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Tranexamsäure

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Pharmakologische Informationen
Verabreichungsart peroral (p.o.); intravenös (i.v.); lokal
Bioverfügbarkeit 30–50 % nach peroraler Gabe, unbeeinträchtigt durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme. Plazentagängig 100 %. Plasmaproteinbindung 3 % (fast ausschließlich an Plasmin). Muttermilchgängig 1 %.
Metabolismus geringfügig in der Leber; terminale Halbwertszeit 2 Stunden, Verteilungsvolumen 9–12 Liter
Wechselwirkungen Faktor IX erhöhtes Thromboserisiko
Ausscheidung Urin 95 % als unveränderte Substanz
Klinische Informationen
Nebenwirkungen Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Blutdruckabfall (bei schneller i.v. Gabe).
Kontraindikation(en) Niereninsuffizienz, Harnwegsblutung, bestehende Thrombosen.
Zulassungsstatus
  Deutschland USA UK
Erst­zulassung oder Markt­ein­führung 1967 (Anvitoff) 1986 (Cyklokapron) 1978 (Cyklokapron)
Verschreibungspflicht ja ja ja

Tranexamsäure (AMCHA oder TXA) ist ein Arzneistoff, der in der Medizin zur Hemmung des Fibrinolysesystems verwendet wird (Antifibrinolytikum, Fibrinolysehemmer). Der Wirkungsmechanismus beruht auf einer Komplexbildung mit Plasminogen, wodurch dessen Bindung an die Fibrinoberfläche gehemmt wird. Damit resultiert letztlich eine Hemmung der Gerinnselauflösung (Fibrinolyse).

Eigenschaften

Tranexamsäure ist ein synthetischer Stoff, der der Aminosäure Lysin ähnelt. Er zählt wie ε-Aminocapronsäure und p-Aminomethylbenzoesäure zur Gruppe der sogenannten ε-Aminocarbonsäuren.

Tranexamsäure ist leicht löslich in Wasser und Eisessig, sowie praktisch unlöslich in Aceton und in Ethanol (96 %).<ref name="EP10.1">Monographie „Tranexamic acid“, European Pharmacopoeia 10th Edition, 1st Supplement (Ph. Eur. 10.1), EDQM Council of Europe, 2019.</ref> Tranexamsäure in pharmazeutischer Qualität ist ein weißes bis fast weißes kristallines Pulver.<ref name="EP10.1" />

Wirkungsmechanismus

Tranexamsäure blockiert die Bildung von Plasmin durch Hemmung der proteolytischen Aktivität der Plasminogenaktivatoren. Dadurch wird Plasmin in seiner Fähigkeit Fibrin zu lysieren behindert. Bei niedriger Dosis wirkt Tranexamsäure als kompetitiver Hemmer des Plasmins, bei hoher Dosierung als nicht-kompetitiver Hemmer. Alle ε-Aminocarbonsäuren wirken analog.

Pharmakokinetik

Aufnahme und Bioverfügbarkeit

Tranexamsäure ist nach peroraler Gabe zu 30–50 % bioverfügbar.<ref name="Andrew Wilcock">Vorlage:Literatur</ref> Das Verteilungsvolumen beträgt 9–12 L.<ref name="bfarm.de">Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Tranexamsäure antifibrinolytics art 31(TXA)_annexI_III_de, abgerufen am 11. Dezember 2023</ref> Die Halbwertszeit ist 2 Stunden.<ref name="Andrew Wilcock" />

Verstoffwechselung

Tranexamsäure wird nur sehr geringfügig in der Leber verstoffwechselt. Als Stoffwechselprodukte haben sich eine Dicarboxylsäure (1 % der verabreichten Dosis) und die acetylierte Form von Tranexamsäure (0,1 % der verabreichten Dosis) im Urin vorfinden lassen.<ref name="accessdata.fda.gov">FDA: LYSTEDA® (tranexamic acid) tablets, for oral use Initial U.S. Approval: 1986, abgerufen am 11. Dezember 2023</ref>

Ausscheidung

Die Ausscheidung erfolgt zu 95 % über die Nieren und Harnwege (renale Elimination). Auf Grund der fast ausschließlich renalen Eliminierung des Stoffs muss die Dosis bei Niereninsuffizienz vor allem bei längerer Anwendung reduziert werden, damit keine Akkumulation von Tranexamsäure im Plasma erfolgt. In Abhängigkeit vom Kreatinin im Serum wird die Anzahl der Einzeldosen pro Tag vermindert.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>

