Grünes Band Deutschland
Das Grüne Band Deutschland ist das erste gesamtdeutsche Naturschutzprojekt: Es wurde auf Initiative des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. (BN) am 9. Dezember 1989, kurz nach dem Mauerfall und der friedlichen Revolution, ins Leben gerufen.<ref>BUND Naturschutz Bayern e. V.: Geschichte des Grünen Bandes. Abgerufen am 1. März 2021.</ref><ref name="bfn_gruenes-band" /> Es bezeichnet den Geländestreifen zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und den Grenzanlagen auf östlicher Seite. Der 1.393 km lange und 50-200 m breite Geländestreifen soll ein Grüngürtel bleiben bzw. es wieder werden. Der Geländestreifen reicht von Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof. Das Grüne Band ist der größte zusammenhängende Biotopverbund Deutschlands. Im Jahr 2013 bilanzierte die Bundeszentrale für politische Bildung: „Es gibt dort zwei Nationalparks (Harz und Bayerischer Wald), drei Biosphärenreservate (Schaalsee, Elbtalaue und Rhön) und 150 Naturschutzgebiete. 85 Prozent der Fläche und 80 Prozent der Länge sind noch naturnah.“<ref>Georg Baumert: Das „Grüne Band“. Ein lebendes Denkmal in Deutschland und Europa. Bundeszentrale für politische Bildung, 8. Juli 2013, abgerufen am 2. Februar 2026.</ref> Die genaue Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten auf dem Grünen Band Deutschland wird erstmals seit Mai 2025 in einer breit angelegten „Felderhebung Arten“ erfasst.<ref>Grünes Band: längste Erfassung der Artenvielfalt Deutschlands gestartet. Bundesamt für Naturschutz, 27. Mai 2025, abgerufen am 2. Februar 2026.</ref>
Das Grüne Band Deutschland verläuft fast vollständig auf der Ostseite der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Falls Grenzkorrekturen galten, kann es allerdings auch durch ein westdeutsches Land verlaufen. Dies trifft beispielsweise auf das Nordostufer der Elbe im heute niedersächsischen Amt Neuhaus zu.<ref>Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Umweltschutz: Ein grünes Band in Niedersachsen. Abgerufen am 8. März 2020</ref>
Das Grüne Band Deutschland hat mittlerweile in einigen Bundesländern, an deren Rand es liegt, den naturschutzrechtlichen Schutzstatus Nationales Naturmonument nach § 24 Abs. 4 BNatSchG<ref>Nationale Naturmonumente Bundesamt für Naturschutz (BfN), abgerufen am 19. Dezember 2023</ref> und ist Teil des mitteleuropäischen Abschnitts des Biotopverbundprojektes Grünes Band Europa (englisch: European Green Belt).
Der BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) betrachtet auch die (fortbestehende) Grenze zwischen Freistaat Bayern, vertreten durch Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern (Nennung von Nord nach Süd), sowie der Tschechischen Republik / Česká republika, vertreten durch die Regionen Karlsbad / Karlovy Vary Region und Pilsen (Plzeňský kraj), als Teil ihres Wirkungskreises. Er setzte sich erfolgreich für die Festlegung von Biotopverbunden über den bayerischen Abschnitt der deutsch-tschechischen Grenze hinaus ein.<ref>Das Grüne Band Bayern-Tschechien. bund-naturschutz.de, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref> Die Grundvoraussetzung hierfür ist die Existenz geschützter beziehungsweise schützenswerter Biotope und Habitate auch auf der Westseite der Grenze, die in den Verbund einbezogen werden können. Diese Voraussetzung wird auch an mehreren Stellen der ehemaligen innerdeutschen Grenze erfüllt, so dass dort eine „Westerweiterung“ der Grünen Bandes Deutschland möglich wurde.
Schutzstatus
Obwohl sich Naturschützer schon vor 1990 für das Grüne Band engagiert haben, waren 2012 erst ca. 68 % des Grünen Bandes als Naturschutzgebiet (NSG), Nationalpark (NP), Biosphärenreservat (BSR) oder Natura 2000-Gebiet, wie Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und/oder Europäisches Vogelschutzgebiet, geschützt. Die restliche Fläche unterlag 2012 keinem aus Sicht des Naturschutzes ausreichenden Schutz. Ein erheblicher Teil der Fläche des Grünen Bandes befindet sich in Privatbesitz.<ref name="bfn_gruenes-band">Bundesamt für Naturschutz: Innerdeutsches Grünes Band. Abgerufen am 8. März 2020</ref> Nutzungsinteressen der Eigentümer dürfen gemäß Art. 14 Abs. 1 Grundgesetz (GG) nicht außer Acht gelassen werden, obwohl derselbe Artikel in Absatz 2 bestimmt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ In der Praxis haben die Interessen von Privateigentümern – oder von Inhabern grundstücksgleicher Rechte (Fischerei- oder Jagdrecht) – der Grenzgrundstücke oft Vorrang vor Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.
Das Grüne Band Thüringen wurde im Dezember 2018 als Nationales Naturmonument ausgewiesen.<ref>Das Grüne Band Thüringen – Nationales Naturmonument Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. Maßgeblich ist das Inkrafttreten des Gesetzes am 19. Dezember 2018.</ref> Bei einer Feier dieses Ereignisses im Mai 2019 sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, dass das gesamte Grüne Band Deutschland den Status eines Nationalen Naturmonuments erhalten sollte.<ref>Das gesamte Grüne Band sollte Nationales Naturmonument werden Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Pressemitteilung vom 18. Mai 2019.</ref> Das Grüne Band Sachsen-Anhalt wurde im November 2019 Nationales Naturmonument,<ref>Grünes-Band-Gesetz Sachsen-Anhalt vom 28. Oktober 2019, gültig ab 9. November 2019 landesrecht.sachsen-anhalt.de</ref> das Grüne Band Brandenburg im Juni 2022<ref>Grünes Band Brandenburg Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg</ref> und das Grüne Band Hessen im Februar 2023.<ref>Gesetz zum Nationalen Naturmonument Grünes Band Hessen vom 26. Januar 2023. Veröffentlicht in: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Nr. 4/2023, 8. Februar 2023 (PDF; 657 KB).</ref>
Biotop- und Artenvielfalt im Grünen Band
Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) leben über 1.200 seltene Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil in ihrem Bestand gefährdet sind, im und am grünen Band.<ref>Das Grüne Band: Vom Todesstreifen zur Lebenslinie BUND, aufgerufen am 25. September 2022</ref><ref>Grünes Band Bundesamt für Naturschutz, aufgerufen am 25. September 2022</ref>
Unterschiedliche Biotope
Das Grüne Band ist ein Querschnitt durch fast alle deutschen Landschaften (außer dem Hochgebirge), von norddeutschen Niederungsgebieten bis zu Mittelgebirgen. Daher finden sich dort vielfältige, geschützte oder schützenswerte Biotoptypen, wie zum Beispiel Brachflächen, verbuschte Bereiche, Altgrasfluren, Pionierwald, naturnahe oberirdische Gewässer und Quellen, Feuchtgebiete und Moore.
Die aneinander gereihten Biotope verbinden außerdem zahlreiche Schutzgebiete und Schutzobjekte, die auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze entstanden sind.<ref name="Deutschlandfunk">Das „Grüne Band“. Einst Todesstreifen, heute Biotop Deutschlandfunk Kultur, aufgerufen am 25. September 2022</ref>
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Umnutzung des Grenzturms an der Elbe bei Lenzen (Brandenburg) für touristische Zwecke mit Werbung für das Grüne Band
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Blick vom US-amerikanischen Beobachtungsturm in der Gedenkstätte Point Alpha (in Hessen) in den Grenzstreifen am Fulda Gap.
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Das Grüne Band ist aus Sicht der Thüringer Warte als helleres Laubwaldband erkennbar. Hier wurde die künstlich geschaffene Waldlichtung 1989 aufgegeben.
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Der Kolonnenweg überquert inmitten einer Wiesenlandschaft eine Straße vom Bayerischen ins sächsische Vogtland.
Vorkommende Tierarten
Zu den seltenen Tierarten, deren Lebensraum das grüne Band ist, zählen Spezies sämtlicher Tiergruppen. Unter den vertretenen Säugetieren sind Raubtiere, wie die stark bedrohte Wildkatze, Luchs und Fischotter, aber auch zahlreiche Arten von Fledermäusen.<ref name="Umweltministerium">Bedeutung des Grünen Bandes für den Naturschutz Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, aufgerufen am 25. September 2022</ref><ref name="Deutschlandfunk" />
Auch Vögel sind zahlreich vertreten, wie der Feldschwirl, drei Kehlchenarten (Braunkehlchen, Blaukehlchen und Schwarzkehlchen) sind hier ebenso heimisch, wie der Schwarzstorch, der Eisvogel, der Neuntöter, Ziegenmelker, Raubwürger und diverse Greifvogelarten.<ref name="Deutschlandfunk" />
Zu den hier vertretenen Insekten zählen 40 Arten von Libellen, wie die seltene Grüne Flussjungfer, und zahlreiche Schmetterlinge, darunter der Abbiss-Scheckenfalter und der Blauschillernde Feuerfalter, der im Bayerischen Wald bereits als ausgestorben galt. Auch Außerdem Heuschrecken wie die Wanstschrecke, eine Vielzahl von Käfern.<ref name="Deutschlandfunk" /><ref>Seltene Arten am Grünen Band: Da beißt der Molch keinen Faden ab BUND, aufgerufen am 25. September 2022</ref><ref>Seltene Arten am Grünen Band: Wie ein Phoenix aus der Asche BUND, aufgerufen am 25. September 2022</ref>
Vorkommende Pflanzenarten
In Agrarlandschaften, die mit Bioziden, Dünger und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet werden, können viele seltene Pflanzen nicht überleben. Viele Orchideen, wie der Frauenschuh, und andere seltene Blühpflanzen und Kräuter (wie die Bärwurz) haben sich aus diesem Grund im ehemaligen Grenzstreifen angesiedelt, dessen landschaftliche Vielfalt wichtige Rückzugsgebiete bietet. Die gezielte Beweidung durch Ziegen und Schafe sorgt dafür, dass einige der Flächen offen und frei von Wald gehalten werden (Offenhaltung), damit Lebensräume, wie Magerrasen erhalten bleiben.<ref name="Deutschlandfunk" /><ref name="Umweltministerium" /><ref>Seltene Arten am Grünen Band: Bergwiesenbewohnerin mit Geschmack BUND, aufgerufen am 25. September 2022</ref>
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Der Frauenschuh zählt zu den seltenen heimischen Orchideen
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Die Bärwurz ist oft auf Bergwiesen zu finden
Entstehung des Biotopverbunds
Der Bereich entlang der Innerdeutschen Grenze blieb im Zeitraum zwischen ihrer endgültigen Abriegelung, Befestigung und militärischen Bewachung 1952 durch die DDR und ihrer Aufhebung als Folge des Berliner Mauerfalls 1989 fast unberührt. Die eigentliche Staatsgrenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und DDR war durch Grenzsteine gekennzeichnet. Unmittelbar vor dem Grenzverlauf auf bundesdeutschen Seite standen Grenzhinweisschilder beziehungsweise Grenzpfähle. Der Metallgitterzaun verlief leicht ins Landesinnere der DDR zurückversetzt: Die Entfernung zur tatsächlichen Staatsgrenze variierte zwischen 10 und 100 Metern. Das Gebiet zwischen Grenze und Zaun war gemäß offizieller Bezeichnung der DDR „Vorgelagertes Hoheitsgebiet“ und wurde umgangssprachlich fälschlicherweise oft als „Niemandsland“ bezeichnet. Ins Landesinnere der DDR schlossen sich an den Metallgitterzaun in der Regel in meist fünf bis zehn Meter Entfernung der Kfz-Sperrgraben, an diesen anschließend der sechs Meter breite Spurensicherungs- oder Kontrollstreifen und an diesem entlanglaufend der Kolonnenweg an. Der Spurensicherungsstreifen wurde durch maschinelles Eggen, Harken per Hand oder Herbizide frei von Pflanzenbewuchs gehalten. Im vorgelagerten Hoheitsgebiet wurde in der Regel Gehölzaufwuchs beseitigt oder sogar ein- bis zweimal jährlich gemäht, um für die Grenzsoldaten ein gutes Sichtfeld zu schaffen. Die dadurch entstandenen zahlreichen Offenlandbiotope boten einer Vielzahl an darauf spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Diese DDR-seitigen Grenz(sicherungs)anlagen waren eingebettet in den etwa 500 Meter breiten sogenannten Schutzstreifen (durchschnittliche Breite zwischen 100 und 2000 Metern, berechnet ab Staatsgrenze), sowie eine „5-Kilometer-Sperrzone“, in der menschliche Aktivitäten (insbesondere Verkehr und Industrie) strengstens kontrolliert und damit stark eingeschränkt waren. Diese Zonen entwickelten sich zu einem Rückzugsgebiet für eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Die gesamte Fläche, die zwangsläufig viele Jahrzehnte lang nur geringem menschlichem Einfluss ausgesetzt war, ist also erheblich größer, als die eigentliche Kernfläche des Grünen Bandes: Das Grüne Band bezeichnet in der Regel den Bereich zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und dem Kolonnenweg mit einer Breite zwischen 50 und 200 Metern und einer Fläche von etwa 177 Quadratkilometern.
Geschichte des Projekts „Grünes Band“
Das Wissen um die Arten- und Lebensraumvielfalt stammt von naturschutzfachlichen Untersuchungen in der Grenzregion aus der Zeit, in der noch die innerdeutsche Grenze bestand. Bereits Mitte der 1970er Jahre beobachtete der Schüler Kai Frobel aus Hassenberg, heute Artenschutzreferent des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), regelmäßig in Eigeninitiative von der Grenze zur DDR aus seltene Vögel.<ref>Fremdenverkehrsverein Mitzwitz und Umgebung e. V.: Vortrag „30 Jahre Grünes Band“. Abgerufen am 8. März 2020</ref> Erste Kartierungen der Vogelwelt gab es bereits 1979/80 vom BUND Naturschutz in Bayern e. V. In der DDR wurde Jugendlichen in den 1980er Jahren unter Aufsicht von Vertretern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) erlaubt, die Artenausstattung im Raum östlich der Grenze zu erkunden.<ref>Grünes Band Deutschland / BUND: Wie wird im Nationalen Naturmonument mit der Geschichte umgegangen?. Abgerufen am 7. März 2020</ref>
Am 9. Dezember 1989 trafen sich etwa 400 Natur- und Umweltschützer in Hof (Saale). Kai Frobels Vorschlag, das „ökologische […] Rückgrat Mitteleuropas“ „Grünes Band“ zu nennen wurde in die dort verabschiedete Resolution aufgenommen. Die Zusammenkunft gilt als „Geburtsstunde des Grünen Bandes“.<ref>BUND: Eine Vision wird Wirklichkeit – das Grüne Band. Abgerufen am 8. März 2020</ref>
Schon vor der Wiedervereinigung engagierte sich auch der bekannte Naturfilmer Heinz Sielmann für die Idee eines „Nationalparks von der Ostsee bis zum Bayerischen Wald“. Diese Idee wurde allerdings bislang nicht verwirklicht.
Seit 2001 sind die Wort- und Bildmarken „Grünes Band“ sowie „Das Grüne Band“ markenrechtlich geschützt durch den BUND.<ref>Dauereinsatz für eine Vision. (PDF) Abgerufen am 29. Juni 2021.</ref>
Anlässlich der Einweihung des vom BUND Fachbereich Grünes Band (damalige Firmierung: Projektbüro Grünes Band) entwickelten LandArt-Projekts „WestÖstliches Tor“ im Eichsfeld im Juni 2002 wurde auch die weitergehende Vision des Grünen Bandes Europa (European Green Belt) vom damaligen Vorsitzenden des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), Hubert Weiger, erstmals öffentlich bekannt gemacht. Spontan erklärte sich der anwesende Ehrengast Michail Gorbatschow bereit, für ein solches Zukunftsprojekt die Schirmherrschaft zu übernehmen.
Ziele des Projekts
Überblick
Akteure aus den Bereichen Naturschutz, Kultur, Geschichte und Tourismus wollen gemeinsam bewirken, dass
- der Schutz und die nachhaltige Entwicklung von Biotopen und Artenvorkommen entlang des Grünen Bandes gesichert werden;
- sich ein nachhaltiger Tourismus etabliert, der zur wirtschaftlichen Stärkung der Region beitragen wird;
- eine Erhöhung der Akzeptanz für das Grüne Band und die durchzuführenden Maßnahmen bei der Bevölkerung geschaffen wird;
- sowohl fachliche als auch inhaltliche Querverbindungen zwischen Naturschutz und Tourismus entstehen.<ref>„Erlebnis Grünes Band“ in den Naturparken Thüringer Wald / Thüringer Schiefergebirge / Frankenwald. Informationen zum Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zwischen Mitwitz und Mödlareuth in den Jahren 2007 - 2010. erlebnisgruenesband.de. Abgerufen am 9. März 2020</ref>
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und dem BUND Sachsen-Anhalt e. V. am 11. Juli 2019 in Salzwedel wurden Überlegungen darüber angestellt, auf welche Weise sich das Grüne Band positiv auf die Region Altmark, die wirtschaftlich schwächste Region Deutschlands, auswirken könnte. Es müsse gelingen, den in der nördlichen und westlichen Altmark bereits wirksam gewordenen, vom Grünen Band ausgehenden „Dreiklang aus Naturschutz, Grenzgeschichte und Kultur“ als „Impulsgeber für eine nachhaltige Regionalentwicklung“ zu nutzen. Das Grüne Band könne zu einem „identitätstiftenden Anker für die Region Altmark“ werden.<ref>Rebecca Plassa: 30 Jahre Grünes Band – Perspektiven für die Altmark. Veranstaltungsbericht. Heinrich-Böll-Stiftung. 29. Juli 2019, abgerufen am 9. März 2020</ref>
Das Grüne Band als zu erweiternder Biotopverbund
Hauptziel des Grünen Bandes Deutschland ist der Erhalt des hohen ökologischen Werts der Gebiete, die sich infolge des ehemaligen Betretungsverbots entlang der Ostseite der innerdeutschen Grenze gebildet haben. Der durch die Abwesenheit von intensiver wirtschaftlicher Nutzung entstandene Biotopverbund soll erhalten, seit 1990 entstandene Lücken im Verbund sollen wieder geschlossen und Aktivitäten, die den Biotopverbund stören oder unterbrechen, sollen weitgehend unterbunden werden. Zu diesem Zweck müssen verschiedene Habitate durch Landschaftspflegemaßnahmen erhalten werden, z. B. benötigen Heideflächen eine regelmäßige Beweidung, damit sich keine geschlossene Waldfläche entwickelt.
Der nach § 3 UmwRG i. V. m. § 63 BNatSchG anerkannte Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) möchte die Schutzbemühungen entlang des Grünen Bands in die Fläche ausweiten. Hintergrund dieses Plans ist die Idee, dass es im Interesse der Artenvielfalt wichtig sei, „Inselbildungen“ bei einzelnen Biotopen zu verhindern, da diese Degradationsprozesse innerhalb des betreffenden „Inselbiotops“ auslösten. Folgerichtig sollen nicht nur das Grüne Band sowie die angrenzenden Gebiete als Lebensraum gesichert und entwickelt werden, sondern auch „Quervernetzungen“ oder „seitliche Verbundachsen“ dazwischen entstehen. Am 28. September 2019 überreichte das Bundesamt für Naturschutz den Förderbescheid für das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“.<ref>Bundesamt für Naturschutz (BfN): Lebensräume am Grünen Band quer vernetzen. 28. September 2019, abgerufen am 9. März 2020</ref><ref>Natur und Landschaft (Zeitschrift): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />30 Jahre Grünes Band: Quervernetzung mit weiteren Biotopverbundachsen und naturnahen Lebensräumen ( vom 21. Mai 2020 im Internet Archive). Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.). 30. September 2019. Abgerufen am 9. März 2020</ref>
Seine Mitglieder und alle Interessierten versucht der BUND regelmäßig zu Spenden anzuregen. Mit diesen werden Grundstücke entlang des Grünen Bandes erworben und Naturschutzprojekte durchgeführt. Spenden für das Grüne Band können in unterschiedlichen Ausführungen stattfinden, als sogenannte „Anteilscheine“ oder auch Patenschaften.<ref>BUND e. V.: Spenden/Patenschaft für das Grüne Band. Abgerufen am 6. April 2022.</ref>
Das Projekt „Erlebnis Grünes Band“ als Instrument des Tourismusmarketings
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält es für wichtig, dass die regionale Wertschöpfung in dem strukturschwachen Raum entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze durch einen sanften Tourismus, das heißt einen Tourismus mit örtlich-regionaler Wertschöpfung und nachhaltiger Zielsetzung, neue Impulse erhält. Deshalb förderte es maßgeblich das vom BUND wissenschaftlich begleitete Projekt „Erlebnis Grünes Band“ (2005–2011). Die Verbindung von Naturschutz und Tourismus soll nachhaltig zur regionalen Entwicklung beitragen. Dazu müssten die Landschaften entlang des Grünen Bandes mit ihrer Geschichte für Erholungssuchende und Urlauber erkennbar und aktiv erlebbar werden, und ihr überregionaler Bekanntheitsgrad müsse gesteigert werden. Tourismusmanager haben den Leitgedanken „Natur erleben statt abschotten“ erdacht. Aus ihm wurde ein „naturtouristisches Leitbild und Marketingkonzept“ entwickelt.<ref>Bundesamt für Naturschutz (BfN): Erlebnis Grünes Band. Abgerufen am 7. März 2020</ref>
Eine anhaltende Akzeptanz der Menschen in der Region und der auswärtigen Gäste für die Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit im Grünen Band zum Schutz der dortigen Lebensräume, Pflanzen und Tiere lässt sich den Erkenntnissen aus dem Projekt zufolge nur erreichen, indem die Menschen den ökologischen Wert des Gebiets durch einen Besuch erleben und erkennen.<ref>Bundesamt für Naturschutz (BfN): Erlebnis Grünes Band. Abgerufen am 9. März 2020</ref>
Drei Modellregionen wurden für das Projekt „Erlebnis Grünes Band“ ausgesucht:
- Elbe – Altmark – Wendland (Motto: „Grenzerfahrungen im Vierländereck“)
- Harz (Motto: „Harz ohne Grenzen – auf Harzer Grenzwegen durch Natur und Geschichte“)
- Thüringer Wald und Schiefergebirge / Frankenwald (Motto: „Das Grüne Band (inter)aktiv erleben“)
Das Grüne Band als historisch bedeutsamer Raum
Die ersten Akteure in der DDR, die sich für die Idee eines Grünen Bandes einsetzten, waren nicht nur Umweltaktivisten, sondern auch Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung der DDR. Ihnen, ihren Nachfolgern und Mitaktiven am Grünen Band liegt viel daran, dass Besucher des Grünen Bandes daran erinnert werden, dass „an der ehemaligen Grenze Menschen getötet, Familien und Freunde getrennt, Anwohner zwangsausgesiedelt und bespitzelt wurden und auch viele Grenzer dem inneren Druck nicht standgehalten und den Selbstmord gewählt“ haben.<ref>Grünes Band Deutschland / BUND: Wie wird im Nationalen Naturmonument mit der Geschichte umgegangen?. Abgerufen am 7. März 2020</ref>
Entlang des Grünen Bandes finden sich zahlreiche Gedenkstätten, Mahnmale und Grenzmuseen. Besonders unter Kulturschaffenden finden sich am Grünen Band diverse Anknüpfungspunkte zur Aufarbeitung der neueren Geschichte Deutschlands.<ref>Deutscher Kulturrat: Narbe oder Schweißnaht? Abgerufen am 6. April 2022.</ref>
- Freilichtmuseum Mödlareuth
- Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
- Gedenkstätte Point Alpha
- Grenzanlagen Behrungen
- Grenzlandmuseum Bad Sachsa
- Grenzlandmuseum Eichsfeld
- Grenzmuseum Schifflersgrund
- Grenzmuseum Sorge
Der Status als Nationales Naturmonument in Thüringen und Sachsen-Anhalt würdigt das Zusammenspiel aus den beiden gleichbedeutenden Komponenten Naturschutz und Erinnerungskultur im Grünen Band, das den Erhalt alter Wachtürme, noch vorhandener Grenzanlagen und von Relikten geschleifter Dörfer mitumfasst.<ref>Rebecca Plassa: 30 Jahre Grünes Band – Perspektiven für die Altmark. Veranstaltungsbericht. Heinrich-Böll-Stiftung. 29. Juli 2019, abgerufen am 9. März 2020</ref>
Umsetzung
Das Grüne Band mit 1393 Kilometern Länge ist eine Folgelandschaft der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Diese war ein Teil des Eisernen Vorhangs, der vierzig Jahre lang Europa in zwei Blöcke aufteilte.
Verkehrspolitiker und Verkehrsplaner im Konflikt mit Förderern des Grünen Bandes
In der Dokumentation 2008 zur Bundesautobahn A73 Suhl – Lichtenfels (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16) „Neubau der A 73 zwischen dem Autobahndreieck Suhl und der Anschlussstelle Lichtenfels“ heißt es, die Anschlussstelle Eisfeld-Süd sei ursprünglich leicht abweichend auf bayerischem Gebiet geplant gewesen, da seit Anfang der 1990er Jahre der ehemalige Grenzstreifen auf Thüringer Seite einstweilig unter Naturschutz gestellt worden war. Da der von den Straßenbauplanungen betroffene Bereich später aus der Schutzgebietskulisse fiel, konnte der Bau der Anschlussstelle nach Norden verschoben und zum Teil auf dem ehemaligen Grenzstreifen umgesetzt werden. Es heißt dort weiter, dass dadurch die Entfernung zu einem Trinkwasserschutzgebiet vergrößert wurde und die Eingriffe in Natur und Landschaft insgesamt gemindert, die Lärmbelastung der Anwohner und die Hochwassergefährdung von Rottenbach reduziert werden konnten. Offenbar blieb das Grüne Band als Teil von Natur und Landschaft sowie seine Bedeutung als Biotopverbundachse bei diesen Betrachtungen gänzlich unberücksichtigt, da die Verlegung der Anschlussstelle Eisfeld-Süd nach Norden bedeutete, dass die ausladende<ref>Luftbild der Anschlussstelle Eisfeld-Süd der A 73 auf dem Grünen Band. Verlag Nürnberg Luftbild Hajo Dietz Fotografie</ref> Anschlussstelle direkt auf dem Grünen Band errichtet werden konnte.<ref>Autobahndirektion Bayern / „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES)“: Bundesautobahn A 73 Suhl – Lichtenfels. 2008. S. 54 ff. (56 ff.), abgerufen am 7. März 2020</ref>
In der Zeit ab 1990 hatte die Verbindung der bis dahin getrennten Teile Deutschlands durch neue bzw. auszubauende Verkehrswege Priorität bei den Entscheidungsträgern unter den Bundes- und Landespolitikern. Erst seit 2012 wird die Dringlichkeit der Schließung der so entstandenen Lücken im Grünen Band auch von Politikern betont. Die damalige Bundesregierung stellte im Oktober 2018 fest: „Grünbrücken […] ermöglichen grundsätzlich allen Tierarten eine Querung über Straßen“.<ref>Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Daniela Wagner, Steffi Lemke, Stephan Kühn (Dresden), weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – Drucksache 19/4444 –. In: Drucksache 19/4984. bundestag.de, 9. Oktober 2018, abgerufen am 27. März 2026.</ref>
In der ersten Auflage seines Bundeswildwegeplans (2007) benannte der BUND 125 Standorte im Autobahn-, Bundesstraßen- und Bahnnetz in ganz Deutschland, bei denen der Bau einer Grünbrücke oder einer anderen Querungshilfe für Wildtiere vordringlich sei. Unter diesen Standorten befand sich auch der Bereich südlich von Eisfeld an der A 73.<ref>Der NABU-Bundeswildwegeplan. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (NABU), 2007, S. 29 (31), abgerufen am 29. März 2026.</ref> Zwischen Suhl und Lichtenfels gibt es bis heute (April 2026) auf der A 73 keine Grünbrücke.
