Zum Inhalt springen

Löbel Schottländer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Grabplatte.Loebel.und.Henriette.Schottlaender.P1021747.jpg
Grabplatte von Löbel und Henriette Schottländer

Löbel Chaim Schottländer (geboren am 16. Mai 1809 in Münsterberg, Provinz Schlesien, Königreich Preußen; gestorben am 3. April 1880 in Breslau) war ein Unternehmer und Gutsbesitzer in Breslau.

Leben

Chaim Löbel war der älteste Sohn von Israel ben David Schottländer, der Kaufmann und Optiker in Münsterberg war, und dessen Ehefrau Bertha, geborene Apt. Diese starb wenige Zeit nach der Geburt und der Junge litt fortan unter der neuen Stiefmutter Händel (Hanne). Die Familie zog 1818 nach Breslau.

Löbel Schottländer wurde Getreide- und Gemüsehändler in Münsterberg und verkaufte Produkte auch auf Märkten in Breslau.<ref>The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 27–28 Nr. 1.1, mit vielen biographischen Informationen, (nach Fachliteratur, Adressbüchern und Archivunterlagen) </ref> In den 1840er Jahren erwarb er das Stadtgut in Münsterberg mit Ländereien und entwickelte dort eine erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion. Um 1860 zog er mit seiner Familie nach Breslau, die bisherigen Ländereien ließ er von seinem jüngeren Sohn Bruno verwalten. 1864 ließ er ein neues Haus für seine Familie am Tauentienplatz A 1A erbauen.

1866 belieferte er das preußische Heer bei seinem Durchzug durch Schlesien nach Österreich mit Vieh, Getreide und Schnaps aus eigenen Brennereien. Ebenso war er im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 Heereslieferant. Löbel Schottländer wurde Teilhaber der neuen Portland-Cement-Fabrik in Oppeln, er betrieb eigene Ziegeleien, erhielt Einnahmen von der Schifffahrt an der Oder und der linken Donauseite und erwarb mehrere Ländereien und Güter im Umland, sowie Häuser in Breslau. Sein Vermögen lag bei weit über einer Million Reichsmark.

Datei:Schottländer Fälschungswarnung.jpg
Warnung von Schottländer vor gefälschtem Mineralwasser in den USA

1876 erwarb er die Lizenz für den alleinigen Vertrieb von Mineralwasser aus dem Heilkurort Karlsbad in Böhmen für 70.000 Gulden und übertraf damit das Angebot des bisherigen Pächters Heinrich Mattoni.<ref>Oesterreichische Badezeitung, Nr. 16, vom 1. August 1886, S. 140 (linke Spalte unten), berichtete über die neue Vergabe für 175.000 Gulden gegen mehrere Mitbieter, und über die vorherigen Vergaben, zu 1886 auch Karlsbader Hauskalender, 1886, S. 38, und weitere Zeitungen </ref> 1879 musste er die Gebühren auf 100.000 Gulden erhöhen. Die Karlsbader Mineralwasser-Versendung Löbel Schottländer verschickte Trinkkuren, Salz, Trockenpulver und weitere Produkte in viele Länder auf mehreren Kontinenten.<ref>Correspondenzblatt der ärztlichen Kreis- und Bezirks-Vereine im Königreich Sachsen, 1878, S. 88, mit Anzeige, auch in vielen weiteren medizinischen Fachzeitschriften </ref><ref>Mirjam Triendl-Zadoff, Nächstes Jahr in Marienbad, Vandenhoeck & Ruprecht 2007, ISBN 978-3-525-56995-5, S. 68, mit kurzen Überblicksinformationen und falschem Jahr (1872 statt richtig 1876) </ref> Die meisten Familienmitglieder waren Teilhaber, sie führten diese Vermarktung bis 1938 zum deutschen Einmarsch in der Tschechoslowakei weiter.<ref>Alexander Dorn, Die Protokollirten Firmen von Oesterreich-Ungarn, Bosnien und Hercegowina, III, Wien 1892, S. 141; mit wahrscheinlich allen Familienmitgliedern und einigen weiteren Verwandten als Beteiligte </ref>

Löbel-und-Henriette-Schottländer-Stiftung

1877 gründete er mit seiner Frau die Löbel-und-Henriette-Schottländer-Stiftung, die einkommensschwache Angehörige der Familie Schottländer unterstützen sollte, etwa bei Forschungsvorhaben oder für finanzaufwändige Kuraufenthalte. Eine Nebenstiftung bot alleinstehenden Frauen angemessene Wohnstätten.

Alljährlich fand am Geburtstag Löbel Schottländers eine Stiftungssitzung statt, nach seinem Ableben wurde dieser Termin durch eine Seelenfeier in der Synagoge von Schloss Hartlieb bei Breslau und einen Besuch auf dem jüdischen Friedhof in der Lohestraße in Breslau, wo die verstorbenen Familienangehörigen bestattet waren, eingeleitet. Die eigentliche Sitzung fand dann am Tauentzienplatz 2 in Julius Schottländers Haus statt. Anlässlich des 100. Geburtstags Löbel Schottländers erhielt jeder Teilnehmer eine goldene Medaille mit einem Reliefporträt Schottländers. Die Löbel-und-Henriette-Schottländer-Stiftung überdauerte die Inflationsjahre und war bis etwa 1938 tätig. Zuletzt wurde sie noch als Beihilfe zur Auswanderung für Familienangehörige genutzt.

Ehe und Nachkommen

Löbel Schottländer war mit Henriette (Jettel) Grossmann (1817–1894), einer Tochter des Kaufmanns und Ehrenbürgers Samuel Grossmann und der Buchdruckertochter Beate Steiner, seit 1834 verheiratet. Sie hatten elf Kinder<ref>The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 28, 1.1.1., mit Angaben zu den Nachkommen; auch geni.com mit korrekten Angaben und Fotos </ref>

  • Julius Schottländer (1835–1911), Unternehmer und Gutsbesitzer, zweitreichster Mann in Niederschlesien
  • Auguste Oliven (1836–1917), heiratete Jacob Oliven, deren Sohn Oscar Oliven wurde Unternehmer
  • Linna Pacully (1838–1879), heiratete Louis Pacully, Kaufmann, Geschäftspartner von Julius Schottländer
  • Bruno Schottländer (1839–1907)
  • David Schottländer (1841–1841), starb wenige Monate nach der Geburt
  • Dorothea (Dora) Cohn (* 1843)
  • Salo Schottländer (1844–1920), Verleger und Zeitungsherausgeber, dessen Sohn Leo Schottländer wurde Komponist
  • Bertha Schottländer (1845–1865), starb mit 20 Jahren
  • Malwine Korn (1846–1876), heiratete Dr. Moritz Korn
  • Louise (Lieschen) Oliven (1851–1835), heiratete Julius Oliven, deren Sohn Fritz Oliven wurde Schriftsteller
  • Pauline Beatrice Heymann (1855–1926), heiratete Dr. Theodor Heymann

Weblinks

Commons: Löbel Schottländer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein