Landkreis Anklam
Der Landkreis Anklam, ursprünglich Kreis Anklam, war ein Landkreis in Vorpommern, der in seiner historischen Form bis zur Verwaltungsreform in der DDR von 1952 bestand. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Der Landkreis gehörte bis 1945 zu Preußen, dann zur SBZ und seit 1949 zur DDR. Kreisstadt war die an der Peene gelegene Stadt Anklam.
Geschichte
Preußen
Altvorpommern, das 1720 an Preußen gefallen war, war im 18. Jahrhundert in die fünf Kreise Anklam, Demmin, Randow, Usedom und Wollin gegliedert.<ref>O. Hintze: Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Behördenorganisation und allgemeine Staatsverwaltung. In: Königliche Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Band VI-Erste Hälfte: Einleitende Darstellung der Behördenorganisation und allgemeinen Verwaltung in Preußen beim Regierungsantritt Friedrichs II. Paul Parey, Berlin 1901, Kap. Pommern, Kreisverfassung, S. 393 (Digitalisat).</ref><ref>Fritz Curschmann, Ernst Rubow: Pommersche Kreiskarte Blatt 1. Die pommerschen Kreise vor und nach 1818. In: Landesgeschichtliche Forschungsstelle der Provinz Pommern (Hrsg.): Historischer Atlas von Pommern. 1935 (Digitalisat).</ref> Zum Kreis Anklam gehörten damals die Städte Anklam, Jarmen, Neuwarp und Ueckermünde, die sechs königlichen Ämter Klempenow, Königsholland, Spantekow, Stolpe, Torgelow und Ueckermünde sowie zahlreiche adlige Güter.<ref>Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Preußisch Vorpommern, S. 349 (Digitalisat).</ref> Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde die Abgrenzung des Kreises Anklam verändert:<ref>Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Stettin: Verordnung zur neuen Kreiseintheilung vom 18. Januar 1818. Nr. 4, 1818, S. 37 (Digitalisat).</ref><ref>Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung. ca. 1818. Struck, Stettin (Digitalisat).</ref>
- Die Stadt Jarmen, das Amt Klempenow und einige weitere Dörfer kamen zum Kreis Demmin.
- Die Städte Neuwarp und Ueckermünde sowie die Ämter Königsholland, Torgelow und Ueckermünde kamen zum neuen Kreis Ueckermünde
- Zum Kreis Anklam hinzu kam die Anklamer Vorstadt Peendamm, die am Nordufer der Peene lag und dadurch zu Neuvorpommern gehört hatte.
Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Der Kreis umfasste 1871 die Stadt Anklam sowie 54 Landgemeinden und 57 Gutsbezirke.<ref name="vz1871" />
1906 wurde das noch bestehende Landratsamtgebäude in Anklam, Demminer Straße 71–74, gebaut.
Zum 30. September 1928 fand im Kreis Anklam wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.<ref>Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928. Sonderbeilage zu Stück 40, Stettin 1928. (Digitalisat)</ref> Zwischen 1935 und 1938 wurden die Gemeinden des Landkreises außer der Stadt Anklam zu den acht Großgemeinden Boldekow, Borckenfriede, Bugewitz, Ducherow, Krien, Medow, Pelsin und Spantekow zusammengeschlossen.<ref name="demand" /> Diese Großgemeinden umfassten ungefähr die Gebiete der damaligen Amtsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Sowjetische Besatzungszone / DDR
Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und Teil der Sowjetischen Besatzungszone, in der der nunmehr Landkreis Anklam genannte Kreis zum Land Mecklenburg (bis 1947 Mecklenburg-Vorpommern) gehörte. Die in den 1930er Jahren gebildeten Großgemeinden wurden zum 1. August 1946 wieder aufgelöst und der Landkreis wurde neben der Stadt Anklam wieder in traditionelle Gemeinden gegliedert.<ref name="genwiki">Landkreis Anklam im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref>
Am 1. Juli 1950 wechselten die Stadt Lassan sowie die Gemeinden Buggenhagen, Groß Polzin, Klein Bünzow, Klotzow, Murchin, Pamitz, Pinnow, Pulow, Rubkow, Salchow, Wahlendow, Wehrland und Ziethen aus dem Landkreis Greifswald in den Landkreis Anklam.<ref name="genwiki" />
In der DDR fand am 25. Juli 1952 eine große Verwaltungsreform statt, bei der die fünf Länder aufgelöst und durch 14 Bezirke sowie die meisten Landkreise durch kleinere Kreise ersetzt wurden. Dabei wurde auch der alte Landkreis Anklam aufgelöst:<ref name="genwiki" />
- Die Gemeinden Altwigshagen, Leopoldshagen, Lübs, Neuendorf A und Wietstock kamen zum neuen Kreis Ueckermünde.
- Die Stadt Lassan sowie die Gemeinden Buggenhagen, Pulow und Wehrland kamen zum neuen Kreis Wolgast.
- Das übrige Kreisgebiet bildete zusammen mit den Gemeinden Groß Jasedow, Pätschow, Quilow und Schmatzin des aufgelösten Landkreises Greifswald den Kreis Anklam.
- Die Kreise Anklam und Ueckermünde wurden dem neuen Bezirk Neubrandenburg zugeordnet, während der Kreis Wolgast zum neuen Bezirk Rostock kam.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Quelle |
|---|---|---|
| 1797 | 34.436 | <ref>Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 43 (Digitalisat).</ref> |
| 1816 | 30.856 | <ref>Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Stettin, S. 223 (Digitalisat).</ref> |
| 1846 | 27.708 | <ref>Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin. Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 315 (Digitalisat).</ref> |
| 1871 | 30.331 | <ref name="vz1871">Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871. Berlin 1873. (PDF-Digitalisat)</ref> |
| 1890 | 30.689 | <ref name="demand">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1900 | 32.693 | <ref name="demand" /> |
| 1910 | 34.084 | <ref name="demand" /> |
| 1925 | 35.787 | <ref name="demand" /> |
| 1933 | 35.279 | <ref name="demand" /> |
| 1939 | 39.335 | <ref name="demand" /> |
| 1946 | 53.714 | <ref name="vz1946">Statistische Ämter des Bundes und der Länder-Statistische Bibliothek (Hrsg.): PDF-Volkszählung 1946.</ref> |
Die Abgrenzung des Landkreises erfuhr 1818 umfangreiche Änderungen.
Städte und Gemeinden
Stand 1950
Nach der Auflösung der in den 1930er Jahren gebildeten Großgemeinden und vor der Gebietsreform von 1950 in der DDR umfasste der Landkreis Anklam die folgenden Gemeinden:<ref name="genwiki" />
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Vor 1939 aufgelöste Gemeinden
Einige Gemeinden, die in den 1930 Teil von Großgemeinden geworden waren, erhielten nach deren Auflösung im Jahre 1946 ihre Selbständigkeit nicht zurück.<ref name="genwiki" />
- Alt Kosenow, 1928 Jahren mit Neu Kosenow zur Gemeinde Kosenow zusammengeschlossen
- Alt Sanitz, 1928 mit Neu Sanitz und Blesewitz zur Gemeinde Sanitz zusammengeschlossen
- Alt Teterin, 1928 mit dem Gutsbezirk Müggenburg zur Gemeinde Teterin zusammengeschlossen
- Anklamer Fähre, auch nur Fähre, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Pelsin, 1946 zu Gnevezin
- Borckenfriede, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Borckenfriede, 1946 zu Altwigshagen
- Brenkenhof, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Medow, 1946 zur Gemeinde Medow
- Gramzow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Krien, 1946 zu Krusenfelde
- Kamp, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Bugewitz, 1946 zu Rosenhagen
- Kosenow, am 1. Dezember 1935 zur Großgemeinde Ducherow, 1946 zu Neu Kosenow
- Rubenow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Boldekow, 1946 zu Borntin
- Strippow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Spantekow, 1946 zu Neuenkirchen
- Tramstow, in den 1920er Jahren zu Postlow
Landräte
- 1733–1740Adolph Heinrich von Winterfeld
- 1740–1763August von Parsenow
- 1763–1779Adolph Friedrich von Neetzow
- 1784–1792Friedrich Georg Ludwig von Borcke
- 1792–1793Franz Friedrich Carl von Parsenow
- 1793–1816Moritz Friedrich Wilhelm von Schwerin
- 1818–1833Heinrich von Schwerin (1776–1839)
- 1833–1848Maximilian von Schwerin-Putzar (1804–1872)
- 1849–1853Albert von Bülow
- 1853–1889Rudolph von Oertzen (1819–1893)
- 1889Karl von Schwerin (1844–1901) (kommissarisch)
- 1889–1894Hermann von Somnitz († 1925)
- 1894–1908Ernst von Troschke (1859–1922)
- 1908–1927Hans von Rosenstiel (1871–1955)
- 1927–1932Max von Philipsborn (1891–1973)
- 1932–1934Egon von Haber (1875–1939) (kommissarisch)
- 1934–1940Wilhelm Becker
- 1940–1944Wilderich Graf von Merveldt (1906–1945)<ref>Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1955. Band II, Band 10 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1952, S. 298.</ref>
- 1944–1945Gerhard Becker
Kommunalverfassung bis 1945
Der Landkreis Anklam gliederte sich in die Stadt Anklam, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.
Persönlichkeiten
- Flugpionier Otto Lilienthal, geboren am 23. Mai 1848 in Anklam
- Maximilian von Schwerin-Putzar, war von 1833 bis 1848 Landrat des Kreises, später preußischer Minister u. führender liberaler Politiker
Literatur
- Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 115, Ziffer 4. (Digitalisat)
- Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 8–15. (Digitalisat)
- Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
- Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Anklam in der ehemaligen Provinz Pommern (2011).
Weblinks
- Landkreis Anklam Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf Territorial.de (Rolf Jehke-Herdecke), Stand 11. Juli 2013.
Einzelnachweise
<references />
Regierungsbezirke: Köslin | Stettin | Stralsund. Stadtkreise: Greifswald | Kolberg | Köslin | Stargard | Stettin | Stolp | Stralsund. Landkreise: Anklam | Belgard | Bütow | Cammin i. Pom. | Demmin | Dramburg | Franzburg-Barth | Greifenberg i. Pom. | Greifenhagen | Greifswald | Grimmen | Kolberg-Körlin | Köslin | Lauenburg i. Pom. | Naugard | Neustettin | Pyritz | Randow | Regenwalde | Rügen | Rummelsburg i. Pom. | Saatzig | Schlawe i. Pom. | Stolp | Ueckermünde | Usedom-Wollin. Aufgelöst: Kreis Lauenburg-Bütow (1845). Kreis Fürstenthum (1872). Kreis Bublitz, Kreis Schivelbein (1932). Ab 1938: Grenzmark Posen-Westpreußen – Schneidemühl – Kreis Arnswalde, Kreis Deutsch Krone, Kreis Flatow, Kreis Friedeberg Nm., Netzekreis, Kreis Schlochau.