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WikiLeaks

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Sprachen Englisch
Online seit 2006
https://www.wikileaks.org/

WikiLeaks (von hawaiisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) „schnell“ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „Lecks“, „Löcher“, „undichte Stellen“) ist eine 2006 gegründete Enthüllungsplattform, auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden (Whistleblowing), die durch Geheimhaltung als Verschlusssache, Vertraulichkeit, Zensur oder auf sonstige Weise in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind. WikiLeaks setzt dabei ein grundsätzliches öffentliches Interesse an den Informationen voraus. Das System, welches das Hochladen von Dateien ermöglicht, wird über das Anonymisierungsnetzwerk Tor realisiert.

Hintergrund

Der Kerngedanke von WikiLeaks ist die Idee des freien Zugangs zu Informationen, die öffentliche Angelegenheiten betreffen. Es führt damit frühere Projekte zur Förderung der Informationsfreiheit wie zum Beispiel Cryptome oder CL-Netz weiter.<ref>Onlinejournalismus – wirklich erst zehn Jahre alt?, Gabriele Hooffacker auf onlinejournalismus.de am 15. November 2004, abgerufen am 11. Dezember 2010</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />20 Jahre Gesamtwerk (Memento vom 24. Dezember 2004 im Internet Archive), Text von Rena Tangens und padeluun, mit einer Beschreibung der Entstehung der Netze ComLink und ZAMIR</ref> Das Projekt gibt an, denen zur Seite stehen zu wollen, „die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen“. Dazu wurde nach eigenen Angaben ein System „für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen“ geschaffen.<ref name="about"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />WikiLeaks – About (Memento vom 20. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref>

Der Name geht darauf zurück, dass zeitweise die Kommentierung von veröffentlichten Inhalten in einem Wiki bearbeitet werden konnte, was jedoch heute nicht mehr der Fall ist.<ref>WikiLeaks: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />About (Memento vom 20. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref> Trotz ähnlichem Wortstamm und Schriftzug im Logo besteht keine Verbindung zwischen WikiLeaks und der Wikipedia oder der Wikimedia Foundation. Wiki steht jeweils unabhängig für ein Wiki-Prinzip.

Geschichte

Gegründet wurde WikiLeaks 2006 nach den Angaben der Website von Julian Assange. Es existiert auch die Darstellung, dass WikiLeaks von chinesischen Dissidenten, Journalisten, Mathematikern und Technikern von Start-up-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet wurde. Später wurden Zweifel an dieser Darstellung laut; WikiLeaks sei „im Kern ein Projekt von digitalen Politaktivisten aus westlichen Demokratien“ gewesen.<ref></ref> Die Gründer sind laut der WikiLeaks-Website anonym. Julian Assange war Initiator und die treibende Kraft in einer Gruppe von fünf Personen und diversen Unterstützern beim Beginn des Projekts und der Registrierung der Domains wikileaks.org, wikileaks.cn und wikileaks.info am 4. Oktober 2006. Von Assange ist sowohl bekannt, dass er sich „nicht als einen Gründer“ bezeichnen wolle, als auch, dass ihm die Betonung genau dieses Begriffes wichtig war.<ref>Marcel Rosenbach und Holger Stark: Das chinesische Paket. Die Entstehungsgeschichte von WikiLeaks. In: Spiegel Online. 24. Januar 2011, abgerufen am 14. Februar 2011.</ref><ref name="laekonomy" /><ref>Domscheit-Berg: Inside WikiLeaks, S. 81</ref>

Im Herbst 2009 hatte sich WikiLeaks zu einer zentralen Sammelstelle mit 1,2 Millionen Dokumenten von Regimekritikern und anonymen Quellen entwickelt.<ref>Tina Klopp: Wikileaks: Den Mächtigen auf die Füße treten. In: Zeit Online. 22. Oktober 2009, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref> Unter anderem die Regierungen der Volksrepublik China sowie von Israel, Nordkorea, Russland, Simbabwe, Thailand und der Türkei sperrten den Zugang zu WikiLeaks zumindest zeitweise.<ref name="ciw" /><ref>WikiLeaks in der Türkei offenbar geblockt. tagesschau.de, 20. Juli 2016.</ref>

Auf dem 26. Chaos Communication Congress in Berlin stellten Ende 2009 WikiLeaks-Aktivisten, darunter Julian Assange, den Plan vor, in Island einen sogenannten „Datenhafen“ zu errichten. Der Inselstaat ist wegen seiner modernen Mediengesetzgebung, an der die Mitarbeiter von WikiLeaks beratend mitwirkten, ein für WikiLeaks attraktives Land.<ref name="StaatsfeindWL" /><ref>Stefan Krempl, Ingo T. Storm: 26C3: Wikileaks will „sicheren Hafen“ auf Island errichten. In: heise online. 28. Dezember 2009, abgerufen am 5. Februar 2011.</ref><ref>Wikileaks and Iceland MPs propose ‘journalism haven’. In: BBC News. 12. Februar 2010, abgerufen am 5. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Dezember 2009 fand sich auf wikileaks.org statt der üblichen Seite nur noch ein Spendenaufruf und ein Video des WikiLeaks-Beitrags auf dem 26. Chaos Communication Congress. Auf der Seite wurde aufgrund mangelnden Budgets eine Inaktivität bis mindestens zum 18. Januar 2010 angegeben.<ref>wikileaks.org abgerufen am 2. März 2010</ref> Julian Assange, Sprecher von WikiLeaks, stimmte in einem Interview dem Vergleich mit einem Streik zu, um daran zu erinnern, dass die Arbeit von WikiLeaks einen Wert habe und auf Spenden angewiesen sei.<ref name="laekonomy" /> Ab März 2010 war die Seite mit im Vergleich zu früher stark reduzierten Inhalten und ohne Wiki-Funktionalität wieder offen, der volle Funktionsumfang stand ab Mai 2010 wieder zur Verfügung.<ref name="heise">Detlef Borchers, Jürgen Kuri: Wikileaks wieder im Normalbetrieb (Update). In: heise online. 19. Mai 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref>

Im November 2010 gründete WikiLeaks in Reykjavík eine Gesellschaft mit dem Namen Sunshine Press Productions. Als Verantwortliche traten neben Julian Assange auch Kristinn Hrafnsson, Ingi Ragnar Ingason und der Direktor des Londoner Centre for Investigative Journalism, Gavin MacFadyen auf. Laut Hrafnsson war aber noch nicht sicher, ob die Gesellschaft nur zur Entgegennahme von Spenden oder auch als Operationsbasis für den Informationsdienst dienen solle. Damit wurde die erste juristische Präsenz von WikiLeaks in einem Land geschaffen.<ref name="sunshinepress">scribd.com: Auszug aus dem Unternehmensregister in Reykjavík. 26. Januar 2011, abgerufen am 5. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Rückzug auf die Insel. In: taz.de. 14. November 2010, abgerufen am 5. Februar 2011.</ref><ref>Wikileaks gründet Unternehmen in Island. In: Golem.de. 13. November 2010, abgerufen am 5. Februar 2011.</ref>

Seit September 2010 besteht keine Möglichkeit mehr, WikiLeaks auf einem gesicherten Weg Daten zukommen zu lassen. Neue Dokumente können daher nicht angenommen werden. Kristinn Hrafnsson führte dies im März 2011 auf die Mitnahme von Software und Daten bei einer Abspaltung von WikiLeaks im September zurück und äußerte gegenüber dem Magazin Focus, die Dauer dieses Zustandes sei „nicht absehbar“.<ref>Wikileaks lahmgelegt. In: Focus online. 4. März 2011, abgerufen am 10. März 2011.</ref> Am 28. November 2011, dem ersten Jahrestag der Cablegate-Veröffentlichungen kündigte Julian Assange ein neues System zur sicheren Einreichung von Dokumenten an, das ohne das „kompromittierte“ SSL-Protokoll auskommen solle und noch getestet werde.<ref>WikiLeaks kündigt neues Einreichungssystem an. In: Spiegel Online. 28. November 2001, abgerufen am 2. Dezember 2011.</ref> An anderer Stelle gab er jedoch zu, es habe sich um ein Ablenkungsmanöver vor der Veröffentlichung der Spy Files gehandelt.<ref name="DatenWaffen" />

Im Oktober 2011 gab WikiLeaks bekannt, die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten vorübergehend auszusetzen, um sich auf das Einwerben von Spenden zu konzentrieren. Die monatlichen Spenden seien von ca. 72.300 Euro auf 5000 Euro gefallen. Pro Jahr würden etwa 500.000 Euro benötigt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Mehreren US-amerikanischen Zahlungsabwicklern wie VISA oder Mastercard wirft die Internetplattform vor, seit Monaten Spendengelder zu blockieren.<ref>Wikileaks vor dem Aus. In: tagesschau.de. 24. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Oktober 2011;.</ref><ref>Wikileaks stellt Arbeit vorläufig ein. In: Heise.de. 24. Oktober 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011.</ref> Bereits Anfang Dezember folgte dann jedoch der Beginn der Spy Files-Veröffentlichung.

Technik

Das Projekt verwendet für Veröffentlichung und Verteilung der Informationen verschiedene Software wie OpenSSL, I2P, Freenet, Tor und PGP. Die hierbei angewandten Verschlüsselungsmechanismen sollen die Anonymität und Unauffindbarkeit der Quellen sichern.<ref>WikiLeaks FAQ (Software) abgerufen vor März 2010</ref>

Mitarbeiter

Datei:Julian Assange (Norway, March 2010).jpg
Julian Assange, Gründer und bekanntester Mitarbeiter der Whistleblower-Plattform (März 2010)

WikiLeaks gab 2008 an, über einen Beirat (Advisory Board) zu verfügen; die genannten Personen dementierten jedoch später teilweise ihre Mitarbeit.<ref>Blinde Flecken bei WikiLeaks. In: Spiegel Online. 27. September 2010, abgerufen am 14. Mai 2011.</ref><ref>Advisory Board – in der Waybackmachine des Internet Archives vom 27. März 2008. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. März 2008; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Januar 2010 arbeiteten für WikiLeaks nach Angaben von Julian Assange fünf feste Mitarbeiter – bisher unentgeltlich – und etwa 1000 Gelegenheitsbeiträger.<ref name="laekonomy">Stefan Mey: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leak-o-nomy: Die Ökonomie hinter WikiLeaks. (Memento vom 3. Dezember 2010 im Internet Archive) In: Medien-Ökonomie-Blog</ref><ref>Stefan Mey: Wikileaks: “Wir machen investigativen Journalismus billiger”. In: Carta. 5. Januar 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref>

Von den Betreibern ist vor allem der australische Programmierer und Autor Julian Assange namentlich bekannt, der als treibende Kraft hinter dem Projekt gilt, des Weiteren der Deutsche Daniel Domscheit-Berg, der zunächst öffentlich nur unter dem Pseudonym Daniel Schmitt bekannt war und sich im September 2010 aufgrund interner Streitigkeiten mit Assange aus dem Projekt zurückzog und die eigene Plattform OpenLeaks gründete, die allerdings nie eine öffentlich wahrnehmbare Arbeit aufnahm.<ref>Annabel Symington: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Exposed: Wikileaks’ secrets (Memento vom 27. März 2010 im Internet Archive) erschienen in Wired Magazine</ref><ref>Marcel Rosenbach, Holger Stark: Internet: „Mir bleibt nur der Rückzug“. In: Spiegel Online. 27. September 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010 (Interview mit Daniel Schmitt).</ref> Kurz darauf taten es ihm fünf weitere führende Mitglieder gleich, darunter der Isländer Herbert Snorrason.<ref>Tina Klopp, Herbert Snorasson: Irak-Akten: „Wikileaks sollte das Rampenlicht meiden“. In: Zeit Online. 23. Oktober 2010, abgerufen am 24. Oktober 2010.</ref> Weiterhin tritt der ebenfalls aus Island stammende Kristinn Hrafnsson öffentlich als Mitarbeiter von WikiLeaks auf.

Daniel Domscheit-Berg kritisierte 2011 in seinem Buch Inside WikiLeaks die Mitarbeit<ref>Wikileaks, les médias et Israël: suite de notre rencontre avec Julian Assange. Agoravox.fr (französisch)</ref> des als Holocaustleugner geltenden Israel Schamir und indirekt die dessen Sohnes Johannes Wahlström bei WikiLeaks. „Als Antisemit ist mir Julian allerdings noch nie aufgefallen, höchstens als Israel-kritisch, was sich aber einzig auf die politische Führung des Landes bezog. Ich habe keine Ahnung, warum er heute [2011] einen offenkundigen Antisemiten in seinem Umfeld duldet.“<ref></ref><ref>„Um endlich das Mysterium WikiLeaks zu durchdringen, müssen wir Antworten auf etliche Fragen finden, […]: Welche Rolle spielen Israel Shamir und Johannes Wahlström bei WikiLeaks? Welche Konditionen hatten die Deals, die Wahlström und Shamir mit den Medien abschlossen?“ </ref>

Auch die ehemalige isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir sowie die Hacker Rop Gonggrijp und Jacob Appelbaum arbeiteten zeitweise bei WikiLeaks mit. Der Filmemacher und Kameramann Ingi Ragnar Ingason reiste mit Hrafnsson zu Recherchen für den Film Collateral Murder nach Bagdad<ref name="StaatsfeindWL" /> und beteiligt sich an den geschäftlichen Aktivitäten in Reykjavík.

Der Journalist James Ball wechselte 2011 von WikiLeaks zur britischen Zeitung The Guardian. Er war nicht damit einverstanden, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen, die für den Fall der Weitergabe geleakter oder auch interner Informationen eine Konventionalstrafe von zwölf Millionen britischen Pfund vorsah. Julian Assange hatte diese Erklärung im Januar 2011 zehn Mitarbeitern zur Unterschrift vorgelegt.<ref>Assange verpasst Ex-Mitstreitern einen Maulkorb. In: Zeit Online. 13. Mai 2011, abgerufen am 15. Mai 2011.</ref><ref>Vertraulichkeitsvereinbarung von Wikileaks sorgt für Diskussionsstoff. In: Heise online. 13. April 2011, abgerufen am 15. Mai 2011.</ref>

Im Juni 2011 wurden mit Sarah Harrison und Joseph Farrell zwei weitere Mitarbeiter von WikiLeaks namentlich bekannt. Sie waren früher beim von Gavin MacFadyen geleiteten Centre for Investigative Journalism in London tätig.<ref>Wikileaks-Video: Assange dokumentiert seinen Hausarrest. In: Der Tagesspiegel. 16. Juni 2011, abgerufen am 19. Juni 2011.</ref><ref name="cij1">Centre for investigative journalism. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Februar 2010; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sarah Harrison half im Juni 2013 dem NSA-Whistleblower Edward Snowden, von Hongkong nach Russland zu reisen.<ref name="cij1_2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Meet Sarah Harrison, The Wikileaks Representative Travelling With Edward Snowden (Memento vom 26. Juni 2013 im Internet Archive)</ref>

Zu Beginn des Jahres 2021 entschied ein Londoner Gericht, dass der Wiki-Leaks-Gründer Assange nicht an die USA ausgeliefert werden darf. Das Urteil stützte sich auf die Suizidgefahr des mittlerweile 49-jährigen.<ref>Barbara Barkhausen, Sydney: Julian Assange: Sie wollen ihn umbringen. In: nd-aktuell.de. Zeitschrift Neues Deutschland, 5. April 2021, abgerufen am 9. April 2022.</ref> Im Dezember 2021 hob das Berufungsgericht das Auslieferungsverbot wieder auf, sodass Assange erneut die Überstellung in die USA drohte.<ref>Nelly Keusch: Julian Assange:Berufungsgericht bewilligt Auslieferung an die USA, Unterstützer wollen das Urteil anfechten. Neue Zürcher Zeitung, 10. Dezember 2021, abgerufen am 10. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>In London inhaftierter Assange - Gericht hebt Auslieferungsverbot auf. In: tagesschau.de. 10. Dezember 2021, abgerufen am 10. Dezember 2021.</ref>

Übersicht: Personen im Kontext zu WikiLeaks

Finanzierung

Da die Mitarbeiter von WikiLeaks unentgeltlich und von zu Hause aus arbeiten, sind die größten Kostenfaktoren die Serverkosten, Registrierungsgebühren und Bürokratiekosten.<ref name="laekonomy" /> Im Jahr 2010 allerdings wurden erstmals Gehälter an sieben Personen ausgezahlt. Man orientierte sich dabei an den von Greenpeace gezahlten Gehältern von monatlich 5.500 Euro.<ref>Assange: mit Memoiren aus der Haft. meedia.de</ref> Gerichtsgebühren machen aufgrund der Verwicklung in zahlreiche Prozesse ebenfalls einen Teil der Kosten von WikiLeaks aus. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich nach eigenen Angaben auf rund 600.000 US-Dollar,<ref name="laekonomy" /> die aus Spenden von Privatpersonen gedeckt werden. Spenden von Unternehmen oder Regierungen nimmt WikiLeaks nicht an.<ref name="laekonomy" /> Der Zahlungsverkehr für Spenden an WikiLeaks wird vom isländisch-schweizerischen Unternehmen DataCell abgewickelt.<ref>Webseite des Unternehmens. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Dezember 2010; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Anwaltshonorare fallen bislang nicht an, da die Anwaltszeit gespendet wird, unter anderem von Unterstützern wie der Los Angeles Times, Associated Press und der National Newspaper Association.<ref name="laekonomy" /> Kosten aus verlorenen Verfahren gibt es nach Angaben von Julian Assange bisher keine: „Strafzahlungen oder Schadenersatz noch nicht, wir haben bis jetzt alle Verfahren gewonnen.“<ref name="laekonomy" />

Chelsea Manning, die für die Lieferung von Informationen an die Organisation zu einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt wurde,<ref>Urteil gegen WikiLeaks-Informant Manning 35 Jahre Haft - nach zehn Jahren frei? In: tagesschau.de. 21. August 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. August 2013;.</ref> wurde von WikiLeaks durch die teilweise Finanzierung ihrer Anwaltskosten auch materiell unterstützt.<ref>WikiLeaks contributes to Manning defense, support group says. CNN, 14. Januar 2011, abgerufen am 12. Februar 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die als gemeinnützig anerkannte deutsche Wau Holland Stiftung förderte das Projekt im Jahr 2010 mit 402.000 Euro aus den bei ihr eingegangenen Spendengeldern in einer Höhe von 1,332 Millionen Euro.<ref>Vorläufiger Transparenzbericht der Wau-Holland-Stiftung für 2010. (PDF; 87 kB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. April 2011;.</ref> Im Jahr 2011 gingen dort nur noch Spenden in Höhe von 139.401 Euro ein; 660.522 Euro wurden an WikiLeaks ausgeschüttet.<ref>Transparenzbericht der Wau-Holland-Stiftung für 2011. (PDF; 80 kB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2012;.</ref>

Erreichbarkeit und Vervielfältigung

Die Website von WikiLeaks wurde eine Zeit lang in Schweden beim Unternehmen PeRiQuito AB (PRQ) gehostet,<ref name="ungeschuetze_informanten">Reinhard Wolff: Wikileaks-Server in Schweden: Ungeschützte Informanten. Die Tageszeitung, 8. August 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref> später wurde auf Server in Frankreich sowie auf etliche „Mirrors“ (Spiegelserver) gewechselt.<ref>Wikileaks-Server nicht mehr in Schweden. Der Standard, 21. November 2010, abgerufen am 23. November 2010.</ref>

Als Reaktion auf die Versuche, den Webserver zu blockieren, baten die Organisatoren von WikiLeaks andere Netzwerkaktivisten öffentlich darum, die Webpräsenz massenhaft zu kopieren und auf eigenen Servern zur Verfügung zu stellen.<ref>Aufruf. In: Schweizer WikiLeaks-Homepage. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2010;.</ref> Hierzu wurde der Prozess der Vervielfältigung der Webseite automatisiert. Der Aufruf stieß auf sehr große Resonanz.

Eine erste Liste dieser Spiegelserver, die z. T. nur einen weiteren Namenseintrag darstellen, teilweise jedoch auch vollständige Kopien der Website sind, wurde am 5. Dezember 2010 auf dem Etherpad-Server der deutschen Piratenpartei veröffentlicht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mirrorliste zu wikileaks.org (Memento vom 10. Dezember 2010 im Internet Archive) piratenpad.de; abgerufen am 3. Dezember 2010, 19.20 Uhr sowie am 5. Dezember</ref><ref>Matthias Kremp, Christian Stöcker: Internetaktivisten eröffnen Kampf für WikiLeaks. Spiegel Online, 3. Dezember 2010</ref> Das Spiegeln der Webseite wurde auch von den Piratenparteien anderer Länder unterstützt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Piratenparteien spiegeln Wikileaks zur weltweiten Unterstützung des Whistleblowings (Memento vom 8. Dezember 2010 im Internet Archive), Daniel Flachshaar, Pressemitteilung der Piratenpartei Deutschland vom 5. Dezember 2010</ref> Am Abend des 5. Dezember 2010 waren auf 76 Servern unabhängige Kopien der Webseite installiert worden.<ref>Matthias Kremp: Massenhafte Kopien Web-Aktivisten bringen WikiLeaks in Sicherheit. Spiegel Online, 5. Dezember 2010</ref> Eine Webseite<ref name="savewikileaks" /> verfolgte am 6. Dezember mit ihrem Automated Wikileaks mirror tracker über 800 Webserver, die an Spiegelungen von WikiLeaks beteiligt waren. Allerdings waren nicht alle aktuell oder erreichbar. Am 10. Dezember war die Zahl von 1600 Spiegelservern überschritten.<ref name="savewikileaks"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />WikiLeaks Mirrors. (Memento vom 8. Dezember 2010 im Internet Archive) SaveWikileaks.net; abgerufen am 6. Dezember 2010 und am 10. Dezember 2010</ref><ref>Wikileaks: Das Internet schlägt zurück. Telepolis, 5. Dezember 2010</ref> Laut Auskunft auf den Webseiten von WikiLeaks<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wikileaks Mirrors (Memento vom 8. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref> waren am 7. Dezember 2010 mehr als 1000 und am 14. Dezember über 2100 Spiegelserver in Betrieb.

