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Die Tote im Götakanal

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Datei:Göta Kanal, genom Motala.jpg
Götakanal bei Motala
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Tatort: die Diana

Der Kriminalroman Die Tote im Götakanal (schwedischer Originaltitel: Roseanna) des Autorenpaares Maj Sjöwall und Per Wahlöö ist der erste Roman der zehnbändigen Krimi-Reihe Roman om ett brott (Roman über ein Verbrechen) mit Kommissar Martin Beck. Die schwedische Erstveröffentlichung war 1965, in der Bundesrepublik Deutschland erschien der Roman 1968, in der DDR 1981.

Inhalt

Beim Ausbaggern eines Schleusenbeckens am Götakanal bei Motala wird eine Frauenleiche gefunden. Martin Beck, hier noch Erster Kriminalassistent, und seine Kollegen ermitteln, dass die Frau auf dem Touristendampfer Diana mitgefahren und dort auch vergewaltigt und erwürgt worden ist.

Da jedoch keine entsprechende vermisste Person gemeldet ist, sind zunächst keine weiteren Anhaltspunkte zu finden. Nach Monaten stellt sich heraus, dass die Frau eine Amerikanerin namens Roseanna McGraw aus Lincoln (Nebraska) ist. Da sie allein unterwegs war, die auf der Buchungsliste erfassten männlichen Passagiere aber als Täter ausscheiden und die Mitreisenden sich auch an keinen Begleiter oder sonstige Kontaktperson von Roseanna erinnern, kommt Martin Beck auf die Idee, die Fotos und Schmalfilme aller Touristen, die auf dieser Schiffsreise waren, auszuwerten.

Dadurch ergibt sich schließlich ein Hinweis auf den Deckspassagier Folke Bengtsson, der das Schiff nur für eine Teilstrecke benutzt hatte. Martin Beck ist nach dem ersten Verhör überzeugt, dass Bengtsson der Täter ist, doch es gibt keinerlei Beweise, um ihn zu überführen. Die Kriminalisten setzen daher eine Kollegin als Lockvogel auf den Verdächtigen an. Doch es dauert mehrere Wochen, bis Bengtsson endlich so weit ist, einen weiteren Mord zu begehen. Ausgerechnet als der Ernstfall eintritt, ereignet sich während der Überwachung eine Panne und die Polizisten kommen nur mit Mühe noch rechtzeitig in die Wohnung ihrer Kollegin, um Bengtsson daran zu hindern, die auf ihn angesetzte Polizistin zu erwürgen.

Entstehung

Roseanna war die erste gemeinsame Arbeit von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, die sich 1962 kennengelernt hatten. Beide arbeiteten als Journalisten, Wahlöö hatte bereits vier Bücher veröffentlicht. Das populäre Genre des Kriminalromans erschien beiden als geeignetes Vehikel, ihre politischen Ansichten zu verbreiten. Zu diesem Zeitpunkt war das Genre in Schweden allerdings von angloamerikanischen Vorbildern beherrscht, namentlich Agatha Christie und Dorothy L. Sayers. Sjöwall und Wahlöö wollten mit dieser Tradition brechen und setzten ein Team von Berufspolizisten an die Stelle des genialen Detektivs.

Die Vorarbeit und Recherche nahm die meiste Zeit in Anspruch. Das Autorenduo entwarf einen detaillierten Plan des Buches. Dabei gingen sie stets von 30 Kapiteln aus, die sie jeweils in wenigen Sätzen skizzierten. Auf Karteikarten hielten sie alle Merkmale, körperliche und charakterliche, der handelnden Personen fest. Der eigentliche Schreibprozess dauerte ungefähr drei Monate. Sjöwall und Wahlöö teilten sich die Kapitel auf, wobei sie teilweise auch ihre Manuskripte austauschten, wenn der Schreibprozess bei einem ins Stocken geriet. Wegen der akribischen Vorarbeiten gab es selten die Notwendigkeit von nachträglichen Änderungen.

Sjöwall und Wahlöö reichten Roseanna unter Pseudonym bei Wahlöös vorigem Verlag Norstedt ein, um den Roman und ihre Ko-Autorenschaft unbefangen prüfen zu lassen, und gaben sich erst nach der Annahme des Buches zu erkennen. Der Erstling diente als Testballon für eine mögliche Romanreihe. Er war auf Anhieb erfolgreich, so dass beide ihre journalistische Arbeit aufgaben. Allerdings konnten sie erst mit dem vierten Roman der Reihe und den zeitgleich einsetzenden englischen Übersetzungen ausschließlich von der Schriftstellerei leben.<ref>Der Abschnitt beruht auf: Zehn nach Zehn. Maj Sjöwall im Gespräch. Interview von Norbert Klugmann und Peter Mathews. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 19–31.</ref>

Rezeption

Rudi Kost beschrieb im Rückblick, dass er zuerst enttäuscht von der Lektüre des Romans gewesen sei. In der „Geschichte um einen sonderbaren Sexualmord“, bei dessen Aufklärung Kommissar Zufall eine wesentliche Rolle spiele, fand er nicht die „Revolution des zeitgenössischen Kriminalromans“, die ihm Freunde versprochen hätten. Tatsächlich seien die ersten beiden Romane der Reihe „von ihrer Machart her konventionelle Krimis“, erzählt aus der Perspektive der zentralen Ermittlerfigur und noch weitgehend ohne die sozialkritischen Elemente, die mit dem dritten Band mehr und mehr Einzug hielten. Die Autoren bedienten sich bekannter Versatzstücke, das Polizistenteam anstelle des bislang vorherrschenden genialen Detektivs stamme von Ed McBains 87. Polizeirevier, die chronologische Entwicklung von Handlung und Figuren mitsamt ihres Privatlebens habe bereits Nicolas Freeling eingeführt, und Martin Beck selbst sei eine Maigret-Figur, die wie Georges Simenons Kommissar Verständnis für die Täter zeige. Dabei habe er in den ersten Bänden durchaus noch heldenhafte Züge, wie die ganze Polizeiarbeit noch nicht so kritisch vorgeführt werde wie in den späteren Bänden der Serie. Auch die Kriminalfälle seien zu Beginn noch „Einzelschicksale ohne weiteren Bezug zur sozialen Umgebung.“<ref>Rudi Kost: Bi-ba-Bullenpack. Sjöwall/Wahlöös chronique scandaleuse der Klassengesellschaft. Im Beiheft zur Kassette Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roman über ein Verbrechen. Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-43177-7, S. 1–4 (online).</ref>

Demgegenüber war für Henning Mankell bereits der erste Roman der Reihe „ein moderner Klassiker“. Es sei „eine überzeugende Geschichte in einer nicht minder überzeugenden Form“, die auch 40 Jahre nach ihrem Erscheinen kaum gealtert sei. Bemerkenswert sei der fundierte Unterbau des Romans, der auf sorgfältiger Vorbereitung basiere. Bereits auf den ersten Seiten gewännen die Autoren durch genaue Details und gründliche Schilderungen das Vertrauen der Leser. Die Erzählweise sei „geradlinig und klar“, die Sprache „energisch und lebendig“, der Stil „streng“ und die Entwicklung der Handlung „geschickt angelegt“. Vor allem hätten Sjöwall und Wahlöö aber mit den stereotypen Figurenzeichnungen gebrochen, die zuvor im Kriminalroman vorgeherrscht haben, und „zeigten Menschen, die sich vor den Augen des Lesers veränderten.“ Insbesondere die Polizisten seien keine Helden, sondern „durch und durch reale Menschen“. Eine Hauptrolle spiele auch die verstreichende Zeit. Die Ermittlung schreite nur langsam voran und stocke immer wieder. „Das Buch erzählt von der grundlegenden Polizeitugend, die da Geduld heißt.“<ref>Henning Mankell: Vorwort. In: Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Tote im Götakanal. Rowohlt, Hamburg 2025, ISBN 978-3-499-24441-4.</ref>

Ausgaben

  • Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Roseanna. Norstedts Förlag, Stockholm 1965.
  • Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Tote im Götakanal. Übersetzung: Johannes Carstensen. Rowohlt, Reinbek 1968.
  • Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Tote im Götakanal. Ein Kommissar-Beck-Roman. Übersetzung: Hedwig M. Binder. Rowohlt, Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-24441-4.
  • Hörspiel: Die Tote im Götakanal. DAV, Berlin 2006, ISBN 3-89813-590-X (1 CD, gesprochen von Rita Russek, Matthias Ponnier u. a.)
  • Hörbuch: Die Tote im Götakanal. Lesung von Günther Harder. Argon, Berlin 2025, ISBN 978-3-7324-8550-5.

Adaptionen

Roseanna wurde von den schwedischen Regisseuren Daniel Abramson (1967) und Hans Alfredson (1993) verfilmt. SWF und WDR produzierten 1978 unter der Regie von Peter Michael Ladiges eine Hörspielbearbeitung.

Einzelnachweise

<references />

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