Goldener Windbeutel
Der Goldene Windbeutel ist ein Negativpreis, der von dem gemeinnützigen Verein foodwatch verliehen wird. Er wurde erstmals im März 2009 vergeben und soll insbesondere auf den Unterschied zwischen beworbenen Qualitätsversprechen und den tatsächlichen Eigenschaften von Lebensmitteln hinweisen.
Verfahren
Aus fünf nominierten Produkten können Verbraucher einmal im Jahr im Internet in einem vierwöchigen Abstimmungsverfahren auswählen, welches Produkt den Goldenen Windbeutel erhalten soll. Das Ergebnis wird anschließend auf der Homepage von Foodwatch bekannt gegeben. 2009 und 2010 wurden die fünf Produkte von einer Jury nominiert. In der Jury saßen 2009 die Fernsehköchin Sarah Wiener, Moderator Tobias Schlegl, Spiegel-Reporter Ullrich Fichtner, Autor Harald Dzubilla und Bloggerin Andrea Nienhaus. 2010 bestand die Jury aus Frank-Markus Barwasser, Astrid Frohloff, Andreas Hoppe, Ullrich Fichtner und Tobias Schlegl.<ref name="Die Jury 2010">Die Jury 2010. abgespeist.de, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. März 2010; abgerufen am 27. Juni 2011.</ref> Seit 2011 gibt es nur fünf Kandidaten und keine Auswahljury mehr.
Preisträger und Nominierungen
| Jahr | Preisträger | Begründung | Weitere nominierte Produkte/Platzierungen | Wahlbeteiligung |
|---|---|---|---|---|
| 2009 | Actimel von Danone<ref name=":6">Actimel: die dreisteste Werbelüge 2009. foodwatch e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Dezember 2014; abgerufen am 28. Oktober 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | Danone gab an, ihr Trinkjoghurt würde das Immunsystem stärken. Foodwatch kritisierte, dass die Wirkung des Produktes nicht höher sei als bei herkömmlichem Joghurt, Actimel jedoch deutlich mehr Zucker enthalte und zusätzlich teurer verkauft würde.<ref name=":6" /><ref>Peter Muehlbauer: Actimel gewinnt Preis für die "dreisteste Werbelüge". Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> |
|
über 35.000 Personen |
| 2010 | Zott Monte Drink von Zott<ref name=":7">Monte Drink: Die dreisteste Werbelüge 2010. foodwatch e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2018; abgerufen am 28. Oktober 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | Zott bewarb das Produkt als Zwischenmahlzeit für Kinder mit „wertvollem Traubenzucker“. Foodwatch kritisierte Zotts „unverantwortliche[n] Versuch, eine Zuckerbombe wie eine gesunde Zwischenmahlzeit zu bewerben“.<ref name=":7" /><ref>Negativ-Preis: Verbraucher küren Monte Drink zum dreistesten Werbelügner. In: Der Spiegel. 23. April 2010, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. Dezember 2021]).</ref> |
|
rund 81.000 Personen |
| 2011 | Milch-Schnitte von Ferrero<ref name=":8">Ferrero Milchschnitte: Die dreisteste Werbelüge 2011. foodwatch e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Dezember 2014; abgerufen am 28. Oktober 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | Ferrero bewarb das Produkt als „Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch“. Foodwatch kritisierte diese Aussage sowie die Bewerbung durch Spitzensportler vor dem Hintergrund des hohen Fett- und Zuckergehalts.<ref name=":8" /><ref>"Goldener Windbeutel 2011": Verbraucherschützer küren frechste Werbelüge. In: Der Spiegel. 16. Mai 2011, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. Dezember 2021]).</ref> |
|
rund 117.000 Personen |
| 2012 | Instant-Früchtetees ab dem 12. Monat von HiPP<ref name=":9">foodwatch-Aktion bei Hipp: Goldener Windbeutel 2012 verliehen. Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> | Hipp bewarb die Tees für Säuglinge. Foodwatch kritisierte den hohen Zuckergehalt von ca. zweieinhalb Stückchen Würfelzucker pro Tasse. Dies widerspreche den Empfehlungen für Kinder in diesem Alter.<ref name=":9" /><ref>Goldener Windbeutel: Foodwatch vergibt Negativpreis an Hipp. In: Der Spiegel. 19. Juni 2012, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. Dezember 2021]).</ref> |
