Schottländer (Familie)
Schottländer sind mehrere Familien, die in Deutschland, und weiteren Ländern lebten und leben. Zu ihnen gehörten und gehören Unternehmer, Wissenschaftler und weitere Persönlichkeiten.
Geschichte
Im Dorf Alt-Schottland in Polnisch-Preußen lebten etwa seit dem 17. Jahrhundert sephardische Juden, die sich in der benachbarten bedeutenden Handelsstadt Danzig nicht niederlassen durften. (Deren Vorfahren waren aus Spanien und Portugal über die Niederlande und Hamburg hierher gekommen.<ref>Karola Birkle, Leben und Werk des Zementpioniers Friedrich Schott, Heidelberg 2021, S. 9, mit einigen Details zur Herkunft der Familie Schottländer, auch nach Lars Menk </ref>) Nach der deutschpreußischen Besetzung des Gebietes wurden 1772 alle männlichen Einwohner registriert, dabei wurden deren Vor- und Vatersnamen und Tätigkeiten angegeben, zum Beispiel David Joachim (statt korrekt David ben Joachim), der Vorfahre der Berliner und der Münsterberger Familie Schottländer.<ref>The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 4, (S. 2–4 zur Entwicklung in Alt-Schottland); das Einwohnerverzeichnis befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Berlin (Geh.St.Ar. Gen.Dir.Westpr. Tit.XLVI Sect.I Nr. 1 Vol. 1) </ref>
In den folgenden Jahrzehnten erschienen in den östlichen preußischen Provinzen Posen und Schlesien und in Berlin verschiedene jüdische Familien, die den Namen Schottländer trugen. Bei dreien ist die Herkunft aus Alt-Schottland bekannt, bei weiteren ist sie wahrscheinlich.<ref>Jacob Jacobsen, Jüdische Trauungen in Berlin 1759–1809, Berlin 1968, S. 110, Jacob David nannte sich 1810 Schottland, bald danach dann Schottländer </ref> Diese mussten aber nicht zwangsläufig miteinander verwandt sein. Um 1810 mussten sich alle jüdischen Einwohner Preußens für einen Familiennamen entscheiden, was von drei Schottländern auch konkret überliefert ist. <ref>Paul Schottländer, Zur Biographie des Israel David Schottländer (1772–1827). Verfaßt nach Akten und Urkunden des Münsterberger Stadt- und Synagogengemeindearchivs, sowie nach anderen Quellen, Typoskript, um 1930, S. 10 (Digitalisat) , mit persönlicher Erklärung über die Beibehaltung des Familiennamens Schottländer, mit handschriftlicher hebräischer Unterschrift Israel ben David </ref> Damit ist für diese Familien einen Herleitung des Namens nach dem Herkunftsort nachgewiesen, was ansonsten nur für wenige deutschsprachigen Familiennamen möglich ist.
Viele Familienmitglieder behielten ihre jüdische Kultur und Religion bei, einige andere konvertierten zum Christentum, auch um bessere gesellschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten zu haben (wie die Nachkommen von Jacob David Schottländer). Schottländers ließen sich auch im westlichen Deutschland, in England, in den USA und weiteren Ländern nieder. Nach 1933 emigrierten einige bis nach Südamerika, andere starben in Konzentrationslagern.
Julius Schottländer und sein Sohn Paul Schottländer in Breslau gehörten im frühen 20. Jahrhundert zu den reichsten Familien in Schlesien.
Verschiedene Familien
Es gibt mehrere verschiedene Familien mit dem Namen Schottländer (bzw. Schott), von denen nur die Berliner und die Seesener Familie nachweislich miteinander verwandt sind. Es werden hier aus Übersichtsgründen nur einige wenige ausgewählte Familienmitglieder angegeben, weitere finden sich in den einzelnen Personenartikeln.
Berliner Familie
Jacob David Schottländer war ein Sohn von David Joachim (um 1735–nach 1772) aus Alt-Schottland.
- Jacob David Schottländer (1776–1844), aus Alt-Schottland, Textilhändler und -fabrikant in Berlin<ref>Erik-Amburger-Datenbank. Abgerufen am 21. November 2021.</ref>
- Mathilde Marie Heinersdorff (1814–1891)
- Julius Adolph August Schottländer (1815–1874) ⚭ seine Cousine Sophie Schott (1815–1887), Unternehmer in St. Petersburg Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.
- Paul Albert Theodor Schottländer (1843–1897) ⚭ 1872 Johanna Gabriele Baronesse von Gersdorff (1852–1940), Fabrikdirektor in St. Petersburg und Chemielaboratoriumsbesitzer in Charlottenburg
- Friedrich (Adolf Moritz) Schottländer (1873–1959)
- Johann Wolfgang Schottländer (1905–1943), Musikwissenschaftler und Hochschullehrer in Berlin
- Wanda (Alwine Henriette) von Gazen (1876–1968), Augenärztin in Berlin
- Gerda Elisabeth Alexandrine Amburger (1880–1961) ⚭ Nikolaus Alexander Amburger (1873–1920)
- Erik Amburger (1907–2001), bedeutender Historiker über Russlanddeutsche
- Friedrich (Adolf Moritz) Schottländer (1873–1959)
- Felix Emil Schottländer (1850–1914), Unternehmer in St. Petersburg
- Julius Gustav Adam Schottländer (1860–1917) ⚭ Elisabeth (Else) Molly Antropoff (1866–1945, Tochter von Roman von Antropoff)
- Felix Schottländer (1892–1958), Psychotherapeut
- Paul Albert Theodor Schottländer (1843–1897) ⚭ 1872 Johanna Gabriele Baronesse von Gersdorff (1852–1940), Fabrikdirektor in St. Petersburg und Chemielaboratoriumsbesitzer in Charlottenburg
Seesener Familie Schott
Baruch Bendet Schottländer war ebenfalls ein Sohn von David Joachim aus Alt-Schottland und der ältere Bruder von Jacob David Schottländer, dem Stammvater der Berliner Familie Schottländer. Er nannte sich ab etwa 1810 Benedict Schott. Sein Enkel Friedrich Schott wurde ein erfolgreicher Zementunternehmer in Heidelberg.
- Benedict Schott (1763–1846), anerkannter Schulleiter und Gelehrter in Seesen bei Braunschweig oo Therese Franxk (1790–1860), Tochter des Pariser Hofjuweliers Simon Franck
- Eduard Schott (1808–1895), Eisenhüttendirektor in Ilsenburg im Harz
- Walter Schott (1861–1938), Bildhauer und Kunsthochschulprofessor
- Emil Schott (1812–1885), Landesökonomie-Kondukteur
- Friedrich Schott (1850–1931), Generaldirektor der Portlandzementwerke Heidelberg, Ehrenbürger, Namensgeber von zwei Straßen
- Ehrhart Schott (1879–1968), Generaldirektor der Zementwerke, Ehrenbürger, Namensgeber einer Schule
- Friedrich Schott (1850–1931), Generaldirektor der Portlandzementwerke Heidelberg, Ehrenbürger, Namensgeber von zwei Straßen
- Constance Schott (1814–1892), Gutspächter
- Richard Schott (1860–1921), Schriftsteller Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.
- Sophie Schottländer (1815–1887) oo ihren Cousin Julius Adolph August Schottländer (1815–1887), aus der Berliner Familie, Unternehmer in St. Petersburg
- Eduard Schott (1808–1895), Eisenhüttendirektor in Ilsenburg im Harz
Münsterberger Familie
Israel David Schottländer stammte ebenfalls aus Alt-Schottland, seine Vorfahren sind aber unbekannt. (Eine entfernte Verwandtschaft mit der Berliner Familie ist auf Grund des gemeinsamen Vornamens David möglich, aber nicht belegbar.<ref>The Origins of the Famikies Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 52, mit Anmerkungen, zu den frühesten bekannten Familienmitgliedern; auch S. 4 </ref>) Sein Enkel Julius Schottländer wurde der zweitreichste Gutsbesitzer in Niederschlesien, auch weitere Nachkommen wurden sehr wohlhabend. Der größte Teil von deren Besitz wurde 1939/1941 enteignet.
- Israel David Schottländer (um 1772–1827), Optiker und Kaufmann in Münsterberg in Schlesien
- Löbel (Johann Leib) Schottländer (1809–1880), wohlhabender Grundbesitzer
- Julius Schottländer (1835–1911), Unternehmer, zweitreichster Gutsbesitzer in Niederschlesien
- Paul Schottländer (1870–1938), Biologe, wohlhabender Gutsbesitzer
- Ard Heinrich Schottländer (1907–1942), ermordet in KZ Theresienstadt, mit Frau und Sohn
- Rosa, dann Hertha Isenbart (1871–1918), erbaute Luxusanlage Bühlerhöhe
- Gertrud Sobernheim (1875–1939) oo Walter Sobernheim, Brauereiunternehmer
- Paul Schottländer (1870–1938), Biologe, wohlhabender Gutsbesitzer
- Augusta Schottländer (* 1836) oo Jacob Oliven
- Oskar Oliven (1870–1939), Generaldirektor eines Elektrizitätsunternehmens
- Bruno Schottländer (1839–1907 ), Gutsbesitzer
- Martha Schottländer (1870–1943), ermordet im KZ Theresienstadt
- Margarete Schottländer (1873–1942), ermordet im KZ Theresienstadt
- Kurt Schottländer (1875–1943), Gutsbesitzer, besaß Vermögen von drei bis vier Millionen RM, ermordet im KZ Theresienstadt<ref>Geburtenregister Standesamt II, Nr. 1357</ref>
- Fritz Schottländer (1879–nach 1919), Gutsbesitzer, mit Vermögen von drei bis vier Millionen RM
- Salo Schottländer (1844–1920), Verleger
- Leo Schottländer (1880–1959) Kapellmeister und Komponist
- Sigurd Erik Schottlaender (1928–2009), Radiomoderator bei DRS
- Leo Schottländer (1880–1959) Kapellmeister und Komponist
- Louise Oliven (1851–1935) oo Julius Oliven
- Fritz Oliven (1874–1956), Schriftsteller
- Julius Schottländer (1835–1911), Unternehmer, zweitreichster Gutsbesitzer in Niederschlesien
- Marcus Schottländer (1820–1892)
- Arnold Schottländer (1854–1909), Schachmeister
- Moritz Schottländer (1856–1918)
- Bernhard Schottländer (1895–1920), Journalist, wurde beim Kapp-Putsch ermordet
- Löbel (Johann Leib) Schottländer (1809–1880), wohlhabender Grundbesitzer
Weblinks
- The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 1–52, mit detaillierten Angaben zu den meisten bekannten Familienmitgliedern
Einzelnachweise
<references />