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Gläserne Manufaktur

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Datei:Gläserne Manufaktur Dresden 2024 Luftbild Toni Klemm 2500px.jpg
Gläserne Manufaktur Dresden (2024)
Datei:ID.3 Produktion Dresden.jpg
ID.3-Produktion in der Gläsernen Manufaktur Dresden

Die Gläserne Manufaktur in Dresden war eine von drei Produktionsstätten der Volkswagen Sachsen GmbH.<ref>Volkswagen Sachsen GmbH. Abgerufen am 19. Juli 2018.</ref> In Dresden wurde von 2002 bis 2016 der Phaeton produziert, anschließend von 2017 bis 2020 der e-Golf. Am 29. Januar 2021 startete die Serienproduktion des vollelektrischen ID.3.<ref>Der ID.3 wird ab Herbst 2020 in der Gläsernen Manufaktur in Dresden montiert. Volkswagen, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. August 2020; abgerufen am 18. Januar 2020.</ref> Im Frühjahr 2025 waren am Standort 320 Personen beschäftigt.<ref name="volkswagen-newsroom">Volkswagen Sachsen GmbH | Gläserne Manufaktur Dresden, auf volkswagen-newsroom.com</ref> Zum Jahresende 2025 wurde die Automobilproduktion am Standort Dresden eingestellt. Volkswagen verbleibt mit eigenen Aktivitäten im Vertriebs- und Marketingbereich am Standort und baut parallel gemeinsam mit der TU Dresden einen Innovationscampus auf einem Teil der ehemaligen Produktionsflächen auf.<ref>Zukunftskonzept steht: Innovationscampus wird Teil der Gläsernen Manufaktur Dresden. Abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Lage

Die Gläserne Manufaktur befindet sich im Dresdner Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten nahe der Dresdner Innenstadt und bildet die Nordwestecke des Großen Gartens zum Straßburger Platz (Stübelallee). Unmittelbar südöstlich davor liegt das Areal des botanischen Gartens.

Geschichte

Datei:VW-Cargotram-Dresden.jpg
CarGoTram (2004)
Datei:VW-Manufaktur 017.JPG
Obergeschoss: Orangerie

Auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur befand sich das städtische Ausstellungsgelände mit dem Kugelhaus und dem städtischen Planetarium, später das Ausstellungszentrum Fučíkplatz. Die Anlage wurde von dem Münchener Architekturbüro Gunter Henn entworfen. In der Planungsphase war der Bau der Fabrik Gegenstand kontroverser Diskussionen, vor allem wegen der Lage am Rand des Großen Gartens. Besonders unter Umweltschützern führte der Bau zu starken Protesten. In erster Linie wurde das höhere Verkehrsaufkommen durch LKW kritisiert, die die neue Produktionsanlage in der Innenstadt von Dresden beliefern sollten. Um das Problem abzumildern, verlangte der Stadtrat ein stadtverträgliches Logistikkonzept.<ref>Julia Vollmer: Die Cargo-Tram ist wieder da. In: SZ-Online. (saechsische.de [abgerufen am 6. April 2018]).</ref> Daraufhin schlug VW vor, das Frachtgut statt mit Lastwagen mit der CarGoTram zu transportieren. Mit Ausnahme der Karosserien wurden alle Phaeton-Bauteile mit der blauen CarGoTram vom VW-Logistikzentrum am Bahnhof Dresden-Friedrichstadt – rund 5 Kilometer entfernt – zur Fabrik gebracht.

Nach 19 Jahren CarGoTram setzte Volkswagen auf ein neues Logistikkonzept. Im Zuge der Produktionsumstellung vom e-Golf auf den vollelektrischen ID.3 ab Januar 2021 waren die Fahrten mit der CarGoTram nicht mehr notwendig. Da der ID.3 parallel in deutlich höherer Stückzahl in Zwickau produziert wurde, wurde die Konsolidierung über den Logistikstrom des Werkes Zwickau für die Dresdner Teile durchgeführt und von Zwickau in die Manufaktur geliefert. Fortan waren täglich vier volle statt bisher 25 meist nur teilweise gefüllte LKW unterwegs. Der Einsatz der blauen Straßenbahnen war nach Unternehmensangaben weder wirtschaftlich noch klimapolitisch sinnvoll.<ref>Neues Logistikkonzept für den ID.3*, auf glaesernemanufaktur.de</ref>

Tierschützer sorgten sich angesichts der großen Glasfassaden um die Vögel, Architekten bemängelten vor allem die Disharmonien mit der nahe gelegenen barocken Innenstadt. Außerdem musste der Bahnhof „Straßburger Platz“ der Dresdner Parkeisenbahn verlegt werden. Der alte Bahnhof wurde abgerissen und ein neuer gebaut, der an das Design der Gläsernen Manufaktur angepasst wurde. Eine Bürgerinitiative sammelte 17.600 Unterschriften gegen den Bau der VW-Manufaktur am Großen Garten – zu wenig, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Am 27. Juli 1999 wurde im Beisein von Ferdinand Piëch, Gerhard Schröder und Kurt Biedenkopf der Grundstein gelegt.<ref>Automobile in Handarbeit. Grundsteinlegung für die Gläserne Manufaktur in Dresden. In: BauNetz. 27. Juli 1999, abgerufen am 29. Juli 2017.</ref>

Datei:Glaeserne Manufaktur Dresden.JPG
Gläserne Manufaktur bei Nacht
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Ausstellung über Elektromobilität in der Gläsernen Manufaktur (2016)
Datei:Roboterarbeitsplatz Fenstermontage Gläserne Manufaktur.jpg
Roboterarbeitsplatz zur Rädermontage am e-Golf (2017)

Die Gläserne Manufaktur wurde am 19. März 2002 in Betrieb genommen. Außer den Fertigungsanlagen waren im Gebäude eine gastronomische Einrichtung und ein Startup-Inkubator untergebracht. Bis zum 23. März 2002 war die Öffentlichkeit zur freien Besichtigung eingeladen. Die Fertigung begann schon vor der offiziellen Eröffnung. Ferdinand Piëch und Gerhard Schröder gaben am 11. Dezember 2001 das Startsignal für die Produktion.<ref>Im Großen Garten: „Gläserne Manufaktur“ in Dresden eröffnet. In: BauNetz. 11. Dezember 2001, abgerufen am 22. Januar 2022.</ref> Die Fabrik wurde für die Produktion des VW Phaeton errichtet und bot Kunden und Besuchern Einblicke in die Endmontage der Fahrzeuge.

Weil die VW-Tochter Bentley in Crewe (Großbritannien) die hohe Nachfrage nach ihren Modellen zeitweise nicht befriedigen konnte, wurde von Mitte 2005 bis Ende 2006 auch der Continental Flying Spur hier montiert. Mit der Karosseriefertigung von Bentley und Phaeton war damals das Volkswagenwerk Zwickau beauftragt. Da die Phaeton-Nachfrage im Jahr 2013 nachgelassen hatte, wurde seit Anfang November 2013 erneut die Produktion des Bentley Flying Spur in kleiner Stückzahl aufgenommen.<ref name="test">Volkswagen: Temporäre Bentley-Produktion in Dresden. In: Autohaus.de. 8. November 2013, abgerufen am 30. Januar 2016.</ref>

Nachdem am 18. März 2016 die Phaeton-Produktion eingestellt worden war,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gläserne Manufaktur wird neu ausgerichtet: Schaufenster für Elektromobilität und Digitalisierung entsteht (Memento vom 29. März 2016 im Internet Archive), auf volkswagen-media-services.com, abgerufen am 18. März 2016.</ref> erfolgte nach Umbau der Manufaktur für 20 Millionen Euro am 8. April 2016 deren Wiedereröffnung als Ausstellungsort zur Elektromobilität und Digitalisierung.<ref>Gläserne Manufaktur eröffnet heute als neues Schaufenster für Elektromobilität und Digitalisierung. Volkswagen, 8. April 2016, abgerufen am 18. Juli 2018 (Pressemitteilung).</ref> Vom 3. April 2017 bis zum 23. Dezember 2020 wurde in Dresden der e-Golf gefertigt.<ref>Nach Umbau: Erster e-Golf1 rollt heute in der Gläsernen Manufaktur in Dresden vom Band. (PDF) glaesernemanufaktur.de, 3. April 2017, abgerufen am 20. Mai 2025.</ref><ref>Auslauf des e-Golf: Volkswagen bereitet Start des ID.3 in der Gläsernen Manufaktur Dresden vor. In: volkswagen-newsroom.com. 23. Dezember 2020, abgerufen am 5. Januar 2021.</ref> Wegen der hohen Nachfrage wurde ab 2018 wieder im Zwei-Schicht-Betrieb gefertigt, dabei entstanden bis zu 74 e-Golf pro Tag.<ref>Volkswagen: Gläserne Manufaktur produziert E-Golf erstmals im Zwei-Schicht-Betrieb. (handelsblatt.com [abgerufen am 18. Juli 2018]).</ref> Im Zuge des neuen Produktionsstarts arbeiteten wieder etwa 400 Mitarbeiter in der Gläsernen Manufaktur. Ein Teil der Mitarbeiter war seit dem Ende der Phaeton-Produktion größtenteils in anderen VW-Werken, vor allem in Zwickau, eingesetzt.<ref>Frank Johannsen: VW-Kunden in Dresden sollen selbst am E-Golf schrauben. In: Leipziger Volkszeitung. Nr. 296, 20. Dezember 2016, S. 6.</ref>

