Zum Inhalt springen

Rotes Höhenvieh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Rotes Höhenvieh
Datei:ROSSO DE0540404627.jpg

Reinrassiger Besamungsbulle Rosso mit 77 % ursprünglicher Genetik vom Roten Höhenvieh.

Rasseschlüssel 71<ref>Anlage 6 zur Viehverkehrsverordnung</ref>
Herkunft Mittelgebirge in Deutschland
Fellfarbe rot bis rotbraun
Nutzung Mutterkuhhaltung, aber auch Milchproduktion
Milchleistung 4500 kg
Milchprotein 3,45 %
Milchfett 4,25 %
tägliche Zunahmen 1500 g/Tag
männlich weiblich
Kreuzbeinhöhe 135 bis 145 cm 130 bis 140 cm
Gewicht 750–950 kg 500–700 kg
Behornung ja
Maul helles Flotzmaul

Als Rotes Höhenvieh werden seit 1984 einige alte, robuste einfarbig rote Hausrindrassen zusammengefasst, die in den Mittelgebirgen von Niedersachsen bis Bayern sowie in Polen und Tschechien vorkamen und nur knapp dem Aussterben entgangen sind.

Beschreibung

Datei:Rotes Höhenvieh-Hemmeker Bruch.jpg
Rotes Höhenvieh

Die Haarfarbe ist rot, rotbraun bis dunkelbraun. Das Rote Höhenvieh war eine typische robuste und widerstandsfähige Mittelgebirgsrasse, die auf die Kelten zurückgeht. In älterer Literatur wird die Rasse auch als Keltenvieh bezeichnet. Neben Robustheit wurden und werden der Rasse Genügsamkeit und Fruchtbarkeit, gute Konstitution, Langlebigkeit, Leichtkalbigkeit und gute Muttereigenschaften zugeschrieben sowie eine hervorragende Fleischqualität.

Die Kühe haben bei einer Widerristhöhe von 130 bis 140 cm ein Gewicht von ca. 500 bis 700 kg, die Bullen bei der Widerristhöhe von 135 bis 145 cm ein Gewicht von 750 bis 950 kg.

Das Rote Höhenvieh war ein klassisches Dreinutzungsrind. Es lieferte Milch sowie Fleisch und leistete Spanndienste zum Pflügen, Ziehen von Wagen und sogar zum Holzrücken, weshalb sich Minderleistungen in der Milch- und Fleischleistung ergaben; gegenüber auf Milch- oder Fleischproduktion spezialisierte Leistungsrassen war es nicht konkurrenzfähig.

Zur Geschichte der Rasse

Die Intensivierung der Tierhaltung und Züchtung führte zu einer Verdrängung des Roten Höhenviehs seit den 1930er Jahren. Durch Einkreuzung des ebenfalls einfarbig roten Angler Rindes, eines roten Niederungsviehs, erhöhte man die Milchleistung. Der letzte reinrassige Höhenviehbulle wurde bis 1964 zur Zucht eingesetzt. Reinrassige Tiere gibt es heute nicht mehr. In Deutschland dominieren heute das hochgezüchtete Rot- und Schwarzbunte Milchvieh sowie verschiedene Fleischrinderrassen.

Seit den 1980er Jahren kümmern sich Vereine um den Erhalt dieser alten Rinderrassen, auch als Genreserve zur weiteren Rinderzucht. Da die Erhaltung der einzelnen Rassen wegen der geringen Populationsgröße nicht möglich war, fasste man deren Restbestände zusammen.

Schläge, die zum Roten Höhenvieh führten, sind, wobei die genaue Liste von Autor zu Autor differiert:<ref name="GEH, 1994" /> Rhönvieh, Bayrisches Rotvieh, Harzer Rotvieh, Odenwälder Rotvieh, Schlesisches Rotvieh, Sechsämtervieh, Taunusschlag, Vogelsberger Rind,<ref name="Vogelsberger" /> Vogtländer Rotvieh,<ref name="Vogtländer" /> Waldecker Rind, Wittgensteiner Rotvieh,<ref name="LWB" /> Westerwälder Rotvieh.<ref name="LWB" />

Seit den 1990er Jahren wird die Rasse als „Rotes Höhenvieh“ wieder in mehreren Herdbüchern deutscher Züchtervereinigungen geführt. Die Rasse wird heute vorwiegend in der Mutterkuhhaltung und in der Landschaftspflege (siehe „Beweidungsprojekte“)<ref>M. Bunzel-Drüke, C. Böhm, G. Finck, R. Kämmer, E. Luick, E. Reisinger, U. Riecken, J. Riedl, M. Scharf, O. Zimball: Wilde Weiden – Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. Sassendorf-Lohne: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (Hg.), 2008. Seite 82.</ref> eingesetzt. Die Tiere sind genügsam und deshalb auch in für die Weidehaltung sonst wenig geeigneten Gebieten einsetzbar. Die Tiere liefern ein qualitativ hervorragendes Fleisch.

Bestandsentwicklung und Gefährdung

Die Zahl der weiblichen Zuchttiere betrug 1997 nur 377 und die der männlichen 10, während es im Jahr 2023 bei den weiblichen 2.431 und bei den männlichen 150 waren.<ref name="TGRDEU">Angaben zu Gelbvieh bei TGRDEU.genres.de, Abruf am 31. März 2025</ref>

Das Rote Höhenvieh steht 2024 auf der Vorwarnstufe der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).<ref>Rote Liste der GEH vom Mai 2024, Abruf am 31. März 2025</ref> Die GEH hat einen Betreuer für diese Rinderrasse berufen.<ref>Beschreibung bei G-E-H.de, Abruf am 31. März 2025</ref>

Das Rote Höhenvieh wurde 1997 von der GEH zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt.<ref>Beschreibung bei GEH.de, Abruf am 31. März 2025</ref> Seit dem Jahre 1984 wird mit dieser Auswahl von der GEH auf diejenigen heimischen Nutztiere hingewiesen, die es wegen der Agrarbiodiversität zu erhalten gilt, um diese genetische Reserve auch zukünftig zur Verfügung zu haben.

Literatur

  • Rotes Höhenvieh in Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2023, S. 70
  • Jörg Bremond: Das Rote Höhenvieh, in: GEH (Hrsg.): Gefährdete Rinderrassen, Witzenhausen 2016 (Link zum Digitalisat)
  • Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 46

Weblinks

Commons: Rotes Höhenvieh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="GEH, 1994"> Jörg Bremond: Das Rote Höhenvieh. In: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (Hrsg.): Online Broschüre Schwerpunkt – Rinder. Alsfeld 1994 (online [PDF; abgerufen am 31. März 2025]). </ref> <ref name="Vogtländer"> Bernd Müller: Das Vogtländische Rotvieh. In: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (Hrsg.): Online Broschüre Schwerpunkt – Rinder. Landwüst 1994 (online [abgerufen am 17. Oktober 2014]).
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (Hrsg.): Vogtländisches Rotvieh. Bos primigenius taurus (= Biologische Vielfalt in Sachsen). 1. aktualisierte Neuauflage Auflage. April 2011 (Online [PDF; 1,3 MB; abgerufen am 31. März 2025] 20 Seiten). </ref> <ref name="Vogelsberger"> Leithiger: Das Vogelsberger Rind und seine Zucht. Emil Roth, Gießen 1896 (Online [ZIP; 11,0 MB; abgerufen am 17. Oktober 2014] Mit zwei Chromotafeln und einer Karte über das betr. Zuchtgebiet; 50 Seiten). </ref> <ref name="LWB"> Michael Schlag: Kühe mit Charakter. Vereinsjubiläum 25 Jahre Rotes Höhenvieh in Hessen. In: Landwirtschaftliches Wochenblatt. Landwirtschaftsverlag Hessen GmbH, Friedrichsdorf (online [abgerufen am 31. März 2025]). </ref> </references>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Kärntner Brillenschaf (1984) | Murnau-Werdenfelser-Rind (1986) | Schwäbisch-Hällisches Landschwein (1987) | Schleswiger Kaltblut (1988) | Waldschaf (1989) | Angler Sattelschwein (1990) | Rhönschaf (1991) | Hinterwälder Rind (1992) | Thüringer Waldziege (1993) | Westfälisches Totlegerhuhn, Diepholzer Gans, Pommernente (1994) | Buntes Bentheimer Schwein (1995) | Schleswiger Kaltblut (1996) | Rotes Höhenvieh (1997) | Weiße gehörnte Heidschnucke, Altdeutscher Hütehund (1998) | Wollschwein (1999) | Rottaler Pferd (2000) | Bergische Landhuhnrassen (Bergischer Kräher, Bergischer Schlotterkamm, Krüper) und Bayerische Landgans (2001) | Angler Rind alter Zuchtrichtung (2002) | Haus- und Hofhunde (Spitze und Pinscher) (2003) | Leutstettener Pferd, Dunkle Biene (2004) | Bentheimer Landschaf (2005) | Deutsches Sattelschwein (2006) | Murnau-Werdenfelser-Rind (2007) | Bronzepute (2008) | Alpines Steinschaf (2009) | Meißner Widderkaninchen (2010) | Limpurger Rind (2011) | Deutscher Sperber (2012) | Leineschaf (2013) | Dülmener (2014) | Deutsches Karakul (2015) | Regionale Rinderrassen (Original Braunvieh, Glanrind und Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind) (2016) | Eindrucksvolle Entenrassen (Deutsche Pekingente, Orpingtonente und Warzenente) (2017) | Altwürttemberger (2018) | Wollschwein (2019) | Pustertaler Schecken, Westerwälder Kuhhund (2020/2021) | Walachenschaf (2022/2023) | Ungewöhnliche Kaninchenrassen (Marderkaninchen, Luxkaninchen und Angorakaninchen) (2024) | Gelbvieh (2025) | Graue und Weiße Gehörnte Heidschnucke, Weiße Hornlose Heidschnucke (Moorschnucke) und Altdeutsche Hütehunde (2026)

Vorlage:Klappleiste/Ende Vorlage:Hinweisbaustein