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Kreis Usedom-Wollin

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Datei:Pommern Kr Usedom-Wollin.png
Das Kreisgebiet 1905.

Der Kreis Usedom-Wollin war ein preußischer Landkreis in Vorpommern, der die beiden Inseln Usedom und Wollin umfasste und bis 1945 bestand. Von 1945 bis 1952 bildete der nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebene Teil des Kreises den Landkreis Usedom, dessen Gebiet heute zum Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern gehört. Der Ostteil des ehemaligen Kreises wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt und enthält heute die Stadt Świnoujście (Swinemünde) sowie einen Teil des Powiats Kamieński in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Verwaltungsgeschichte

Preußen

Altvorpommern, das 1720 an Preußen gefallen war, war im 18. Jahrhundert in die fünf Kreise Anklam, Demmin, Randow, Usedom und Wollin gegliedert. Die Kreise Usedom und Wollin besaßen einen gemeinsamen Landrat und wurden in manchen Darstellungen auch als ein Kreis angesehen.<ref>Otto Hintze: Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Behördenorganisation und allgemeine Staatsverwaltung. Kap. Pommern-Kreisverfassung. In: Acta Borussica. Band VI-Erste Hälfte: Einleitende Darstellung der Behördenorganisation und allgemeinen Verwaltung in Preußen beim Regierungsanstritt Friedrichs des II. Hrsg. Königliche Akademie der Wissenschaften, Verlag Paul Parey, Berlin 1901, S. 393. (Digitalisat)</ref><ref>Fritz Curschmann, Ernst Rubow: Pommersche Kreiskarte Blatt 1. Die pommerschen Kreise vor und nach 1818. In: Landesgeschichtliche Forschungsstelle der Provinz Pommern (Hrsg.): Historischer Atlas von Pommern. 1935 (PDF-Digitalisat).</ref> Der Kreis Usedom umfasste die Insel Usedom, zu der damals auch das erst später zur Insel gewordene Caseburg gehörte, und der Kreis Wollin die Insel Wollin.<ref>Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Kreis Usedom, S. 413 (Digitalisat).</ref><ref>Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Kreis Wollin, S. 423 (Digitalisat).</ref> Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde ein gemeinsamer Kreis Usedom-Wollin mit der Kreisstadt Swinemünde endgültig festgeschrieben.<ref>Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Stettin: Verordnung zur neuen Kreiseintheilung vom 18. Januar 1816. Nr. 12, 1816, S. 44 (Digitalisat).</ref><ref>Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung. Struck, Stettin 1818 (Digitalisat).</ref> Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Der Kreis umfasste 1871 die drei Städte Swinemünde, Usedom und Wollin, 89 Landgemeinden und 38 Gutsbezirke.<ref name="vz1871" />

Zum 30. September 1928 fand im Kreis Usedom-Wollin wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der die meisten Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden,<ref>Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928. Sonderbeilage zu Stück 40. Stettin 1928. DBMV.</ref> ohne dass sich am privat-rechtlichen, kirchlichen oder fiskalischen Eigentum Änderungen vollzogen. Die Gutsbezirke waren juristisch lediglich keine eigenständigen Ortschaften mehr. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Sowjetische Besatzungszone / DDR

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Nach Kriegsende wurden die gesamte Insel Wollin sowie von der Insel Usedom die Stadt Swinemünde und die Gemeinde Kaseburg seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Der verbliebene Teil des Kreises wurde als Landkreis Usedom der Sowjetischen Besatzungszone angegliedert und gehörte ab 1949 zur DDR. Die Kreisverwaltung befand sich von Oktober 1945 bis März 1946 in Bansin, anschließend bis zur Auflösung des Landkreises in Ahlbeck.

