Karl-Heinz Paqué
Karl-Heinz Paqué (* 4. Oktober 1956 in Saarbrücken) ist ein deutscher Volkswirt und Politiker (FDP). Er war von 2002 bis 2006 Finanzminister in Sachsen-Anhalt. Von 2018 bis 2026 war er Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, seit 2024 ist er Präsident der Liberalen Internationale.
Wissenschaftliche Laufbahn
Karl-Heinz Paqué studierte von 1975 bis 1980 Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Saarbrücken und Kiel sowie der University of British Columbia; 1980 schloss er sein Studium in Kiel als Diplom-Volkswirt ab. In den folgenden Jahren arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und, gefördert vom DAAD, als Research Fellow am Center for Study of Public Choice in Blacksburg (Virginia) (Leitung: James M. Buchanan). 1983 kehrte er als Wissenschaftlicher Assistent an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel zurück, wo er 1986 mit der Arbeit Philanthropie und Steuerpolitik: Eine ökonomische Analyse der Förderung privater Wohltätigkeit summa cum laude promoviert wurde. Bis 1989 war er dort als Hochschulassistent tätig. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Herbert Giersch.
Nach einem Stipendium der DFG im Jahr 1990 leitete er von 1991 bis 1996 als Wissenschaftlicher Direktor und später Professor die Forschungsabteilung I Wachstum, Strukturpolitik und internationale Arbeitsteilung im Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. 1995 habilitierte er sich und wurde 1996 „in Anerkennung und in Würdigung seiner herausragenden Verdienste um das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und um die empirische Wirtschaftsforschung“ mit der Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.<ref>Ehrentitel „Professorin“ oder „Professor“. In: schleswig-holstein.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. März 2015; abgerufen am 16. Oktober 2014.</ref> Im selben Jahr wurde er auf den Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berufen. Nach seiner Wahl in den Landtag von Sachsen-Anhalt im Jahr 2002 ruhte diese Tätigkeit bis 2008. Paqué kehrte zum Sommersemester 2008 auf seinen Lehrstuhl an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zurück. Von Juli 2010 bis 2018 war er auch Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft; dabei trat er die Nachfolge von Birgitta Wolff an, die als Kultusministerin ins Kabinett Böhmer II wechselte.
Politische Laufbahn
1999 trat Paqué der FDP bei. Von 2001 bis 2007 war Paqué stellvertretender Landesvorsitzender der FDP in Sachsen-Anhalt.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2002 wurde er in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt. In der Koalition aus CDU und FDP wurde er am 17. Mai 2002 zum Finanzminister des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ernannt. Paqué kandidierte als Spitzenkandidat für die FDP bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2006, bei der die FDP ihren Stimmenanteil von 2002 halbierte. Dennoch wurde Paqué in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber Veit Wolpert zum Fraktionsvorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion gewählt. In einer von der Linkspartei.PDS eingereichten Klage wurde dem Ex-Finanzminister Paqué vom Landesverfassungsgericht 2006 bestätigt, er hätte das Mietgeld für das Landesvermessungsamt nicht am Finanzausschuss des Landtages vorbei freigeben dürfen. Das Urteil hat (so die Magdeburger Volksstimme) wegweisende Bedeutung, weil die Befugnisse der Regierung beschränkt, die Macht des Landtages in Finanzfragen ausgeweitet wurde. Von 2003 bis 2007 war und seit Dezember 2013 ist Paqué Mitglied im Bundesvorstand der FDP. Er ist stellv. Vorsitzender des Bundesfachausschusses Wirtschaft und Arbeit sowie Mitglied des Bundesfachausschusses Finanzen und Steuern der FDP.
Paqué hatte zum 1. April 2008 seinen Rückzug aus der Landespolitik vollzogen: Er legte den Fraktionsvorsitz nieder und gab sein Landtagsmandat zurück, und zwar mit folgender Begründung: „Die Gründe für meine Entscheidung sind vor allem persönlicher Art. Politik ist nicht alles. Nach sechs Jahren in der Landespolitik – vier Jahre als Finanzminister und zwei Jahre als Fraktionsvorsitzender – kommt für mich die Zeit, meine Arbeit als Wissenschaftler und akademischer Lehrer […] wieder aufzunehmen.“
Bei der Bundestagswahl 2017 trat Paqué als Direktkandidat der FDP im Bundestagswahlkreis Magdeburg an,<ref>Neuer Kreisvorstand und Prof. Dr. Paqué zum Direktkandidaten für die BTW 2017 gewählt. In: fdp-md.de. 29. Januar 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2017; abgerufen am 4. Februar 2017.</ref> verpasste jedoch den Einzug in den 19. Deutschen Bundestag.
Weitere Funktionen
Paqué ist ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und Stiftungen tätig. Unter anderem war er Vorstandsmitglied des Vereins für Socialpolitik. Bis zum 23. April 2006 war Paqué – qua Amt als Finanzminister Sachsen-Anhalts – auch Vorsitzender des Präsidialausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Nord/LB. Er ist Vorstandsvorsitzender der Herbert Giersch Stiftung, Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Deutschlandforschung e. V., Mitglied des Konvents für Deutschland, der Atlantikbrücke und der Hayek-Gesellschaft sowie Kurator der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Deutschen Gesellschaft e. V. Er war bis 2014 Vorsitzender des Beirats Zivilgesellschaft in Zahlen des Stifterverbandes der Wissenschaft. Er war als Sachverständiger Mitglied zweier Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages: 1999 bis 2002 in der Enquete Globalisierung der Weltwirtschaft und von Januar 2011 bis April 2013 in der Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Er ist seit 2010 Mitglied des Kleinen Gremiums des Bremer Tabak-Collegiums und seit 2012 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seit 2013 ist er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Agenda Austria. Er ist seit 2013 federführender Herausgeber der Perspektiven der Wirtschaftspolitik, der wirtschaftspolitischen Fachzeitschrift des Vereins für Socialpolitik.
Bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit war Paqué von 2013 bis 2014 Kurator und Mitglied des Programmausschusses und von 2014 bis 2018 stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Im September 2018 übernahm er schließlich den Vorsitz der Stiftung von Wolfgang Gerhardt, den er acht Jahre lang bis März 2026 innehatte, als er von Steffen Saebisch abgelöst wurde.<ref>Vorstand und Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit neu gewählt. Pressemitteilung. In: freiheit.org. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 27. März 2026, abgerufen am 27. März 2026.</ref> Auf dem 62. Kongress der Liberalen Internationale (LI) im Dezember 2018 in Dakar wählten die Delegierten Paqué zum stellvertretenden Präsidenten.<ref>Der Weltverband der Liberalen wählt Paqué zum Vize-Präsidenten. In: Portal liberal, 4. Dezember 2018.</ref><ref>Prof Karl-Heinz Paqué, Deputy President. Liberal International.</ref>
Familie
Karl-Heinz Paqué entstammt der Bierbrauerfamilie Paqué aus St. Wendel, wo er auch aufwuchs.<ref>Angaben zur Herkunft auf der Website von Karl-Heinz Paqué. Abgerufen am 13. August 2021.</ref> Er ist verheiratet mit Sabine Paqué. Sie ist Kunsthistorikerin, aber seit längerer Zeit vor allem im Bereich der Sozialdienste und Sozialpolitik tätig. Sie war Initiatorin des Hospizkreises Magdeburg und für die FDP von 2004 bis 2009 Mitglied im Magdeburger Stadtrat. Zurzeit ist sie Vorsitzende des Seniorenbesuchdienstes Magdeburg.
Auszeichnungen
- 1987: Universitätspreis der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel
- 1987: Heinz Maier-Leibnitz-Preis des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft
- 1988: 1. Preis der Wolfgang-Ritter-Stiftung, Bremen
- 1996: Ehrenprofessor des Landes Schleswig-Holstein<ref>Auszeichnungen - Ehrentitel „Professorin“ oder „Professor“. In: Landesportal Schleswig-Holstein. Abgerufen am 25. Mai 2018.</ref>
- 2003: Star of Europe, Business Week Europe
- 2010: Nominierung für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis mit dem Buch Wachstum! Die Zukunft des globalen Kapitalismus (Carl Hanser Verlag, München 2010)
- 2012: Ehrendoktorwürde der Universität Miskolc, Ungarn
Schriften
- Philanthropie und Steuerpolitik. Eine ökonomische Analyse der Förderung privater Wohltätigkeit. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1986 (= Kieler Studien, Band 203), ISSN 0340-6989.
- mit Herbert Giersch, Holger Schmieding: The Fading Miracle. Four Decades of Market Economy in Germany. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 1992, ISBN 0-521-35351-3.
- Structural Unemployment and Real Wage Rigidity. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1999 (= Kieler Studien, Band 301), ISSN 0340-6989.
- Die Bilanz. Eine wirtschaftliche Analyse der Deutschen Einheit. Carl Hanser Verlag, München 2009, ISBN 978-3-446-41958-2.
- Wachstum! Die Zukunft des globalen Kapitalismus. Carl Hanser Verlag, München 2010, ISBN 978-3-446-42350-3.<ref>Wachstum mit Ausrufezeichen. In: FAZ. 27. November 2010, S. 12.</ref>
- Vollbeschäftigt: Das neue deutsche Jobwunder. Carl Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-43211-6.
- mit Günther Heydemann (Hrsg.): Planwirtschaft – Privatisierung – Marktwirtschaft. Wirtschaftsordnung und -entwicklung in der SBZ/DDR und den neuen Bundesländern 1945–1994. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017 (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung, Band 63), ISBN 978-3-525-36975-3.
- mit Richard Schröder: Gespaltene Nation? – Einspruch! 30 Jahre Deutsche Einheit. NZZ Libro, Basel 2020, ISBN 978-3-907291-00-9.
Weblinks
- Website von Karl-Heinz Paqué
- Literatur von und über Karl-Heinz Paqué im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Karl-Heinz Paqué auf Academia.edu
- Paqué zieht sich aus der Politik zurück. auf der Webseite der Mitteldeutschen Zeitung. 23. Oktober 2007.
- Wahrlich ein Denker unserer Zeit Kritische Rezension von Reinhard Loske. In: FAZ, 6. Juni 2013.
- Lest doch bitte euren Popper richtig. Antwort auf Reinhard Loske. In: FAZ, 12. Juni 2013.
- Karl-Heinz Paqué im Forschungsportal Sachsen-Anhalt
Einzelnachweise
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1945–1952: Werner Bruschke | Richard Kunisch | Ernst Lorenz
Seit 1990: Werner Münch | Wolfgang Böhmer | Joachim Kupfer | Wolfgang Schaefer | Wolfgang Gerhards | Karl-Heinz Paqué | Jens Bullerjahn | André Schröder | Michael Richter
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Hans-Herbert Haase (1990–1994) | Cornelia Pieper (2002) | Rainhard Lukowitz (2002–2004) | Veit Wolpert (2004–2006) | Karl-Heinz Paqué (2006–2008) | Veit Wolpert (2008–2011) | Lydia Hüskens (2021) | Andreas Silbersack (seit 2021)
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Walter Erbe | Paul Luchtenberg | Hans Wolfgang Rubin | Ralf Dahrendorf | Wolfgang Mischnick | Otto Graf Lambsdorff | Wolfgang Gerhardt | Karl-Heinz Paqué | Steffen Saebisch
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Präsidium
Vorsitzender: Christian Dürr
Stellvertretende Vorsitzende: Wolfgang Kubicki | Svenja Hahn | Henning Höne | Schatzmeister: Michael Georg Link
Gewählte Beisitzer im Präsidium: Florian Toncar | Lydia Hüskens | Susanne Seehofer
Generalsekretärin: Nicole Büttner | Bundesgeschäftsführerin: Maria Wandel
Vertreterin der Fraktion im Europaparlament: Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Ehrenvorsitzender: Hermann Otto Solms
Beratende Mitglieder des Präsidiums: Karl-Heinz Paqué | Hans-Ulrich Rülke | Steffen Saebisch
Weiterer Bundesvorstand
Gewählte Mitglieder des Bundesvorstands: Judith Skudelny | Katja Hessel | Daniela Kluckert | Zyon Braun | Thore Schäck | Finn Ole Ritter | Thorsten Lieb | Gero Pickert | Konstantin Kuhle | Moritz Körner | Steven Wink | Angelika Hießerich-Peter | Torsten Herbst | Andreas Silbersack | Christopher Vogt | Linda Teuteberg | Otto Fricke | Jens Teutrine | Maria Westphal | Johannes Vogel | Wiebke Knell | Anja Schulz | Ria Schröder | Jens Brandenburg | Frank Schäffler | Franziska Brandmann | Muhanad Al-Halak | Alexander Müller | Maren Jasper-Winter | David Dietz | Marko Miholic | Helmer Krane | Marie-Florence Mahwera
Ombudsmitglied: Christopher Gohl
Beratende Mitglieder des Bundesvorstands: Nemir Ali | Manfred R. Eisenbach | Frank Hoffmeister | Michael Kauch | Benjamin Kurtz | Jacqueline Krüger | Detlef Parr | Mario Burow
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Paqué, Karl-Heinz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Volkswirt und Politiker (FDP), MdL, Finanzminister von Sachsen-Anhalt |
| GEBURTSDATUM | 4. Oktober 1956 |
| GEBURTSORT | Saarbrücken |
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- Landtagsabgeordneter (Sachsen-Anhalt)
- Finanzminister (Sachsen-Anhalt)
- Ehrenprofessor des Landes Schleswig-Holstein
- Hochschullehrer (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
- Ehrendoktor der Universität Miskolc
- Mitglied der Mont Pèlerin Society
- Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Person (Sparkassen-Finanzgruppe)
- FDP-Bundesvorstand
- Mitglied im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung
- Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung
- Deutscher
- Geboren 1956
- Mann