|
rund 130.000 Personen |
| 2013 | Capri-Sonne von Wild/SiSi-Werke<ref name=":10">Capri-Sonne erhält Goldenen Windbeutel 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> | Wild richtete sich mit seiner Marketingstrategie der Capri-Sonne-Trinkpäckchen über verschiedenste Kanäle explizit an Kinder. Foodwatch kritisierte die „aggressive Vermarktung“ vor dem Hintergrund des hohen Zuckergehalts des Getränks.<ref name=":10" /><ref>WELT: „Goldener Windbeutel“: Foodwatch verleiht Negativ-Preis an Capri-Sonne. In: Die Welt. 16. Mai 2013 (welt.de [abgerufen am 26. Dezember 2021]).</ref> |
|
rund 120.000 Personen |
| 2014 | Alete Trinkmahlzeit ab 10. Monat von Nestlé<ref name=":0">Nestlé gewinnt den Goldenen Windbeutel 2014. foodwatch e. V., 1. Oktober 2014, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 6. November 2018. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> | Nestlé bewarb die Trinkmahlzeiten als „vollwertig“ sowie „reich an Calcium & Vitamin D für gesundes Knochenwachstum“. Foodwatch kritisierte zum eine die Darstellung als gesundes Lebensmittel als auch das Anbieten von Trinkmahlzeiten für Säuglinge im Allgemeinen, was von Medizinern und Ernährungswissenschaftlern als sehr kritisch angesehen wird.<ref name=":0" /> |
über 158.000 abgegebene Stimmen | |
| 2015 | Stellvertretend für Alete Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (wegen der seit Anfang 2015 indirekt bestehenden Beteiligung des Landes am Unternehmen, womit das Land von ungesunder Babynahrung profitiere)<ref>Goldener Windbeutel an Kretschmann: "Wir können alles. Außer Babynahrung". WirtschaftsWoche, 18. Mai 2015, abgerufen am 28. Oktober 2017.</ref><ref>Wieso Foodwatch nach zwei Jahren Pause wieder einen "Goldenen Windbeutel" verleiht. horizont.net, 23. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017.</ref> |
ohne öffentliche Abstimmung | ||
| 2017 | Kinderkeks von Alete<ref name=":1">Alete erhält Goldenen Windbeutel. foodwatch e. V., 28. November 2017, abgerufen am 28. November 2017.</ref> | Der Keks wurde explizit für Säuglinge ab dem achten Monat beworben. Foodwatch kritisierte den sehr hohen Zuckergehalt des Produktes, der unter anderem Karies fördere. Alete würde außerdem rechtliche Lücken dreist ausnutzen.<ref name=":1" /><ref>Goldener Windbeutel 2017: Alete erhält Negativpreis für Babynahrung. Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> |
|
über 73.000 abgegebene Stimmen |
| 2018 | Glacéau Smartwater von Coca-Cola<ref name=":2">Der Goldene Windbeutel 2018: Stimm ab! Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> | Coca-Cola versuchte durch ein besonders aufwendiges Verfahren der Wasserverarbeitung einen höheren Preis zu rechtfertigen. Foodwatch kritisierte, dass Smartwater „nicht besser als herkömmliches Mineralwasser“ sei und die Werbestrategie die Verbraucher in die Irre führe. Das angewandte Verfahren sei unsinnig.<ref name=":2" /><ref>WELT: Coca-Colas „Smartwater“ erhält Goldenen Windbeutel: „Dreisteste Werbelüge“. In: Die Welt. 4. Dezember 2018 (welt.de [abgerufen am 26. Dezember 2021]).</ref> |
|
fast 70.000 abgegebene Stimmen |
| 2019 | Bio Kinder-Tomatensauce von Zwergenwiese (Tochterfirma von Rapunzel Naturkost)<ref name=":3">Das ist die dreisteste Werbelüge des Jahres. In: Welt. 3. Dezember 2019, abgerufen am 4. Dezember 2019.</ref> | Die Sauce wurde explizit für Kinder beworben. Foodwatch kritisierte den hohen Zuckergehalt, der den der Sauce für Erwachsene um 140 % überstieg.<ref>Zwergenwiese erhält den Goldenen Windbeutel 2019. Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref><ref name=":3" /> |
fast 70.000 abgegebene Stimmen | |
| 2020 |
Hochland: Grünländer-Käse<ref name=":4">Der Goldene Windbeutel 2020 geht an Grünländer Käse von Hochland. Abgerufen am 9. September 2020.</ref> |
Beworben wurde der Käse mit den Bezeichnungen „Milch von Freilaufkühen“ und „grüne() Seele“.
Foodwatch kritisierte, dass Verbrauchern so eine falsche Idylle und gute Haltungsformen vorgegaukelt würden, obwohl die Kühe sich lediglich innerhalb des Stalles frei bewegen durften.<ref name=":4" /><ref>Die unverschämteste Werbelüge: Gewinner des "Goldenen Windbeutels" steht fest. Abgerufen am 26. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
65.456 abgegebene Stimmen | |
| 2021 | Rewe: Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet<ref name=":5">Hähnchen Brustfilet von REWE gewinnt den Goldenen Windbeutel 2021. Abgerufen am 14. Dezember 2021.</ref> | Das Hähnchen wurde als klimaneutral gekennzeichnet.
Kritisiert wurde die Bewerbung von Fleisch als klimafreundlich im Allgemeinen, als auch das Kompensationsprojekt, mit dem die Emissionen ausgeglichen werden sollten. Laut Recherchen von Foodwatch erfülle dieses nicht die Anforderungen an Projekte dieser Art.<ref name=":5" /><ref>tagesschau.de: Foodwatch-Negativpreis: „Goldener Windbeutel“ geht an REWE. Abgerufen am 26. Dezember 2021.</ref> |
|
63.488 abgegebene Stimmen |
| 2023 | Intersnack: Pom-Bär Ofen-Minis<ref>Schmähpreis »Goldener Windbeutel« geht an Pom-Bär-Chips, am 27. Juni 2023 auf spiegel.de</ref> | Das Unternehmen bewirbt die Chips mit der Angabe »50 Prozent weniger Fett«, verschweigt dabei aber den sechsfach höheren Zuckergehalt. |
|
|
| 2024 | Alete: Obsties Erdbeer Banane<ref>Goldener Windbeutel für Obsties von Alete. Abgerufen am 6. Juli 2024.</ref> | Das speziell an Kinder gerichtete Produkt wird mit „ohne Zuckerzusatz“, „Bio“ und „bewusst“ beworben und suggeriert dadurch ein gesundes Produkt. Das Produkt hat allerdings einen Zuckergehalt von 71,8 %. |
|
über 55.000 abgegebene Stimmen |
| 2025 | Mondelez: Milka-Alpenmilchschokolade<ref>Daniel Bakhir: Geschrumpfte Milka-Tafel zur „dreistesten Werbelüge“ gewählt. In: Spiegel Online. 15. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025.</ref><ref>Versteckte Preiserhöhung. Schmähpreis „Goldener Windbeutel“ geht an Milka am 15. Juli 2025 auf tagesschau.de</ref> | Mondelez hat die Verpackungsgrößen der Milka-Schokoladentafeln von 100 auf 90 Gramm verkleinert und kurz zuvor den Preis um 50 Cent von 1,49 EUR auf 1,99 EUR erhöht, was von foodwatch als „dreistes Beispiel von Shrinkflation“ und in der Überschrift als „Gierflation“ kritisiert wird. Das Unternehmen begründete dies mit den gestiegenen Kosten, u. a. für Kakao, Verpackung und Transport. |
|
über 58.000 abgegebene Stimmen. |
Weblinks
Einzelnachweise
<references />