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Plößerlohe

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Plößerlohe ist eine Wüstung im Nordosten des Oberpfälzer Landkreises Schwandorf auf dem Gebiet der Stadt Schönsee. Von den ehemaligen Gebäuden sind nur noch wenige Reste vorhanden und diese sind fast völlig mit Gestrüpp überwachsen. Heute sind im Waldgebiet "Im Loch" Bruchteile der Fundamente zu finden. In den Schummerungsbildern der amtlichen Internet-Kartendienste wie dem BayernAtlas sind die Fundamentreste der Gebäude zu erkennen.

Geographie

Der Ort liegt auf 720 m NHN in der Gemarkung Dietersdorf nahe der deutsch-tschechischen Grenze, etwa 4,5 km nordöstlich vom Hauptort Schönsee in einem Wald am Fuß des Schillerberges zwischen der ehemaligen Zankmühle und der ehemaligen Dorfmühle (tschechisch Plešský Mlýn), vormals zu Pleš (deutsch Plöss oder Plöß) gehörig, 2 km im Nordwesten liegt Friedrichshäng.<ref>Fritsch - Wanderkarte Schönseer Land, Maßstab 1 : 35000</ref><ref>Leibl, Kroupa, Drachsler, Spichtinger: Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Herausgeber: Heimatgemeinde Plöß e. V., Druckerei Forstner, Oberviechtach, 1995, S. 175, 176.</ref>

Geschichte

Nach der Vertreibung 1946 kamen aus der etwa 1,5 km nordöstlich gelegenen Ortschaft Pleš (deutsch Plöss oder Plöß) über die Zankmühle und die Dorfmühle (tschechisch Plešský Mlýn) die Familien Drachsler (Heinermatz, Bauscha), Leibl (Balla-Wenzl), Lehner (Räisenmatz, Schramgirgl), und aus dem Weiler Rabov (deutsch Rappauf) die Familie Licha (Zankmüller, Sattlerschwarz) insgesamt 29 Personen. Sie bauten in dem sumpfigen Gelände der Plößerlohe sechs Holzhäuser und lebten dort einige Zeit unter schwierigen Bedingungen sehr nahe der deutsch-tschechischen Staatsgrenze.

Zunächst hegten sie die Hoffnung, schnell wieder in ihre Häuser auf der tschechischen Seite zurückkehren zu können. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllte, wanderten sie nach und nach weiter ins Landesinnere ab.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schönsee. Der Vertreibung entgehen. Bewohner von Plöß bauten sich Hütten in Plösserlohe - Harte Zeiten (Memento vom 2. Dezember 2015 im Internet Archive)</ref> 1969 wurde Plößerlohe noch als eigenständiger Ortsteil von Dietersdorf geführt und hatte noch einen Einwohner.<ref>Hans Berger: Der Landkreis Oberviechtach in Zahlen. In: Heribert Batzl (Hrsg.): Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1970, S. 166.</ref><ref>Leibl, Kroupa, Drachsler, Spichtinger: Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Herausgeber: Heimatgemeinde Plöß e. V., Druckerei Forstner, Oberviechtach, 1995, S. 175, 176.</ref><ref>Historischer Atlas von Bayern: Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach S. 216, 217.</ref>

Die Plößerlohe, ursprünglich auch Plößer Lohe geschrieben, ist neben der Bügellohe die zweite Dorf- und Flurwüstung von Sudentendeutschen in der Stadt Schönsee. Im Vergleich zur Bügellohe wurden die zeitweisen Unterkünfte – teils unterkellert, überwiegend als kellerlose Holzhäuser errichtet – in der Plößerlohe deutlich näher an der Staatsgrenze errichtet. Im Gegensatz zur Bügellohe waren die Grundstücke in der Plößerlohe kleinflächiger und, wegen der Auennähe, feucht-nasse Standorte, was vor der Ansiedlung zu einer Streuwiesen- oder Feuchtwaldnutzung führte. Ackerbau (Kartoffeln an andere Feldfrüchte) oder eine eiweißreiche Wiesenbewirtschaftung war vor und bei der Besiedlung der Plößerlohe nicht möglich. Seit den 1960er-/1970er-Jahren hat sich die Dorf- und Flurwüstung Plößerlohe überwiegend in Waldflächen entwickelt. Heute sind nasse oder anmoorige Bereiche kleinflächig von einem Offenlandcharakter gekennzeichnet.<ref>Stefan Schmid: Bügellohe, Plösserlohe - Heimat für kurze Zeit. Regionalverlag LebensART, Schönsee. Inhaber und Herausgeber: Stefan Schmid, 1. Auflage, Februar 2019.</ref>

Am 30. September 1989 haben ehemalige Bewohner der Plößerlohe und deren Nachfahren den Verein Heimatgemeinde Plöß e. V. gegründet. 2019 wurde das 30-jahrige Vereinsjubiläum gefeiert. Die Erinnerung an die frühere Siedlungsorte halten die Vereinsmitglieder beispielswiese mit der Pflege des Friedhofes und der Kapelle bei Pleš (deutsch Plöss oder Plöß) aufrecht. Alfred Drachsler und andere haben im Heimatbuch die Geschichte der Ortschaften Plöß, Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte vorgestellt.<ref>Leibl, Kroupa, Drachsler, Spichtinger: Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Herausgeber: Heimatgemeinde Plöß e. V., Druckerei Forstner, Oberviechtach, 1995.</ref>

Natur und Landschaft

Die Flachland-Biotopkartierung (BK) Bayern hat auf vier Teilbereichen der aufgegebenen Siedlungsstelle wertvolle Lebensbereiche für Tiere und Pflanzen (Biotope und Habitate) am 14. Juli 2015 erfasst, die mit der Überschrift "Nasswiesen und Moorbereiche in der Plößerlohe" in der BK-Objektnummer 6441-1193 beschrieben sind. Als Biotoptypen sind in den vier Teilflächen folgende Vegetationseinheiten zugeordnet: offene Hoch- und Übergangsmoore, Flach- und Quellmoore, seggen- und binsenreiche Nasswiesen oder Borstgrasrasen. Die beiden westlichen Biotope weisen eine Entfernung zwischen rund 60 und 80 Meter zur Staatsgrenze auf. Die östlich gelegenen, vermoorten Biotopflächen grenzen direkt an die Staatsgrenze. In diesem Abschnitt sind in der Tschechischen Republik unmittelbar folgende Schutzgebiete ausgewiesen: Chráněná krajinná oblast (CHKO) "Český les" (deutsch Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Tschechischer Wald") und Přírodní památka (PP) "Veský mlýn" (deutsch Naturdenkmal "Dorfmühle").

Der ehemalige Bewohner der Plößerlohe, Alfred Drachsler (Hausname: Heinermatz oder Bauscha) berichtete, dass er vor und nach der Besiedlung folgende (Tier-)Artengruppen und Einzelarten im Landschaftsausschnitt beobachtet hat: Reptilien (Kreuzotter, Ringelnatter), Säugetiere (Reh, Fuchs), Insekten (Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Wildbienen oder Hummeln) sowie eine Vielzahl wild lebender Vogelarten, "die man sonst nicht mehr sieht", wie zum Beispiel das heute extrem seltene Birkhuhn.<ref>Stefan Schmid: Bügellohe, Plösserlohe - Heimat für kurze Zeit. Regionalverlag LebensART, Schönsee. Inhaber und Herausgeber: Stefan Schmid, 1. Auflage, Februar 2019.</ref>

Projekte und Lernort

Bis 2024 bearbeitete das Förderprojekt „Informations-, Beratungs- und Vernetzungszentrum Grünes Band Europa am Centrum Bavaria Bohemia (CeBB)“ die Säulen „Geschichte, historische Kulturlandschaft“ und „Sanfter Tourismus, ländliche Entwicklung“. Am 3. Februar 2021 haben drei Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) in Zusammenarbeit mit dem Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) das zweisprachige Netzvideo "Grünes Band - Zelený pás" veröffentlicht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Netzvideo: Grünes Band - Zelený pás. Szenen über die Bügellohe. Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) & Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden. Bearbeitung: Tim Wolfsegger, Jonas Winkel, Daniel Greim. (Memento vom 3. Februar 2021 im Internet Archive)</ref> Im knapp fünfminütigen Video sind Aufnahmen der ehemaligen Bügelloher Anwesen Fleischhacker und Hüttl, nicht von der Dorf- und Flurwüstung (Ödung, Ödfläche oder Elende) Plößerlohe enthalten.

Im Zeitraum vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2028 bearbeitet das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) entlang der bayerisch-tschechischen Grenze die einzigartige Kultur- und Naturlandschaft im Förderprojekt Zukunftsregion Europäisches Grünes Band Bayern - Tschechien / Zažijte Zelený Pás Česko - Bavorsko: Impulse für grenzüberschreitenden Dialog und nachhaltige Entwicklung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Centrum Bavaria Bohemia (CeBB): Das Grüne Band Europas. (Memento vom 18. Juli 2022 im Internet Archive)</ref> Der Förderbescheid des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat (BayStMFH) wurde am 3. April 2025 für die "Zukunftsregion Grünes Band" in Schönsee überreicht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Regionalfernsehen OberpfalzTV (OTV): Schönsee - Förderbescheid für Zukunftsregion Grünes Band. Freitag, 4. April 13, 2025, S. 24 Uhr. (Memento vom 4. April 2025 im Internet Archive)</ref>

Am 4. April 2017 hat die Bayerische Staatsregierung im Zuge der Sitzung in Amberg die Idee eines grenzüberschreitenden Lückenschlusses im oberpfälzischen Abschnitt des Grünen Bandes diskutiert und begrüßt. Der Kabinettsbeschluss bildete einen wichtigen Meilenstein für die Erstellung der Machbarkeitsstudie „Grünes Band Oberpfalz – Tschechische Republik“. Im Zeitraum von 2017 bis 2019 suchte die Studie in einem etwa ein bis fünf Kilometer breiten Korridor und im etwa 200 Kilometer langen Grenzabschnitt nach Zielräumen, Lücken und erforderlichen Maßnahmen für den Biotopverbund. Weiterhin wurde im Untersuchungsgebiet die kulturhistorische Bedeutung planerisch beleuchtet und das Potenzial für einen naturverträglichen Tourismus mit vorrangig lokaler Wertschöpfung ermittelt. Insgesamt ist eine wichtige Datengrundlage für das Grüne Band Europa im Abschnitt Oberpfalz – Karlsbad und Pilsen für die weitere Kooperation in den bearbeiteten Themenfeldern zusammengetragen. Mit ihrer gegenwärtigen Naturausstattung und zeitgeschichtlich-kulturellen Hintergründen stellt die Bügellohe einen bedeutsamen Bereich im grenznahen Biotopverbundsystem dar.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Regierung der Oberpfalz: Biotopverbund und Grünes Band. (Memento vom 15. November 2019 im Internet Archive)</ref> Für die Dorf- und Flurwüstungen in der Gemeinde Schönsee, das heißt die Bügellohe und Plößerlohe, bildet die Machbarkeitsstudie eine bedeutsame Arbeitsgrundlage für örtliche bis regionale Planungen und Maßnahmenumsetzungen.

Erzählungen und Freilichtspiele

In der Rubrik "Da Grenzschmadara - Pascha, Schmuggler, Grenzgeschichten" berichten Karl Völkel und Xaver Schwarz in der vierteljährigen Gemeindezeitschrift "Da Grenzflüsterer aus'm Schönseer Land" über das Grenzgebiet im Abschnitt der Plösserlohe: "Was eine gute Ausrede wert ist, zeigt folgende Episode: Ein Zöllner überwachte in der Dämmerung sein Kontrollgebiet, die Plösser Lohe. Da kamen ihm zwei Gestalten entgegen, die bei seinem Anblick erst Reißaus nahmen. Dann aber näherten sie sich ihm wieder unbekümmert, sie hatten schnell im Dickicht ihren Tabak versteckt. Auf die Frage des Zöllners, warum sie eben so schnell vor ihm verschwunden seien, erklärte sie ihm, dass der eine dringend seine Notdurft hätte verrichten müssen. „Und warum war dann der andere da dabei?“, fragte der Zöllner. „Ja, der hat bloß zug’schaut“, war die treuherzige Antwort."<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verwaltungsgemeinschaft Schönseer Land: Da Grenzflüsterer aus'm Schönseer Land. Herausgeber: VG Schönsee, Bearbeitung: Magdalena Bittner, Beiträge von Karl Völkel und Xaver Schwarz in Rubrik "Da Grenzschmadara - Pascher, Schmuggler, Grenzgeschichten" (Memento vom 10. Juni 2023 im Internet Archive)</ref>

Seit 2010 setzt sich der Pascherverein Schönseer Land e. V. dafür ein, dass die bewegte Grenzgeschichte zwischen Deutschland und Tschechien erlebbar wird. Im (Hoch-)Sommer werden im Freilichtspiel am Eulenberg bei Friedrichshäng mehrere Aufführungen über Schmugglergeschichten von Laienschauspielen erzählt: Pascher - Die Nacht der langen Schatten, Irrlichter und andere Theaterstücke. Weitere Veranstaltungen führt der Pascherverein beispielsweise im Hutscherhaus, der Schusterwerkstatt und der Dorfwüstung Bügellohe durch.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Plößerlohe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Heribert Batzl (Hrsg.): Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Oberbayern/München 1970, ISBN 3-7696-9693-X.
  • Leibl, Kroupa, Drachsler, Spichtinger: Heimatbuch Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Herausgeber: Verein Heimatgemeinde Plöß e. V., Druckerei Forstner, Oberviechtach, 1995.
  • Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Reihe 1 ; 61. Kommentar für Bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X.
  • Zdenĕk Procházka: Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Walds – I. Kreis Taus. 2. Auflage. Verlag Nakladatelství Českého lesa, Domažlice 2017, ISBN 978-80-87316-73-3.
  • Stefan Schmid: Bügellohe, Plösserlohe – Heimat für kurze Zeit. 1. Auflage. Regionalverlag LebensART, Schönsee 2019.
  • Kristjma Pinkrová, Ladislav Ptáček, Radka Kinkorová, Karl Reitmeier: Unterwegs durch die Region Weißensulz. Herausgeber: "Das Chodenland lebt!" - Verein für Kultur und Entwicklung, Domažlice 2021, ISBN 978-80-11-00101-8.

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 49° 31′ 50,2″ N, 12° 36′ 28,4″ O

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