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Tranexamsäure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Strukturformel von Tranexamsäure
Allgemeines
Freiname Tranexamsäure<ref name="inn-list">INN Recommended List 7, World Health Organisation (WHO), 9. Dezember 1967.</ref>
Andere Namen
  • trans-4-(Aminomethyl)cyclohexan-1-carbonsäure (AMCHA)
  • (1r,4r)-4-(Aminomethyl)cyclohexan-1-carbonsäure
  • Vorlage:INCI
Summenformel C8H15NO2
Kurzbeschreibung

beige Kristalle<ref name="Sigma"/>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 214-818-2
ECHA-InfoCard 100.013.471
PubChem 5526
ChemSpider 10482000
DrugBank DB00302
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

B02AA02

Wirkstoffklasse

Fibrinolyse-Hemmer

Wirkmechanismus

Lysin-Analog

Eigenschaften
Molare Masse 157,21 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="Sigma" />

Schmelzpunkt

386–392 °C (Zersetzung)<ref name=roempp>Eintrag zu Tranexamsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​264​‐​271​‐​280​‐​302+352​‐​305+351+338<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten

> 10.000 mg·kg−1 (LD50Mausoral)<ref name="Sigma" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Pharmakologische Informationen
Verabreichungsart peroral (p.o.); intravenös (i.v.); lokal
Bioverfügbarkeit 30–50 % nach peroraler Gabe, unbeeinträchtigt durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme. Plazentagängig 100 %. Plasmaproteinbindung 3 % (fast ausschließlich an Plasmin). Muttermilchgängig 1 %.
Metabolismus geringfügig in der Leber; terminale Halbwertszeit 2 Stunden, Verteilungsvolumen 9–12 Liter
Wechselwirkungen Faktor IX erhöhtes Thromboserisiko
Ausscheidung Urin 95 % als unveränderte Substanz
Klinische Informationen
Nebenwirkungen Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Blutdruckabfall (bei schneller i.v. Gabe).
Kontraindikation(en) Niereninsuffizienz, Harnwegsblutung, bestehende Thrombosen.
Zulassungsstatus
  Deutschland USA UK
Erst­zulassung oder Markt­ein­führung 1967 (Anvitoff) 1986 (Cyklokapron) 1978 (Cyklokapron)
Verschreibungspflicht ja ja ja

Tranexamsäure (AMCHA oder TXA) ist ein Arzneistoff, der in der Medizin zur Hemmung des Fibrinolysesystems verwendet wird (Antifibrinolytikum, Fibrinolysehemmer). Der Wirkungsmechanismus beruht auf einer Komplexbildung mit Plasminogen, wodurch dessen Bindung an die Fibrinoberfläche gehemmt wird. Damit resultiert letztlich eine Hemmung der Gerinnselauflösung (Fibrinolyse).

Eigenschaften

Tranexamsäure ist ein synthetischer Stoff, der der Aminosäure Lysin ähnelt. Er zählt wie ε-Aminocapronsäure und p-Aminomethylbenzoesäure zur Gruppe der sogenannten ε-Aminocarbonsäuren.

Tranexamsäure ist leicht löslich in Wasser und Eisessig, sowie praktisch unlöslich in Aceton und in Ethanol (96 %).<ref name="EP10.1">Monographie „Tranexamic acid“, European Pharmacopoeia 10th Edition, 1st Supplement (Ph. Eur. 10.1), EDQM Council of Europe, 2019.</ref> Tranexamsäure in pharmazeutischer Qualität ist ein weißes bis fast weißes kristallines Pulver.<ref name="EP10.1" />

Wirkungsmechanismus

Tranexamsäure blockiert die Bildung von Plasmin durch Hemmung der proteolytischen Aktivität der Plasminogenaktivatoren. Dadurch wird Plasmin in seiner Fähigkeit Fibrin zu lysieren behindert. Bei niedriger Dosis wirkt Tranexamsäure als kompetitiver Hemmer des Plasmins, bei hoher Dosierung als nicht-kompetitiver Hemmer. Alle ε-Aminocarbonsäuren wirken analog.

Pharmakokinetik

Aufnahme und Bioverfügbarkeit

Tranexamsäure ist nach peroraler Gabe zu 30–50 % bioverfügbar.<ref name="Andrew Wilcock">Andrew Wilcock, Claudia Bausewein, Constanze Rémi, Paul Howard, Sarah Charlesworth: Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. Elsevier Health Sciences, 2021, ISBN 978-3-437-06366-4, S. 231 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Das Verteilungsvolumen beträgt 9–12 L.<ref name="bfarm.de">Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Tranexamsäure antifibrinolytics art 31(TXA)_annexI_III_de, abgerufen am 11. Dezember 2023</ref> Die Halbwertszeit ist 2 Stunden.<ref name="Andrew Wilcock" />

Verstoffwechselung

Tranexamsäure wird nur sehr geringfügig in der Leber verstoffwechselt. Als Stoffwechselprodukte haben sich eine Dicarboxylsäure (1 % der verabreichten Dosis) und die acetylierte Form von Tranexamsäure (0,1 % der verabreichten Dosis) im Urin vorfinden lassen.<ref name="accessdata.fda.gov">FDA: LYSTEDA® (tranexamic acid) tablets, for oral use Initial U.S. Approval: 1986, abgerufen am 11. Dezember 2023</ref>

Ausscheidung

Die Ausscheidung erfolgt zu 95 % über die Nieren und Harnwege (renale Elimination). Auf Grund der fast ausschließlich renalen Eliminierung des Stoffs muss die Dosis bei Niereninsuffizienz vor allem bei längerer Anwendung reduziert werden, damit keine Akkumulation von Tranexamsäure im Plasma erfolgt. In Abhängigkeit vom Kreatinin im Serum wird die Anzahl der Einzeldosen pro Tag vermindert.<ref>Å. Pilbrant, M. Schannong, J. Vessman: Pharmacokinetics and bioavailability of tranexamic acid. In: European Journal of Clinical Pharmacology. Band 20, Nr. 1, 1981, S. 65–72, doi:10.1007/BF00554669.</ref><ref>L. Andersson, O. Eriksson, P.-O. Hedlund, H. Kjellman, B. Lindqvist: Special considerations with regard to the dosage of tranexamic acid in patients with chronic renal diseases. In: Urological Research. Band 6, Nr. 2, 1978, S. 83–88, doi:10.1007/BF00255578.</ref>

Wechselwirkungen

Bei gemeinschaftlicher Verabreichung von Tranexamsäure und Faktor IX bei Hämophilie wird kein erhöhtes Thromboserisiko beobachtet.<ref>Benjamin Djulbegovic, Margaret M. Hannan, Garrett E. Bergman: Concomitant Treatment with Factor IX Concentrates and Antif ibrinolytics in Hemophilia B. In: Acta Haematologica. Band 94, Suppl. 1, 2009, S. 43–48, doi:10.1159/000204027.</ref>

Anwendungsgebiete

  • Zur Verhinderung oder Linderung von Blutungen bei Zahnextraktion oder Zahnfleischblutungen bei Hämophilie.<ref name="Isabell Pekrul">Isabell Pekrul, Thomas Schachtner, Bernhard Zwißler, Patrick Möhnle: Tranexamsäure zur Blutungsprophylaxe bei Trauma und orthopädischen Eingriffen – Standard oder individualisierte Anwendung? In: Der Anaesthesist. Band 70, Nr. 6, 2021, S. 515–521, doi:10.1007/s00101-021-00928-5, PMID 33620508.</ref>
  • Generalisierte und/oder lokale Hyperfibrinolyse (verstärkte Fibrinolyse). Minderung der Hyperfibrinolyse, entstanden entweder durch Überschuss an Plasmin (Hyperplasminämie) oder als Folge einer thrombolytischen Behandlung mit beispielsweise Streptokinase. Eine erhöhte lokale Fibrinolyse kann bei Prostataoperationen und Operationen an den Harnwegen, bei rezidivierenden Blutungen des Gastrointestinaltraktes, bei Colitis ulcerosa, bei essentieller oder durch ein Intrauterinpessar (IUP) induzierter Hypermenorrhoe (vermehrter Monatsblutung), bei Nasenbluten und nach Zahnextraktion bei Patienten mit Gerinnungsstörungen (Koagulopathien) auftreten. Ebenso wird Tranexamsäure bei Operationen mit extrakorporalem Kreislauf (Herz-Lungen-Maschine) verwendet und auch beim akuten Schädel-Hirn-Trauma<ref>Nicola Siegmund-Schultze: Akutes Schädel-Hirn-Trauma. Tranexamsäure, früh infundiert, verringert verletzungsbedingte Sterblichkeit. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 116, Heft 51 f., 23. Dezember 2019, S. B 1974 f.</ref> eingesetzt.
  • Tranexamsäure findet als Antidot (Gegenmittel) bei der Blockierung von Fibrinolytika wie Streptokinase eine weitere Anwendung. Alternativ gab man hier auch den Proteinaseinhibitor (Antiplasmin) Aprotinin, der wegen seiner thrombogenen Wirkung 2007 vom Markt genommen wurde.<ref name="Isabell Pekrul" />

Nebenwirkungen

Gegenanzeigen

  • Stillzeit. Tranexamsäure geht in die Muttermilch über (in sehr geringen Konzentrationen von ca. 1 % der Plasmakonzentration).
  • Blutungen im Harntrakt. Es können durch Anwendung von Tranexamsäure Verstopfungen der Harnleiter mit nachfolgendem Urinaufstau entstehen.
  • Thrombosen. Thrombosen (vorbestehend) werden bei Gabe von Tranexamsäure gefördert.
  • Sepsis und DIC (disseminierte intravasale Gerinnung).

Handelspräparate

  • Cyklokapron Filmtabletten 500 mg / Injektions-Infusionslösung 100 mg/ml (D, A, USA); Lysteda Tabletten 650 mg (USA)
  • Kombinationspräparat mit humanem Fibrin und Thrombin (Fibrinkleber): Quixil (D; a.H.)

Einzelnachweise

<references />

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