Der Mann auf dem Balkon
{{#if: behandelt einen Krimi. Zum gleichnamigen Dokumentarfilm (2008) über einen KZ-Überlebenden siehe hier.
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Der Kriminalroman Der Mann auf dem Balkon (schwedischer Originaltitel: Mannen på balkongen) vom schwedischen Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö ist der dritte Band der zehnbändigen Krimi-Reihe Roman om ett brott (Roman über ein Verbrechen) mit Kommissar Martin Beck. Die schwedische Erstauflage des Buches erschien 1967, in der Bundesrepublik erschien der Roman bei Rowohlt 1970, in der DDR (Verlag Volk und Welt) 1982.
Inhalt
Zu Beginn des Buches begibt Kommissar Beck sich auf eine erholsame Dienstreise zu seinem Kollegen Ahlberg aus Motala, den er beim Fall der Toten im Götakanal kennengelernt hat. Im Reichspolizeipräsidium sind seine Kollegen derweil auf der Suche nach einem brutalen Handtaschenräuber, der die Stockholmer Parks unsicher macht. In demselben Park, in dem sein letzter Überfall stattfand, wird wenig später von zwei Landstreichern eine Kinderleiche entdeckt. Das 9-jährige Mädchen ist missbraucht und erwürgt worden. Kurz danach fällt ein weiteres Kind dem gleichen Verbrecher zum Opfer. Als Beck zurückkehrt, läuft die Ermittlungsmaschinerie der Polizei bereits.
Der Polizei fehlt anfangs jeder Anhaltspunkt. Lediglich ein älterer Exhibitionist wird kurzzeitig festgenommen, hat aber mit den Morden nichts zu tun. Da die Entführung des zweiten Mädchens lediglich von einem dreijährigen Jungen mit angesehen wurde, wird die Suche nach dem Handtaschenräuber, der den Täter vielleicht auch bemerkt hat, intensiviert. Er kann zwar festgenommen werden, als er von seiner eifersüchtigen Freundin angezeigt wird, hat den Kindermörder aber nur schemenhaft gesehen.
Die Tatsache, dass sie zu lange im Dunkeln tappen, und die Angst, weitere Morde nicht verhindern zu können, zehrt an den Nerven der Ermittler. Als Kollberg sich eines Abends in einen Park stellt, um wenigstens zu verhindern, dass hier und heute ein Kind getötet wird – eine ähnlich sinnlose Aktion wie Gunvald Larssons Herumfahren in der Stadt auf der Suche nach einem Mann, auf den die Beschreibung passt –, wird er niedergeschlagen. Verängstigte Stockholmer hatten mit der Einrichtung einer illegalen Bürgerwehr reagiert. Beck und Kollberg müssen zeitaufwändig nun auch noch diese in Schach halten.
Erst ein Zufall bringt die Ermittlungen weiter: Kriminalassistent Larsson, der in diesem Roman erstmals auftritt, hat ganz zu Anfang der Fahndung mit einer älteren Dame telefoniert, welche sich über einen Mann in einer gegenüberliegenden Wohnung beschwerte, der den ganzen Tag auf seinem Balkon stehe und auf die Straße schaue, auf der u. a. Kinder spielten. Nachdem sich Martin Beck an diesen Anruf erinnert hat, werden mit Mühe die Notiz Larssons und durch eine Mischung aus hartnäckigen Ermittlungen und einem Zufall auch die Anruferin, die den häufigen Namen Andersson trägt, aufgefunden. Ihr Hinweis führt in die Wohnung des Mörders und schließlich zu seiner Festnahme, unmittelbar bevor er erneut ein Kind angreifen kann.
