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Lothar de Maizière

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Datei:Lothar de Maizière 2011.jpg
Lothar de Maizière (2011)Datei:Signature2 Zwei plus Vier Vertrag.JPG

Lothar de Maizière [<templatestyles src="IPA/styles.css" />də mɛˈzjɛʀ] (* 2. März 1940 in Nordhausen) ist ein deutscher Jurist, Musiker und ehemaliger Politiker (CDU), der vom 12. April bis 2. Oktober 1990 als erster demokratisch gewählter und zugleich letzter Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik amtierte.

Er wirkte vom Herbst 1989 bis zum Spätsommer 1991 als Mitglied der ost- und später gesamtdeutschen CDU und wurde damals durch seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung bekannt. Unmittelbar danach war er bis 19. Dezember 1990 einer von fünf aus der DDR stammenden Bundesministern für besondere Aufgaben. Am 17. Dezember bat er wegen zu klärender Vorwürfe, er habe als inoffizieller Mitarbeiter (IM) unter dem Decknamen „Czerni“ (auch „Czerny“)<ref>Ehrlich, treu, zuverlässig. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1990, S. 30–38 (online10. Dezember 1990).</ref> mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet, um Entlassung aus dem Ministeramt.<ref name="Spiegel">Menschlich bewegt. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1990, S. 20–23 (online24. Dezember 1990).</ref><ref>Als sogenannte Spitzenquelle. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1991, S. 41–48 (online18. März 1991).</ref> Im Februar 1991 nahm er seine Parteiämter, die er hatte ruhen lassen, wieder auf, nachdem Wolfgang Schäuble auf einer Pressekonferenz mit seinem Untersuchungsbericht eine Entlastung angestrebt hatte.<ref name="Untersuchungsbericht">Nicht ehrenrührig. Die Union rehabilitiert de Maiziere – was ihn entlasten soll, belastet ihn tatsächlich. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1991, S. 20–22 (online25. Februar 1991).</ref>

Er war auf dem CDU-Parteitag am 1. Oktober 1990 zum einzigen stellvertretenden CDU-Vorsitzenden gewählt worden,<ref>38. CDU-Bundesparteitag / 1. Parteitag der CDU Deutschlands in Hamburg</ref> trat im Herbst 1991 von diesem Posten zurück und gab sein Bundestagsmandat zum 15. Oktober 1991 ab. Für ihn rückte Else Ackermann nach. 1992 wurde er nach Aktenlage als „IM Czerni“ identifiziert.

Von 2009 bis 2022 war de Maizière Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft e. V.

Leben

Ausbildung und Beruf

Nach dem Abitur am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster 1958 studierte de Maizière von 1959 bis 1965 Bratsche an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Er war danach bis 1975 als Bratschist an mehreren Orchestern, u. a. auch dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, tätig. Wegen einer Nervenentzündung am linken Arm, die ihn bei seiner Berufsausübung behinderte, studierte er von 1969 bis 1975 im Fernstudium Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete seit 1975 als Rechtsanwalt. Er war in der DDR ab 1987 stellvertretender Vorsitzender des Kollegiums der Berliner Rechtsanwälte unter dem Vorsitzenden Gregor Gysi. Er besaß auch eine Rechtsanwaltszulassung zum Militärstrafsenat beim Obersten Gericht der DDR. Als Rechtsanwalt vertrat er bis 1989 vor Gericht vornehmlich Jugendliche, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Teilnahme an pazifistischen Aktivitäten vom DDR-Regime verfolgt wurden.

Familie

Lothar de Maizière stammt aus der politisch sehr aktiven Familie de Maizière, deren Mitglieder Nachfahren hugenottischer Einwanderer sind. Sein Vater Clemens de Maizière (1906–1980) war Jurist, Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche und Mitglied der Ost-CDU, wo er einen Ortsverband leitete. Nach der Wendezeit wurde er als langjähriger Stasi-Mitarbeiter enttarnt. 1936 heiratete er in Nordhausen Christine Rathje (1910–1981), Tochter des Historikers und Politikers Johannes Rathje.<ref>Heiligabend 1945, Fest des Friedens. In: Berliner Morgenpost.</ref> Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Sein Onkel Ulrich de Maizière diente in der Reichswehr, der Wehrmacht und der Bundeswehr und war Generalinspekteur der Bundeswehr. Dessen Sohn, Lothar de Maizières Cousin Thomas de Maizière, war von November 2005 bis März 2018 in verschiedenen Ressorts Bundesminister.

Aus der Ehe Lothar de Maizières mit seiner ersten Ehefrau Ilse gingen drei Töchter hervor. In zweiter Ehe ist er mit Marianne Strodt verheiratet.<ref>Ulrike Hospes: Lothar de Maizière: Jurist, Ministerpräsident der DDR, Bundesminister 2. März 1940 Nordhausen, kas.de.</ref> Seine Tochter Henriette<ref>Zeitzeugen: Lothar de Maizière – Tochter Henriette, abgerufen am 26. September 2015.</ref> arbeitet als Journalistin und war 2010 Redakteurin im ZDF-Landesstudio in Berlin.<ref>Henriette de Maizière, Redakteurin im Landesstudio Berlin, Marcus Niehaves, Redakteur und Reporter im Landesstudio Baden-Württemberg: Als die D-Mark kam – Dokumentation zur deutsch-deutschen Währungsunion, ZDF Jahrbuch 2010, abgerufen am 7. August 2022.</ref>

Partei

Lothar de Maizière war seit 1956 Mitglied der Ost-CDU, einer der vier Blockparteien in der DDR. Obwohl er in dieser Partei nach eigenen Angaben<ref>Lesung am 23. März 2011 in Erfurt (Schriften: L. de Maizière, 2010). Dazu Interview: Thüringer Allgemeine, 19. März 2011.</ref> „nicht einmal Kassierer“ war, wurde er nach dem Fall der Mauer zum Vorsitzenden der Ost-CDU gewählt. Am 28. November 1989 gab er während einer Sitzung des Demokratischen Blocks an, die Ost-CDU werde den Block am 5. Dezember 1989 verlassen. Er übernahm so die Initiative zur Auflösung dieser scheindemokratischen Institution.<ref>KAS: Lothar de Maizière, abgerufen am 17. Januar 2020.</ref> Der Austritt wurde als Signal für die Eigenständigkeit der Blockparteien gewertet. Der ab dem 7. Dezember 1989 tagende zentrale runde Tisch beeinflusste die Regierung Modrow stark und ebnete den Weg zur Volkskammerwahl am 18. März 1990.<ref>MDR, Zeitreise: Teilnehmer am zentralen runden Tisch, abgerufen am 16. Januar 2020.</ref> Von Oktober 1990 bis zu seinem Rücktritt am 6. September 1991 war de Maizière Erster Stellvertretender Vorsitzender der gesamtdeutschen CDU. In dieser Zeit war er auch Landesvorsitzender der CDU Brandenburg.

Abgeordneter

Von März bis Oktober 1990 war Lothar de Maizière Mitglied der Volkskammer der DDR. Er war im Wahlkreis Berlin für die CDU gewählt worden. Kurzzeitig amtierte er vom 27. März bis zum 10. April 1990 als Fraktionsvorsitzender von CDU und Demokratischem Aufbruch, bis er wegen seiner bevorstehenden Wahl zum Ministerpräsidenten von Günther Krause abgelöst wurde. De Maizière gehörte im Oktober 1990 zu den Abgeordneten, die von der Volkskammer in den Bundestag entsandt wurden. Bei der Bundestagswahl im Dezember 1990 zog er über die Landesliste Brandenburg der CDU erneut in den Bundestag ein, aus dem er am 15. Oktober 1991 ausschied.

Öffentliche Ämter

Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0507-310, Berlin, Kommunalwahl, Lothar de Maiziere, Gysi,.jpg
Lothar de Maizière mit dem Vorsitzenden der PDS, Gregor Gysi (l), bei den Kommunalwahlen in der DDR am 6. Mai 1990 kurz vor dem Beginn des Wahlstudios im Palast der Republik

Am 18. November 1989 trat er als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates und als Minister für Kirchenfragen der DDR in die von Hans Modrow geführte DDR-Regierung ein.<ref>Zur vorbereitenden Tagung des „Demokratischen Blocks“ am 11. November berichtete de Maizière (2010, S. 88–90) über die erste persönliche Begegnung mit Egon Krenz und seine Kritik an dessen „Hofberichterstattung alten Stils“. Er diktierte ihm dann einen alternativen Text und bekam von einem Nachbarn zugeflüstert: „Sehen Sie, so wird aus einem Generalsekretär ein Sekretär.“</ref>

Am 5. Februar 1990 stellte Bundeskanzler Helmut Kohl in Berlin die „Allianz für Deutschland“ als künftigen Partner seiner Partei in der DDR vor. Das Wahlbündnis bestand aus den neu gegründeten Oppositionsgruppen Demokratischer Aufbruch (DA) und Deutsche Soziale Union (DSU) sowie der DDR-CDU als bestimmender Kraft.<ref>Uwe Müller: De Maizière greift Helmut Kohls Erinnerungen an. Welt Online, 5. Februar 2010.</ref> De Maizière war noch weitgehend unbekannt, als er in der ersten freien Volkskammerwahl 1990 als Spitzenkandidat der Allianz für Deutschland kandidierte. Er kämpfte mit den Wahlslogans „Wohlstand für alle“ und „Wir sind ein Volk“ um das Amt des ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR. Die Parteien der Allianz erreichten insgesamt 48,1 Prozent der gültigen Stimmen.

Nach der Wahl wurde er am 12. April 1990 zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt; gleichzeitig wurde auch sein Kabinett bestätigt. Am 19. April 1990 gab er seine erste Regierungserklärung ab.<ref>deutsche-einheit-1990.de Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Lothar de Maizière.</ref> Von August 1990 an war er zusätzlich auch Außenminister der DDR. In seiner Amtszeit als letzter DDR-Ministerpräsident wurde die Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland verhandelt. Diese Verhandlungen umfasste drei Staatsverträge (Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (gez. am 18. Mai 1990 in Bonn), Einigungsvertrag (gez. am 31. August 1990 in Ost-Berlin), Zwei-plus-Vier-Vertrag (gez. am 12. September 1990 in Moskau)). Weitere Aufgaben waren die Wiederherstellung der kommunalen Selbstverwaltung (Gesetz für die Gemeinden und Landkreise vom 17. Mai 1990) und der Länder (Ländereinführungsgesetz vom 22. Juli 1990), Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit und zu marktwirtschaftlichen Strukturen sowie der Austritt aus dem Warschauer Pakt (gez. am 24. September 1990 in Ost-Berlin).

