Landkreis Ueckermünde
Der Landkreis Ueckermünde, ursprünglich Kreis Ueckermünde genannt, war ein von 1818 bis 1950 bestehender Landkreis in der preußischen Provinz Pommern und im Land Mecklenburg der SBZ bzw. DDR. Das ehemalige Kreisgebiet liegt heute im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern sowie im Powiat Policki in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
Verwaltungsgeschichte
Preußen
Bei der Kreisreform von 1. Januar 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde ein neuer Kreis Ueckermünde aus Teilen der Kreise Anklam und Randow gebildet: Aus dem Kreis Anklam kamen die Städte Neuwarp und Ueckermünde sowie die Ämter Königsholland, Torgelow und Ueckermünde zum neuen Kreis, und aus dem Kreis Randow die Stadt Pasewalk mitsamt den umliegenden Dörfern. Das Landratsamt des Kreises hatte seinen Amtssitz in Ueckermünde.<ref>Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Stettin: Verordnung zur neuen Kreiseintheilung vom 18. Januar 1818. Nr. 4, 1818, S. 37 (Digitalisat).</ref><ref>Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung. Struck, Stettin (Digitalisat – ca. 1818).</ref>
Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Der Kreis umfasste 1871 die drei Städte Neuwarp, Pasewalk und Ueckermünde, 61 Landgemeinden und 14 Gutsbezirke.<ref name="vz1871" />
Zum 30. September 1928 fand im Kreis Ueckermünde wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der die meisten Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.<ref>Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928, Sonderbeilage zu Stück 40</ref> Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Zum 15. Oktober 1939 wurden 32 Gemeinden und zwei Gutsbezirke aus dem aufgelösten Landkreis Randow in den Landkreis Ueckermünde eingegliedert.<ref name="demand" />
Sowjetische Besatzungszone / DDR
In der Schlacht um Ostpommern wurde das Kreisgebiet im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht kam sein westlicher Teil zum Land Mecklenburg in der Sowjetischen Besatzungszone. Der östliche Teil des Kreisgebietes wurde 1945 der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt. Dies betraf vom Altkreis Ueckermünde die Stadt Neuwarp sowie die Gemeinden Althagen, Hammer, Amt Jasenitz, Karpin, Königsfelde, Mützelburg, Wahrlang, Wilhelmsdorf und Ziegenort. Von den Gemeinden des Altkreises Randow, die seit 1939 zum Kreis Ueckermünde gehörten, kamen Armenheide, Boblin, Böck, Daber, Falkenwalde, Günnitz, Hagen, Jasenitz, Köstin, Laack, Nassenheide, Neuenkirchen, Stolzenburg, Trestin und Wamlitz unter polnische Verwaltung. Die Gemeinden Bismark, Blankensee, Boock, Gorkow, Grambow, Lienken, Löcknitz, Mewegen, Pampow, Plöwen, Ramin, Retzin, Rothenklempenow, Schwennenz und Sonnenberg wechselten im Verlauf des Jahres 1945 in den auf deutscher Seite wiedererrichteten Landkreis Randow.<ref>Landkreis Ueckermünde 1818–1952 im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref><ref>Landkreis Randow 1945–1950 im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref>
Im Rahmen der ersten DDR-Kreisreform wurde am 1. Juli 1950 aus dem verbliebenen Landkreis Ueckermünde und Teilen des erneut aufgelösten Landkreises Randow der Landkreis Pasewalk gebildet.<ref>Landkreis Pasewalk 1950–1952 im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref> Dieser wurde im Rahmen der Verwaltungsreform vom 25. Juli 1952 in die Kreise Ueckermünde und Pasewalk geteilt. Beide Kreise wurden dem neugebildeten Bezirk Neubrandenburg zugeschlagen.
Seit 1990 gehört das Kreisgebiet von 1950 wieder zum neukonstituierten Land Mecklenburg-Vorpommern. Mit der kommunalen Neuordnung zum 12. Juni 1994 ging es im neuen Landkreis Uecker-Randow auf, der wiederum am 4. September 2011 im neuen Landkreis Vorpommern-Greifswald aufging.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Quelle |
|---|---|---|
| 1846 | 38.584 | <ref>Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 315 (Digitalisat).</ref> |
| 1871 | 42.534 | <ref name="vz1871">Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871</ref> |
| 1890 | 50.793 | <ref name="demand">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1900 | 53.767 | <ref name="demand" /> |
| 1910 | 56.528 | <ref name="demand" /> |
| 1925 | 59.609<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 | <ref name="demand" /> |
| 1933 | 59.422 | <ref name="demand" /> |
| 1939 | 60.695 | <ref name="demand" /> |
| 1946 | 72.986 | <ref name="vz1946">Volkszählung 1946</ref> |
<templatestyles src="FN/styles.css" />
Politik
Landräte
- 1818–?: August Krafft
- 1851–1863: Ferdinand Julius Balcke
- 1863–nach 1887: Oswald von Rittberg (1832–1908)
- 1893–1907: Robert Hagedorn († 1907)
- 1907–1918: Ulrich von Heyden (1873–1963)
- 1921–1928: Storch
- 1928–1929: Wilhelm Köhne (* 1883)
- 1929–1933: Artur Breitfeld (1899–1967)
- 1933–1938: Horst Schlenzig
- 1938–1940: Erich Daniel
- 1940–1945: Gerhard Becker
Kommunalverfassung
Der Landkreis Ueckermünde gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.
