mit Meiré und Meiré entwickelten neuen Layout. Die Zeitung gliedert sich seither wieder in vier Bünde mit einem fünften am Freitag. Der Inlandteil befindet sich damit neu am Beginn eines Bundes (des zweiten). Der Sport ist statt am Ende des zweiten Bundes (Wirtschaft) am Ende des vierten (Feuilleton) zu finden. Der zusätzliche fünfte Bund am Freitag (Wochenende) enthält einen Schwerpunkt als Auftakt, dazu die Spezialressorts «Forschung und Technik», «Reisen» und «Mobil/Digital» sowie grosse Reportagen, Porträts und Gesellschaftsthemen.

Bis zum 6. Dezember 1869 erschien die NZZ einmal, danach zweimal, vom 3. Januar 1894 an dreimal täglich. Am 29. September 1969 kehrte man wieder zu zwei Ausgaben zurück. Seit dem 30. September 1974 erscheint nur noch eine Tagesausgabe. Als ergänzenden Beinamen erhielt die NZZ am 1. Januar 1879 die Bezeichnung «und schweizerisches Handelsblatt».

Zuerst, ab 12. Januar 1780, hiess der Zeitungskopf Zürcher Zeitung, ab 1. Januar 1799 Züricher Zeitung, ab 1. Januar 1802 wieder Zürcher Zeitung, ab 1. Februar 1809 Zürcher-Zeitung, ab 2. Juli 1821 Neue Zürcher-Zeitung und seit 1. Januar 1898 Neue Zürcher Zeitung.

Bezüglich der verwendeten Druckschrift erfolgte mit der Morgenausgabe vom 1. August 1946 der Wechsel von der Fraktur zur Antiqua<ref>Von der Fraktur zur Antiqua. In: Neue Zürcher Zeitung, Morgenausgabe vom 1. August 1946 (Digitalisat in e-npa.ch).</ref> (Antiqua-Fraktur-Streit).

Die NZZ wendet die neue Rechtschreibung nicht vollständig an. So wird etwa Greuel anstelle von Gräuel und sich in acht nehmen anstelle von sich in Acht nehmen verwendet. Einen Leitfaden dazu bietet das von «NZZ Libro» verlegte NZZ-Vademecum.<ref>Boas Ruh: Kennen Sie die besonderen Schreibweisen der «Neuen Zürcher Zeitung»? In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Juni 2017.</ref><ref>Urs Bühler: Wie man Plastik richtig platziert. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. November 2018 (archiviert auf PressReader).</ref>

Ab 1893 führte die Zeitung eine Partie- und Problemschach-Rubrik, die 2016, nach über 120 Jahren, eingestellt wurde.<ref>Richard Forster: Ein Abschied vom Schach. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Dezember 2016, S. 64.</ref>

Digitalisierung

Im Jahre 2005 digitalisierte die NZZ den Mikrofilm der bisherigen Ausgaben seit 1780, insgesamt ca. zwei Millionen Seiten, was Dateien im Umfang von 70 Terabyte erzeugte.<ref>70 Terabyte Zeitgeschichte. In: Fraunhofer Magazin. 2. 2005.</ref><ref>NZZ Archiv 1780.</ref> In den Jahren 2021/22 wurden die gedruckten Originalausgaben der Jahre 1780 bis inklusive 1996 gescannt, mit verbesserter Texterkennung (OCR) bearbeitet und auf dem Portal e-newspaperarchives.ch online gestellt. Für den Zugriff gilt eine retrospektive Sperrfrist von 25 Jahren.

Auflage

Die NZZ hat Stand 2023 eine WEMF-beglaubigte Gesamtauflage von 82'438 verkauften bzw. 89'766 verbreiteten Exemplaren pro Tag<ref>WEMF Auflagenbulletin 2023. (PDF) WEMF AG für Werbemedienforschung, 2023, abgerufen am 29. März 2024.</ref> und eine Reichweite von 223'000 (Vorjahr 210'000) Lesern.<ref>Reichweitenstudie: Zeitungen von Ringier und Tamedia verlieren kräftig. In: persoenlich.com. Abgerufen am 29. März 2024.</ref> Ihre internationale Ausgabe NZZ International ist ein zumeist etwa 40 Seiten umfassendes, werktäglich erscheinendes Zeitungsformat. Die Ausgabe ist speziell für Leser aus dem deutschsprachigen Ausland konzipiert, weshalb sie einen verminderten Anteil an Schweizer Meldungen und einen entsprechend stärkeren Fokus auf internationale Politik hat.

Wie fast alle gedruckten Tageszeitungen büsste die NZZ aufgrund der Digitalisierung stark an Auflage ein. Die verkaufte Printauflage fiel in den 10 Jahren von 2013 bis 2023 von 114'154 auf 82'438 Exemplare. Das entsprach einem durchschnittlichen Rückgang von 3,2 % pro Jahr. In den letzten Jahren konnte das Printgeschäft stabilisiert und das digitale Angebot stark ausgebaut werden. Die NZZ verzeichnete Ende 2023 60 Prozent rein digitale Abonnenten und nur noch 20 Prozent reine Print-Nutzer.<ref name=":1">Geschäftsbericht 2023. (PDF; 9,0 MB) AG für die Neue Zürcher Zeitung, März 2024, abgerufen am 29. März 2024.</ref>

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Entwicklung der verkauften Auflage nach WEMF-Auflagebulletins (s. Details 2008<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />WEMF-Auflagenbulletin 2008 (Memento vom 21. Mai 2009 im Internet Archive). (PDF; 215 kB), S. 12.</ref> und 2023<ref name="wemf" />)

Leitende Personen

(leitende Redaktoren laut Impressum)<ref name="impressum" />

Liste der Chefredaktoren

Zürcher Zeitung

Neue Zürcher Zeitung

Weitere Produkte

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Schriftzug der NZZ am Sonntag

Der Name NZZ wird neben der Zeitung selbst auch für viele andere Produkte verwendet. Die wichtigsten:

  • NZZ am Sonntag, Sonntagsausgabe
  • NZZ Folio, zweimonatliches Magazin
  • NZZ Geschichte, historisches Magazin
  • NZZ Magazin, digitales Portal mit Magazininhalten
  • Z – Die Substanz des Stils, Lifestyle-Magazin im Spezialformat
  • NZZ Bellevue, digitales Portal mit Lifestyleinhalten
  • NZZ Format, eine Doku-Reihe für das Schweizer Fernsehen
  • NZZ Standpunkte, Fernsehsendung und Podcast<ref>srf.ch: NZZ Standpunkte</ref><ref>nzz.ch: NZZ Standpunkte</ref>
  • NZZ Akzent, täglich erscheinender Podcast
  • NZZ Machtspiel, wöchentlich erscheinender Podcast zur deutschen Innenpolitik
  • NZZ Geopolitik, wöchentlich erscheinender, außenpolitischer Podcast
  • NZZ Quantensprung, wöchentlich erscheinender Wissenschaftspodcast
  • NZZ Podium, Veranstaltungsreihe<ref>Website NZZ Podium</ref>
  • NZZ Libro, Buchverlag der Neuen Zürcher Zeitung
  • NZZ Jobs, Stellenportal der NZZ für Kader und Fachspezialisten
  • NZZ Domizil, Immobilienplattform
  • NZZ Vademecum, sprachlich-technischer Leitfaden der NZZ<ref>Das «Vademecum» und die Sprache der NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. Juli 2022, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 12. Mai 2024]).</ref>
  • The Market NZZ, digitale Finanzplattform<ref>The Market: NZZ übernimmt 100 Prozent der Aktien; Gründerteam bleibt an Bord und führt das digitale Finanzmagazin in die nächste Wachstumsphase. Pressemitteilung. In: unternehmen.nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung AG, 11. Dezember 2023, abgerufen am 2. Juli 2024 (nzz.ch: themarket.ch): „The Market ist ein digitales Finanzmagazin, das sich mit Einordnung, Analyse und Meinung zum Geschehen an den internationalen Finanzmärkten an Anlegerinnen und Anleger richtet.“</ref>

Literatur

  • Neue Zürcher Zeitung und schweizerisches Handelsblatt (NZZ). Neue Zürcher Zeitung, Zürich 42.1821, 2. Juli-ff. ISSN 0376-6829.
  • Thomas Maissen: Die Geschichte der NZZ 1780–2005. NZZ Libro, Zürich 2005, ISBN 3-03823-134-7.
  • Thomas Maissen: Vom Sonderbund zum Bundesstaat. Krise und Erneuerung 1798–1848 im Spiegel der NZZ. Zürich 1998, ISBN 3-85823-742-6.
  • Conrad Meyer: Das Unternehmen NZZ 1780–2005. NZZ Libro, Zürich 2005, ISBN 3-03823-130-4.
  • Urs Hafner: Aus den Anfängen der NZZ. Texte und Kommentare. NZZ Libro, Zürich 2006, DNB 981445519.
  • Urs Hafner: Subversion im Satz. Die turbulenten Anfänge der «Neuen Zürcher Zeitung» (1780–1798). NZZ Libro, Zürich 2015, ISBN 3-03810-093-5.
  • Friedemann Bartu: Umbruch. Die Neue Zürcher Zeitung. Ein kritisches Porträt. Orell Füssli, Zürich 2020, ISBN 978-3-280-05716-2.

Weblinks

Commons: Neue Zürcher Zeitung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="wemf"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />WEMF-Auflagebulletin 2019 (Memento vom 28. April 2020 im Internet Archive; PDF; 593 kB) In: wemf.ch, WEMF AG für Werbemedienforschung </ref> </references>

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