Zusätzlich erklärten beispielsweise in Deutschland namhafte Webhosting-Anbieter ihre Unterstützung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wikileaks Mirror – die Sicht der Hostinganbieter (Memento vom 14. Januar 2011 im Internet Archive), auf web.archive.org, abgerufen am 23. August 2018</ref><ref>Sara: Wikileaks-Mirror: Rechtslage aus Providersicht. In: dF blog. DomainFactory, 6. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Dezember 2010; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Blogeintrag wurde zuletzt am <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />22. Januar 2022 (Memento vom 22. Januar 2022 im Internet Archive) archiviert und seitdem gelöscht.).</ref> Auch die französische Tageszeitung Libération, die norwegische Zeitung Dagsavisen und die NGO Reporter ohne Grenzen richteten Spiegelserver ein.<ref>Wikileaks-Anhänger – Ein Rückzug und neue Verbündete. In: Süddeutsche Zeitung online. 12. Dezember 2010, abgerufen am 19. Dezember 2010.</ref><ref>internationale Website. Reporter ohne Grenzen, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Dezember 2010; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zum leichteren Auffinden der Spiegelserver werden auch Banner verbreitet, die automatisch auf aktuell funktionierende Adressen verlinken und somit die Funktion des Internet Domain Name Service provisorisch dezentralisieren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das blockade-sichere Werbebanner. (Memento vom 12. Dezember 2010 im Internet Archive) taz.de, 11. Dezember 2010</ref>

Enthüllungen

Das erste Material mit Öffentlichkeitswirkung veröffentlichte WikiLeaks 2007. Thema war Korruption in Milliardenhöhe in der Familie des ehemaligen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi. Es wurde am 31. August 2007 im Guardian veröffentlicht.<ref>The looting of Kenya. In: The Guardian. 31. August 2007, abgerufen am 17. Januar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2008 drehten sich die Veröffentlichungen um interne Dokumente der Julius Baer Bank & Trust Company, Inhalte der Scientology-Kirche, die Mitgliederliste der British National Party und Internetsperrlisten verschiedener Länder. Im selben Jahr gab es auch erste Rechtsstreitigkeiten mit dem Religious Technology Centre, einer Unterorganisation der Scientology-Kirche.

2009 publizierte WikiLeaks ein internes Dokument<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Financial collapse: Confidential exposure analysis of 205 companies each owing above EUR45M to Icelandic bank Kaupthing, 26 Sep 2008. (Memento vom 18. März 2011 im Internet Archive) WikiLeaks.</ref> der Kaupthing-Bank, den Minton-Report über toxische Abfälle in der Elfenbeinküste, einen Entwurf des geheimen Abkommens zwischen der Europäischen Union und den USA zur Auswertung und Weitergabe europäischer Bankdaten an die USA, Nachrichten von Funkmeldeempfängern (Pagern) am Tag der Terroranschläge am 11. September 2001, E-Mails von Wissenschaftlern der Climatic Research Unit der University of East Anglia, Auszüge aus den geheimen Toll-Collect-Verträgen und einen Feldjäger-Report zu einer umstrittenen Bombardierung zweier Tanklaster in Afghanistan.

2010 veröffentlichte WikiLeaks ein Dokument über mögliche PR-Strategien der US-amerikanischen Geheimdienste in Deutschland und Frankreich und Planungsdokumente zur Loveparade 2010. Ebenfalls in diesem Jahr wurde eine neue Linie in der Veröffentlichungspraxis eingeschlagen. So wurde mit dem Video zu den Luftangriffen in Bagdad vom 12. Juli 2007 erstmals Material veröffentlicht, das mit Sicht auf den Endkonsumenten journalistisch aufbereitet war und mit Collateral Murder einen griffigen Titel erhielt. Außerdem wurde mit der Publikation des Afghan War Diarys und der Iraq War Logs intensiv mit verschiedenen Medienunternehmen zusammengearbeitet. Beide Publikationen waren jeweils die größte Veröffentlichung von Dokumenten des Militärs der USA.

Für internationales Aufsehen sorgte ab dem 28. November 2010 die Veröffentlichung von rund einer Viertelmillion diplomatischer US-Berichte über zahlreiche Regierungen und deren Mitglieder in aller Welt. Sie wurde als Cablegate bekannt. Bis zum 20. August 2011 waren in verschiedenen Tranchen 19.791 Dokumente veröffentlicht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Secret US Embassy Cable (Memento vom 29. März 2015 im Internet Archive)</ref> In den folgenden Tagen wurde das Tempo der Freigabe massiv erhöht und zehntausende weitere Dokumente innerhalb kurzer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.<ref name="WeisheitderMasse">WikiLeaks setzt auf die Weisheit der Masseam. In: Spiegel Online. 24. August 2011, abgerufen am 26. August 2011.</ref><ref>WikiLeaks veröffentlicht 55.000 neue Diplomaten-Depeschen. In: Gulli.com. 25. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Januar 2013;.</ref> Am 27. August belief sich die Zahl der einsehbaren Depeschen auf 143.014.<ref>wikileaks.org</ref> Etwa zeitgleich wurde durch einen Pressebericht bekannt, dass eine als cables.csv bezeichnete verschlüsselte Datei von 1,73 Gigabyte Umfang ebenso wie der dazugehörige Schlüssel im Internet verfügbar sei. Das Passwort war in einem Buch von David Leigh veröffentlicht worden – er dachte, es sei nicht mehr gültig.<ref>Wikileaks: Depeschen verschlüsselt im Internet verteilt. Golem.de, 1. September 2011; abgerufen am 30. September 2020</ref><ref>Wikileaks: Das verratene Passwort. Sueddeutsche.de, 27. September 2020; abgerufen am 30. September 2020</ref> Die Datei enthielt die vollständige, unredigierte Sammlung der Botschaftsdepeschen.<ref>Leck bei Wikileaks. In: Der Freitag. 25. August 2011, abgerufen am 27. August 2011.</ref><ref>Botschaftsdepeschen – WikiLeaks-Streit gefährdet vertrauliche Daten. In: Spiegel Online. 28. August 2011, abgerufen am 29. August 2011.; fast wortgleich in: Der Spiegel, Nr. 35/2011, S. 16: US-Depeschen – Machtkampf um WikiLeaks.</ref> Nach der Datenpanne gab WikiLeaks selbst die komplette Sammlung der Depeschen frei.<ref>Nach Datenpanne: Wikileaks gibt Depeschen selbst frei. Die Presse, 2. September 2011.</ref>

Ab Ostern 2011 veröffentlichte WikiLeaks innerhalb von vier Wochen unter dem Titel Gitmo files 765 Dateien zu dem umstrittenen Gefangenenlager auf der Guantanamo Bay Naval Base, in dem zu diesem Zeitpunkt noch 172 Gefangene einsaßen. Die als „geheim“ eingestuften Militärdokumente stammen aus der Zeit von 2002 bis 2007 und beziehen sich auf jeweils einen Gefangenen.<ref>Guantánamo leaks lift lid on world’s most controversial prison. In: The Guardian. 25. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. November 2011; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>wikileaks.org</ref><ref>WikiLeaks enthüllt Guantanamo-Geheimnisse. In: Spiegel Online. 25. April 2011, abgerufen am 25. April 2011.</ref><ref>Wikileaks enthüllt Geheimpapiere zu Guantanamo. In: Süddeutsche zeitung online. 25. April 2011, abgerufen am 25. April 2011.</ref> Die US-amerikanische Regierung bestätigte die Echtheit der Dokumente und bedauerte deren Offenlegung.<ref>US-Regierung verurteilt Guantanamo-Enthüllungen. In: Spiegel Online. 25. April 2011, abgerufen am 25. April 2011.</ref>

Anfang Dezember 2011 begann WikiLeaks unter der Bezeichnung The Spy Files mit der Veröffentlichung von zunächst 287 Dateien aus dem Bereich von Unternehmen der Sicherheits- und Überwachungstechnik und kündigte die Fortsetzung in das Jahr 2012 hinein an. WikiLeaks hatte mit der ARD, L’Espresso und der Washington Post zusammengearbeitet.<ref name="DatenWaffen">Wenn Daten zu Waffen werden. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Dezember 2011;. NZZ Online, 1. Dezember 2011</ref> Die zunächst zusammengestellten Dokumente waren überwiegend bereits zugänglich, ihre Zusammenfassung an einem Ort und die Möglichkeit, sie mit Hilfe einer interaktiven Karte zu durchsuchen, wurden aber als umfassend und nützlich bewertet. WikiLeaks sei mit dem Anprangern einer Branche, die Überwachungstechnologie an Staaten mit zweifelhafter Menschenrechtssituation und diktatorischen Regimes liefere, auf dem Weg zu einer „Kampagnenplattform“.<ref>Angriff auf die Überwachungsindustrie. In: Süddeutsche Zeitung online. 2. Dezember 2011, abgerufen am 2. Dezember 2011.</ref><ref>Wikileaks veröffentlicht Dokumente der Überwachungsindustrie. In: Zeit Online. 1. Dezember 2012, abgerufen am 2. Dezember 2011.</ref><ref>WikiLeaks wird zur Kampagnenplattform. In: Spiegel Online. 2. Dezember 2012, abgerufen am 2. Dezember 2011.</ref>

Ende Februar 2012 begann WikiLeaks unter dem Titel The Global Intelligence Files in Kooperation mit 25 Medienpartnern mit der Veröffentlichung von internen E-Mails des US-amerikanischen Unternehmens Stratfor, das seinen Kunden Analysen zur Geopolitik anbietet. WikiLeaks behauptete, im Besitz von fünf Millionen E-Mails aus dem Zeitraum zwischen Juli 2004 und Dezember 2011 zu sein und veröffentlichte am ersten Tag 214 davon. Die Absicht war, das Informantennetz des Unternehmens zu enttarnen und darzustellen, dass Stratfor mit fragwürdigen oder illegalen Methoden arbeite, eine enge Beziehung zu Nachrichtendiensten habe und damit selbst ein privat arbeitender und unkontrollierter Geheimdienst sei. Die Beschaffung der Daten wird dem Kollektiv Anonymous zugeschrieben.<ref>The Global Intelligence Files. WikiLeaks, 27. Februar 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2012; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>STRATFOR – WikiLeaks veröffentlicht E-Mails von US-Analysedienst. In: Zeit Online. 27. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.</ref>

Ab Anfang Juli 2012 begann WikiLeaks E-Mails syrischer Politiker und weiterer Persönlichkeiten sowie von syrischen Ministerien und Unternehmen online zugänglich zu machen. Insgesamt ist die Veröffentlichung von zwei Millionen „Syria Files“ der Jahre 2006 bis 2012 geplant, die in einer öffentlich durchsuchbaren Datenbank gesammelt werden sollen. Dabei arbeitet WikiLeaks mit mehreren Medienpartnern, darunter dem deutschen NDR, zusammen, um die Nachrichten zu analysieren.<ref>Datenschatz: WikiLeaks veröffentlicht E-Mails von Syriens Machtelite. Spiegel Online, 5. Juli 2012; abgerufen am 6. Juli 2012.</ref>

Ab Ende Oktober 2012 veröffentlichte WikiLeaks unter der Bezeichnung Detainee Policies Dokumente über die Behandlung von Gefangenen in US-amerikanischen Militärgefängnissen und Gefangenenlagern. Der erste der veröffentlichten Texte beschreibt auf 33 Seiten Standardvorgehensweisen, die 2002 für Gefangene des Camp Delta in den Gefangenenlagern der Guantanamo Bay Naval Base erlassen wurden.<ref>Wikileaks veröffentlicht neue US-Militärdokumente. In: Welt online. 26. Oktober 2012, abgerufen am 26. Oktober 2012.</ref><ref>Main SOP for Camp Delta, Guantanamo, 11. November 2002 bei WikiLeaks. Abgerufen am 26. Oktober 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Weitere Dokumente enthalten unter anderem die Vorgaben für die Bekämpfung eines möglichen Gefangenenaufstandes im Militärgefängnis der Mannheimer Coleman Barracks<ref>U.S. Army Correction Facility-Europe: SOP vom 1. Oktober 2011. WikiLeaks, abgerufen am 26. Oktober 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Insgesamt sollen im Laufe eines Monats ca. 100 Dokumente veröffentlicht werden, die auch das Abu-Ghuraib-Gefängnis und Camp Bucca betreffen.

Im Mai 2014 veröffentlichte WikiLeaks 244 ältere Teilnehmerlisten und Protokolle der Bilderberg-Konferenzen.<ref>search.wikileaks.org</ref> Im Mai 2015 veröffentlichte WikiLeaks Protokolle aus zehn Monaten des laufenden NSA-Untersuchungsausschusses.<ref>NSA Untersuchungsausschuss. WikiLeaks, 12. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015.</ref> Seit Juni 2015 veröffentlicht WikiLeaks Geheimdokumente und Daten saudi-arabischer Botschaften.<ref>Saudi-Arabien wollte deutsche Journalisten bestechen. Sueddeutsche.de</ref> Im Juli 2015 veröffentlichte WikiLeaks Geheimdokumente die belegten, dass auch Minister, Staatssekretäre und Spitzenbeamte abgehört wurden, und nicht nur Angela Merkel. Die Spähaffäre betrifft unter anderem die EZB, das Wirtschaftsministerium, das Bundesfinanzministerium, das Landwirtschaftsministerium und weitere. Insgesamt wurden 69 Telefonanschlüsse belauscht. Die Dokumente weisen einen Zeitraum von 2010 bis 2012 auf. Allerdings ist unklar, wann und wie lange diese Spähaktion stattfand. Man geht davon aus, dass die Spähaktion schon in den 1990er Jahren angefangen hat.<ref>Peter Maxwill: WikiLeaks-Listen zur NSA: Diese Ministerien spähte die NSA aus. In: Spiegel Online. 1. Juli 2015, abgerufen am 7. Juli 2015.</ref><ref>The Euro Intercepts. WikiLeaks, 1. Juli 2015, abgerufen am 6. Juli 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im April 2016 gab WikiLeaks den Mitschnitt einer Telefonkonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF) frei. Deren Thematik waren Planspiele um die weitere Bewältigung der griechischen Staatsschuldenkrise und „die Verhandlungsstrategie des IWF und das Misstrauen seiner Mitglieder gegenüber den Zusagen der griechischen Regierung und denen der europäischen Kreditgeber.“<ref>Grexit. WikiLeaks-Protokoll verunsichert griechische Regierung. Zeit Online; abgerufen am 2. April 2016</ref> Im Juli 2016 begann WikiLeaks vier Tage nach dem Putschversuch in der Türkei auf einer Suchwebsite mit der Veröffentlichung von 294.548 E-Mails der türkischen Regierungspartei Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP).<ref>Search the AKP email database. WikiLeaks, 19. Juli 2016, abgerufen am 20. Juli 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Inhalt der Mails beziehe sich aber meist nicht auf Interna der Regierung, sondern auf „Beziehungen mit der Welt“.

Konflikte, Zensurversuche und Gegenmaßnahmen

Datei:US Air Force Wikileaks blocked screenshot.jpg
“Access Denied” – Zensur auf Computern der U.S. Air Force beim Surfen zu einer Nachrichtenmeldung über Wikileaks auf der Website von MSNBC, 2010

Sperrung der iranischen WikiLeaks-Domain 2009

Im Juli 2009 blockierte der Iran die meisten von WikiLeaks verwendeten Domainnamen, nachdem auf der Seite über einen angeblichen Unfall in der Nuklearanlage Natanz berichtet worden war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Iran blocks Wikileaks. (Memento vom 20. Juli 2009 im Internet Archive) wikileaks.org, 16. Juli 2009</ref>

Interna des US-Geheimdienstes

Am 15. März 2010 wurde ein internes Dokument<ref name="ciw">U.S. Intelligence planned to destroy WikiLeaks, 18. März 2008 (PDF; 567 kB) wikileaks.org; abgerufen im November 2010, offline</ref><ref>U.S. Intelligence planned to destroy WikiLeaks. scribd.com, 15. März 2010; abgerufen am 22. November 2010</ref> des US-Geheimdienstes CIA bei WikiLeaks veröffentlicht, in dem die CIA beschreibt, warum sie WikiLeaks als problematisch einschätzt, und Methoden erläutert, wie man gegen Whistleblower und WikiLeaks-Mitarbeiter vorgehen und somit WikiLeaks schwächen könne. Der Geheimdienst befürchtet laut dem Dokument einerseits, dass es auch in den eigenen Reihen Whistleblower und bei WikiLeaks weitere unveröffentlichte geheime Dokumente geben könne, andererseits aber auch, dass WikiLeaks verwendet werden könne, um falsche oder gefälschte Informationen zu streuen. Es wird empfohlen, Anstrengungen zu unternehmen, die Geheimniszuträger von WikiLeaks zu verfolgen und offenzulegen. Dadurch erhofft man sich, dass das Vertrauen der Whistleblower in WikiLeaks stark geschwächt wird und die Unterstützergemeinschaft zusammenbricht.

DDoS-Attacken auf WikiLeaks

WikiLeaks war am 28. November 2010 nach eigenen Angaben Opfer eines Distributed-Denial-of-Service-Angriffs. Er erfolgte wenige Stunden vor der angekündigten Veröffentlichung geheimer Dokumente des US-amerikanischen Außenministeriums.<ref>Andreas Wilkens: DDoS-Attacke auf Wikileaks vor angekündigter Veröffentlichung (Update). In: Heise online. 28. November 2010, abgerufen am 29. November 2010.</ref> Als Antwort auf die andauernden DDoS-Angriffe auf WikiLeaks und seine Spiegelserver begannen Internetaktivisten von Anonymous ihrerseits die Operation Payback mit DDoS-Angriffen auf Unternehmen, die sich gegen WikiLeaks stellen.<ref>Internetaktivisten legen MasterCard-Website lahm. Telepolis</ref> WikiLeaks distanzierte sich von den Angriffen und bestritt Kontakt mit den Tätern, behauptete aber, dass die Aktion die öffentliche Meinung widerspiegele.<ref>T-Online am 10. Dezember 2010: Wikileaks-Anhänger nach Attacken auf Websites festgenommen. T-Online, abgerufen am 19. Oktober 2010.</ref> Auch im August 2011 wurde WikiLeaks im Gefolge der nun forcierten Veröffentlichung US-amerikanischer Botschaftsdepeschen mit einer Denial-of-Service-Attacke angegriffen.<ref name="WeisheitderMasse" /> Ein Jahr später kam es zu weiteren derartigen Angriffen, zu denen sich eine bis dahin unbekannte Gruppe namens „Antileaks“ bekannte.<ref>Wikileaks steht unter DDoS-Beschuss. In: IT Magazine. 9. August 2012, abgerufen am 9. August 2012.</ref> Sie erfolgten in direktem zeitlichem Zusammenhang zu der Veröffentlichung von Unterlagen über das US-amerikanische Überwachungssystem TrapWire.<ref>Fallendraht für Amerika. In: FAZ.net. 12. August 2012, abgerufen am 13. August 2012.</ref>

Nach der Ankündigung, E-Mails aus den Kreisen der türkischen Regierungspartei AKP zu veröffentlichen, erfolgten kurze Zeit später umfangreiche DDoS-Angriffe auf die Infrastruktur von WikiLeaks. Die Quelle der Angriffe ist unbekannt. WikiLeaks selbst vermutet die Angreifer aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs in der türkischen Regierung oder bei ihr nahestehenden Stellen.<ref>WikiLeaks attacked after promising to publish secret Turkish documents: Report. In: The Washington Times https://www.washingtontimes.com/. Abgerufen am 20. Juli 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wikileaks veröffentlicht E-Mails der Erdoğan-Partei AKP und wird in der Türkei gesperrt. In: t3n.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juli 2016;.</ref>

Sperrung der Amazon-Server

Für die Veröffentlichung einer großen Zahl von Dokumenten im November 2010 wich WikiLeaks nach den vorangegangenen DDoS-Attacken auf Server des Amazon Web Services aus. Diese Server wurden jedoch bereits nach wenigen Tagen für WikiLeaks gesperrt.<ref>Enthüllungsplattform: Amazon sperrt Server für Wikileaks-Dokumente. Welt Online, 2. Dezember 2010</ref> Nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten geschah dies auf öffentlichen Druck seitens des US-amerikanischen Senators Joe Lieberman,<ref>Amazon nimmt Wikileaks vom Server. Zeit Online, 2. Dezember 2010</ref><ref>Vom Jäger zum Gejagten. Sueddeutsche Zeitung Online, 2. Dezember 2010</ref> was von Amazon aber bestritten wurde. Der Grund der Sperrung sei vielmehr gewesen, dass WikiLeaks gegen die Geschäftsbestimmungen von Amazon verstoßen habe.<ref>Amazon bestreitet politischen Druck wegen Wikileaks. Heise Online, 3. Dezember 2010</ref> So sähen die Geschäftsbedingungen von Amazons Web-Dienstleistungen vor, dass der Kunde die Rechte an den Inhalten halte und deren Einsatz niemandem Schaden zufüge. Es sei klar, dass WikiLeaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfüge, und bei der großen Zahl von 250.000 Dokumenten sei nicht gesichert, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten, argumentierte Amazon.

Sperrung der Domain wikileaks.org

Am 3. Dezember 2010 entzog der kostenlose US-Dienstleister everydns.net WikiLeaks die Domain wikileaks.org<ref>US-Firma entzieht WikiLeaks die Internetadresse. In: Spiegel Online. 3. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010.</ref> und begründete diese Maßnahme mit „anhaltenden DDoS-Angriffen“ auf ihre Server, welche die Stabilität ihres Dienstes für andere Nutzer gefährden würde.<ref>EveryDNS.net schaltet Wikileaks die Domain ab (Update). Golem.de, 3. Dezember 2010.</ref> Vorübergehend war nur noch ein Zugriff über die Adresse http://46.59.1.2/ möglich. Am selben Tag teilte WikiLeaks über Twitter mit, dass es über die Schweizer Domain wikileaks.ch erreichbar sei. Registriert hatte diese Domain die Piratenpartei Schweiz.<ref>Piratenpartei Schweiz unterstützt Wikileaks. In: Tages-Anzeiger. 3. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010.</ref> Diese Verlinkung auf die Schweizer Website wikileaks.ch war rund zwei Stunden am Abend des 3. Dezembers 2010 ebenfalls nicht mehr über DNS-Auflösung erreichbar.<ref>Konflikte: US-Firma entfernt auch Schweizer Wikileaks-Adresse. focus.de</ref> Danach wurden mehrere Nameserver als Ersatz zur Verfügung gestellt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wikileaks.ch läuft wieder. (Memento vom 6. Dezember 2010 im Internet Archive) piratenpartei.ch, 3. Dezember 2010.</ref> Die Internetadressen „wikileaks.de“ und „wikileaks.at“ sowie „wikileaks.eu“ waren weiterhin erreichbar; dies galt ab Ende Mai 2011 auch wieder für „wikileaks.org“.<ref>Whois-Abfrage für wikileaks.org. In: coolwhois.com. Abgerufen am 15. Juni 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Deaktivierung von Spendenmöglichkeiten

Am 4. Dezember 2010 schaltete der zu eBay gehörende Internet-Bezahldienst PayPal das Konto der Wau Holland Stiftung ab, über das WikiLeaks einen Teil seiner Spenden abwickelte, mit der Begründung, die allgemeinen Geschäftsbedingungen legten fest, dass PayPal nicht für die Ermutigung, Unterstützung, Vereinfachung, Förderung oder Anleitung Dritter zum illegalen Handeln genutzt werden dürfe.<ref>Wachsender Druck: Paypal stoppt Geldfluss an WikiLeaks. In: Spiegel Online. 4. Dezember 2010, abgerufen am 4. Dezember 2010.</ref>