Aus dem Bundeswildwegeplan des BUND geht auch hervor, dass es in ganz Deutschland einen hohen Bedarf an Querungshilfen für Tiere an Autobahnen und verkehrsreichen Bundesstraßen gebe.<ref>Der NABU-Bundeswildwegeplan. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (NABU), 2007, S. 4 (6), abgerufen am 29. März 2026.</ref> Alle entsprechenden Barrieren für Tiere zu beseitigen, erscheint auch dem BUND als unrealistisch. Die o. g., vom BUND unterstützte Liste mit 125 Querungslisten enthält nur zwei Projekte, die eine ehemalige Grenzübergangsstelle betreffen.<ref>Der NABU-Bundeswildwegeplan. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (NABU), 2007, S. 7 (9), abgerufen am 29. März 2026.</ref> Neben der geforderten Querungshilfe südlich von Eisfeld handelt es sich um die 2012 fertiggestellte Grünbrücke Segrahn über die Bundesautobahn 24 (Hamburg-Berlin).<ref>Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Kühn (Dresden), Annalena Baerbock, Stefan Gelbhaar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/8524 – Verkehrsentwicklung und Ausbau der Autobahn 24. server-bundestga.de, 3. April 2019, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Sie liegt knapp 2 km westlich der ehemaligen innerdeutschen Grenze und ist vom Grünen Band aus über geschützte Gebiete in Schleswig-Holstein für Tiere erreichbar. Der BUND bewertete die Grünbrücke Segrahn als „die einzige in SH wirklich gut funktionierende und zahlreich von Wildtieren frequentierte Grünbrücke über die Autobahn 24“.<ref>Betreff: Beteiligungsverfahren zu den Entwürfen der Teilaufstellungen der Regionalpläne für den Planungsraum III in Schleswig-Holstein zum Thema Windenergie an Land Kapitel 4.7. BUND Schleswig-Holstein, 3. Oktober 2025, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Das Forum Kultur & Umwelt im Herzogtum Lauenburg bewertete 2014 die Wiedereröffnung der Grünbrücke Segrahn als „Lückenschluss im ‚Grünen Band‘“.<ref>Wanderung zur neuen Grünbrücke über die A 24. A24-Grünbrücke Segrahn – Lückenschluss im „Grünen Band“. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisgruppe Herzogtum Lauenburg e .V., 2014, abgerufen am 2. April 2026.</ref> Über die gesamte Bundesautobahn 24 zwischen Hamburg und Berlin gibt es zwei Grünbrücken, und zwar die Grünbrücke Segrahn nahe dem ehemaligen Grenzübergang Gudow/Zarrentin und die Brücke bei Wittstock (Dosse) in Brandenburg. Eine Überquerung dieser Autobahn zur Überwindung der Biotopteilung zwischen der Ostsee und der Elbe ist für Tiere notwendigerweise mit dem Ausweichen auf das Gebiet Schleswig-Holsteins, d. h. mit dem Verlassen des Grünen Bandes verbunden.
Bestandsaufnahmen 2001/2002 und 2003
Unter Leitung des BUND Projektbüros Grünes Band (heute: BUND Fachbereich Grünes Band) wurde 2001/2002 die erste „Bestandsaufnahme Grünes Band“ zur Ermittlung der vorkommenden Biotoptypen und ihrer jeweiligen Ausprägung durchgeführt, finanziell unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUNBR). Die Untersuchung bestätigte die Ausnahmestellung des Grünen Bandes als eine Kette besonders wertvoller Biotope.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bundesamt für Naturschutz: Bestandsaufnahme Grünes Band ( vom 16. September 2010 im Internet Archive)</ref>
Wie der BUND berichtet, wurden 109 verschiedene Biotoptypen erfasst, von denen die Hälfte auf der Roten Liste Deutschlands steht. 28 % des Grünen Bandes sind als Naturschutzgebiete geschützt, 38 % sind als sogenannte FFH-Gebiete ausgewiesen. Aus den Daten wurden Schwerpunktgebiete – meist von nationaler Bedeutung – ermittelt, die die Kernzonen des Biotopverbundes bilden. Daneben wurde deutlich, dass sehr viele Naturschutzgebiete entlang des Grünen Bandes liegen, die für den Biotopverbund wichtig sind. 2012 wurde die Bestandsaufnahme mit Mitteln des Bundesamtes für Naturschutz aktualisiert. Die Aktualisierung der Bestandsaufnahme belegt das Vorkommen von 146 Biotoptypen, von denen 64 % als gefährdet gelten. Mehr als 1200 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste leben im Grünen Band und bereits 85 % der Gesamtfläche stehen unter Schutz.
Im Juni 2003 fand am Grünen Band in Zusammenarbeit mit dem Magazin GEO der „Tag der Artenvielfalt“ statt. 400 Experten kartierten in 24 Stunden mehr als 5200 verschiedene Tier- und Pflanzenarten im Grünen Band, darunter auch Arten, die bereits als ausgestorben galten.
Datensammlung der Bundeszentrale für politische Bildung (2013)
In einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) von 2013 heißt es: Das Grüne Band hat „eine Fläche von 17.656 Hektar oder knapp 177 Quadratkilometern. 60 Prozent davon sind Fließ- oder Stillgewässer, extensiv genutztes Grünland, Brachflächen oder Wälder. […] 85 Prozent der Fläche und 80 Prozent der Länge sind noch naturnah. Andererseits sind 15 Prozent der Fläche durch Acker, Intensivgrünland/-weide oder den Bau von Straßen oder Gewerbegebieten zerstört. Insgesamt kreuzen bis heute 450 Straßen das Grüne Band, und es kommen neue hinzu“.<ref>Georg Baumert: Das "Grüne Band" – ein lebendes Denkmal in Deutschland und Europa. bpb.de, 8. Juli 2013, abgerufen am 28. Februar 2020.</ref> Straßen seien „oft unüberwindbar für die meisten Tiere. So haben sich alte Risse ausgeweitet und neue sind hinzugekommen.“<ref>Grünes Band Deutschland – Vielfalt am laufenden Band. (PDF) bund.net, abgerufen am 29. Februar 2020.</ref>
„Lenzener Erklärung“ (2019)
In der „Lenzener Erklärung“ vom 29. September 2019 stellte der BUND fest, dass in den 30 Jahren zuvor „[r]und ein Achtel der Flächen des Grünen Bandes […] durch intensive Landnutzung oder Bebauung zerstört“ worden seien. Das widerspreche der „nationale[n] Bedeutung des Grünen Bandes als zentrale[n] Bestandteil[s] des länderübergreifenden Biotopverbunds“.<ref>BUND: 30 Jahre Grünes Band – Verbindende Landschaften & Spürbare Geschichte. Naturschutztage an der Elbe 2019. „Lenzener Erklärung zum Grünen Band“ 29. September 2019. S. 1, abgerufen am 17. Dezember 2019</ref> 2016 hatte der BUND angegeben, dass Sachsen-Anhalt das Bundesland mit den größten Unterbrechungen sei; dort weise fast ein Drittel des Grünen Bandes Lücken auf.<ref>"Grünes Band" im Land an vielen Stellen unterbrochen. welt.de, 22. Februar 2016, abgerufen am 22. Februar 2016.</ref>
Projekt „Lückenschluss Grünes Band“ (ab 2012)
Mit Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Bundesprogramm Biologische Vielfalt hat 2012 unter Trägerschaft des BUND Fachbereichs Grünes Band (damalige Firmierung: BUND Projektbüro Grünes Band) das Projekt „Lückenschluss Grünes Band“ gestartet. Ziel ist es, Lücken im Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu schließen. Zu den Defiziträumen, die den Verbund beeinträchtigen, zählen insbesondere größere intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen oder wertvolle, mit Pionierwald zuwachsende (Offenland)-Lebensräume sowie Bereiche, die durch Infrastrukturmaßnahmen stark beeinträchtigt sind. Bypass-Lösungen sind dem Lückenschluss-Projekt zufolge nur in besonderen Ausnahmefällen vorgesehen, bspw. wenn das Grüne Band über mehrere Kilometer hinweg weitgehend oder völlig zerstört und dort nicht wieder herstellbar ist. Dann soll der Lückenschluss abweichend vom historischen Verlauf der ehemaligen innerdeutschen Grenze erfolgen. Durch derartige Arten von Lückenschlüssen soll die Funktionalität des Biotopverbunds gewährleistet werden.<ref>Lückenschluss Grünes Band: Sicherung der Biologischen Vielfalt durch Weiterentwicklung des Grünen Bandes als zentrale Achse des nationalen Biotopverbunds. bfn.de, 2012, abgerufen am 28. Februar 2020.</ref>
Das Phänomen der Biotoptrennung trotz des geringen Abstandes zwischen Fahrbandrändern an Bundesautobahnen und verkehrsreichen Landstraßen wird durch das Projekt nicht berücksichtigt. Das trifft nicht nur auf Kreuzungsstellen dieser Straßen mit dem Grünen Band zu.
Pläne für Thüringen
Für den 763 Kilometer langen Abschnitt des Grünen Bandes im Freistaat Thüringen gibt es ein eigenes Leitbild zur Erhaltung und Gestaltung.<ref>Spur in der Landschaft. Eine Reise entlang des Grünen Bandes in Thüringen. bund-thueringen.de, 2001, abgerufen am 3. April 2026.</ref><ref>Nationales Naturmonument – Grünes Band Thüringen. Freistaat Thüringen. Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, 5. März 2024, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Der BUND Thüringen bedauerte 2001, dass der Plan von Besuchern, sich eigenständig vom Grünen Band durch Ablaufen oder Abfahren der gesamten Strecke (per Fahrrad) ein Bild machen zu können, nicht realisierbar bzw. nicht vorteilhaft im Hinblick auf das erhoffte Erlebnis sei:
Strenge Naturschutzregeln enthalten (mit Billigung des BUND) Betretensverbote ökologisch besonders wertvoller Biotope für Unbefugte. Der Kolonnenweg bildete 1990 die Ostgrenze des Grünen Bandes. Er ist teilweise verschwunden, teilweise in einem baulichen Zustand, der eine Eignung für Fernwanderungen zu Fuß oder per Fahrrad nicht als empfehlenswert erscheinen lässt: „Ein gut ausgebauter Wander- oder Radweg ist das Grüne Band […] nicht. Der Kolonnenweg ist ein Betonplattenweg und in einigen Gebieten bereits entfernt, eine Beschilderung findet sich nur in Teilbereichen und nicht in allen Wanderkarten ist die ehemalige Grenze überhaupt eingetragen.“<ref>Spur in der Landschaft. Eine Reise entlang des Grünen Bandes in Thüringen. bund-thueringen.de, 2001, S. 6, abgerufen am 3. April 2026.</ref> „Einen durchgehenden Fernwanderweg für das Grüne Band Thüringen mit zu pflegender Wanderinfrastruktur und touristischem Qualitätsanspruch auf 700 km Länge gibt es nicht; ein solcher Fernwanderweg wäre auch kaum Instand zu halten“, bestätigt die Website „Wanderbares Grünes Band“ den Befund.<ref>Der Kolonnenweg. Stiftung Naturschutz Thüringen, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Wegen des weitgehenden Fehlens pflegerischer Maßnahmen verwandelt sich das 1990 noch anzutreffende Landschaftsbild an einigen Stellen, z. B. durch eine fortschreitende Verwaldung, was bei einer wiederholten Reise nach Jahrzehnten zu Irritationen bei Reisenden führen kann, die eine von Grenzsoldaten der DDR bewusst offen gehaltene Schneise erwarten, wie sie auf dem obigen Foto vom Harz abgebildet ist. Dasselbe trifft auf die fortschreitende Verschlechterung des Zustandes des Kolonnenwegs zu. Dessen vollständige Restauration erscheint Finanzpolitikern nicht als prioritär. Teilrestaurationsmaßnahmen in Thüringen gehören allerdings zu einer wichtigen Aufgabe der Stiftung Naturschutz Thüringen.<ref>Freistellung des Kolonnenweges am Grünen Band im Bereich Linden. stiftung-naturschutz-thueringen.de, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Euroveloroute: Iron Curtain Trail
Parallel zum Projekt „Grünes Band“ wurde die Idee eines Fernradwegs von der Barentssee ans Schwarze Meer als Teil des EuroVelo-Netzes entwickelt. Die europäische Fernradroute Iron Curtain Trail (EV13) verläuft entlang der ehemaligen Blockgrenze, teils auf dem ehemaligen Kolonnenweg, teils auch parallel zum Grünen Band. In einigen Gebieten, wie z. B. in Sachsen-Anhalt ist sie jedoch (Stand 2025) noch immer nicht ausgeschildert.
Im Jahr 2019 wurde der Iron Curtain Trail (ICT) als Kulturweg des Europarats zertifiziert. Im Juni 2025 wurde der deutsche Abschnitt auch in das nationale D-Routen-Netz als D13 integriert.
Öffentliche Resonanz
Zustimmung
Erwerb praktischer Erfahrungen am Grünen Band
2009 wanderte der Naturfilmer Andreas Kieling am Grünen Band entlang und dokumentierte Land und Leute entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze in der fünfteiligen TV-Serie Mitten im wilden Deutschland (ZDF), die Erlebnisse erschienen 2011 auch in Buchform.<ref>Andreas Kieling (2011): Ein deutscher Wandersommer. 1.400 Kilometer durch unsere wilde Heimat. Malik Verlag, 304 Seiten. ISBN 978-3890293936.</ref> "Diese Wanderung quer durch Deutschland war für mich eines meiner schönsten Abenteuer, eine aufregende Reise mit vielen Momenten, die mich staunen ließen. Emotional die stärkste Unternehmung, die ich je gemacht habe", so der Autor im Klappentext.
Die Reisebranche bietet mittlerweile touristische Unternehmungen im Zusammenhang mit dem Grünen Band an.<ref>Thüringer und Franken werben gemeinsam für das Grüne Band (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2010. Suche im Internet Archive ), 7. August 2010</ref>
Der Luftbildarchäologe Klaus Leidorf dokumentiert seit der Grenzöffnung das Grüne Band aus der Vogelperspektive.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> In einer Ausstellung im Haus des Volkes in Probstzella sind seine Luftaufnahmen vom Grünen Band zu sehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vom Todesstreifen zur Lebenslinie ( vom 2. Oktober 2012 im Internet Archive), auf probstzella.de</ref>
Der Schauspieler und Comedian Michael Kessler kam 2014 auf die Idee, das Grüne Band als größten Biotopverbund in Deutschland entlangzufahren. Kessler fuhr mit einem knallroten Tuk-Tuk, einer Autorikscha mit Elektromotor, entlang der ehemaligen Grenze. Produziert vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), wurde die Reise im Rahmen der Reihe Kesslers Expedition ausgestrahlt, zunächst ab dem 3. Oktober 2014 als zweiteilige Folge à 90 Minuten auf Das Erste (ARD), im Dezember 2014 dann in vier Episoden à 90 Minuten im RBB Fernsehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auf drei Rädern von Bayern an die Ostsee ( vom 27. August 2017 im Internet Archive), Folge 1, RBB online, aufgerufen am 10. August 2016</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auf drei Rädern von Bayern an die Ostsee ( vom 29. August 2016 im Internet Archive), Folge 2, RBB online, aufgerufen am 10. August 2016</ref>
2016 und 2018 wanderte der Vogtländer Mario Goldstein, der zwei Fluchtversuche in DDR-Zeiten unternahm, entlang des Bandes, 2020 und 2021 der Extremsportler Joey Kelly, beide veröffentlichten Bücher über die Wanderungen.
Preise und Auszeichnungen
Im Jahre 2017 wurden Kai Frobel, Inge Sielmann und Hubert Weiger für ihren Einsatz für das Grüne Band mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.
2020 erschien eine Briefmarke Grünes Band Deutschland, siehe Briefmarken-Jahrgang 2020 der Bundesrepublik Deutschland.
2025 wurde das Grüne Band mit der Goldenen Henne geehrt. Die Auszeichnung wurde stellvertretend an Myriam Rapior und Liana Geidezis übergeben.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig 35 Jahre Deutsche Einheit: "Das grüne Band"-Projekt wird geehrt.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 14. September 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Kritik
Naturschützer
Gesamtkritik
Der BUND Naturschutz Bayern e.V. (BN) kritisierte 2020 heftig den Ist-Zustand des Grünen Bandes, wie er ihn sieht. Es sei skandalös, dass das Grüne Band, „[u]nser einziger nationaler Biotopverbund, im Ausland hoch angesehen, eine einmalige Erinnerungslandschaft der deutsch-deutschen Vergangenheit […]“, „auf 180 Kilometern Länge praktisch unkenntlich ist, überprägt von intensiver Landwirtschaft“, dass „für Tiere und Pflanzen immer wieder einmal Schluss ist auf ihren Wanderungen und auch Fußgänger und Radfahrer plötzlich im Maisacker stehen“.<ref>Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Bayern: Schnitte ins Grüne Band. Abgerufen am 7. März 2020</ref>
Schutz einer besonders schutzbedürftigen Flora und Fauna
Der BUND gibt zu bedenken, dass zum Schutz störungsempfindlicher Tiere und Pflanzen manche Teile des Grünen Bandes von jeglicher, auch touristischer Nutzung ausgenommen werden müssten. Es gebe Bereiche im Grünen Band, in denen viele sensible und besonders schützenswerte Tier- und Pflanzenarten alle gleichzeitig vorkämen. In diesen Bereichen hätte eine verstärkte touristische Nutzung – auch als Wanderweg oder im Rahmen einer „landschaftsgebundenen stillen Erholung“ – starke negative Folgen, bis hin zum völligen Verlust der Wert gebenden Arten. Zudem besäßen einige Bereiche im Grünen Band eine hohe, stellenweise sogar internationale Bedeutung als Rast- oder Mauserplatz von Wasservögeln, die durch zunehmende Freizeitnutzung beeinträchtigt würden.<ref>BUND: Handlungsleitfaden für das Grüne Band. Februar 2014. S. 63, abgerufen am 8. März 2020</ref>
Ausbau der Windenergie
Seit relativ kurzer Zeit wird Tieren im Grünen Band die Befriedigung ihrer Ruhe- und Bewegungsbedürfnisse durch eine neue Art von Störung in Form der Aufstellung von Windkraftanlagen in geschützten Gebieten gestört. Diese Maßnahmen werden mit der Dringlichkeit das Ausbaus regenerativer Energiequellen im Interesse des Klimaschutzes begründet. Der sich hieraus ergebende Konflikt zwischen Natur- und Klimaschutz als Zielen der Natur- und Umweltschutzpolitik wird im Landkreis Herzogtum Lauenburg besonders deutlich.
Der BUND ist nicht generell gegen den forcierten Ausbau der Windenergie. Im Prinzip begrüßt er ihn. „Einen Ausbau um jeden Preis kann es bei der Windenergie allerdings nicht geben, dieser muss gut geplant und ökologisch verträglich gestaltet werden“, postulierte der BUND bereits 2011.<ref>Windenergie – Der Treiber der Energiewende. bund.net, abgerufen am 24. April 2026.</ref><ref>Für einen natur- und umweltverträglichen Ausbau der Windenergie. bund.net, 23. Juli 2011, abgerufen am 24. April 2026.</ref>
In einer Stellungnahme zu Kapitel 4.7 des „Beteiligungsverfahrens zu den Entwürfen der Teilaufstellungen der Regionalpläne für den Planungsraum III in Schleswig-Holstein zum Thema Windenergie an Land“ fordert der BUND des Landkreises, „den Naturpark Lauenburgische Seen komplett aus der Ausweisung von Vorranggebieten [für die Genehmigung von Windkraftwerken] herauszunehmen“. Denn „[a]nders als die anderen Naturparke [Schleswig-Holsteins] liegt der Naturpark Lauenburgische Seen direkt angrenzend an ein Biosphärenreservat, nämlich das Biosphärenreservat Schaalsee, das länderübergreifend zwischen [Schleswig-Holstein] und [Mecklenburg-Vorpommern] agiert […]. [M]it dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe [soll] ein wirklich großräumiger Naturraum entstehen [können] und die Natur nachhaltig im Sinne der Wiederherstellungsverordnung der EU zu ihrem Recht kommen“ können. Weil bereits „eine Entwertung des Naturraumes erfolgt ist, darf das sensible Gebiet um die Grünbrücke Segrahn [über die Bundesautobahn 24] nicht weiter beeinträchtigt werden. Sie ist die einzige gut angenommene Wildtierbrücke in [Schleswig-Holstein]“.<ref>Betreff: Beteiligungsverfahren zu den Entwürfen der Teilaufstellungen der Regionalpläne für den Planungsraum III in Schleswig-Holstein zum Thema Windenergie an Land Kapitel 4.7 (Juli 2025). bund-herzogtum-lauenburg.de, 3. Oktober 2025, S. 1 ff., abgerufen am 24. April 2026.</ref>
Sieben von 410 für das gesamte Land Schleswig-Holstein im Jahr 2025 geplanten Vorranggebiete im dem Bereich des Herzogtums Lauenburg, die östlich der Bundesstraße 207 liegen, befinden sich einige Kilometer westlich der Ostgrenze Schleswig-Holsteins. Zwischen weiteren geplanten Vorranggebieten im Südosten des Landkreises und dem Grünen Band liegt vor der Stadt Lauenburg die Bundesstraße 207.<ref>Teilaufstellung des Regionalplans des Planungsraums III in Schleswig-Holstein Kapitel 4.7 zum Thema Windenergie an Land - Entwurf Juli 2025. Schleswig-Holstein Landesplanung, Juli 2025, abgerufen am 24. April 2026 (Karte in Richtung Süden scrollen!).</ref>
Eigentümer von Privatgrundstücken an der Grenze
Bei der öffentlichen Anhörung über den Entwurf eines Gesetzes „Grünes Band der Erinnerung Sachsen-Anhalt vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ im Ausschuss für Umwelt und Energie des Landtags von Sachsen-Anhalt äußerten sich vor allem Vertreter der Bauern- und Waldbesitzerverbände kritisch. Sie sprachen im Namen von Verbandsmitgliedern mit Privateigentum an zu überplanenden Flächen von „gefühlter Enteignung“. Manche sahen mit dem Grünen Band eine neue andere Art von Trennung zwischen Ost und West auf sich zukommen.<ref>Landtag von Sachsen-Anhalt: Grünes-Band-Gesetz in Anhörung diskutiert. 14. August 2019, abgerufen am 28. Februar 2020</ref> Die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt machte im Mai 2019 deutlich, dass sie großen Wert darauf lege, dass die Anwendung des neuen Landesgesetzes im Einvernehmen mit den privaten Eigentümern betroffener Grundstücke erfolgen müsse.<ref>Grünes Band: CDU will Klarstellung für Landbesitzer. n-tv.de, 22. Mai 2019, abgerufen am 28. Februar 2020</ref>
Zum Schlagwort „zweite Enteignung“ äußerte sich 2001 der BUND-Landesverband Thürnigen differenziert. Es sei Rechtens gewesen, dass Flächen, die der Staat der DDR nach bundesdeutschem Recht zu Unrecht der Verfügungsgewalt der bäuerlichen Eigentümer entzogen habe, diesen oder ihren Erben auf Antrag habe zurückgeben müssen. Viele wüssten allerdings nicht, dass auch nach bundesdeutschem Recht öffentliche Gebietskörperschaften die Eigentümer vieler Flächen auf dem Grünen Band geblieben seien (z. B. im Fall von Staatsforsten). Erst durch die Anweisung an die Treuhandanstalt, möglichst viel Staatseigentum der ehemaligen DDR zu privatisieren, sei es für den BUND schwierig geworden, Flächen, die sich nach der Wiedervereinigung im Eigentum von deutschen Gebietskörperschaften befunden hätten, für Zwecke des Naturschutzes zurückzuerwerben.<ref>Karin Kowol: Spuren in der Landschaft. Eine Reise entlang des Grünen Bandes in Thüringen. 2001, S. 31, abgerufen am 7. April 2026.</ref>
Meinungen von Besuchern über das Grüne Band
Am 7. September 2019 äußerte Henning Sußebach in der „Zeit“ seine Enttäuschung über die Empfindungen, die sich während eines dreitägigen Wanderaufenthalts im Grünen Band bei ihm eingestellt hätten.<ref>Henning Sußebach: Nagturwunde. In: Die Zeit. Ausgabe 37/2019. 7. September 2019.</ref> Außer an Point Alpha sei „nicht viel los am ehemaligen Todesstreifen entlang der innerdeutschen Grenze. Man läuft und läuft und ist nach drei Tagen auf dem Todesstreifen […] so deprimiert wie mancher Bürger dreißig Jahre nach dem Mauerfall. […] Man läuft vier Stunden, sechs Stunden und begegnet unterwegs niemandem, wirklich keinem Menschen. […]“ Ja, der ehemalige Todesstreifen, „das Paradies für Flora und Fauna, die Perlenkette wertvoller Lebensräume, ein Ort des Erinnerns, ein Ort der Begegnung ist er nicht.“ Interessanter seien Abstecher zu den gastronomischen Highlights, die es in Nähe der ehemaligen Grenze ebenfalls gebe.
Editha Kresta von der „taz“ stellt Sußebachs Prämisse in Frage, ein Besuch am Grünen Band bedeute, Kilometer um Kilometer dessen Verlauf zu folgen. Niemand müsse „ganz allein mit Wanstschrecke und Schneckenfalter“ bleiben, sofern er diese Tiere überhaupt in der Landschaft finde. Gegen aufkommende Langeweile helfe es, ein Stücke an der Werra entlang zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu wandern und menschliche Gesellschaft in Form von Abstechern vom Grünen Band zu suchen.<ref>Editha Kresta: Am ehemaligen Todesstreifen. taz.de, 23. November 2019, abgerufen am 8. April 2026.</ref> Bei der Vorstellung des Vierländer-Grenzradwegs weist der Altmärkische Regionalmarketing- und Tourismusverband darauf hin, dass der Radweg sieben Mal das Grüne Band kreuze, es neben dem Grünen Band auf der Route aber auch eine Vielzahl anderer Sehenswürdigkeiten zu besuchen gebe.<ref>Vier-Länder Grenzradweg. Altmärkischer Regionalmarketing- und Tourismusverband, abgerufen am 9. April 2026.</ref> Der Verband weist generell darauf hin, dass Rad- und Reitwege in seinem Bereich generell „[n]icht immer […] direkt am Grünen Band auf dem Kolonnenweg entlang“ führen, gelegentlich auch über naturbelassene Wege.<ref>Radtouren und Infomaterial. Altmärkischer Regionalmarketing- und Tourismusverband, abgerufen am 9. März 2026.</ref>
Im April 2026 forderte Sachsen-Anhalts Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, das Grüne Band müsse besser touristisch erschlossen werden. Im Jahr 2025 habe er sich selbst mit dem Rad auf den Weg gemacht und festgestellt: „Da gibt es einen riesigen Ausbaubedarf.“ Beleites ist gemeinsam mit dem Salzwedeler Landrat Steve Kanitz Sprecher eines Fachbeirats zur Entwicklung des Schutzgebietes.<ref>Natur und Erinnerung. Grünes Band: Mehr Tourismus und Erinnerung gefordert. zeit.de, 3. April 2026, abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Philatelistisches
Mit dem Erstausgabetag 2. März 2020 gab die Deutsche Post AG ein Sonderpostwertzeichen mit dem Motiv Grünes Band Deutschland heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Annette le Fort und André Heers aus Kiel.
Siehe auch
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Literatur
(Sortierung nach Erscheinungsjahrgang.)
- Norddeutsche Naturschutzakademie (Hrsg.): Mitteilungen aus der NNA. 5. Jahrgang, Heft 3, 1994 mit dem Themenschwerpunkt Naturschutz am ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen. S. 2–35. ISSN 0938-9903 (Online).
- U. Harteisen, S. Neumeyer, S. Schlagbauer, K. Bizer, S. Hensel, L. Krüger: Grünes Band – Modellregion für Nachhaltigkeit: Abschlussbericht des Forschungsvorhabens. Universitätsverlag Göttingen, 2010, ISBN 978-3-941875-60-9 (open access Version)
- Stefan Esser: Radtouren am Grünen Band: In 32 Etappen von Tschechien bis zur Ostsee, Tourenrad- und Mountainbikestrecken. Bruckmann, München 2011, ISBN 978-3-7654-4774-7.
- Dieter Leupold: Das Grüne Band in Sachsen-Anhalt: Vom Todesstreifen zur Lebenslinie. In: Sachsen-Anhalt-Journal. Band 29, H. 4, 2019, S. 11–12
- Andreas Kieling mit Sabine Wünsch: Ein deutscher Wandersommer. 1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat. Malik im Piper Verlag, München 2011, ISBN 978-3-89029-393-6
- Mario Goldstein: Abenteuer Grünes Band. 100 Tage zu Fuß entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze Knesebeck, 2019, ISBN 978-3-95728-279-8
- Joey Kelly mit Ralf Hermersdorfer, Thomas Stachelhaus: Das Grüne Band. Geteilt durch Deutschland – 1400 km Natur, Geschichte, Emotionen, National Geographic, 2021, ISBN 978-3-86690-748-5
Weblinks
- Heinz Sielmann Stiftung: Grünes Band Eichsfeld-Werratal
- BUND: Grünes Band
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Innerdeutsches Grünes Band
- Magazin der Deutsche Stiftung Denkmalschutz "Monumente": Beschreibung aus Natur- und Denkmalschutzsicht. Am Grünen Band bilden Natur- und Denkmalschutz seit 25 Jahren eine Symbiose. Juni 2014.
- BUND: „Lenzener Erklärung zum Grünen Band“. 29. September 2019
- Bundesverband Deutscher Stiftungen: Vor 30 Jahren: Initialzündung für das Grüne Band. Meldungen, 09.12.2019. Vorstellung der am Grünen Band engagierten Stiftungen.
- Bayerischer Rundfunk: Am Grünen Band. Sendereihe: Traumpfade, Mountainbiketour am ehemaligen Patrouillenweg der DDR-Grenzsoldaten von Florian Guthknecht, 09.11.2024.
- Bayerischer Rundfunk: Ehemaliger Todesstreifen voller Leben – Grünes Band wird 35. Sendereihe: Frankenschau aktuell. 19.03.2025.
- Film: Grenzerfahrungen – Thorsten Hoyer erwandert das Grüne Band Deutschland. Wandermagazin, 15.10.2025.
Einzelnachweise
<references responsive />
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Weblink offline
- Wikipedia:Weblink offline fix-attempted
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Webarchiv
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:Datum
- FFH-Gebiet in Deutschland
- Gedenken an die deutsche Wiedervereinigung
- Umwelt- und Naturschutz (Deutschland)
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
- Welterbekandidat in Deutschland
- Goldene Henne (Publikums- und Medienpreis)
- Welterbekandidat in Europa