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Oktogon (Architektur)

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Datei:Dehio 7 Rome Lateran.jpg
Grundriss des Lateranbaptisteriums
Datei:Dehio 10 Dome of the Rock Floor plan.jpg
Grundriss des Felsendoms
Datei:Main mosaic ceiling, Aachen Cathedral, Germany.jpg
Oktogon des Aachener Doms
Datei:Grundriss Seiffener Kirche 1776.jpg
Grundriss der Seiffener Kirche
Datei:H7g-fowler-plan-small.jpg
Plan für ein Oktogonhaus von O. S. Fowler
Datei:Castel del Monte BW 2016-10-14 12-26-11 r.jpg
Beim Castel del Monte wird aufgrund der Architektur eine sakrale Funktion vermutet.
Datei:Церковь Николая Чудотворца фото 1.jpg
Die achteckige, auf dem Boden stehende Nikolauskirche (1581–1584) aus Holz in der Pogost Ljavlja, Oblast Archangelsk, Russland

Ein Oktogon oder Oktagon (Achteck) ist in der Architektur ein Zentralbau oder -raum mit einem Grundriss in Form eines regelmäßigen Achtecks. Das Achteck hat seit der Antike eine symbolische Bedeutung, die auf das Urbild des achtstrahligen Sterns zurückgeht und für Vollkommenheit steht.<ref>Georg Friedrich Kempter: Das Oktogon als architektonische Grundform. (PDF; 187 kB) Abgerufen am 13. Dezember 2013.</ref>

Antike und frühmittelalterliche Gebäude

Die wohl erste dokumentierte Anwendung eines Achtecks als Grundriss war im Athener Turm der Winde.<ref>Karlheinz Schaldach: Die antiken Sonnenuhren Griechenlands. Frankfurt am Main, 2006, ISBN 3-8171-1756-6, S. 78–81.</ref> Während hierbei das Achteck vor allem zur Veranschaulichung der acht Winde und als Zeiger der Wetterfahne zur Anwendung kam, folgten zahlreiche oktogonale Bauten vorrangig im sakralen Bereich.

Der zweifach achsensymmetrische Grundriss wurde bei säkular-repräsentativen Bauten wie auch bei Sakralbauten wegen der symbolischen Bedeutung der Zahl Acht gewählt. Sie steht meist für Vollkommenheit und göttliche Perfektion. Achteckige Bauten haben vier Symmetrieachsen. Die Acht steht im Christentum auch für die Auferstehung Jesu Christi und die Teilhabe an Christus in der Taufe.<ref>Franz Joseph Dölger: Das Oktogon und die Symbolik der Achtzahl. In: Franz Joseph Dölger: Antike und Christentum, Band 4. Münster 1934, S. 153–187.</ref> Häufig sind daher Baptisterien und Taufbecken in Achteckform.

In frühmittelalterlichen Kirchengebäuden ist das Oktogon als eigenständiger Zentralbau zu finden. Es wird angenommen, dass die oktogonale Form von Sakralbauten aus der byzantinischen Architektur über Bauten wie die Kirche San Vitale<ref>Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, In: Architectura, Bd. 15 1985, S. 117–139 (123).</ref> in Ravenna (6. Jahrhundert) nach Südeuropa kam. (Das ältere Baptisterium des Lateran aus dem frühen 4. Jahrhundert war wohl zur Bauzeit noch nicht achteckig.) Karl der Große, der die Kirche von Ravenna kannte, wählte im 8. Jahrhundert diese Form für die Aachener Pfalzkapelle.<ref>Udo Mainzer: Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen als Teil des Welterbes. In: Andrea Pufke (Hrsg.): Die karolingische Pfalzkapelle in Aachen. Material – Bautechnik – Restaurierung (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 78). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2012, ISBN 978-3-88462-325-1, S. 9.</ref> Diese wiederum war im Rahmen der Karlsverehrung Vorbild weiterer frühmittelalterlicher Kirchen im Heiligen Römischen Reich, etwa der Mettlacher Grabkirche<ref>Herbert Brunner et al.: Reclams Kunstführer Deutschland VI. Stuttgart 1980, ISBN 3-15-010286-3, S. 294.</ref> (um 990) oder der Abteikirche Ottmarsheim (1020–1030). Während die Form der Basilika, ab der Ottonik auch mit kreuzförmigem Grundriss, immer beliebter wurde, wurden die Zentralbauten und damit auch das Oktogon an den Rand gedrängt, meist als Tauf- oder Grabkapelle. Kaiser Friedrich II. von Stauffen errichtete das Castel del Monte ebenfalls auf oktonalem Grundriss, eine architektonische Bezugnahme zu voran genannten Sakralbauten ist anzunehmen.

In der Romanik und Gotik finden sich Oktogone als Turmgeschosse und Vierungstürme, insbesondere bei Kaiserdomen. Der Achtort wurde wohl als Proportionsschlüssel dabei verwendet. Auch die Reichskrone des Heiligen Römischen Reichs weist eine oktogonale Form auf, ferner der Untersatz des Cappenberger Kopfes.<ref>Caroline Horch: …caput argentum ad imperatoris formatum effigiem… Der Cappenberger Barbarossakopf: Bild oder Bildnis In: AufRuhr 1225! Das Mittelalter in Rhein und Ruhr. Katalog zur Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie Herne vom 27. Februar bis 28. November 2010, Mainz 2010, ISBN 978-3-8053-4108-0, S. 107–121.</ref> Aus acht Segmenten besteht der Aachener Barbarossaleuchter,<ref>Georg Minkenberg: Der Barbarossaleuchter im Dom zu Aachen. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein 96, 1989, S. 69–102.</ref> der das Himmlische Jerusalem symbolisiert.

Eine Art der Ehrung stellt die oktogone Kuppel in der Kemptener St. Lorenz-Kirche dar. Aufgrund der Gründungsgeschichte, Gründung und Stiftung des Kemptener Klosters durch Karl den Großen und seiner dritten Gemahlin Hildegard, stellt die in ihrer Grundform achteckige Kuppel einen Nachklang an den Aachener Dom dar. Auch weitere Indizien wie verschiedene Deckenfresko mit Darstellungen von Karl dem Großen und Hildegard unterstützen diese These.<ref>gvba.de: Das Aachener Oktogon als Krone der Stiftskirche St. Lorenz zu Kempten. 21. Januar 2011 (abgerufen am 17. November 2012).</ref>

Bedeutende Oktogonalbauten (nach Alter)

Datei:Ranakpur Jain Temple Ceiling detail.jpg
Oktogonale Empore mit runder Kragkuppel im Adinath-Tempel in Ranakpur, Rajasthan, Indien
Datei:Easy-Credit Stadion 2008.jpg
Max-Morlock-Stadion in Nürnberg in der Form eines unregelmäßigen Achtecks
Datei:Kunstakademie Dresden Oktogon RK01.jpg
Blick in die Kuppel des Oktogons der Kunstakademie in Dresden zur „Zitronenpresse“

Gut erhaltene mittelalterliche Oktogonkirchen im deutschsprachigen Raum sind auch die Dorfkirche Ludorf (12./13. Jahrhundert), St. Sigismund in Oberwittighausen (um 1150), St. Achatius in Grünsfeldhausen (um 1200), St. Ulrich in Standorf (1220).

Barocke Oktogone

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Der Herkules auf dem Oktogon im Bergpark Wilhelmshöhe Kassel, 2018

Außerdem findet man in der Barockzeit häufig auf mittelalterlichen Turmgeschossen aufgesetzte, mit einem Zeltdach abgeschlossene Oktogone, die die Schallöffnungen für die Glockenstühle und mitunter Turmuhren haben.

Im Festungsbau fand das Achteck u. in Neuf-Brisach Verwendung.

Leuchttürme als Oktogon

Im vorindustriellen Zeitraum waren Leuchttürme zumeist gemauert, vorrangig als Rundturm, oftmals als Achteck oder in quadratischer Gebäudeform mit aufgesetzter runder Laterne.

Amerikanische Oktogonhäuser

Mitte des 19. Jh. wurde das Oktogon in den USA in der bürgerlichen Architektur kurzzeitig populär. Von den Architekten William Thornton und Thomas Jefferson stammen achtseitige Modellbauten (siehe Octagon House).

Popularisiert wurde die Form von dem Phrenologen Orson Squire Fowler, der die Achteckform als ökonomischste Bauweise und ideale Wohnumgebung für den Menschen ansah. In den USA, vor allem an der Ostküste und im Mittleren Westen, existieren heute noch rund 500 dieser modischen Wohngebäude aus dem 19. Jh.

Bedürfnisanstalten

In Berlin werden die eisernen, im 19. Jahrhundert auf oktogonalem Grundriss entstandenen öffentlichen Bedürfnisanstalten scherzhaft auch als Café Achteck bezeichnet.

Oktogonale Anlagen in Städtebau und Gartenkunst

Pseudo-Oktogon

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Einzelnachweise

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Weblinks

Commons: Oktogone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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