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Norbert Blüm

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Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F073617-0027, Mainz, CDU-Bundesparteitag, Kiep, Blüm (cropped).jpg
Norbert Blüm beim Bundesparteitag in Mainz, 1986

Norbert Sebastian Blüm (* 21. Juli 1935 in Rüsselsheim am Main; † 23. April 2020 in Bonn) war ein deutscher Politiker (CDU). Er gehörte dem Deutschen Bundestag von 1972 bis 1981 sowie von 1983 bis 2002 an. Von 1982 bis 1998 war Blüm Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Leben

Ausbildung und Beruf

In seiner Jugend war Blüm Messdiener und Sankt-Georgs-Pfadfinder. Nach dem Abschluss der Volksschule 1949 absolvierte er bis 1952 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim und war in diesem Beruf bis 1957 tätig. In diesen Jahren war er im Werk auch als Jugendvertreter aktiv. Für zwei Monate in 1956 trug er der Fertigstellung des großen Kronleuchters in der Staatsoper in Ankara als Schweißer bei.<ref>Norbert Blüm. In: Der Spiegel. 6. Februar 1983, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. November 2025]).</ref>

Norbert Blüm war ab 1950 Mitglied der Gewerkschaft IG Metall.

Von 1957 an besuchte er über den zweiten Bildungsweg das Abendgymnasium des Ketteler-Kollegs Mainz und bestand 1961 das Abitur. In dieser Zeit war er 1. Stammesvorsitzender der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Rüsselsheim.

Von 1961 bis 1967 studierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn die Fächer Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie, letzteres unter anderem bei Joseph Ratzinger. Dabei wurde er sowohl von der Stiftung Mitbestimmung (Vorläuferin der Hans-Böckler-Stiftung) als auch der Volkswagenstiftung gefördert. 1967 wurde er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Willenslehre und Soziallehre von Ferdinand Tönnies. Ein Beitrag zum Verständnis v. ‚Gemeinschaft und Gesellschaft promoviert.<ref>Achim Schwarze: Dünnbrettbohrer in Bonn – Aus den Dissertationen unserer Elite. S. 89; Eichborn-Verlag Frankfurt/Main, 1984</ref><ref>Nachruf Norbert Blüm, Universität Bonn vom 2. Mai 2020</ref>

Von 1966 bis 1968 war er Redakteur bei der Monatszeitschrift der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Soziale Ordnung.

Mitgliedschaft und Ämter in der CDU

Blüm am Rednerpult vor Mikrofonen im Wahlkampf zur Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 1990
Blüm am Rednerpult vor Mikrofonen im Wahlkampf zur Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 1990

Seit 1950 war Blüm Mitglied der CDU. Hier engagierte er sich vor allem in den Sozialausschüssen der CDA, deren Hauptgeschäftsführer er von 1968 bis 1975 und deren Bundesvorsitzender er von 1977 bis 1987 war. Von 1969 bis 2000 saß er im CDU-Bundesvorstand.

Von 1987 bis 1999 war Blüm Landesvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen. Als solcher war er 1990 als CDU-Spitzenkandidat Herausforderer des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau, konnte sich gegen diesen jedoch nicht durchsetzen.

Von 1981 bis 1990 und erneut von 1992 bis 2000 war Blüm zusätzlich stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei.

Abgeordneter

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F081262-0003, Bundesverdienstkreuz an Stefan Höpfinger.jpg
Von links nach rechts: Stefan Höpfinger, Horst Seehofer und Norbert Blüm bei einer Ordensverleihung 1989

Von 1972 bis 1981 sowie von 1983 bis 2002 war Blüm Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1980 bis 1981 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 1981 bis 1982 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Blüm war zuletzt (14. Wahlperiode 1998) über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag eingezogen.

Öffentliche Ämter

Von 1981 bis 1982 war er Senator für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund im Senat des Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker.

