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Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan

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colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Kirchgasse 10
Der Winzerhof mit der Adresse Kirchgasse 10 ist seit 1783 der Stammsitz des Weinguts

Der Winzerhof mit der Adresse Kirchgasse 10 ist seit 1783 der Stammsitz des Weinguts

colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten
Ort Deidesheim
Bauherr Peter Jordan
Baustil Spätbarock
Baujahr Ehemaliges Wohnhaus: 1783
Nebengebäude: 18. und 19. Jahrhundert
Koordinaten 49° 24′ 29″ N, 8° 11′ 8,4″ OKoordinaten: 49° 24′ 29″ N, 8° 11′ 8,4″ O
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Kirchgasse 10 (Rheinland-Pfalz)
Kirchgasse 10 (Rheinland-Pfalz)

Das Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan ist im rheinland-pfälzischen Deidesheim im deutschen Weinbaugebiet Pfalz ansässig. Es produziert vorwiegend Rieslingweine auf einer Rebfläche von rund 50 ha<ref name="bj-weinlagen">Die Weinbergslage. Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. November 2016; abgerufen am 20. November 2016.</ref> und ist seit 1910 Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).

Geschichte

Datei:Ketschauer Hof 1876 Nicolaus Berkhout.jpg
Der Ketschauer Hof 1876, Bild von Nicolaus Berkhout.
Datei:Deidesheim Weingut Bassermann-Jordan 1893-08-06.jpg
Weingut 1893

Entwicklung bis Mitte des 19. Jahrhunderts

Der 1708<ref name="NDB-LAJordan">Wolfgang Klötzer: Jordan, Ludwig Andreas. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> aus Cluses in Savoyen in das Hochstift Speyer eingewanderte Peter Jordan<ref>Kermann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung …, S. 230.</ref> gründete 1718 das Weingut, das 1783 nach Deidesheim umzog.<ref name="bj-history">Meilensteine. Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. November 2016; abgerufen am 20. November 2016.</ref> Nachdem Deidesheim 1793/94 durch französische Truppen massive Zerstörungen erlitten hatte und seine Eltern kurz darauf starben, übernahm der 20-jährige Andreas Jordan (1775–1848) das Weingut. Er führte als erster Winzer in der heutigen Pfalz den Qualitätsweinbau in seinem Weingut ein,<ref name="Kermann231">Kermann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung …, S. 231.</ref> dazu gehörten das Abwarten des richtigen Zeitpunkts bei der Weinlese bis zur Edelfäule, das konsequente Unterscheiden der Rebsorten bei der Verarbeitung im Keller sowie die Bevorzugung von edlen Rebsorten wie Traminer und Riesling.

Im Weinberg wurden Mauern gegen Nordwinde errichtet und Nordhänge aufwendig zu Südhängen umgestaltet.<ref>Heinz Schmitt: Geißbock, Wein und Staatsbesuche – Deidesheim in den letzten 150 Jahren. Landau 2008, ISBN 3-922580-82-3, Gutsbesitzer und Winzer, S. 35.</ref> Außerdem benutzte Jordan 1802 als Erster in der Pfalz den Namen der Weinlage „Deidesheimer Geheu“ neben dem Jahrgang zur Kennzeichnung eines seiner Weine.<ref>Fritz Schumann: Weingeschichte. In: Kurt Andermann, Berthold Schnabel (Hrsg.): Deidesheim – Beiträge zu Geschichte und Kultur einer Stadt im Weinland. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-0418-4, S. 312.</ref> Jordan konnte auf diese Weise höhere Preise für seine Weine erzielen als andere Winzer, und es gelang ihm, durch stete Zukäufe sein Weingut beträchtlich zu vergrößern; besonders in Krisenjahren, als andere Winzer zu niedrigen Preisen Besitz abgeben mussten, konnte Jordan hinzukaufen.<ref name="Kermann231" />

1815 erwarb Jordan den Ketschauer Hof in Deidesheim mitsamt einigen guten Weinlagen,<ref name="bj-history" /> die sich im Besitz von Damian Hugo Philipp von Lehrbach befunden hatten, dem bis dahin größten Weingutsbesitzer Deidesheims.<ref name="Kermann231" /> Viele alte Weinjahrgänge, darunter solche, die noch unter Andreas Jordan produziert wurden, wie der Kometenweinjahrgang 1811, sind noch immer in den bassermann-jordanschen Weinkellern gelagert.<ref name="bj-history" />

Erbteilung

Nach dem Tod Andreas Jordans wurde sein Besitz unter seinen Kindern aufgeteilt: Es blieb das Weingut Jordan, das von seinem Sohn Ludwig Andreas Jordan (1811–1883) mit Sitz in der Kirchgasse weitergeführt wurde; es besaß damals rund 62 Morgen Weinbergsfläche. Durch das Erbe, das an Andreas Jordans Töchter Josefine und Auguste fiel, entstanden die Weingüter F. P. Buhl und Deinhard.<ref>Kermann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung …, S. 233.</ref> Unter der Leitung Ludwig Andreas Jordans war das Weingut ein Treffpunkt für zahlreiche liberale und nationalliberale Politiker Deutschlands.<ref name="NDB-LAJordan" />

Jordan nutzte Messen und Ausstellungen, um die Bekanntheit seiner Weine zu steigern und sie besser vermarkten zu können; bei der Ersten Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung in München errang das Weingut die Große Denkmünze, weil seine Weine die anderen pfälzischen qualitätsmäßig übertroffen hätten. Auch bei der Weltausstellung 1867 in Paris, der Weltausstellung 1873 in Wien, der Weltausstellung 1876 in Philadelphia und der Weltausstellung 1880 in Melbourne wurden die jordanschen Weine mit Medaillen geehrt.<ref name="Institut-fuer-Landesgeschichte">Henning Türk: Weingut Bassermann-Jordan. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V., abgerufen am 22. Februar 2017.</ref>

Da Ludwig Andreas Jordan Töchter, aber keinen männlichen Erben hatte, wünschte er sich, dass der Name Jordan weiterhin bestehen bleibe. Sein Schwiegersohn Emil Bassermann (1835–1915), der mit Jordans ältester Tochter Auguste verheiratet war, vereinigte nach dem Tod Jordans 1883 mit Genehmigung des bayerischen Königs Ludwig II. die beiden Namen Bassermann und Jordan; seitdem heißt das Weingut nach dem neuen Besitzer „Bassermann-Jordan“.<ref name="Kermann239">Kermann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung …, S. 239.</ref>

Seit Ende des 19. Jahrhunderts

Nach dem Tod von Ludwig Andreas Jordan wurde das Weingut zunächst von Emil Bassermann-Jordan geführt, später zog er sich zurück und überließ das Geschäft seinen beiden ältesten Söhnen Ludwig Bassermann-Jordan (1869–1914) und Friedrich von Bassermann-Jordan (1872–1959).<ref name="Kermann239" /> Der erste prägte das deutsche Weingesetz von 1909 entscheidend mit. Beide Brüder waren maßgeblich an der Bildung des Winzerzusammenschlusses „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“<ref>Kermann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung …, S. 240.</ref> und des 1910 gegründeten, deutschlandweiten Pendants „Verband Deutscher Naturweinversteigerer e. V.“ (heute Verband Deutscher Prädikatsweingüter) beteiligt.<ref>Die Geschichte des Bundesverbands. VDP.Die Prädikatsweingüter, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2017; abgerufen am 20. November 2016.</ref> Das bassermann-jordansche Weingut gehört als Gründungsmitglied dem VDP noch heute an.<ref name="vdp-steckbrief">Steckbrief Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan – VDP. VDP.Die Prädikatsweingüter, abgerufen am 16. Februar 2021.</ref>

Nach dem Tod von Ludwig Bassermann-Jordan führte Friedrich Bassermann-Jordan das Weingut allein weiter. 1917 wurde er in den Adelsstand erhoben. Nach seinem Tod 1959 übernahm sein Sohn Ludwig von Bassermann-Jordan (1924–1995) die Leitung des Weinguts, danach dessen Ehefrau Margrit von Bassermann-Jordan bis 2002. In diesem Jahr veräußerte die Eigentümerfamilie das Weingut an den Neustadter Unternehmer Achim Niederberger (1957–2013), zu dessen Unternehmensgruppe es seitdem gehört.<ref name="bj-history" /> Niederberger ließ den Ketschauer Hof zu einem Hotel- und Restaurantkomplex ausbauen und gründete eine GmbH zu dessen Betrieb; seitdem – seit 2006 – wird ein Großteil des Kellerei­betriebs im benachbarten Niederkirchen bei Deidesheim verrichtet, wo nach der Fusion der dortigen Winzergenossenschaft mit derjenigen von Ilbesheim Räumlichkeiten frei wurden.<ref name="Rheinpfalz">Noch „Komentenwein“ von 1811 im Keller. In: Die Rheinpfalz, Mittelhaardter Rundschau. Nr. 114, 18. Mai 2018.</ref>

Nach dem Tod von Achim Niederberger wurde seine Frau Jana Seeger Inhaberin des Weinguts.<ref name="vdp-steckbrief" />

Weinlagen und Rebsorten

Datei:Etikett WBJ 1909.jpg
Etikett des Weinguts für eine Riesling-Auslese aus der Lage Jesuitengarten (um 1910)

Die Weinbergslagen befinden sich an der Mittelhaardt zwischen Königsbach an der Weinstraße und Forst an der Weinstraße. Zu den Lagen zählen: Ölberg (Königsbach an der Weinstraße), Reiterpfad, Hoheburg, Nußbien, Spieß (alle Ruppertsberg), Paradiesgarten, Leinhöhle, Kieselberg, Hohenmorgen, Grainhübel, Langenmorgen, Kalkofen, Herrgottsacker, Mäushöhle (alle Deidesheim), sowie Ungeheuer, Freundstück, Kirchenstück, Jesuitengarten, Pechstein, Musenhang und Stift (alle Forst).<ref name="bj-weinlagen" />

Das Weingut bestockt seine Weinberge zu 85 % mit Riesling, den Rest mit den Rebsorten Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Scheurebe, Gewürztraminer, Muskateller, Spätburgunder, Sauvignon Blanc und Merlot.<ref name="vdp-steckbrief" />

Das Gut

Datei:Deidesheim Kirchgasse 10 Hochkellerhaus.jpg
Hochkellerhaus Kirchgasse 10

Der Sitz des Weinguts mit der Adresse Kirchgasse 10 ist im historischen Stadtkern Deidesheims gelegen und nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz als Kulturdenkmal eingestuft.<ref>Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Vorlage:KulturdenkmälerRP/Bad Dürkheim</ref>

Es ist ein spätbarocker Winzerhof, dessen Gebäude zwischen der Pfarrgasse, der Weingasse und der Kirchgasse angesiedelt sind. Direkt an der Weingasse liegt ein spätbarocker Putzbau, ein langes Hochkellerhaus aus dem Jahr 1783 – ein Gebäude, das in dieser Ausdehnung selten zu finden ist. Früher war es Wohnhaus. Der Schlussstein aus dem Jahr 1783 trägt die Initialen von Peter und Apollonia Jordan, den Eltern von Andreas Jordan. Westlich des Gebäudes ist ein Hof, um den herum weitere Gebäude aus dem späten 18. Jahrhundert bzw. frühen 19. Jahrhundert gruppiert sind, die früher als Wohnhaus, Schuppen, Kelter und Scheuer gedient hatten, später aber baulich verändert wurden.<ref name="Denkmaltopografie">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783884621196 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

Literatur

  • Henning Türk: Ludwig Andreas Jordan und das Pfälzer Weinbürgertum. Bürgerliche Lebenswelt und liberale Politik im 19. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-36851-0.
  • Joachim Kermann: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung 1816 bis 1914. In: Kurt Andermann, Berthold Schnabel (Hrsg.): Deidesheim – Beiträge zu Geschichte und Kultur einer Stadt im Weinland. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-0418-4.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />