Paul Schottländer
Paul Schottländer (geboren am 14. Februar 1870 in Breslau, Provinz Schlesien, Königreich Preußen; gestorben am 18. März 1938 in Wessig bei Breslau) war ein Biologe, Gutsbesitzer und Mäzen in Breslau.
Leben
Paul Schottländer entstammte der wohlhabenden jüdischen Familie Schottländer. Sein Vater Julius Schottländer (1835–1911) war der zweitreichste Mann in Niederschlesien, seine Mutter Anna geborene Galewsky (1846–1911) war eine Kaufmannstochter.<ref>The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 32f., mit Angaben zu den Vorfahren und Geschwistern </ref> Er hatte drei Schwestern, darunter Rosa (Hertha) Isenbart, die von ihrem Erbe ein luxuriöses Offiziersgenesungsheim Bühlerhöhe bei Baden-Baden erbauen ließ. Ein Schwager war der Brauereiunternehmer Walter Sobernheim.
Paul Schottländer legte Ostern 1888 am Gymnasium St. Maria Magdalena in Breslau das Abitur ab.<ref>Paul Schottländer Ahnenforschung</ref> Danach studierte er Biologie und promovierte 1892 in Breslau zum Dr. phil. <ref>P. Schottlaender: Beitraege zur Kenntniss des Zellkerns und der Sexualzellen bei Kryptogamen. Univ. Breslau, 1892 (Google Books).</ref> Er war auch Mitbegründer und Vorsitzender des Breslauer Universitätsbundes. 1910 hatte er ein Vermögen von 12 bis 13 Millionen Reichsmark, zum großen Teil von seinem Vater.<ref>Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen, 1911, Teil I, S. 15, Teil II, Seite 239, S. L (Register), gibt das Vermögen von 12 bis 13 Millionen Reichsmark nach der Steuerabgabe an, ohne weitere Einzelheiten </ref> Dieses stieg nach dessen Tod 1911 wahrscheinlich noch einmal auf das Doppelte an, da er der einzige Sohn war. Dazu gehörten zahlreiche Güter und Dörfer, Häuser in Breslau und Unternehmensbeteiligungen.
1913 war Paul Schottländer Patron einer wissenschaftlichen Unterwasserexpedition, deren Mitglieder den nach ihm benannten Schwamm Crella schottlaenderi entdeckten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 29. Januar 2006 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Die Meeresforschungsstation Rovigno erhielt von ihm nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern 1913 auch ein Glasbodenboot. Die Schenkung übergab er dem Kaiser persönlich während einer Audienz.<ref>Lisbeth Ledermann: Die Schottländer’sche Familienstiftung. S. 10. (Sie gibt als Todesdatum den 21. März 1938 an, während ansonsten der 18. März genannt wird. Das Typoskript ist digitalisiert.)</ref>
Bereits 1911 spielte Schottländer mit dem Gedanken ein Unterseeboot für Forschungszwecke bauen zu lassen. 1912 wurde das Projekt umgesetzt und mit dem Bau des Druckkörpers eines 12 m langen U-Boots in der Danubius-Werft in Fiume begonnen. Ausgebaut wurde das Loligo (lat. Kalamar) getaufte Boot 1914 in der Whitehead-Werft. Es bot Platz für sechs Mann, drei Mann Besatzung und drei Forscher, war mit einem Elektromotor ausgestattet und konnte bis 50 m tief tauchen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte einen Einsatz, auch wenn die österreichisch-ungarische Marine darüber nachdachte, das Boot im Gardasee einzusetzen. Auch Italien hatte nach Ende des Krieges kein Interesse an dem U-Boot und gab es Paul Schottländer zurück, der es schließlich an einen Schrotthändler verkaufte.<ref>Loligo: Aus der Werft zum Schrotthändler. So gingen die Pläne für das erste deutsche Forschungs-U-Boot der Geschichte unter in: Focus Online, abgerufen am 31. Januar 2018</ref>
Paul Schottländer war seit 1917 Mitglied des Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und später auch Ehrensenator der Universität Breslau.<ref>Jens Hoppe: Jüdische Geschichte und Kultur in Museen. Zur nichtjüdischen Museologie des Jüdischen in Deutschland. Waxmann, 2002, ISBN 978-3830911784, S. 270.</ref> 1935 musste er auf Grund seiner jüdischen Herkunft aus diesen Ämtern und auch aus dem Verwaltungsausschuss der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ausscheiden.<ref>Rüdiger Hachtmann: Wissenschaftsmanagement im »Dritten Reich«. Geschichte der Generalverwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Wallstein Verlag, 2007, ISBN 978-3-83530108-5, S. 409.</ref> Er wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Breslau im Familiengrab bestattet.
Nachkommen und Erbe
Familie
Paul Schottländer war mit Ludmilla Schlesinger (1877–1958) verheiratet. Sie hatten drei Kinder, von denen Ard Heinrich im KZ Theresienstadt umkam, während Alfred Leo ein KZ überlebte und danach emigrieren konnte.
- Alfred Leo Schottländer (7. November 1899 in Hartlieb – † 3. Juli 1947 in Montreux), heiratete zuerst eine christliche Bankierstochter, seine zweite Frau brachte ihn in ein Konzentrationslager, um seinen Besitz zu bekommen, er war 1934 in der Schweiz, emigrierte 1939 nach Kenia
- (Ard) Heinrich Schottländer (* 26. Dezember 1907 in Wessig), heiratete Gerda Deutsch, mit Sohn Denny Schottländer (* 25. Juni 1941 Breslau), sie versuchten 1941 nach Brasilien oder Ecuador zu kommen, scheiterten aber trotz eines Vermögenstransfers von 30.000 Reichsmark an die Deutsche Golddiskontbank durch das Auswanderungsverbot für Juden vom Oktober 1941, sie wurden am 3. Mai 1942 mit dem zweiten großen Breslauer Transport in das KZ Theresienstadt gebracht und danach ermordet
- Dora von Tapper-Leski (26. Februar 1904 – 26. April 1975 in Montreux), ihr Ehemann Kurt von Tapper-Laski (* 1894) wurde 1940 von Nazis erschlagen, sie überlebte durch einen Pfarrer in Dahlem
Erbe
Paul Schottländer hatte seinen umfangreichen Besitz an seine drei Kinder weitergegeben. Dieser bestand aus einem unveräußerlichen und unteilbaren Familienbesitz, mit großen Geldbeträgen, einem umfangreichen industriellen und landwirtschaftlichen Besitz, vielen Immobilien in Breslau, sowie der Karlsbader Mineralwasser-Versendung Löbel Schottländer, die das (fast) exklusive Recht besaß, Heilwasser aus Karlsbsd in alle Welt zu exportieren.
1939/1942 wurde der gesamte verbliebene Besitz der Familie durch den Treuhänder Georg Boness enteignet, der von Oberfinanzpräsident Wapenhensch und Gauleiter Josef Wagner eingesetzt worden war.<ref>Ramona Bräu: „Arisierung“ in Breslau. Die „Entjudung“ einer deutschen Großstadt und deren Entdeckung im polnischen Erinnerungsdiskurs. Dr. Müller, Saarbrücken 2008, S. 72f. (Die „Verwertung“ des Schottländerschen Erbes), mit Einzelheiten </ref> Die Judenvermögensabgabe der drei Geschwister (und die Reichsfluchtsteuer für den 1939 nach Kenia ausgewanderten Alfred Leo Schottländer) hat dem Finanzamt Breslau mehr als eine Million Reichsmark eingebracht. Das Vermögen von Ard Heinrich Schottländer von über 105.000 RM verfiel nach dessen Deportation an das Reich, ebenso wie sein Hausbesitz in Wessig, entsprechend der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz.
Der Anspruch des ausgewanderten Alfred Leo Schottländer auf seinen Erbteil blieb bestehen, weil er 1934 in der Schweiz gemeldet war. Nach 1946 stellten mehtere überlebende Familienangehörige Wiedergutmachungsanträge an die Bundesrepublik Deutschland der Bundesrepublik Deutschland, von denen aber nur ein geringer Teil erstattet wurde.
Literatur
- Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. München : Saur, 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 335
- Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 5. Czernowitz, 1931, S. 462
Weblinks
- The Origins of the The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 40, mit detaillierten biographischen Informationen
- (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schottländer, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Schottlaender, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | Biologe und Gutsbesitzer |
| GEBURTSDATUM | 14. Februar 1870 |
| GEBURTSORT | Breslau, Provinz Schlesien, Königreich Preußen |
| STERBEDATUM | 18. März 1938 |
| STERBEORT | Wessig bei Breslau |
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