Wechselwirkungen

Bei gemeinschaftlicher Verabreichung von Tranexamsäure und Faktor IX bei Hämophilie wird kein erhöhtes Thromboserisiko beobachtet.<ref>Vorlage:Literatur</ref>

Anwendungsgebiete

  • Zur Verhinderung oder Linderung von Blutungen bei Zahnextraktion oder Zahnfleischblutungen bei Hämophilie.<ref name="Isabell Pekrul">Vorlage:Literatur</ref>
  • Generalisierte und/oder lokale Hyperfibrinolyse (verstärkte Fibrinolyse). Minderung der Hyperfibrinolyse, entstanden entweder durch Überschuss an Plasmin (Hyperplasminämie) oder als Folge einer thrombolytischen Behandlung mit beispielsweise Streptokinase. Eine erhöhte lokale Fibrinolyse kann bei Prostataoperationen und Operationen an den Harnwegen, bei rezidivierenden Blutungen des Gastrointestinaltraktes, bei Colitis ulcerosa, bei essentieller oder durch ein Intrauterinpessar (IUP) induzierter Hypermenorrhoe (vermehrter Monatsblutung), bei Nasenbluten und nach Zahnextraktion bei Patienten mit Gerinnungsstörungen (Koagulopathien) auftreten. Ebenso wird Tranexamsäure bei Operationen mit extrakorporalem Kreislauf (Herz-Lungen-Maschine) verwendet und auch beim akuten Schädel-Hirn-Trauma<ref>Nicola Siegmund-Schultze: Akutes Schädel-Hirn-Trauma. Tranexamsäure, früh infundiert, verringert verletzungsbedingte Sterblichkeit. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 116, Heft 51 f., 23. Dezember 2019, S. B 1974 f.</ref> eingesetzt.
  • Tranexamsäure findet als Antidot (Gegenmittel) bei der Blockierung von Fibrinolytika wie Streptokinase eine weitere Anwendung. Alternativ gab man hier auch den Proteinaseinhibitor (Antiplasmin) Aprotinin, der wegen seiner thrombogenen Wirkung 2007 vom Markt genommen wurde.<ref name="Isabell Pekrul" />

Nebenwirkungen

  • Allergische Reaktionen kommen sowohl systemisch (am ganzen Körper) als auch in Form von Hautausschlägen vor.
  • Tranexamsäure kann insbesondere bei Patienten mit angeborener oder erworbener Neigung zu Thrombosen (Thrombophilie) zu einer Bildung oder Vermehrung von Thrombosen führen. Thrombosen können nachfolgend zu Embolien führen (Lungenembolie, Schlaganfall). Eine Meta-Analyse von 216 Studien zur Häufigkeit thrombotischer Komplikationen nach der intravenösen Gabe von Tranexamsäure fand kein erhöhtes Risiko im Vergleich zu Placebo oder keinem Eingriff.<ref>Vorlage:Cite journal</ref> Die Meta-Analyse legt nahe, dass intravenös verabreichte TXA auch unabhängig von der Dosierung das Risiko thromboembolischer Ereignisse nicht erhöht. Allerdings kritisieren mehrere Kommentatoren die Heterogenität der Studien.<ref>Vorlage:Cite journal</ref>
  • Vorhofflimmern mit erhöhtem Schlaganfallrisiko.
  • Tranexamsäure kann bei Menschen Sehstörungen auslösen. Im Tierexperiment wurden Schädigungen der Netzhaut beschrieben.

Gegenanzeigen

  • Stillzeit. Tranexamsäure geht in die Muttermilch über (in sehr geringen Konzentrationen von ca. 1 % der Plasmakonzentration).
  • Blutungen im Harntrakt. Es können durch Anwendung von Tranexamsäure Verstopfungen der Harnleiter mit nachfolgendem Urinaufstau entstehen.
  • Thrombosen. Thrombosen (vorbestehend) werden bei Gabe von Tranexamsäure gefördert.
  • Sepsis und DIC (disseminierte intravasale Gerinnung).

Handelspräparate

  • Cyklokapron Filmtabletten 500 mg / Injektions-Infusionslösung 100 mg/ml (D, A, USA); Lysteda Tabletten 650 mg (USA)
  • Kombinationspräparat mit humanem Fibrin und Thrombin (Fibrinkleber): Quixil (D; a.H.)

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis