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Martin Schulz

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Martin Schulz (2020)
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Martin Schulz (* 20. Dezember 1955 in Kinzweiler-Hehlrath, heute Stadtteil von Eschweiler) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD). Von 1987 bis 1998 war Schulz ehrenamtlicher Bürgermeister von Würselen. Von 1994 bis 2017 war er Mitglied des Europäischen Parlaments und von 2012 bis 2017 dessen Präsident.<ref>dpa: Martin Schulz legt Mandat im EU-Parlament nieder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.</ref> Schulz gehörte von 1999 bis 2018 durchgehend dem Bundesvorstand und dem Parteipräsidium der SPD an.<ref>Wer ist eigentlich Martin Schulz?, Wirtschaftswoche, 2017-01-24.</ref> Von 2017 bis 2018 amtierte er als SPD-Parteivorsitzender.<ref>Profil von Martin Schulz auf abgeordnetenwatch.de (abgerufen am 9. Februar 2018).</ref> Im Dezember 2020 wurde Schulz zum Vorsitzenden der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gewählt.<ref>Martin Schulz zum Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. gewählt. Abgerufen am 14. Dezember 2020.</ref>

Zur Bundestagswahl 2017 trat Schulz als Kanzlerkandidat der SPD an. Dabei erreichte die Partei mit 20,5 % ihr bis dahin schlechtestes Wahlergebnis der Nachkriegsgeschichte.<ref>Das Wichtigste im Überblick, tagesschau.de, 25. September 2017.</ref> Schulz zog über die nordrhein-westfälische Landesliste der SPD ins Parlament ein und war bis 2021 Mitglied des Bundestages. Bei der Bundestagswahl 2021 trat er nicht mehr an.

Leben

Jugend und Schulbildung (1955 bis 1974)

Schulz wurde 1955 in Hehlrath (damals Teil der Gemeinde Kinzweiler) als jüngstes von fünf Kindern geboren. Sein Vater Albert<ref name="Munzinger" /> stammte aus dem Saarland und war ein sozialdemokratisch geprägter Polizeibeamter im mittleren Dienst und Dorfpolizist.<ref name="ard170301" /> Seine Mutter Clara war Hausfrau, hatte einen konservativ-katholischen Familienhintergrund und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des CDU-Ortsverbands Würselen.<ref name="Munzinger">Martin Schulz im Munzinger-Archiv, abgerufen am 19. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref><ref>Kirsten Bialdiga, Jan Drebe: Der Weltpolitiker aus Würselen. In: RP online. 24. Januar 2017.</ref> Bis 1966 war Martin Schulz Grundschüler an der katholischen Knabenschule Lehnstraße in Würselen.<ref>Ulrich Schulte: Porträt SPD-Spitzenkandidat Schulz: Der Lautsprecher. In: taz. 14. Mai 2014, abgerufen am 15. Februar 2017.</ref> Von 1966 bis 1974 besuchte er das private katholische Heilig-Geist-Gymnasium<ref>HGG Homepage |. Abgerufen am 31. August 2017.</ref> im Würselener Stadtteil Broich. Schulz wurde Schülersprecher.<ref name="ard170301">Mensch, Martin – Wie Martin Schulz Kanzler werden will, dieStory im Ersten vom 1. März 2017</ref> Mit 16 Jahren galt sein besonderes Interesse der Entstehung des Nationalsozialismus.<ref>Er las mit 16 eine Biografie von Hitler, mit 17/18 Jahren wünschte er sich die gerade erschienene Hitler-Biografie von Joachim Fest und bekam sie von seinem Bruder zu Weihnachten, weil seine Eltern ihm das teure Buch nicht schenken wollten. Manfred Otzelberger: Martin Schulz – Der Kandidat: Die Biografie. Herder, 2017, ISBN 978-3-451-81166-1, S. 55 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Martin Schulz: Was mir wichtig ist. Rowohlt, 2017, ISBN 978-3-644-10052-7, S. 27 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Margaretha Kopeinig: Martin Schulz – vom Buchhändler zum Mann für Europa: Die Biografie. Czernin Verlag, 2016, ISBN 978-3-7076-0585-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Im Schuljahr 1974 erlangte er am Heilig-Geist-Gymnasium die Fachhochschulreife.<ref>Kanzler ohne Abitur? Aber klar! Stern, abgerufen am 25. Januar 2017.</ref><ref>„Einer, der sich gegen Populisten stellt“. Frankfurter Rundschau, abgerufen am 26. Januar 2017.</ref>

Ausbildung, berufliche Tätigkeit (1974 bis 1994)

Nach einem Jahr der Arbeitslosigkeit und durch Vermittlung seines ehemaligen Schulleiters absolvierte Schulz von 1975 bis 1977 eine kaufmännische Berufsausbildung zum Buchhändler.<ref>Martin Schulz | Über mich. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. August 2017; abgerufen am 1. September 2017.</ref><ref>Martin Schulz. Europäisches Parlament, abgerufen am 19. Januar 2012.</ref><ref name="kopeinig-75">Margaretha Kopeinig: Martin Schulz – vom Buchhändler zum Mann für Europa. Die Biografie. Mit einem Vorwort von Jean-Claude Juncker, Czernin, Wien 2016, S. 75.</ref> In den fünf Jahren nach Abschluss<ref name="kopeinig-75" /> der dualen Berufsausbildung war er bei verschiedenen Verlagen und Buchhandlungen im Großraum Aachen<ref>Martin Schulz. SPD, 15. November 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Februar 2014; abgerufen am 14. Februar 2014.</ref> tätig, bis er im Jahr 1982 mit seiner Schwester Doris eine eigene Sortiments- und Verlagsbuchhandlung in Würselen gründete, deren Mitinhaber er bis 1994 war.<ref>Martin Schulz, MdEP. SPD Aachen, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2014; abgerufen am 14. Februar 2014.</ref>

SPD-Politiker (1975 bis heute)

Kommunalpolitiker (1984 bis 1998)

Im Alter von 19 Jahren trat Schulz in die SPD ein und engagierte sich ab 1975 bei den Jusos in Würselen. Im Jahr 1984 wurde er in den Würselener Stadtrat gewählt, dem er knapp zwei Wahlperioden als SPD-Stadtverordneter bis 1998 angehörte. 1987 wurde er ohne Gegenkandidaten vom Stadtrat zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Würselen gewählt. Mit 31 Jahren war er damals der jüngste Bürgermeister Nordrhein-Westfalens. Als Bürgermeister setzte er gegen den Widerstand einer Bürgerinitiative den Bau eines Freizeitbads durch, welches von der Stadt jährlich mit fast einer Million Euro subventioniert wird.<ref name="focus-6923640">ida: Würselen: Martin Schulz’ Spaßbad wurde zum Millionengrab für die Stadt. In: Focus Online. 9. April 2017, abgerufen am 14. Oktober 2018.</ref> 1998 verzichtete er zugunsten seines seit 1994 bestehenden Mandats im Europäischen Parlament auf das Bürgermeisteramt. Von 1996 bis 2010 war er Kreisvorsitzender der SPD Aachen.<ref>Martin Schulz. SPD-Unterbezirk Aachen-Stadt, SPD-Fraktion im Rat der Stadt Aachen, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Februar 2017; abgerufen am 31. August 2017.</ref>

Europapolitiker (1994 bis 2017)

Bei der Europawahl 1994 wurde Schulz ins Europäische Parlament gewählt und war von 2000 bis 2004 Vorsitzender der deutschen SPD-Landesgruppe. Europaweite Aufmerksamkeit erhielt Schulz 2003, als er nach einem Wortgefecht mit Silvio Berlusconi von diesem beleidigt wurde.<ref>Wie Berlusconi Schulz beleidigte: „Ich schlage Sie für die Rolle des Lagerführers vor“. Abgerufen am 14. Januar 2021.</ref> Von der Europawahl 2004 bis zum Januar 2012 war er Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europäischen Parlament, die sich 2009 in Progressive Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) umbenannte.<ref>Vorgänger und Nachfolger siehe hier</ref> Seit dem 13. November 2009 ist er neuer Europabeauftragter der SPD, um die Koordinierung der Parteiarbeit mit der EU-Politikebene zu verbessern. Er ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland.<ref>Europa-Union Parlamentarier im Europäischen Parlament. europa-union deutschland, abgerufen am 29. Januar 2017.</ref> Schulz bezeichnete sich 2016 als „Vorsitzender der Koordinierungsgruppe zu TTIP im Europäischen Parlament“.<ref>Jan Drebes: Interview mit Martin Schulz: „EU-Beitritt bleibt selbstverständlich möglich“. In: Rheinische Post. 3. September 2016.</ref>

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Martin Schulz als damaliger EU-Parlamentspräsident (2014)

Nach der Europawahl 2009 erreichte Schulz Aufmerksamkeit, als er eine schnelle Zustimmung seiner Fraktion zu einer zweiten Amtszeit der Kommission Barroso verhinderte und stattdessen zusammen mit dem grünen Fraktionsvorsitzenden Daniel Cohn-Bendit den belgischen Liberalen Guy Verhofstadt als Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten ins Spiel brachte.<ref>Unterstützung für Verhofstadt als Nachfolger Barrosos wächst. EurActiv, 10. Juni 2009, abgerufen am 19. Januar 2012.</ref> Später lockerte Schulz seinen Widerstand und forderte nur noch, dass Barroso auf bestimmte politische Bedingungen der Sozialdemokraten eingehen müsse.<ref>SPE uneins über Namensänderung, Barroso. EurActiv.com, 2. Juli 2009, abgerufen am 19. Januar 2012.</ref> Im Gegenzug kam es zu einer informellen Einigung zwischen der konservativen EVP und der SPE, nach der Schulz im Jahr 2012 dem polnischen EVP-Mitglied Jerzy Buzek als Präsident des Europäischen Parlaments nachfolgen sollte. Anfang Juni 2011 kündigte er auch formell an, für dieses Amt zu kandidieren.<ref>ler/AFP/dpa: SPD-Mann Schulz will Präsident in Straßburg werden. Spiegel Online, 7. Juni 2011, abgerufen am 19. Januar 2012.</ref> Am 17. Januar 2012 wurde Schulz im ersten Wahlgang mit der erforderlichen Mehrheit zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.

Kandidat für die EU-Kommissionspräsidentschaft

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Martin Schulz bei einer Debatte im Europawahlkampf 2014 mit seinem liberalen Konkurrenten Guy Verhofstadt

Am 1. März 2014 wurde Schulz auf dem Kongress der Europäischen Sozialisten mit 91,1 % der Stimmen zum gemeinsamen Spitzenkandidaten für die Europawahl 2014 gewählt.<ref>Karin Nink: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mit Martin Schulz zu einem Europa von unten (Memento vom 5. März 2014 im Internet Archive) auf vorwärts.de, 1. März 2014, abgerufen am 1. März 2014.</ref> Er strebte die Kommissionspräsidentschaft an, damit wurde erstmals in der Geschichte der Europäischen Union ein Spitzenkandidat für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission aufgestellt. Die anderen europäischen Parteien reagierten darauf und stellten ebenfalls Spitzenkandidaten auf. Allerdings ging die Fraktion der Sozialdemokraten aus der Wahl nur als zweitstärkste Kraft hervor, hinter der Europäischen Volkspartei mit Jean-Claude Juncker als Spitzenkandidat. Schulz unterstützte anschließend die Nominierung Junckers durch den Europäischen Rat, da sich einige Regierungschefs, wie der britische Premierminister David Cameron, gegen das Spitzenkandidatenprinzip aussprachen.<ref>Albrecht Meier: Martin Schulz unterstützt Jean-Claude Juncker. In: tagesspiegel.de, 4. Juni 2014.</ref>

Im Anschluss an die Wahlniederlage der Europäischen Sozialisten forderte die SPD, Schulz als neuen deutschen EU-Kommissar zu nominieren, dies lehnte die CDU allerdings ab, Bundeskanzlerin Merkel schlug stattdessen ihren CDU-Parteikollegen Günther Oettinger erneut vor.