De Maizière machte die Beibehaltung der Boden- und Industriereform, die er als sozialistische Errungenschaft ansah.<ref name=Köhler>Henning Köhler: Helmut Kohl – Ein Leben für die Politik. Die Biografie. Quadriga Verlag und Bastei Lübbe AG, Köln 2014, ISBN 978-3-86995-076-1, S. 731 f.</ref> zur Bedingung für die Wiedervereinigung.<ref>Deutsche Welle: Lothar de Maizière – Enteignungsmaßnahmen haben „hohen Unrechtscharakter“, 30. Januar 2004.</ref><ref>KAS: Lothar de Maizière – Regierungserklärung, Abschnitt Umtausch, Eigentumsrechte und Bodenreform, 19. April 1990.</ref> Entsprechend wurde der Einheitsvertrag verhandelt, die gemeinsame Erklärung als Anlage hinzugefügt und die Verfassung in Art. 143 Absatz 3 GG<ref>Grundgesetz Artikel 143.</ref> nach Beratung mit Roman Herzog abgeändert.<ref>Michael Naumann: Am Anfang der Einheit stand eine Lüge, Zeit online, 29. Januar 2004, Nr. 6.</ref> Die Begründung, dass eine Beibehaltung der Enteignungen eine zwingende Bedingung der Sowjetunion gewesen sei, vorgetragen von Lothar de Maizière, Helmut Kohl und anderen Personen, hat sich im Nachhinein nur teilweise bestätigt.<ref>Welt: Akten beweisen DDR verhinderte Rücknahme der Enteignungen, 11. März 1999.</ref> Nach Akteneinsicht, Erinnerungen von Michail Gorbatschow,<ref>Spiegel: „Eine sehr komplizierte Zeit“, Brief von Michail Gorbatschow an Rudolf Augstein, 16. März 1998.</ref> Eduard Schewardnadse und Günther Krause ging es der Sowjetunion darum, strafrechtliche Aspekte für 1945–1949 gegenüber der UdSSR auszuschließen.<ref>MDR, Madlen Benthin: Bodenreform in der SBZ, 4. Juni 2012.</ref> Eine mögliche Rückübertragung, angemessene Entschädigung oder verwaltungsrechtliche Rehabilitierung war nicht Gegenstand der Verhandlungen auf oberster Ebene. Für Gorbatschow war die Lösung der offenen Vermögensfragen eine innerdeutsche Angelegenheit. Die unterschiedlichen Darstellungen lassen sich durch politische Motive in Ost- und Westdeutschland erklären sowie dadurch, dass es je nach Gesprächsebene auf sowjetischer Seite unterschiedliche Antworten gab. So war das Aide-mémoire vom 28. April 1990 vom russischen Außenministerium für die Beibehaltung der Enteignungen. Diese Einschätzung war aber nicht mit Gorbatschow abgesprochen.<ref name=Köhler/> Die Kritik, dass man es nicht schaffte, einen angemessenen Ausgleich zwischen 40 Jahren DDR-Heimatrecht und Verletzung der Menschenrechte für 1945–49 herzustellen, wurde hingenommen.<ref>Lothar de Maizière: Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen. Meine Geschichte der deutschen Einheit, Herder Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-45106272-8, Erläuterung der Enteignungsthematik, S. 148, 149, 291, 292.</ref> Auswirkungen bis heute sind der schwach ausgeprägte Mittelstand in den ostdeutschen Ländern<ref>Peter Hefele: Die Verlagerung von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus der SBZ/DDR nach Westdeutschland. Unter besonderer Berücksichtigung Bayerns (1945–1961), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07206-3.</ref><ref>Margarethe von Schnehen: Im Strom der Zeit, Band 2, Vertriebener Mittelstand – verlorene Arbeitsplätze, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 2006, ISBN 978-3-7980-0578-5.</ref><ref>Ulrich Blum, Frank Leibbrand: Entrepreneurship und Unternehmertum, Denkstrukturen für eine neue Zeit. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-409-11872-9.</ref> sowie Verweigerung bzw. Erschwerung von moralischen, verwaltungsrechtlichen und strafrechtlichen Rehabilitierungen, unterschiedliche Behandlung der Enteignungsgruppen (insbesondere der Opfer 1945–49)<ref>Udo Madaus: …  damit die Wahrheit nicht vergessen wird! Zitatensammlung zu den Enteignungen/Konfiskationen 1945–1949 in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und den Folgen nach 1990. Frieling & Huffmann Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-382803180-7, S. 27, 40, 50, 55, 64, 85, 115, 119, 177, 230.</ref> und gemessen am Verkehrswert minimale Ausgleichsleistungen.<ref>FAZ, Peter Krause: Rezension des Sachbuchs Entschädigung- und Ausgleichsleistung (EALG), Verlag C. H. Beck, München 1995; Erläuterung der Ausgleichsleistung für 1945–49, nach 1949 gab es eine Entschädigung.</ref>

In seiner letzten Pressekonferenz als DDR-Ministerpräsident warnte de Maizière davor, im Rahmen einer Wiedervereinigung alle Häftlinge in DDR-Gefängnissen im Rahmen einer Generalamnestie freizulassen.<ref>Leslie Collit in der Financial Times vom 27. September 1990, S. 6.</ref>

Am Tag der Deutschen Einheit – dem 3. Oktober 1990 – wurde de Maizière zum Bundesminister für besondere Aufgaben in der von Kohl geführten Bundesregierung ernannt.

Am 22. März 1990 stellte de Maizière den Inhalt der Gerüchte, er sei Inoffizieller Mitarbeiter (IM) beim Ministerium für Staatssicherheit gewesen, in Abrede.<ref>22.03.1990. tagesschau.de, 22. März 1990, abgerufen am 1. Oktober 2018.</ref> Am 10. Dezember, wenige Tage nach der Bundestagswahl 1990, veröffentlichte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel das Ergebnis von Recherchen, wonach er bei der Staatssicherheit als IM unter dem Decknamen „Czerni“ geführt worden sei. De Maizière dementierte diese später erhärteten Vorwürfe,<ref name="WWW-DDR">Helmut Müller-Enbergs: Maizière, Lothar de. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).</ref> trat aber am 19. Dezember 1990 als Bundesminister zurück.<ref name="Spiegel" /> Seine CDU-Parteiämter ließ er bis zur Wiederaufnahme nach einer von Wolfgang Schäuble am 22. Februar 1991 gegebenen Pressekonferenz, bei der dieser den Versuch einer Entlastung unternahm,<ref name="Untersuchungsbericht" /> ruhen. Im September 1991 gab er den stellvertretenden CDU-Vorsitz und andere Ehrenämter sowie sein Bundestagsmandat zurück. 1992 wurden durch das neue Stasi-Unterlagen-Gesetz Akten veröffentlicht, die ihn als IM Czerni identifizierten.<ref>Robert Leicht: Neues von „Czerni“. In: Die Zeit Nr. 5/1992.</ref><ref>Vor 20 Jahren: Lothar de Maizière alias "Czerni", Spiegel TV Magazin, 22. November 2010.</ref> 1994 lehnte er das Angebot der Berliner CDU auf einen Listenplatz für die Bundestagswahl ab.<ref name="WWW-DDR" /> De Maizière bestreitet bis heute, IM oder IMB<ref>BStU: Erklärung Begriff IMB, abgerufen am 17. Januar 2020</ref> Czerni/Czerny gewesen zu sein.<ref>Lothar de Maizière: Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen. Meine Geschichte der deutschen Einheit, Herder Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-45106272-8, Feststellung zum Fall Czerni, S. 321</ref> Die Akte Czerni befand sich unter den Akten,<ref>Welt, Stefan Aust: Was Lothar de Maizière dazu trieb, IM zu werden, 4. Oktober 2015.</ref><ref>Neues Deutschland: De Maiziere war MfS-Informant, Akte jedoch 1989 vernichtet, 23. März 1993, Erläuterung zum Fall Czerny.</ref> die von der Staatssicherheit 1989 bis 1990 zerrissen und bis zur endgültigen Vernichtung in Säcke gesteckt wurden. 16.000 Säcke konnten gesichert werden. Die Rekonstruktion der Akten ist noch nicht abgeschlossen und dauert an.<ref>Deutschlandfunk, Silke Hasselmann: Zerrissene Stasi-Akten: Warum die Rekonstruktion stockt, 26. März 2018.</ref><ref>BStU: Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen, Erläuterung und Begründung der Rekonstruktion der Stasi-Akten, abgerufen am 20. Januar 2020.</ref>

Weitere Arbeit

Von 1986 bis 1990 war de Maizière Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und arbeitete dort wie auch andere evangelische Christen, beispielsweise Manfred Stolpe, am Dialog der Kirchen mit der Regierung und der SED.

Seit 1993 war er Repräsentant der Hunzinger Information AG in Berlin,<ref>hunzinger.de (PDF; 1,8 MB).</ref> im März 2004 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig MORITZ HUNZINGER.] In: www.hunzinger.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL;.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Er ist Vorsitzender der privaten Stiftung Denkmalschutz Berlin,<ref>Internetauftritt der Stiftung Denkmalschutz Berlin.</ref> Mitgründer und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft und zweiter Vorsitzender von Werkstatt Deutschland e. V.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorstand und Mitglieder der Werkstatt Deutschland (Memento vom 17. März 2005 im Internet Archive).</ref>, auf dessen Initiative der Quadriga-Preis zurückgeht. Seit dem Tod des Vorgängers Peter Boenisch 2005 war de Maizière Vorsitzender des deutsch-russischen Petersburger Dialogs. Als solcher nannte er die Annexion der Krim einen Bruch des Völkerrechts, kritisierte jedoch die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland.<ref>„Sanktionen gegen Russland liegen nicht in Europas Interesse“, Interview in der FAZ vom 21. November 2014, S. 2.</ref> Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete am 22. November 2014 von einem Eckpunktepapier, das von Kanzleramt und Auswärtigem Amt unterstützt wird. Darin wird gefordert, der Petersburger Dialog müsse „auch Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der russischen Politik geben“. Kanzleramt und Auswärtiges Amt sähen keine Möglichkeit, dass unter der Führung de Maizières eine Reform erfolgreich sein könne.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Aktuelle Nachrichten online.] In: FAZ.NET. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL;.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Wegen seiner „besonders unkritischen Haltung zum Kreml“ wurde de Maizière 2015 auf Betreiben Angela Merkels durch Ronald Pofalla abgelöst.<ref>Dialog gescheitert, Forum aufgelöst faz.net, 24. November 2022.</ref>

Seit 1996 arbeitet de Maizière in seiner Anwaltskanzlei in Berlin mit Spezialisierung auf Fragen zur Wiedervereinigung. De Maizière vertritt unter anderem zwei Folteropfer in der Causa Rakhat Aliyev, Peter Afanasenko und Sazhan Ibrajew, die als Leibwächter des Ex-Ministerpräsidenten Akeschan Kaschegeldin tätig waren. Aliyev werden darüber hinaus der Mord an zwei kasachischen Bankern, Erpressung, Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen.<ref>Heutiges Hearing erwartet Aufklärung von Tonio Borg bei EurActiv.de, 13. November 2012 (abgerufen am 27. Oktober 2013).</ref>

Darüber hinaus war de Maizière auch Geschäftsführer der TU-Campus EUREF gGmbH, die der Berliner Projektentwickler Reinhard Müller auf dem Gelände des Schöneberger Gasometers in Berlin entwickelt.

Bei der Vorstellung seiner Erinnerungen zur Geschichte der deutschen Einheit sagte seine einstige stellvertretende Regierungssprecherin Angela Merkel über ihn: Sein „politisches Ziel, das Freiheitsstreben und das mit der friedlichen Revolution Errungene in rechtsstaatliche Formen zu gießen, hat der deutschen Vereinigung Gestalt gegeben.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rede der Bundeskanzlerin am 2. September 2010 (Memento vom 24. September 2010 im Internet Archive).</ref>

Zitat

„Mein beruflicher Werdegang war ein einziger Abstieg – vom Musiker zum Anwalt und dann zum Politiker.“

Süddeutsche Zeitung Nr. 144 vom 26. Juni 2015, S. 23

Schriften

  • Öko-soziale Marktwirtschaft für Ost und West. Der Weg aus Wirtschafts- und Umweltkrise. Mit Thomas de Maizière und Lutz Wicke. Verlag C. H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34668-5.
  • Anwalt der Einheit. Ein Gespräch mit Christine de Mazières. Argon Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-87024-792-4.
  • Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen. Meine Geschichte der deutschen Einheit. Unter Mitarbeit von Volker Resing. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2010, ISBN 978-3-451-30355-5.
  • Ist zusammen gewachsen, was zusammen gehört? In: Anwaltsblatt (Berlin) Jahrg. 53, Oktober 2003, S. 568–571.

Ehrungen

  • Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Nordhausen 2010
  • Quadriga-Preis 2010 in der Kategorie „Architektur der Einheit“. Laudator: Richard Schröder.<ref>Bereits am 3. Oktober 1990, am Ende der Deutschen Demokratischen Republik, hatte Lothar de Maizière von Richard Schröder zusammen mit einem Geschenk eine aus alten Beständen stammende „Plakette“ überreicht bekommen mit der Inschrift „Für vorbildliche Leistungen zu Ehren der DDR“; abgebildet bei de Maizière (Schriften) 2010, S. 317, mit dem Kommentar: „Eine nettere Auszeichnung konnte ich mir an diesem Tag kaum vorstellen.“</ref>
  • Russischer Orden der Freundschaft 2010 für die Tätigkeit als Kovorsitzender des Petersburger Dialogs,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., RIA Novosti, 2. März 2010.</ref> überreicht durch den russischen Ersten Vizepremier Wiktor Subkow.
  • Scheidegger Friedenspreis 2010
  • 2021: Ehrenkurator des Deutsch-Russischen Forums e. V.<ref name="kur2021">Neues Kuratorium gewählt. In: deutsch-russisches-forum.de. Abgerufen am 5. Mai 2022.</ref>

Literatur

  • Lothar de Maizière in Internationales Biographisches Archiv 26/2009 vom 23. Juni 2009 (rw) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 45/2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).
  • Helmut Müller-Enbergs: Maizière, Lothar de. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
  • Ed Stuhler: Die letzten Monate der DDR. Die Regierung de Maizière und ihr Weg zur deutschen Einheit. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-570-6.
  • Mario Niemann, Andreas Herbst: SED-Kader: Die mittlere Ebene. Biographisches Lexikon der Sekretäre der Landes- und Bezirksleitungen, der Ministerpräsidenten und der Vorsitzenden der Räte der Bezirke 1946 bis 1989. 1. Auflage. Ferdinand Schöningh, 2010, ISBN 978-3-506-76977-0., DNB 998913642.
  • Andreas Schumann: Familie de Maizière – Eine deutsche Geschichte. Verlag Orell Füssli, Zürich 2014, ISBN 978-3-280-05531-1.

Filme

  • Thomas Grimm: Die de Maizières – eine deutsch-deutsche FamilieARTE – Dokumentarfilm, 45 min, 1999.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

<references />

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Otto Grotewohl | Willi Stoph | Horst Sindermann | Willi Stoph | Hans Modrow | Lothar de Maizière Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Franz Josef Strauß (CSU, 1953–1955) | Robert Tillmanns (CDU, 1953–1955) | Waldemar Kraft (GB/BHE, 1953–1956) | Hermann Schäfer (FDP, 1953–1956) | Heinrich Krone (CDU, 1961–1964) | Ludger Westrick (CDU, 1964–1966) | Horst Ehmke (SPD, 1969–1972) | Egon Bahr (SPD, 1972–1974) | Werner Maihofer (FDP, 1972–1974) | Wolfgang Schäuble (CDU, 1984–1989) | Hans Klein (CSU, 1989–1990) | Rudolf Seiters (CDU, 1989–1991) | Lothar de Maizière (CDU, 1990) | Sabine Bergmann-Pohl (CDU, 1990–1991) | Günther Krause (CDU, 1990–1991) | Rainer Ortleb (FDP, 1990–1991) | Hansjoachim Walther (DSU, 1990–1991) | Friedrich Bohl (CDU, 1991–1998) | Bodo Hombach (SPD, 1998–1999) | Thomas de Maizière (CDU, 2005–2009) | Ronald Pofalla (CDU, 2009–2013) | Peter Altmaier (CDU, 2013–2018) | Helge Braun (CDU, 2018–2021) | Wolfgang Schmidt (SPD, 2021–2025) | Thorsten Frei (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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