Zum Inhalt springen

Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Logo Hayek Gesellschaft.svg
Logo

Die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft e. V. wurde 1998 von einer Gruppe von Lobbyisten, Wirtschaftswissenschaftlern, Juristen, Unternehmern und Publizisten in Freiburg gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. Sie steht in enger Verbindung zur im Jahr 2002 gegründeten Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft (nicht zu verwechseln mit der im Jahr 1999 gegründeten Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung). Die Gesellschaft war ursprünglich liberal orientiert, bewegte sich mit dem Eintritt von Personen wie Alice Weidel, Beatrix von Storch und Vera Lengsfeld in den letzten Jahren aber zunehmend nach rechts.

Betätigung

Die Gesellschaft bezweckt gemäß ihren Statuten die „Förderung der wirtschafts-, rechts- und gesellschaftswissenschaftlichen Forschung und Erkenntnis im Geiste Friedrich A. von Hayeks sowie deren Verbreitung“. Sie veranstaltet jährliche Hayek-Tage mit der Verleihung einer Hayek-Medaille.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Allgemeine Informationen zur Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft e. V.] Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Juli 2015.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Sie fördert Gesprächskreise, sogenannte „Hayek-Clubs“, die im deutschsprachigen Raum der Vernetzung und dem regelmäßigen Austausch dienen sollen.<ref>Hayek-Clubs Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft</ref> Im Juli 2017 hatte sie 316 Mitglieder. Sie ist Teil des Netzwerks der Mont Pèlerin Society.

Mitglieder der Hayek-Gesellschaft wie Stefan Kooths befürchten, dass staatliche Eingriffe in die Wirtschaft (z. B. auch als Maßnahmen gegen den Klimawandel) wieder Hochkonjunktur hätten, was dann schlussendlich zu einer zentralen Planwirtschaft durch zunehmenden Interventionismus bzw. zu einem wie auch immer geartetem Sozialismus führen würde.<ref>Malte Fischer: Vordenker von Hayek: „Wir können auf dem Weg zur Knechtschaft noch umkehren“. In: Wirtschaftswoche. 18. März 2024, abgerufen am 1. Juli 2024.</ref>

Die Hayek-Gesellschaft gehört zu einem Netzwerk von Lobbyorganisationen, das sich für eine strenge Austeritäts­politik einsetzt.<ref>Dieter Plehwe, Moritz Neujeffski, Werner Krämer: Saving the dangerous idea: austerity think tank networks in the European Union. In: Policy and Society. Band 37, Nr. 2, 7. Februar 2018, ISSN 1449-4035, S. 188–205, doi:10.1080/14494035.2018.1427602.</ref>

Finanzierung

Ihre Arbeit wird wesentlich von der Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft finanziert, die über ein mittleres siebenstelliges Stiftungsvermögen verfügt.<ref>Benjamin Bidder: AfD-Streit zerreißt liberale Hayek-Gesellschaft. Spiegel-Artikel vom 31. Januar 2021</ref> Der Papierindustrielle Edmund Radmacher hatte jedoch verfügt, dass Erträge seiner Privatstiftung nur fließen, solange dort Gerd Habermann bestimmt.<ref name="sz">Katja Riedel & Sebastian Pittelkow: Die Hayek-Gesellschaft – „Mistbeet der AfD“? In: Süddeutsche Zeitung. 14. Juli 2017</ref>

Kontroversen

Die Hayek-Gesellschaft war ursprünglich eine liberale Organisation. In den letzten Jahren (Stand 2020) bewegte sie sich aber u. a. mit dem Eintritt von Personen wie Alice Weidel, Beatrix von Storch und Vera Lengsfeld immer weiter nach rechts. Spiegel Online spricht in diesem Kontext von einem „Prozess der Unterwanderung“ der Organisation, wobei jedoch viele dort diesen aus freien Stücken akzeptierten.<ref> Benjamin Bidder, Michael Sauga: Homburg, Meuthen, Tichy. Wenn Ökonomen abdriften. In: Spiegel Online, 23. Dezember 2020. Abgerufen am 26. Dezember 2020.</ref>

Im ersten Halbjahr 2015 akzentuierte sich innerhalb der Gesellschaft eine Auseinandersetzung zwischen Gerd Habermann und deren Vorsitzender, Karen Horn, die an den Hayek-Tagen im Juni 2015 eskalierte. Horn hatte in verschiedenen Artikeln zur Abgrenzung gegenüber rechtem und rechtsnationalem Gedankengut aufgerufen.<ref name="Austritte">Philip Plickert: Liberaler Verein: Austritte erschüttern Hayek-Gesellschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. Juli 2015, abgerufen am 16. Juli 2017.</ref> Sie sorge sich darum, dass Vorurteile und üble Nachrede nicht nur wie gewohnt gegen Keynesianer und Sozialisten, sondern auch gegen „Demokratie, Feminismus, Pluralität, Homosexualität und Atheismus“ als Feindbilder überhand nähmen.<ref name="FAZ">Heike Göbel: Streitbare Geister der Freiheit, FAZ, 26. Juni 2015</ref>

In einem offenen Brief forderten 26 Mitglieder Horn darauf zum Rücktritt auf: Den Artikel könnten sie nur „als Versuch verstehen, der Gesellschaft ein einseitiges und verengtes Liberalismusverständnis aufzuzwingen und große Teile der Mitgliederschaft als ‚reaktionär‘ auszugrenzen“. Die Gesellschaft brauche an der Spitze jemanden, der den Geist der Freiheit vorlebe.<ref name="FAZ" />

Auf der Mitgliederversammlung im Juni 2015 schlug die Vorsitzende Karen Horn weitgehende Satzungsänderungen vor, denen die Mehrheit der Mitglieder nicht zustimmte.