Wappen
| Blasonierung: „Halb geteilt und gespalten; vorn: oben in Blau auf einem nicht durchgehenden silbernen Wellenfaden ein herfahrendes silbernes Segelboot, begleitet beiderseits der Mastspitze von einer herfliegenden silbernen Möwe, unten von einem rot bewehrten silbernen Fisch; unten in Silber schräg gekreuzt ein schwarzer Schlägel und ein schwarzes Eisen; hinten in Silber ein aufgerichteter, golden bewehrter roter Greif mit untergeschlagenem Schweif.“<ref name="Wappen">Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Flagge produktionsbüro TINUS, Schwerin 2011, ISBN 978-3-9814380-0-0, S. 426/427.</ref> | |
| Wappenbegründung: In dem Wappen sollen das Segelboot, die Möwen und der Fisch den Alt-Landkreis als eine Region am Stettiner Haff mit Tourismuscharakter und Fischfang symbolisieren. Mit Schlägel und Eisen wird die im Territorium seit Mitte des 18. Jh. ansässige Eisenindustrie dokumentiert. Der Greif verdeutlicht die Zugehörigkeit des Kreisgebietes zum Landesteil Vorpommern.
Das Wappen wurde von dem Wismarer Roland Bornschein gestaltet. Es wurde am 8. Dezember 1992 durch das Ministerium des Innern genehmigt und unter der Nr. 39 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert. |
Städte und Gemeinden
Stand 1939
Vor seiner Erweiterung im Jahr 1939 umfasste der Kreis Ueckermünde drei Städte, 50 Landgemeinden und zwei gemeindefreie Gutsbezirke:
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Am 15. Oktober 1939 wurden 32 Gemeinden und zwei Gutsbezirke des aufgelösten Kreises Randow in den Landkreis Ueckermuende eingegliedert:
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Vor 1939 aufgelöste Gemeinden
- Neuendorf, ca. 1929 zu Ueckermünde
- Sandkrug, ca. 1929 zu Schönwalde
- Vorsee, ca. 1929 zu Ahlbeck
- Warsin, ca. 1929 zu Vogelsang
Namensänderungen
Die Gemeinde Hammelstall wurde 1929 in Waldeshöhe umbenannt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte von Waldeshöhe ( des Vorlage:IconExternal vom 11. Februar 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref><ref>Waldeshöhe im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pommerscher Greif Waldeshöhe ( des Vorlage:IconExternal vom 8. Februar 2023 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 8. Februar 2023.</ref>
Amtsbezirke
Die Landgemeinden des Kreises Ueckermünde waren 1932 in 19 Amtsbezirke gegliedert:<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kreis Ueckermünde im Informationssystem Pommern ( vom 11. August 2019 im Internet Archive).</ref>
Die drei Städte des Kreises waren amtsfrei.
Literatur
- Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 114, Ziffer 3 (Google Books).
- Joachim Wächter: Die Bildung des Kreises Ueckermünde und seine gebietsmäßige Entwicklung seit 1818. In: Greifswald-Stralsunder Jahrbuch, Band 7, VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1967, Seiten 105–124.
- Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Pommern. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Oktober 1932. Berlin 1932, S. XXVIII.
- Manfred Vollack: Der Kreis Ueckermünde bis 1945 – Ein pommersches Heimatbuch. Hamburg 1981.
- Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 20–25 (Google Books).
- Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 12. Kreis Ueckermünde. Berlin 1866, S. 1–19 (Google Books).
- Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
- Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Ueckermünde in der ehemaligen Provinz Pommern (2011).
- Pomerania – Geschichte und Beschreibung des Pommernlandes. IV. bis VI. Buch, E. Sanne & Comp., Stettin 1846, S. 289–295 (Google Books).
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Regierungsbezirke: Köslin | Stettin | Stralsund. Stadtkreise: Greifswald | Kolberg | Köslin | Stargard | Stettin | Stolp | Stralsund. Landkreise: Anklam | Belgard | Bütow | Cammin i. Pom. | Demmin | Dramburg | Franzburg-Barth | Greifenberg i. Pom. | Greifenhagen | Greifswald | Grimmen | Kolberg-Körlin | Köslin | Lauenburg i. Pom. | Naugard | Neustettin | Pyritz | Randow | Regenwalde | Rügen | Rummelsburg i. Pom. | Saatzig | Schlawe i. Pom. | Stolp | Ueckermünde | Usedom-Wollin. Aufgelöst: Kreis Lauenburg-Bütow (1845). Kreis Fürstenthum (1872). Kreis Bublitz, Kreis Schivelbein (1932). Ab 1938: Grenzmark Posen-Westpreußen – Schneidemühl – Kreis Arnswalde, Kreis Deutsch Krone, Kreis Flatow, Kreis Friedeberg Nm., Netzekreis, Kreis Schlochau.
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