Die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament wählte Schulz in ihrer Sitzung am 18. Juni 2014 in Brüssel zum Vorsitzenden der Fraktion.<ref>Utta Tuttlies: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />S&D Fraktion wählt Martin Schulz zum neuen Fraktionsvorsitzenden (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive). Artikel in der WWW-Präsenz der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament vom 18. Juni 2014, abgerufen am 23. Juni 2014.</ref> Dieses Amt legte er nieder,<ref>Die S&D Fraktion wählt heute ihren neuen Fraktionsvorsitzenden. S&D Fraktion im Europäischen Parlament, 1. Juli 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Juli 2014; abgerufen am 1. Juli 2014.</ref> als er am 1. Juli 2014 mit 66,8 % erneut zum Präsidenten des Parlaments gewählt wurde.<ref>Martin Schulz ist erneut Präsident des EU-Parlaments. Die Welt, 1. Juli 2014, abgerufen am 1. Juli 2014.</ref> Dies geschah auch aufgrund einer geheimen, am 10. Januar 2017 veröffentlichten Vereinbarung mit Manfred Weber, die Schulz die Unterstützung der EVP-Fraktion bei der Wahl sicherte, im Gegenzug aber nach der Hälfte der Legislaturperiode ein Mitglied der EVP im Amt des Parlamentspräsidenten vorsah. Im November 2016 gab es Signale, dass Schulz auch in der zweiten Hälfte das Amt behalten wolle.<ref>Schulz will Präsident des EU-Parlaments bleiben. In: Sueddeutsche.de, 16. November 2016.</ref> Diese bewahrheiteten sich jedoch nicht, da er wenige Tage später seinen Wechsel in die Bundespolitik ankündigte.

Im Februar 2017 schied Schulz aus dem Europäischen Parlament aus. Für ihn rückte Arndt Kohn nach.<ref>Ausgeschiedene Mitglieder – Abgeordnete. In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 28. April 2017.</ref>

Er war Mitglied der Bundesversammlung bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2004, 2009, 2010, 2012 und 2017.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Kanzlerkandidat (2017), Parteivorsitzender (2017 bis 2018) und Bundestagsabgeordneter (2017 bis 2021)

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Martin Schulz auf dem SPD-Bundesparteitag am 19. März 2017 in Berlin

Am 24. November 2016 kündigte Schulz seinen Wechsel in die Bundespolitik an. Für eine weitere Amtszeit als Präsident des Europäischen Parlaments wollte er nicht mehr kandidieren, stattdessen auf Platz eins der Landesliste der SPD Nordrhein-Westfalen bei der Bundestagswahl 2017 antreten. Den Posten des EU-Parlamentspräsidenten beanspruchte die konservative Europäische Volkspartei für sich, so dass Schulz für eine weitere Kandidatur kaum Chancen eingeräumt wurden. Zu seinem Nachfolger wurde Antonio Tajani gewählt, der bisher einer der Vizepräsidenten des EU-Parlaments gewesen war.

Datei:20170920 Martin Schulz in Gelsenkirchen 09.jpg
Bei einer Wahlveranstaltung am 20. September 2017 in Gelsenkirchen, vier Tage vor der Wahl

Am 24. Januar 2017 verzichtete der damalige Parteivorsitzende Sigmar Gabriel auf eine Kanzlerkandidatur, er sprach sich für Schulz als Spitzenkandidaten und SPD-Vorsitzenden aus.<ref name="spiegel_2017-01-24">Sven Böll, Horand Knaup: SPD: Sigmar Gabriel verzichtet auf Kanzlerkandidatur. In: Spiegel Online. 24. Januar 2017, abgerufen am 26. Januar 2017.</ref> Am 29. Januar 2017 wurde Martin Schulz vom SPD-Parteivorstand einstimmig als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl am 24. September 2017 nominiert.

Innerhalb der ersten fünf Wochen nach der Nominierung verzeichnete die SPD nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Parteieintritte.<ref>Christian Kerl: SPD zählt über 10.000 Neu-Mitglieder seit der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten. Abgerufen am 2. März 2017.</ref> Am 19. März 2017 wurde Schulz von einem außerordentlichen Bundesparteitag mit 100 % der gültigen Stimmen zum Parteivorsitzenden, dem besten Ergebnis eines SPD-Parteivorsitzenden in der Nachkriegszeit,<ref>Bundesparteitag in Berlin: Schulz mit 100 Prozent zum SPD-Chef gewählt, Badische Zeitung, 19. März 2017</ref> und zum Kanzlerkandidaten der SPD gewählt.

In der Zeit nach der Nominierung legte die SPD zunächst in Umfragen bundesweit deutlich zu, dieser Anstieg wurde in den Medien als „Schulz-Effekt“ oder als „Schulz-Zug“ bezeichnet.<ref name="ARD_2017-01-30">Friederike Hofmann: Schulz und Merkel gleichauf. In: tagesschau.de. 25. Januar 2017, abgerufen am 30. Januar 2017.</ref><ref>Schulz-Effekt: Nichtwähler verhelfen SPD zu Umfragehoch, Spiegel Online, 12. Februar 2017.</ref><ref>Ricarda Breyton: Wie der Schulz-Zug gegen den Prellbock fuhr. Die Welt, 10. Februar 2018.</ref> Es entstand das danach benannte Computerspiel Schulzzug – The Game.

