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Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bachkantate
Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt
BWV: 18
Anlass: Sexagesimae
Entstehungsjahr: 1713?
Entstehungsort: Weimar
Solo: S T B
Chor: SATB
Instrumente: 4Va Vc Fg Bc, 1724 + 2Fl
Text
Erdmann Neumeister, Lazarus Spengler
Liste der Bachkantaten

Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt (BWV 18) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Weimar für Sexagesimae, wahrscheinlich bereits 1713.

Geschichte und Worte

Bach arbeitete ab 1708 für den Weimarer Hof. Am 2. März 1714 wurde er zum Konzertmeister ernannt. In dieser Position hatte er unter anderem die Aufgabe, einmal im Monat eine Kirchenkantate zu komponieren, die in der Schloßkirche aufgeführt wurde. Bach schrieb diese Kantate für den Sonntag Sexagesimae, den vorletzten Sonntag vor der Passionszeit. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Vorlage:Bibel/LinkVorlage:Bibel/Link und Vorlage:Bibel/Link, das Gleichnis vom Sämann.<ref name="dürr" />

Bach vertonte einen Text von Erdmann Neumeister, den dieser für den Hof in Eisenach geschrieben und in Gotha 1711 in der Sammlung Geistliches Singen und Spielen veröffentlicht hatte.<ref name="wolff" /> Georg Philipp Telemann hatte ihn bereits zuvor vertont.<ref name="dürr" /> Der Text zitiert zunächst Jesaja (Vorlage:Bibel/Link), der die Wirkung von Gottes Wort durch einen Vergleich mit Regen und Schnee veranschaulicht, mit Bezug zum Evangelium.<ref name="hofmann" /> Im folgenden Satz fügt der Dichter eine Warnung vor den Gefahren, die Gottes Wort bedrohen, abschnittsweise Bitten aus der Litanei Martin Luthers ein. Der Schlusschoral ist die achte Strophe von Lazarus Spenglers Kirchenlied „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“ (1524).<ref name="dürr" /><ref name="choralet" /><ref name="choralem" />

Die Kantate ist ein frühes Werk Bachs. Alfred Dürr datiert sie auf spätestens den 24. Februar 1715, wahrscheinlicher ein oder zwei Jahre früher.<ref name="dürr" /> Christoph Wolff stellt dagegen fest: „Die originalen Aufführungsstimmen haben sich erhalten und erlauben eine Datierung auf das Jahr 1713“.<ref name="wolff" /> Bach führte die Kantate erneut in Leipzig 1724 auf, mit erweitertem Instrumentarium und in einer anderen Tonart.<ref name="dürr" /> Das Werk wurde dann wahrscheinlich zusammen mit der neu komponierten Kantate Leichtgesinnte Flattergeister aufgeführt.<ref name="mincham" />

Besetzung und Aufbau

Wie andere Kantaten aus der Weimarer Zeit ist das Werk für ein kleines Ensemble gesetzt, drei Solisten, Sopran, Tenor und Bass, vierstimmigen Chor, vier Violen und Basso continuo mit Violoncello und Fagott. In einer Leipziger Fassung von 1724 oktavieren zwei Blockflöten die beiden höchsten Viola-Stimmen.<ref name="dürr" /> John Eliot Gardiner vergleicht ihren Einsatz mit dem eines Orgel-Vierfußregisters.<ref name="gardiner" /> Die Kantate beginnt in der Weimarer Fassung in g-Moll, in der Leipziger Fassung in a-Moll.

Die Kantate, die mit einer Sinfonia beginnt, enthält fünf Sätze.<ref name="dürr" />

  1. Sinfonia
  2. Recitativo (Bass): Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt
  3. Recitativo e chorale (Litanei) (Tenor, Bass, Chor): Mein Gott, hier wird mein Herze sein – Du wollest deinen Geist und Kraft
  4. Aria (Sopran): Mein Seelenschatz ist Gottes Wort
  5. Choral: Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund

Musik

Die Tonarten in diesem Abschnitt sind die der Weimarer Fassung, während die Aufnahme von Masaaki Suzuki, die von Klaus Hofmann kommentiert wird, die Leipziger Tonarten benutzt. Hofmann bemerkt den lutherischen Charakter des Werkes, das eine Litanei Luthers im dritten Satz zitiert, und bezeichnet es als „Rezitativetüde“, die das Secco-Rezitativ der italienischen Oper, das Neumeister in Kirchenkantaten einführte, ebenso verwendet wie ein reich instrumentiertes Accompagnato.<ref name="hofmann" />

Die Kantate beginnt mit einer Sinfonia in g-Moll, die fallenden Regen und Schnee durch fallende Phrasen veranschaulicht. Sie ist in Da-capo-Form und erinnert sowohl an eine Chaconne als auch ein Concerto. Die vier Bratschen und das Continuo mit Fagott und Cello sorgen für ein ungewöhnliches Klangbild.<ref name="hofmann" />

Das Zitat von Jesaja wird vom Bass, der Vox Christi (Stimme Christi), gesungen als Secco-Rezitativ.<ref name="dürr" /> Es ist Bachs erste Verwendung eines Rezitativs in einer Kirchenkantate.<ref name="gardiner" />

Der zentrale Satz ist in Bachs Kantaten einzigartig: Der Chor-Sopran unterbricht viermal das Rezitativ der männlichen Solisten durch eine Bitte, die vom Chor durch den Ruf „Erhör uns, lieber Herre Gott!“ verstärkt wird.<ref name="dürr" /> Das Rezitativ ist Adagio bezeichnet und steht in Es-Dur, während die eingeschobene Litanei dramatisch erscheint, Allegro in c-Moll.<ref name="hofmann" />

Die einzige Arie, in Es-Dur, wird von den vier Bratschen unisono begleitet. Die Kantate schließt mit einem schlichten vierstimmigen Satz von Spenglers Lied,<ref name="choralem" /> dem ersten von Bachs zahlreichen Choralsätzen als Abschluss von Kirchenkantaten.<ref name="gardiner" />

Einspielungen

LP / CD

DVD

  • J. S. Bach: Kantate BWV 18 „Gleich wie der Regen“. Rudolf Lutz, Schola Seconda Pratica, Nuria Rial, Makoto Sakurada, Dominik Wörner. Samt Einführungsworkshop sowie Reflexion von Hans Jecklin. Gallus Media, 2009.

Literatur

  • Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Kantaten. Bärenreiter, Kassel 1999, ISBN 3-7618-1476-3 / Deutscher Taschenbuchverlag 1995, ISBN 3-423-04431-4.
  • Werner Neumann: Handbuch der Kantaten J. S. Bachs. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1947. 5. Auflage. 1984, ISBN 3-7651-0054-4.
  • Hans-Joachim Schulze: Die Bach-Kantaten: Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig, ISBN 3-374-02390-8; Carus-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-89948-073-2 (Edition Bach-Archiv Leipzig)
  • Christoph Wolff, Ton Koopman: Die Welt der Bach-Kantaten. J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2006, ISBN 3-476-02127-0.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="dürr"> Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. 4. Auflage. Band 1. Deutscher Taschenbuchverlag, 1981, ISBN 3-423-04080-7, S. 209–211. </ref> <ref name="wolff"> Christoph Wolff: „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt“ BWV 18. (PDF) Bach Cantatas Website, 1997, S. 15 (englisch). </ref> <ref name="hofmann"> Klaus Hofmann: BWV 18: Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt. (PDF; 4000 kB) Bach Cantatas Website, 2005, S. 11–12 (englisch). </ref> <ref name="gardiner"> John Eliot Gardiner: Cantatas for Sexagesima / Southwell Minster. (PDF; 120 kB) Bach Cantatas Website, 2009, S. 8–11 (englisch). </ref> <ref name="mincham"> Julian Mincham: Chapter 43: BWV 18 „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt“. In: jsbachcantatas.com. 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Dezember 2013; abgerufen am 23. Januar 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsbachcantatas.com </ref> <ref name="choralet"> Durch Adams Fall ist ganz verderbt. Bach Cantatas Website, Texte und Übersetzungen, 2005 (englisch). </ref> <ref name="choralem"> Durch Adams Fall ist ganz verderbt. Bach Cantatas Website, Chorale Melodies used in Bach’s Vocal Works, 2005 (englisch). </ref> </references>

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Geistliche Kantaten

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Weltliche Kantaten

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Nicht erhaltene Kantaten

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Passionen

Matthäus-Passion (BWV 244)Johannes-Passion (BWV 245)Markus-Passion (BWV 247)

Oratorien

Himmelfahrtsoratorium (BWV 11)Weihnachtsoratorium (BWV 248)Oster-Oratorium (BWV 249)

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