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Ich hab in Gottes Herz und Sinn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bachkantate
Ich hab in Gottes Herz und Sinn
BWV: 92
Anlass: Septuagesimae
Entstehungsjahr: 1725
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Choralkantate
Solo: S A T B
Chor: SATB
Instrumente: 2Oa 2Vl Va Bc
AD: ca. 30 min
Text
Paul Gerhardt, unbekannt
Liste der Bachkantaten

Ich hab in Gottes Herz und Sinn (BWV 92) ist eine Choralkantate von Johann Sebastian Bach aus seinem zweiten Leipziger Kantatenjahrgang. Die Kantate beruht auf Paul Gerhardts Kirchenlied von 1647 Ich hab in Gottes Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben. Bach führte sie am 28. Januar 1725 zum ersten Mal auf. Sie gehört mit ihren neun Sätzen sowohl in Text als auch Musik zu den umfangreicheren Kantaten Bachs.

Geschichte und Worte

Bach schrieb die Kantate in seinem zweiten Amtsjahr in Leipzig für den Sonntag Septuagesimae, den dritten Sonntag vor Aschermittwoch. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Vorlage:Bibel/LinkVorlage:Bibel/Link, „Wettlauf um den Sieg“, und Vorlage:Bibel/Link, das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Im Vorjahr hatte Bach für den Anlass Nimm, was dein ist, und gehe hin komponiert.

Die Kantate beruht auf Paul Gerhardts Kirchenlied in zwölf Strophen von 1647 Ich hab in Gottes Herz und Sinn,<ref name="choralet" /> das auf die Melodie von Was mein Gott will, das g’scheh allzeit gesungen wird.<ref name="choralem" /> Das Thema des Liedes ist Vertrauen auf Gott selbst in widrigen Umständen und Ergebung in seinen Willen.<ref name="hofmann" />

Während in vielen Choralkantaten nur die erste und die letzte Liedstrophe im Wortlaut beibehalten sind, übernahm ein unbekannter Librettist in dieser Kantate fünf Strophen wörtlich: Strophe 1 für Satz 1, Strophe 2 für Satz 2, Strophe 5 für Satz 4, Strophe 10 für Satz 7, und Strophe 12 für den letzten Satz 9. Er dichtete Ideen aus Strophe 4 für eine Arie als Satz 3 um, benutzte Anregungen aus den Strophen 6 und 8 für ein Rezitativ als Satz 5, verwendete Ideen aus Strophe 9 für Satz 6, und aus Strophe 11 für Satz 8. Er bereicherte in den Sätzen 2 und 7 den wörtlich zitierten Liedvers durch rezitativische Einschübe, ohne jedoch auf das Evangelium einzugehen.<ref name="dürr" /><ref name="wolff" />

Bach führte die Kantate am 28. Januar 1725 in Leipzig zum ersten Mal auf. Partitur und Stimmen dieser Aufführung sind erhalten.<ref name="wolff" />

Besetzung und Aufbau

Die Kantate ist besetzt mit vier Vokalsolisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, zwei Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

  1. Coro: Ich habe in Gottes Herz und Sinn
  2. Recitativo e chorale (Bass): Es kann mir fehlen nimmermehr!
  3. Aria (Tenor): Seht, seht! wie reißt, wie bricht, wie fällt
  4. Choral: Zudem ist Weisheit und Verstand
  5. Recitativo (Tenor): Wir wollen uns nicht länger zagen
  6. Aria (Bass): Das Brausen von den rauhen Winden
  7. Recitativo (Bass, Tenor, Alt, Sopran) e chorale (Chor): Ei nun, mein Gott, so fall ich dir – So spricht der Gott gelassne Geist
  8. Aria (Sopran): Meinem Hirten bleib ich treu
  9. Choral: Soll ich denn auch des Todes Weg

Musik

Klaus Hofmann bemerkt, dass die Wahl des Liedes ungewöhnlich ist, da es dieselbe Melodie hat wie die Grundlage der Kantate der Vorwoche, Was mein Gott will, das g’scheh allzeit, BWV 111.<ref name="hofmann" /> Im Eingangschor singt der Sopran die Melodie als Cantus firmus in langen Noten.<ref name="hofmann" /> Sie ist in ein Concerto des Orchesters eingebettet, in dem auch die Unterstimmen Motive der Instrumente übernehmen.<ref name="gardiner" /> Der Musikwissenschaftler Julian Mincham beschreibt die schimmernde, durchsichtige Schönheit des Satzes.<ref name="mincham" />

