Wolfgang Kubicki
Wolfgang Joachim Kubicki<ref name=":0">Wolfgang Kubicki im Munzinger-Archiv, abgerufen am 23. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] (* 3. März 1952 in Braunschweig) ist ein deutscher Politiker (FDP), Rechtsanwalt und Volkswirt. Er war von 1990 bis 1992 sowie von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2017 bis 2025 dessen Vizepräsident. Von 1992 bis 2017 war er Abgeordneter im Landtag Schleswig-Holsteins, wo er mit Ausnahme der Zeit zwischen 1993 und 1996 den FDP-Fraktionsvorsitz innehatte. Seit 2013 ist Kubicki außerdem stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.
Familie und Ausbildung
Kubicki wurde 1952 im Braunschweiger Stadtteil Lehndorf als jüngstes von drei Kindern eines Angestellten und einer Verkäuferin<ref name=":0" /> in eine evangelisch geprägte Mittelschichtfamilie geboren.<ref>Gregor Gysi & Wolfgang Kubicki. Abgerufen am 27. Mai 2022.</ref> Nach dem Abitur 1970 an der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in Braunschweig studierte Kubicki Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo Peer Steinbrück zu seinen Kommilitonen gehörte.<ref>Kubicki will mit Steinbrück regieren. In: n-tv. 24. September 2012, abgerufen am 24. September 2012.</ref> Das Studium schloss er 1975 als Diplom-Volkswirt ab. Er arbeitete anschließend zuerst für eine Unternehmensberatung, dann bis 1981 für ein Steuerberatungsbüro und von 1981 bis 1983 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit absolvierte Kubicki ab 1975 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität zu Kiel, das er 1983 mit dem ersten juristischen Staatsexamen abschloss. Er war von 1983 bis 1985 Rechtsreferendar und schloss 1985 das zweite juristische Staatsexamen ab. Seitdem ist er als Rechtsanwalt zugelassen und übt diesen Beruf als Steuerstrafverteidiger neben seinem Abgeordnetenmandat weiter aus. In den 1980er Jahren betrieb Kubicki nebenberuflich eine Kneipe in Kiel.<ref>Kubicki über Sondierungen, Entlastung und die Paradise Papers</ref>
Kubicki ist seit 1997 in dritter Ehe mit der Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki<ref>Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki</ref><ref>Marberth-Kubicki übernimmt FDP-Vorsitz</ref> verheiratet.<ref>„Wir lassen uns unsere Freiräume“</ref> Er ist Vater erwachsener Zwillingstöchter aus seiner zweiten Ehe<ref>FDP-Vize: „Unsere Ehe ist ein ständiges Machtgerangel“</ref> und wohnt in Strande bei Kiel.<ref name="kn" /><ref name="focus2003" /> In Santa Ponça auf Mallorca unterhält er eine Nebenwohnung,<ref name="welt" /> daheim an der Kieler Förde eine Motoryacht.<ref name="stern2012" />
Jörn Kubicki (1965–2020), der verstorbene Lebenspartner von Klaus Wowereit, war ein Cousin zweiten Grades von Wolfgang Kubicki.<ref name="stern2007" /><ref>faz.net: Lebensgefährte von Klaus Wowereit gestorben</ref>
Politik
Partei
Kubicki trat 1971 als 19-jähriger VWL-Student in die FDP ein. 1972/73 war er stellvertretender Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes und 1975/76 Landesvorsitzender der Jungdemokraten in Schleswig-Holstein. Anschließend wurde Kubicki erstmals 1976 in den Landesvorstand der FDP Schleswig-Holstein gewählt, dem er bis 1988 angehörte, zuletzt als stellvertretender Landesvorsitzender.
Von 1987 bis 1989 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde. Dieses Amt gab er nach seiner Wahl zum Landesvorsitzenden im September 1989 auf. Im September 1993 trat Kubicki im Zuge der Affäre um die Deponie Schönberg als Landesvorsitzender zurück. Als Landesvorsitzender war Kubicki auch im Bundesvorstand der Liberalen. Seit 1997 ist er dies erneut. Zudem war er Spitzenkandidat seiner Partei bei den Landtagswahlen 1992, 2000, 2005, 2009, 2012 und 2017. Er galt nach der langjährigen Ministerpräsidentin Heide Simonis als der bekannteste Politiker des nördlichsten Bundeslandes. Kubicki war ein öffentlich bekennender Freund Jürgen W. Möllemanns, der 2003 bei einem Fallschirmsprung verstarb. Beide waren auch die geistigen Urheber der damaligen Strategie der FDP, der Strategie Projekt 18.<ref name="abendblatt2009" /><ref>Rede Jürgen W. Möllemann auf dem 51. ord. Bundesparteitag. In: liberale.org. Abgerufen am 15. März 2012.</ref>
Kubicki setzte sich seit dem Jahre 2000 dafür ein, dass Guido Westerwelle von der FDP zu ihrem Bundesvorsitzenden gewählt und Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion werde.<ref>Interview: Kubicki startet Frontalangriff gegen Parteichef Gerhardt. In: Spiegel. Abgerufen am 15. März 2012.</ref><ref>FDP: Gerhardt will im Amt bleiben. In: Spiegel. Abgerufen am 15. März 2012.</ref><ref>FDP: Strategie 18 fortführen. In: Der Spiegel. Nr. 2, 2003 (online – 6. Januar 2003).</ref> Westerwelle drängte seinerzeit damit Wolfgang Gerhardt aus beiden Positionen. Mitte Dezember 2010 sprach sich Kubicki öffentlich für die Ablösung Westerwelles als Parteivorsitzender der FDP aus. Er verglich die Situation der FDP mit der Spätphase der DDR und gab der Parteispitze die Schuld an den Umfrageergebnissen unter 5 %.<ref>P. Kuhn und D. F. Sturm: FDP: Liberale Träume vom Ende der Ära Westerwelle. In: welt.de. Abgerufen am 15. März 2012.</ref>
