Gewöhnlicher Andorn
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| Gewöhnlicher Andorn | ||||||||||||
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| Datei:Marrubium vulgare 002.JPG
Gewöhnlicher Andorn (Marrubium vulgare) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Marrubium vulgare | ||||||||||||
| L. |
Der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare), auch Weißer Andorn, Gemeiner Andorn, kurz Andorn, Helfkraut, Weißer Dorant, Mariennessel oder Berghopfen genannt,<ref name="Meyers" /> ist eine Pflanzenart aus der Gattung Andorn (Marrubium) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Art wurde früher häufig als Heilpflanze kultiviert. Von Wissenschaftlern der Universität Würzburg wurde Andorn zur Arzneipflanze des Jahres 2018 ausgerufen.<ref name="AdJ2018">Arzneipflanze des Jahres 2018: Andorn - Marrubium vulgare. Welterbe Klostermedizin, 21. September 2017.</ref>
Beschreibung
Der Gewöhnliche Andorn ist eine ausdauernde bis halbstrauchige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 cm erreicht. Die Stängel sind aufrecht und vor allem in dem unteren Teil weißfilzig behaart.<ref name="FloraBW" />
Der Blattstiel ist auch bei den unteren Blättern kürzer als die Blattspreite. Die Blätter sind breit eiförmig bis kreisförmig, der Grund gerundet bis fast herzförmig, der Rand tief und unregelmäßig gezähnt. Die Blätter sind mit Sternhaaren bedeckt; sie sind auf der Unterseite dichter filzig behaart als auf der verkahlenden Oberseite. Das Nervennetz ist in die Blattoberseite tief eingesenkt.<ref name="Hegi" />
Die Scheinquirle stehen voneinander entfernt und sind vielblütig und kugelig. Die Vorblätter sind mindestens so lang wie die Kelchröhre, pfriemlich und zottig-federig behaart. Die Kelchröhre ist 3 bis 4 mm lang, undeutlich 10-nervig und zottig-weichhaarig; die die Art kennzeichnenden Kelchzähne sind meist zu zehnt, fast gleich, abstehend, zur Fruchtzeit hakig gekrümmt. Die Krone überragt mit 6 bis 7 mm den Kelch; sie ist weiß und außen dicht sternhaarig.<ref name="FloraBW" /> Die Klausen sind 1,5 bis 2 mm lang und haben eine glatte, grau- bis hellbraune Oberfläche.<ref name="Hegi" />
Die Blütezeit reicht von Mai bis August.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34.<ref name="Oberdorfer" />
Verbreitung
Der Gewöhnliche Andorn (griechisch-lateinisch früher prassium<ref>Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 255.</ref><ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 152.</ref> und marrubium<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 146.</ref> genannt<ref>Siehe auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 202 (Marubium/Marrubium: „andorn, prassium, philoflores, farasyon, marmaco […], gottsvergessen“ = Marrubium vulgare L.)</ref>) ist im Mittelmeergebiet weit verbreitet und in weite Teile Nord- und Südamerikas sowie Australiens<ref name="FloraBase" /> verschleppt worden.<ref name="Hegi" /><ref name="WCSP" /> In Mitteleuropa ist die Art ein Archäophyt, der aus dem früher verbreiteten Heilpflanzen-Anbau verwilderte und sich in wärmeren Gegenden auch einbürgerte. Solche stabilen Vorkommen reichen bis nach Südschweden und ins südliche Schottland. Älteste archäologische Nachweise in Mitteleuropa stammen aus der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.).<ref name="FloraBW" />
Der Gewöhnliche Andorn kommt in Mitteleuropa meist in der Umgebung von Dörfern vor und besiedelt dort wie auch im Mittelmeergebiet Ruderalstandorte und Weiden auf trockenen Ton- und Lehmböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Onopordion acanthii, kommt aber auch im Arction lappae-Verband vor.<ref name="Oberdorfer" /> Er steigt in Graubünden im Schams bis 1020 Meter, im Kanton Wallis vereinzelt bis 1450 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Hegi" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 5 (sehr nährstoffreich oder überdüngt), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
In Deutschland steht der Gewöhnliche Andorn auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten<ref>Redaktion: BMBF LS5 Internetredaktion: Detailseite - Rote-Liste-Zentrum Rote-Liste-Zentrum. Abgerufen am 13. Februar 2025.</ref> und darf daher nicht wild geerntet werden.
Taxonomie
Der wissenschaftliche Name Marrubium vulgare wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" />
Verwendung in der Medizin
Der Andorn enthält den Bitterstoff Marrubiin, ein Furanolabdan-Diterpen sowie ätherische Öle, Schleim, Harze, Wachse und Gerbstoffe.
Als Droge dient das sogenannte Andornkraut; das sind die getrockneten Blätter und oberen Stängelteile (Marrubii herba). Andornextrakte wirken leicht schleimlösend und fördern den Auswurf von Sekret aus den Bronchien. Daher kommt Andorn traditionell bei Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Die Substanz Marrubiin bewirkt zudem, dass vermehrt Gallensäfte ausgeschüttet werden, sie regt die Magensäurebildung an und kurbelt die Magen-Darm-Tätigkeit an. Deshalb kann Andorn als pflanzliches Mittel bei Gallenbeschwerden helfen, aber auch Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit lindern.
Avril Rodway schreibt: „in einem Kräuterbuch aus dem Jahre 1692 heißt es: Sirup aus den frischen grünen Blättern von Andorn und Zucker ist eine unübertreffliche Medizin gegen Husten und Lungenpfeifen“. Außerdem wurde es als Mittel gegen Würmer und Vergiftungen geschätzt. Als Abführmittel ist es ebenfalls wirksam.
Aufgrund seiner herausragenden historischen Bedeutung sowie der umfangreichen Dokumentation seiner Wirkungen wurde der Andorn von Wissenschaftlern der Universität Würzburg („Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“) zur „Arzneipflanze des Jahres 2018“ gewählt. Der Einsatz der krautigen Pflanze bei Katarrhen der Atemwege, insbesondere Bronchitis, sowie bei Verdauungsbeschwerden ist bereits seit über 2000 Jahren dokumentiert.<ref name="AdJ2018" /> Heute wird Andornkraut in Deutschland zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen angewendet. Als Fertigarzneimittel stehen ein Extrakt in Form von Bronchialtropfen und Frischpflanzenpresssäfte zur Verfügung. Andorn wirkt schleimlösend<ref>Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: Community herbal monograph and assessment report on Marrubium vulgare L., herba. European Medicines Agency (EMA) 604273/2012 (2012)</ref> bei festsitzendem Schleim, antientzündlich<ref>Yousefi, K. et al.: Marrubium vulgare L. methanolic extract inhibits inflammatory response and prevents cardiomyocyte fibrosis in isoproterenol-induced acute myocardial infarction in rats. In: BioImpacts: BI 4.1 (2014)</ref><ref>Kanyonga, PM. et al.: Assessment of methanolic extract of Marrubium vulgare for antiinflammatory, analgesic and anti-microbiologic activities. In: J Chem Pharm Res 3 (1): 199-204 (2011)</ref> und krampflösend.<ref>Jorge, VG. et al.: Vasorelaxant effect of ethanolic extracts from M. vulgare: Mexican medicinal plant as potential source for bioactive molecules isolation. In: Indo Global Journal of Pharmaceutical Sciences (2013)</ref><ref>Schlemper, V. et al.: Antispasmodic effects of hydroalcoolic extract of Marrubium vulgare on isolated tissues. In: Phytomedicine. Band 3, Nr. 2, 1996, S. 211–216.</ref>
Siehe auch
Literatur
- J. Cullen: Marrubium L. In:
- Mannfried Pahlow: Das Große Buch der Heilkräuter. Bechtermünz, Augsburg 2002, ISBN 3-8289-1839-5.
- Jürke Grau, Reinhard Jung, Bertram Münker: Beeren, Wildgemüse, Heilkräuter (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10696-0.
- Hans-Dieter Stoffler: Der Hortulus des Walafrid Strabo. Aus dem Kräutergarten des Klosters Reichenau. Thorbecke, Stuttgart 2000, ISBN 3-7995-3506-3.
- Walter Wurzer: Die große Enzyklopädie der Heilpflanzen. Ihre Anwendung und Ihre natürliche Heilkraft. Kaiser, Klagenfurt 1994, ISBN 3-7043-9002-X.
- Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.
- Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4.
- Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
Weblinks
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Gewöhnlicher Andorn. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Andorn Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Vielseitige Informationen zur Art.
- Gerhard Madaus: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gewöhnlicher Andorn im Madaus ( vom 7. Oktober 2007 im Internet Archive)
- Andorn | Apotheken Umschau
Einzelnachweise
<references> <ref name="FloraBW">Andreas Kleinsteuber: Lamiaceae, Labiatae. In: </ref> <ref name="Hegi"></ref> <ref name="Oberdorfer"></ref> <ref name="FloraBase">Amanda Spooner: Marrubium vulgare. In: florabase.dbca.wa.gov.au. Abgerufen am 31. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 583 (Digitalisat).</ref> <ref name="Meyers">Marrubium. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 13, Leipzig 1908, S. 346.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="InfoFlora"> Marrubium vulgare L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
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