Am 6. Dezember 2010 gab ein Sprecher des US-Kreditkartenunternehmens Mastercard bekannt, dass der Zahlungsverkehr mit WikiLeaks eingestellt wurde. Grund sei die Regel, wonach Kunden gesperrt würden, die „illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern“.<ref>MasterCard pulls plug on WikiLeaks payments. CNET, 4. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Dezember 2013; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ebenfalls am 6. Dezember 2010 sperrte die Schweizer Postfinance das Konto des WikiLeaks-Mitarbeiters Julian Assange. Assange habe bei der Kontoeröffnung als Domizil Genf angegeben. Da sich dies laut Postfinance als Unwahrheit herausstellte, wurde das Konto geschlossen. Assange habe kein Domizil in der Schweiz, was für ausländische Kunden außerhalb der angrenzenden Länder zur Schweiz eine Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung sei.<ref>WikiLeaks: PostFinance beendet Geschäftsbeziehung zu Assange. In: Postfinance. 6. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. April 2011;.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Postfinance: «Assange hat sein Konto persönlich eröffnet». (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive) Schweizer Fernsehen, 8. Dezember 2010</ref> Zudem wies Postfinance auf eine vom Ständerat am 30. November 2010 in das Postgesetz aufgenommene Bestimmung hin, die es ihr ermögliche, Geschäftsbeziehungen aufzuheben, die dem öffentlichen und dem sittlichen Empfinden zuwiderliefen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch hatte der Nationalrat diese neue Gesetzgebung noch nicht verabschiedet, sie war daher noch nicht rechtskräftig und der Verweis seitens Postfinance auf diese neue Gesetzesbestimmung irrelevant und überflüssig.<ref>Postfinance kündigt Wikileaks. Neue Zürcher Zeitung, 6. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. Dezember 2010;.</ref>

Am 7. Dezember 2010 teilte Visa mit, dass über ihre Einrichtungen nun ebenfalls keine Spenden mehr an WikiLeaks entrichtet werden können.<ref>BBC-Online-News</ref>

Mitte Dezember gab die Bank of America bekannt, jegliche Transferaufträge von und zu WikiLeaks-Konten einzustellen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neue Blockade: Bank of America stoppt Geldfluss an WikiLeaks. (Memento vom 21. Dezember 2010 im Internet Archive) Spiegel Online, 18. Dezember 2010</ref> Journalisten deuteten diesen Schritt als eine Reaktion auf die Ankündigung von Julian Assange im Wirtschaftsmagazin Forbes, Dokumente einer „amerikanischen Großbank“ zu veröffentlichen.<ref>Auch Bank of America überweist nicht mehr. tagesschau.de, 18. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Dezember 2010;.</ref><ref>Bank of America stoppt Zahlungsverkehr für Wikileaks: Präventivschlag gegen Enthüllungen? In: Internet World Business. 20. Dezember 2010, abgerufen am 20. Dezember 2010.</ref> WikiLeaks seinerseits rief seine Sympathisanten über Twitter dazu auf, nicht mehr mit der Bank of America zusammenzuarbeiten, Konten zu schließen und ihr Geld an „sichereren“ Orten anzulegen. Der Konflikt weitete sich aus: Die Bank of America kaufte vorsorglich Domains auf, deren Verwendung ihr Führungspersonal beleidigen würde und brachte sich dadurch ins Gespräch.<ref>Wikileaks: Bank of America kauft böse Domains. In: Chip online. 27. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Mai 2012;.</ref> Über Twitter kündigten Aktivisten der Operation Payback bereits Stunden vor dem tatsächlichen Eintreten am 27. Dezember 2010 eine DDoS-Attacke auf die Webseite der Bank an.<ref>Über Twitter verbreiteter Aufruf der „Operation BOA“. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. November 2013; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Über Twitter verbreiteter Aufruf mit Begründung. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2011;.</ref> Die Hauptseite der Bank war an diesem Tag nur noch unregelmäßig erreichbar.<ref>Telekom Presse Wien am 27. Dezember 2010: Bank of America Opfer von DDoS Attacken. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2010;.</ref><ref>Chip.de am 28. Dezember 2010: Wikileaks: Bank of America angegriffen (Update). Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2010;.</ref> Im Januar 2011 wurde bekannt, dass die Bank of America ein spezielles Team gebildet hatte, um nach möglichen Informationslecks zu suchen und auf eine Veröffentlichung interner Dokumente vorbereitet zu sein.<ref>Financial Times Deutschland am 3. Januar 2011: Bank of America zittert vor Wikileaks. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Januar 2011;.</ref> Dies geschah, wiederum durch Aktivisten von Anonymous, dann zwei Monate später.<ref>Gulli.com am 14. März 2011: Anonymous veröffentlicht E-Mails der Bank of America. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Januar 2013;.</ref>

Wenige Tage nach dem Vorgehen der Bank of America gegen WikiLeaks entfernte Apple eine App aus seinem App Store, die es ermöglichte, die WikiLeaks-Inhalte einzusehen und mit einem Teil des Kaufpreises eine Spende von einem US-Dollar an WikiLeaks zu entrichten. Die App selber war keine offizielle App von WikiLeaks, sondern wurde durch einen privaten Entwickler hergestellt. Zunächst hieß es, dies widerspreche einer Grundregel von Apple, wonach Apps, die zum Spendensammeln gedacht seien, kostenlos sein müssten. Dann erklärte Apple, man habe die App wegen Verstoßes gegen die Entwickler-Richtlinien aus dem Apple-Store genommen. Apps müssen allen lokalen Gesetzen entsprechen und dürfen Individuen oder Zielgruppen nicht gefährden. Über den Browser des Gerätes sind die Inhalte von WikiLeaks weiterhin verfügbar.<ref>Wikileaks – Apple entfernt App aus App-Store. In: Gamestar. 22. Dezember 2010, abgerufen am 23. Dezember 2010.</ref><ref>Apple Bans Lame WikiLeaks App. In: Wired.com. 21. Dezember 2010, abgerufen am 23. Dezember 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Weiter Wirbel um Wikileaks (Update). heise.de, 21. Dezember 2010; abgerufen am 23. Dezember 2010</ref>

Trotz dieser Erschwernisse verbleiben noch Möglichkeiten, Spenden an WikiLeaks zu überweisen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />WikiLeaks – Spendemöglichkeiten (Memento vom 5. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref>

Die Sperrung von Unterstützungsmöglichkeiten durch Zahlungsdienstleister ohne gesetzliche Grundlage in Verbindung mit den Auswirkungen der Finanzkrise, welche die öffentlichen Haushalte oft stark belastete, führte dazu, dass alternative Zahlungssysteme verstärkt Aufmerksamkeit bekamen. Insbesondere Bitcoin, ein Open-Source-Projekt, welches durch ein Peer-to-Peer System eine dezentrale elektronische Währung implementiert, wurde als mögliche Antwort auf solche Einflussnahmen angesehen. Da die Sperre anhielt, ohne dass es selbst nach Auffassung von Timothy F. Geithner eine rechtliche Grundlage dafür gibt, rief WikiLeaks dazu auf, Bitcoin zur Übermittlung von Spenden zu nutzen<ref>Melissa Higgins: Op-Ed: WikiLeaks using card’s own campaign to fight back? Priceless. digitaljournal.com, 1. Juli 2011.</ref><ref>WikiLeaks releases advertisement coinciding with the six month unlawful banking blockage against it. wikileaks.org, 28. Juni 2011</ref> und erklärte im Oktober 2011, aufgrund seiner schlechten wirtschaftlichen Situation zunächst keine weiteren Veröffentlichungen herauszugeben, sondern sich stattdessen auf eine erneute Spendenkampagne zu konzentrieren. Gegen die finanzielle Blockade durch VISA, Mastercard, die Bank of America, PayPal und Western Union werde juristisch vorgegangen. Eine Einstellung der Arbeit von WikiLeaks sei möglich.<ref>Wikileaks setzt Veröffentlichung von Depeschen wegen Geldmangels aus. In: augsburger-allgemeine.de. 24. Oktober 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011 (AFP).</ref><ref>Without credit card donations, WikiLeaks facing funding crisis. In: Mc Clatchy. 21. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Oktober 2011; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Versuch der US-Regierung, personenbezogene Daten von Twitter zu erhalten

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Im Januar 2011 wurde bekannt, dass im vorangegangenen Dezember eine Bundesrichterin der USA eine geheime, strafbewehrte Auskunftsanordnung (Subpoena) an Twitter geschickt hatte, Daten über Benutzerkonten, die WikiLeaks zugeordnet werden, an das US-Justizministerium auszuhändigen. Angefordert wurden alle verfügbaren Daten über Personen, deren Aktivitäten auf Twitter sowie Netzwerkinformationen, wie etwa IP-Adressen, die in diesem Zusammenhang anfielen. Twitter, ein US-amerikanisches Unternehmen, musste dies zunächst geheim halten. Erst nach einer weiteren Gerichtsentscheidung konnte Twitter die Benutzer informieren. Ihnen blieb Zeit bis zum 17. Januar, mit Rechtsmitteln gegen das Auskunftsersuchen vorzugehen, was sie mit Hilfe der US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisationen Electronic Frontier Foundation und American Civil Liberties Union auch taten.<ref>WikiLeaks-Unterstützer: Rechtliches Vorgehen gegen Herausgabe von Twitter-Daten. In: gulli.com. 9. Februar 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Januar 2013; (unter Bezugnahme auf Wired).</ref><ref>US-Justizministerium verlangt Zugriff auf Twitter-Daten. In: Spiegel Online. 8. Januar 2011, abgerufen am 9. Januar 2011.</ref><ref>Subpoena im Faksimile. (PDF) In: Salon.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. März 2011; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Entscheidung, dass Twitter die Benutzer informieren darf. (PDF) In: Salon.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. September 2011; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Faksimile).</ref> Konkret betroffen waren Julian Assange, Rop Gonggrijp, Jacob Appelbaum und die isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir. Sie kündigte an, einen Anwalt und den Justizminister ihres Landes hinzuzuziehen.<ref>US-Regierung: Twitter soll Daten von WikiLeaks-Unterstützern herausgeben (Update). In: gulli.com. 8. Januar 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Januar 2013;.</ref> Die Minister Ögmundur Jónasson und Össur Skarphéðinsson sprachen sich deutlich gegen die US-amerikanische Handlungsweise aus.<ref>Die Wünsche einer Supermacht. In: taz.de. 9. Januar 2011, abgerufen am 9. Januar 2011.</ref> Letzterer bestellte den US-amerikanischen Botschafter ein, um formellen Protest gegen das Vorgehen der USA einzulegen.<ref>Islands Außenministerium bestellt US-Botschafter ein. In: Focus online. 10. Januar 2011, abgerufen am 10. Januar 2011.</ref> Am 11. März entschied ein US-Bundesgericht, Twitter müsse die strittigen Daten herausgeben. Die Betroffenen gingen in Berufung<ref>WikiLeaks-Unterstützer: Berufung im „Twittergate“-Prozess. In: gulli.com. 26. März 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. September 2012;.</ref> und bis zum Oktober 2011 legte Twitter diese Daten nicht offen.<ref name="wstjou">Secret Orders Target Email. WikiLeaks Backer’s Information Sought. In: The Wall Street Journal. 10. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im November entschied ein Bundesbezirksgericht in Virginia jedoch, dass Twitter die Daten von Gonggrjip, Appelbaum und Jónsdóttir herausgeben müsse.<ref>WikiLeaks-Ermittlungen – Twitter muss Nutzerdaten herausgeben. In: Spiegel Online. 11. November 2011, abgerufen am 12. November 2011.</ref> Die Betroffenen wandten sich an das Bundesberufungsgericht, um die Entscheidung überprüfen zu lassen.<ref>Mitteilung der Anwälte an das Bundesbezirksgericht vom 23. November 2011. archive.org (PDF; 18 kB).</ref> Jónsdóttir kündigte außerdem an, mit Hilfe des Europarates gegen das Urteil vorzugehen. Die Interparlamentarische Union hatte im Monat vorher eine Resolution beschlossen, die das Vorhaben des US-Justizministeriums verurteilt.<ref>US court verdict ‘huge blow’ to privacy, says fomer WikiLeaks aide. Decision made to open Twitter account of Icelandic MP Birgitta Jonsdottir, who is taking the case to the Council of Europe. In: The Guardian. 11. November 2011, abgerufen am 14. November 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Auch der Internetprovider Sonic.net Inc. und Google Inc. sollten Auskunft über personenbezogene Daten Jacob Appelbaums erteilen. Sonic.net musste in der Auseinandersetzung nachgeben; beide Unternehmen gingen vor Gericht, um Öffentlichkeit für das Ersuchen der Regierung zu erzwingen.<ref name="wstjou" /><ref>Anordnung der US-Regierung. Internetfirmen sollen WikiLeaks-Helfer bloßstellen. In: Spiegel Online. 10. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011.</ref>

Quellenschutz

Im August 2010 meldeten sich schwedische Verfassungsexperten mit der Einschätzung zu Wort, es sei korrekt, dass Schweden einen umfassenden Quellenschutz für Journalisten besitze, dieser aber nur dann bei traditionellen und Internetmedien gelte, wenn sie den „Utgivningsbevis“ – eine spezielle schwedische Lizenz – vorweisen könnten.<ref name="ungeschuetze_informanten" /> Diese fehle WikiLeaks allerdings.<ref name="ungeschuetze_informanten" /> Aus diesem Grund hätte sich WikiLeaks im Konfliktfall nicht auf den schwedischen Quellenschutz berufen können.<ref name="ungeschuetze_informanten" /> Noch im August erklärte Julian Assange, als Kolumnist für die schwedische Boulevard-Zeitung Aftonbladet zu arbeiten und aktivierte damit den schwedischen Quellenschutz für WikiLeaks.<ref>’Jag kan nog lova ett och annat scoop’. Aftenbladet, 14. August 2010, abgerufen am 15. August 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Besondere Aufmerksamkeit erregte die vermeintliche Enttarnung der Informantin Chelsea Manning. Die US-Soldatin wurde nach der Veröffentlichung von Videoaufnahmen aus einem im Irak operierenden Apache-Hubschrauber verhaftet. Der Soldatin wird vorgeworfen, geheime Informationen unberechtigt weitergeleitet zu haben.<ref>USA gehen gegen Soldaten vor: Anklage wegen WikiLeaks-Videos. In: die tageszeitung. 7. Juli 2010, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref> Anfangs war nicht klar, wie Manning enttarnt werden konnte,<ref>Wolf Schmidt: Loch im Leak. Abgerufen am 1. Februar 2011.</ref> aber mittlerweile wurden angebliche Chatprotokolle veröffentlicht, in denen sich die Informantin gegenüber dem Hacker Adrian Lamo selbst verriet.<ref>Oliver Das Gupta: Bradley Manning, der verratene Verräter. 29. November 2010, abgerufen am 18. Februar 2019.</ref><ref>Kevin Poulsen, Kim Zetter: ‘I Can’t Believe What I’m Confessing to You’: The Wikileaks Chats. 10. Juni 2010, abgerufen am 1. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Sperrungsversuche und Gegenmaßnahmen

Hintergrund der Vielzahl von Internetadressen (Mirrorseiten) der Plattform WikiLeaks ist, dass die Regierung der USA und insbesondere Politiker wie Joe Lieberman Unternehmen, die Internet-Dienstleistungen für WikiLeaks erbringen, dazu drängen, solche Dienste zu verweigern. Hierbei gibt es zwei Angriffspunkte: Ein Webhoster, der einen Server betreibt, kann gezwungen werden, diesen abzuschalten. Zweitens kann eine Löschung des Domain-Namens den Zugriff auf die Daten erschweren, da dann dem Besucher einer Website stattdessen die aktuelle IP-Adresse des Servers bekannt sein muss. Für die Webbrowser Firefox und Chrome gibt es Add-ons, mit deren Hilfe Internetadressen weiterhin angesteuert werden können, auch wenn der Domain-Name blockiert oder gelöscht wurde. Das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten setzt Anbieter solcher Software unter Druck und hat die Mozilla Foundation erfolglos aufgefordert, ein derartiges Add-on nicht mehr anzubieten.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Wired, 31. Mai 2011. Abgerufen am 24. Juni 2011 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Ars technica, 5. Mai 2011. Abgerufen am 24. Juni 2011 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2, siehe auch</ref> Die Angriffe auf die Internetadresse www.wikileaks.org im Dezember 2010 hatten zur Folge, dass durch weltweite Unterstützung der Plattform binnen weniger Tage mehr als 2000 Mirrorseiten von WikiLeaks online gingen.

Ein direkter Eingriff seitens der Regierung ist in den USA aufgrund des hohen Stellenwerts der freien Meinungsäußerung (Free Speech) und der verfassungsmäßigen Hürden des First Amendment rechtlich und politisch problematisch. Im Urteil zu den Pentagon-Papieren wurde zur Zeit des Vietnamkriegs festgestellt, dass auch streng geheime (Top secret) Unterlagen von investigativen Journalisten veröffentlicht werden dürfen.

Domains können durch die Verwalter oder durch Internetprovider auf Anweisung durch staatliche Stellen relativ einfach blockiert werden. Zum Beispiel können Domainnamen gesperrt werden, welche die Zeichenfolge „wikileaks“ enthalten. Die Sperrung von IP-Adressen zu Servern von WikiLeaks ist aufwendiger, da hierzu alle verwendeten IP-Adressen bekannt sein müssen. Je nach Art des verwendeten Zensurverfahrens ergibt sich eine unterschiedliche Effektivität der Sperrung. Bei einer großen Anzahl von Spiegelservern zusammen mit der Verfügbarkeit von Proxydiensten wie Tor erscheint eine vollständige Sperrung unwahrscheinlich.

Als Maßnahme gegen Sperrungen hat WikiLeaks im November 2010 damit begonnen, sowohl Domainnamen („Webadressen“) des Domain Name Systems als auch numerische IP-Adressen zu ändern. Für die Domainnamen verwendet WikiLeaks verschiedene Top-Level-Domains. Dazu gehören auch länderspezifische Top-Level-Domains, die nach der Vergabe durch die US-amerikanische ICANN unter Verwaltung der einzelnen Länder stehen. Aktualisierte Adressen werden unter anderem über den Dienst Twitter verbreitet.

Nutzung verschlüsselter und dezentraler Internetkommunikation

WikiLeaks setzt als Gegenmaßnahme zum einen eine Reihe von bekannten und weitverbreiteten Techniken zur Verschlüsselung ein, darunter das Secure-Shell-Protokoll, das verschlüsselte Tor-Netzwerk mit „Onion-Routing“ sowie asymmetrische Verschlüsselungsverfahren wie GnuPG und RSA-Verschlüsselung zur sicheren Verschlüsselung der E-Mails von Informanten. Auf der anderen Seite werden (teilweise oder vollständig) dezentrale Dienste wie BitTorrent, Magnet-Links und das Gnutella-Filesharing-Protokoll mit Clients wie LimeWire und Transmission eingesetzt. Sowohl strikt dezentral als auch stark verschlüsselt sind schließlich die Verbindungen und die Dienste des Invisible Internet Project (I2P) als Nachfolger des Freenet. So werden alle früheren Veröffentlichungen von WikiLeaks über ein Archiv angeboten, das von der Webseite heruntergeladen werden kann und dann den dezentralen Download mit einem BitTorrent-Client ermöglicht.

Viele dieser Netzwerkdienste sind speziell für den sicheren Einsatz in Regionen mit autoritären Regierungen und eingeschränkter Freiheit und Vertraulichkeit von Kommunikation gedacht, und die zugehörigen Programme werden als Open-Source-Software kollektiv erstellt, überprüft und mit Prüfsummen, d. h. kryptografischen Hashfunktionen versehen in Distributionen verteilt, was einer Kompromittierung der Software z. B. durch Geheimdienste entgegenwirkt.

Insbesondere gegen Assange gab es seit den Veröffentlichungen zu den Kriegen in Irak und Afghanistan zahlreiche Drohungen bis hin zu Mordaufrufen. Assange gab in einem Interview an, dass als Sicherungsmaßnahme gegen eine physische Bedrohung der Organisatoren von WikiLeaks eine weitere Datei existiert, die mit dem AES-256 Verfahren verschlüsselt als „Lebensversicherung“ (Life Insurance) dient und zahlreiche weitere Nachrichten enthält. Die Datei namens insurance.aes256<ref>Insurance.aes256: Wikileaks droht mit mehr. golem.de, 2. August 2010</ref> mit unbekanntem Schlüssel ist rund 1,4 Gigabyte groß und wird ebenfalls über BitTorrent verbreitet. Wenn einem Mitarbeiter von WikiLeaks etwas zustoße, werde der Schlüssel automatisch veröffentlicht.<ref>Julian Assange answers your questions The founder of WikiLeaks, Julian Assange, answers readers’ questions about the release of more than 250,000 US diplomatic cables. The Guardian, 3. Dezember 2010:

„The Cable Gate archive has been spread, along with significant material from the US and other countries to over 100,000 people in encrypted form. If something happens to us, the key parts will be released automatically. Further, the Cable Gate archives is in the hands of multiple news organisations. History will win. The world will be elevated to a better place. Will we survive? That depends on you.“

</ref> Am 16. August 2013 veröffentlichte WikiLeaks drei weitere „Insurance Files“; die verschlüsselten Dateien sind 3,6, 49 und 349 Gigabyte groß und sind als Torrent bereitgestellt.<ref>Please mirror: WikiLeaks insurance 20130815-A: 3.6Gb [http://wlstorage.net/torrent/wlinsurance-20130815-A.aes256.torrent wlstorage.net … B: 49Gb wlstorage.net … C: 349GB wlstorage.net …] twitter.com</ref><ref>Wikileaks veröffentlicht neue „Insurance Files“. Heise online, 19. August 2013</ref> Am 17. Juni 2016 veröffentlichte WikiLeaks eine neue, 88 Gigabyte große „Insurance“-Datei, die als Torrent bereitsteht.<ref>WikiLeaks on Twitter. In: twitter.com. 3. Oktober 2008, abgerufen am 26. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Veröffentlichung von 2016 steht mit der E-Mail-Affäre der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in Verbindung.<ref>Detlef Borchers: „Geburtstagsspektakel“ fordert Freiheit für Julian Assange. In: heise.de. 20. Juni 2016, abgerufen am 26. August 2016.</ref>

Kontroverse

Kommentatoren äußern, es handele sich um einen neuartigen fundamentalen Konflikt um eine Hegemonie der Informationsverbreitung, bei dem bisherige Strukturen und Machtverhältnisse gegen Veränderungen kämpfen, welche die digitale Öffentlichkeit mit sich bringe.<ref>Sophie Albers: Es geht nicht um Julian Assange. Der Wirbel um die Person Julian Assange schadet dem Anliegen von Wikileaks. Es geht nicht um den blassen Mann, sondern um den Status quo der Demokratie und Freiheitsrechte in der westlichen Welt. stern.de, 9. Dezember 2010; Kommentar.</ref> “The most obvious lesson is that it represents the first really sustained confrontation between the established order and the culture of the internet.” (John Naugthon)<ref>John Naughton: Live with the WikiLeakable world or shut down the net. It’s your choice Western political elites obfuscate, lie and bluster – and when the veil of secrecy is lifted, they try to kill the messenger. The Guardian, 6. Dezember 2010.</ref> Manche dieser Positionen befinden sich in inhaltlicher Nähe zu einem Spektrum libertärer herrschaftskritischer Positionen der Netzpolitik, die sich z. B. an die historische Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace anlehnen. Auch Internetpioniere wie Tim Berners-Lee betonen die besondere Wichtigkeit von freier Rede im Internet und die Unabhängigkeit von Zensurversuchen der Regierungen.<ref>Long Live the Web: A Call for Continued Open Standards and Neutrality, Tim Berners-Lee, Scientific American vom 22. November 2010</ref>

Wegen dieser Grundsatzdiskussion und der breiten öffentlichen Aufmerksamkeit, existieren zahllose Beiträge unterschiedlicher Personen und Organisationen, die sich mit der unregulierten Veröffentlichung von Informationen im Allgemeinen und dem spezifischen Vorgehen bzw. den organisatorischen Strukturen von WikiLeaks auseinandersetzen.

Der Historiker Karl Schlögel beispielsweise verweist darauf, dass die Bolschewiki und die USA nach dem Ersten Weltkrieg einen Kampf gegen die Geheimdiplomatie der „alten Welt“ geführt hätten. So seien staatlicherseits alle vorhandenen Dokumente herausgegeben worden; eine Aufgabe, der sich WikiLeaks heute gegen den Willen der betroffenen Staaten widmet. Dabei verweist Schlögel auch auf das 14-Punkte-Programm von Woodrow Wilson, dessen erster Punkt heißt: „… die Diplomatie soll immer aufrichtig und vor aller Welt getrieben werden.“<ref>Von WikiLeaks zu Woodrow Wilson, ORF, 18. Dezember 2010, mit Verweisen auf „Das Russische Berlin: Ostbahnhof Europas“ (1998), Karl Schlögl, und „The Evolution of Diplomacy“, (1954), Harold Nicolson.</ref>

Unterstützung

Nach Tracy Schmidt vom Nachrichtenmagazin Time könnte sich WikiLeaks zu einem ebenso wichtigen journalistischen Werkzeug wie der Freedom of Information Act entwickeln.<ref>Tracy Samantha Schmidt: A Wiki for Whistle-Blowers. In: Time. 22. Januar 2007, abgerufen am 23. Oktober 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „And if Wikileaks is used with a healthy dose of skepticism, it could become as important a journalistic tool as the Freedom of Information Act.“</ref> WikiLeaks selbst betrachtet sich auch als Zulieferer für investigativen Journalismus.<ref name="laekonomy" />

Der Politikwissenschaftler Hans J. Kleinsteuber hält WikiLeaks für eine nützliche Erfindung, da „viele Verfahren viel zu intransparent sind“. Als Mächtiger habe man ein Interesse, sich hinter schützenden Barrieren zu verschanzen und tue alles dafür, den Ruf des Denunzianten in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen.<ref>Wikileaks: Der Wahrheits-Hacker. In: Zeit Online. 14. Dezember 2009, abgerufen am 23. Oktober 2010.</ref>

Historisch wichtige Publikationen wie die Pentagon-Papiere werden in Kommentaren immer wieder als Beispiele für die Wichtigkeit solcher investigativer Veröffentlichungen genannt, und auch viele Stellungnahmen und Kommentare greifen frühere zu diesen Papieren geäußerte Positionen auf.<ref>Andreas Wetz, Anna Gabriel, Thomas Seifert, Helmar Dumbs: Nichts zu gewinnen, alles zu verlieren. Ohne sie würden viele Missstände unentdeckt bleiben: Die Whistleblowers. Medien und die Internetplattform WikiLeaks sind auf sie angewiesen. Die Presse, 4. Dezember 2010</ref> Der damalige Informant Daniel Ellsberg tritt entschieden für WikiLeaks ein und ist dem Projekt seit seiner Gründung 2006 freundschaftlich verbunden.<ref name="StaatsfeindWL" /><ref>Den alten Whistleblower freuts. In: Tages-Anzeiger. 7. Dezember 2010, abgerufen am 26. Dezember 2010.</ref> Er äußerte, es seien nicht die Enthüllungen, sondern „Schweigen und Lügen“, wodurch Menschen in Gefahr gebracht würden.<ref>Wikileaks: View of man behind Pentagon Papers leak. In: BBC World Service. 30. November 2010, abgerufen am 26. Dezember 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Mehrere deutsche Medien veröffentlichten im Dezember 2010 einen „Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks“. Initiatoren waren die tageszeitung (taz), Frankfurter Rundschau, der Freitag, der Tagesspiegel und der Perlentaucher. Weitere Medien, wie die Berliner Zeitung, Telepolis und das Neue Deutschland schlossen sich an. In dem Aufruf hieß es, WikiLeaks als Internetmedium müsse den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien.<ref>Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks am 16. Dezember 2010. In: blogs.taz.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Januar 2011;.</ref>

Anlässlich einer Konferenz zur Meinungs- und Pressefreiheit, die der Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises 2011 vorausging,<ref>Vielseitiges Programm rund um die Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2011. In: Pressemitteilung. Stadt Nürnberg, 20. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2011;.</ref> verteidigte der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung Frank La Rue WikiLeaks und erklärte bezugnehmend auf die Kriege im Irak und Afghanistan, die Veröffentlichungen hätten die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten nicht gefährdet. Er wandte sich gegen eine strafrechtliche Verfolgung von Julian Assange<ref>UN-Berichterstatter verteidigt Wikileaks. In: Futurezone. 23. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. April 2016;.</ref> und wiederholte damit seine Aussage vom Dezember 2010, WikiLeaks als Medium könne im Gegensatz zu Whistleblowern wegen seiner Veröffentlichungen nicht strafrechtlich belangt werden; sie seien ein Ausdruck der freien Meinungsäußerung.<ref>UN rapporteur says Assange shouldn’t be prosecuted. Australian Broadcasting Corporation, 9. Dezember 2010, abgerufen am 1. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Kritik

Thomas Thiel kritisierte in der FAZ die Anonymität und die fehlende Kontrolle von WikiLeaks. Dort würden auch klar als Fälschung erkennbare Dokumente veröffentlicht.<ref>Thomas Thiel: Internet-Aufklärer „Wikileaks“: Diese Dokumente bergen Sprengstoff. In: FAZ.net. 6. März 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2011;. „Ein vermeintliches Schreiben der Bank kündigt niemand anderem als der Bundeskanzlerin Angela Merkel in englischer Sprache ihr Schweizer Nummernkonto. Die zahlreichen Sprachfehler weisen es klar als Fälschung aus. Auch bei WikiLeaks bezweifelt man die Echtheit. Auf der Website steht es trotzdem.“</ref> WikiLeaks argumentiert, dass diese Dokumente von Anfang an klar als Fälschung markiert gewesen seien und eine Veröffentlichung der Dokumente im Kontext anderer Informationen wichtig sei. Nach demselben Prinzip wurde auch ein als gefälscht erkannter angeblicher HIV-Test des Apple-Chefs Steve Jobs, der in Börsenkreisen zur Manipulation des Apple-Aktienkurses genutzt wurde, publiziert und öffentlich als Fälschung entlarvt.<ref>Netzwerk Recherche, Jahreskonferenz 2009, Hamburg.</ref>

Nach Angaben von WikiLeaks werden dort eingestellte Dokumente durch Investigativjournalisten untersucht. Dies beinhalte die Prüfung auf Authentizität, „Mittel, Motiv und Gelegenheit“ wie auch das Vermerken etwaiger Verdachtsmomente gegen die Authentizität eines Dokuments. Bis heute sei diesem Prozess kein Fehler nachgewiesen worden. Die weitere Prüfung der Dokumente erfolge in der Regel durch das Aufgreifen und die Analyse der Dokumente durch die etablierte Presse.<ref>Wikileaks FAQ</ref> Ein Wissenschaftsredaktor der Neuen Zürcher Zeitung kommentierte, dass WikiLeaks mehr Verdunkelung bringe als Licht ins Dunkle. Die publizierten Datenmassen seien voller Belanglosigkeiten, aber würden von Mitteilungen begleitet, welche den Journalisten zu deren „richtiger Interpretation helfen“ sollten. WikiLeaks behindere gar die Debatte und die Berichterstattung über wichtige Themen durch diese Überflutung.<ref>Der grosse Überlastungsangriff auf die Medien NZZ am 12. April 2017</ref>

Daniel Domscheit-Berg, der selbst zweieinhalb Jahre für WikiLeaks tätig und einer der Sprecher war, kritisierte nach seinem Weggang in Interviews und in seinem Buch Inside WikiLeaks eine hierarchische Struktur mit zu starker Fixierung auf Julian Assange. WikiLeaks trete für Transparenz und demokratische Werte ein, sei aber selber intransparent und nicht demokratisch kontrolliert, was eine Gefahr bedeute. WikiLeaks könne seine eigene Macht noch nicht verwalten.<ref>13 Punkte: Wikileaks-Aussteiger erklärt die Plattform und wie es weitergeht. In: Mainzer Rhein-Zeitung online. 3. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juli 2011;.</ref>

Die Federation of American Scientists lehnte WikiLeaks’ Einladung, dem Beirat beizutreten, ab und begründete dies wie folgt: „Durch das Fehlen verantwortlicher redaktioneller Kontrolle können Veröffentlichungen sehr einfach zu einem Akt der Aggression oder einer Aufwiegelung zur Gewalt führen, nicht zu erwähnen den Eingriff in die Privatsphäre oder den Angriff auf den guten Geschmack.“ Die Federation verweist weiter auf den Unterschied zwischen der unerlaubten Veröffentlichung von vertraulichen Dokumenten eines autoritären Staates und denen eines demokratischen Rechtsstaates. Die Bürger von demokratischen Staaten würden über Grundrechte verfügen, mit denen sie ihre Rechte geltend machen könnten. Ebenfalls wird auf die Gefahr von Missbräuchen hingewiesen, da jedermann anonym ungeprüfte Dokumente veröffentlichen könne.<ref>Steven Aftergood: Wikileaks and Untraceable Document Disclosure. In: Secrecy News. Federation of American Scientists, 3. Januar 2007, abgerufen am 23. Oktober 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die US-Regierung warf WikiLeaks vor, dass durch die Veröffentlichung von Militärdokumenten die Sicherheit der Soldaten gefährdet werde, ohne jedoch konkrete Beispiele zu nennen. Personen, die WikiLeaks geheime militärische Dokumente zugänglich machen, machen sich u. a. in den USA ggf. des Hochverrats und weiterer Anklagepunkte schuldig. Die Zeit wertete: „Als die Hacker-Organisation Ende 2006 gegründet wurde, sah sie sich als Anwalt der Menschheit. […] Aus der internationalen Mission ist ein Informationskrieg gegen die USA geworden.“<ref>Andrea Böhm, Jörg Lau, Khuê Pham, Frederike Schröter, Michael Thumann, Bernd Ulrich: Die Welt läuft aus. In: Die Zeit, Nr. 49/2010, S. 3.</ref>

John Young, Gründer von Cryptome, einer seit 1996 bestehenden Webseite mit ähnlicher Zielsetzung wie WikiLeaks, schrieb Ende 2010 einen Nachruf auf WikiLeaks. Bereits 2006 hatte er für das damals neue Projekt die Registrierung der Domains wikileaks.org, wikileaks.cn und wikileaks.info übernommen. Nach einem Streit mit Julian Assange über die Höhe der für WikiLeaks zu sammelnden Spendengelder stieg er dort aus und distanzierte sich seit diesem Zeitpunkt scharf von WikiLeaks.<ref name="StaatsfeindWL"></ref> Er kritisierte 2010, Dokumente würden zu langsam veröffentlicht und WikiLeaks sei inzwischen zu sehr auf die Person Julian Assange und auf Medienwirksamkeit zentriert. Den Nutzen der angekündigten Buchveröffentlichungen von Assange und Domscheit-Berg bezweifelte er. Das ursprüngliche Ziel von WikiLeaks treibe währenddessen „tot im Wasser“.<ref>englischer Originaltext dort verlinkt. In: Gulli Nachrichten. 30. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Januar 2013; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er wirft WikiLeaks vor, nur „eine Geschäftsorganisation“ zu sein, „die vorgibt, eine gemeinnützige Organisation zu sein“.<ref>„Nur eine Art Aufwärmen“. In: Technology Review. heise, 23. Dezember 2010, abgerufen am 10. Januar 2011 (Interview mit John Young).</ref>

Der Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales äußerte sich Ende September 2010 kritisch zu den im Juli 2010 von WikiLeaks veröffentlichten Dokumenten zum Krieg in Afghanistan. Er bemängelte, dass WikiLeaks auf die Schwärzung jeglicher Namen verzichtete, darunter auch die von afghanischen Informanten der westlichen Truppen. Damit werde das Leben unschuldiger Menschen riskiert, warf er WikiLeaks vor. Grundsätzlich befürworte er Möglichkeiten, mittels derer Geheimnisträger Fehlverhalten aufdecken könnten. Dies müsse aber mit journalistischer Integrität und Verantwortung einhergehen. Außerdem wünsche er sich eine Namensänderung, da es sich bei der Plattform um kein Wiki handle.<ref>Wikipedia-Gründer kritisiert Wikileaks scharf. In: Handelsblatt, 8. September 2010</ref> Nachdem Assange 2006 bei der Gründung von WikiLeaks eine enge Verbindung des entstehenden Projekts mit Wikipedia geplant hatte, war er bereits damals auf Ablehnung bei Jimmy Wales gestoßen.<ref name="StaatsfeindWL" />

Cablegate

Anfang September 2011 veröffentlichte WikiLeaks die vertraulichen Depeschen der US-Botschaften komplett und unredigiert und zog damit die Konsequenz aus einer Panne, die es Außenstehenden ermöglicht hatte, den entschlüsselten und unredigierten Text bei Cryptome online zu stellen.<ref>Wikileaks: Alles muss raus (Update). In: Heise.de. 2. September 2010, abgerufen am 5. September 2011.</ref><ref>„Cryptome has decrypted the ‘z.gpg’ file from the Wikileaks Archive using the passphrase obtained from several sources: ACollectionOfDiplomaticHistorySince_1966_ToThe_PresentDay# The decrypted ‘z.7z’ file will be mailed on a DVD by request to cryptome[at]earthlink.net with the subject: z7z. For the DVD provide a postal address.“ „The decrypted file is "z.7z," 368MB, which unzips to "cables.csv," about 1.7GB in size, dated 4/12/2010.“ „cryptome.org (368MB – CSV version)“ in: Cryptome. Abgerufen am 5. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wikileaks: Das verratene Passwort. Sueddeutsche.de, 27. September 2020; abgerufen am 30. September 2020</ref> Sowohl dies als auch der Entschluss, die US-Botschaftsdepeschen nun selbst auf einen Schlag zugänglich zu machen, brachte WikiLeaks erneut ins Ziel der Kritik von Regierungen und Journalisten.<ref>Scott Shane: WikiLeaks Prompts New Diplomatic Uproar vom 31. August 2011. In: The New York Times. 31. August 2011, abgerufen am 1. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vertreter von The Guardian, New York Times, El País, Der Spiegel und Le Monde, mit denen WikiLeaks zuvor bei der Veröffentlichung der Dokumente zusammengearbeitet hatte, protestierten in einer gemeinsamen Erklärung, da sie um die Sicherheit der US-Informanten fürchteten.<ref>Medienpartner sauer über Daten-Leak – Assange verspielt Vertrauen. n-tv, 2. September 2011, abgerufen am 2. September 2011.</ref><ref>WikiLeaks publishes full cache of unredacted cables – Former media partners condemn WikiLeaks’ decision to make public documents identifying activists and whistleblowers. In: The Guardian. 2. September 2011, abgerufen am 2. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Reporter ohne Grenzen stellten vorerst ihren Spiegelserver ein, da sie „etablierte Standards des Informantenschutzes“ nicht mehr gewährleistet sahen.<ref>ROG setzt Spiegelung von Wikileaks-Seite nach Berichten über Datenleck aus. Reporter ohne Grenzen, Pressemitteilung, 2. September 2011</ref> Mit der gleichen Begründung distanzierten sich auch Personen, die den Veröffentlichungen von WikiLeaks bis dahin positiv gegenüberstanden, wie Konstantin von Notz, Wolfgang Gehrcke und der britische Media director von Amnesty International, Mike Blakemore.<ref>„Wikileaks hat sich delegitimiert“. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 4. September 2011, abgerufen am 2. März 2015.</ref><ref>What – and where – now for Mr WikiLeaks? In: The Independent. 4. September 2011, abgerufen am 5. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der australische Attorney General Robert McClelland wies darauf hin, dass ein Mitarbeiter des australischen Geheimdienstes ASIO namentlich genannt worden sei, was gemäß australischer Gesetzgebung strafbar sei.<ref>Statement from the Attorney-General Robert McClelland. 2. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2011; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Julian Assange faces arrest in Australia over unredacted WikiLeaks cables. In: The Guardian. 2. September 2011, abgerufen am 3. September 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Assange verteidigte bei einem per Video übertragenen Vortrag auf der Berliner Medienwoche sein Vorgehen. Die unredigierten Botschaftsdepeschen seien ohnehin bereits in Umlauf gewesen, WikiLeaks hätte mit der Veröffentlichung also niemanden mehr zusätzlich gefährdet. Die Informanten der US-amerikanischen Diplomaten hätten Zeit gehabt, sich auf die Veröffentlichung vorzubereiten.<ref>Julian Assanges Auftritt bei der Medienwoche. In: Netzpolitik.org. 6. September 2011, abgerufen am 8. September 2011.</ref> Trotzdem entstanden schwerwiegende Folgen für einen äthiopischen Journalisten, der sein Land verließ und zwei Generäle aus Simbabwe, die wegen Hochverrats angeklagt wurden.<ref>Schutzlose Quellen. Wikileaks bringt Informanten in Gefahr. In: Frankfurter Rundschau. 11. Oktober 2011, abgerufen am 20. Oktober 2011.</ref>

Unterstützung für Trump bei der US-Präsidentschaftswahl 2016

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Debbie Wasserman Schultz musste aus dem Vorsitz des Nominierungsparteitags des Präsidentschaftskandidaten Ende Juli 2016 ausscheiden, nachdem WikiLeaks E-Mails des DNC veröffentlichte, die belegten, dass die Parteiführung Hillary Clinton im Vorwahlverfahren gegenüber Bernie Sanders bevorzugte.

Im Zuge der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 wurde WikiLeaks vorgeworfen, sich instrumentalisieren zu lassen. WikiLeaks veröffentlichte im Oktober 2016 in mehreren Schüben Dokumente aus dem E-Mail-Konto des Wahlkampfleiters der Kandidatin Hillary Clinton, John Podesta. Die Veröffentlichung durch WikiLeaks am 11. Oktober, genau in einem Moment, als auch Clintons Gegenkandidat Donald Trump in der Öffentlichkeit unter starken Druck geriet, wurde von Clintons Team als Versuch der Beeinflussung der Wahl im Auftrag des russischen Präsidenten interpretiert.<ref>Abby Phillip, John Wagner: Hacked WikiLeaks emails show concerns about Clinton candidacy, email server. Washington Post, 12. Oktober 2016</ref> Trump hatte kurz zuvor öffentlich bei einer Rede gefordert, Russland solle die gehackten Mails veröffentlichen.<ref>Trump fordert Russland zum E-Mail-Hack auf. In: Spiegel Online. 27. Juli 2016, abgerufen am 11. April 2019.</ref> Julian Assange wies in mehreren Stellungnahmen die „an Senator McCarthy erinnernden“ Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit Russland zurück.<ref>Assange Statement on the US Election, Wikileaks, 8. November 2016</ref><ref>Mary Bowerman: Julian Assange: Russian government not the source of leaked emails. USA Today, 3. Januar 2017</ref>

Im Rahmen der Ermittlungen des US-Sonderermittlers Robert Mueller für die Aufklärung der russischen Einflussnahme auf die Wahl kam heraus, dass es eine Korrespondenz zwischen WikiLeaks und dem vermutlich russischen Hacker „Guccifer 2.0“ gegeben habe, mit dem Ziel die Wahlen zum Schaden von Clinton zu beeinflussen. In dem Schriftverkehr hat WikiLeaks direkt nach belastenden Material über Clinton angefragt und dessen Veröffentlichung absichtlich für eine größtmögliche Wirkung auf den Wahlkampf ausgemacht. Im selben Zeitraum wurde auch bekannt, dass es gezielte Absprachen und Kontakte zwischen WikiLeaks und Donald Trump Jr. – Sohn von Präsidentschaftskandidat Donald Trump – bezüglich des Vorgehens im Wahlkampf gab. Des Weiteren wird Assange vorgeworfen, ähnliches Material von einem Hack gegen die Republikaner – Donald Trumps eigener Partei – absichtlich zurückgehalten zu haben. Assange dementierte, im Besitz derartigen Materials zu sein.<ref>WikiLeaks soll Russland beim Wahleingriff beraten haben. In: Zeit Online. 15. Juli 2018, abgerufen am 11. April 2019.</ref><ref>WikiLeaks suchte gezielt Kontakt zu Trump junior. In: Spiegel Online. 14. November 2018, abgerufen am 13. April 2019.</ref> Eine Zivilklage des Demokratischen Nationalkomitees (DNC) gegen Russland, Trumps Wahlkampforganisation und auch WikiLeaks sowie Assange wurde am 30. Juli 2019 abgewiesen. Russland als vermeintlicher Hauptakteur kann in den USA nicht zivil verklagt werden – und die Aktionen von WikiLeaks sowie Assange sind zivilrechtlich durch den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.<ref>Rachel Sandler: Judge Dismisses DNC Lawsuit Against Trump Campaign, WikiLeaks and Russia. In: Forbes. 30. Juli 2019, abgerufen am 14. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Sonstiges

Am 3. März 2013 wurde von einer Gruppe rund um Assange in Australien die Partei The WikiLeaks Party gegründet.<ref>Assange gründet Wikileaks-Partei. Abgerufen am 11. Februar 2015.</ref> Diese verlor aufgrund Assanges autokratischen Politikstils noch vor der Parlamentswahl in Australien 2013 prominente Mitglieder und erlangte nur 0,62 % der Wählerstimmen. 2015 wurde sie aus dem australischen Parteienregister gestrichen.

Das Wort Wikileaks sowie das Logo sind, wie sein eigener Name auch, auf Julian Assange eingetragene Marken.<ref>Auskunft zur Unionsmarkennummer 009560038 für wikileaks im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)

Auszeichnungen

Der norwegische Parlamentsabgeordnete Snorre Valen schlug WikiLeaks offiziell beim Nobelinstitut als Kandidat für den Friedensnobelpreis 2011 vor. Zur Begründung sagte der Abgeordnete der Sosialistisk Venstreparti, WikiLeaks sei „einer der wichtigsten Beiträge dieses Jahrhunderts zu Meinungsfreiheit und Transparenz“.<ref>Wikileaks für Friedensnobelpreis vorgeschlagen. In: Der Tagesspiegel. 2. Februar 2011, abgerufen am 2. Februar 2011.</ref><ref>Snorre Valen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Begründung für die Nominierung. (Memento vom 26. März 2011 im Internet Archive) snorrevalen.no</ref>

Filme

2013 drehte Regisseur Alex Gibney den Dokumentarfilm We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte, der sich mit Assange und der Geschichte von WikiLeaks auseinandersetzt.

Im Oktober 2013 erschien der Spielfilm Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt des Regisseurs Bill Condon, in dem Benedict Cumberbatch die Rolle des Julian Assange und Daniel Brühl die des Daniel Domscheit-Berg spielt. Der Film entstand nach einem Drehbuch von Josh Singer und basiert in Teilen auf Domscheit-Bergs Buch Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt.

Literatur

Weblinks

Commons: WikiLeaks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: WikiLeaks – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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