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Lüderitz (Tangerhütte)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Lüderitz
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Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(343)&title=L%C3%BCderitz 52° 30′ N, 11° 45′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(343) 52° 30′ 24″ N, 11° 44′ 48″ O
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  }}
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 38,84 km²
Einwohner: 343 (31. Dez. 2023)<ref name="EW-2023" />
Bevölkerungsdichte: 9 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Mai 2010
Postleitzahl: 39517
Vorwahl: 039361
Lage von Lüderitz in Sachsen-Anhalt
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Lüderitz ist eine Ortschaft der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte im Süden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt.<ref name="Hauptsatzung" />

Geographie

Lage

Lüderitz, ein mehrgliederiges Straßendorf mit Gut mit Kirche,<ref name="HOB-12" /> bildet heute mit Groß Schwarzlosen ein Doppeldorf.<ref name="HP" /> Es liegt 9 Kilometer nordwestlich von Tangerhütte und 13 Kilometer südwestlich von Stendal im Südosten der Altmark am oberen Abschnitt des Flüsschens Lüderitzer Tanger. Östlich und südlich des Dorfes beginnt das Landschaftsschutzgebiet „Uchte-Tangerquellen und Waldgebiete nördlich von Uchtspringe“.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>

Das breite Tangertal zwischen Stendal und der Colbitz-Letzlinger Heide ist eingebettet zwischen dem Tangermünder-Buchholzer Höhenzug im Nordosten (bis 90 Meter über NN) und dem 132 Meter hohen Landsberg im Südwesten. Der Südwestzipfel der Gemarkung Lüderitz grenzt an den Landkreis Börde. Zur Gemarkung von Lüderitz gehört auch der westlich des Dorfes gelegene Schleußer Teich.

Nachbarorte sind Brunkau im Westen, Schleuß und Windberge im Nordwesten, Hüselitz im Osten, Klein Schwarzlosen und Stegelitz im Südosten und Schernebeck im Süden.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>

Backenstein

Auf dem nicht öffentlich zugänglichen Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark, etwa 6,5 Kilometer südwestlich von Lüderitz und 2 Kilometer südwestlich der Kuppe des Landberges, befindet sich der Backenstein

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  }}, ein Findling aus rötlichem Småland-Granit, der als Naturdenkmal geschützt ist.<ref name="Geotopkataster" /> Der 3,50 Meter breite, 3,80 Meter lange und etwa 1,80 Meter sichtbar hohe Stein ist mit russischen Aufschriften verunstaltet.<ref name="Mittag 2006" />

Adalbert Kuhn überlieferte 1843 die Sage „Der Backenstein“. Die Leute nennen ihn so, „weil er in seiner Gestalt Ähnlichkeit mit einem Backenzahn hat. Ein Riese wollte ihn einst, da er mit der Stadt Magdeburg in Kampf lag, dorthin schleudern, was ihm aber misslang. Da hat er ihn im Ärger auf den Landsberg geworfen, wo er noch liegt.“<ref name="Kuhn 1843" /> Bei Hanns H. F. Schmidt heißt die Sage „Der Backenzahn“.<ref name="Schmidt-Sagen-T2" />

Ortschaftsgliederung

Zur Ortschaft Lüderitz gehören die Ortsteile Lüderitz, Groß Schwarzlosen und Stegelitz.<ref name="Hauptsatzung" />

Datei:Luederitz Preussischer Rundsockelstein-02.jpg
Preußischer Rundsockelstein in Lüderitz

Geschichte

Mittelalter bis Neuzeit

Im Jahre 1247 wurde ein Johanne de Luderiz als Zeuge in einer in Arneburg ausgestellten Urkunde genannt.<ref name="Krabbo Regesten" /> 1340 verpflichtete sich das Kloster Neuendorf einem Johannes, perrer to Luderiz eine Leibrente zu zahlen.<ref name="Riedel-22" /> Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf Luderitz mit einer Mühle aufgeführt.<ref name="Landbuch" /> Im Jahre 1687 hieß das Dorf dann schon Lüderitz.<ref name="HOB-12" /> 1804 gab es im Dorf und Gut Lüderitz einen Chirurgus, Rademacher, Schmiede, Windmühle, Wassermühle, Krug, Hospital und eine Freischule.<ref name="Bratring-1" />

1822 war ein großer Dorfbrand. Beim Dorfbrand 1838 ist großer Teil des Dorfes mit Pfarre und Schule abgebrannt.<ref name="HOB-12" />

Die Chaussee von Stendal über Lüderitz nach Magdeburg (die heutige Bundesstraße 189) wurde 1843 gebaut und war für die Entwicklung der Gemeinde sehr wichtig.

Datei:Lüderitz-SM-Wappen.PNG
Wappen der Familie von Lüderitz in Siebmachers Wappenbuch 1605

Rittergut der Familie von Lüderitz

Beginnend mit dem genannten Johanne de Luderiz entwickelte sich im Ort ein Gut. Lüderitz wurde so als Stammsitz derer von Lüderitz geführt. Namhaftester Vertreter war in der jüngeren Historie der spätere Generalleutnant Otto von Lüderitz. Er vererbte das Rittergut an seinen Sohn aus erster Ehe mit Albertine Karbe-Sieversdorf, an Fritz von und zu Lüderitz, der später wie seine Tochter unbeanstandet vom Kgl. preuß. Herolds-Amt diesen Namen führte und mit der bürgerlichen Marie Lucanus verheiratet war. Zuletzt waren wiederum u. a. ihr Sohn, der kgl. preuß. Hauptmann Ludolf von Lüderitz (1888–1914) Gutsherr.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser 1919. 20. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1918, S. 472.</ref> Ihm folgte im Besitz dann dessen ältere Schwester Albertine Marie Luise von und zu Lüderitz, die das Rittergut Lüderitz mit ihren Ehemann Hermann Malte Karl Ernst von Engelbrechten-Ilow (1878–1940), vormals zeitweise Landrat in der Uckermark und in Pommern, betreute, aber alleinige Besitzerin blieb. Frau von Engelbrechten, geb. von Lüderitz, hatte von einem jüngeren Bruder Hans Gerd von Lüderitz schon 1912 nach dessen frühem Tod den kleinen Gutsbezirk Ottersburg mitgeerbt. 1922 beinhaltete Gut Lüderitz 876 ha.<ref>Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., in: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 14–83.</ref> Die Gutsbesitzerin Albertine von Engelbrechten-Ilow starb 1972 in Süddeutschland.<ref>Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1980. Band XIII, Band 73 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn 1980), S. 67 f.</ref>

Bodenreform

Bei der Bodenreform wurden 1945 ermittelt: 52 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 697 Hektar, eine Kirchenbesitzung 26 Hektar, eine Gemeindebesitzung 1 Hektar, eine Besitzung, hier das Rittergut des Erben Malte Friedrich Hermann von Engelbrechten-Ilow (* 1911) mit 1641 Hektar, nach anderer Angabe 1536 Hektar, hatte die Rote Armee besetzt und bewirtschaftet. Enteignet wurden 1650 Hektar, davon erhielten Land: 27 Landarbeiter und landlose Bauern, 6 landarme Bauern, 64 Kleinpächter, 20 Umsiedler, 20 Arbeiter und Angestellte. 15 Hektar Land erhielt die Gemeinde, 926 Hektar die Provinzialverwaltung, das Mühlengrundstück ging an den Ortsausschuss der VdgB. Im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, die LPG Typ I „Vorwärts“, die 1953 zum Typ III überging.<ref name="HOB-12" />

Wüstungen

Wüstung bei Lüderitz

600 Meter westlich vom Dorf, nördlich des Weges nach Brunkau lag „der wüste Kamp“. Wilhelm Zahn nahm an, dass hier ein Einzelhof gelegen hätte.<ref name="Zahn-Wüstungen-333" />

Klein Lüderitz oder Landsberg

Datei:Salchau 1850.jpg
Klein Lüderitz auf einer Landkarte von 1850

Manche Autoren meinen, Lüderitz selbst sei ursprünglich von Wenden besiedelt gewesen, Wilhelm Zahn meinte jedoch, die Wenden hätten in Klein Lüderitz gewohnt.<ref name="Zahn-1928" /> Das ehemalige Vorwerk Klein Lüderitz

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  }}, auch Neu Lüderitz oder Landsberg genannt, lag südlich vom 133 Meter hohen Landsberg
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   |name=Landsberg
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  }} an der Kreuzung des Weges nach Salchau und der Straße nach Dolle. Es wurde 1790 als Landsberg und 1804 als Landsberg – Klein Lüderitz bezeichnet. Später war es ein Wohnplatz vom Gut Lüderitz mit einem Forsthaus. Zuletzt genannt wurde es 1957 als Landsberg.<ref name="HOB-12-Landsberg">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

Hospital bei Lüderitz

1540 wurde im Visitationabschied über ein Hospital vor dem Dorf Lüderitz berichtet, welches Einnahmen vom Rat zu Stendal erhielt.<ref name="Abschiede Bd 1" /> Bekmann schrieb 1753, dass die von Lüderitz zu Lüderitz das Patronat über das Hospital für arme Leute innehatten, das früher gute Einnahmen hatte.<ref name="Beckmann-2" /> 1804 existierte es noch.<ref name="Bratring-1" /> Schon 1909 konnte die Lage des Gebäudes nicht mehr ermittelt werden.<ref name="Zahn-Wüstungen-332" />

Gense

Die bereits im Jahre 1438 erwähnte Wüstung Gense

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  }} liegt 2,5 Kilometer nördlich des Dorfes Lüderitz, 1,5 Kilometer nordöstlich von Windberge zwischen Schleuß und Buchholz bei einem Teich.<ref name="Zahn-Wüstungen-72" />

Herkunft des Ortsnamens

Heinrich Sültmann meint, der Name 1340 luderiz, 1341 lvderitze, 1375 luderitz, 1438 luderitze, setzt sich aus den beiden slawischen Worten luöda, lude für „Schiff“ und reka, rece für „Fluß“ zusammen.<ref name="Sültmann-1932" /> Der Tangerbach mag früher für Kähne fahrbar gewesen sein.<ref name="Kunstdenkmale-Stendal" />

Archäologie

Beim Bau der Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz im Sommer 1903 wurden nordöstlich von Lüderitz nur 35 Zentimeter unter der Erde zwei Gefäße umgeben von einer Steinsetzung gefunden.<ref name="Stendaler Beiträge IV" /> 1947 waren bei Lüderitz eine Steinaxt und das Nackenteil eines Feuersteinbeiles aus der jüngeren Steinzeit gefunden und an das Museum Tangermünde übergeben worden. Aus der Sammlung der Schule in Lüderitz gingen an das Altmärkische Museum im gleichen Jahr bronzezeitliche Funde, darunter ein Lappenbeil.<ref name="Schwarz-1949" />

Im Sommer 2020 wurden an der künftigen Autobahntrasse 14 bei Lüderitz von Archäologen auf einem 4600 Quadratmeter großen Ausgrabungsfeld 3000 Stücke aus der Bronze-, Eisen- und römischen Kaiserzeit geborgen. Sie belegten, dass es auf dem Erdhügel im morastigen Umfeld eine bedeutende, lange bewohnte Siedlung gegeben hat. Gefunden wurden Gefäße für die Milchverarbeitung, Tassen, eine eisenzeitliche Fibel und ein eisenzeitlicher Ofen.<ref name="VS-2020" />