Austritte

Im Juli 2015 traten rund 60 Vereinsmitglieder aus und veröffentlichten eine Erklärung,<ref>Erklärung von Leipzig: Austritte aus der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Juli 2015, abgerufen am 16. Juli 2017 (mit Stellungnahme von Karen Horn).</ref> darunter die Vorsitzende Karen Horn, der stellvertretende Vorsitzende Michael Wohlgemuth, drei Mitglieder des Stiftungsrates sowie Lars Feld, IW-Chef Michael Hüther, FDP-Chef Christian Lindner und Hans-Olaf Henkel.<ref name="Austritte" /><ref>Peter A. Fischer: Exodus aus der Hayek-Gesellschaft: Streit unter Liberalen eskaliert. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. Juli 2015, abgerufen am 16. Juli 2017.</ref>

Der Ökonom Peer Ederer wurde im Frühjahr 2017 als für Finanzen zuständiges Mitglied der Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft abberufen. Er hatte Interna an den Spiegel weitergegeben und durch die resultierende Veröffentlichung den Datenschutz und Persönlichkeitsrechte einzelner Mitglieder verletzt, insbesondere durch die Nennung der Höhe der Bezüge, die Gerd Habermann für seine Tätigkeit bekam. Günter Ederer und sein Sohn Peer traten im Juni 2017 aus der Hayek-Gesellschaft aus, weil sie das Vermächtnis von Friedrich August von Hayek „in einen nationalistisch-völkischen Sumpf gezogen“ sahen.<ref name="sz"/>

Ehrung von Javier Milei

Am 22. Juni 2024 erhielt der Präsident Argentiniens, Javier Milei, die Medaille der Hayek-Gesellschaft in Hamburg. In seiner Laudatio beschrieb deren Präsident, der Ökonom Stefan Kooths, Milei als einen Bahnbrecher, welcher seinem Land die Chance gebe, aus durch Blockaden des Interventionismus verursachten Sackgassen herauszufinden. Er sei kein Populist, sondern vielmehr ein „Popularisierer freiheitlich-marktwirtschaftlicher Ideen“ und wende sich ab von populistischen Versprechungen auf billige Lösungen und von paternalistischen Attitüden eines Wohlfahrtsstaats, welcher letztlich nur das Elend verwalte: Damit gebe er seinen Landsleuten Selbstvertrauen und berechtigte Hoffnung.<ref>Peter A. Fischer: Vom Ökonomieprofessor zum Freiheitskämpfer: Javier Milei erhält Hayek-Medaille. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Juni 2024, abgerufen am 22. Juni 2024.</ref> Der Verleihung, bei der auch bekannte Personen des politisch rechten Spektrums in Deutschland wie etwa Hans-Georg Maaßen und Beatrix von Storch anwesend waren, wohnten etwa 200 Gäste bei. Die Veranstaltung wurde von Protesten von ca. 300 Menschen<ref>Protest gegen Milei-Besuch in Hamburg - Ein Preis für den Staatsfeind. 22. Juni 2024, abgerufen am 31. Juli 2025.</ref> begleitet,<ref>Preisverleihung in Hamburg: Milei verzichtet auf Krawallrede. 22. Juni 2024, abgerufen am 26. Juni 2024.</ref> zu denen verschiedene linke und einige argentinische Organisationen wie auch die deutsche Partei Die Linke aufgerufen hatten.<ref>tagesschau.de: Demonstration in Hamburg Protest gegen Preis für Argentiniens Präsident Milei. 22. Juni 2024, abgerufen am 22. Juni 2024.</ref>

Im Vorfeld der Auszeichnung hatte das Vorstandsmitglied der Hayek-Gesellschaft Gerd Habermann im Blog „Achse des Guten“ sich wie folgt zu Milei geäußert: „Es geht Milei um nichts weniger als um die Abschaffung des egalitären Wohlfahrtstaates (nicht nur seine Reform) und des gesellschaftspolitischen Destruktionismus (Genderismus and all that).“

In der Wochenzeitung Die Zeit kommentierte Thomas Assheuer, dass die Hayek-Gesellschaft Milei zwar als „Leuchtturm der Freiheit“ rühme, doch neben seinem Ultraliberalismus trete auch ein „autoritäre[s] rechtsradikale[s] Gehabe“ hervor. Er hasse Linke, Umweltaktivisten, und Feministinnen, dafür ehre er Donald Trump sowie den Rassisten Murray Rothbard, nach dem er einen seiner Hunde benannt habe. Die „nach rechts hin offene“ Hayek-Gesellschaft habe mit Mileis politischen Ansichten offenbar kein Problem. Dies sei wenig verwunderlich, denn der Namensgeber der Organisation Friedrich August von Hayek war 1977 „nach Chile gereist, um dem Gewaltherrscher Augusto Pinochet bei der ‚Befreiung‘ der Wirtschaft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“. Hayek pflegte auch Sympathien für den portugiesischen Diktator António de Oliveira Salazar. Über das soziale Elend, das Mileis Politik hervorrufe, „schweigen sympathisierende Wirtschaftswissenschaftler“.<ref>Thomas Assheuer: Javier Milei: Auf dem Weg zum Marktfaschismus. In: Die Zeit. 24. Juni 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 27. Juni 2024]).</ref>

Kritik an der Haltung der Hayek-Gesellschaft zum Klimawandel

In der Hayek-Gesellschaft sind laut dem Magazin Der Spiegel viele Klimawandelleugner aktiv.<ref name="spiegel2023">Christian Stöcker: Klimaschutz: Die heimlichen Einflüsterer der FDP – Kolumne. In: Der Spiegel. 25. Juni 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 28. Juni 2024]).</ref> Der Verein EIKE, der als Zentrum der politisch aktiven und organisierten Klimaleugnerszene in Deutschland bekannt ist, ist mit seinem Präsidenten Holger Thuß<ref>Jens Wernicke, Dirk Pohlmann: Die Öko-Katastrophe: Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen. Rubikon-Betriebsgesellschaft mbH, 2019, ISBN 978-3-96789-001-3 (google.de [abgerufen am 29. Juni 2024]).</ref>, seinem Vizepräsidenten Michael Limburg und mit seinem Generalsekretär Wolfgang Müller<ref>PRESS RELEASE: Heartland Institute to Present Latest Climate Science in Poland During COP-24 – The Heartland Institute. 22. Februar 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2024; abgerufen am 29. Juni 2024.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/heartland.org</ref> vertreten. Limburg, der als AfD-Mitglied die Klimapolitik der Partei maßgeblich beeinflusst hat, hält Vorträge in der Hayek-Gesellschaft.<ref name="spiegel2023" /><ref>Hayek-Club Berlin Die „Energiewende“ – Akt der Selbstzerstörung einer Industrienation? - hayek. 1. März 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. März 2024; abgerufen am 29. Juni 2024.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hayek.de</ref><ref>Beitrag Limburgs zum Thema "Klimasozialismus". In: Hayek-Gesellschaft. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. März 2022; abgerufen am 29. Juni 2024.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hayek.de</ref> Der Initiator der Hayek-Gesellschaft Gerd Habermann hielt im Jahr 2011 ebenfalls einen Vortrag auf einer Konferenz von EIKE.<ref>Matthias Quent, Christoph Richter, Axel Salheiser: Klimarassismus: Der Kampf der Rechten gegen die ökologische Wende. Piper ebooks, 2022, ISBN 978-3-492-60224-2 (google.de [abgerufen am 29. Juni 2024]).</ref>

Parteimitgliedschaften

Mit Datum vom 9. Februar 2016 hatte der Vorsitzende der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, basierend auf einer „großen Mehrheit innerhalb des Vorstands“, Beatrix von Storch brieflich um einen freiwilligen Austritt aus der Hayek-Gesellschaft gebeten. Das öffentlich wahrnehmbare Verhalten entspreche nicht dem Zweck der Hayek-Gesellschaft und dem Gedankengut Hayeks. Von Storch ist dieser Bitte jedoch nicht nachgekommen.<ref name="Eine Mitteilung des Vorstands der Hayek Gesellschaft"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eine Mitteilung des Vorstands der Hayek-Gesellschaft in Bezug auf die Mitgliedschaft von Frau Beatrix von Storch in der Hayek-Gesellschaft (Memento vom 10. Dezember 2019 im Internet Archive). 29. November 2016</ref><ref name="sz" /> Neben ihr sind auch die AfD-Bundestagsabgeordneten Alice Weidel und Peter Boehringer Mitglieder der Gesellschaft. Alice Weidel gab ihren Austritt im Februar 2021 bekannt.<ref>Alice Weidel zieht sich aus Hayek-Gesellschaft zurück</ref>

Organe

Hayek-Medaille

Die Hayek-Medaille erhielten:<ref>Hayek-Medaillenträger, hayek.de, abgerufen am 8. August 2023</ref>

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

Aktuelle und ehemalige Mitglieder

Im Jahr 2015 gehörten der Gesellschaft 300 Wirtschafts- und Politikwissenschaftler, Politiker, Juristen, Unternehmer und Autoren an,<ref name=FAZ2015>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Heftiger Streit in der Hayek-Gesellschaft.] In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 9. April 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung (PDF; 277 kB).</ref> darunter:

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

Siehe auch

Friedrich A. v. Hayek Institut<ref>Das Hayek Institut gratuliert der deutschen Hayek Gesellschaft. In: Hayek Institut. 21. August 2023, abgerufen am 8. Dezember 2024.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein