Zum Inhalt springen

Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Bronzeschild - Deutsche Luftfahrtsammlung.jpg
Datei:Ausstellungspalast, Berlin 1885.jpg
ULAP-Ausstellungspalast in Berlin-Moabit, ab 1936 Heimat der Sammlung

Die Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin war die umfangreichste Sammlung und Ausstellung zur Geschichte und Technik der Luftfahrt in Europa. Sie wurde Anfang der 1930er Jahre zusammengetragen, bis auf wenige Ausnahmen sind ihre Exponate im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

Geschichte

Die „Luftfahrtsammlung der Stadt Berlin“ entstand auf Initiative des Generalsekretärs der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt (WGL) Georg Krupp und wurde zunächst ab 1929 in zwei Behelfsbauten des Flughafens Tempelhof präsentiert. Den Grundstock bildete die Sammlung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Krupp bemühte sich um den Ankauf weiterer Objekte und erweiterte die Sammlung stetig. Als sich die Baracken schließlich als zu klein erwiesen, wurden einige Exponate in zwei Hallen des Flugplatzes Johannisthal zwischengelagert.

Museumsleiter Georg Krupp und 15 Mitarbeiter begannen ab November 1931 mit dem Aufbau eines größeren Luftfahrtmuseums in Adlershof. Dazu bauten sie eine ehemalige Fabrikhalle der AMBI-Werke an der Rudower Chaussee 31–34 um. Inzwischen gehörten auch große Teile des Aviatischen Museums zur Sammlung. Der Berliner Oberbürgermeister Heinrich Sahm eröffnete das „Luftfahrtmuseum der Stadt Berlin“ am 15. November 1932. Trotz der Vielfalt der gezeigten Exponate verirrten sich nur wenige Schaulustige in das abgelegene Gebäude. Wegen Platzmangel, ausbleibenden Besuchern und baulichen Mängeln musste das Museum am 1. Dezember 1934 schließen.<ref>Hundertmark/Steinle: Phoenix aus der Asche. Seite 33ff (vgl. Literatur)</ref><ref>Kauther/Wirtz: Fliegergedenktag, Seite 21ff (vgl. Literatur)</ref>

Auf der Suche nach geeigneteren Ausstellungsräumen stieß Krupp in Moabit auf den ehemaligen ULAP-Ausstellungspalast und ließ ihn ab Oktober 1934 mit 300 Helfern umgestalten. Nach 21 Monaten Umbauzeit präsentierte sich die „Deutsche Luftfahrtsammlung“ am 20. Juni 1936 in dem umgebauten Palast, ergänzt durch die Sammlung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, Teile der Junkers-Lehrschau aus Dessau sowie durch Exponate des 1935 geschlossenen Deutschen Luftfahrtmuseums in Böblingen. Das größte Objekt der Ausstellung war eine Dornier Do X. Mit Ernst Udet als Pilot gelangte am 31. Dezember 1936 die Fokker D.VII D-EIRA als Geschenk der Schweiz in die Ausstellung.<ref>Vgl. Holger Steinle, Astrid Venn: Flugzeuge mit Geschichte. Heel, Königswinter 2009, Seite 148</ref><ref>The Fokker D.VII in Switzerland</ref>

Die Verwaltung unterstand der Stadt Berlin; Eigentümerin der Sammlung war die Berliner Flughafen-Gesellschaft. Reichsminister der Luftfahrt Hermann Göring übernahm die Schirmherrschaft, trug zur Finanzierung bei und beeinflusste das Konzept des Museums. Georg Krupp verlor nach Aufdeckung eines Betrugs seinen Posten als Museumsdirektor im Herbst 1938, sein Nachfolger war kurzzeitig Fritz Ewald, der 1943 von Werner Löbermann abgelöst wurde.<ref>Vgl. Venn/Steinle, ebenda, Seite 30ff</ref>

Das Museum wurde mehrfach umgestaltet, dazu auch zeitweise geschlossen. Erstmals geschah das von April bis September 1939. Zeitungsartikel des „Deutschen Sportfliegers“ aus den Jahren 1942 und 1943 zeigen die geöffnete Luftfahrtsammlung mit „regem Besuch“.<ref>Der deutsche Sportflieger, Heft 5, Mai 1943, S. 82</ref> Der größte Teil der Exponate wurde scheinbar bei zwei Bombenangriffen 1943 und 1944 zerstört. Überreste der Dornier Do X befanden sich bis in die 1950er Jahre auf dem Gelände. 1952 begannen die Abrissarbeiten an dem zerstörten Ausstellungspalast. Nur die große Freitreppe, flankiert von zwei Löwenplastiken, blieb erhalten.

Viele Exponate wurden jedoch ab Mitte 1943 nach Pommern ausgelagert. Einige bisher wiedergefundene Teile (20 Exponate) befinden sich heute im Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau. Über die Rückführung dieser Exponate nach Berlin gibt es noch keine Einigung.<ref>Christina Tilmann: Streit um eine Luftfahrt-Sammlung. (vgl. Literatur)</ref> Nur die Jeannin-Stahltaube von 1914 ist wieder in Berlin. Sie wurde mit Hilfe polnischer Experten aufwändig restauriert und wird als Leihgabe im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) ausgestellt.<ref>Vgl. Venn/Steinle, ebenda, Seite 62</ref> Andere Exponate wie die Fokker Spinne 3 oder eine Fokker D.VII der Luftfahrtsammlung haben nach 1945 einen anderen Weg gefunden. Die Spinne kam nach der Besetzung der Niederlande im Sommer 1940 zur DLS nach Berlin. 1986 ist die stark beschädigte Spinne vom Krakauer Museum an die Fokkerwerke zurückgegeben und dort restauriert worden. Heute ist sie im Aviodrome Lelystad zu sehen.<ref>Vgl. Venn/Steinle, ebenda, Seite 147</ref> Eine Fokker D.VII mit der Zulassungsnummer 4404/17 war ab 1939 in der DLS ausgestellt. 1946 tauchte sie in Vilsbiburg zusammen mit sechs Flugmotoren und dem Rumpf einer Bloch MB.175 wieder auf. Die amerikanische Militärregierung in Bayern bot den Bestand dem Deutschen Museum München an, das übernahm 1948 die Fokker D.VII. Die anderen Gegenstände wurden offenbar verschrottet. Das Flugzeug ist heute in der Flugwerft Schleißheim zu besichtigen.<ref>Vgl. Venn/Steinle, ebenda, Seite 142 und 148f</ref>

Das Deutsche Technikmuseum Berlin ist immer noch auf der Suche nach weiteren ausgelagerten Exponaten. Die Suche verläuft über die Lost Art Internet-Datenbank, die von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg betrieben wird. Sie ist eine Einrichtung des Bundes und der Länder der Bundesrepublik Deutschland.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste: Lost Art Internet Database – Institution (Memento vom 24. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref>

Inventar

Da sich keine Inventarliste erhalten hat, ist die Bestimmung außerordentlich schwierig. Das Deutsche Technikmuseum Berlin hat dies durch Fotos versucht; die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste beziffert 174 Exponate.

  1. Albatros C.I
  2. Albatros C.IX
  3. Heinkel He 116
  4. Aviatik C.III
  5. Espenlaub E14 „Espenlaub“
  6. Stahlwerk Mark R III/22
  7. Klemm
  8. Klemm L20
  9. Junkers A 50
  10. Albatros L 68a
  11. Roland D.VIb
  12. Friedrich-Etrich Taube
  13. DFS 39 „Delta IVc“
  14. DFS Fafnir
  15. Messerschmitt Me 209V1
  16. Arado Ar 198V2
  17. Heinkel HE 5e
  18. Silberschwan Seesegelflugzeug
  19. Würzburg (Radar)
  20. Erla 5 D
  21. Bäumer B IV „Sausewind“
  22. Espenlaub EA-1
  23. Dietrich Espenlaub EA-1
  24. Rumpler C.I
  25. Sablatnig P III DLH „Libelle“
  26. Airco D.H.9A „Nizam of Hyderabad“
  27. Austro-Daimler
  28. Sopwith Camel F.1
  29. Dornier Do X
  30. Curtiss Export-Hawk II
  31. Hawker Hurricane Mk. I
  32. Albatros (DVL) H.1
  33. Halberstadt CL.II
  34. Fieseler F 2 Tiger
  35. Heinkel HD 39 „BZ I“
  36. Albatros (Fw) L 101
  37. Udet U 12b „Flamingo“
  38. Focke-Wulf F19a „Ente“
  39. Junkers Ju 49b
  40. Fokker Spinne 3
  41. Rohrbach Ro VIII Roland II
  42. DFW C V
  43. Messerschmitt M28
  44. Caspar C 32 „Germania“
  45. Jeannin Stahltaube
  46. Junkers G 24 „Haarlem“
  47. Dornier Komet III DLH „Wolf“
  48. PZL P.11c
  49. Dornier Merkur
  50. Albatros L 30
  51. Albatros L 83 „Adler“
  52. Focke-Wulf C19/MK IV „Don Quichote“
  53. Rohrbach Ro VIII Roland I „Feldberg“
  54. Junkers F 13
  55. Haessler-Villinger HV-1
  56. AEG J.I
  57. Fieseler Fi 158
  58. Bloch MB-200 Bn4
  59. Morane MS-230
  60. Zeppelin-Staaken R VI Motorgondel
  61. Grigorowitsch M-15
  62. AEG E2 „Eule“
  63. Albatros D.III
  64. Albatros D.V
  65. Arado Ar 196
  66. DFS Storch VII „Hans Huckebein“
  67. Douglas 8A-3N
  68. Fokker D.VII
  69. Fokker D.VIII (EV)
  70. Fokker D-21
  71. Geest Möwe 4 „Geest-Möwe“
  72. Gloster Gladiator Mk.II
  73. Grade Dreidecker
  74. Grade Eindecker
  75. Heinkel HD 17b
  76. Heinkel He 45
  77. Heinkel He 100
  78. Heinkel He 176V1
  79. Heinkel He 178V1
  80. Jakowlew I-26 (Jak-1)
  81. Jatho II
  82. Junkers J.I (?)
  83. Levavasseur „Antoinette“
  84. Lilienthal G. Schwingenflugzeug
  85. LFG C.IIa „Walfisch“
  86. Messerschmitt Bf 109E
  87. Mikojan-Gurewitsch MiG-3
  88. Polikarpow UTI-4
  89. Potez 63.11
  90. PZL P.38/I
  91. Richter Sportflugzeug
  92. Rumpler C.IV
  93. Rumpler „Etrich-Taube“
  94. Scholz Eindecker
  95. SPAD S.XIII CI
  96. SPAD SA-2
  97. SSW D.IV
  98. Steinitz „Ambi-Budd“
  99. Vickers-Armstrong Wellington Mk.II
  100. Supermarine Spitfire Mk.II
  101. Wright Zweidecker
  102. Zaschka Hubschrauber
  103. Zeppelin-Dornier CL II
  104. Horten H II
  105. Aviatik-Farman-Doppeldecker
  106. Focke-Wulf A 7
  107. Junkers Ju 89
  108. Raab-Katzenstein Kl.1a
  109. Lilienthal Eindecker
  110. Lilienthal Zweidecker
  111. P.W.S.26
  112. Packard
  113. Rolls-Royce
  114. Mercedes-Benz
  115. Salmson Z 9
  116. Maybach MbIVa
  117. Junkers L 8
  118. Wright R-2600-23
  119. Mercedes
  120. NAG
  121. Junkers Jumo 205
  122. Mercedes D IV
  123. Renault
  124. Rolls-Royce
  125. The Daimler
  126. Hirth HM 504A
  127. Junkers L 55
  128. Mercedes D IIIa
  129. Antoinette-Motor
  130. BMW IIIa
  131. Gnôme et Rhône
  132. Pfalz D XII
  133. Luftschraube der Fa. Heine
  134. Luftschraube der Fa. R.Hart
  135. Luftschraube der Fa. Behrendt
  136. Luftschraube der Fa. Heine
  137. Luftschraube der Fa. Heine
  138. Luftschraube der Fa. Wotan
  139. Luftschraube der Fa. Schwartz
  140. LVG Doppeldecker (System Schneider) und Teile der B II
  141. Anhalt
  142. Stinson L-5 „Sentinel“
  143. Junkers D.I (J9)
  144. Fokker Dr.I
  145. Hentzen-Blume Habicht
  146. Polikarpow I-16
  147. Morane-Saulnier MS.406 C1
  148. Luftschraube der Fa. Germania
  149. Argus As 7
  150. Pratt&Whitney
  151. Argus As 1 Va/B
  152. Le Rhone
  153. Walter K14I Mistral
  154. Walter K-14 IIL
  155. Walter-Raketenantrieb
  156. Argus As 5
  157. unbekannter 8-Zylinder-Motor
  158. unbekannter 6-Zylinder-Reihenmotor
  159. Renault 12-Zylinder-Motor
  160. unbekannter 8-Zylinder-Motor
  161. unbekannter 12-Zylinder-V-Motor
  162. Motor Argus As 1 aus der Geest-Möwe in Warschau
  163. Fairey Battle Mk.I
  164. Napier
  165. Bianchi, V 4b
  166. Mercedes, Daimler F1
  167. Hirth HM 60
  168. Hirth HM 508
  169. Hispano Suiza (Schnittmodell)
  170. Hispano Suiza 81
  171. Maybach-Gehäuse
  172. Junkers Jumo 211
  173. Junkers L 88
  174. Maybach M 325L

Bilder

Literatur

  • August Dresel: Die Junkers-Lehrschau. Eine Führung durch die Lehrschau der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke A.G., Dessau. 30 Jahre Junkers-Flugzeugforschung 1910–1940. Dessau 1936. / 2. Auflage, Dessau 1939.
  • Michael Hundertmark, Holger Steinle: Phoenix aus der Asche. Die Deutsche Luftfahrt-Sammlung Berlin. Silberstreif, Berlin 1985, ISBN 3-924091-02-1.
  • Museum für Verkehr und Technik (Hrsg.): Hundert Jahre Deutsche Luftfahrt. Lilienthal und seine Erben. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh / München 1991, ISBN 3-570-07060-3.
  • Holger Steinle, Astrid Venn: Flugzeuge mit Geschichte. Heel, Königswinter 2009, ISBN 978-3-86852-206-8.
  • Christina Tilmann: Streit um eine Luftfahrt-Sammlung. In: Der Tagesspiegel vom 21. September 2010. (online)
  • Holger Steinle: Die Berliner Luftfahrtsammlung. In: Bauwelt, Jahrgang 2010, Heft 44, S. 24–27.
  • Alexander Kauther/Paul Wirtz: Der Flieger-Gedenktag auf dem Flugfeld in Berlin-Johannisthal am Sonntag, den 29. Juni 1930, Jahrgang 2012, Heft 22.

Weblinks

Commons: Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />