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Du sollt Gott, deinen Herren, lieben

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bachkantate
Du sollt Gott, deinen Herren, lieben
BWV: 77
Anlass: 13. Sonntag nach Trinitatis
Entstehungsjahr: 1723
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: S A T B
Chor: SATB
Instrumente: Tt 2Ob 2Vl Va Bc
Text
Johann Oswald Knauer
Liste der Bachkantaten

Du sollt Gott, deinen Herren, lieben (BWV 77) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1723 in Leipzig für den 13. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 22. August 1723 erstmals auf.

Geschichte und Worte

Bach komponierte die Kantate 1723 in seinem ersten Amtsjahr in Leipzig für den 13. Sonntag nach Trinitatis.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Vorlage:Bibel/Link, Paulus über „Gesetz und Verheißung“, und Vorlage:Bibel/Link, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Laut Christoph Wolff stammt der Kantatentext von Johann Oswald Knauer und erschien in Gotha 1720 in „Gott-geheiligtes Singen und Spielen“.<ref name="Wolff">Christoph Wolff: On the first annual cycle of Bach’s Cantatas for the Leipzig liturgy (1723–1724). (PDF; 10700 kB) Bach Cantatas Website, 2008, S. 16 (englisch).</ref> Der Text lehnt sich eng an das Evangelium an, insbesondere an die Vorgeschichte der Erzählung vom Barmherzigen Samariter. Die Frage des Schriftgelehrten, was er tun müsse, um das Himmelreich zu erlangen, soll er selbst beantworten: das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben. Dieses Doppelgebot der Liebe ist der Text des ersten Satzes. Dementsprechend ist der folgende Text in zwei Teile aufgeteilt, ein Rezitativ und Arie behandeln die Liebe zu Gott, ein symmetrisches Paar die Liebe zum Nächsten. Der Text des Schlusschorals ist nicht überliefert. Karl Friedrich Zelter schlug die achte Strophe von David Denickes Choral Wenn einer alle Ding verstünd (1657) vor.<ref name="text1">Wenn einer alle Ding verstünd / Text and Translation of Chorale. Bach Cantatas Website, Texte und Übersetzungen (englisch).</ref> Werner Neumann schlug die achte Strophe von Denickes O Gottes Sohn, Herr Jesu Christ (1657) vor, „Herr, durch den Glauben wohn in mir“.<ref name="text2">O Gottes Sohn, Herr Jesu Christ. Bach Cantatas Website, Texte und Übersetzungen (englisch).</ref>

Besetzung und Aufbau

Die Kantate ist besetzt mit vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, tromba da tirarsi (Barocktrompete), zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

  1. Coro: Du sollt Gott, deinen Herren, lieben
  2. Recitativo (Bass): So muss es sein!
  3. Aria (Sopran): Mein Gott, ich liebe dich von Herzen
  4. Recitativo (Tenor): Gib mir dabei, mein Gott! ein Samariterherz
  5. Aria (Alt): Ach, es bleibt in meiner Liebe
  6. Chorale: Herr, durch den Glauben wohn in mir<ref name="UAlberta_CS_Bischof_BWV77">Walter F. Bischof: Du sollt Gott, deinen Herren, lieben. University of Alberta, abgerufen am 29. März 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Musik

Der Eingangschor enthält Bachs Deutung des entscheidenden Gebotes, an dem gemäß der Parallelstelle Vorlage:Bibel/Link das ganze Gesetz und die Propheten hängen.<ref name="Gardiner">Cantatas for the Thirteenth Sunday after Trinity / Dreikönigskirche, Frankfurt. (PDF; 127 kB) Bach Cantatas Website, 2007, S. 10 (englisch).</ref> Bach hatte den Dualismus der Liebe zu Gott und der brüderlichen Liebe bereits in seiner umfangreichen Kantate in 14 Sätzen Die Himmel erzählen die Ehre Gottes zu Beginn seines ersten Kantatenzyklus behandelt. Um die Universalität des Gesetzes zu zeigen, führt er Luthers Choral Dies sind die heilgen zehn Gebot ein, der die Gebote des Alten Testaments anspricht, und strukturiert durch ihn den Satz.<ref name="Wolff" /><ref name="Gardiner" /> Die Choralmelodie wird im Kanon gespielt, der strengsten musikalischen Form. Der Kanon wird gespielt von der Trompete, also in höchster Lage, und dem continuo in tiefster Lage. Zudem spielt die Trompete im Unterquartkanon doppelt so schnell wie der Bass, daher kann sie einzelne Zeilen und schließlich die gesamte Melodie wiederholen und kommt dabei auf symbolische zehn Einsätze. Die Singstimmen, die das Gesetz des Neuen Testaments vertreten, bewegen sich in Imitation über ein Thema, das von der Choralmelodie abgeleitet ist und zuerst von den Instrumenten vorgestellt wird.

Ein kurzes secco Rezitativ führt zu einer Arie, die von zwei obligaten Oboen in häufigen Terzparallelen begleitet wird. Der Gebetscharakter des zweiten Rezitativs wird von Streichern unterstrichen. In der letzten Arie in Form einer Sarabande stellt Bach die im Text erwähnte Unvollkommenheit dar, indem er eine obligate Trompete schwierige Intervalle und heikle Töne spielen lässt, die auf der Barocktrompete nur unvollkommen wiedergegeben werden können, während er im Mittelteil, so John Eliot Gardiner, in einem langen Trompetensolo von großer Schönheit einen Blick in die göttliche Welt ermöglicht.<ref name="Gardiner" />

Der Schlusschoral ist ein vierstimmiger Satz auf die Melodie von Luthers Ach Gott, vom Himmel sieh darein (1524).

Einspielungen

Literatur

  • Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Kantaten. Bärenreiter, Kassel 1999, ISBN 3-7618-1476-3
  • Werner Neumann: Handbuch der Kantaten J.S.Bachs, 1947. 5. Auflage: 1984, ISBN 3-7651-0054-4.
  • Hans-Joachim Schulze: Die Bach-Kantaten: Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02390-8; Carus-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-89948-073-2 (Edition Bach-Archiv Leipzig)
  • Christoph Wolff, Ton Koopman: Die Welt der Bach-Kantaten. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2006, ISBN 3-476-02127-0.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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Geistliche Kantaten

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Weltliche Kantaten

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Nicht erhaltene Kantaten

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Passionen

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