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Nitrobenzoesäuren

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Die Nitrobenzoesäuren bilden in der Chemie eine Stoffgruppe, die sich sowohl von der Benzoesäure als auch vom Nitrobenzol ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Carboxy- (–COOH) und Nitrogruppe (–NO2) als Substituenten. Durch deren unterschiedliche Anordnung ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C7H5NO4. Die 4-Nitrobenzoesäure findet vor allem Verwendung in der Analyse organischer Substanzen.

Vertreter

Nitrobenzoesäuren
Name 2-Nitrobenzoesäure 3-Nitrobenzoesäure 4-Nitrobenzoesäure
Andere Namen o-Nitrobenzoesäure m-Nitrobenzoesäure p-Nitrobenzoesäure
Strukturformel Struktur von 2-Nitrobenzoesäure Struktur von 3-Nitrobenzoesäure Struktur von 4-Nitrobenzoesäure
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
PubChem 11087 8497 6108
Summenformel C7H5NO4
Molare Masse 167,12 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Kurzbeschreibung weißes Pulver<ref name="GESTIS_o"/> gelbliches kristallines
Pulver<ref name="GESTIS_m"/>
hellgrünes kristallines
Pulver<ref name="GESTIS_p"/>
Schmelzpunkt 146–148 °C<ref name="GESTIS_o"/> 139–142 °C<ref name="GESTIS_m"/> 239–242 °C<ref name="GESTIS_p"/>
Siedepunkt Zers.<ref name="GESTIS_o"/> Zers.<ref name="GESTIS_m"/> Zers.<ref name="GESTIS_p"/>
pKs-Wert 2,22<ref name="CRC"/> 3,44<ref name="CRC"/> 3,42<ref>Beyer/Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 19. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-7776-0356-2, S. 511.</ref>
Löslichkeit
in Wasser
7,8 g/l (25 °C)<ref name="GESTIS_o"/> 3 g/l (25 °C)<ref name="GESTIS_m"/> 0,42 g/l (20 °C)<ref name="GESTIS_p"/>
GHS-
Kennzeichnung
Gefahrensymbol
Achtung<ref name="GESTIS_o"/>
Gefahrensymbol
Achtung<ref name="GESTIS_m"/>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Achtung<ref name="GESTIS_p"/>
H- und P-Sätze 315​‐​319​‐​335 319 302​‐​315​‐​319​‐​341​‐​351​‐​361fd
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
280​‐​302+352​‐​305+351+338​‐​304+340​‐​312 264​‐​280​‐​305+351+338​‐​337+313 202​‐​264​‐​301+312​‐​302+352​‐​305+351+338​‐​308+313

Darstellung

3-Nitrobenzoesäure erhält man aus Benzoesäuremethylester durch Umsetzung mit rauchender Salpetersäure in Gegenwart von konzentrierter Schwefelsäure.<ref>Oliver Kamm, J. B. Segur: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 3, 1923, S. 71, doi:10.15227/orgsyn.003.0071; Coll. Vol. 1, 1941, S. 372 (PDF).</ref> Nach der Nitrierung wird der entstandene 3-Nitrobenzoesäuremethylester zur Säure verseift.<ref>Oliver Kamm, J. B. Segur: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 3, 1923, S. 73, doi:10.15227/orgsyn.003.0073; Coll. Vol. 1, 1941, S. 391 (PDF).</ref>

Darstellung von 3-Nitrobenzoesäure
Darstellung von 3-Nitrobenzoesäure

Wird jedoch die Benzoesäure direkt nitriert, so entsteht zumeist 3,5-Dinitrobenzoesäure.

Generell sind die Nitrobenzoesäuren aus den Nitrotoluolen durch Oxidation der Methylgruppe zugänglich. So wird 4-Nitrotoluol mit Natriumdichromat in Gegenwart von konzentrierter Schwefelsäure zur 4-Nitrobenzoesäure oxidiert.<ref>O. Kamm, A. O. Matthews: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 2, 1922, S. 53, doi:10.15227/orgsyn.002.0053; Coll. Vol. 1, 1941, S. 392 (PDF).</ref>

Darstellung von 4-Nitrobenzoesäure
Darstellung von 4-Nitrobenzoesäure

Eigenschaften

Die Nitrobenzoesäuren sind farblose bis gelbliche kristalline Feststoffe. Die Schmelzpunkte unterscheiden sich deutlich. Die 4-Nitrobenzoesäure, die die höchste Symmetrie aufweist, besitzt den höchsten Schmelzpunkt. Die Nitrobenzoesäuren weisen aufgrund des −M-Effekts der Nitrogruppe eine höhere Acidität im Vergleich zur Benzoesäure auf. Die pKs-Werte sind daher entsprechend niedriger (Benzoesäure: 4,20<ref name="CRC"/>).

Verwendung

Analytik

Die 4-Nitrobenzoesäure findet vor allem Verwendung in der Analyse organischer Substanzen durch Derivatisierung. Flüssige Substanzen oder solche mit niedrigem Schmelzpunkt werden dazu in leicht kristallisierende Derivate umgewandelt: Alkohole können beispielsweise durch die Messung der Schmelzpunkte ihrer Ester der 4-Nitrobenzoesäure oder der 3,5-Dinitrobenzoesäure identifiziert werden. Hierzu wird die zu analysierende Substanz mit 4-Nitrobenzoesäure in Gegenwart geringer Mengen Schwefelsäure umgesetzt. Vorlage:Formel

Die Schmelzpunkte dieser Derivate sind in der Regel scharf. Diese Umsetzung ist auch für zahlreiche Amine geeignet.

Die Derivate der 3,5-Dinitrobenzoesäure besitzen in der Regel höhere Schmelzpunkte als die der 4-Nitrobenzoesäure.<ref name="CRC"/> Sie werden dann bevorzugt gewählt, wenn der Schmelzpunkt mit der 4-Nitrobenzoesäure zu niedrig ist und keine genaue Bestimmung mehr möglich wird.

Ist die fragliche Substanz empfindlicher, so erfolgt stattdessen die direkte Umsetzung mit dem entsprechenden Säurechlorid, dem 4-Nitrobenzoylchlorid. Auf diese Weise sind z. B. auch Derivate der Aminosäuren zugänglich.

Synthese

3-Aminobenzoesäure kann durch die Reduktion von 3-Nitrobenzoesäure erhalten werden. Als Reduktionsmittel eignen sich beispielsweise elementares Zink in Salzsäure<ref>J. Wilbrand, F. K. Beilstein: Ueber eine neue Reihe isomerer Verbindungen der Benzoëgruppe. – Nitrodracylsäure und deren Derivate, in: J. Liebigs Ann. Chem., 128, 1863, S. 257–273 (doi:10.1002/jlac.18631280302).</ref> oder Hydrazin.<ref>T. Curtius: Die Einwirkung von Hydrazinhydrat auf Nitroverbindungen. I. Abhandlung, in: J. Prakt. Chem., 76, 1907, S. 233–237 (doi:10.1002/prac.19070760116).</ref>

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="CRC">CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.</ref> <ref name="GESTIS_o">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_m">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> <ref name="GESTIS_p">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> </references>