Es gelingt Bach, die fünf Sätze, die das Lied in Text und Melodie zitieren, völlig unterschiedlich zu gestalten. Im Bass-Rezitativ wechselt der Sänger zwischen Liedmelodie und freiem Rezitativ, das viele tonmalerische Elemente enthält. Zum Beispiel wird „mit grausem Knallen die Berge und die Hügel fallen“ dargestellt „in extrem beschleunigten Sequenzfiguren in die Tiefe – sehr ähnlich wie in der Johannes- und in der Matthäus-Passion bei der Schilderung des bei Jesu Tod zerreißenden Tempelvorhangs“.<ref name="hofmann" /> Die Tenor-Arie illustriert den dramatischen Text, „Seht, seht, wie reißt, wie bricht, wie fällt“, „nicht nur durch eine geradezu bizarre Melodiekontur der Singstimme, sondern auch durch einen rhythmisch diskontinuierlichen und von Pausen „zerrissenen“ Orchestersatz“.<ref name="hofmann" /> Die nächste Choralstrophe wird vom Alt gesungen zu einem unabhängigen Trio von Oboen und Continuo, der das Wort „traurig“ durch chromatische Wendungen hervorhebt.<ref name="hofmann" /> Die Botschaft, die in dieser Strophe vermittelt wird, ist „Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt, zu tun und auch zu lassen“.<ref name="gardiner" />

Die Bass-Arie beschreibt das Brausen und Stürmen der Winde, als Sinnbild für die Situation des Christen, durch „unablässige Bewegung“ in der Stimme und im Continuo.<ref name="hofmann" /> Im folgenden Choral wechseln noch einmal Lied und Rezitativ, doch diesmal wird das Lied vom vierstimmigen Chor gesungen, wobei die Zeilen jeweils in das Rezitativ der Solisten münden in der Folge Bass, Tenor, Alt und Sopran. Die letzte Zeile, „und ich kann bei gedämpften Saiten dem Friedensfürst ein neues Lied bereiten“ führt unmittelbar zur folgenden Sopran-Arie, die Bach durch Pizzicato der Streicher und fehlendes Continuo leicht gestaltet. Oboe d’amore und Sopran duettieren „anmutig-tänzerisch“, „voller Wärme und Innigkeit“.<ref name="hofmann" /> Die Kantate wird durch einen schlichten vierstimmigen Satz beschlossen.<ref name="hofmann" />

Einspielungen

LP/CD

DVD

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="dürr"> Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Band 1. Bärenreiter-Verlag, 1971, OCLC 523584, S. 204–207. </ref> <ref name="wolff"> Christoph Wolff: Zum Choralkantaten-Jahrgang (1724-25) der Leipziger Kirchenkantaten (III). (PDF) Bach Cantatas Website, 2000, S. 21 (englisch). </ref> <ref name="choralet"> Ich hab in Gottes Herz und Sinn. Bach Cantatas Website, Texte und Übersetzungen (englisch). </ref> <ref name="choralem"> Was mein Gott will, das g’scheh allzeit. Bach Cantatas Website, Chorale Melodies used in Bach’s Vocal Works (englisch). </ref> <ref name="hofmann"> Klaus Hofmann: Ich hab in Gottes Herz und Sinn, BWV 92. (PDF; 523 kB) Bach Cantatas Website, 2005, S. 13–14 (englisch). </ref> <ref name="gardiner"> John Eliot Gardiner: Cantatas for the Second Sunday after Trinity / Basilique Saint-Denis, Paris. (PDF; 120 kB) Bach Cantatas Website, 2009, S. 5–6 (englisch). </ref> <ref name="mincham"> Julian Mincham: Chapter 37 BWV 92 Ich hab in Gottes Herz und Sinn / I have, to God's heart and mind (surrendered myself). jsbachcantatas.com, 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juni 2012; abgerufen am 23. Januar 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsbachcantatas.com </ref> </references>

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Geistliche Kantaten

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Weltliche Kantaten

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Nicht erhaltene Kantaten

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