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Heidemarie Wieczorek-Zeul

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Datei:SPD Bundesparteitag Leipzig 2013 by Moritz Kosinsky 070.jpg
Heidemarie Wieczorek-Zeul (2013)

Heidemarie Wieczorek-Zeul [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˌviːt͡ʃoʁɛkˈt͡sɔɪ̯l] (* 21. November 1942 in Frankfurt am Main als Heidemarie Zeul) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Von 1998 bis 2009 war sie Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Leben und Beruf

Heidemarie Zeul absolvierte nach ihrem Abitur an der Frankfurter Herderschule von 1961 bis 1965 ein Studium für das Lehramt an Haupt- und Realschulen für die Fächer Englisch und Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. In den Jahren 1965 bis 1974 war sie als Lehrerin an der Friedrich-Ebert-Schule und von 1977 bis 1978 an der Georg-Büchner-Schule in Rüsselsheim tätig. Von 1965 bis 1979 war sie mit dem SPD-Politiker Norbert Wieczorek verheiratet. Nach der Scheidung behielt sie den Nachnamen Wieczorek-Zeul.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Auch für Frauenrechte immer weiter kämpfen. In: vorwaerts.de. 8. Januar 2019, abgerufen am 13. April 2023.</ref> Ihre Schwester war die Psychoanalytikerin Mechthild Zeul (1939–2023).<ref>Traueranzeige Mechthild Zeul. 9. Dezember 2023, abgerufen am 13. Januar 2025.</ref><ref>Mechthild Zeul im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 13. Januar 2025.</ref>

Sie ist evangelisch und bezeichnete ihre christliche Überzeugung „immer als meine Richtschnur“.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Gerechtigkeit und Frieden sind Geschwister. Marburg 2018, S. 11.</ref>

Politische Karriere

Partei

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F048648-0034, Dortmund, SPD-Parteitag, Wieczorek-Zeul.jpg
Heidemarie Wieczorek-Zeul als Juso-Vorsitzende, 1976
Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F079284-0035, Münster, SPD-Parteitag, Wieczorek-Zeul.jpg
Wieczorek-Zeul 1988 (mit Erhard Eppler)

Seit 1965 ist Wieczorek-Zeul Mitglied der SPD. Von 1974 bis 1977 war sie Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, die erste Frau in dieser Position.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: www.fes.de. Abgerufen am 13. April 2023.</ref> In dieser Zeit erwarb sie sich den Ruf als „Rote Heidi“ bzw. „Rote Heide“. Seit 1984 war sie Mitglied im SPD-Bundesvorstand. Von 1987 bis 1999 war sie Vorsitzende des SPD-Bezirksverbandes Hessen-Süd. Bei der Urabstimmung der Mitglieder 1993 über einen neuen SPD-Bundesvorsitzenden kandidierte sie erfolglos gegen Rudolf Scharping und Gerhard Schröder.<ref>Linda Dietze: Die rote Kämpferin: Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: bundestag.de. Deutscher Bundestag, abgerufen am 13. April 2023.</ref> Von 1993 bis 2005 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD.<ref>Goethe-Universität — Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: www.uni-frankfurt.de. Abgerufen am 13. April 2023.</ref>

Abgeordnete

Von 1968 bis 1972 war Wieczorek-Zeul Stadtverordnete in Rüsselsheim und 1972 war sie Mitglied des Kreistages in Groß-Gerau.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul im Munzinger-Archiv, abgerufen am 13. April 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Von 1977 bis 1979 hatte sie das Amt der Vorsitzenden des „Europäischen Koordinierungsbüro der internationalen Jugendverbände“ inne.

Bei der ersten Direktwahl 1979 wurde sie in das Europäische Parlament gewählt, dem sie bis zu ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag 1987 angehörte.<ref>Ruhegehalt Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: focus.de. 4. September 2013, abgerufen am 13. April 2023.</ref> Von 1987 bis 2013 war sie Bundestagsabgeordnete.<ref>Paul Munzinger: „Dieser Schritt ist unvermeidlich“. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Mai 2015, abgerufen am 13. April 2023.</ref> Bis 1998 war sie stets über die Landesliste in den Bundestag eingezogen, ab dann zunächst über ihren Wahlkreis. Bei der Bundestagswahl 2009 verlor sie das Direktmandat im Wahlkreis Wiesbaden mit 32,6 % an Kristina Schröder (40,8 %). Im Bundestag war sie von 1987 bis 1998 europapolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.<ref>Vorlage:Whoswho</ref> Heidemarie Wieczorek-Zeul gehörte der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion an. Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte sie nicht mehr.<ref>Gaby Buschlinger: Vor der Kandidatenkür, fr.de, 24. August 2012.</ref>

Mitgliedschaften

Sie war Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.<ref>Kommt zusammen und macht Europa stark. In: www.spd-dotzheim.de. Abgerufen am 13. April 2023.</ref>

Öffentliche Ämter

Am 27. Oktober 1998 wurde sie als Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte Bundesregierung berufen. Dieses Amt behielt sie auch in der von 2005 bis 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten Großen Koalition und damit insgesamt elf Jahre – die längste Dienstzeit für die Leitung dieses Ressorts.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: spd-wiesbaden.de. Abgerufen am 13. April 2023.</ref> Neben ihrem bundesdeutschen Amt war sie zeitgleich Gouverneurin der Weltbank, Mitglied des Verwaltungsrats der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Mitglied des Verwaltungsrats der Deutschen Welle.<ref name="Miltsch213">Rebecca Miltsch: Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): 50 Jahre deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ von Walter Scheel bis Dirk Niebel. S. 213.</ref> Mit der Vereidigung des zweiten Kabinetts Merkels am 28. Oktober 2009 schied sie aus dem Amt. Sie war damit das einzige durchgehende Regierungsmitglied der Bundesregierungen während der sozialdemokratischen Regierungskoalitionen seit 1998. Aus diesem Grund war sie auch laut § 22 der Geschäftsordnung der Bundesregierung die Vertreterin des Vizekanzlers.

Von 2016 bis 2025 war sie Mitglied des Rats für Nachhaltige Entwicklung.<ref>Website des Rats für nachhaltige Entwicklung, abgerufen am 10. Juli 2018</ref>

Schwerpunkte als Ministerin

Als Ministerin setzte sie deutliche Akzente auf die internationale Armutsbekämpfung<ref>Franz Nuscheler im Interview mit der Tagesschau vom 6. September 2012.</ref> und Friedenssicherung. In der Krisenvorbeugung „sah sie als Bundesministerin die Möglichkeit, Schäden, welche durch einen Konflikt entstehen würden, schon im Ansatz vorzubeugen“.<ref name="Miltsch213" /><ref>Interview im Deutschlandfunk Entwicklungspolitik ist die kostengünstigste Sicherheitspolitik deutschlandfunk.de, abgerufen am 1. Februar 2016.</ref>

Entwicklungspolitische Akzente in internationalen Institutionen

Als einer der größten Erfolge Wieczorek-Zeuls bereits zu Beginn ihrer Amtszeit gilt ein erster umfassender Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer, der unter Vorsitz der frisch ins Amt gewählten rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder auf dem G8-Gipfel in Köln 1999 gelingt, indem – unterstützt von einer hochmobilisierten Kampagne der Zivilgesellschaft und zahlreicher NGOs -- IWF, Weltbank und skeptische G7-Staaten überzeugt werden können<ref>Bayerischer Rundfunk: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />G8-Gipfel in Köln. (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive), abgerufen am 1. Februar 2016.</ref>. Dieser Schuldenerlass setzte Mittel bei den Entwicklungsländern frei, die im Gegenzug zusagten, die frei werdenden Mittel für entwicklungsrelevante Bereich wie u. a. Bildung einzusetzen.<ref>Manfred Knapp / Gerd Knell (Hrsg.): Einführung in die internationale Politik. S. 185.</ref><ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 31f.</ref>

In der eigenen Rückschau ihrer Amtszeit erläutert Wieczorek-Zeul, wie sie auch in den Folgejahren kontinuierlich darum bemüht war, Deutschlands Sitz in den Führungsgremien der Finanzinstitutionen in Bündnissen mit anderen Regierungen so einzusetzen, dass diese zunehmend entwicklungspolitische Aspekte berücksichtigten.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 36–39</ref> Bekanntheit erlangte dabei ihr als „Utstein-Gruppe“<ref>benannt nach dem Tagungsort Kloster Utstein in Norwegen</ref> bezeichnetes, informelles Bündnis mit den Entwicklungsministerinnen von Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden.<ref>Der Tagesspiegel: Zum Abgang von Hilde Johnson als UNMISS-Chefin. Abgerufen am 1. Februar 2016.</ref> In die erste Amtszeit Wieczorek-Zeuls fällt zudem die Erarbeitung und Verabschiedung der Millenniums-Entwicklungsziele für deren Umsetzung sie sich nachhaltig einsetzt.<ref>Hartmut Ihne, Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Einführung in die Entwicklungspolitik. S. 43.</ref>

Deutscher Beitrag zur Entwicklungsfinanzierung

Bis zur Amtsübernahme Wieczorek-Zeuls war der Anteil deutscher Entwicklungspolitik an der Wirtschaftsleistung rückläufig und Deutschland entfernte sich zunehmend von der offiziell ausgerufenen Zielquote von 0,7 Prozent. Unter ihrer Führung konnte das Entwicklungsministerium diesen Trend umkehren und seine Mittelausstattung deutlich verbessern. So gelang ihr 2005, Bundeskanzler Gerhard Schröder für einen Stufenplan der Europäischen Union zur Erreichung der 0,7-Prozentquote zu überzeugen. Auch während Wieczorek-Zeuls Amtszeit in der großen Koalition (2005 bis 2009) wurde dieser Stufenplan weiter verfolgt.<ref>Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: Entwicklung der deutschen ODA-Quote 1973-2014 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />bmz.de (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive), abgerufen am 1. Februar 2016.</ref>

Außenpolitische Akzente

Einer der bekanntesten außenpolitischen Akzente war Wieczorek-Zeuls Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands. Im August 2004 reiste sie aus Anlass des 100-jährigen Gedenkens an den Völkermord an den Herero und Nama durch die deutschen kaiserlichen „Schutztruppen“ nach Namibia. In ihrer Rede bat sie „im Sinne des gemeinsamen Vaterunsers um Vergebung unserer Schuld.“<ref>Wieczorek-Zeul bat um Vergebung. In: welt.de. 15. August 2004, abgerufen am 13. April 2023.</ref> Dieser Vorstoß war umstritten, da das Außenministerium unter dem damaligen Minister Joschka Fischer in der Konsequenz justiziable Wiedergutmachungsansprüche an Deutschland befürchtete. In ihren Erinnerungen schildert Wieczorek-Zeul, wie akribisch sie vor diesem Hintergrund die exakte Formulierung ihrer Rede vorbereitete, wie sie aber zugleich ihre Erinnerung an deutsche Vergehen für geboten hielt.<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 47–49</ref> Die Politikwissenschaftlerin Rebecca Miltsch wertet dies als Beleg für die „humanitäre Grundeinstellung und konsequente Haltung“ Wieczorek-Zeuls.<ref>Rebecca Miltsch: Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): 50 Jahre deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ von Walter Scheel bis Dirk Niebel. S. 222.</ref>

Diese setzt sich auch anderer Stelle fort: In der Diskussion um die Bürgerkriegslage in Darfur setzte sie sich 2006 – entgegen der Regierungslinie – dafür ein, dass Deutschland eine UN-Friedensmission unterstützt. Im Jahr 2008 empfing sie den Dalai Lama, obwohl sie dafür Kritik erntete.<ref>Deutscher Bundestag: Die rote Kämpferin. Heidemarie Wieczorek-Zeul [1], abgerufen am 1. Februar 2016</ref> Das mit 80 Millionen Euro jährlich äußerst umfangreiche Engagement Deutschlands im Wiederaufbau Afghanistans nach der NATO-Intervention 2001 fällt ebenfalls in die Amtszeit Wieczorek-Zeuls, die auf der Afghanistan-Konferenz 2006 argumentierte, die Menschen müssten spüren, „dass sich der Frieden für sie lohne.“<ref name="Stüwe254">Klaus Stüwe: Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: Udo Kempf, Hans-Georg Merz, Markus Gloe (Hrsg.): Kanzler und Minister 2005–2013. S. 254.</ref>

Inhaltliche Schwerpunkte

Als inhaltlichen Schwerpunkt nennt Wieczorek-Zeul selbst die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 111ff.</ref>, den Kampf gegen Genitalverstümmelung<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 86ff.</ref> sowie die Epidemien HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria,<ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul: Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen S. 96ff.</ref> den sie nach ihrer Amtszeit zudem ehrenamtlich fortsetzt. Strukturell stellt die Reduktion der bilateralen Zusammenarbeit auf eine beschränkte Anzahl von Partnerländern eine der wichtigsten Reformen unter Wieczorek-Zeul dar, die sie von 70 auf 58 Staaten konzentrierte und um das Konzept so genannter „Ankerländer“ ergänzte.<ref name="Stüwe254" />

Ein weiterer Ansatz, den Wieczorek-Zeul bereits unter rot-grün verfolgte, war die Etablierung so genannter Entwicklungspartnerschaften mit dem Privatsektor, was sie mit der Auffassung begründete, dass die Millenniumsziele nur im Zusammenwirken mit der Wirtschaft zu erreichen seien. Ein weiteres Reformhaben, die Zusammenführung der deutschen Entwicklungsorganisationen GTZ, KfW, inwent, konnte Wieczorek-Zeul nicht umsetzen, da dies u. a. am Widerstand des Wirtschaftsministeriums scheiterte.<ref name="Miltsch219">Rebecca Miltsch: Heidemarie Wieczorek-Zeul. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): 50 Jahre deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ von Walter Scheel bis Dirk Niebel. S. 219.</ref>

Freiwilligendienst

Als weitere bleibende Leistung Wieczorek-Zeuls gilt die Gründung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“, der jungen Erwachsenen die Möglichkeit eröffnet, für bis 24 Monate bei einer anerkannten Entwicklungsorganisation im Ausland tätig zu sein, was nach Einschätzung von Beobachtern dazu beitragen konnte, die Anliegen und Notwendigkeiten der Entwicklungspolitik stärker in die Gesellschaft zu tragen.<ref name="Miltsch219" /><ref>Entwicklungshilfe beginnt in Deutschland. In: zeit.de. 12. September 2009, abgerufen am 13. April 2023.</ref>

Politische Positionen

Wieczorek-Zeul sprach im Sommer 2004 im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg von einem Verbrechen. Nach Angaben ihres Ministeriums hatte Wieczorek-Zeul bei der Eröffnung einer Ausstellung gesagt: „Der Irakkrieg hat entsetzliches menschliches Leid und zahlreiche Opfer bei der Zivilbevölkerung, aber auch bei den Soldaten mit sich gebracht. Das ist ein wirkliches Verbrechen.“<ref>Nach Irak-Äußerungen Union: Kanzler soll Entwicklungsministerin maßregeln FAZ vom 3. September 2004</ref><ref>Elefant im diplomatischen Porzellanladen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Politiker fordert Maulkorb für Bundesministerin (Memento vom 30. September 2004 im Internet Archive) NZ Netzeitung vom 3. September 2004</ref><ref>Äußerung zu Israel: Wieczorek-Zeul unter Druck SPIEGEL ONLINE vom 18. Juli 2006.</ref>

Wieczorek-Zeul nannte den israelischen Angriff auf den Libanon im Juli 2006 „völkerrechtlich völlig inakzeptabel“ und erntete dafür harte öffentliche Kritik, unter anderem von der Jungen Union, der FDP und den Grünen. Seitens des Zentralrates der Juden in Deutschland wurde daraufhin die Frage gestellt, „ob eine solche Entwicklungshilfeministerin im Namen der Sozialdemokraten noch tragbar“ sei.<ref>Presseerklärung: Zentralrat kritisiert Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul (SPD) Zentralrat vom 16. Juli 2006.</ref><ref>Im Kreuzfeuer der Kritik: Wieczorek-Zeul nennt Israels Angriffe „völkerrechtlich völlig inakzeptabel.“ RP Online vom 18. Juli 2006.</ref>

Im Rahmen der deutschen Beziehungen mit der Palästinensischen Autonomiebehörde bemüht sich Wieczorek-Zeul um eine Anerkennung der Anfang 2007 gewählten Einheitsregierung aus Hamas und Al-Fatah. Darüber hinaus dürften nach ihrer Ansicht Gewaltverzicht und Anerkennung des Existenzrecht Israels (u. a. Teile der sogenannten Roadmap) sowie die Anerkennung der noch von der PLO geschlossenen Verträge nicht Vorbedingungen für Gespräche sein.<ref>„<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wieczorek-Zeul trifft am Freitag neuen Palästinenser-Minister (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)“, Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung vom 21. März 2007.</ref>

Während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 kritisierte sie die Enthaltung Deutschlands bei der UN-Resolution für einen internationalen Militäreinsatz scharf und sprach von einem „Verrat am libyschen Volk und an den Menschenrechten“.<ref>Andreas Herholz: Der AWACS-Deal der Kanzlerin. In: www.pnp.de. Neue Presse Verlags-GmbH, 19. März 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Mai 2011; abgerufen am 22. Juni 2025.</ref>

Am 1. März 2022 forderte sie Altkanzler Gerhard Schröder via Facebook auf, umgehend seine Ämter in russischen Unternehmen und Institutionen niederzulegen. Sie schrieb unter anderem:

„Gerhard Schröder muss seine Ämter in russischen Firmen und Institutionen niederlegen! Das ist er sich selbst, aber auch uns allen schuldig!“<ref>Rote Karte für Schröder. Siehe auch Heidemarie Wieczorek-Zeul auf facebook.com.</ref>

Kritik

Heidemarie Wieczorek-Zeul wird maßgeblich mit der Kandidatur von Andrea Nahles in Verbindung gebracht, die sich am 31. Oktober 2005 im Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei in einer Kampfabstimmung um die Nominierung zur Generalsekretärin gegen den vom damaligen Parteichef Franz Müntefering vorgeschlagenen Kajo Wasserhövel durchsetzte. Müntefering kündigte daraufhin an, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er löste damit eine große parteiinterne Führungskrise aus, in deren Folge Heidemarie Wieczorek-Zeul teils massiv kritisiert wurde. Sie beugte sich schließlich dem öffentlichen Druck zum Verzicht auf ihr Führungsamt als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende.<ref>SPD-Vorstand: Die „Königsmörder“ müssen gehen Handelsblatt vom 1. November 2005</ref><ref>SPD-Vize: Wieczorek-Zeul kandidiert nicht mehr SPIEGEL ONLINE vom 1. November 2005</ref><ref>Sozialdemokraten: SPD-Chef will Wasserhövel ZEIT vom 24. Oktober 2005.</ref>

Während des Libanonkrieges im Jahr 2006 warf der Zentralrat der Juden in Deutschland Heidemarie Wieczorek-Zeul vor, antisemitische Positionen zu vertreten, da sie einseitig Israel kritisiere und nicht die Notlage benenne, aus der heraus Israel handele.<ref>it/ddp: Wieczorek-Zeul akzeptiert Kritik nicht. Antisemitismus. In: www.focus.de. BurdaForward GmbH, 31. August 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juli 2015; abgerufen am 22. Juni 2025.</ref>

Wieczorek-Zeul wurde zudem immer wieder für ihre Personalführung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kritisiert. So soll sie wichtige Positionen in erster Linie an befreundete SPD-Mitglieder vergeben und Mitarbeiter regelmäßig beleidigt und angeschrien haben.<ref>Mitarbeiter klagen über die rote Heidi WELT vom 3. Juni 2008.</ref>

Ehrenamtliches Engagement

Heidemarie Wieczorek-Zeul engagiert sich ehrenamtlich als Vizepräsidentin der Freunde des Globalen Fonds Europa<ref>Website der Freunde des Globalen Fonds Europa <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive), abgerufen am 1. Februar 2016</ref><ref>Was macht eigentlich Heidemarie Wieczorek-Zeul? In: welt.de. Abgerufen am 13. April 2023.</ref> und war Mitglied der Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD.<ref>Evangelische Kirche in Deutschland: Kammern und Kommissionen <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive) abgerufen am 1. Februar 2016</ref><ref>BERATUNGSGREMIEN DER EVANGELISCHE KIRCHE NEU BESETZT. Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Hannover, 21. September 2010, abgerufen am 11. September 2021.</ref><ref>„...damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen“. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Hannover, August 2015, abgerufen am 11. September 2021.</ref><ref>Kammer für nachhaltige Entwicklung. Vorsitzender: Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wuppertal. Mitglieder 2016-2021. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Hannover, abgerufen am 11. September 2021. (Wieczorek-Zeul unter Mitgliedern nicht mehr gelistet.)</ref> Sie ist zudem Mitbegründerin der Humboldt Viadrina Governance Platform in Berlin<ref>Website der Humboldt-Viadrina Governance Platform: Gründer <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive) abgerufen am 1. Februar 2016</ref><ref>Heidemarie Wieczorek-Zeul (bis Juli 2020). HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform gGmbH, Berlin, abgerufen am 11. September 2021.</ref> und Mitglied im Verwaltungsrat (Board) der International Partnership for Microbicides (IPM), einer nicht-profitorientierten Produktentwicklungspartnerschaft, die an einer Lösung arbeitet, mit der Frauen sich vor einer HIV-Infektion schützen können.<ref>Verzeichnis des Boards of Directors auf der Website von IPM, abgerufen am 10. Juli 2018</REF>

Sie ist Schirmherrin von Work for Peace, dem Schüleraktionstag für Afrika, der seit 2005 vom Weltfriedensdienst e. V. durchgeführt wird,<ref>Website des Weltfriedensdienstes: Geschichte <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive) abgerufen am 1. Februar 2016</ref> und der africa action / Deutschland, die sich seit 1983 für die Bekämpfung von Blindheit in Afrika einsetzt.<ref>Africa Action: Grußwort der Schirmherrin <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 1. Februar 2016 im Internet Archive), abgerufen am 1. Februar 2016</ref> Des Weiteren engagiert sie sich als Kuratoriumsmitglied der Hilfsorganisation CARE Deutschland.<ref>Die Struktur von CARE Deutschland e. V. – Kuratorium. CARE Deutschland e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. März 2019; abgerufen am 12. März 2019.</ref> Sie ist beratendes Mitglied der SPD-Grundwertekommission (2016). Seit 2016 ist sie Vorsitzende des Willy-Brandt-Kreises.<ref>Mitglieder des Willy-Brandt-Kreises: Heidemarie Wieczorek-Zeul. Willy-Brandt-Kreis, abgerufen am 5. Oktober 2018.</ref> Zudem unterstützt sie seit Ende 2015 als Schirmherrin und aktive Patin das Wiesbadener Ehrenamt-Projekt „antoniuspaten“, eine Initiative zur Begleitung unbegleiteter minderjähriger Ausländer beim Übergang in das selbstbestimmte Erwachsenenleben.<ref>Jugendhilfeverbund Antoniusheim GmbH. Abgerufen am 5. Mai 2017.</ref>

Kabinette

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Welt bewegen. Erfahrungen und Begegnungen. Vorwärts-Buch, Berlin 2007.
  • Auf dem Weg zur einen Welt. (Zusammen mit Hannah Wettig), Vorwärts-Buch, Berlin 2012, ISBN 978-3-86602-937-8.
  • Gerechtigkeit und Frieden sind Geschwister. Politisches Engagement in Zeiten der Globalisierung. Schüren Verlag GmbH, Marburg 2018, ISBN 978-3-89472-599-0.

Literatur

  • Michael Bohnet: Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik: Strategien, Innenansichten, Zeitzeugen, Herausforderungen, Konstanz/München, UVK Verlagsgesellschaft 2015 (utb4320), ISBN 978-3-8252-4320-3, S. 163–182.
  • „Niemals abhängig sein, nichts ertragen, ohne selbst drauf Einfluß zu nehmen“. Gespräch mit Heidemarie Wieczorek-Zeul und „Wo etwas angefangen hat, da geht es auch weiter“. Ein Rundgespräch. In: Heike Mundzeck: „Als Frau ist es wohl leichter, Mensch zu werden“. Gespräche mit Dorothee Sölle, Margarethe von Trotta, Heidemarie Wieczorek-Zeul (= rororo aktuell, Frauen aktuell). 11.–13. Tausend. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-15354-8, S. 99–155.

Weblinks

Commons: Heidemarie Wieczorek-Zeul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Walter Scheel (FDP, 1961–1966) | Werner Dollinger (CSU, 1966) | Hans-Jürgen Wischnewski (SPD, 1966–1968) | Erhard Eppler (SPD, 1968–1974) | Egon Bahr (SPD, 1974–1976) | Marie Schlei (SPD, 1976–1978) | Rainer Offergeld (SPD, 1978–1982) | Jürgen Warnke (CSU, 1982–1987) | Hans Klein (CSU, 1987–1989) | Jürgen Warnke (CSU, 1989–1991) | Carl-Dieter Spranger (CSU, 1991–1998) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD, 1998–2009) | Dirk Niebel (FDP, 2009–2013) | Gerd Müller (CSU, 2013–2021) | Svenja Schulze (SPD, 2021–2025) | Reem Alabali Radovan (SPD, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Gerhard Schröder (SPD) | Joschka Fischer (Grüne) | Otto Schily (SPD) | Herta Däubler-Gmelin (SPD) | Oskar Lafontaine (SPD) | Werner Müller (parteilos) | Karl-Heinz Funke (SPD) | Walter Riester (SPD) | Rudolf Scharping (SPD) | Christine Bergmann (SPD) | Andrea Fischer (Grüne) | Franz Müntefering (SPD) | Jürgen Trittin (Grüne) | Edelgard Bulmahn (SPD) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) | Bodo Hombach (SPD)
ab 1999: Hans Eichel (SPD) | 1999–2000: Reinhard Klimmt (SPD) | ab 2000: Kurt Bodewig (SPD) | ab 2001: Renate Künast (Grüne) | Ulla Schmidt (SPD) | ab 2002: Peter Struck (SPD) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Gerhard Schröder (SPD) | Joschka Fischer (Grüne) | Otto Schily (SPD) | Brigitte Zypries (SPD) | Hans Eichel (SPD) | Wolfgang Clement (SPD) | Renate Künast (Grüne) | Peter Struck (SPD) | Ulla Schmidt (SPD) | Manfred Stolpe (SPD) | Jürgen Trittin (Grüne) | Renate Schmidt (SPD) | Edelgard Bulmahn (SPD) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Angela Merkel (CDU) | Frank-Walter Steinmeier (SPD) | Franz Müntefering (SPD, bis 21. November 2007) | Olaf Scholz (SPD, ab 21. November 2007) | Wolfgang Schäuble (CDU) | Brigitte Zypries (SPD) | Peer Steinbrück (SPD) | Michael Glos (CSU, bis 10. Februar 2009) | Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, ab 10. Februar 2009) | Horst Seehofer (CSU, bis 27. Oktober 2008) | Ilse Aigner (CSU, ab 31. Oktober 2008) | Franz Josef Jung (CDU) | Ursula von der Leyen (CDU) | Ulla Schmidt (SPD) | Wolfgang Tiefensee (SPD) | Sigmar Gabriel (SPD) | Annette Schavan (CDU) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) | Thomas de Maizière (CDU)

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Hans Hermsdorf (Zentralsekretär 1946–1949) | Werner Buchstaller (Zentralsekretär 1949–1959) | Hans-Jürgen Wischnewski (1959–1962) | Holger Börner (1962–1963) | Günther Müller (1963–1967) | Peter Corterier (1967–1969) | Karsten Voigt (1969–1972) | Wolfgang Roth (1972–1974) | Heidemarie Wieczorek-Zeul (1974–1977) | Klaus Uwe Benneter (1977) | Gerhard Schröder (1978–1980) | Willi Piecyk (1980–1982) | Rudolf Hartung (1982–1984) | Ulf Skirke (1984–1986) | Michael Guggemos (1986–1988) | Susi Möbbeck (1988–1991) | Ralf Ludwig (1991–1993) | Thomas Westphal (1993–1995) | Andrea Nahles (1995–1999) | Benjamin Mikfeld (1999–2001) | Niels Annen (2001–2004) | Björn Böhning (2004–2007) | Franziska Drohsel (2007–2010) | Sascha Vogt (2010–2013) | Johanna Uekermann (2013–2017) | Kevin Kühnert (2017–2021) | Jessica Rosenthal (2021–2023) | Philipp Türmer (seit 2023)

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