Datei:2019-06-26 Martin Schulz SPD MdB by Olaf Kosinsky 6965.jpg
Martin Schulz im Deutschen Bundestag (2019)

Bei den drei auf seine Nominierung folgenden Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen büßte die SPD indes Stimmanteile ein und konnte ihre Wahlziele, die Übernahme bzw. den Erhalt der Regierungsbeteiligung, nicht erreichen.<ref>Debatte Martin-Schulz-Effekt: Jetzt bloß keine Panik, taz.de, 9. Mai 2017.</ref><ref>Pleite für SPD: Schulz-Effekt verpufft: CDU gewinnt in Nordrhein-Westfalen, Kleine Zeitung, 14. Mai 2017.</ref> Seit dieser Zeit ließen die Umfrageergebnisse der SPD wieder nach. In der Berichterstattung wurde aus dem Schulz-Zug nun der Schulz-Hype, da die kurzzeitige Popularität wie ein Strohfeuer erlosch.<ref>Die SPD und Kanzlerkandidat Martin Schulz stecken nach Wahldebakel in der Klemme, FAZ vom 8. Mai 2017.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Schulz-Effekt verliert an Wirkung – wie die SPD jetzt reagieren muss (Memento vom 17. Januar 2019 im Internet Archive), Huffington Post, 14. April 2017.</ref> Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte die SPD bei der Bundestagswahl schließlich 20,5 % der abgegebenen Stimmen und damit das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte bis zur Bundestagswahl 2025.<ref>tagesschau.de: Bundestagswahl 2025: Ergebnisse. Abgerufen am 9. Mai 2025.</ref><ref>Das Wichtigste im Überblick, tagesschau.de, 25. September 2017.</ref> Schulz zog über die nordrhein-westfälische Landesliste seiner Partei ins Parlament ein und wurde Mitglied des Bundestages.

Am 7. Dezember 2017 wurde er auf dem SPD-Parteitag mit 81,9 Prozent, dem fünftschlechtesten Ergebnis seit 1946, als Parteivorsitzender wiedergewählt.<ref>focus.de: Schulz angeschlagen: Das sind die neuen Strippenzieher in der SPD, vom 8. Dezember 2017</ref>

Ende 2017 wurde bekannt, dass Schulz Mitte Dezember dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold beigetreten war.<ref>Martin Schulz dem Reichsbanner beigetreten, reichsbanner.de vom 15. Dezember 2017, abgerufen am 17. Dezember 2017.</ref> Er ist Ehrenmitglied des Reichsbanners.<ref>Ehrenmitglieder des Reichsbanners, reichsbanner.de, abgerufen am 28. März 2021.</ref>

Am 7. Februar 2018 wurde nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD bekannt, dass er, entgegen seinen Äußerungen im Wahlkampf und nach der Bundestagswahl, Außenminister werden und den Parteivorsitz an Andrea Nahles abgeben solle.<ref>SPD: Schulz soll Außenminister werden - und Parteivorsitz an Nahles abgeben. In: Spiegel Online. 7. Februar 2018, abgerufen am 7. Februar 2018.</ref><ref>Wechsel an der Parteispitze: Schulz macht SPD-Vorsitz für Nahles frei. In: tagesschau.de. 7. Februar 2018, abgerufen am 7. Februar 2018.</ref> Auf innerparteilichen Druck hin erklärte er am 9. Februar 2018 schriftlich seinen „Verzicht auf den Eintritt in die Bundesregierung“.<ref>Schulz verzichtet auf Außenministerium. In: Deutschlandfunk. 9. Februar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018.</ref><ref>Schulz verzichtet auf Amt des Außenministers. In: Die Welt. 9. Februar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018.</ref> Am 13. Februar 2018 erklärte er seinen Rücktritt vom Amt des SPD-Parteivorsitzenden.

Im Deutschen Bundestag war Schulz Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und im Auswärtigen Ausschuss.<ref>Martin Schulz, SPD. In: bundestag.de. Abgerufen am 17. Mai 2021.</ref> Im Dezember 2020 erklärte Schulz den Verzicht auf eine weitere Kandidatur bei der Bundestagswahl 2021.<ref>Schulz tritt nicht mehr für Bundestag an. In: Die Zeit. 14. Dezember 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.</ref><ref>Schulz tritt 2021 nicht mehr an in tagesschau.de vom 14. Dezember 2020, abgerufen am 5. Oktober 2021</ref>

Vorsitz der Friedrich-Ebert-Stiftung

Am 14. Dezember 2020 wurde Schulz zum Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung gewählt.<ref>Martin Schulz zum Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. gewählt. Friedrich-Ebert-Stiftung, 14. Dezember 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.</ref>

Privates

Mitte der 1970er Jahre wurde Schulz nach eigener Darstellung alkoholkrank. In einem Interview mit der Zeitschrift Bunte sagte er: „Ich habe nichts zu verheimlichen. Die Kämpfe, die ich in meinem Leben auszutragen hatte, habe ich ausgetragen – und zwar erfolgreich. Ich habe alles getrunken, was ich kriegen konnte.“ Das Schlimmste sei gewesen, wenn man morgens mit dem Gefühl aufwachte, versagt zu haben. Täglich nehme man sich vor, es besser zu machen, schaffe es aber auch am nächsten Tag nicht. „Das ist ein deprimierendes Gefühl. Solche Prozesse brechen dir langsam das Rückgrat.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kanzlerkandidat: Was Sie über Martin Schulz wissen sollten (Memento vom 3. Februar 2017 im Internet Archive). In: Mitteldeutsche Zeitung. 7. Februar 2017.</ref> Seit 1980 lebt er abstinent.<ref name="Alkoholsucht">So überwand EU-Parlamentspräsident Schulz seine Alkoholsucht. Die Welt, 17. Dezember 2012, abgerufen am 28. Januar 2017.</ref>

Schulz ist mit der Landschaftsarchitektin Inge Schulz<ref name="aachener_2014-05-25">mas: Stimmabgabe im Blitzgewitter. In: Aachener Zeitung. 25. Mai 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Januar 2017; abgerufen am 2. Mai 2023.</ref> verheiratet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Martin Schulz hat in Würselen gewählt (Memento vom 9. Februar 2017 im Internet Archive). In: T-online.de. 25. Mai 2014.</ref> Er ist römisch-katholisch, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Würselen.<ref>Martin Schulz, MdEP. SPD-Unterbezirk Städteregion Aachen, 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Mai 2014; abgerufen am 1. Mai 2014.</ref> Sein Glaube an Gott ist nach eigenen Angaben „mit den Jahren verloren gegangen“.<ref>„Ich muss noch mal mit meiner Frau telefonieren…“ In: Chrismon. Nr. 1, 2014, S. 22 (evangelisch.de).</ref> Neben Deutsch spricht er Französisch, Englisch, Niederländisch, Spanisch und Italienisch,<ref name="zeit_2014-02-20">Matthias Krupa: Mister Europa? In: Die Zeit. 20. Februar 2014, abgerufen am 26. Januar 2017.</ref> Medienberichten zufolge jeweils fließend.<ref name="spiegel_2013-03-11">Markus Feldenkirchen: Unter Eierköppen. In: Der Spiegel. Nr. 11, 2013 (online).</ref>

Martin Schulz ist Fan des 1. FC Köln und sitzt in dessen Beirat.<ref>1. FC Köln Vereinsgremien. Abgerufen am 21. September 2017.</ref><ref name="rundschau">EU-Parlamentspräsident an der Spoho – Martin Schulz ist FC-Fan. In: Kölnische Rundschau. 6. Juli 2015.</ref><ref>»Fußballspielen kannst du vergessen«, 11 Freunde, abgerufen am 3. Juni 2019</ref> In seiner Jugend spielte er Fußball auf der Position des Linksverteidigers<ref>rtr: „Einer, der sich gegen Populisten stellt“. In: Frankfurter Rundschau. 26. Januar 2017, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref> bei der SV Rhenania Würselen 05 und wurde 1972 westdeutscher B-Jugend-Vizemeister. Über seine Zeit als Jugendfußballer äußerte er später: „Ich war total fußballverrückt. Meine Bibel war der ‚Kicker‘, mein Gott war Wolfgang Overath.“<ref>Martin Schulz verrät – „Ich bin bekennender Hector-Fan“. Abgerufen am 1. September 2017.</ref><ref>Prominente Rhenanen. SV Rhenania Würselen e. V., abgerufen am 2. Mai 2023.</ref> Wegen einer Knieverletzung und eines schweren Kreuzbandschadens musste er das Fußballspielen 1975 aufgeben.<ref>Hier wollte Martin Schulz mal Fußballprofi werden. In: Die Welt, 26. Januar 2017.</ref> Wehrdienst musste Schulz nicht leisten, da er als nicht wehrdienstfähig (T5) ausgemustert wurde.<ref>Ulrike Ruppel: Martin Schulz: „Ich wollte eigentlich Fußball-Profi werden“. In: B.Z. 5. Dezember 2015, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref>

Schulz war zeitweilig Mitherausgeber der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte.<ref>In Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Bonn, 9. Ausgabe, 2017, Impressum S. 80 ist Schulz z. B. als Herausgeber geführt, in späteren Ausgaben nicht mehr.</ref>

Die letzten fünf Monate im Bundestagswahlkampf 2017 konnte der Journalist Markus Feldenkirchen „mit Schulz im Taxi, im Flugzeug und zu Fuß reisen“, ihn auf fünfzig Terminen begleiten, z. B. bei Strategiesitzungen und späten Currywurst-Dinners. Wie abgemacht wurde die daraus entstandene Reportage erst nach der Wahl im Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlicht. Vorbild dafür war ein Porträt<ref group="Anmerkung">Dabei handelt es sich um: David Remnick: Obama Reckons with a Trump Presidency. In: The New Yorker. 18. November 2016 (newyorker.com).</ref> im New Yorker über einige der letzten Amtstage Barack Obamas, das im November 2016 erschienen war.<ref>Die Lage am Samstag. In: Spiegel Online. 30. September 2017, abgerufen am 19. März 2024.</ref><ref>Stephan Haselberger: Fassungslosigkeit in der SPD. In: Der Tagesspiegel. 3. September 2017, abgerufen am 19. März 2024.</ref>

Politische Positionen

Martin Schulz gehört innerhalb der SPD dem konservativen Seeheimer Kreis der SPD-Bundestagsfraktion an.<ref>Woher kommt der Hass auf den Seeheimer Kreis? In: vorwärts. 21. Dezember 2017 (vorwaerts.de [abgerufen am 12. Oktober 2018]).</ref>

Ansonsten zeichnet Martin Schulz sein europapolitischer Schwerpunkt aus.<ref>Denisa Richters: Früherer Präsident des Europäischen Parlaments und Ex-Kanzlerkandidat: SPD holt Europapolitiker Schulz in die Europaschule. Abgerufen am 17. September 2019.</ref>

Europapolitik

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Giorgio Napolitano und Martin Schulz im Europäischen Parlament (2014)

Schulz setzt sich für eine Stärkung Europas und der europäischen Institutionen ein. In den Jahren 2011 und 2012 forderte er die Einführung von EU-Anleihen („Eurobonds“).<ref>dapd/dpa/tat: EU-Politiker pocht auf Krisenhilfe durch Euro-Bonds. In: Die Welt, 23. November 2011.</ref><ref name="zeit_2012-01-11">dpa: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schulz fordert von Merkel Zustimmung zu Eurobonds (Memento vom 16. Februar 2017 im Internet Archive). In: Die Zeit, 11. Januar 2012.</ref> Nur so ließe sich nach seiner Ansicht die Staatsschuldenkrise im Euroraum entschärfen.<ref name="zeit_2012-01-11" /> Im Jahre 2013 plädierte er für die Schaffung eines „europäischen Schuldentilgungsfonds“, um Staatsschulden der Euro-Mitgliedsländer, die 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen, auf europäische Ebene zu verlagern.<ref name="newsticker_bloomberg">Wofür steht Martin Schulz? Von Eurobonds bis Bankenunion. In: Welt Online. Abgerufen am 31. August 2017.</ref> 2015 forderte er Änderungen hin zu einer europäischen Bankenunion.<ref name="newsticker_bloomberg" /> Kurz nach dem Brexit-Referendum in Großbritannien Mitte 2016 legte Schulz 2016 mit Vizekanzler Sigmar Gabriel einen Zehn-Punkte-Plan für eine Reform der EU vor.<ref>Aufbruch, jetzt! Abgerufen am 31. August 2017.</ref> Darin wird u. a. der Aufbau einer handlungsstarken europäischen Regierung gefordert, die unter der Kontrolle des Europäischen Parlaments steht.<ref name="zeit-juli-2016"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Parteien: Gabriel: Brexit kann Chance für Europa sein. (Memento vom 24. Juli 2016 im Internet Archive) In: Die Zeit, 2. Juli 2016 (DPA-Meldung).</ref> Schulz ist einer der 27 Initiatoren der im November 2016 veröffentlichten Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union.<ref>digitalcharta.eu: Liste der Initiatoren</ref>

Schulz betonte häufig, die Europäische Union sei das beste Mittel zur Abwehr der „Dämonen des 20. Jahrhunderts“ wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.<ref>Schulz: Verbannt geglaubte Dämonen kehren zurück. In: EurActiv. 20. März 2012, abgerufen am 9. Februar 2017.</ref> Nach dem Austrittsvotum des Vereinigten Königreichs warnte Schulz Mitte 2016: „Zerschlagen wir die Instrumente, mit denen wir die Dämonen bannen, dann setzen wir sie wieder frei.“<ref name="zeit-juli-2016" />

Im Bundestagswahlkampf 2017 kündigte er an, im Falle einer Kanzlerschaft in den ersten 100 Tagen für eine stärkere europäische Integration zu werben.<ref name="spiegel-100-tage-programm">Das will Martin Schulz als Bundeskanzler umsetzen. In: Spiegel Online. Abgerufen am 27. März 2017.</ref>

Im September 2017 überraschte Schulz seine Partei durch die im TV-Duell mit der Bundeskanzlerin erhobene Forderung, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen,<ref>TV-Duell : Schulz überrascht SPD mit hartem Türkei-Kurs. In: FAZ.de, 4. September 2017</ref> was auch die Außenminister der EU überraschte.<ref>Deutsche Türkei-Politik : Gabriel in Erklärungsnot In: FAZ.de, 7. September 2017</ref>

Am 7. Dezember 2017 erklärte er auf dem SPD-Bundesparteitag u. a., dass er „die EU innerhalb der nächsten sieben Jahre in Vereinigte Staaten von Europa (VSE) mit einem gemeinsamen Eurozonenhaushalt und eine[m] europäischen Finanzminister umwandeln will“.<ref name="heise-eu-partei">Peter Mühlbauer: Von der Arbeiterpartei zur EU-Partei. Abgerufen am 15. Januar 2018.</ref>

Im 19. Deutschen Bundestag war Schulz stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie im Auswärtigen Ausschuss.<ref>Deutscher Bundestag – Abgeordnete. Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref>

Schulz ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Tu was für Europa, der sich mit konkreten Projekten für europäisches Engagement einsetzt.<ref>SPD-Politiker Schulz gründet Europaverein. Abgerufen am 26. August 2021.</ref>

Sozial- und Arbeitspolitik

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 sprach sich Martin Schulz dafür aus, die von der SPD 2003 unter dem damaligen Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden Gerhard Schröder initiierte Agenda 2010 in Teilen zu revidieren.<ref>Arbeitslosengeld: Schulz verspricht Korrekturen an Agenda 2010. In: Spiegel Online. Abgerufen am 28. April 2017.</ref> So erklärte er insbesondere, unter dem Begriff Arbeitslosengeld Q die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes bei Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme für Ältere auf bis zu 48 Monate verlängern zu wollen.<ref>Christoph Hickmann: So will Schulz bei der Agenda 2010 nachbessern. In: Süddeutsche.de. 3. März 2017, abgerufen am 27. März 2017.</ref> Zudem will Schulz keine sachgrundlos befristeten Arbeitsverhältnisse mehr zulassen.<ref>tagesschau.de: Schulz will Agenda 2010 korrigieren. Abgerufen am 31. August 2017.</ref> Ferner plädiert er dafür, den Kündigungsschutz für Beschäftigte auszubauen, die Betriebsratswahlen organisieren.<ref>Hans Monath: Schulz will Korrektur der Agenda 2010. In: tagesspiegel.de. 20. Februar 2017, abgerufen am 28. April 2017.</ref>

Schulz kündigte an, in den ersten 100 Tagen seiner Kanzlerschaft ein Gesetz zur Schließung der Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen vorzulegen, sofern er Kanzler werde. Er wolle den Rechtsanspruch einführen, nach Teilzeitarbeit wieder auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren, und Managergehälter begrenzen. Zudem forderte er die bundesweite Gebührenfreiheit der Bildung „von der Kita bis zur Universität oder zum Meister“.<ref name="spiegel-100-tage-programm" />

Im Falle eines Wahlsiegs plante Schulz, die Arbeitgeber wieder zur Hälfte, also „paritätisch“, an den Zusatzbeiträgen der Gesetzlichen Krankenversicherung zu beteiligen.<ref>Martin Schulz bittet Wirtschaft zur Kasse. In: Frankfurter Rundschau. 30. April 2017, abgerufen am 3. Mai 2017.</ref>

Ein weiterer Punkt in Schulz’ Plan ist das sogenannte Chancenkonto für jeden Erwachsenen mit festem Wohnsitz in Deutschland. Es sieht pro Person einen Anfangsbetrag von 5.000 Euro vor, der langfristig auf 20.000 Euro anwachsen soll. Dieser soll dazu dienen, Erwachsenen nach freiem Ermessen Weiterbildungen, Existenzgründungen und Auszeiten zu finanzieren.<ref>Christoph Schäfer: Schulz legt mit „Zukunftsplan“ nach. In: FAZ. 16. Juli 2017, abgerufen am 21. Juli 2017.</ref>

Verteidigungspolitik

In der Verteidigungspolitik lehnte Schulz 2017 noch den NATO-Richtwert von zwei Prozent des Bruttosozialproduktes pro Mitgliedstaat für Rüstungsausgaben ab, da er sonst ein „hochgerüstetes, bis an die Zähne bewaffnetes Deutschland“ befürchtet.<ref>Klaus-Dieter Frankenberger: Warum Schulz unseriös argumentiert, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Juni 2016.</ref> Seine aktuelle Position ist nicht eindeutig kommuniziert.

Familienpolitik

Schulz befürwortet die „Ehe für alle“.<ref>SPD-Parteitag: Schulz nennt AfD „NPD light“. In: Zeit Online. 25. Juni 2017, abgerufen am 17. Juli 2017.</ref><ref>Oliver Georgi: SPD-Parteitag: Gerd macht Mut. In: FAZ.net. 25. Juni 2017, abgerufen am 17. Juli 2017.</ref>

Haushaltspolitik

In seinem Zukunftsplan für Deutschland fordert Schulz 2017 eine Investitionspflicht des Staates. Diese würde dazu führen, dass der Staat verpflichtet wird, Haushaltsüberschüsse, die eine gewisse Grenze überschreiten, in die Infrastruktur zu investieren. Dadurch könnten laut Schulz in den folgenden vier Jahren 30 Milliarden Euro in Bildung, Ausbau der Glasfasernetze und andere Infrastrukturprojekte fließen.<ref>Investitionspflicht und „Chancenkonto“: Wie Schulz sein Wirtschaftskonzept aufpoliert. In: Spiegel Online. Abgerufen am 21. Juli 2017.</ref>

Positionen zur Großen Koalition

Am Wahlabend nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 schloss Schulz eine erneute Große Koalition aus.<ref>Stephan Haselberger und Ingo Salmen: Bundestagswahl 2017: SPD wird Oppositionspartei - Schulz aber nicht Fraktionschef. In: Tagesspiegel. 24. September 2017, abgerufen am 7. Februar 2018.</ref><ref>Florian Gathmann: SPD im freien Fall: Erst mal Opposition. In: Spiegel Online. 24. September 2017, abgerufen am 7. Februar 2018.</ref> Auch nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungsgespräche bekräftigte er am 20. November 2017 die Entscheidung, nicht erneut in eine Große Koalition zu gehen.<ref>Florian Gathmann: Jamaika-Sondierungen gescheitert: Schulz erteilt Großer Koalition eine Absage. In: T-Online. 20. November 2017, abgerufen am 7. Februar 2018.</ref>

Am 7. Dezember 2017 warb er auf dem SPD-Bundesparteitag für „ergebnisoffene Gespräche“ mit den Unionsparteien.<ref name="heise-eu-partei" /> Nach den Sondierungsgesprächen warb er am 21. Januar 2018 auf dem Sonderparteitag in Bonn für Koalitionsgespräche mit der Union.<ref>SPD debattiert leidenschaftlich: Schulz verteidigt seinen GroKo-Kursschwenk. In: n-tv. 21. Januar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018.</ref><ref>Schulz-Rede auf SPD-Parteitag – „Fahrlässig, diese Chance nicht zu ergreifen“. In: ZDF. 21. Januar 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Dezember 2018;.</ref><ref>Vera Kämper: Martin Schulz beim SPD-Parteitag: „Mit diesen Sondierungspapieren auf einem guten Weg“. In: RP Online. 21. Januar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018.</ref>

Kontroversen

Rede in der Knesset

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Martin Schulz mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin (2016)

In einer am 12. Februar 2014 auf Deutsch gehaltenen Rede<ref>Rede in der Knesset 12. Februar 2014 von Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments. Europäisches Parlament, 12. Februar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. März 2014; abgerufen am 15. Februar 2014.</ref> in der Knesset thematisierte Schulz unter anderem den israelischen Siedlungsbau sowie die Beziehung zwischen Israel und Palästina.

Von rechtsgerichteten Abgeordneten der Knesset und vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (Likud) wurde die Rede scharf kritisiert. Netanjahu warf ihm eine „selektive Wahrnehmung“ und eine „einseitige Sicht auf den Nahostkonflikt“ vor.<ref>Jonathan Lis: Netanyahu accuses EU Parliament chief of ‘selective hearing’ after Bennett walkout. Haaretz, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Netanjahu wirft Schulz „selektive Wahrnehmung“ vor. Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014.</ref>

Die gesamte Fraktion der national-religiösen Regierungspartei HaBajit haJehudi („Jüdisches Heim“) verließ während Schulz’ Rede tumultartig den Sitzungssaal.<ref>Knesset-Abgeordnete stürmen bei Schulz-Rede aus dem Saal. Zeit Online, abgerufen am 13. Februar 2014.</ref><ref>Christoph Sydow, Veit Medick: Auftritt in Israel: Tumulte bei Schulz-Rede in der Knesset. Spiegel Online, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014.</ref> Der Wirtschafts- und Handelsminister Naftali Bennett (HaBajit haJehudi) nannte die Ansprache „eine einzige verlogene Moralpredigt“.<ref name="Schulz verteidigt seine Knesset-Rede">Eklat bei Schulz-Rede im israelischen Parlament. Berner Zeitung, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014.</ref><ref>Lahav Harkov, Sharon Udasi: Bennett demands European Parliament chief apologize: ‘I won’t accept lies in German’. The Jerusalem Post, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Ministerin für Kultur und Sport Limor Livnat zeigte sich entrüstet.<ref>Torsten Teichmann: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Präsident des EU-Parlaments spricht in Jerusalem. Empörung über Schulz in der Knesset (Memento vom 14. Februar 2014 im Internet Archive). tagesschau.de, 12. Februar 2014.</ref> Dagegen distanzierten sich die Vorsitzenden der linken Oppositionsparteien Zehava Gal-On (Meretz-Jachad) und Jitzchak Herzog (Awoda) von den Vorgängen im Parlament.<ref>Hans-Christian Rössler: Netanjahu wirft Schulz einseitige Sicht vor. FAZ.net, 12. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014.</ref> Auch in Deutschland wurde die Rede in Politik und Medien kontrovers diskutiert.<ref>Clemens Wergin: Martin Schulz löst den Nahostkonflikt. Die Welt, 12. Februar 2014, abgerufen am 15. Februar 2014.</ref><ref>Einat Wilf: Faktencheck für Martin Schulz. Süddeutsche Zeitung, 20. Februar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014.</ref><ref>Christoph Sydow: Eklat bei Knesset-Rede: Wo Martin Schulz recht hat. Spiegel Online, 13. Februar 2014, abgerufen am 22. Februar 2014.</ref> Elmar Brok (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Menschenrechte, Gemeinsame Sicherheit und Verteidigungspolitik im Europäischen Parlament, bezeichnete eine etwaige Nichterwähnung der Raketenangriffe der Hamas als einen Fehler und das Verlassen des Parlaments durch einige Abgeordnete als „Überreaktion“.<ref>EU-Parlamentspräsident sorgt für Eklat in der Knesset. Stern, 12. Februar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2014; abgerufen am 22. Oktober 2016.</ref>