Bei der Landtagswahl 2012 erhielt die FDP mit Kubicki als Spitzenkandidat ein Ergebnis von 8,2 Prozent der Zweitstimmen.<ref name="wahlrecht" /> Dies war zwar ein deutlicher Verlust gegenüber der Landtagswahl 2009, als 14,9 Prozent erreicht wurden, aber dennoch das zweitbeste in Schleswig-Holstein erzielte Wahlergebnis. Zuvor war die FDP aus sechs Landesparlamenten ausgeschieden.<ref>in Rheinland-Pfalz (27. März 2011), in Sachsen-Anhalt (20. März 2011), in Berlin (18. September 2011), in Mecklenburg-Vorpommern 2011 (4. September 2011), im Saarland (25. März 2012). </ref> Daher galt das Ergebnis als außerordentlicher Erfolg, den man vor allem Kubicki zuschrieb („Kubicki-Effekt“).<ref name="faz2012" /> In Umfragen erreichte er 54 Prozent Zuspruch der Wahlbevölkerung Schleswig-Holsteins (im Vergleich zu 18 Prozent für Philipp Rösler) und 63 Prozent sahen große Unterschiede zwischen Landes- und Bundes-FDP.<ref>Die Infrastest dimap-Zahlen sind unter tagesschau.de <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online ( vom 8. Mai 2012 im Internet Archive) abrufbar.</ref> Obwohl Kubicki nie mit Kritik an der Bundespolitik seiner eigenen Partei gespart hatte, betonte er bereits in der Wahlsendung des ZDF, dass dieses als Wahlsieg empfundene Ergebnis gerade auch ein Erfolg für die Bundespartei sei. Damit trat er zuvor öffentlich aufgekommenen Putschgerüchten gegen den Vorsitzenden der Bundes-FDP Philipp Rösler noch vor Ablauf des Wahlabends klar entgegen. Im August 2012 kündigte Kubicki an, bei der Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat der FDP Schleswig-Holstein antreten zu wollen.<ref name="ntv2012" />
Auf dem FDP-Bundesparteitag 2013 wurde Kubicki als Beisitzer im Bundespräsidium Nachfolger des damaligen Entwicklungsministers Dirk Niebel, der bereits im ersten Wahlgang ausschied. Kubicki gewann dann in einer Kampfabstimmung gegen Gesundheitsminister Daniel Bahr.<ref name="fr2013" /> Der Außerordentliche Parteitag der FDP im Dezember 2013 wählte Kubicki mit 89,87 % der Stimmen zum 1. Stellvertreter des neuen Parteivorsitzenden Christian Lindner.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />fdp.de ( vom 15. April 2014 im Internet Archive) Abgerufen am 31. März 2014.</ref> Der FDP-Bundesparteitag 2015 bestätigte Kubicki in diesem Amt mit 94,2 % der Stimmen<ref name="tagesschau2015" /> und der FDP-Bundesparteitag 2017 mit 92,29 %.<ref>Bericht der FDP zu den Wahlgängen beim 68. Bundesparteitag</ref>
Nach dem Rückzug des FDP-Bundesvorstands im März 2026 gab Kubicki seine Kandidatur als Vorsitzender auf dem Bundesparteitag im Mai bekannt. Generalsekretär soll nach seinem Willen Martin Hagen werden. Angesichts dessen gab der bisherige Parteivorsitzende Christian Dürr seine erneute Kandidatur auf und unterstützt nun Kubicki.<ref>Kubicki will neuer FDP-Chef werden. In: tagesschau.de. 5. April 2026, abgerufen am 5. April 2026.</ref><ref>FDP-Chef Christian Dürr kandidiert nicht mehr. In: sueddeutsche.de. 5. April 2026, abgerufen am 5. April 2026.</ref>
Kubicki ist Mitglied des Beirats der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.<ref>www.d-a-g.de, zuletzt aufgerufen am 29. März 2020.</ref>
Landtagsabgeordneter (1992–2017)
Von 1992 bis 2017 war Kubicki Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein. Dabei zog er stets über die Landesliste in den Landtag ein. Er wurde 1992 sogleich Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. 1993 legte er das Amt während der Affäre um die „Deponie Schönberg“ nieder. Nach der Landtagswahl 1996 löste er seinen Nachfolger Ekkehard Klug wieder ab und wurde erneut Fraktionsvorsitzender. Nach Bildung der großen Koalition unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen am 27. April 2005 wurde Kubicki Oppositionsführer in Schleswig-Holstein. Mit dem Bruch der großen Koalition und der Entlassung der SPD-Minister aus dem Kabinett Carstensen I am 21. Juli 2009 ging diese Funktion an den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Stegner über. Zwischen 2004 und 2009 war Kubicki als Vertreter des Schleswig-Holsteinischen Landtags Mitglied im Beirat der HSH Nordbank. Nach dem Bruch der großen Koalition von CDU-Ministerpräsident Carstensen im Juli 2009 sprach sich Kubicki für eine schwarz-gelbe Koalition nach der für den 27. September 2009 anvisierten Neuwahl des Landtages aus. Nach der Landtagswahl Schleswig-Holstein 2009 wurde Kubicki nicht Mitglied der bis 2012 CDU-FDP-geführten Landesregierung, sondern blieb Fraktionsvorsitzender. Als Mitglied der Regierung hätte er seinen Beruf als Anwalt ruhen lassen müssen.<ref>shz.de</ref> In einem Interview mit der Zeitung Die Welt äußerte Kubicki im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Christian Wulff, dass ein Prozess in einer Blamage für die Justiz enden werde,<ref>Wolfgang Kubicki: Strafverfahren gegen Wulff ist Blamage für die Justiz. In: focus.de, 26. März 2013. Abgerufen am 30. März 2013.</ref> und bezeichnete das Angebot der Staatsanwaltschaft an Wulff, das Verfahren gegen eine Zahlung von 20.000 Euro einzustellen, als „Verzweiflungstat“.<ref>Wulff erwartet vollständige Rehabilitierung. In: welt.de, 25. März 2013. Abgerufen am 30. März 2013.</ref>
Bundestagsabgeordneter (1990–1992, 2002, 2017–2025)
Kubicki zog vier Mal in den Bundestag ein, stets über die Landesliste der FDP Schleswig-Holstein:
Er zog nach der Bundestagswahl 1990 erstmals in den Bundestag ein legte sein Mandat am 2. August 1992 nieder. Nach der Bundestagswahl im Herbst 2002 war er kurzzeitig Mitglied des Deutschen Bundestages. Kubicki wurde vor der Bundestagswahl 2017 zum Spitzenkandidaten der FDP Schleswig-Holstein gewählt und zog in den 19. Deutschen Bundestag ein. Er war dort Vizepräsident des Ältestenrates. Nach der Bundestagswahl 2021 zog er erneut in den Bundestag ein.
Am 24. Oktober 2017 wählte ihn der 19. Deutsche Bundestag zu einem von fünf Vizepräsidenten. In dieses Amt wurde er nach der Bundestagswahl 2021 ebenfalls gewählt.<ref>dserver.bundestag.de, Plenarprotokoll vom 26. Oktober 2021, abgerufen am 23. Februar 2024</ref>
Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die FDP nur 4,3 % der Stimmen und scheiterte damit an der 5-Prozent-Hürde. Kubicki kündigte am Abend der Wahl seinen Rückzug aus der aktiven Politik an.<ref>Bundestagswahl: Wolfgang Kubicki beendet Karriere nach FDP-Niederlage. In: Norddeutscher Rundfunk (ndr.de). 24. Februar 2025, abgerufen am 24. Februar 2025.</ref> Am Tag darauf - der FDP-Vorsitzende Christian Lindner war inzwischen zurückgetreten - erklärte Kubicki seine Bereitschaft, FDP-Parteivorsitzender zu werden.<ref>NDR: Wolfgang Kubicki: Kandidatur als FDP-Chef statt Rückzug? 24. Februar 2025, abgerufen am 24. Februar 2025.</ref>
Rechtsanwaltliche Tätigkeit
Kubicki ist neben seiner Tätigkeit als Politiker als Rechtsanwalt respektive Strafverteidiger aktiv. Er ist in einer Sozietät mit Hendrik Schöler tätig.<ref>Kubicki & Schöler Rechtsanwälte. In: ks-recht.com. Abgerufen am 15. März 2012.</ref> Zeitweilig betrieb Kubicki auch zusammen mit dem ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten Trutz Graf Kerssenbrock eine Kanzlei.<ref name="abendblatt2009" />
In der medialen Öffentlichkeit wurde er unter anderem mit folgenden Mandaten bekannt:
- Er war der Strafverteidiger von Klaus-Joachim Gebauer in der sogenannten VW-Korruptionsaffäre.<ref>VW-Skandal: Prozess um VW-Lustreisen wackelt. In: Stern. Abgerufen am 15. März 2012.</ref>
- Im Zusammenhang mit dem Steuerflucht-Streit der Bundesrepublik Deutschland mit anderen Staaten soll Kubicki die Regierung des Fürstentums Liechtenstein über neue Wege beim Umgang mit dem deutschen Steuerrecht beraten haben.<ref name="sueddeutsche.de">Hans Leyendecker: Wolfgang Kubicki – Steuerberater für Vaduz. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 15. März 2012.</ref> Hierzu soll er unter anderem eine „gutachterliche Stellungnahme“ dazu vorgelegt haben, wie verhindert werden kann, dass Treuhänder oder Bankmitarbeiter Liechtensteins in deutschen Steuerstrafverfahren als Gehilfen behandelt werden. In diesem Zusammenhang soll er auch für seine gutachterlichen Schlussfolgerungen bei der Bundesregierung geworben haben.<ref name="sueddeutsche.de" /> Darüber hinaus soll Kubicki laut einigen Presseveröffentlichungen auch Mandate in Liechtenstein übernommen haben, u. a. Banken und Unternehmen.<ref name="sueddeutsche.de" />
- Er vertrat 2001 den Hamburger Dirigenten und Pianisten Justus Frantz, gegen den wegen des Verdachts auf Untreue und Insolvenzverschleppung ermittelt wurde.<ref>Matthias Iken: Kriminalamt durchsucht Häuser von Justus Frantz. In: Welt. Abgerufen am 15. März 2012.</ref> Der Hauptvorwurf lautete Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt: Sein inzwischen verkauftes Unternehmen Philharmonie der Nationen Konzert-Management GmbH habe keine Sozialversicherungsbeiträge für engagierte Musiker abgeführt.
- 1997 verteidigte er Hans-Peter Daimler im Fall Lucona am Landgericht Kiel. Hinweise auf etwaige Verstrickungen verschiedener Geheimdienste wurden vom Gericht nicht weiter verfolgt.
- Beim Revisionsverfahren im Polizistenprozess um Robert S. (Aussetzung mit Todesfolge) verteidigte Kubicki 2008 mit seiner Ehefrau die beiden angeklagten Polizeibeamten.<ref>Julia Jüttner: Tod eines ausgesetzten Schülers. „Kein Polizist wird je wieder so handeln“. In: Spiegel Online. 17. September 2008, abgerufen am 21. August 2019.</ref><ref>Sabine Rückert, Andreas Sentker: Zeit-Podcast „Verbrechen / Polizei“. 110. Bei Anruf Tod. In: Zeit Online. 14. August 2018, abgerufen am 21. August 2019.</ref>
- Aktuell betreut er anwaltschaftlich Hanno Berger, der wegen mittäterschaftlicher schwerer Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe im Rahmen sogenannter „Cum-Ex-Geschäfte“ (Dividendenstripping) rechtskräftig verurteilt wurde. Dies galt nach der Bundestagswahl 2017 als Hindernis für das möglicherweise angestrebte Amt des Finanzministers.<ref name="zeit2017-47" /> Noch 2013 bewertete Kubicki die Cum-Ex-Geschäfte als Steuerhinterziehung.<ref name="zeit2017-47" /> Der frühere Finanzbeamte Berger gilt als der führende Berater und Initiator von Dividendenstripping-Transaktionen, die laut einem Bericht der Zeit einen Steuerschaden von über 55 Milliarden Euro verursacht haben.
- Ebenso betreute er anwaltschaftlich die FDP-Politikerin Christel Augenstein, die wegen Geschäften mit derivativen Finanzinstrumenten, wodurch der Stadt Pforzheim hoher Schaden entstanden war, vor dem Landgericht Mannheim angeklagt wurde. Das Verfahren wurde nach § 153a StPO eingestellt.
- 2021 betreut er anwaltlich den Mediziner Winfried Stöcker, der einen COVID-19-Impfstoff entwickelt hat. Wegen Verabreichung und Testung des dem Impfstoff zugrunde liegenden Antigens an sich selbst sowie an Mitarbeitern und Bekannten nahm die Lübecker Staatsanwaltschaft Ermittlung wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz auf. Kubicki argumentiert laut MDR Sachsen, „sein Mandant habe keine klinische Prüfung durchgeführt. Er habe vielmehr das Antigen im Rahmen individueller Heilversuche gespritzt. Daher habe er auch keine Genehmigung benötigt“.<ref>Ermittlungsverfahren gegen Görlitzer Kaufhausbesitzer. MDR, abgerufen am 14. März 2021.</ref>
Positionen
Politikalltag in Berlin
Im Jahr 2010 gab Kubicki der Zeit ein Interview, wo er den Politikeralltag in Berlin-Mitte beschrieb:
„Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock. Ich bin inzwischen zum dritten Mal verheiratet, und ich will auf keinen Fall auch diese Ehe ruinieren. Das politische Leben in Berlin sieht doch so aus: Sie sind den ganzen Tag unter Druck, abends wartet Ihr Apartment auf Sie, sonst niemand. Es gibt einen enormen Frauenüberschuss, denn wenn Sie den gesamten Politikbetrieb nehmen, kommen Sie auf schätzungsweise 100.000 Leute, (…) davon 60 Prozent Frauen. (…) Da sind dann diese Abende, an denen Sie nur abschalten wollen, Stressabbau. Da sitzt Ihnen plötzlich eine Frau gegenüber, die Ihnen einfach nur zuhört. Und dann geht die Geschichte irgendwann im Bett weiter. Dazu der Alkohol: Sie könnten, weil Sie ständig in Terminen sind, den ganzen Tag trinken. Eine Flasche Wein ist da gar nichts, leicht zu verteilen auf fünf Termine. Und abends geht es richtig los. (…) Ich bin jetzt 58, ich will meine politische Karriere überleben.“<ref name="zeit2010" />
2016 relativierte Kubicki gegenüber der Tageszeitung seine Berlin-Ansichten: Er fühle sich „mittlerweile (…) sittlich und moralisch gefestigt“.<ref name="taz2016" />
Nach der Bundestagswahl 2017 sorgten ein angedeuteter Handkuss sowie darauf bezogene Äußerungen Kubickis über Katrin Göring-Eckardt für ein Medienecho: „Wer es übrigens zuverlässig schafft, mich innerhalb von 30 Sekunden rasend zu machen, ist Katrin Göring-Eckardt.“ Die notorische moralische Attitüde der Grünen-Politikerin treibe seinen Blutdruck in die Höhe. Grünen-Politiker warfen Kubicki danach Frauendiskriminierung vor, und Anne Will griff das Thema in ihrer Talkshow auf, in der beide als Gäste auftraten, nachdem das Wahlergebnis zu Sondierungsgesprächen über eine Jamaika-Koalition geführt hatte.<ref name="sz2017" />
Umgang mit Russland und Haltung zum Ukraine-Krieg
Im Mai 2018 unterlag Kubicki auf dem Parteitag mit seiner Forderung, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu lockern.<ref>Tagesspiegel.de: FDP bekennt sich zu Russland-Sanktionen – Kubicki unterliegt</ref> Nach der Vergiftung von Alexei Anatoljewitsch Nawalny unterstützte er den Vorschlag seiner Bundestagsfraktion nach einem Moratorium beim Bau der Gaspipeline Nord Stream 2. Er halte es grundsätzlich nicht für „zielführend“, ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt nicht voranzutreiben, regte aber an, nachzudenken, „ob man einen Gas-Importstopp für eine gewisse Zeit fordert.“<ref>Severin Weiland: Kubicki bringt Gas-Importstopp gegen Russland ins Spiel. FDP-Vize zu Fall Nawalny. In: Spiegel Online. 8. September 2020, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref>
Im August 2022 – während des russischen Überfalls auf die Ukraine – erklärte er, es gebe „keinen vernünftigen Grund, Nord Stream 2 nicht zu öffnen“; viele FDP-Politiker wiesen diese Forderung öffentlich zurück.<ref>FDP empört über Kubicki. In: Spiegel Online, 19. August 2022. Abgerufen am 19. August 2022.</ref>
Im März 2024 erklärte Kubicki, er würde für die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die angegriffene Ukraine stimmen.<ref>FDP-Vize Kubicki rechnet mit mehr Unterstützung für Taurus-Lieferungen. In: Zeit Online. 5. März 2024, abgerufen am 23. März 2024.</ref>
Ausschreitungen in Chemnitz
Im August 2018 kommentierte Kubicki die gewalttätigen Ausschreitungen bei einer Kundgebung rechter und rechtsextremer Gruppierungen: „Die Wurzeln für die Ausschreitungen liegen im ‚Wir schaffen das‘ von Kanzlerin Angela Merkel.“ Kritisiert wurde er dafür von Parteifreunden wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP-Parteivizechefin) oder Ria Schröder, der Vorsitzenden der Jungen Liberalen. FDP-Chef Christian Lindner sagte, Merkels Migrationspolitik habe „unsere politische Kultur verändert. Zum Schlechteren.“ Eine Erklärung für Hetze, Rassismus und Gewalt sei dies jedoch nicht. Die Ereignisse sollten „die Demokraten vereinen und nicht spalten“. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nahm Kubicki in Schutz. Kubicki selbst schrieb später auf Facebook, die Bürger hätten „das Gefühl, dass sich der Staat vorführen lässt – von rechts und links. ‚Deutschland ist Scheiße‘ zu brüllen und Pflastersteine auf Polizisten zu werfen, ist mindestens genauso zu verurteilen wie Hetzjagden von Rechten gegen vermeintliche Migranten.“<ref>Wirbel um Kubickis Chemnitz-Kommentar. www.tagesschau.de, 29. August 2018.</ref>
Wahl von Thomas Kemmerich
Am 5. Februar 2020 konstatierte Kubicki zur Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit den Stimmen der FDP, AfD und CDU zum thüringischen Ministerpräsidenten: „Es ist ein großartiger Erfolg für Thomas Kemmerich. Ein Kandidat der demokratischen Mitte hat gesiegt. Offensichtlich war für die Mehrheit der Abgeordneten im Thüringer Landtag die Aussicht auf fünf weitere Jahre [Bodo] Ramelow nicht verlockend.“ Kubicki sagte weiter: „Jetzt geht es darum, eine vernünftige Politik für Thüringen voranzutreiben. Daran sollten alle demokratischen Kräfte des Landtages mitwirken.“ Offenbar mit Blick auf die Wahl Kemmerichs auch durch die AfD sagte Kubicki: „Was die Verfassung vorsieht, sollte nicht diskreditiert werden.“<ref>Kubicki: Großer Erfolg für FDP-Kandidat Kemmerich. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Februar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.</ref>
COVID-19-Pandemie
Am 28. April 2020 kritisierte Kubicki das Robert Koch-Institut (RKI) und dessen Präsidenten Lothar Wieler während der COVID-19-Pandemie in Deutschland. Deren Corona-Zahlen „vermitteln eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert“. Das RKI gab Ende April 2020 trotz sinkender Infektionszahlen einen R-Wert von 1,0 an.<ref>Kubicki stellt RKI-Angaben infrage, NTV vom 28. April 2020, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref> Im Mai 2021 zeigte sich Kubicki erstaunt, dass nach „mehr als 70 Jahren Demokratie […] viele Bürger lieber auf die Gestaltungsmacht der Regierung als auf ihre eigene Vernunft vertrauen“. Er kritisierte die Bundesregierung für ein schlechtes Management bei der Impfstoffbeschaffung und bei der Einführung der Corona-Warn-App sowie für die Verhängung von Ausgangssperren.<ref>Lars Zimmermann, Jens Kiffmeier: Wolfgang Kubicki (FDP): Corona-Regeln – „Deutsche folgen ohne Murren“. Bundestagsvize im Interview. In: Münchner Merkur. 21. Mai 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref> Die Grundrechte seien beschränkt worden, „ohne genau zu klären, ob diese Beschränkungen überhaupt ihren Zweck erfüllen können“.<ref>Lindner bleibt FDP-Chef mit Regierungsambitionen – Kemmerich scheidet aus. Bundesparteitag der Liberalen. Mitteldeutscher Rundfunk, 15. Mai 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref> Im Juni 2021 forderte Kubicki die Aufhebung „alle[r] grundrechtsbeschränkenden Maßnahmen“, da die Rechtsgrundlage aufgrund anhaltender 7-Tage-Inzidenzen unter 35 entfallen sei.<ref>„Es sind alle grundrechtsbeschränkenden Maßnahmen aufzuheben“. In: Welt. 10. Juni 2021, abgerufen am 11. Juni 2021.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wolfgang Kubicki – „Warne davor, sich die nächste Rechtssprechungs-Klatsche abzuholen“ ( vom 10. Juni 2021 im Internet Archive). welt.de, abgerufen am 11. Juni 2021.</ref>
Nachdem Karl Lauterbach im September 2021 vor einem schwierigen Herbst gewarnt hatte, sagte Kubicki gegenüber Bild TV, im Norden in seiner Stammkneipe würde man jemanden wie Lauterbach „Spacken oder Dumpfbacke“ nennen.<ref>Corona-Streit eskaliert: Lauterbach stinksauer auf Kubicki wegen „Spacken“-Spruch. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 23. September 2021. Abgerufen am 18. Dezember 2021.</ref> Er erklärte auch, dass er während des von der Großen Koalition beschlossenen Lockdowns „selbstverständlich“ in Kneipen gewesen sei, die trotz Verbots illegal weiterbetrieben wurden. An den dortigen Stammtischen hätten sich Menschen getroffen, „weil sie gesagt haben: Hier ist nichts“. Er habe deswegen auch kein schlechtes Gewissen, sondern vielmehr von seinem „Recht auf autonomes Handeln Gebrauch gemacht“.<ref>„Recht auf autonomes Handeln“. Kubicki outet sich als Lockdown-Brecher. In: n-tv.de, 22. September 2021. Abgerufen am 7. Januar 2022.</ref>
Im November 2021 nannte Kubicki den Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, den „Saddam Hussein der Ärzteschaft“. Montgomery hatte zuvor die Corona-Politik der FDP scharf kritisiert. Nach starker Kritik entschuldigte sich Kubicki bei Montgomery. In der Rede, in der er Montgomery angriff, kritisierte er auch das Corona-Management in Teilen Süddeutschlands. Er behauptete, Markus Söder stelle eigene Karriereambitionen vor den Schutz der Bevölkerung, und sagte: „Das ist charakterlos und menschlich erbärmlich“.<ref>Kubicki bezeichnete Weltärztebund-Chef Montgomery als „Saddam Hussein“. In: Der Tagesspiegel, 21. November 2021. Abgerufen am 23. November 2021.</ref><ref>Hussein-Vergleich bei Montgomery: Kubicki entschuldigt sich. In: Die Zeit, 21. November 2021. Abgerufen am 23. November 2021.</ref>
Im Dezember 2021 positionierte er sich gegen eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 und formulierte mit weiteren FDP-Abgeordneten einen Antrag gegen diese. Kubicki sieht die allgemeine Impfpflicht als verfassungswidrig an und bezeichnete sie als „schwere[n] Vertrauensbruch“. Zudem erklärte er, „vielen Impfpflicht-Befürwortern“ scheine es vor allem „um Rache und Vergeltung“ an Ungeimpften zu gehen.<ref>Kubicki attackiert Impfpflicht-Befürworter. In: Spiegel Online, 18. Dezember 2021. Abgerufen am 18. Dezember 2021.</ref> Daraufhin wurde er auch parteiintern kritisiert. So schrieb z. B. Gerhart Baum, Kubicki begebe sich mit solchen Aussagen auf das „Gebiet der Demagogie“ und richte sich mit „solchen demagogischen Formulierungen“ an ein Publikum, „das über die Impfgegnerschaft hinaus ganz anderes im Sinne hat“.<ref>Warum Lindner auf CDU-Chef Merz hofft. In: Spiegel Online, 6. Januar 2022. Abgerufen am 7. Januar 2022.</ref><ref>Die Liberalen müssen ihr Misstrauen gegenüber staatlichen Eingriffen überwinden. In: Handelsblatt, 5. Januar 2022. Abgerufen am 6. Januar 2022.</ref> Kubicki erwiderte Baums wiederholte Kritik 2024 in einem im Tagesspiegel veröffentlichten offenen Brief.<ref>n-tv Nachrichten: Kubicki rechnet in Brief mit FDP-Urgestein Baum ab. Abgerufen am 4. Oktober 2024.</ref>
Anfang 2022 forderte Kubicki den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zum Rücktritt auf und warf ihm vor, die Öffentlichkeit hinsichtlich der Rolle der Ungeimpften im Infektionsgeschehen getäuscht zu haben. Söder hatte zuvor von einer „Pandemie der Ungeimpften“ gesprochen und Mitte November 2021 auf Zahlen verwiesen, nach denen die Inzidenz unter Geimpften bei 110, die unter Ungeimpften aber bei 1469 lag. Später wurde bekannt, dass bei dieser Berechnung Menschen mit unbekanntem Impfstatus der Gruppe der Ungeimpften zugeschlagen werden, wodurch die Rolle von Ungeimpften potentiell überschätzt werden kann.<ref name="NTV Söder">FDP-Vize fordert Rücktritt. Kubicki wirft Söder Täuschung der Öffentlichkeit vor. In: n-tv.de, 7. Januar 2022. Abgerufen am 7. Januar 2022.</ref>
Im September 2022 stimmte er als einer von sieben Abgeordneten der FDP-Fraktion im Bundestag gegen eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes der Ampel-Koalition.<ref>Deutscher Bundestag – Namentliche Abstimmungen. Abgerufen am 11. September 2022.</ref>
Meinungsfreiheit
Kubicki kritisiert unter anderem in seinem 2020 erschienenen Buch Meinungs(un)freiheit. Das gefährliche Spiel mit der Demokratie die Debattenkultur in Deutschland.<ref>Philipp Hedemann: Wolfgang Kubicki über Cancel Culture: „Dann kommt die Bücherverbrennung“. In: shz.de. 5. Oktober 2020, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref> Kubicki vermutet, viele Menschen würden glauben, aufgrund einer Meinungsäußerung persönliche oder existenzielle Probleme bekommen zu können. Er beklagte, dass nach seiner Beobachtung Diskussionen nicht mehr argumentativ, sondern entlang moralischer Haltungen geführt würden.<ref>Philipp Hedemann im Interview mit Wolfgang Kubicki: Kubicki, Moral und Politik. In: Schweriner Volkszeitung. 5. Oktober 2020, S. 2.</ref>
Aufgrund der zunehmenden medialen Verwendung von geschlechtergerechter Sprache befürchtet Kubicki ein wachsendes Akzeptanzproblem der öffentlich-rechtlichen Medien.<ref>Wolfgang Kubicki: Gendern kann zu Ausgrenzung führen. In: Berliner Zeitung. 29. Mai 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref>
Kontroversen
Affäre um die Mülldeponie Schönberg
Die Mülldeponie Schönberg (heute Deponie Ihlenberg) in Mecklenburg-Vorpommern entstand aus dem ehemaligen „VEB Deponie Schönberg“. Seit 1991 beriet Kubicki das Land Mecklenburg-Vorpommern bei deren Privatisierung für ein Honorar von 850.000 DM. Bald warf man ihm vor, er habe das Land schlecht beraten und überhöhte Honorare abgerechnet. Vor allem sei die landeseigene Betreibergesellschaft auf den Risiken und Umweltauflagen sitzen geblieben und nahezu in die Insolvenz getrieben worden, während ein Geschäftspartner Kubickis, der Lübecker Müllunternehmer Adolf Hilmer, als Pächter „allein in den ersten drei Jahren 52 Millionen Mark Gewinn abgeschöpft“ habe.<ref name="spiegel2005" />
Den Kontakt zu Hilmer soll Kubicki jedoch verschwiegen haben.<ref name="spiegel1993" /> Der Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern monierte Anfang 1993 eine „miserabele Verhandlungsführung“ des mecklenburgischen Umweltministeriums und bezifferte einen dem Land durch „Knebelverträge“ entstandenen Schaden von 100 Millionen Mark.<ref name="taz1993" /> Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern berief zur Klärung der Vorwürfe einen Untersuchungsausschuss ein und verklagte Kubicki später auf Schadensersatz. Dieser trat noch 1993 vom Landesvorsitz der FDP sowie dem Fraktionsvorsitz im Kieler Landtag zurück. Den jahrelangen Rechtsstreit entschied der Bundesgerichtshof jedoch zu seinen Gunsten.<ref name="ndr" />
Tätigkeiten für Mobilcom und Gerhard Schmid
Etwa 2005 erhielt Kubicki von Sibylle Schmid-Sindram, der Ehefrau des Mobilcom-Gründers und langjährigen Unternehmenschefs Gerhard Schmid, ein Paket von 800.000 Mobilcom-Aktien.<ref name="spiegel2005" /> Diese lagerten in einem Wertpapierdepot der VP Bank in Liechtenstein und hatten einen Wert von rund 13 Millionen Euro.<ref name="stern2005" /> Nach Kubicki dienten sie dem Zweck, alle künftigen Anwaltshonorare und Prozesskosten seiner Mandantin abzusichern. Über die Stimmrechte verfüge jedoch Schmid-Sindram.<ref name="spiegel2005" /> Gerhard Schmids Insolvenzverwalter klagte gegen die France Télécom auf Schadenersatz. Da Schmid jedoch zahlungsunfähig war, trug Sibylle Schmid-Sindram die Prozesskosten. Bei der Zahlungsabwicklung half ihr Kubicki: Schmid-Sindram soll rund 900.000 Euro auf ein Liechtensteiner Konto Kubickis überwiesen haben, woraufhin Kubicki sodann zumindest einen Teil des Geldes an den Insolvenzverwalter weitergeleitet haben soll.<ref name="stern2005" />
Später wurde öffentlich, dass Kubicki kurzzeitig an der „Waterkant Immobilien GmbH“ beteiligt war. Zusammen mit der „Waterkant Immobilien GmbH & Co KG“, deren Geschäftsführerin Sibylle Schmid-Sindram war, wurde der begonnene Bau fertiggestellt (→ Hochhauscenter am Germaniahafen). Anfang 2005 erhielt jene Gesellschaft den Zuschlag in Höhe von 13 Millionen Euro bei der Zwangsversteigerung des Gebäudes.<ref>Schmid-Bau bleibt in der Familie. In: abendblatt.de</ref>
Verbindungen zur Glücksspielbranche
Kubicki gilt seit Jahren als Interessenvertreter der Glücksspielbranche. So nahm er im Frühjahr 2011 an einer von der Sport-Wirtschaftszeitschrift Sponsor’s ausgerichteten Konferenz auf Sylt teil, deren Ziel die Vorbereitungen „für die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes für Sportwetten und Online-Poker“ waren. Der Veranstalter trug dabei auch die Hotelkosten.<ref>Spitzenpolitiker ließen sich in Luxushotel einladen. Auf spiegel.de vom 2. April 2011, abgerufen am 20. Juni 2021.</ref> Unter seiner Beteiligung legalisierte die Landesregierung von Schleswig-Holstein als erste im Bundesgebiet die Nutzung von Online-Casinos. Kubicki wird als „prominentester politischer Befürworter“ der im ganzen Bundesgebiet ab dem 1. Juli 2021 geltenden Erlaubnis im Rahmen des neugefassten Glücksspielstaatsvertrages betrachtet.<ref>Wilfried Voigt: Milliardengeschäft Glücksspiele. Auf daserste.de vom 1. April 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.</ref>
Er trat außerdem 2014 in einem Werbevideo des Deutschen Sportwettenverbandes auf.<ref>Prominente Politiker werben für Glücksspiel. In: Der Spiegel. 8. September 2014, abgerufen am 6. April 2022.</ref>
Präsident Erdoğan
Kubicki bezeichnete Recep Tayyip Erdoğan auf einer Wahlkampfveranstaltung hinsichtlich seiner Flüchtlingspolitik als „kleine Kanalratte“. Wegen dieser Äußerung Kubickis bestellte die türkische Regierung den deutschen Botschafter ein. Ein Kölner Rechtsanwalt erstattete im Namen des türkischen Präsidenten eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim wegen Beleidigung und Verleumdung. Nach Aussage Kubickis hat Erdoğan seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2014 rund 200.000 solcher Verfahren einleiten lassen.<ref>Erdogan zeigt Kubicki an. In: tagesschau.de. 30. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.</ref><ref>„Kanalratten“-Causa: Erdogans Anwalt begründet Strafanzeige – und liefert Freudschen Versprecher. In: youtube.com. 30. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.</ref> Die Legal Tribune Online bezeichnete die Äußerung als eine „klar strafbare Beleidigung“, wobei eine Bestrafung allerdings nur möglich sei, wenn der Bundestag Kubickis Immunität aufhebe.<ref>Felix W. Zimmermann: Erdogan zeigt Kubicki wegen „kleiner Kanalratte“ an: Einfach nur plump. In: lto.de. 30. September 2022, abgerufen am 1. Oktober 2022.</ref>
Aschermittwoch 2026
2026 bezeichnete Kubicki bei einer Aschermittwochsveranstaltung der FDP Erlangen laut Presseberichten politische Gegenspieler als „nutzlose Wesen, die anderen nur das Geld wegnehmen wollen“ und Sozialarbeiter als „überflüssige Menschen in diesem Land“.<ref>nn de, Nürnberg Germany: Kubicki zu Gast: Statt „Klartext“ gab es bei der FDP Erlangen verbale Entgleisungen. 20. Februar 2026, abgerufen am 27. Februar 2026.</ref><ref>nn de, Nürnberg Germany: Kubicki teilt in Erlangen aus: Sozialarbeiter „alles überflüssige Menschen in diesem Land“. 19. Februar 2026, abgerufen am 27. Februar 2026.</ref>
Schriften
- Sagen, was Sache ist!: Über Machtspiele, Hinterzimmer und den Mut zum Urteil. Econ, Berlin 2019, ISBN 978-3-430-21016-4.
- Meinungs(un)freiheit. Das gefährliche Spiel mit der Demokratie. Westend Verlag, Frankfurt / Main 2020, ISBN 978-3-86489-293-6.
- Die erdrückte Freiheit. Wie ein Virus unseren Rechtsstaat aushebelt. Westend Verlag, Frankfurt / Main 2021, ISBN 978-3-86489-346-9.