Am 4. Oktober 1982 wurde er vom neu gewählten Bundeskanzler Helmut Kohl als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung in die Bundesregierung (Kabinett Kohl I) berufen. Er behielt dieses Amt bis zum Ende des Kabinetts Kohl V am 26. Oktober 1998 nach der Bundestagswahl 1998. Er ist damit der einzige Bundesminister, der während der gesamten Kanzlerschaft von Helmut Kohl dem Kabinett angehörte. In seiner Tätigkeit bezog sich Blüm vor allem auf die Christliche Soziallehre. Diese, so Blüm in einer späteren Ausführung, „verteidigt das Privateigentum, aber in sozialer Bindung. Die christliche Soziallehre verbindet also individuelle mit sozialen Rechten und Pflichten.“<ref>Norbert Blüm, Ehrliche Arbeit, S. 266</ref>

Datei:Forum mit Norbert Blüm.jpg
Forum mit Norbert Blüm im Februar 1990 in Teltow

Während seiner Laufbahn als Minister betrieb er u. a. die Einführung der Pflegeversicherung.<ref>Gesetz zur sozialen Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit. Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1994, abgerufen am 7. Januar 2023 (PDF)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Übersicht vom BMAS: Ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 (Memento vom 25. Januar 2013 im Internet Archive)</ref> Am meisten in Verbindung mit Blüm wird der mittlerweile als geflügeltes Wort bekannte und häufig abgewandelte Spruch „Die Rente ist sicher“ in Erinnerung bleiben. Es handelte sich hierbei um eine Werbekampagne der Bundesregierung aus dem Jahre 1986, bei der Blüm mit Pinsel und Kleber vor Wahlplakaten auf einer Litfaßsäule posiert. Der eigentliche Werbespruch jedoch lautete: „Denn eins ist sicher: Die Rente“.

Im Sommer 1987 reiste Blüm nach Chile, um die Colonia Dignidad zu besuchen und Vorwürfe erheblicher Menschenrechtsverletzungen zu verifizieren, wurde jedoch nicht eingelassen. Er setzte sich in Chile für verfolgte Regimegegner ein und kritisierte deutlich, auch bei einem persönlichen Treffen mit General Pinochet, ihn und seine Militärdiktatur. Er erhielt von Pinochet das Angebot, 14 Todeskandidaten durch Asylgewährung in Deutschland zu retten. Das Engagement Blüms für die Menschenrechte in Chile brachte Presseberichten zufolge die Regierungskoalition bzw. die Schwesterparteien CDU/CSU an den Rand der Spaltung. Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß verteidigte seinerzeit das Pinochet-Regime und Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann lehnte die Aufnahme der 14 Mitglieder der revolutionär-linken Bewegung MIR in der Bundesrepublik ab.<ref>»Kein Zentimeter wird zurückmarschiert«. In: Spiegel Online. 2. August 1987, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref>

Kabinettszugehörigkeiten

Nach der politischen Karriere

Nach 1998 fand Blüm seine Ansichten in der CDU nur noch in geringem Maß vertreten; schon zuvor wurde er teils als „Herz-Jesu-Marxist“ belächelt.<ref name="szpor"/> Unter anderem kritisierte er Pläne zur Einführung einer Kopfpauschale in der gesetzlichen Krankenversicherung und vertrat die Ansicht, dass die CDU einen Kurswechsel vollziehe, bei dem das Soziale fehle.<ref>Norbert Blüm: Kritik aus den eigenen Reihen - Die CDU ist von der neoliberalen Epidemie infiziert. In: sueddeutsche.de. 19. Mai 2010, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref><ref name="szpor"/> Auf dem Leipziger Parteitag der CDU von 2003 wurde er wegen seiner Kritik am Kurs von einigen Parteimitgliedern ausgepfiffen<ref name="lei"/> und die veränderte Linie in der Gesundheitspolitik zur Kopfpauschale mit deutlicher Mehrheit bestätigt.<ref>DRadio: Ex-Arbeitsminister Blüm wiederholt: "Die Rente ist sicher", 21. Juli 2010</ref> Unterstützung erhielt er später hingegen unter anderem aus den Reihen der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft.<ref name="lei">Michael Schlieben: CDU: Ist Leipzig Geschichte? In: zeit.de. 4. Dezember 2007, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref> Das früher gute Verhältnis zu Helmut Kohl ging zu Bruch, als sich Blüm in der CDU-Spendenaffäre von Kohl distanzierte, was Kohl ihm nicht verzieh.<ref name="szpor"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Sag mir, wo das Soziale ist – wo ist es geblieben?“ SZ, Norbert Blüm zum Geburtstag, 20. Juli 2005 (Memento vom 21. September 2009 im Internet Archive)</ref> Er kritisierte die Agenda 2010 („Hartz ist Pfusch“) und sah den sozialen Frieden in Gefahr.<ref>"Hartz ist Pfusch", Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 13. August 2009.</ref>

Privates

Datei:Deutscher Fernsehpreis 2012 - Norbert Blüm 2.jpg
Norbert Blüm und Ehefrau Marita beim Deutschen Fernsehpreis 2012
Datei:Grabstätte Norbert Blüm.jpg
Das Grab von Norbert Blüm auf dem Alten Friedhof Bonn (Oktober 2025).

Blüm lebte in Bonn und war ab 1964 mit Marita Blüm verheiratet, die er während des Studiums kennengelernt hatte.<ref>Norbert Blüm über sein Ehe-Geheimnis. In: morgenpost.de. 18. Dezember 2007, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref> Das Ehepaar hat drei Kinder: Christian (* 1965), seit 1994 Schlagzeuger der Kölschrock-Band Brings, und zwei Töchter. Im März 2020 berichtete Blüm in einem Gastbeitrag in der Zeit, dass er im Jahr zuvor nach einer Sepsis ins Koma gefallen war und seither von der Schulter abwärts gelähmt sei.<ref>Norbert Blüm nach Blutvergiftung von Schultern abwärts gelähmt. In: Spiegel Online. Abgerufen am 11. März 2020.</ref><ref>Zeit Nr. 12/2020, 12. März 2020: Lähmung: Was bedeutet mein Unglück?; abgerufen am 24. April 2020</ref> Blüm starb im Alter von 84 Jahren am 23. April 2020 in Bonn;<ref>mst/dpa: Früherer Arbeitsminister Norbert Blüm gestorben. In: Spiegel Online. 24. April 2020, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref><ref>Norbert Blüm gestorben. In: tagesschau.de. Abgerufen am 24. April 2020.</ref> am 5. Mai 2020 wurde er auf dem dortigen Alten Friedhof beigesetzt.<ref>Thomas Leurs: Prominente Trauergäste: Norbert Blüm auf dem Alten Friedhof in Bonn beigesetzt. In: General-Anzeiger. 5. Mai 2020, abgerufen am 8. Mai 2020.</ref>

Als sein Lebensmotto sagte Norbert Blüm stets: „Tue recht und scheue niemand.“<ref>Hans-Werner Loose, Kurt Kieselbach: "Nehmt Abschied, Brüder – doch noch nicht so bald". In: welt.de. 14. Februar 1996, abgerufen am 18. Oktober 2021.</ref>

Wirken

Sonstiges Engagement

Blüm und Heiner Geißler besuchten im Jahr 1999 die Nuba-Berge als Teil einer Friedensinitiative für den Sudan.<ref>Maritta Adam-Tkalec: Unionspolitiker kritisieren Arbeit von Unicef: Blüm und Geißler planen Initiative für Frieden in Südsudan. In: berliner-zeitung.de. 28. Dezember 1999, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref> Blüm besuchte nach dem Zweiten Golfkrieg mehrmals den Irak. Seit 2002 setzte er sich verstärkt für die Palästinenser im Nahostkonflikt ein und unternahm aus diesem Grund mehrere Reisen, zusammen mit Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck, in die Palästinensischen Autonomiegebiete. Anlässlich seiner Kritik an Israels Politik im Palästinenser-Konflikt sowie am Vorgehen im Gaza-Krieg 2009 wurde Blüm der Vorwurf des Antisemitismus sowie der Täter-Opfer-Umkehr gemacht,<ref>Reinhard Mohr: Gaza-Krieg bei Plasberg – Schlamassel mit der deutschen Schuld, Der Spiegel (22. Januar 2009), abgerufen am 29. April 2020.</ref><ref>Sandra Rokahr: „Verblümter Antisemitismus. Israelkritik als Ticketmentalität.“ In: Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatten, Kontroversen. Nomos, Baden-Baden 2019, S. 91, 96</ref> wogegen er sich strikt verwahrte.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />INTERVIEW: „Der Vorwurf des Antisemitismus wird auch als Knüppel benutzt“ (Memento vom 6. August 2002 im Internet Archive), Stern.de</ref>