Der Landkreis Usedom wurde am 25. Juli 1952 im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR aufgelöst. Sein Gebiet bildete zusammen mit Teilen der Landkreise Anklam und Wolgast den Kreis Wolgast, der dem Bezirk Rostock zugeordnet wurde.<ref>Kreis Wolgast im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref> Seit 1994 gehörte das frühere Kreisgebiet zum Landkreis Ostvorpommern und seit 2011 gehört es zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Datei:Swinoujscie LOC 00723u.jpg
Kreisstadt Swinemünde. 1890/1900.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle
1797 16.397<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 <ref>Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 43 (Digitalisat).</ref>
1846 31.032 <ref>Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 315 (Digitalisat).</ref>
1871 42.593 <ref name="vz1871">Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871. Berlin 1873. PDF</ref>
1890 49.035 <ref name="demand">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1900 52.193 <ref name="demand" />
1910 55.212 <ref name="demand" />
1925 67.902<templatestyles src="FN/styles.css" /> 2 <ref name="demand" />
1933 69.111 <ref name="demand" />
1939 77.236 <ref name="demand" />
1946 38.086 <ref name="vz1946">Statistische Ämter des Bundes und der Länder-Statistische Bibliothek (Hrsg.) PDF -Volkszählung 1946.</ref>

<templatestyles src="FN/styles.css" />

1 
davon 10.425 auf Usedom und 5972 auf Wollin

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2 
davon 63.644 Evangelische, 2063 Katholiken, 1080 Freikirchliche und 246 Juden

Landräte

Usedom-Wollin
Usedom

Kommunalverfassung

Der Kreis Usedom-Wollin gliederte sich in die Städte Swinemünde, Usedom und Wollin, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Zum 1. Januar 1940 wurde im Nordwestzipfel der Insel Usedom der Heeresgutsbezirk Peenemünde errichtet. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Städte und Gemeinden

Stand 1940

Insel Usedom

Insel Wollin

Zum Kreis gehörten außerdem

  • Forst-Gutsbezirk Friedrichsthal
  • Forst-Gutsbezirk Misdroy
  • Haffanteil auf Usedom-Wollin
  • Heeresgutsbezirk Peenemünde, seit 1940

Vor 1940 aufgelöste Gemeinden

Namensänderungen

Das anlautende C wurde 1937 in den folgenden Ortsnamen ersetzt:

  • Camminke → Kamminke
  • Caseburg → Kaseburg
  • Catschow → Katschow
  • Codram → Kodram
  • Cörtenthin → Körtenthin
  • Corswandt → Korswandt
  • Crummin → Krummin
  • Neu Codram → Neu Kodram

Amtsbezirke 1932

Die Landgemeinden des Kreises waren 1932 in 22 Amtsbezirke gegliedert:

Die drei Städte des Kreises waren amtsfrei.

Literatur

  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 1, W. Dietze, Anklam 1865, S. 415 ff.
  • Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 13. Kreis Ueckermünde. Berlin 1866, S. 1–19.
  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 116–118, Ziffer 6.
  • Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Selbstverlag (Dr. Engel), Berlin 1874, S. S. 14–21.
  • Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altert(h)umskunde / Hugo Lemcke (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Pommern. Band I: Die Kreise Demmin, Anklam, Ückermünde und Usedom-Wollin. ´Heft IV: Der Kreis Usedom-Wollin. Verlag Léon Saunier, Stettin 1900, S. 350–425. (PDF-Digitalisat)
  • Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 100–105.
  • H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. 1939. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer's Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1939, S. 74–79.
  • Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
  • Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Usedom-Wollin in der ehemaligen Provinz Pommern. (2011).
  • Dirk Schleinert: Der Kreis Usedom–Wollin von Mai bis Oktober 1945 und sein erster Nachkriegslandrat. In: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen für Mecklenburg–Vorpommern. Jahrgang 9, (2005), Heft 2, Hrsg. Geschichtswerkstatt Rostock e.V., Rostock 2005, ISSN 1434-1794, S. 5–12.
  • Erwin Rosenthal: Usedom und Wollin. Zwei Schwesterinseln in der Pommerschen Bucht. Demmler-Verlag, Ribnitz-Damgarten 2013, ISBN 978-3-944102-02-3.

Weblinks

Commons: Kreis Usedom-Wollin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Landkreis Usedom-Wollin Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf Territorial.de (Rolf Jehke-Herdecke), Stand 11. Juli 2013.
  • Landkreis Usedom-Wollin. Gemeindeverzeichnis 1900. In: Gemeindeverzeichnis.de (Reprint/Überarbeitung eines Originals). Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2023; abgerufen am 28. Februar 2026.

Einzelnachweise

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