Weblinks
- Wolfgang Kubicki im Landtagsinformationssystem Schleswig-Holstein (LIS-SH)
- Website
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Wolfgang Kubicki auf abgeordnetenwatch.de
- Wolfgang Kubicki bei IMDb
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="abendblatt2009"> Ulf B. Christen: Schleswig-Holsteins heimlicher Ministerpräsident. kostenpflichtig. In: Hamburger Abendblatt. 2. November 2009, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="faz2012"> Jasper von Altenbockum: Der Kubicki-Coup. Kommentar. 6. Mai 2012, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="focus2003"> Wolfgang Kubicki. „Fragebogen“. In: Focus. 23. Juni 2003, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="fr2013"> Niebel aus FDP-Führung abgewählt. In: Frankfurter Rundschau. 9. März 2013, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="kn"> Christian Hiersemenzel: Alles, nur nicht langweilig. In: Kieler Nachrichten. 15. April 2017, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="ndr"> 1979: Der Ihlenberg wird zur Deponie. Norddeutscher Rundfunk, 30. Januar 2014, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="ntv2012"> FDP-Querulant will nach Berlin. In: n-tv. 12. August 2012, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="spiegel1993"> Unkündbar bis '94. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1993, S. 47–49 (online – 7. Juni 1993, Der Kieler FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist mit dem Müllunternehmer Adolf Hilmer weit stärker verfilzt, als er bislang zugegeben hat).</ref> <ref name="spiegel2005"> Kubicki erhielt Aktienpaket für künftige Anwaltshonorare. In: Spiegel Online. 20. April 2005, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="stern2005"> Wolfgang Kubicki maßgeblich an Mobilkom beteiligt. In: Stern. 20. April 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. März 2012; abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="stern2007"> Wowereit-Autobiografie: „Wir wollten an die Körper“. In: Stern. 18. September 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Mai 2015; abgerufen am 19. November 2017.</ref> <ref name="stern2012"> Lutz Kinkel: Freie Fahrt für Kubicki und Lindner. In: Stern. 2. August 2012, abgerufen am 19. November 2017.</ref> <ref name="sz2017"> Martin Zips: Eine männliche Geste der Unterdrückung oder seelische Hingabe? Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2017, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="tagesschau2015"> 92,4 Prozent für Lindner. tagesschau.de, 15. Mai 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="taz1993"> Marco Carini: Millionengrab in Schönberg. Die Tageszeitung, 3. April 1993, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="taz2016"> Martin Reeh und Christina Schmidt: „Ich bin moralisch gefestigt“. Interview. In: Die Tageszeitung. 21. April 2016, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="wahlrecht"> Landtagswahl 2012 in Schleswig-Holstein – Endgültiges Ergebnis. wahlrecht.de, abgerufen am 14. November 2017.</ref> <ref name="welt"> Ulrich Exner: Kubicki, Deutschlands letzter Luxuspolitiker. In: Die Welt. 1. Dezember 2013, abgerufen am 18. November 2017.</ref> <ref name="zeit2010"> Stephan Lebert und Stefan Willeke: „Hauen, bis die Schwarte kracht“. Interview. In: Die Zeit. 18. März 2017, abgerufen am 4. November 2017.</ref> <ref name="zeit2017-47"> Felix Rohrbeck, Christian Salewski, Oliver Schröm: Der doppelte Kubicki. In: Die Zeit. 15. November 2017, abgerufen am 19. November 2017.</ref> </references>
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Präsidium
Vorsitzender: Christian Dürr
Stellvertretende Vorsitzende: Wolfgang Kubicki | Svenja Hahn | Henning Höne | Schatzmeister: Michael Georg Link
Gewählte Beisitzer im Präsidium: Florian Toncar | Lydia Hüskens | Susanne Seehofer
Generalsekretärin: Nicole Büttner | Bundesgeschäftsführerin: Maria Wandel
Vertreterin der Fraktion im Europaparlament: Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Ehrenvorsitzender: Hermann Otto Solms
Beratende Mitglieder des Präsidiums: Karl-Heinz Paqué | Hans-Ulrich Rülke | Steffen Saebisch
Weiterer Bundesvorstand
Gewählte Mitglieder des Bundesvorstands: Judith Skudelny | Katja Hessel | Daniela Kluckert | Zyon Braun | Thore Schäck | Finn Ole Ritter | Thorsten Lieb | Gero Pickert | Konstantin Kuhle | Moritz Körner | Steven Wink | Angelika Hießerich-Peter | Torsten Herbst | Andreas Silbersack | Christopher Vogt | Linda Teuteberg | Otto Fricke | Jens Teutrine | Maria Westphal | Johannes Vogel | Wiebke Knell | Anja Schulz | Ria Schröder | Jens Brandenburg | Frank Schäffler | Franziska Brandmann | Muhanad Al-Halak | Alexander Müller | Maren Jasper-Winter | David Dietz | Marko Miholic | Helmer Krane | Marie-Florence Mahwera
Ombudsmitglied: Christopher Gohl
Beratende Mitglieder des Bundesvorstands: Nemir Ali | Manfred R. Eisenbach | Frank Hoffmeister | Michael Kauch | Benjamin Kurtz | Jacqueline Krüger | Detlef Parr | Mario Burow
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Peter Christel Asmussen (1946–1949) | Fritz Oellers (1949–1951) | Hans Revenstorff (1941–1952) | Bernhard Leverenz (1952–1963) | Otto Eisenmann (1963–1970) | Walter Peters (1970, komm.) | Uwe Ronneburger (1970–1983) | Werner Zywietz (1983–1985) | Wolf-Dieter Zumpfort (1985–1988) | Jens Ruge (1988–1989) | Wolfgang Kubicki (1989–1993) | Jürgen Koppelin (1993–2011) | Heiner Garg (2011–2022) | Oliver Kumbartzky (2022–2024) | Christopher Vogt (seit 2024)
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Curt Hoffmann (1952–1954) | Heinrich Wolgast (1954–1962) | Bernhard Leverenz (1962–1963) | Hinrich Schröder (1963–1967) | Hans-Joachim Herbst (1967–1971) | Uwe Ronneburger (1975–1980) | Neithart Neitzel (1980–1983) | Wolf-Dieter Zumpfort (1987–1988) | Wolfgang Kubicki (1992–1993) | Ekkehard Klug (1993–1996) | Wolfgang Kubicki (1996–2017) | Christopher Vogt (seit 2017)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kubicki, Wolfgang |
| ALTERNATIVNAMEN | Kubicki, Wolfgang Joachim |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (FDP), MdL, MdB |
| GEBURTSDATUM | 3. März 1952 |
| GEBURTSORT | Braunschweig |
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