Blüm war Mitglied im Kuratorium der Jungen Presse Nordrhein-Westfalen und der Hilfsorganisation Grünhelme sowie des Kuratoriums der ÖDP-nahen Stiftung für Ökologie und Demokratie.<ref>Kuratorium. Stiftung für Ökologie und Demokratie;</ref> Blüm war Vorsitzender des Vereins Xertifix, der sich gegen Kinderarbeit in der Natursteinbranche engagiert und mit dem gleichnamigen Label Natursteine aus Indien auszeichnet, die nachweislich ohne Kinder- und Sklavenarbeit produziert wurden. Von 1999 bis 2001 war er zudem Vorstandsvorsitzender des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge e. V. (DKKV). Weiterhin engagierte sich Blüm als ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e. V. in Tambach-Dietharz. Blüm war langjähriger Unterstützer der Kindernothilfe. Dort fungierte er als Botschafter und Vorsitzender des Stiftungsrates der Kindernothilfe-Stiftung.<ref>Kindernothilfe-Botschafter Norbert Blüm</ref> Seinen Enkelkindern schenkte Blüm traditionell zur Einschulung eine Patenschaft des Hilfswerks für ein gleichaltriges Kind in einem armen Land.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Er war 2. Vorsitzender des Vereins Gesicht Zeigen!! Für ein weltoffenes Deutschland e. V. sowie seit 2017 Jubiläumsbotschafter der von Bodelschwingh’schen Stiftungen Bethel.<ref>Norbert Blüm. v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel; ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar);</ref>

Im Sommersemester 2010 übernahm er die Hemmerle-Professur am Lehrstuhl für Systematische Theologie der RWTH Aachen und hielt zwei Vorlesungen und ein Seminar.<ref>Aachen: Norbert Blüm übernimmt die Hemmerle-Stiftungsprofessur. In: aachener-zeitung.de. 1. April 2010, abgerufen am 18. Oktober 2021.</ref> In seiner Vorlesung am 21. Juli 2010 – seinem 75. Geburtstag – dozierte er über eine „große Idee im Tiefschlaf: die Christliche Soziallehre“.<ref name="BS"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Im März 2012 veröffentlichte Blüm eine Streitschrift Über die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie,<ref>Norbert Blüm: Familie: FREIHEIT! In: zeit.de. 15. März 2012, abgerufen am 7. Januar 2024. Druckausgabe vom 15. März 2012, S. 75 u. 76</ref> in der er beklagte, dass sich „das allseits geforderte umfassende staatliche Betreuungsangebot […] hinterrücks als Waffe gegen das Recht auf Erziehung, das das Grundgesetz zuvörderst den Eltern sichert“, entpuppt.

Im Januar 2014 griff Blüm in einem Artikel die Gleichstellung homosexueller verpartnerter Paare sowie die seit 2001 vorherrschende ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) an.<ref>Blüm greift Verfassungsgericht an. In: FAZ.net. 4. Januar 2014, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref> Er kritisierte darin, dass das Bundesverfassungsgericht dem Artikel 6 zu wenig Gewichtung zumesse und eine Gleichheit herbeiführen wolle, die er als rhetorischen Trick bezeichnete, und bezweifelte indirekt die starke Gewichtung des Artikels 3 seit der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes, das er in einem Vergleich aus dem Straßenverkehr als unfallträchtiger ansah. Des Weiteren kritisierte er die Entscheidung zum Ehegattensplitting als Bruch in der langjährigen Rechtsprechung des Gerichtes.<ref>mm: Homo-Ehe: Für Norbert Blüm sind schwule Paare keine Familie. In: zeit.de. 4. Januar 2014, abgerufen am 18. Oktober 2021.</ref>

Als im Frühjahr 2016 während der damaligen Flüchtlingskrise ca. 40.000 Menschen wegen der Grenzschließungen in Nordgriechenland unter widrigen Bedingungen festsaßen, verurteilte er die miserablen Zustände in den Flüchtlingscamps scharf und bezeichnete sie als „Anschlag auf die Menschlichkeit“ und als „Kulturschande“. Im besonders betroffenen Idomeni verbrachte er aus Solidarität eine Nacht in einem Zelt im dortigen Flüchtlingslager, das zu dem Zeitpunkt mit 12.000 Flüchtlingen belegt war.<ref>Norbert Blüm zeltet in Idomeni. In: FAZ. 12. März 2016, abgerufen am 25. Dezember 2018.</ref><ref>Flugblatt-Aktion in Idomeni Was war da los, Herr Blüm? In: Spiegel Online. 15. März 2016, abgerufen am 25. Dezember 2018.</ref>

Im Juni 2016 sprach sich Blüm in einem Zeitungsartikel aus Anlass der eidgenössischen Volksabstimmung in der Schweiz zur Initiative Grundeinkommen gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.<ref>Florian Diekmann: Schweiz: Warum wir das Grundeinkommen für (k)eine gute Idee halten. In: Spiegel Online. 4. Juni 2016, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref> Im Artikel nannte er die Idee einen „Fluchtversuch aus sozialstaatlicher Verantwortung ins allgemeine Geldgeschäft“, ungerecht und einen „Rohrkrepierer“.