Hintergrund
Der Mann auf dem Balkon war die dritte gemeinsame Arbeit von Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Mit dem Erscheinen des Vorgängers Der Mann, der sich in Luft auflöste entschied das Autorenduo aus Martin Beck und seinen Kollegen eine Serie zu machen, die auf exakt zehn Bände angelegt war. Der gemeinsame Titel des Romanzyklus lautete Roman über ein Verbrechen.<ref>Zehn nach Zehn. Maj Sjöwall im Gespräch. Interview von Norbert Klugmann und Peter Mathews. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 24–25.</ref> Per Wahlöö begründete nach Erscheinen des dritten Bandes in einem Interview: „Seine Idee besteht darin, in einem langen Roman von ca. dreitausend Seiten [...] einen Längsschnitt durch eine Gesellschaft von einer bestimmten aktuellen Struktur zu legen, die Kriminalität als soziale Funktion zu analysieren und ihre Relation sowohl zu der genannten Gesellschaft als auch zu den moralischen Lebensformen verschiedener Art, die diese umgeben, offenzulegen.“<ref>Rudi Kost: Bi-ba-Bullenpack. Sjöwall/Wahlöös chronique scandaleuse der Klassengesellschaft. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 3 (online).</ref>
Den Ausgangspunkt des Romans bildete ein realer Kriminalfall in Schweden: Im Sommer 1963 wurden in Stockholm zwei kleine Mädchen von Spielplätzen entführt, sexuell missbraucht und ermordet. Neben der Hauptfigur Martin Beck und seinen bereits bekannten Kollegen Lennart Kollberg und Fredrik Melander hat Gunvald Larsson seine erste tragende Rolle in der Serie.<ref>Jo Nesbø: Vorwort. In: Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann auf dem Balkon. Rowohlt, Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-24443-8, S. 5, 7.</ref> In dem „Snob mit den vulgären Manieren“ zeigt sich laut Rudi Kost am deutlichsten die politische Botschaft von Sjöwall und Wahlöö: er vertritt die radikalsten Ansichten, wendet aber auch die fragwürdigsten Methoden an. Auch die Streifenpolizisten Karl Kristiansson und Kurt Kvant haben ihren ersten Auftritt im Roman. Kost beschreibt sie als „rechthaberische, unfähige, dumme, faule Polizisten“.<ref>Rudi Kost: Bi-ba-Bullenpack. Sjöwall/Wahlöös chronique scandaleuse der Klassengesellschaft. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 9, 12 (online).</ref> Maj Sjöwall gab in einem Interview an, dass es im Stockholm zur Entstehungszeit vergleichbare Streifenpolizisten „an jeder Straßenecke“ gegeben habe. Die Autoren hätten sie „sogar noch etwas im Niveau angehoben“. Sie hätten aber vorher recherchiert, dass keine realen Polizisten die Namen trugen, um niemanden persönlich zu beleidigen.<ref>Zehn nach Zehn. Maj Sjöwall im Gespräch. Interview von Norbert Klugmann und Peter Mathews. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 26–27.</ref>
Rezeption
Für Jo Nesbø markierte Der Mann auf dem Balkon den Durchbruch für Sjöwall und Wahlöö. Es sei „ein wahrer Polizeiroman“, dessen Fokus fast vollständig auf dem Mordfall liege und der mit nüchternem, strengen Realismus erzählt werde ohne jedes unnötige Wort, so dass etwa die polizeilichen Vernehmungen nur aus Dialogen bestehen. Die Kunst des Romans sei seine Glaubwürdigkeit und Unvorhersehbarkeit. Schon die Anfangsszene, die Schilderung von alltäglichen Szenen aus Stockholm von der Warte eines Balkons aus, sorgt für eine realistische, aber gleichzeitig unheilsschwangere Atmosphäre, die durch den Titel des Romans verstärkt wird. Dieses Zusammenspiel aus Anfangsszene und Titel macht für Nesbø Der Mann auf dem Balkon „zu einem der besten Titel in der Kriminalliteratur überhaupt“.<ref>Jo Nesbø: Vorwort. In: Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann auf dem Balkon. Rowohlt, Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-24443-8, S. 5–9.</ref>
Während Rudi Kost die ersten beiden Titel der Reihe, Die Tote im Götakanal und Der Mann, der sich in Luft auflöste als „von ihrer Machart her konventionelle Krimis“ beschreibt, wandelt sich die Reihe für ihn mit Der Mann auf dem Balkon. Statt dem personalen Erzähler Martin Beck werden die Romane nun aus wechselnden Perspektiven erzählt, setzen ein mit dem Verbrechen oder dem Täter, und springen in einer Technik, die an den Filmschnitt erinnert, zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her. Vor allem verstärken sich aber die sozialkritischen Passagen, in denen die beiden Autoren die schwedische Gesellschaft im Allgemeinen und die Polizeiarbeit im Besonderen anprangern. So kritisieren die Figuren im Roman eine „Schuld der Sozialordnung“ sowie eine „falsche […] Philosophie, die durch das verfaulte System unterstützt wird“.<ref>Rudi Kost: Bi-ba-Bullenpack. Sjöwall/Wahlöös chronique scandaleuse der Klassengesellschaft. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 5–6 (online).</ref>
Verfilmung
Der Mann auf dem Balkon wurde 1993 von Regisseur Daniel Alfredson verfilmt, die Rolle des Martin Beck spielte Gösta Ekman.
Einzelnachweise
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Die Tote im Götakanal | Der Mann, der sich in Luft auflöste | Der Mann auf dem Balkon | Endstation für neun | Alarm in Sköldgatan | Und die Großen lässt man laufen | Das Ekel aus Säffle | Verschlossen und verriegelt | Der Polizistenmörder | Die Terroristen
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