Landtagswahl im Saarland 2012
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Wahlbeteiligung: 61,6 %
- Regierung: 36
- Opposition: 15
Die Wahl zum 15. saarländischen Landtag fand am 25. März 2012 statt. Nach der Aufkündigung der seit 2009 regierenden Jamaika-Koalition durch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und darauf folgenden, gescheiterten Verhandlungen über eine Große Koalition löste sich der Landtag am 26. Januar 2012 auf, um den Weg für vorzeitige Neuwahlen frei zu machen.<ref>SR online: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. Saarländischer Rundfunk, 26. Januar 2012.</ref>
Als stärkste Kraft ging die CDU von Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer aus der Wahl hervor, gefolgt von der SPD und der Linken. Im Vergleich zur Wahl 2009 konnte die SPD mit Gewinnen von 6,1 Prozentpunkten ihr Ergebnis deutlich verbessern. Der Piratenpartei, die erstmals zu einer Landtagswahl im Saarland antrat, gelang mit 7,4 % der Stimmen aus dem Stand der Einzug in den Landtag und somit zum ersten Mal in das Landesparlament eines deutschen Flächenstaates. Verlierer der Wahl waren die FDP (−8,0 Prozentpunkte) und die Linke (−5,2 Prozentpunkte). Die FDP scheiterte mit 1,2 % deutlich an der 5-Prozent-Hürde, womit sie hinter die Familien-Partei rutschte, und war im 15. saarländischen Landtag nicht mehr vertreten. Die Grünen verzeichneten erstmals seit vier Jahren (Bürgerschaftswahl in Hamburg 2008) bei einer Landtagswahl Verluste (−0,9 Prozentpunkte) und zogen mit 5,0 % nur sehr knapp wieder in den saarländischen Landtag ein.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wahlen: CDU bei Saar-Wahl vorn, FDP raus, Piraten im Landtag ( vom 20. April 2016 im Internet Archive), In: Die Zeit</ref>
Wahlergebnis
Die Landeswahlleiterin gab das endgültige amtliche Endergebnis bekannt:
| Stimmen 2012 |
Prozent 2012 |
Diff. zu 2009 (%-Pkt.) |
Mandate 2012 |
Diff. zu 2009 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Wahlberechtigte | 797.512 | ||||
| Wähler | 491.591 | 61,6 | −6,0 | ||
| Ungültige | 10.297 | 2,1 | +0,4 | ||
| Gültige | 481.294 | 97,9 | −0,4 | ||
| CDU | 169.617 | 35,2 | +0,7 | 19 | 0 |
| SPD | 147.170 | 30,6 | +6,0 | 17 | +4 |
| LINKE | 77.612 | 16,1 | −5,1 | 9 | −2 |
| PIRATEN | 35.656 | 7,4 | +7,4 | 4 | +4 |
| GRÜNE | 24.252 | 5,0 | −0,9 | 2 | −1 |
| FAMILIE | 8.394 | 1,7 | −0,3 | — | — |
| FDP | 5.871 | 1,2 | −8,0 | — | −5 |
| NPD | 5.606 | 1,2 | −0,3 | — | — |
| FREIE WÄHLER | 4.173 | 0,9 | +0,1 | — | — |
| Die PARTEI | 2.222 | 0,5 | +0,5 | — | — |
| Direkte Demokratie | 721 | 0,1 | +0,1 | — | — |
Ausgangslage
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Die vorgezogene Neuwahl wurde von CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer am 19. Januar 2012 angekündigt, nachdem sie das Regierungsbündnis zwischen ihrer Partei, der FDP und den Grünen aufgekündigt hatte.
Parteien und Kandidaten
Folgende Parteien wurden von der Landeswahlleiterin bzw. den Kreiswahlleitern zugelassen:<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( vom 23. Februar 2012 im Internet Archive)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wer steht zur Wahl? ( vom 12. März 2012 im Internet Archive)</ref>
| Partei | Kürzel | Wahlkreis- listen |
Mitglieder | Ergebnis 2009 | Gründung | Spitzenkandidat |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Christlich Demokratische Union Deutschlands | CDU | 3 | 19.000 | 34,5 % | 1955 | Annegret Kramp-Karrenbauer |
| Sozialdemokratische Partei Deutschlands | SPD | 3 | 21.000 | 24,5 % | 1955 | Heiko Maas |
| Die Linke | DIE LINKE | 3 | 2.400 | 21,3 % | 2007 | Oskar Lafontaine |
| Freie Demokratische Partei | FDP | 3 | 1.500 | 9,2 % | 1955 | Oliver Luksic |
| Bündnis 90/Die Grünen | GRÜNE | 3 | 1.400 | 5,9 % | 1979 | Simone Peter |
| Familien-Partei Deutschlands | FAMILIE | 3 | 150 | 2,0 % | 1989 | Roland Körner |
| Nationaldemokratische Partei Deutschlands | NPD | 3 | 100 | 1,5 % | 1964 | Frank Franz |
| Freie Wähler | FREIE WÄHLER | 3 | 70 | — | 2011 | Bernd Richter |
| Initiative Direkte Demokratie | DIREKTE DEMOKRATIE | 1 | 60 | — | 2012 | Michael Elicker |
| Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative | Die PARTEI | 2 | 87 | — | 2012 | Alexander Senzig |
| Piratenpartei Deutschland | PIRATEN | 3 | 385 | — | 2009 | Jasmin Maurer |
Die zuvor nicht im Landtag vertretenen Parteien hatten zur Zulassung pro Wahlkreis 300 Unterstützerunterschriften vorzulegen.