Er engagierte sich mehrfach für seine Alma Mater, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, auch im Rahmen der Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum. Blüm leitete 2003 gemeinsam mit dem Bonner Philosophen und Wissenschaftskoordinator Martin Booms das Kolloquium „Philosophie und Politik“, das sowohl für Studierende als auch für die Öffentlichkeit zugänglich war.<ref>Philosophie mit Norbert Blüm — Universität Bonn. Abgerufen am 17. April 2019.</ref> 2013 hielt er die Festrede beim Universitätsfest mit dem Titel „Auf Vertrauen kommt es an“.<ref>uni-bonn.tv: Auf Vertrauen kommt es an – Festrede von Dr. Norbert Blüm. 30. Januar 2014, abgerufen am 17. April 2019.</ref> In einer Produktion des WDR sprach er 2018 über seine Verwurzelung mit der Uni Bonn, an der er seine Frau in einer Vorlesung von Joseph Ratzinger kennenlernte, und betitelte die Universität als einen „Ort der Liebe“.<ref>Prominente Studenten an der Uni Bonn. 6. Juli 2018, abgerufen am 17. April 2019.</ref> Zudem sprach er den Text zu Prokofjews Peter und der Wolf bei der Kinderkonzertreihe des Uniorchesters Bonn – Camerata musicale.<ref>Kinder- und Familienkonzert — Universität Bonn. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. April 2019; abgerufen am 17. April 2019.</ref>

2018 war er Gründungsmitglied der Bürgerbewegung Finanzwende.<ref>Gründungsmitglieder. Bürgerbewegung Finanzwende, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Juli 2020; abgerufen am 6. Juli 2020.</ref>

Trivia

Blüm wurde mehrfach in der satirischen Fernsehsendung Rudis Tagesshow aufs Korn genommen. Rudi Carrell stand stets in einer Kulisse, an deren „Haustür“ er klingelte, um dann amüsante Gespräche mit der Frau oder der Tochter von Blüm zu führen. In der letzten Ausgabe der Sendung hatte Blüm die Gelegenheit, Revanche zu nehmen. Er war persönlich anwesend und übergoss Carrell von hinten – scheinbar unbemerkt – mit einem Eimer Wasser.<ref>RUDI CARRELL. In: welt.de. 22. Januar 2008, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref>

Blüm trat zeitweilig bei Werbespots und Sendungen der volkstümlichen Unterhaltung (z. B. Die Krone der Volksmusik) im Fernsehen auf. Von 2000 bis 2005 war er im Rateteam bei Was bin ich? auf Kabel Eins. Außerdem schrieb er Kinderbücher (z. B. Die Glücksmargerite). Zusammen mit dem Schauspieler Peter Sodann ging Blüm im Herbst 2007 auf Tournee durch kleinere Hallen. Gespielt wurde ein eigenes Kabarettprogramm mit dem Titel Ost-West-Vis-à-Vis.

An der Fassade des Knochenhaueramtshauses in Hildesheim befindet sich an einer Knagge eine in Holz geschnitzte Porträtmaske Blüms, der zur Zeit des Wiederaufbaus des Gebäudes (1987 bis 1989) Bundesarbeitsminister war.<ref>Baukunst am Hildesheimer Marktplatz (Bildlegende 5/14). In: Ratgeber Reise, NDR Kultur, Stand: 28. Juli 2014.</ref>

