Anklamer Fähre
Anklamer Fähre ist eine Ansiedlung und eine (Halb-)Insel im Mündungsgebiet der Peene an einer Meerenge zwischen dem Stettiner Haff und dem Peenestrom. Ort und Halbinsel sind Teil der Gemeinde Bargischow.
Geschichte
Die Anklamer Fähre, auch „Alte Fähre“, „Olden Vir“, „Ollenvir“, „Ollenvier“, „Fähre“ oder „Anklamer Fehr“ genannt, wurde erstmals im Jahr 1285 urkundlich erwähnt.<ref>Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 2: Festland. (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 2), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 7</ref> Die Halbinsel mit Ort zählte zu den ältesten Besitzungen der Stadt Anklam.
Bei der ersten Erwähnung als „alte Fähre“ („olden Vir“) war die damalige Insel aus dem Lehnsbesitz des Ritters Johann von Berlin heimgefallen. Herzog Bogislaw IV. belehnte darauf die Anklamer Patrizier und Ratsmitglieder Johann Schweders Sohn (auch Schwederssohn) und Hermann von Gützkow, wobei er sie von allen Diensten und Abgaben freistellte. Gleichzeitig übertrug er das Eigentum an die Stadt Anklam. Nach dem Tod von Johann Schweders Sohn bestätigte der Herzog 1292 dessen Witwe Gertrude und ihren Erben den Lehnsbesitz. In der folgenden Zeit muss der Besitz durch die Familien Schweder und Gützkow geendet haben, denn 1302 übertrug Bogislaw IV. die Besitzung zu gleichen Bedingungen den Anklamer Bürgern Willeken Cröpelin und Heinrich Willers Sohn (Willerssohn) mit allen Rechten, Nutzungen, Diensten, Abgaben und Zöllen wie sie der Ritter Johann von Berlin zum Lehen gehabt hatte. Wahrscheinlich wurde der Besitzwechsel durch die Stadt Anklam gelenkt und durch den Herzog bestätigt, denn in die Urkunde wurde ein sehr ausführlicher Tarif des zu erhebenden Warenzolls aufgenommen. Ausdrücklich festgelegt wurde, dass dieser nicht erhöht werden durfte.<ref>Carl Friedrich Stavenhagen: Topographische und chronologische Beschreibung der Pommerschen Kauf- und Handels-Stadt Anklam aus Urkunden und historischen Nachrichten verfasst und mit einem Anhange des Herrn Pastors J. F. Sprengels. Röse, Greifswald 1773, S. 135–137 (Digitalisat).</ref><ref name="HB">Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Bd. 1, W. Dietze, Anklam-Berlin 1865, S. 265–267 (Google Bücher).</ref>
Haupteinnahmequelle des Zolls waren die Abgaben von vorbeifahrenden Schiffen. Die Entgelte für die Beförderung von Personen und Waren vom Festland zur Insel Usedom wurden wegen der vom Festland aus schwer zugänglichen Lage der Fährstelle Mitte des 19. Jahrhunderts durch Heinrich Berghaus als unbedeutend eingeschätzt. Anklamer Fähre war wegen der morastigen Umgebung nur in trockenen Sommern mit Pferdewagen zu erreichen.<ref name="HB" />
Nachdem der Anklamer Stadtrat 1377 für 550 Mark Sundisch eine jährliche Rente von 20 Mark Sundisch ablöste, die die Familie Florin besessen hatte, erwarb der Anklamer Bürger Heinrich Glesch den verfallenen Schankkrug auf der Insel und das Recht, Fährgeld zu erheben. Er baute den Krug auf eigene Kosten wieder auf. Von der Stadt Anklam erhielt er Pfähle und Strauchwerk zur Erneuerung des Bohlwerks und der Wehre. Als die Einnahme aus dem Fährgeld anwuchsen, kaufte die Stadt ihm das zugehörige Hebungsrecht und das Fährboot für 1400 Mark Sundisch ab.<ref name="HB" />
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört und danach von den Schweden wieder aufgebaut und befestigt. Bei der preußischen Volkszählung von 1871 hatte die Gemeinde Anklamer Fähre, zu der auch die Insel Schadefähre gehörte, 66 Einwohner.<ref name="Gemeindelexikon1871">Vorlage:Gemeindelexikon Preußen 1871</ref> Im Jahr 1873 vernichtete ein Brand wiederum den gesamten Ort. Im Jahr 1910 gab es vierzig Einwohner in der Gemeinde Anklamer Fähre.<ref>Landkreis Anklam. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Oktober 2022; abgerufen am 23. Februar 2026.</ref> Im 20. Jahrhundert wurde zwischen dem Festland und der Insel ein Verbindungsdamm gebaut. 1937 wurde die Gemeinde, nun amtlich nur noch Fähre genannt, Teil der Großgemeinde Pelsin.<ref>Gemeinde Fähre. In: Informationssystem Pommern. Pommersche Forschungsgemeinschaft, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Oktober 2016; abgerufen am 18. Februar 2017.</ref><ref name="demand">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> Nach deren Auflösung im Jahr 1946 gehörte Anklamer Fähre zunächst zur Gemeinde Gnevezin, die ihrerseits 1965 nach Bargischow eingemeindet wurde.<ref>Anklamer Fähre, Fähre im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref> Im Jahr 1980 wohnten nur noch zweiundzwanzig Personen im Ort. Erst im Jahr 1946 wurde Anklamer Fähre an das elektrische Netz angeschlossen.
Verkehr
Anklamer Fähre verfügt über einen kleinen Hafen. Der Ort Anklamer Fähre ist von Anklam über die B 109, die OVP 49 bis Bargischow und die OVP 48 zu erreichen. Eine offizielle Fährverbindung nach Usedom existiert nicht. Nach 2000 gab es einige Jahre auf privater Basis organisierte Übersetzfahrten für Personen und Fahrräder von Anklamer Fähre nach Karnin auf der Insel Usedom.<ref>Stadt Usedom - Fähre für Personen und Fahrräder. Abgerufen am 25. Oktober 2024.</ref> Seit Mitte der 2010er Jahre werden diese Fahrten nicht mehr angeboten.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Literatur über Anklamer Fähre in der Landesbibliographie MV
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters
archive-todaymuss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., abgerufen am 20. März 2013
Koordinaten: 53° 50′ 46″ N, 13° 49′ 9″ O
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