Mit der Produktionsumstellung zum e-Golf konnten Kunden und Besucher dessen Fertigung erleben und in einer interaktiven Erlebniswelt für Elektromobilität und Digitalisierung mehr über die Zukunft der Mobilität erfahren. Dazu gehörten auch Probefahrten durch Dresden in Elektrofahrzeugen. Ferner wurden alle Volkswagen-Elektrofahrzeuge in der Gläsernen Manufaktur an Kunden ausgeliefert.

Ab 2017 kooperierte die Gläserne Manufaktur in unterschiedlichen Formaten mit externen Start-Ups. Zu Beginn fand die Zusammenarbeit im Rahmen eines Inkubator-Programms zu Mobilitätshemen statt, später in einzelnen Projekten mit dem Fokus auf Digitalisierungs- und KI-Themen für Produktion und Logistik.

Ab dem 29. Januar 2021 wurde der VW ID.3 in der Gläsernen Manufaktur montiert, der Werbe-Slogan des Standorts änderte sich zu „Home of ID.“<ref>VW startet ID.3-Serienproduktion in Gläserner Manufaktur Dresden. In: ecomento.de. 29. Januar 2021, abgerufen am 9. Februar 2022.</ref> Die Manufaktur war damit der zweite Fertigungsstandort für den ID.3 und weltweit der vierte Standort, der Volkswagen-Modelle auf Basis des modularen E-Antriebsbaukastens (MEB) produzierte.

Die Gläserne Manufaktur ist nach der Autostadt in Wolfsburg das zweitwichtigste nationale Volkswagen-Auslieferungszentrum. 2025 wurden 3.500 Fahrzeuge an Kunden übergeben.<ref>Glas, Glanz – und kein Band mehr: VW erfindet Gläserne Manufaktur neu. 30. Januar 2026, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref> Mehr als 95 Prozent davon waren teil- oder vollelektrische Modelle.

Am 16. Dezember 2025 rollte das letzte Fahrzeug in der Gläsernen Manufaktur vom Band, ein roter ID.3 GTX. In Summe verließen 165.508 Fahrzeuge die Produktionsstätte.<ref>Das war's: Autoproduktion in Dresden beendet. 16. Dezember 2025, abgerufen am 5. Januar 2026.</ref> Volkswagen verbleibt mit eigenen Aktivitäten am Standort und wird diesen weiter betreiben. Neben Auslieferungen, Probefahrten, Veranstaltungen wird nun der Automobilbau den Gästen vermittelt. Die ehemaligen Werker haben dabei eine neue Rolle: Sie sind Wissensträger und aktiv in die Führungen eingebunden.<ref>Thomas Staudt: Endlich wieder Gäste in der Gläsernen Manufaktur. In: Dresdner Morgenpost. 29. Januar 2026, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref> Zudem forscht bald auch die Technische Universität Dresden auf einem Teil der Flächen. Der sogenannte Innovationscampus wird gemeinsam mit Volkswagen aufgebaut. Eine Absichtserklärung ist unterschrieben, 2026 sollen erste Projekte starten Die Kategorie Kategorie:Wikipedia:Veraltet nach Jahr 2026 existiert noch nicht. Lege sie mit folgendem Text {{Zukunftskategorie|2026}} an. bevor es ab 2027 in den Serienbetrieb geht.<ref name="mdr-100">Zukunftskonzept steht: Innovationscampus wird Teil der Gläsernen Manufaktur Dresden. In: Volkswagen Newsroom / Pressedatenbank. 4. Dezember 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

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Koordinaten: 51° 2′ 40,2″ N, 13° 45′ 20,4″ O

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