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Unverblümtes von Norbert Blüm. Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, ISBN 3-404-10580-X
  • Dann will ich’s mal probieren. Geschichten vom Weinen und Lachen. Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, ISBN 3-404-12013-2.
  • Die Glücksmargerite. Geschichten zum Vorlesen. Bertelsmann, München 1997, ISBN 3-570-12239-5.
  • Peter Frieß, Andreas Fickers (Hrsg.): Norbert Blüm und Konrad Seitz sprechen über den Industriestandort Deutschland und über individuelle Arbeitszeiten in der Zukunft (= TechnikDialog, Heft 5), Deutsches Museum, Bonn 1995, OCLC 312759899 (die ISBN 3-924183-94-5 wurde zweimal verwendet).
  • Das Sommerloch. Links und rechts der Politik. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-02988-6
  • Unverzagt & unverblümt. Menschliches und Allzumenschliches. Herder, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-451-27996-7
  • Ernst Frangel, Kurzgeschichte in der Anthologie Freundschaften von Marie-Luise Marjan (Hrsg.), Hoffmann und Campe, Hamburg 2004, ISBN 3-455-05141-3.
  • Aus heiterem Himmel. Wie das Leben so spielt. Herder, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-451-29276-9
  • Gerechtigkeit. Eine Kritik des Homo oeconomicus. Herder, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-451-05789-1
  • Ehrliche Arbeit. Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-06746-9
  • mit Peter Henkel: Streit über Gott. Ein Gespräch unter Gegnern. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 978-3-451-30590-0
  • Einspruch! Wider die Willkür an deutschen Gerichten. Westend, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-86489-066-6 (Besprechung durch Thomas Fischer)
  • Es wird ernst, CDU! Artikel (FASZ 19. November 2017) zum Thema 'Familiennachzug' von Flüchtlingen
  • Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht. Einsichten eines linken Konservativen. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-37920-8
  • Willenslehre und Soziallehre bei Ferdinand Tönnies. Ein Beitrag zum Verständnis von „Gemeinschaft und Gesellschaft“, hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Arno Bammé, München, Wien 2018 (zuerst 1967).
  • Was bedeutet mein Unglück? Gastbeitrag (Die Zeit Nr. 12/2020, 12. März 2020) über sein Leben im Rollstuhl.

Ehrungen und Auszeichnungen

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F085461-0016, Bonn, Bundeskanzler verleiht Bundesverdienstkreuz.jpg
Bundeskanzler Kohl überreicht das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Blüm (1990)

Literatur

  • Werner Breunig, Andreas Herbst (Hrsg.): Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 94.
  • Werner Filmer, Heribert Schwan: Norbert Blüm. Econ, Düsseldorf/Wien/New York 1990, ISBN 978-3-430-12745-5.

Weblinks

Commons: Norbert Blüm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Anton Storch (CDU, 1949–1957) | Theodor Blank (CDU, 1957–1965) | Hans Katzer (CDU, 1965–1969) | Walter Arendt (SPD, 1969–1976) | Herbert Ehrenberg (SPD, 1976–1982) | Heinz Westphal (SPD, 1982) | Norbert Blüm (CDU, 1982–1998) | Walter Riester (SPD, 1998–2002) | 2002–2005: Wolfgang Clement (SPD, Arbeit) | Ulla Schmidt (SPD, Soziales) | Franz Müntefering (SPD, 2005–2007) | Olaf Scholz (SPD, 2007–2009) | Franz Josef Jung (CDU, 2009) | Ursula von der Leyen (CDU, 2009–2013) | Andrea Nahles (SPD, 2013–2017) | Hubertus Heil (SPD, 2018–2025) | Bärbel Bas (SPD, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Helmut Kohl (CDU) | Klaus Kinkel (FDP) | Manfred Kanther (CDU) | Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) | Edzard Schmidt-Jortzig (FDP) | Theo Waigel (CSU) | Günter Rexrodt (FDP) | Jochen Borchert (CDU) | Norbert Blüm (CDU) | Volker Rühe (CDU) | Claudia Nolte (CDU) | Horst Seehofer (CSU) | Matthias Wissmann (CDU) | Angela Merkel (CDU) | Wolfgang Bötsch (CSU) | Klaus Töpfer (CDU) | Eduard Oswald (CSU) | Jürgen Rüttgers (CDU) | Carl-Dieter Spranger (CSU) | Friedrich Bohl (CDU) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Kurt Biedenkopf (1986–1987) | Norbert Blüm (1987–1999) | Jürgen Rüttgers (1999–2010) | Norbert Röttgen (2010–2012) | Armin Laschet (2012–2021) | Hendrik Wüst (seit 2021)

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