In der Nähe der Straße „MAS-Hof“ beim ehemaligen Gut wird eine geschleifte Wasserburg vermutet. Südwestlich vom Ort befindet sich ein bronzezeitlicher Grabhügel, der 1963 untersucht wurde.<ref name="Denkmalverzeichnis" /> Östlich davon befindet sich eine mittelalterliche Landwehr.<ref name="Fritsch" />

Eingemeindungen

Ursprünglich gehörten Gut und Dorf Lüderitz zum Tangermündeschen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Von 1807 bis 1813 lagen beide im Kanton Lüderitz auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen gehörten Gut und Gemeinde zum Kreis Stendal, dem späteren Landkreis Stendal.<ref name="HOB-12" /> Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Lüderitz (mit dem Wohnplatz Landsberg oder Klein Lüderitz) mit der Landgemeinde Lüderitz vereinigt.<ref name="AB-RB-Magdeburg" />

Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Brunkau nach Lüderitz eingemeindet.<ref name="2VO-LSA-1950" />

Ab dem 25. Juli 1952 gehörte die Gemeinde Lüderitz zum Kreis Tangerhütte. Am 14. September 1963 wurde der Ortsteil Brunkau aus Lüderitz aus- und in die Gemeinde Ottersburg eingegliedert.<ref name="Metzler-Poeschel" /> Am 1. April 1974<ref name="Metzler-Poeschel" /> oder erst im Jahre 1976<ref name="HP" /> wurde die Gemeinde Stegelitz in die Gemeinde Lüderitz eingemeindet. Die Gemeinde Lüderitz kam dann am 1. Januar 1988 zum Kreis Stendal und schließlich am 1. Juli 1994 zum heutigen Landkreis Stendal.<ref name="Metzler-Poeschel" />

In einem Gebietsänderungsvertrag zwischen der Stadt Tangerhütte und allen Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land wurde deren Eingemeindung nach Tangerhütte geregelt. Dem Vertrag stimmte der Gemeinderat Lüderitz am 20. Mai 2010 zu. Er wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und die Eingemeindung trat am 31. Mai 2010 in Kraft.<ref name="AB-SDL-Gebiet" /> So wurde aus der Gemeinde Lüderitz die Ortschaft Lüderitz mit den bisherigen Ortsteilen und dem Ortsteil Lüderitz der „Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“.

Einwohnerentwicklung

Dorf und Gut

Jahr 1734 1772 1790 1798 1801 1818 1840 1864 1871 1885 1892 1895 1900 1905
Dorf Lüderitz 260 137 417<ref>mit Landsberg</ref> 293 341 532 648 754 649 630 4677<ref name="Zahn-1928" /> 590 689<ref name="Zahn-1928" /> 569
Wassermühle 008 007
Gut Lüderitz 078 057 062 052 119
Schernebeck 013 014

Gemeinde

Jahr Einwohner
1910 [00]0642<ref name="Zahn-1928" />
1925 0617
1939 0621
1946 1041
1964 0703
1971 0609
1981 1291
1985 [00]1227<ref name="EW-1964-2007" />
1990 [00]1206<ref name="EW-1964-2007" />
Jahr Einwohner
1993 1225
1995 [00]1165<ref name="EW-1964-2007" />
2000 [00]1197<ref name="EW-1964-2007" />
2002 [00]1194<ref name="EW-1964-2007" />
2004 [00]1143<ref name="EW-1964-2007" />
2006 [00]1127<ref name="EW-1964-2007" />
2008 [00]1119<ref name="EW-LSA" />
2009 [00]1093<ref name="EW-LSA" />

