Dichterviertel (Duisburg)
Das Dichter-Viertel im Duisburg-Hamborner Stadtteil Obermarxloh ist eine Arbeitersiedlung aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Name ergibt sich aus den zahlreichen, nach deutschen Dichtern vergebenen Straßennamen.
Aufbau
Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung im Duisburger Norden rapide an. Waren es vor der Jahrhundertwende im Dorf Hamborn noch unter 10.000 Einwohner, so lag die Zahl 1905 schon bei circa 60.000, 1911 bereits bei über 100.000. Hamborn war eine der am schnellsten wachsenden Siedlungen im Ruhrgebiet mit dem entsprechenden Bedarf an Wohnungen.
Für die Bergleute der nahegelegenen Zeche Friedrich Thyssen errichtete die Gewerkschaft Deutscher Kaiser zwischen 1905 und 1918, in einigen Randbereichen noch bis 1924 das Dichter-Viertel. Auf einer Fläche von 15 Hektar entstanden 370 Gebäude. Das Viertel wird im Norden begrenzt von der Kamp- und der Kalthoffstraße, im Südosten vom Nordfriedhof und im Westen von der Duisburger Straße. Der Grundplan besteht aus 25 unterschiedlich großen aber gleichmäßigen Hofgevierten mit zwei- bis dreigeschossiger Blockrandbebauung.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lageplan aus dem Hambornatlas von 1914 ( vom 20. Juni 2015 im Internet Archive)</ref> Die Bauten sind mit Jugendstilelementen verschönt, die Straßen verlaufen rasterförmig und rechtwinkelig, in den Innenhöfen waren Stall-, Wirtschafts- und Toilettengebäude untergebracht, die bis in die 1950er Jahre genutzt wurden. Die Straßenkreuzungen sind durch Eckbauten betont, verschiedene Gestaltungselemente am Dach, an den Fenstern und in den Putz- und Klinkerflächen sorgen für ein abwechslungsreiches Bild. Im Gegensatz zur kurz zuvor erbauten, gartenstadtähnlichen Margarethensiedlung in Rheinhausen fällt aber die dichte und weitgehend gleichförmige Bebauung mit vielen Wohneinheiten auf.
Aufruhr
Vor und während des Ersten Weltkriegs war das Dichter-Viertel und Hamborn insgesamt politisch links orientiert, es wurde als Spartakistennest bezeichnet. Nach der Novemberrevolution 1918 versuchten die Bergleute mit Streik, Kundgebungen und Solidaritätsmärschen zu den Nachbarzechen in Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade verbesserte Arbeitsbedingungen und Löhne durchzusetzen, was auch teilweise gelang. Im Kapp-Putsch von März 1920 leisteten bewaffnete Bergleute Widerstand gegen den Angriff auf die junge Weimarer Republik. Während der Zeit des Nationalsozialismus leisteten KPD und andere Gruppen Widerstand gegen die Nationalsozialisten, der Kohlenhauer Kurt Spindler war einer von ihnen. Er war zunächst KPD-Stadtverordneter in Hamborn und Betriebsrat auf Schacht 4/8, wurde 1932 ins Moorlager deportiert und baute nach seiner Entlassung eine weit verzweigte Untergrundorganisation auf. 1935 verhaftet und 1937 verurteilt starb er 1943 in einem Konzentrationslager bei Celle. Die Kurt-Spindler-Straße im Dichterviertel erinnert heute an ihn.
Sanierung und Quartiersmanagement
In den 1980er und 1990er Jahren wurden die Wohnungen durch den damaligen Eigentümer Rhein-Lippe-Wohnen GmbH mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Duisburg grundlegend modernisiert, große Teile des Wohnungsbestandes haben deshalb bis heute Sozialbindungen. Trotz der Renovierungen und umfangreicher städtebaulicher und sozialer Maßnahmen konnte die relativ hohe Leerstandsquote und Fluktuationen nicht gesenkt werden. Die Stadt Duisburg, insbesondere die Ämter für Stadtentwicklung/Projektmanagement und Soziales/Wohnen sowie die in der Evonik Wohnen aufgegangene Eigentümergesellschaft planten ab Ende 2004 ein Quartiersmanagement im Dichter-Viertel aufzubauen, um dem negativen Trend entgegenzuwirken. Die Fördermitteln aus dem Programm Stadtumbau West wurden Ende 2005 genehmigt, von 2006 bis 2007 das Projekt aufgebaut, das Quartiersbüro am Goetheplatz eingerichtet. 2008 übernahm die 1999 gegründete und schon in anderen Stadtteilen aktive Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) das Quartiersmanagement. Nach Auslaufen der Fördermittel Ende 2009 stellt die heutige Evonik Immobilien[veraltet] den Hauptteil der finanziellen Mittel zur Verfügung damit das Programm fortgeführt werden kann.
