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Karl Lauterbach

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Karl Lauterbach (2024)
Unterschrift Karl Lauterbach deutscher Gesundheitsökonom und Politiker der SPD
Unterschrift Karl Lauterbach deutscher Gesundheitsökonom und Politiker der SPD

Karl Wilhelm Lauterbach (* 21. Februar 1963 in Birkesdorf, jetzt Düren) ist ein deutscher Gesundheitsökonom und Politiker (SPD). Der Mediziner ist seit Beginn der 16. Legislaturperiode im Jahr 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und war vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Seit 21. Mai 2025 ist er Vorsitzender des neuen Bundestags-Forschungsausschusses.<ref>Karl Lauterbach leitet Forschungsausschuss, bundestag.de, abgerufen am 21. Mai 2025.</ref>

Herkunft und Ausbildung

Karl Lauterbach wurde im Februar 1963 in Birkesdorf (heute ein Stadtteil von Düren) als Sohn des Molkereiarbeiters Wilhelm Lauterbach und dessen Frau Gertrud, geb. Wirtz, geboren. Er wuchs „in einem strengen römisch-katholischen Elternhaus“<ref name="tz-20240418">Karl Lauterbach - Privatleben, Frau, Kinder, Karriere. In: tz. Merkur tz Redaktions GmbH & Co. KG, 18. April 2024, abgerufen am 14. Juni 2022.</ref> in Oberzier (Ortsteil von Niederzier) nahe dem Forschungszentrum Jülich auf.<ref>Lebenslauf im Diss.-MS: Karl W. Lauterbach: Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien, Düsseldorf 1991.</ref> Seit 1969 besuchte er die Grundschule Niederzier. Trotz sehr guter Leistungen erhielt er nur eine Hauptschulempfehlung, was er später als eine Diskriminierung aufgrund seiner familiären Herkunft ansah. An der Hauptschule war er unterfordert und wechselte mit Unterstützung seiner Lehrer zuerst auf die Realschule, dann auf das Gymnasium am Wirteltor in Düren, an dem er 1983 sein Abitur ablegte.<ref name="tz-20240418" /><ref>Sandra Kinkel: Von Oberzier über Köln ins Brandt-Haus? Karl Lauterbach bewirbt sich um den SPD-Bundesvorsitz. In: Aachener Zeitung. 19. Juli 2019, abgerufen am 5. September 2020.</ref><ref>Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach MdB | NRW-Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion. 9. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2021.</ref><ref>Karl Lauterbach et al.: Und Ihre Bildungshürde? Vier Politiker erzählen von ihrem Weg durch Schule und Universität. In: Die Zeit 22/2017, 24. Mai 2017 (online).</ref>

Ab 1982 studierte Lauterbach Humanmedizin an der RWTH Aachen, an der University of Arizona in Tucson und an der University of Texas at San Antonio (USA). Im Jahr 1989 legte er in Aachen die Ärztliche Prüfung ab und wurde 1991 mit einer von Ludwig E. Feinendegen betreuten, auf Studien an der Kernforschungsanlage Jülich und an der University of Arizona in Tucson beruhenden Dissertation über die Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Dr. med. promoviert. Von 1989 bis 1992 studierte er an der Harvard School of Public Health, wo er 1990 einen Master of Public Health (MPH) und 1992 einen Master of Science (M.Sc.) in Health Policy and Management erlangte.<ref>Prof. Dr. med. Dr. sc. (Harvard) Karl Lauterbach. Lebenslauf. In: www.karllauterbach.de. Karl Lauterbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Dezember 2021; abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref><ref>Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach MdB. NRW-Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion, abgerufen am 5. September 2020.</ref> Von 1992 bis 1993 hatte er ein Fellowship der Harvard Medical School inne.<ref>Karl W. Lauterbach. Harvard University Edmund J.Saffra Center for Ethics, abgerufen am 5. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Graduate Fellows 1992–1992).</ref> Gefördert von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, erlangte Lauterbach dort 1995 den Abschluss Scientiæ Doctor (Sc.D.). Einer seiner Betreuer war Amartya Sen.<ref>Karl Lauterbach. In: www.karllauterbach.de. Karl Lauterbach, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Dezember 2021; abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref> Die Approbation als Arzt in Deutschland hatte Lauterbach nach dem Abschluss seines Medizinstudiums noch nicht beantragt;<ref>Personalien. Karl Lauterbach. In: Der Spiegel. Heft 35/2010, S. 152.</ref> dafür hätte er damals eine 18-monatige Pflichtzeit als Arzt im Praktikum nachweisen müssen. Im Jahr 2004 entfiel diese Voraussetzung, auf Antrag erhielt er 2010 seine Approbation.<ref>Wer ist Prof. Dr. Karl Lauterbach? – TEIL 2. Abgerufen am 23. März 2021.</ref>

Im Jahr 1996 beauftragte die Universität zu Köln Lauterbach als neu berufenen Professor mit der Gründung ihres Instituts für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft (IGMG), das Ende Februar 1997 den Betrieb aufnahm.<ref>Gesundheitsökonomie: Interdisziplinärer Ansatz. Deutsches Ärzteblatt 1997.</ref> 1998 wurde er Direktor dieser Einrichtung, inzwischen umbenannt in Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE). Dort ist er wegen seines Bundestagsmandats beurlaubt. Von 1999 bis zur Wahl in den Bundestag im September 2005 war Lauterbach Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Im Jahr 2003 war er Mitglied in der Kommission zur Untersuchung der Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme („Rürup-Kommission“). Seit 2008 ist er Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health, wo er auch noch regelmäßig unterrichtet.<ref>Karl Lauterbach – Adjunct Professor of Health Policy and Management. Harvard T.H. Chan School of Public Health, abgerufen am 5. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bis zum Jahr 2003 war er Autor oder Co-Autor von 294 Publikationen und verfasste bzw. teilverfasste zehn Bücher.<ref></ref>

Lauterbach hat durch seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen 2021 laut Scopus einen h-Index von 24.<ref>Lauterbach, Karl W. In: Scopus preview – Scopus – Author details. Elsevier B.V., abgerufen am 6. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im März 2023 berichtete Welt am Sonntag über angeblich falsche Angaben in einem Lebenslauf, mit dem sich Lauterbach am 12. Dezember 1995 auf eine C4-Professur an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität beworben habe.<ref>Elke Bodderas, Tim Röhn, Benjamin Stibi: Karl Lauterbach: Der dunkle Fleck in der Vergangenheit des Wissenschaftlers. In: welt.de. 15. März 2023, abgerufen am 25. März 2023.</ref> Er sei mit dieser Bewerbung erfolgreich gewesen, habe aber den erfolgten Ruf abgelehnt und stattdessen eine Professur an der Universität zu Köln angenommen. Ein Artikel in Table Media bezeichnete die Vorwürfe als substanzlos und hält den Fall für „ein Beispiel für das, was passieren kann, wenn Menschen mit einer Agenda etwas versuchen aufzuklären, von dem sie inhaltlich wenig verstehen“.<ref>Annette Bruhns: Vorwürfe gegen Karl Lauterbachs Lebenslauf substanzlos • Berlin.Table. In: Berlin.Table. 15. März 2023, abgerufen am 18. März 2023.</ref> Lauterbach selbst äußerte gegenüber dem Merkur, dass er den konkreten Fall nicht mehr rekonstruieren könne.<ref>Merkur.de exklusiv: Lebenslauf gefälscht? Lauterbach reagiert auf die schweren Vorwürfe. In: Merkur. 12. März 2023, abgerufen am 13. März 2023.</ref> Eine Kommission der Universität zu Köln hat die Vorwürfe geprüft und entkräftet. An Lauterbach gerichtet schrieb sie: „Ein großer Teil der erhobenen Vorwürfe hat wenig Substanz“. In der Bewerbung fänden sich allerdings „Ungenauigkeiten in der Darstellung von Angaben aus dem Publikationsverzeichnis und Ihrer Position zum Zeitpunkt der Bewerbung.“ Die Kommission sei aber „einstimmig der Auffassung, dass weder grobe Fahrlässigkeit noch Vorsatz feststellbar sind. Somit liegt kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor.“<ref>Kölner Uni sieht kein Fehlverhalten bei Bewerbung von Karl Lauterbach. In: Der Spiegel, 21. Juli 2023.</ref>

Politische Karriere

Lauterbach war früher Mitglied der CDU,<ref>Ludmilla Hauser, Peter Korn: Karl Lauterbach: „Ich kann in Berlin viel bewegen“. In: RP Online. 11. September 2013.</ref> im Jahr 2001 trat er der SPD bei.<ref>Ex-Frau von Lauterbach: „Hoffentlich wird er nicht Minister!“ In: Kurier. 1. November 2013, abgerufen am 5. September 2020.</ref> Seit 2005 wurde er stets per Direktmandat im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV in den Bundestag gewählt (2005 mit 48,6 %, 2009 mit 37,1 %, 2013 mit 41,4 %, 2017 mit 38,5 % und 2021 mit 45,6 %).<ref>Der Bundeswahlleiter: Ergebnisse Leverkusen – Köln IV. In: bundeswahlleiter.de. Abgerufen am 30. September 2021.</ref> 2013 wurde er in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück berufen.<ref>Steinbrück holt Lauterbach in sein Kompetenzteam. In: Zeit.de. 5. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2013.</ref> Er war in der 17. Legislaturperiode Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, seine Nachfolgerin wurde Hilde Mattheis. Von Ende 2013 bis September 2019<ref>„Keine glaubwürdige Haltung“. Lauterbach zieht sich aus SPD-Fraktionsspitze zurück. In: Der Tagesspiegel. 6. September 2019, abgerufen am 6. September 2019.</ref> war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und dort zuständig für die Themen Gesundheit, Bildung und Forschung sowie für Petitionen.<ref>Vorstand. In: SPD Fraktion im Bundestag. Abgerufen am 5. September 2020 (Fraktionsvorstand 2017–2019).</ref> Er gehörte dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz als ordentliches Mitglied und dem Finanzausschuss als stellvertretendes Mitglied an.<ref name="Bundestag Biografie">Prof. Dr. Karl Lauterbach, SPD. Deutscher Bundestag, abgerufen am 5. September 2020 (Biografie).</ref>

Datei:2019-09-10 SPD Regionalkonferenz Team Scheer Lauterbach by OlafKosinsky MG 0448.jpg
Karl Lauterbach und Nina Scheer (links) bei der Regionalkonferenz 2019 in Nieder-Olm anlässlich der Wahl zum SPD-Vorsitz

Im Juli 2019 gab er seine Kandidatur als SPD-Vorsitzender im Duo mit der Bundestagsabgeordneten Nina Scheer bekannt.<ref>Neuaufstellung der Sozialdemokraten: Nina Scheer und Karl Lauterbach wollen SPD-Parteichefs werden. In: Spiegel Online. 12. Juli 2019, abgerufen am 12. Juli 2019.</ref><ref>Anja Maier: Karl Lauterbach zum SPD-Vorsitz: „Wir trauen uns das zu“. In: taz, Die Tageszeitung. 14. Juli 2019, abgerufen am 14. Juli 2019.</ref> In der ersten Mitgliederbefragungsrunde errang das Duo den 4. Platz mit 31.271 Stimmen (14,6 %).<ref>Die Mitglieder haben entschieden. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), abgerufen am 29. Oktober 2019.</ref>

Auf Vorschlag von Bundeskanzler Olaf Scholz ernannte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihn am 8. Dezember 2021 zum Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz.<ref>Karl Lauterbach ist neuer Bundesgesundheitsminister. In: Deutsches Ärzteblatt. 8. Dezember 2021, abgerufen am 8. Juni 2022.</ref>

Am 14. Dezember 2024 wurde er auf der Wahlkreiskonferenz erneut für seinen Wahlkreis als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2025 nominiert.<ref>Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 17. Dezember 2024: Lauterbach, Mützenich. Kölner SPD benennt Kandidaten für den Bundestag – Premiere für Schauspielerin, von Susanne Rohlfing, abgerufen am 19. Dezember 2024</ref>

Privates

1996 heiratete Lauterbach die Epidemiologin und Ärztin Angela Spelsberg,<ref>Epidemiologin Angela Spelsberg: Karl Lauterbachs Ex-Frau stichelt gegen seine Corona-Politik, bz-berlin.de, 29. August 2020.</ref> mit der er vier Kinder hat. Sie lebten ab 2004 getrennt und ließen sich 2010 scheiden. Aus seiner Beziehung mit Ulrike Winkelmann hat er ein weiteres Kind.<ref>Berliner Morgenpost - Berlin: Karl Lauterbach wünscht sich "eine liebevolle Frau". 25. März 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021.</ref> Anfang 2024 wurde eine Beziehung mit der Journalistin Elisabeth Niejahr bekannt.<ref>Karl Lauterbach hat eine neue Freundin. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 21. Januar 2024, abgerufen am 21. Januar 2024.</ref> Lauterbach ist Pescetarier.<ref>„Alkohol sehr gerne“: Lauterbach wird zu Shisha eingeladen und lehnt dankend ab - Deutschland. In: Focus Online. 9. August 2021, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref>

Nach Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verließ er diese; dennoch stehe er ihr weiterhin nahe.<ref>Karl Lauterbach ist aus der katholischen Kirche ausgetreten. In: Zeit Online. Abgerufen am 8. Juni 2022.</ref> Seinen Amtseid als Gesundheitsminister bekräftigte er mit den Worten „So wahr mir Gott helfe“.<ref>WELT: „So wahr mir Gott helfe“: Hälfte der Kabinettsmitglieder schwört auf Gottes Hilfe. In: Die Welt. 8. Dezember 2021 (welt.de [abgerufen am 8. Juni 2022]).</ref>

Politische Schwerpunkte

Gesundheitspolitik

Lauterbach war an der Einführung des Fallpauschalensystems beteiligt, das in der Kritik steht, Fehlanreize zu setzen und in manchen Bereichen zu einer Mangelversorgung zu führen. Später forderte er Modifikationen des Systems und eine teilweise Abkehr davon in einzelnen Bereichen.<ref>Apotheke Adhoc: Lauterbachs Pläne als Gesundheitsminister. Abgerufen am 5. November 2021.</ref><ref>Schwerkranke Kinder könnten wegen Personalmangels sterben. In: Der Tagesspiegel Online. 14. November 2019, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 5. November 2021]).</ref> Im Juli 2023 einigte er sich mit den Gesundheitsministern der Länder auf die Eckpunkte einer ab Januar 2025 geplanten<ref>Charlotte Kurz, Rebecca Beerheide: Krankenhausreform: Vorhaben werden konkreter. In: aerzteblatt.de. 5. April 2024, abgerufen am 25. August 2024.</ref> Krankenhausreform, die auch eine Abkehr von den Fallpauschalen bedeutet.<ref>Bund und Länder einigen sich auf Krankenhausreform. In: Zeit online. 10. Juli 2023, abgerufen am 12. Juli 2023.</ref>

Zu den von Lauterbach vertretenen Thesen zur Gesundheitspolitik gehören:

Lauterbach hat sich schon in seiner Zeit als Wissenschaftler für seine gesundheitspolitischen Vorstellungen eingesetzt, u. a. als Berater der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. In dieser Zeit war er an einer Studie über den Fettsenker Lipobay beteiligt. Im Jahr 2001 wurde das Medikament der Herstellerfirma Bayer wegen tödlicher Zwischenfälle wieder vom Markt genommen. Später trat Karl Lauterbach als Gegner der Pharmalobby auf, setzte sich für die Positivliste ein und für weitere Kontrollphasen bei der Zulassung von Arzneimitteln.<ref>Veronika Hackenbroch: Der Einflüsterer. In: Der Spiegel. 28. März 2004, abgerufen am 6. Dezember 2021.</ref>

COVID-19-Pandemie

Datei:2021-12-07 Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 20. Wahlperiode des Bundestages by Sandro Halank–025.jpg
Karl Lauterbach mit FFP2-Maske bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags der 20. Wahlperiode des deutschen Bundestags am 7. Dezember 2021 in Berlin

Nach Beginn der COVID-19-Pandemie trat Lauterbach oft als Experte vor allem in Talkshows und Fernsehinterviews auf. Im ersten Halbjahr 2020 war er in den Talkshows von ARD und ZDF der mit großem Abstand häufigste Gast,<ref>Talkshows zum Thema Corona – Meisteingeladene Gäste 2020. Abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref> ebenfalls in den Nachrichtensendern Welt oder n-tv wie auch in hart aber fair oder bei Markus Lanz. Auch im Jahr 2021 war er der am häufigsten eingeladene Gast in deutschen Talkshows.<ref>Jens Schröder: Karl Lauterbach ist der unangefochtene Talkshow-König 2021 | MEEDIA. 16. Dezember 2021, abgerufen am 16. Dezember 2021.</ref> Er äußerte dort seine Ansichten zur Pandemie und zu den getroffenen Maßnahmen und warnte früh vor einer zweiten Welle.<ref>Lauterbach warnt vor 2. Welle – Kubicki sieht ganz anderes Problem. In: Focus Online. Abgerufen am 5. September 2020.</ref> Er sprach sich für strenge Kontaktbeschränkungen aus<ref>Ulrich Schulte: Karl Lauterbach über Covid-19: „Die Pandemie ist schrecklich“. In: taz, Die Tageszeitung. 25. April 2020, abgerufen am 25. April 2020.</ref> und gehörte zu den scharfen Kritikern schneller Lockerungen.<ref>Judith Braun: Corona-Krise: Nach Lockerungen – Experte Lauterbach bei Markus Lanz völlig außer sich: „katastrophal schlecht“. In: Münchner Merkur. 30. April 2020, abgerufen am 28. April 2020.</ref> Lauterbach veröffentlichte auch Twitter-Beiträge zur Pandemie, oft mehrmals täglich. Andrej Reisin vom NDR bewertete im September 2020 für die Rubrik „Faktenfinder“ der Tagesschau, dass zwar die meisten Tweets „fundiert und nicht zu beanstanden“ seien, warf ihm aber vor, dass er in einigen Tweets Aussagen falsch zuordne, Ergebnisse ungenau wiedergebe, durch selektives Zitieren von Studien deren Aussage verändere und sich selten korrigiere. Insgesamt tendiere Lauterbach dazu, „die Gefahren von Covid-19 [als] äußerst schwer einzuschätzen. Und manchmal schießen seine Interpretationen dabei über wissenschaftlich belastbare Aussagen hinaus.“<ref>Andrej Reisin: Aufklärung oder Panikmache?, Tagesschau.de am 16. September 2020.</ref>

Am 4. Januar 2021 forderte Lauterbach einen unbefristeten Lockdown aufgrund der COVID-19-Pandemie und der von ihm befürchteten Auswirkungen einer sich schneller verbreitenden Mutation des Virus. Der Inzidenzwert pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen müsse auf unter 25 gesenkt werden, damals halb so viel, wie von den Regierungen in Bund und Ländern angestrebt.<ref>Lauterbach fordert unbefristeten Lockdown, 4. Januar 2021, abgerufen am 4. Januar 2021.</ref>

Als zum Ende der Sommerferien 2021 eine stärkere Ausbreitung der Infektionen über die wieder geöffneten Schulen befürchtet wurde, die Ständige Impfkommission aber auf Grundlage der Studien noch keine Empfehlung zur Gabe von SARS-CoV-2-Impfstoffen auch an Kinder und Jugendliche geben konnte, gehörte Lauterbach zu jenen Politikern, die deswegen öffentlichen Druck auf die eigentlich unabhängige Expertengruppe ausübten.<ref>Eva Ellermann: Streit über Impfung von Kindern: Der Druck auf die STIKO ist billig. tagesschau, 2. August 2021.</ref> Lauterbach behauptete in diesem Zusammenhang, „Studien zufolge gebe es keine Nebenwirkungen durch die Impfung für Kinder“.<ref>„Würde mein eigenes Kind nicht impfen lassen“ Lauterbach kritisiert Aussage von Stiko-Chef}. In: Der Tagesspiegel. 2. Dezember 2021, abgerufen am 19. März 2022.</ref> Vom Wissenschaftsjournalisten Werner Bartens wurde dieses Vorgehen als wissenschaftsfeindlich kritisiert.<ref>Werner Bartens: Kreisliga-Debatte um Kinderimpfungen. Süddeutsche Zeitung, 7. August 2021.</ref>

Am 18. Oktober 2021 geriet Lauterbach in die Kritik, da er auf Twitter behauptete, dass viele COVID-19-Genesene beschleunigt altern würden. Unter anderem der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit warf ihm daraufhin schlechte Wissenschaftskommunikation vor. Lauterbach erwiderte, dass man nicht fünf Jahre warten müsse, bis die Frage geklärt sei, und verlinkte, mit der Behauptung, es gebe „viele“ Studien, noch einmal dieselbe Studie.<ref>„Macht es Angst?“: Lauterbach kontert Panikmachevorwurf von Virologe Schmidt-Chanasit. Abgerufen am 1. November 2021.</ref>

Als Bundesgesundheitsminister

Nach seinem Amtsantritt als Bundesgesundheitsminister im Dezember 2021 stellte Lauterbach die Impfkampagne in den Vordergrund. Bei einer in den ersten Tagen seiner Amtszeit vorgenommenen Inventur stellte er einen, von der Opposition bestrittenen, akuten Mangel an Impfstoff fest, was den CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge zu der Reaktion veranlasste: „Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen – obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt.“<ref>Für kommendes Jahr – Regierung kauft 92 Millionen Impfdosen nach. In: zdf.de. 15. Dezember 2021, abgerufen am 3. März 2022.</ref> Neben ausgeweiteten Bestellungen des Biontech-Impfstoffs, der in Deutschland überwiegend verimpft wird, initiierte Lauterbach für das erste Quartal 2022 die vorgezogene Beschaffung von 70 Millionen Boosterdosen des Moderna-Impfstoffs.<ref name=rationierung>Georg Ismar: Lauterbach warnt vor Rationierung: Schon im Januar könnten Millionen Impfdosen fehlen. In: tagesspiegel.de. 16. Dezember 2021, abgerufen am 3. März 2022.</ref> Damit standen laut Auskunft der Bundesregierung im Januar 2022 für das erste Quartal des Jahres Impfstoffe für 128 Millionen Booster-Impfungen in Deutschland zur Verfügung, darunter 22,3 Millionen aus dem Jahr 2021 übertragene sowie 63,9 Millionen neu bestellte Moderna-Boosterdosen.<ref>Etwaige Vorbereitungen der Bundesregierung zu einer Ausweitung der Impfpflicht vor dem Hintergrund der drohenden Ausbreitung der Omikron-Variante. In: Bundestags-Drucksache 20/480. 25. Januar 2022, abgerufen am 11. Februar 2022.</ref> Diese viel zu große Bestellung lässt sich nach Recherchen von Thomas Trappe für den Tagesspiegel damit erklären, dass Lauterbach vom Moderna-Impfstoff, bei dem für die Auffrischungsimpfung nur eine im Vergleich zur Grundimmunisierung halbe Dosis benötigt wird, versehentlich doppelt so viel bestellt hatte wie beabsichtigt. Als Indiz dafür galt ein Rechenfehler Lauterbachs auf der Pressekonferenz vom 16. Dezember.<ref name="tagesspiegel-panikkaufe-nach-inventur-gesundheitsminister-lauterbach-bestellt-offenbar-zu-viel-impfstoff-375553">Thomas Trappe: Hamsterkäufe nach Inventur? Gesundheitsminister Lauterbach bestellte offenbar zu viel Impfstoff. In: tagesspiegel.de. 28. Januar 2022, abgerufen am 11. Februar 2022.</ref><ref>Corona in Deutschland: Karl Lauterbach hat 35 Millionen Booster-Impfungen zu viel bestellt. In: az-online.de. 29. Januar 2022, abgerufen am 3. März 2022.</ref> Die Bestellungen führten zu einem Überangebot des Impfstoffs.<ref>Marie Zahout: Moderna im Überfluss: Bundesländer vernichten massenweise Impfstoff. In: tagesspiegel.de. 16. Februar 2022, abgerufen am 3. März 2022.</ref> Tatsächlich wurden im ersten Quartal 2022 lediglich knapp 16 Millionen Erstimpfungen sowie knapp sechs Millionen Auffrischungs- und Boosterimpfungen durchgeführt, viele Millionen Impfdosen drohen im Laufe des Jahres zu verfallen.<ref>Thomas Trappe: Milliarden-Schaden für Lauterbach? Millionen Impfdosen drohen zu verfallen. In: Tagesspiegel. 30. März 2022, abgerufen am 1. April 2022.</ref> Angesichts der nachlassenden Schutzwirkung der Boosterimpfung rief Lauterbach schließlich im März 2022 alle über 60-Jährigen zu einer vierten Impfung auf. Zugleich stellte er fest, „dass es derzeit viel Impfstoff in Europa gebe“, dass zu befürchten sei, dass dieser vernichtet werden müsse.<ref>Lauterbach dringt auf vierte Corona-Impfung. In: zdf.de. 29. März 2022, abgerufen am 1. April 2022.</ref> Bis Anfang 2023 mussten in Deutschland 36 Millionen Impfdosen vernichtet werden und nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums laufen bis Anfang 2024 weitere rund 130 Millionen COVID-19 Impfdosen ab.<ref>#Faktenfuchs: Bund muss 36 Millionen Corona-Impfdosen entsorgen. In: br24.de. 29. Januar 2023, abgerufen am 19. August 2023.</ref>

Während er für die bestellten Impfstoffmengen die Zustimmung des Kabinetts unter Einschluss des Finanzministers Christian Lindner (FDP) fand,<ref name=rationierung /> konnte sich Lauterbach mit der Forderung nach einer allgemeinen Impfpflicht gegen COVID-19 in der Ampelkoalition nicht durchsetzen. Am 7. April 2022 scheiterte im Deutschen Bundestag schließlich auch der erst wenige Tage zuvor erarbeitete Kompromissvorschlag einer Impfpflicht ab einem Alter von 60 Jahren.<ref>Impfpflicht ab 60 im Bundestag gescheitert. In: Dlf. 7. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref>

Karl Lauterbach ist ein Befürworter einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerte er, dass sich jemand, der ein radikaler Impfgegner sei und trotzdem in der Pflege arbeite, die Frage stellen müsse, ob er oder sie überhaupt „für den Beruf geeignet war“.<ref>Minister im Interview: Lauterbach kritisiert Pflegekräfte, die sich Impfung widersetzen. In: FAZ.net. 27. Januar 2022, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. Juli 2022]).</ref> Bei einer Kundgebung am Rande der Gesundheitsministerkonferenz in Magdeburg im Juni 2022 warf er Gegnern der Impfpflicht vor, ihre Arbeit habe keinen Beitrag geleistet, und sie hätten kein Recht, zusammen mit den Gewerkschaften zu demonstrieren.<ref>Philippe Debionne: Lage eskaliert: Eklat bei Lauterbach-Demo. In: Berliner Zeitung. 23. Juni 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.</ref> Das wurde unter anderem von Lars Wieg, dem Vorsitzenden der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft in Berlin-Brandenburg, kritisiert: „Alle, ganz unabhängig ihres Impfstatus, haben bis zum Umfallen gearbeitet. Sie taten das vor Corona und machen das auch jetzt, ob in Krankenhäusern oder im Rettungsdienst.“<ref>Philippe Debionne: Feuerwehrmänner attackieren Lauterbach: „Wir haben alle bis zum Umfallen gearbeitet“. In: Berliner Zeitung. 24. Juni 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.</ref> Auf Nachfrage äußerte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, dass eine Gruppe Impfgegner die eigentliche Verdi-Demo „gekapert“ habe. Der Minister habe sich daraufhin explizit an diese Gruppierung gewandt. Zuvor habe er allen Pflegerinnen und Pflegern der angemeldeten Demonstration für ihren Einsatz in der Pandemie gedankt, und zwar unabhängig von ihrem Impfstatus.<ref>Ruth Schneeberger: Gesundheitsministerium stellt klar: Lauterbach dankt „allen, unabhängig vom Impfstatus“. 24. Juni 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.</ref>

Im Frühjahr 2022 geriet Lauterbachs Amtsführung auch in die Kritik von Befürwortern starker Corona-Schutzmaßnahmen. Am 4. April 2022, einen Tag nach dem Auslaufen der bundesweiten Schutzmaßnahmen, verkündete er den gemeinsam mit den Landesgesundheitsministern auf Anraten des RKI gefassten Beschluss, zum 1. Mai die Quarantänepflicht für SARS-CoV-2-Testpositive durch eine Empfehlung zur freiwilligen Isolation zu ersetzen. Nur einen Tag später widerrief er während einer Talkshow die gemeinsam getroffene Entscheidung und erklärte dies in einem nächtlichen Tweet mit der Signalwirkung, die davon ausgehe.<ref>Isolation nach Corona-Infektion jetzt doch Pflicht: Bachmann kritisiert Lauterbachs „Zick-Zack-Kurs“ - dieser übernimmt zwar die Verantwortung, denkt aber nicht an Rücktritt. In: Saarbrücker Zeitung. 6. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref> Das kritisierte unter anderem der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte als „kommunikative Fehlleistung“.<ref>Bovenschulte: Lauterbachs Wankelmütigkeit ist irritierend. In: sueddeutsche.de. 5. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref> Alexander Dobrindt riet Lauterbach zu einer Talkshow-Quarantäne.<ref>Corona-Chaos: Lauterbach soll in Talkshow-Quarantäne. In: Berliner Zeitung. 7. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref> Der richtige Ort für eine Kurskorrektur wäre, so Kristina Hofmann in einem Kommentar, der Gesundheitsausschuss des Bundestages gewesen.<ref>Kristina Hofmann: Kommentar zur Quarantäne-Regel - Lauterbach: Kommunikationsprofi, gewesen. In: ZDF.de. 6. April 2022, abgerufen am 7. April 2022.</ref>

Lauterbach zu Impfschäden

Im Zusammenhang mit Impfschäden sprach sich Lauterbach am 12. Juni 2022 auf Twitter dafür aus, dass das „Post-Vac-Syndrom“ (Nach-Impfung-Syndrom) „besser untersucht werden“ muss. Er hatte einen Spiegel-Artikel, der sich kritisch mit dem vorgenannten Syndrom auseinandersetzt, als gut bezeichnet.<ref>https://twitter.com/karl_lauterbach/status/1536102844616650760. Abgerufen am 14. Juni 2022.</ref><ref>Post-Vac-Syndrom: Unerklärliche Symptome nach der Corona-Impfung – un… 13. Juni 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Juni 2022; abgerufen am 14. Juni 2022.</ref> Der Artikel thematisiert laut Nordkurier „so ziemlich alle Aspekte, für die man vor wenigen Monaten wohl noch als ‚Querdenker‘ gebrandmarkt worden wäre. Etwa, dass viele Ärzte Impfnebenwirkungen einfach nicht melden. Oder dass es kaum Studien zu möglichen Ursachen gibt.“<ref>Kurswechsel: Lauterbach bekennt sich plötzlich zum Thema Impfschäden | Nordkurier.de. 13. Juni 2022, abgerufen am 14. Juni 2022.</ref>

Lauterbach, der die Corona-Impfungen wiederholt als „nebenwirkungsfrei“ beworben hatte,<ref>Karl Lauterbach: Aussagen zu Impfschäden sorgen für Aufsehen.</ref> räumte am 12. März 2023 in einem ZDF-Interview ein, dass es auf Basis der Daten des Paul-Ehrlich-Instituts und der europäischen Zulassungsbehörde bei weniger als jedem 10.000. Impfling zu schweren, bislang irreversiblen Impfschäden gekommen sei, für die der deutsche Staat haften müsse, weil die Impfstoffhersteller in den EU-Verträgen weitestgehend von der Haftung freigestellt worden seien.<ref>Krank nach Corona-Impfung: Lauterbach: Impf-Hersteller beteiligen. 12. März 2023</ref>

Aktivitäten zu Long COVID und ME/CFS

Auch nach Beendigung der Infektionsschutzmaßnahmen thematisierte Lauterbach wiederholt die anhaltende Gefahr, durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 an Long COVID und ME/CFS zu erkranken.<ref>Lauterbach warnt vor Unterschätzung von Long Covid. ntv, 10. Juli 2022, abgerufen am 7. Oktober 2024.</ref><ref>Lauterbach: „Corona bleibt eine Gefahr“. Bundesministerium für Gesundheit, 4. Dezember 2023, abgerufen am 7. Oktober 2024.</ref><ref>Britta Domke: „Wir müssen uns endlich eingestehen, wie gewaltig dieses Problem ist“. Manager Magazin, 16. Mai 2024, abgerufen am 7. Oktober 2024.</ref><ref name=":0">Zahl der Long-Covid-Fälle steigt. Die Zeit, 17. September 2024, abgerufen am 7. Oktober 2024.</ref> Die Zahl der Betroffenen nehme zu und es gebe kaum Aussicht auf Heilung.<ref name=":0" /> Er warnte vor volkswirtschaftlichen Schäden<ref>Lauterbach startet ersten runden Tisch zu Long Covid. Der Spiegel, 12. September 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> und bezeichnete Long COVID als „eines der schlimmsten Gesundheitsrisiken für junge Frauen“.<ref>Leonard Scharfenberg: „Nur wenig Aussicht auf Heilung“. Sueddeutsche Zeitung, 17. September 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Zur gesellschaftlichen Aufklärung stellte Lauterbach im Juli 2023 die „Initiative Long COVID“ vor.<ref>Lauterbach stellt Hilfen für Long-Covid-Patienten vor. Tagesschau, 12. Juli 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref><ref>Lauterbach schrumpft 100-Millionen-Versprechen – und enttäuscht Betroffene. ntv, 13. Juli 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Zudem berief er im September 2023 erstmals einen „Runden Tisch Long COVID“ ein, an dem seither Personen aus der Forschung, der medizinischen Selbstverwaltung sowie Betroffenenorganisationen teilnehmen.<ref>Birthe Sönnichsen, Nadine Bader: Wo es bei der Versorgung von Long-Covid-Patienten hakt. Tagesschau, 12. September 2023, abgerufen am 10. August 2024.</ref><ref>Jan Schneider, Oliver Klein: So hart kann Long Covid Menschen treffen. ZDF heute, 12. September 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Da bislang keine Medikamente gegen Long COVID zugelassen sind, beauftragte Lauterbach im Rahmen des „Runden Tisches“ eine Expertengruppe damit, Empfehlungen für die Anwendung von Arzneimitteln außerhalb ihrer Zulassung zu erarbeiten.<ref>Ingo Arzt, Florian Schumann: Hilft bei Schizophrenie und vielleicht auch bei Long Covid. Zeit Online, 23. September 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref><ref>Florain Heinhold: ME/CFS-Patienten fühlen sich vernachlässigt. BR, 26. März 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Lauterbachs Tätigkeiten wurden teilweise kritisiert, da sie ME/CFS-Betroffene, die nicht durch COVID-19 erkrankt sind, sowie Post-Vac-Betroffene nicht ausreichend berücksichtigen würden.<ref>Martin Rücker: Lauterbachs Therapien: Impfgeschädigte und ME/CFS-Kranke werden ignoriert. Berliner Zeitung, 21. Dezember 2023, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref><ref>Susana Santina: ME/CFS: Die unsichtbare Krankheit. ZDF Länderspiegel, 9. März 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref><ref>Joachim Müller-Jung: Reicht die Forschung für Patienten mit Long-Covid? 8. August 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref><ref>ME-CFS und Long Covid. ZDF heute, 17. September 2024, abgerufen am 8. Oktober 2024.</ref> Lauterbach äußerte sich nach Ende seiner Amtszeit selbstkritisch und sprach von einem „Staatsversagen“ in Bezug auf den Umgang mit ME/CFS. Er verglich die Situation um Suizide bei ME/CFS mit „den späten Achtzigerjahren, als es noch keine HIV-Therapien gab und junge Menschen, die schwer an Aids erkrankt waren, sich das Leben nahmen“.<ref>Christian Teevs, Nina Weber: »Der schwer kranke gesetzlich Versicherte ist der Gelackmeierte«. In: Der Spiegel. 17. Juli 2025, abgerufen am 18. Juli 2025.</ref><ref>Lauterbach fordert mehr Forschung zu Chronischem Fatigue-Syndrom. In: Die Zeit. 17. Juli 2025, abgerufen am 18. Juli 2025.</ref><ref>Karl Lauterbach sieht "Staatsversagen". In: ntv. 17. Juli 2025, abgerufen am 17. Juli 2025.</ref>

Triage

Anfang Mai 2022 wurde bekannt, dass ein Referentenentwurf aus dem Gesundheitsministerium vorgelegen habe, der eine Triage ebenso wie eine Ex-Post-Triage vorsah – eine nachträgliche Triage, bei der die Behandlung eines Patienten mit geringeren Überlebenschancen zugunsten eines Patienten mit besserer Heilungschance abgebrochen werden könnte, sofern ein Komitee aus drei Ärzten zustimmen würde.<ref>Nach Urteil aus Karlsruhe: Triage-Regelung noch in Abstimmung. In: tagesschau.de. 6. Mai 2020, abgerufen am 18. Mai 2022.</ref> Nach Kritik von den Grünen und der SPD, Intensivmedizinern, Strafrechtlern und dem Caritas-Verband wies Lauterbach eine Ex-Post-Triage als ethisch nicht vertretbar zurück.<ref>Hanni Hüsch: Der Rolle-Rückwärts-Minister. In: tagesschau.de. 11. Mai 2020, abgerufen am 18. Mai 2022.</ref>

Klimawandel

Am 27. Dezember 2020 forderte Lauterbach in der Welt „Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, die analog zu den Einschränkungen der persönlichen Freiheit in der Pandemie-Bekämpfung sind.“ Ob das „erreichbar“ sei, bezweifele er „zunehmend“.<ref>Klimawandel stoppen? Nach den Corona-Erfahrungen bin ich pessimistisch. Bei: Welt Online, 27. Dezember 2020.</ref> In seinem Ende Februar 2022 erschienenen Buch Bevor es zu spät ist forderte er, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel stärker in das politische Handeln zu integrieren.<ref>Politik und Wissenschaft: Minister mit grüner Mission. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Februar 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.</ref>

Sonstiges

Neben dem gesundheitspolitischen Schwerpunkt engagiert sich Lauterbach auch in anderen Bereichen wie der Bildungs- oder Sozialpolitik. Er ist ein erklärter Gegner des dreigliedrigen Schulsystems.<ref>Thorsten Stegemann: „Wir schaffen eine Klasse systematischer Verlierer!“ In: Telepolis. 14. Juni 2007 (Interview), abgerufen am 19. September 2019.</ref>

Im Oktober 2022 wurde publik, dass eine Gruppe von Querdenkern geplant hatte, Karl Lauterbach zu entführen.<ref>Mit Informationen von Holger Schmidt ARD-Terrorismusexperte: Verdächtige wegen geplanter Lauterbach-Entführung festgenommen. Abgerufen am 26. April 2024.</ref>

Um ein Gegengewicht zur AfD zu schaffen, ist er auf der vor allem bei jungen Menschen beliebten Kurzvideoplattform Tiktok aktiv.<ref>Lauterbach auf Tiktok. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. B 402 (dpa).</ref>

Mitgliedschaften

Lauterbach ist Gründungsmitglied des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.<ref>Glückwunsch: Karl Lauterbach für das Amt des Gesundheitsministers nominiert. Abgerufen am 6. Dezember 2021.</ref>

Von Juli 2001 bis Juni 2013 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Rhön-Klinikum AG. Hierbei geriet er in die Kritik, da der Rhön-Klinikum AG 2013 die Ausbeutung der Putzkräfte und Unterlaufen des Mindestlohns vorgeworfen wurde, in der Zeit, in der Lauterbach im Aufsichtsrat saß.<ref>Klaus Ott: SPD-Politiker Lauterbach im Fall Rhön-Kliniken: „Karlchen Überall“ und die Putzkräfte. In: Süddeutsche Zeitung. 18. Dezember 2013, abgerufen am 6. September 2020.</ref> Er gab den Posten im Juni 2013 im Zusammenhang mit seiner Berufung in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück für die Bundestagswahl 2013 ab.<ref>Lauterbach verlässt Rhön-Klinikum-Aufsichtsrat. In: Handelsblatt. 5. Juni 2013.</ref>

Lauterbach ist seit 2017 Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.<ref>Andreas Born: Hauptversammlung der Europa-Union. Stadt Leverkusen, 17. Januar 2018, abgerufen am 6. September 2020 (Pressemitteilung).</ref>

Im Juni 2025 wurde er Mitglied der von der WHO/Europa neu gegründeten Pan-European Commission on Climate and Health, die das politische Profil, das Bewusstsein und die Unterstützung für stärkere Maßnahmen zur Bewältigung der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels erhöhen soll.<ref>Pan-European Commission on Climate and Health. In: who.int. Abgerufen am 11. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Mariia Kalus, dpa: WHO: Lauterbach berät WHO zu Klimawandel und Gesundheit. In: Die Zeit. 6. Juni 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 11. Juni 2025]).</ref>

Auszeichnungen

Im Jahr 2020 ehrte die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP e. V.) ihn für seine besonderen Verdienste um die Präventiv- und Sozialmedizin mit der Salomon-Neumann-Medaille.<ref>Pressemitteilung: 56. Jahrestagung der DGSMP. Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, 21. September 2021, abgerufen am 19. März 2022.</ref>

Im Jahr 2022 erhielt Lauterbach die Auszeichnung Twitter-Account des Jahres von Die Goldenen Blogger.<ref>Tobias Schibilla: Lauterbach bekommt "Goldenen Blogger" für Twitter-Kommunikation www.t-online.de, 26. August 2022</ref> 2024 erhielt er den Negativpreis BigBrotherAward in der Kategorie Gesundheit.<ref>Big Brother Award für schlechten Datenschutz www1.wdr.de, 11. Oktober 2024</ref>

Trivia

Datei:MJK 19232 Karl Lauterbach (SPD-Bundesparteitag 2018).jpg
Lauterbach auf dem SPD-Parteitag 2018 mit seinem langjährigen Markenzeichen, der Fliege

Eines seiner Markenzeichen war lange Zeit die Fliege. Eine solche trug er seit seiner Zeit in den USA anstelle einer Krawatte.<ref>Tina Hildebrandt: Karl Lauterbach: Angreifen, nachgeben, fertigmachen. In: Die Zeit. 21. Juni 2013, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> Die Fliege werde dort als Erkennungsmerkmal des Arztes auf der Station genutzt, da eine Krawatte aus hygienischen Gründen nicht in Frage komme.<ref>SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach zur Pandemie: „Ein super Sommer ist nach wie vor nicht ausgeschlossen“. Abgerufen am 23. April 2021.</ref><ref>WDR: Lauterbach: Macht ist nicht an ein Amt gebunden. Hintergründiges Gespräch – maischberger. der podcast. In: www.ardaudiothek.de. Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Deutschlandradios, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. April 2021; abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref> Seit dem Jahr 2020 trägt er überwiegend einen offenen Hemdkragen.

Der ebenfalls aus Düren stammende Medienkünstler Uli Winters stellt ihn zusammen mit Tobias Brodowy seit dem 8. Juni 2020 in der Radio-Comedy Laschi und Lauti auf WDR 2 dar.<ref>Geburtstagsaufnahme Laschi und Lauti. (MP3) In: wdrmedien-a.akamaihd.ne. Westdeutscher Rundfunk Köln, 8. Juni 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2021; abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref> Das Format wird seit Januar 2022 als Die Ampel-WG bezeichnet.<ref>Aus „Laschi und Lauti“ wird „Die Ampel WG“</ref><ref>Die Ampel-WG auf wdr.de/mediathek</ref>

Lauterbach unterstützt als Pate das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Leverkusen bei der Aktion Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.<ref>Freiherr-vom-Stein Gymnasium. In: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. November 2016; abgerufen am 27. November 2016 (Pate u. a. Karl Lauterbach).</ref>

Im Jahr 2021 trat er mit der Komikerin Carolin Kebekus in einem Musikvideo zum Song La Vida sin Corona (Der Sommer wird gut) auf.<ref>"Wer sich amüsieren möchte auf meine Kosten": Das sagt Karl Lauterbach zu "La Vida sin Corona". Abgerufen am 29. Mai 2021.</ref><ref>Lauterbach gibt den Corona-Spielverderber. Abgerufen am 29. Mai 2021.</ref>

Veröffentlichungen (Auswahl)

Datei:Karl Lauterbach cropped.jpg
Karl Lauterbach bei der Vorstellung seines Buchs Gesund im kranken System, 2009
  • Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien. (Düsseldorf, Univ., Diss., 1991). DNB 910903522
  • Mit Markus Lindlar: Informationstechnologien im Gesundheitswesen. Telemedizin in Deutschland. Gutachten. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1999, ISBN 3-86077-820-X.
  • Mit Markus Lüngen: DRG-Fallpauschalen. Eine Einführung. Anforderungen an die Adaption von Diagnosis-related groups in Deutschland. Gutachten im Auftrag des AOK-Bundesverbandes. Schattauer, Stuttgart 2000, ISBN 3-7945-2076-9.
  • Mit Markus Lüngen, Karin Wolf-Ostermann: Krankenhausvergleich. Betriebsvergleich nach § 5 Bundespflegesatzverordnung. Schattauer, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7945-2144-9.
  • Mit Matthias Schrappe: Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und evidence based medicine. Eine systematische Einführung. Schattauer, Stuttgart 2001 (3. Auflage 2010, ISBN 978-3-7945-2576-8).
  • Als Hrsg. mit Markus Lüngen: Ergebnisorientierte Vergütung bei DRG. Qualitätssicherung bei pauschalierender Vergütung stationärer Krankenhausleistungen. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-42818-6.
  • Mit Timm Volmer: Arzneimitteltherapie – Über-, Unter- und Fehlversorgung. Was leisten „neue Steuerungsinstrumente“? Schattauer, Stuttgart 2002, ISBN 3-7945-2132-3.
  • Mit Markus Lüngen: DRG in deutschen Krankenhäusern. Umsetzung und Auswirkungen. Schattauer, Stuttgart 2003, ISBN 3-7945-2262-1.
  • Mit anderen: Bestandsaufnahme der Rolle von Ambulanzen der Hochschulkliniken in Forschung, Lehre und Versorgung an ausgewählten Standorten (Hochschulambulanzenstudie). Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sankt Augustin 2003.
  • Mit Stephanie Stock, Helmut Brunner (Hrsg.): Gesundheitsökonomie. Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe. Huber, Bern 2006 (3. Auflage 2013, ISBN 978-3-456-85283-6).
  • Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 3-87134-579-2.
  • Mit Stephanie Stock, Marcus Redaèlli: Wörterbuch Gesundheitsökonomie. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 3-17-019153-5.
  • Gesund im kranken System. Ein Wegweiser. Rowohlt, Berlin 2009, ISBN 3-87134-625-X.
  • Karl Lauterbach: Die Krebsindustrie – Wie eine Krankheit Deutschland erobert. Rowohlt, Berlin 2015, ISBN 978-3-87134-798-6, S. 288.
  • Bevor es zu spät ist. Was uns droht, wenn die Politik nicht mit der Wissenschaft Schritt hält. Rowohlt Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7371-0132-5.<ref>Interview mit Lauterbach</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Karl Lauterbach – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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Elisabeth Schwarzhaupt (CDU, 1961–1966) | Käte Strobel (SPD, 1966–1972) | Katharina Focke (SPD, 1972–1976) | Antje Huber (SPD, 1976–1982) | Anke Fuchs (SPD, 1982) | Heiner Geißler (CDU, 1982–1985) | Rita Süssmuth (CDU, 1985–1988) | Ursula Lehr (CDU, 1988–1991) | Gerda Hasselfeldt (CSU, 1991–1992) | Horst Seehofer (CSU, 1992–1998) | Andrea Fischer (B90/Grüne, 1998–2001) | Ulla Schmidt (SPD, 2001–2009) | Philipp Rösler (FDP, 2009–2011) | Daniel Bahr (FDP, 2011–2013) | Hermann Gröhe (CDU, 2013–2018) | Jens Spahn (CDU, 2018–2021) | Karl Lauterbach (SPD, 2021–2025) | Nina Warken (CDU, seit 2025)

siehe auch: Amtsinhaber seit 1961 beider deutscher Staaten

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