Umfragen
Umfragen vor der Wahl prognostizierten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden CDU und der oppositionellen SPD, die im Vergleich zur letzten Landtagswahl knapp zehn Prozentpunkte zulegen könnte. Trotz des Bruchs der Jamaika-Koalition sagte die Meinungsforschung kaum Verluste oder gar leichte Gewinne für die Christdemokraten voraus, während die ehemaligen Koalitionspartner FDP und Bündnis 90/Die Grünen um den Einzug in das Parlament fürchten müssten. Auch für Die Linke wurden stärkere Verluste prognostiziert, den Status als drittstärkste Kraft im Landtag sah man aber nicht als gefährdet an. Den Piraten wurden bereits gute Chancen eingeräumt, erstmals in den Landtag einziehen zu können. Nachdem Kramp-Karrenbauer und SPD-Oppositionsführer Maas bereits angekündigt hatten, nach der Wahl eine Große Koalition bilden zu wollen, richtete sich das Interesse schließlich auf das Abschneiden von CDU und SPD und den daraus entstehenden Anspruch, in dem anvisierten Regierungsbündnis den Ministerpräsidenten zu stellen.<ref name="Wahlumfragen-Link">Wahlumfragen zur Landtagswahl im Saarland. Wahlrecht.de, abgerufen am 14. März 2012.</ref>
Folgende Wahlabsichten wurden nach der Aufkündigung der schwarz-gelb-grünen Koalition durch Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erhoben. Für die Sonntagsfrage gaben die Demoskopen demnach folgende Anteile an:
| Institut | Datum | CDU | SPD | LINKE | FDP | GRÜNE | PIRATEN | Sonstige |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Forschungsgruppe Wahlen<ref name="Wahlumfragen-Link" /> | 16.03.2012 | 34 % | 34 % | 15 % | 2 % | 5 % | 6 % | 4 % |
| Infratest dimap<ref name="Wahlumfragen-Link" /> | 15.03.2012 | 33 % | 33 % | 16 % | 3 % | 5 % | 6 % | 4 % |
| Forsa<ref name="Wahlumfragen-Link" /> | 09.03.2012 | 35 % | 37 % | 14 % | 1 % | 4 % | 5 % | 4 % |
Infratest dimap<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..</ref>
|
23.02.2012 | 35 % | 36 % | 15 % | 2 % | 4 % | 5 % | 3 % |
| Emnid<ref name="Wahlumfragen-Link" /> | 27.01.2012 | 36 % | 36 % | 15 % | 2 % | 5 % | 4 % | 2 % |
| Forschungsgruppe Wahlen<ref>Video morgenmagazin: Saarland steht vor Neuwahlen in der ZDFmediathekVorlage:Abrufdatum (offline)</ref> | 26.01.2012 | 34 % | 38 % | 13 % | 2 % | 6 % | 5 % | 2 % |
Für die Frage, wen die Saarländer direkt zum Ministerpräsidenten wählen würden, gaben die Demoskopen folgende Ergebnisse an:
| Institut | Datum | Kramp-Karrenbauer | Maas | Lafontaine | weder noch | weiß nicht |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Infratest dimap<ref>Infratest Dimap-Umfrage Zahlen und Umfragen zur Landtagswahl im Saarland (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive ).</ref> | 25.03.2012 | 46 % | 42 % | — | — | — |
| Forschungsgruppe Wahlen<ref>ZDF Interaktiv Wahl 2012 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Politiker, Themen, Kompetenzen ( vom 27. April 2012 im Internet Archive)</ref> | 25.03.2012 | 40 % | 45 % | — | — | — |
| Forschungsgruppe Wahlen<ref>ZDF Politbarometer Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD.</ref> | 16.03.2012 | 42 % | 41 % | — | 8 % | 9 % |
| Infratest dimap<ref>Infratest Dimap-Umfrage <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Saarland Trend März 2012 ( vom 20. März 2012 im Internet Archive).</ref> | 15.03.2012 | 38 % | 38 % | — | 14 % | 10 % |
| Forsa<ref>Forsa-Umfrage <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kramp-Karrenbauer würde Direktwahl gewinnen ( vom 6. Juni 2012 im Internet Archive).</ref> | 09.03.2012 | 36 % | 33 % | 14 % | 17 % | — |
| Infratest dimap<ref>Infratest dimap-Umfrage <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Saarland Trend Februar 2012 ( vom 27. Juli 2014 im Internet Archive).</ref> | 23.02.2012 | 42 % | 43 % | — | 7 % | 8 % |
| Emnid<ref>TNS Emnid Umfrage Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl / CDU-Anhänger wollen die Große Koalition (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive ).</ref> | 27.01.2012 | 40 % | 42 % | — | — | — |
| Forschungsgruppe Wahlen<ref>ZDF Politbarometer SPD vor CDU – klare Ablehnung von Rot-Rot / Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kramp-Karrenbauer und Maas.</ref> | 26.01.2012 | 40 % | 43 % | — | 7 % | 10 % |
Regierungsbildung
Bereits vor der Wahl hatten CDU und SPD bekannt gegeben, nach der Wahl koalieren zu wollen – dann mit geklärten politischen Verhältnissen. Sechs Wochen nach der Wahl einigten sich die beiden Parteien auf einen Koalitionsvertrag und wählten am 9. Mai 2012 die CDU-Landesvorsitzende und Wahlsiegerin Kramp-Karrenbauer geschlossen zur Ministerpräsidentin dieser Großen Koalition.
Hauptartikel: Kabinett Kramp-Karrenbauer II
Am 9. Mai 2012 wählte der Landtag mit den Stimmen der Großen Koalition die CDU-Landesvorsitzende und Wahlsiegerin Kramp-Karrenbauer geschlossen zur Ministerpräsidentin zusammen mit ihrem Kabinett Kramp-Karrenbauer II.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Große Koalition im Saarland: Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin wiedergewählt ( des Vorlage:IconExternal vom 16. Oktober 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Focus.de</ref>
Klage gegen die Fünf-Prozent-Hürde
Die zur Wahl antretende Kleinpartei Initiative Direkte Demokratie forderte am 15. März 2012, die Fünf-Prozent-Hürde bei der kommenden Landtagswahl nicht mehr gelten zu lassen. Die Partei reichte beim Verfassungsgerichtshof des Saarlandes einen entsprechenden Antrag auf einstweilige Anordnung ein. Die Begründung der Partei war, dass die Fünf-Prozent-Hürde die kleinen Parteien benachteilige. Außerdem seien im Saarland auch ohne die Sperrklausel stabile politische Verhältnisse zu erwarten. Die Partei berief sich dabei auf die Begründung, die es möglich machte, dass die Sperrklausel bei der Europawahl in Deutschland seit 2011 nicht mehr gilt.<ref>Gericht berät über Fünf-Prozent-Hürde (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive ), SR-online.de, abgerufen am 20. März 2012</ref>
Der Verfassungsgerichtshof wies die Klage am 22. März als unbegründet zurück.<ref>Verfassungsgerichtshof des Saarlandes, Urteil vom 22. März 2012 – Lv 3/12 – (PDF; 47 kB), abgerufen am 26. März 2012</ref>
Ein Verzicht auf die Fünf-Prozent-Hürde hätte – vorausgesetzt, das Wahlverhalten wäre unter den veränderten Bedingungen dasselbe geblieben – keine Änderung der Sitzverteilung zur Folge gehabt.<ref>Nachricht auf wahlrecht.de: Selbst ohne 5%-Hürde hätte es die gleiche Sitzverteilung gegeben</ref>
Fraktions- und Parteiwechsel nach der Wahl
Bereits vor der ersten Sitzung des Landtages gab Pia Döring, die für Die Linke in das Landesparlament gewählt worden war, bekannt, dass sie zur SPD wechseln werde.<ref name="focus-736554">slc/AFP: Eklat nach Landtagswahl im Saarland: Linken-Abgeordnete Pia Döring wechselt zur SPD. In: Focus Online. 12. April 2012, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref> Damit verfügte die SPD über 18 Abgeordnete.
Am 26. Januar 2015 trat der Piraten-Abgeordnete Michael Neyses zu den Grünen über, so dass beide Fraktionen seitdem drei Mitglieder zählten.
Siehe auch
- Landtagswahlen im Saarland
- Liste der Landtagswahlkreise im Saarland
- Liste der Mitglieder des Saarländischen Landtages (15. Wahlperiode)
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Die Landeswahlleiterin, Statistisches Amt Saarland: Ergebnis der Landtagswahl. 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Januar 2013; abgerufen am 29. April 2020.
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| Wahlen zum Landtag des Saarlandes |
1960 | 1965 | 1970 | 1975 | 1980 | 1985 | 1990 | 1994 | 1999 | 2004 | 2009 | 2012 | 2017 | 2022 | 2027 |
|
| Abstimmungen im Land |
keine | |
| Kommunalwahlen |
1960 (Mai)a | 1960 (Dez.) | 1964 | 1968 | 1974 | 1979 | 1984 | 1989 | 1994 | 1999 | 2004 | 2009 | 2014 | 2019 | 2024 | 2029 |