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1993:<ref name="HOB-12" />

Ortsteil

Jahr Einwohner
2013 [00]385<ref name="EW-2014" />
2014 [00]389<ref name="EW-2014" />
2018 [00]367<ref name="EW-2019" />
2019 [00]360<ref name="EW-2019" />
2020 [00]357<ref name="EW-2021" />
2021 [00]345<ref name="EW-2021" />
2022 [0]348<ref name="EW-2023" />
2023 [0]343<ref name="EW-2023" />

Religion

Datei:Dorfkirche Lüderitz2.JPG
Dorfkirche Lüderitz

Im damals zum Balsamgau im Bistum Halberstadt gehörenden Lüderitz wurde 1541 durch Joachim II., Markgraf von Brandenburg, die Reformation eingeführt, wodurch die Bevölkerung und die Kirche von Lüderitz evangelisch-lutherisch wurden.

Evangelische Kirchengemeinde

Die evangelische Kirchengemeinde Lüderitz mit der Dorfkirche Lüderitz, die früher zur Pfarrei Lüderitz gehörte,<ref name="Almanach1903" /> wird heute betreut vom Pfarrbereich Lüderitz im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.<ref name="Pfarrbereich" />

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Lüderitz stammen aus dem Jahre 1775.<ref name="Machholz" />

Katholische Kirchengemeinde

1869 ließ sich Heinrich Appelhans, ein aus Westfalen stammender Katholik, in Lüderitz nieder, wo er eine Brauerei und ein Ladengeschäft eröffnete. Er erreichte bei der Pfarrei Stendal, dass in Lüderitz ab 1912 katholischer Gottesdienst gehalten wurde.

Nachdem sich infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 in Lüderitz die Zahl der Katholiken weiter vergrößert hatte, bildete sich ab 1945 in Lüderitz eine katholische Kirchengemeinde. 1951 erfolgte im Gebäudekomplex der Brauerei, Straße der Freundschaft 25, die Einrichtung einer katholischen Kapelle, die das Patrozinium St. Peter und Paul trug. 1953 folgte die Errichtung der zur Pfarrei Stendal gehörenden Kuratie Lüderitz, und Lüderitz bekam mit dem Neupriester Waldemar Karl erstmals einen eigenen katholischen Geistlichen.<ref name="Bistum 2016" /> Sein Nachfolger war ab 1957 Johannes Grams,<ref name="Bistum 2012" /> dem 1965 Wolfgang Paul folgte.<ref name="Bistum 2014" /> Nachdem Helmut Trezinski, ab 1970 der vierte und letzte Kuratus von Lüderitz, 1973 versetzt wurde, konnte Lüderitz aufgrund des Priestermangels nicht mehr mit einem Priester besetzt werden, sondern bekam einen Diakonatshelfer.<ref name="Joppen Band 32" /> Am 1. Januar 1982 wurde die Kapelle wieder aufgegeben.

Die katholischen Christen gehören heute zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.<ref name="Bistum-MD" />

Politik

Ortsbürgermeisterin

Edith Braun ist Ortsbürgermeisterin der Ortschaft Lüderitz.<ref name="Portal" /> Letzte Bürgermeisterin der Gemeinde war Ramona Hoffmann, die anschließend auch Ortsbürgermeisterin war.<ref name="AB-SDL-Gebiet" />

Ortschaftsrat

Bei der Ortschaftsratswahl am 9. Juni 2024 stellte sich die „Wählergemeinschaft Lüderitz“ zur Wahl. Sie gewann alle 7 Sitze.<ref name="Wahl-2024" />

Gewählt wurden zwei Frauen und 5 Männer. Von 822 Wahlberechtigten hatten 575 ihre Stimme abgegeben, die Wahlbeteiligung betrug damit 69,95 Prozent.<ref name="Wahl-2024" />

Städtepartnerschaft

Seit 2018 besteht eine Partnerschaft des Ortsteils Lüderitz der Stadt Tangerhütte zu der gleichnamigen Stadt Lüderitz in Namibia. Im Mai 2019 waren die Musiker der Gruppe „African Vocals“ aus Namibia zu Gast.<ref name="VS-2018" /><ref name="Süd-Afrika-Magazin" />

Wappen

Das Wappen wurde am 20. Mai 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten und halb geteilt; vorn am Spalt in Silber ein halber roter Adler, golden bewehrt und gezungt, hinten oben in Silber ein roter Anker mit Ring, hinten unten in Rot ein silberner Wellenbalken.“<ref name="AB-SDL-Wappen" />

Lüderitz liegt in der Altmark. Sie ist neben der Mittelmark und der Neumark eines der Stammlande der Mark Brandenburg. Deshalb greifen die Farben des Wappens die Farben Rot-Silber der Mark Brandenburg auf. Nicht nur mit der Tingierung wollte die ehemalige Gemeinde ihre Verbundenheit mit der Altmark ausdrücken, sondern auch mit der Aufnahme des märkischen Adlers am Spalt. Außerdem soll der Flügel des Adlers auf die Familie derer von Borstell anspielen, die in dieser Gegend ansässig waren (speziell in Groß Schwarzlosen) und in ihrem Wappen Adlerflügel führten. So soll der Flügel des Adlers stellvertretend für den Ortsteil Groß Schwarzlosen stehen.

Der Anker ist dem Familienwappen derer von Lüderitz entnommen und steht stellvertretend für den namengebenden Ortsteil der Gemeinde; zugleich hat er einen etymologischen Bezug zum Ortsnamen „Lüderitz“. Dieser ist slawischen Ursprungs – der Ort war ursprünglich von den westslawischen Wenden besiedelt – und eine Zusammensetzung aus den Wörtern lude = „Schiff“ und rece = „Fluss“, was darauf schließen lässt, dass der Tangerbach, an dem der Ort liegt, früher wohl schiffbar gewesen sein muss.<ref name="Allgemeine Zeitung 2009" />

Der Wellenbalken soll für den Ortsteil Stegelitz stehen und auf den Tanger verweisen, der auch für die anderen beiden Ortsteile von Bedeutung ist und diese tangiert. Auch steht er für die naturnahe Umgebung der Tangerniederung.

Das Wappen wurde vom Hundisburger Thomas Rystau gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Datei:VVN-Gedenkstein.jpg
VVN-Gedenkstein mit Spruchplatte aus den 1950er-Jahren, Foto vom Oktober 2018
Datei:Kriegerdenkmal in Lüderitz (Altmark), Landkreis Stendal, Sachsen-Anahlt.jpg
Gefallenendenkmal in Lüderitz
  • Die evangelische Dorfkirche Lüderitz wurde bereits um 1200 errichtet. Aus dieser Zeit ist heute noch der Turm erhalten.<ref name="Altmarkkirchen" />
  • Freibad in Lüderitz mit Campingplatz und Parkanlage
  • Gegenüber der Kirche steht ein Gedenkstein für die Opfer imperialistischer Willkür.
  • An der Kirche steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, eine abgestufte Stele gekrönt von einem eisernen Kreuz mit Schwertmotiv.<ref name="Denkmalprojekt" />

Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen

Neben der in Lüderitz ansässigen Agrargenossenschaft haben sich insbesondere im Gewerbegebiet an der B 189 mehrere Firmen angesiedelt.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurde in den letzten Jahren ein neues Feuerwehrhaus gebaut und das Dorfgemeinschaftshaus mit Gaststätte, Kegelbahn und einem Versammlungsraum grundlegend saniert.

Bildung

Groß Schwarzlosen ist Schulstandort auch für die umliegenden Dörfer.

Vereine

Die Freiwilligen Feuerwehren in Stegelitz und Lüderitz/Groß Schwarzlosen sowie Sportverein, Männergesangsverein, der Rassegeflügelverein, Anglerverein, Fanfarenzug, die Jagdhornbläser und der Landfrauenverein prägen das Dorfleben, sie sind Träger der Dorffeste sowie der traditionellen Oster- und Herbstfeuer.

Verkehr

Persönlichkeiten

  • Hermann von Lüderitz (1814–1889), Generalleutnant und von 1877 bis 1889 Mitglied des Reichstags war auch Miteigentümer des Gutes Lüderitz.
  • Martin Schiele (1870–1939), Politiker (Deutschkonservative Partei, DNVP, CNBL), wurde in Groß Schwarzlosen geboren

Literatur

  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Vorlage:BibOCLC
  • J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt (Hrsg.): Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, S. 298. Lüderitz

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="2VO-LSA-1950"> Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr. 18, 5. August 1950, ZDB-ID 511105-5, S. 274 (PDF). </ref>

<ref name="AB-RB-Magdeburg"> Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 209. </ref>

<ref name="AB-SDL-Gebiet"> Landkreis Stendal: Gebietsänderungsvertrag zur Bildung der neuen Stadt Tangerhütte aus allen Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft „Tangerhütte-Land“. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 20. Jahrgang, Nr. 13, 30. Mai 2010, ZDB-ID 2665593-7, S. 183–194, §1, §7 (landkreis-stendal.de [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 6. Januar 2021]). </ref>

<ref name="AB-SDL-Wappen"> Landkreis Stendal: Genehmigung des Wappens der Gemeinde Lüderitz. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 20. Jahrgang, Nr. 13, 30. Mai 2010, ZDB-ID 2665593-7, S. 181 (landkreis-stendal.de [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 6. Januar 2021]). </ref>

<ref name="Abschiede Bd 1"> Julius Müller und Adolf Parisius im Auftrag des Altmärkischen Geschichts-Vereins (Hrsg.): Die Abschiede der in den Jahren 1540 bis 1542 in der Altmark gehaltenen ersten General-Kirchen-Visitation mit Berücksichtigung der in den Jahren 1551, 1578-1579(81) und 1600 gehaltenen Visitationen. Band 1, Heft 1. Magdeburg und Salzwedel 1889, S. 74 (altmark-geschichte.de [PDF]). </ref>

<ref name="Allgemeine Zeitung 2009"> Urheimat des Adolf Lüderitz - vor 125 Jahren Schutzherrschaft. In: Allgemeine Zeitung. 3. Juni 2009 (az.com.na [abgerufen am 30. April 2010]). </ref>

<ref name="Almanach1903"> Vorlage:PfarrAlmanachProvinzSachsen1903 </ref>

<ref name="Altmarkkirchen"> Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783981403954 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an. </ref>

<ref name="Beckmann-2"> Johann Christoph Becmann, Bernhard Ludwig Beckmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. Hrsg.: Berlin. Band 2, 5. Teil, 1. Buch, VI. Kapitel, 1753, Spalte 61, III. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10936702~SZ%3D00397~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref>

<ref name="Bistum 2012"> Er war unter den Ersten im Erfurter Studium. Bistum Magdeburg, Presse-Archiv 2012, 24. April 2012, abgerufen am 28. März 2022. </ref>

<ref name="Bistum 2014"> Schönstatt immer verbunden. Bistum Magdeburg, Presse-Archiv 2014, 24. Oktober 2014, abgerufen am 28. März 2022. </ref>

<ref name="Bistum 2016"> Mit großem seelsorglichem Eifer. Bistum Magdeburg, Presse-Archiv 2016, 7. April 2016, abgerufen am 28. März 2022. </ref>

<ref name="Bistum-MD"> Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 5. April 2021. </ref>

<ref name="Bratring-1"> Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 279 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00301~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref>

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<ref name="Zahn-Wüstungen-333"> Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a. S. 1909, S. 367, Nr. 333 (uni-jena.de). </ref>

<ref name="Zahn-Wüstungen-72"> Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a. S. 1909, S. 72, Nr. 72 (uni-jena.de). </ref> </references>

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