Zum Inhalt springen

Was willst du dich betrüben, BWV 107

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bachkantate
Was willst du dich betrüben
BWV: 107
Anlass: 7. Sonntag nach Trinitatis
Entstehungsjahr: 1724
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: S T B
Chor: SATB
Instrumente: Cc 2Ft 2Oa 2Vl Va Bc
Text
Johann Heermann
Liste der Bachkantaten
Datei:Johann Heermann2.jpg
Johann Heermann (1585–1647)

Was willst du dich betrüben (BWV 107) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate in Leipzig für den 7. Sonntag nach Trinitatis als siebte Kantate in seinem zweiten Kantatenzyklus und führte sie am 23. Juli 1724 erstmals auf. Die Kantate beruht auf dem Choral von Johann Heermann Was willst du dich betrüben (1630), dessen sieben Strophen Bach ausnahmsweise unverändert vertonte.

Geschichte und Worte

Bach komponierte die Kantate in Leipzig für den 7. Sonntag nach Trinitatis. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Vorlage:Bibel/Link, „Der Tod ist der Sünde Sold, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben“, und Vorlage:Bibel/Link, die Speisung der 4000. Das Thema Gottvertrauen in der Not ist auch Thema des Chorals von Johann Heermann Was willst du dich betrüben (1630), dessen sieben Strophen Vertrauen auf Gott angesichts der Feinde, bis hin zum Teufel, behandelt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Was willst du dich betrüben / Text and Translation of Chorale.] bach-cantatas.com, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2011 (englisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Bach vertonte den Choral per omnes versus, alle Strophen unverändert. Allerdings komponierte er die mittleren Strophen als ein Rezitativ und vier aufeinanderfolgende Arien. Die Vertonung des unveränderten Choraltextes galt zu Bachs Zeit bereits als altmodisch, er hatte sie zuvor (1707?) in Christ lag in Todes Banden, BWV 4, eingesetzt, später zum Beispiel 1726 in Gelobet sei der Herr, mein Gott, BWV 129, doch nur dies eine Mal in seinem zweiten Kantatenzyklus. John Eliot Gardiner vermutet, dass sich Bach damit eine Beschränkung auferlegte, wie er es in den ersten vier Kantaten des Zyklus getan hatte, in denen der cantus firmus die vier Stimmlagen durchläuft, so dass in der vierten Kantate Ach Herr, mich armen Sünder der Bass ihn übernimmt.<ref name="Gardiner">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig For the Seventh Sunday after Trinity / St Mary’s, Haddington.] solideogloria.co.uk, , S. 13, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2011 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.solideogloria.co.ukVorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Der Choral stammt aus einer Sammlung, die Heermann 1630 unter dem Titel Devoti musica cordis veröffentlichte und die auch Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen enthielt. Die Lieder waren die ersten, die die Empfehlungen von Martin Opitz für Dichtkunst in deutscher Sprache auf religiöse Themen anwandten.<ref name="ccel">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Johann Heermann.] ccel.org, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Besetzung und Aufbau

Die Kantate ist reich mit Bläsern besetzt, zu drei Solisten, Sopran, Tenor und Bass und vierstimmigem Chor treten corno da caccia, zwei flauto traverso, zwei Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

  1. Coro: Was willst du dich betrüben
  2. Recitativo (Bass): Denn Gott verlässet keinen
  3. Aria (Bass): Auf ihn magst du es wagen
  4. Aria (Tenor): Wenn auch gleich aus der Höllen
  5. Aria (Sopran): Er richts zu seinen Ehren
  6. Aria (Tenor): Drum ich mich ihm ergebe
  7. Chorale: Herr, gib, daß ich dein Ehre

Musik

Der Eingangschor ist eine Choralphantasie, in der der Vokalsatz in ein unabhängiges Concerto des Orchesters eingebettet ist. Der cantus firmus der Melodie Von Gott will ich nicht lassen<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Chorale Melodies used in Bach's Vocal Works / Von Gott will ich nicht lassen.] bach-cantatas.com, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. August 2011 (englisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> liegt im Sopran und ist reich verziert, die Unterstimmen sind überwiegend homophon gesetzt. Die Zeilen des Chorals erscheinen nicht getrennt, lediglich Zeile 5, der Beginn des Abgesangs der Barform, steht für sich. Die Zeilen 1 und 2 sind verbunden, ebenso 3 und 4 sowie 6 bis 8.

Das einzige Rezitativ wird von den oboi d'amore begleitet. Das Wort Freuden ist durch ein ausgedehntes Melisma hervorgehoben, ebenso das Wort retten der letzten Zeile, die als Arioso gestaltet ist. Es folgen vier Arien, die keine Da-capo-Arien sind, sondern der Dichtung entsprechend zweiteilig angelegt sind. Bach gestaltet sie unterschiedlich durch verschiedene Stimmlagen, Tonarten, die zwischen Moll und Dur wechseln, Tempi und Affekte, und verschleiert teilweise die Barform.<ref name="Gardiner" />

Die erste Arie für Bass und Streicher schildert eine Jagdszene. Bach spielt mit der Doppelbedeutung des Wortes erjagen, das er wörtlich nimmt bis hin zu einem Jagdsignal mit Triller in der Singstimme. Die zweite Arie für Tenor und continuo beginnt mit starken Worten über den Satan als Feind: „Wenn auch gleich aus der Höllen / der Satan wollte sich / dir selbst entgegenstellen / und toben wider dich“. Der Rhythmus wechselt zwischen 6/8 und 3/4 von einem Takt zum andern, unregelmäßig und unvorhersehbar. Die außergewöhnlich bizarre Basslinie, bezeichnet 'organo e continuo', wurde von Albert Schweitzer mit den Konturen eines riesigen Drachen verglichen.<ref name="Gardiner" />

Die dritte Aria für Sopran und die beiden Oboen beginnt mit einer ausgezierten Version der Choralmelodie. Ihre letzte Zeile zitiert die Melodie unverändert auf die Worte „was Gott will, das geschicht“. Die vierte Arie ist ungewöhnlich besetzt, den Tenor begleiten die Flöten unisono und gedämpfte Violinen.<ref name="Gardiner" />

Der Schlusschoral ist vierstimmig, doch eingebettet in einen reichen Orchestersatz mit Siciliano-Charakter. Die Choralzeilen sind gruppiert wie in der ersten Strophe, die hervorgehobene Zeile 5 lautet hier „O Vater, Sohn und Geist“.

Einspielungen

LP / CD
DVD
  • „Was willst du dich betrüben“. Kantate BWV 107. Rudolf Lutz, Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung, Julia Doyle, Makoto Sakurada, Wolf Matthias Friedrich. Samt Einführungsworkshop sowie Reflexion von Ernst Pöppel. Gallus Media, 2013.

Literatur

  • Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Kantaten. Bärenreiter, Kassel 1999, ISBN 3-7618-1476-3.
  • Werner Neumann: Handbuch der Kantaten J.S.Bachs. 1947, 5. Aufl. 1984, ISBN 3-7651-0054-4.
  • Hans-Joachim Schulze: Die Bach-Kantaten: Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Leipzig: Evangelische Verlags-Anstalt; Stuttgart: Carus-Verlag 2006 (Edition Bach-Archiv Leipzig) ISBN 3-374-02390-8 (Evang. Verl.-Anst.), ISBN 3-89948-073-2 (Carus-Verl.).
  • Christoph Wolff, Ton Koopman: Die Welt der Bach-Kantaten. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2006, ISBN 978-3-476-02127-4.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

Geistliche Kantaten

12345678910121314161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525455565758596061626364656667686969a70/70a7172737475767778798080a81828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130131132133134135136137138139140143144145146147/147a148149150151152153154155156157158159161162163164165166167168169170171172173174175176177178179180181182183184185186187188190191192193194195196197199244a

Weltliche Kantaten

30a34a36a36b36c134a173a198201202203204205206207207a208209210210a211212213214215216a249a

Nicht erhaltene Kantaten

Anh. 1Anh. 2Anh. 3Anh. 4Anh. 4aAnh. 5Anh. 6Anh. 7Anh. 8Anh. 9Anh. 10Anh. 11Anh. 12Anh. 13Anh. 14Anh. 15Anh. 16Anh. 17Anh. 18Anh. 19

Passionen

Matthäus-Passion (BWV 244)Johannes-Passion (BWV 245)Markus-Passion (BWV 247)

Oratorien

Himmelfahrtsoratorium (BWV 11)Weihnachtsoratorium (BWV 248)Oster-Oratorium (BWV 249)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein