Öffentliches Interesse
Öffentliches Interesse ist ein in Gesetzen häufig verwendeter unbestimmter Rechtsbegriff, der die Belange des Gemeinwohls über die Individualinteressen stellt.
Das öffentliche Interesse ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, weil er in keiner gesetzlichen Vorschrift, in der er vorkommt, konkretisiert wird. Vielmehr ist es der Literatur und insbesondere der Rechtsprechung überlassen, den Begriff durch jeden Einzelfall im Wege der Subsumtion mit konkreten Inhalten auszufüllen. Die Voraussetzungen des öffentlichen Interesses erschließen sich nur im Rahmen einer umfassenden Beurteilung von Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung.
Allgemeines
Das öffentliche Interesse hat jedoch nicht generell Vorrang vor Individualinteressen. In manchen Fällen verlangt das Gesetz eine gegenseitige gerechte Abwägung zwischen den Interessen der Allgemeinheit und denen der Beteiligten (so etwa {{#switch: juris
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Verwaltungsrecht
Widerspruch und Anfechtungsklage gegen einen Verwaltungsakt haben im Falle der Anordnung der sofortigen Vollziehung nach {{#switch: juris
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Strafprozessrecht
Neben dem öffentlichen Recht spielt der Begriff auch im Strafprozessrecht eine Rolle:
- Wenn ein Strafverfahren ein Vergehen zum Gegenstand hat, kann die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des zuständigen Gerichts von der Strafverfolgung absehen, wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht ({{#switch: juris
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- als „besonderes öffentliches Interesse“ bei den Antragsdelikten.
- als „öffentliches Interesse“ bei den Privatklagedelikten ({{#switch: juris
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Öffentliches Interesse ist strafprozessrechtlich das Interesse der Allgemeinheit an einer Strafverfolgung. Hier kann sich das öffentliche Interesse sowohl aus spezial- als auch aus generalpräventiven Gründen ergeben, zudem aus den Folgen einer konkreten Straftat oder zur Verhinderung eines weiteren Schadens für den Verletzten. Öffentliches Interesse an der Strafverfolgung einer Körperverletzung liegt beispielsweise vor, wenn die Strafverfolgung ein gegenwärtiges Anliegen der Allgemeinheit ist, der Rechtsfrieden über den Lebenskreis des Verletzten hinaus gestört wird oder dem Verletzten wegen persönlicher Beziehungen zum Täter eine Privatklage nicht zugemutet werden kann.<ref>RiStBV Nr. 86 Abs. 2 Satz 1</ref> Die Wirkung einer Straftat muss also über den unmittelbaren Lebenskreis des Geschädigten hinausgehen, damit öffentliches Interesse angenommen werden kann.
Andere Rechtsgebiete
Als repräsentativ kann auch der Fall der Caroline von Monaco (siehe auch: Caroline-Urteile) angesehen werden, bei dem der Bundesgerichtshof im März 2007 entschieden hatte, dass Bildveröffentlichungen ohne Einwilligung verbreitet werden dürfen, wenn es sich um Personen des öffentlichen Interesses handele<ref>BGH, Urteil vom 6. März 2007, Az. VI ZR 13/06, Volltext.</ref> (siehe auch: Person des öffentlichen Lebens). Danach dürften grundsätzlich Bildnisse einer Person nur mit deren Einwilligung verbreitet werden (§ 22 Satz 1 KUG); das Recht am eigenen Bild sei eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Die Presse besitze in den gesetzlichen Grenzen jedoch einen ausreichenden Spielraum, innerhalb dessen sie nach ihren publizistischen Kriterien entscheiden könne, was öffentliches Interesse beanspruche, und dass sich im Meinungsbildungsprozess herausstelle, was eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse sei.<ref>BVerfG, Urteil vom 15. Dezember 1999, Az. 1 BvR 653/96; [http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv{{#switch:2 | 0 ={{#expr: 101 mod 10 }} | 1 ={{#expr: (101/ 10) mod 10 }} | 2 ={{#expr: (101/ 100) mod 10 }} | 3 ={{#expr: (101/ 1000) mod 10 }} | 4 ={{#expr: (101/ 10000) mod 10 }} | 5 ={{#expr: (101/ 100000) mod 10 }} | 6 ={{#expr: (101/ 1000000) mod 10 }} | 7 ={{#expr: (101/ 10000000) mod 10 }} | 8 ={{#expr: (101/ 100000000) mod 10 }} | 9 ={{#expr: (101/ 1000000000) mod 10 }} | 10 ={{#expr: (101/ 10000000000) mod 10 }} | 11 ={{#expr: (101/ 100000000000) mod 10 }} | 12 ={{#expr: (101/ 1000000000000) mod 10 }} | 13 ={{#expr: (101/ 10000000000000) mod 10 }} | 14 ={{#expr: (101/ 100000000000000) mod 10 }} | 15 ={{#expr: (101/ 1000000000000000) mod 10 }} | 16 ={{#expr: (101/ 10000000000000000) mod 10 }} | 17 ={{#expr: (101/ 100000000000000000) mod 10 }} | 18 ={{#expr: (101/ 1000000000000000000) mod 10 }} | #default= 0 }}{{#switch:1 | 0 ={{#expr: 101 mod 10 }} | 1 ={{#expr: (101/ 10) mod 10 }} | 2 ={{#expr: (101/ 100) mod 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rechnen und könne nicht davon ausgehen, von den Medien unbeobachtet zu bleiben. Dem öffentlichen Informationsinteresse sei deshalb der Vorrang einzuräumen. Allerdings hatte das Bundesverfassungsgericht das BGH-Urteil teilweise aufgehoben. Bei drei Bildern von Caroline mit ihren Kindern habe der Schutz des in {{#switch: juris
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Bei abhängigen Erfindungen kann nach Auffassung des BGH erst dann ein öffentliches Interesse begründet sein, wenn die neue Erfindung einen wesentlichen technischen Fortschritt für die Allgemeinheit mit sich bringt.<ref>Adem Koyoncu, Das Haftungsdreieck Pharmaunternehmen – Arzt – Patient, 2004, S. 273</ref>
Für die Qualifizierung als Baudenkmal muss ein öffentliches Interesse vorliegen. Das ist der Fall, wenn dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Dann müssen Bauwerke unter Denkmalschutz gestellt werden.
Grenzen
Das Recht dient letztlich dem Interesse der Menschen, so dass der Staat keine davon abgehobenen Interessen verfolgen darf. Ein öffentliches Interesse ist immer dann gegeben, wenn die Individualgüter einer unbestimmten Vielzahl von Personen bedroht werden. Kein öffentliches Interesse liegt mithin vor, wenn ein einzelner Bürger durch sein Handeln lediglich eigene Rechtsgüter (materielle wie Vermögen durch Verschwendung oder immaterielle wie Gesundheit durch Alkoholismus) gefährdet.<ref>Udo Steiner (Hrsg.), Besonderes Verwaltungsrecht, 2006, S. 193</ref> Wenn die Verwaltungsbehörde im Rahmen des ihr eingeräumten Ermessens entscheidet, welche Rechtsfolge im öffentlichen Interesse liegt, sind diese Entscheidungen gerichtlich nur eingeschränkt nachprüfbar.<ref name="uerpmann276">Robert Uerpmann, Das öffentliche Interesse, 1999, S. 276</ref> Liegt die Abwägung hingegen auf der Tatbestandsseite, unterliegt sie vollständiger richterlicher Kontrolle.<ref name="uerpmann276"/>
Siehe auch
- Besonderes öffentliches Interesse
- Überragendes öffentliches Interesse
- Vertreter des öffentlichen Interesses
- Vertreter des Bundesinteresses beim Bundesverwaltungsgericht
- Vertreter besonderer Bundesinteressen
- Volksanwaltschaft
Literatur
- Peter Häberle: Öffentliches Interesse als juristisches Problem. 2. Auflage. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-8305-1115-1.
- Wolfgang Martens: Öffentlich als Rechtsbegriff. Habilitationsschrift. Gehlen, Bad Homburg / Berlin / Zürich 1969, insbesondere S. 185–205.
Einzelnachweise
<references />
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