Schulz selbst wies darauf hin, dass auch US-Außenminister John Kerry ähnliche Reaktionen erfahren habe. Am Ende hätten Abgeordnete aus mehreren Fraktionen, auch Regierungsmitglieder, stehend applaudiert.<ref>Schulz verteidigt sich gegen Kritik an Knesset-Rede. Süddeutsche.de, 13. Februar 2014, abgerufen am 14. Februar 2014.</ref>

Konflikt mit Silvio Berlusconi

2003 kam es während einer Sitzung des Europäischen Parlaments zu einem Eklat. Schulz kritisierte damals den anwesenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi unter anderem wegen dessen Doppelfunktion als Regierungschef und Medienunternehmer. Berlusconi schlug ihm daraufhin vor, er solle die Rolle des Kapos in einem Film über Konzentrationslager übernehmen, der in Italien gedreht werden könne:

“Signor Schulz, so che in Italia c’è un produttore che sta montando un film sui campi di concentramento nazisti: La suggerirò per il ruolo di kapò. Lei è perfetto!”

„Herr Schulz, ich weiß, dass es in Italien einen Produzenten gibt, der einen Film über Nazi-Konzentrationslager dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapos empfehlen. Sie sind perfekt!“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Silvio Berlusconi: Diskussion im Europaparlament am 2. Juli 2003<ref>Parlamento Europeo, Discussioni Mercoledì 2 luglio 2003 – Strasburgo (italienisch) – Originalprotokoll der Diskussion im Europaparlament</ref><ref>Debatte im Europaparlament auf YouTube</ref>

In der darauf folgenden Diskussion im Europäischen Parlament wollte Berlusconi diese Äußerung als Witz verstanden wissen.<ref name="focus_2003-07-07">Ottmar Berbalk, Ellen Daniel: Ein Mann sieht Rot. In: Focus, Ausgabe 28/2003. 7. Juli 2003, abgerufen am 15. Februar 2017.</ref><ref>„Ich schlage Sie für die Rolle des Lagerführers vor“. Spiegel Online, 2. Juli 2003, abgerufen am 19. Januar 2012.</ref>

Vorwurf der Begünstigung enger Mitarbeiter

Im April 2017 rügte das Europäische Parlament im Rahmen seines Entlastungsbeschlusses für das Haushaltsjahr 2015 zwei Personalangelegenheiten, die Schulz als Parlamentspräsident zu verantworten hatte.<ref>Europäisches Parlament: Entlastung für die Ausführung des Gesamthaushaltsplans der Europäischen Union für das Haushaltsjahr 2015, Einzelplan I (2016/2152 DEC), Beschlussvorlage vom 27. April 2017</ref> Hintergrund war zum einen die Zahlung von Auslandszulagen in Höhe von rund 20.000 Euro, die ein Mitarbeiter von der Parlamentsverwaltung während einer zehnmonatigen Tätigkeit in Berlin erhalten hatte, obwohl sein Lebensmittelpunkt bereits in Berlin gewesen war. Der Mitarbeiter, ein Vertrauter von Schulz, war später sein Wahlkampfleiter. Zum anderen wurde Schulz vorgeworfen, er habe regelwidrige Beförderungen enger Mitarbeiter in einem Präsidentenbeschluss abgezeichnet, die diesen, über sein Ausscheiden hinaus, finanziell vorteilhafte Dienstposten sicherten. Schulz bezeichnete die Rüge als Wahlkampfmanöver durch „Anti-Europäer, Konservative und Grüne“ und verwies auf die Entscheidung des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung, kein offizielles Ermittlungsverfahren einzuleiten.<ref>Europäisches Parlament rügt Schulz wegen Personalentscheidungen, Süddeutsche.de, 27. April 2017.</ref><ref>Peter Müller: EU-Parlament rügt Schulz, Spiegel Online, 27. April 2017.</ref>

Ehrungen und Auszeichnungen

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Martin Schulz nach der Verleihung des Karlspreises 2015 auf der Bühne am Katschhof. Von links nach rechts sind zu sehen: Bernd Büttgens, Armin Laschet, François Hollande, Martin Schulz, Joachim Gauck, König Felipe VI., Petro Poroschenko, Sauli Niinistö, Simonetta Sommaruga, Hannelore Kraft, Marcel Philipp, Jean-Claude Juncker und Jürgen Linden

Veröffentlichungen

Literatur

Anmerkungen

<references group="Anmerkung" />

Weblinks

Commons: Martin Schulz – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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Gerhard Weisser (1953–1970) | Alfred Nau (1970–1983) | Heinz Kühn (1983–1987) | Holger Börner (1987–2003) | Anke Fuchs (2003–2010) | Peter Struck (2010–2012) | Kurt Beck (2013–2020) | Martin Schulz (seit 2020)

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