Das Programm soll die Bewohner des Viertels zu eigenverantwortlichem Engagement für das Gemeinwohl anregen und anleiten und den Aufbau von Strukturen zur Stärkung eines umfassenden sozialen Netzwerkes fördern. Dazu ist das Quartierbüro als Anlaufstelle und Treffpunkt ausgelegt. Es werden gemeinsame Veranstaltungen (z. B. Stadtteilfeste) und Aktionen (u. a. Müllsammel- und Begrünungsaktionen) durchgeführt, eine Wohnungsbörse aufgebaut und betrieben, lokale Dienstleistungen von Bewohnern für Bewohner angeboten (Silberdienste) und unterstützt, Dokumentationen erstellt (z. B. ein Erzählband), örtliche Einrichtungen und Akteure dabei unterstützt Kooperationen und Vernetzungen zu bilden, Integration und Bürgerbeteiligung durch verschiedene Arbeitsgemeinschaften (AGs Sprache, Bildung, Bewohnerbeteiligung, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) und einen Quartiersbeirat gefördert.<ref name="stadtumbaunrw.de">Projektdatenbank Stadtumbau West: Dichterviertel Duisburg, Stand Oktober 2010 (PDF; 124 kB)</ref>
Ziele des Quartiersmanagements laut der Stadt Duisburg<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stadt Duisburg: Porträt Dichterviertel ( vom 17. April 2011 im Internet Archive)</ref> sind:
- Verminderung von Wohnungsleerständen
- Stabilisierung der Nachbarschaften
- Abbau von Wohnungsnotfällen und überdurchschnittlich hoher „sozialer Schieflagen“
- Bindung der Bestandskunden/Akquisition neuer Mieter
- Imageverbesserung des Quartiers
Heutiger Zustand
Die 1.685, hauptsächlich im Besitz der Vivawest Wohnen GmbH<ref>Da geht noch mehr im Dichterviertel - Wir im Quartier - VIVAWEST. Abgerufen am 25. Mai 2022.</ref> befindlichen Wohneinheiten hatten im Jahre 2010 etwas weniger als 6.000 Bewohner. Der Ausländeranteil beträgt 60 %, zumeist türkischstämmige Migranten. Eine überdurchschnittlich hohe Anzahl der Bewohner erhält Transferleistungen.<ref name="stadtumbaunrw.de"/> Der Ausländeranteil war auch schon zur Gründungszeit der Siedlung hoch, damals waren es zumeist Polen, Italiener, Niederländer und andere Gastarbeiter, die sich teilweise blockweise zusammenschlossen.<ref>Hamborn.net: Dichterviertel Hamborn</ref>
Die Siedlung ist Teil der Route der Industriekultur.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Porträt Dichterviertel mit Karten, Plänen, Projektbeschreibung
- Beschreibung aller Standorte auf dieser Themenroute als Teil der Route der Industriekultur
Koordinaten: 51° 29′ 50,5″ N, 6° 46′ 48,7″ O
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Besucherzentrum und Ankerpunkte (von West nach Ost): | Zechenpark Friedrich Heinrich | Museum der Deutschen Binnenschifffahrt | Innenhafen Duisburg | LVR-Industriemuseum Oberhausen | Landschaftspark Duisburg-Nord | Gasometer Oberhausen | Aquarius-Wassermuseum | St.-Antony-Hütte | Villa Hügel | Nordsternpark | Welterbe Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein | Zeche Ewald | Chemiepark Marl | Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen | Henrichshütte | Jahrhunderthalle Bochum | Umspannwerk Recklinghausen | Deutsches Bergbau-Museum | Zeche Nachtigall | Schiffshebewerk Henrichenburg | DASA | Kokerei Hansa | Zeche Zollern II/IV | Hohenhof | Freilichtmuseum Hagen | Lindenbrauerei Unna | Maximilianpark Hamm
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Landschaftspark Duisburg-Nord Datei:RouteIndustriekultur Besucherzentrum Symbol.svg | Ratingsee-Siedlung | Hexion / Rütgers | Grüner Pfad | Grillo-Werke | Zeche Friedrich Thyssen Schacht 6 | Dichter-Viertel | Siedlung Bergmannsplatz | Pumpwerk Schmidthorst | Siedlung Wehofen | Kleine Emscher | Klärwerk Emschermündung | Zeche Walsum | Nordhafen Walsum | Kraftwerk Walsum | Pumpwerk Schwelgern | Alsumer Berg Datei:RouteIndustriekultur Panorama Symbol.svg | Pumpwerk Alte Emscher | König-Brauerei | Thyssen-Hauptverwaltung | Werksbahn Thyssen | Schiffswerften: Meidericher Schiffswerft, Neue Ruhrorter Schiffswerft und Triton-Werft| Hebeturm des Ruhrort-Homberger Trajektanstalt | Zeche Rheinpreußen Schacht 1/2 | Siedlung Rheinpreußen Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Johannenhof | Rheinpreußen-Hafen | Schacht Gerdt | Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke | Plangemühle Homberg | Sachtleben Chemie | Rheinhauser Bergbausammlung e. V. | Wasserturm Rheinhausen-Bergheim | Brücke der Solidarität | Duisburg-Hochfelder Eisenbahnbrücke | Margarethensiedlung Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Krupp Hüttenwerke Tor 1 | Beamtensiedlung Bliersheim und Casino Krupp | Wasserturm und Eisenbahnsiedlung Rheinhausen-Friemersheim | Innenhafen Duisburg Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Kläranlage Kaßlerfeld | Rheinorange | Sperrtor Marientor | Wasserturm Hochfeld | DEMAG (heute Siemens) | Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) | Werkshafen der Hüttenwerke Krupp Mannesmann | Siedlung Hüttenheim | Krefeld-Uerdinger Brücke | Wasserwerk Bockum | Eisenbahner-Siedlung Wedau | Rangierbahnhof, Ausbesserungswerk und Eisenbahner-Siedlung Wedau | Eisenbahner-Siedlung Bissingheim | Dickelsbach-Siedlung | Haus Hartenfels | Brückenlandschaft Ruhraue | Hauptbahnhof Duisburg
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Siedlung Eisenheim Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Stemmersberg | Siedlung Grafenbusch | Siedlung Ripshorster Straße | Siedlung Lohberg | Siedlung Wehofen | Dichter-Viertel | Siedlung Hüttenheim | Margarethensiedlung | Beamtensiedlung Bliersheim | Siedlung Rheinpreußen Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Johannenhof | Kolonie Meerbeck | Siedlung Repelen | Alt-Siedlung Friedrich-Heinrich Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Niederberg – Alte und Neue Kolonie | Bergarbeitersiedlung Mausegatt | Siedlung Karnap | Margarethenhöhe Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Altenhof II Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Brandenbusch | Siedlung Carl Funke | Gartenstadt Hüttenau | Kolonie Friedlicher Nachbar | Siedlung Dahlhauser Heide Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Lange Riege Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Walddorf-Siedlung | Cuno-Siedlung | Kreinberg-Siedlung | Siedlung Vogelsang | Zechensiedlung Neustadt Ahlen | D-Zug-Siedlung Rünthe | Victoria-Siedlung | Siedlung Ziethenstraße Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Bergarbeiter-Wohnmuseum | Müsersiedlung | Bergbaubeamtensiedlung Neu-Asseln | Alte Kolonie Eving Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg mit Wohlfahrtsgebäude | Siedlung Oberdorstfeld | Kolonie Landwehr | Siedlung Teutoburgia Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Dreieck-Siedlung Hochlarmark | Siedlung Flöz Dickebank Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Klapheckenhof | Vittinghoff-Siedlung | Siedlung Schüngelberg Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Spinnstuhl | Gartenstadt Welheim Datei:RouteIndustriekultur Siedlung Symbol.svg | Siedlung Zweckel | Siedlung Fürst Leopold