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Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 62

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von BWV 62)
Bachkantate
Nun komm, der Heiden Heiland
BWV: 62
Anlass: 1. Advent
Entstehungsjahr: 1724
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: S A T B
Chor: SATB
Instrumente: Co 2Ob 2Vl Va Bc
Text
unbekannt
Liste der Bachkantaten

Nun komm, der Heiden Heiland (BWV 62) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate auf Martin Luthers Nun komm, der Heiden Heiland 1724 in Leipzig für den 1. Advent, den 3. Dezember 1724.

Geschichte und Worte

Bach schrieb die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für den 1. Advent, mit dem das Kirchenjahr beginnt, und führte sie am 3. Dezember 1724 erstmals auf. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Vorlage:Bibel/Link, „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen.“, und Vorlage:Bibel/Link, der Einzug Jesu in Jerusalem. Die Choralkantate basiert auf Martin Luthers Lied Nun komm, der Heiden Heiland, dem Hauptlied für den 1. Advent.<ref name="wolff">Christoph Wolff: Chorale cantatas from the cycle of the Leipzig church cantatas 1724–25. (PDF; 4800 kB) Bach Cantatas Website, S. 8–9 (englisch).</ref> Mit der ersten Strophe dieses Liedes hatte Bach bereits zehn Jahre zuvor in Weimar die Kantate Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 61, begonnen. Der unbekannte Dichter behielt die erste und die letzte (achte) Strophe im Wortlaut bei, dichtete die Strophen 2 und 3 zu einer Arie um, Strophen 4 und 5 zu einem Rezitativ, die beiden weiteren Strophen zu einer Arie und einem Duett-Rezitativ.

Bach führte die Kantate 1736 erneut auf, dabei fügte er für alle Sätze eine Stimme für Violone hinzu, nachdem die Thomasschule 1735 bei einer Auktion ein Instrument erworben hatte.<ref name="gardiner">John Eliot Gardiner: Cantatas for the First Sunday in Advent / St. Maria im Kapitol, Cologne. (PDF; 153 kB) Bach Cantatas Website, 2007 (englisch).</ref> Bachs Nachfolger Johann Friedrich Doles führte die Kantate nach Bachs Tod auf.<ref name="wolff" />

Besetzung und Aufbau

Die Kantate ist besetzt mit vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, Horn zur Verstärkung der Choralmelodie, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

  1. Chor: Nun komm, der Heiden Heiland
  2. Arie (Tenor): Bewundert, o Menschen, dies große Geheimnis
  3. Rezitativ (Bass): So geht aus Gottes Herrlichkeit und Thron
  4. Arie (Bass): Streite, siege, starker Held!
  5. Rezitativ (Sopran, Alt): Wir ehren diese Herrlichkeit
  6. Choral: Lob sei Gott, dem Vater g'ton („getan“)

Musik

Mit dem 1. Advent beginnt das Kirchenjahr. Die alte Melodie seines Hauptliedes besteht aus vier Zeilen, deren erste und letzte gleich sind. Im instrumentalen Ritornell des Eingangschors erscheint dieses Thema zunächst im continuo, dann leicht abgewandelt in den Oboen.<ref name="mincham">Julian Mincham: Chapter 27 BWV 62 Nun Komm, der Heiden Heiland. jsbachcantatas.com, 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Dezember 2011; abgerufen am 21. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsbachcantatas.com</ref> Abgesehen von diesem Material aus der Choralmelodie spielt das Orchester ein freies Concerto, in dem die Oboen ein Thema vorstellen und die erste Violine konzertiert. Das Ritornell erscheint gekürzt drei Mal als Zäsur zwischen den Textzeilen und vollständig am Satzende. Der Sopran singt den cantus firmus in langen Noten, jeweils vorbereitet durch imitatorische Einsätze der Unterstimmen.<ref name="mincham" /> Alfred Dürr vermutet, dass das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem die festliche Musik im 6/4-Takt inspiriert hat. Christoph Wolff betont, dass die kleine Besetzung die Fastenzeit des Advent berücksichtigt, in der in Leipzig nur am 1. Sonntag Kantatenmusik zugelassen war.<ref name="wolff" />

Die erste Arie behandelt das „große Geheimnis: Der höchste Beherrscher erscheinet der Welt. … O Wunder! die Keuschheit wird gar nicht beflecket“ im Siciliano-Rhythmus mit Streicherbegleitung, die von den Oboen in tutti-Abschnitten von den Oboen verdoppelt wird. In großem Gegensatz betont die zweite Arie für Bass den Aufruf „Streite, siege, starker Held!“ mit einem „kämpferisch-tumulthaften“ Thema im continuo, das in einer späteren Fassung durch die hohen Streicher verdoppelt wird.<ref name="wolff" /> Gardiner betrachtet die Arie als Vorläufer zu „Großer Herr und starker König“ in Teil I des Weihnachtsoratoriums.<ref name="gardiner" /> Das anschließende Duett bringt innigen Dank zum Ausdruck: „Wir ehren diese Herrlichkeit“, von Streichern zart begleitet. Die letzte Strophe ist schlicht vierstimmig gesetzt.

Einspielungen

Literatur

  • Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Kantaten. Bärenreiter, Kassel 1999, ISBN 3-7618-1476-3.
  • Werner Neumann: Handbuch der Kantaten Johann Sebastian Bachs. 1947. 5. Auflage: 1984, ISBN 3-7651-0054-4.
  • Hans-Joachim Schulze: Die Bach-Kantaten: Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig, ISBN 3-374-02390-8 bzw. Carus-Verlag (Edition Bach-Archiv Leipzig), Stuttgart 2006, ISBN 3-89948-073-2.
  • Christoph Wolff, Ton Koopman: Die Welt der Bach-Kantaten. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2006, ISBN 3-476-02127-0.

Weblinks

Einzelnachweise

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Geistliche Kantaten

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Weltliche Kantaten

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Nicht erhaltene Kantaten

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Passionen

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