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Römerberggespräche

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Die Moderatorinnen Cécile Schortmann und Hadija Haruna-Oelker, (und als Gast: Alf Mentzer), im April 2026 bei den Römerberggesprächen in Frankfurt am Main

Die Römerberggespräche sind eine Reihe von Podiumsdiskussionen, die seit 1973 in Frankfurt am Main ausgerichtet werden. Sie beschäftigen sich mit aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Fragen.

Organisation

Die Römerberggespräche werden von einer Gruppe engagierter Bürger ehrenamtlich ausgerichtet. Der Eintritt ist frei.

Initiatoren der ersten Veranstaltungen waren Heinz Willi Wirth, Willi Reiß (IG-Metall-Vorsitzender, Mitglied im Magistrat der Stadt Frankfurt, später Stadtverordnetenvorsteher) und Maria Christiana Leven. Sie bildeten das ehrenamtliche Kuratorium, das die Veranstaltungen organisierte.<ref>Alle Angaben zur Geschichte der Römerberggespräche sind entnommen: Römerberggespräche: Debatte, Kontroverse und städtische Öffentlichkeit. Abgerufen am 12. Mai 2019. sowie: Ingeborg Wirth: Kuratorium. Abgerufen am 8. Mai 2011.</ref> Hilmar Hoffmann, der damalige Frankfurter Kulturdezernent, nahm den Vorschlag Wirths, „eine Gesprächsrunde … im aufgelockerten Rahmen als eine Art Symposium“ durchzuführen, um „brisante und aktuelle Fragen aus Kunst und Kultur“ zu erörtern, nach dem Vorbild der Darmstädter Gespräche,<ref>Anschreiben an Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Abgerufen am 5. August 2011 (Faksimile des Schreibens von Willi Wirth an Hilmar Hoffmann vom 7. September 1971)..</ref> im September 1971 gleich sehr wohlwollend auf.<ref>Reaktion Hilmar Hoffmanns. Abgerufen am 8. Mai 2011 (Faksimile des Antwortschreibens von Hilmar Hoffmann an Willi Wirth vom 17. September 1971).</ref>

Die Reihe wurde über viele Jahre von Erhard Denninger gemeinsam mit Wilfried F. Schoeller moderiert. Ebenfalls zu den Veranstaltern zählten bisher unter anderem Iring Fetscher, Klaus Reichert, Helmut Ridder, Alexander U. Martens und Eva Demski.

Seit 2006 hat sich der informelle Kreis, der die Gespräche derzeit organisiert, in dem Verein Römerberggespräche e. V. zusammengeschlossen.<ref>Mitglieder des Vereins Römerberggespräche e. V. Abgerufen am 12. Mai 2019.</ref> Ebenfalls von 2006 bis zuletzt 2024 lag die Moderation der Gespräche bei Alf Mentzer (leitender Redakteur für Literatur bei hr2-kultur).

Die Veranstaltungsreihe wird finanziell getragen von der Stadt Frankfurt am Main und vom Land Hessen. Außerdem wird sie von der Frankfurter Rundschau und von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung publizistisch unterstützt.

Die Dauer der Tagungen war anfangs unterschiedlich: Überwiegend wurden zunächst mehrtägige Diskussionsveranstaltungen durchgeführt. Seit einiger Zeit werden aber nur noch eintägige Veranstaltungen organisiert, die jeweils im Frühjahr und im Herbst stattfinden.

Auch der Veranstaltungsort wurde über die Jahre mehrfach gewechselt. Ursprünglich fanden die Podien im Sitzungssaal der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung im Rathaus, dem Römer, statt. Der Name der Gesprächsreihe ist von dem öffentlichen Platz vor dem Rathaus, dem Römerberg, hergeleitet, wo traditionell größere politische Versammlungen abgehalten werden. Während der 1990er Jahre wechselte man in die Paulskirche, wohingegen die Reihe seit der Jahrtausendwende im Chagallsaal<ref>Marc Chagall, Commedia dell´Arte, 1959. In: Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt. Kulturamt, Stadt Frankfurt am Main, abgerufen am 12. Mai 2019.</ref> des Schauspiels Frankfurt stattfindet.

Themen und Teilnehmer

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Thema am 3. November 2018

Die Veranstaltungen bestehen aus den Vorträgen der eingeladenen Referenten zum Thema und Podiumsdiskussionen unter Beteiligung des Publikums. Die einzelnen Vorträge mit Diskussionen finden etwa in stündlichem Takt statt und dauern inzwischen insgesamt, einschließlich der Mittagspause, sieben Stunden.<ref>Römerberggespräche e. V: Römerberggespräche. Seit 1973 in ununterbrochener Folge. Abgerufen am 20. Mai 2024.</ref>

Die Römerberggespräche greifen aktuelle politische und kulturelle Probleme und Fragen auf. Teilnehmer sind Politiker und Künstler ebenso wie Wissenschaftler und Publizisten. Dementsprechend berühren die Diskussionen Punkte, die für die Entwicklung von Staat, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft von großer Bedeutung sind. In der Anfangszeit war die Studentenbewegung um 1968 ein Thema, das in der Diskussion zu verarbeiten war. Mitte der 1980er Jahre nahm der sogenannte Historikerstreit seinen Anfang anhand eines Artikels, den der Historiker Ernst Nolte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichte, weil er ihn bei den Römerberggesprächen 1986 nicht als Rede habe vortragen können. In der Wendezeit um 1990 wurden Intellektuelle aus West- und Osteuropa zum Austausch eingeladen. Im Jahr 2001 reagierte man aktuell auf die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York City. Europa war mehrfach Thema der Römerberggespräche (2019, 2014, 2003, 2002, 1997, 1992, 1990, 1988).

Teilnehmer waren unter anderem Pierre Berteaux, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Jean Améry, Karl Krolow, Peter O. Chotjewitz, Oskar Negt, Ernst-Otto Czempiel, Erhard Eppler, Horst-Eberhard Richter, Walter Boehlich, Claus Leggewie, Ekkehart Krippendorff, Harald Welzer und Daniel Cohn-Bendit.<ref>Vgl. die vollständige Liste der Teilnehmer: Römerberggespräche e. V: Römerberggespräche. Seit 1973 in ununterbrochener Folge. Abgerufen am 3. November 2019.</ref>

Im November 2018 fand die Veranstaltung erstmals in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Normative Orders der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt.

Am Samstag, dem 22. Mai 2021, wurde die Veranstaltung erstmals online aus dem Chagallsaal, von 10 bis 17 Uhr im interaktiven Livestream, (ohne Präsenzpublikum) übertragen.<ref>49. Römerberggespräche – Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?</ref> Vor Ort waren anwesend: neben Moderatorin Haruna-Oelker und Moderator Meltzer, die Teilnehmer Brussig, Frankenberg, Groebner, Stichweh und Günther, während alle anderen Teilnehmer, sowie Ministerin Dorn-Rancke und Dezernentin Hartwig, per Videostream jeweils zugeschaltet wurden.

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Karl Schlögel im Gespräch mit Ina Hartwig

Bei den 51. Römerberggesprächen, am 30. April 2022, fand die Veranstaltung unter einem neuen, gemischten Konzept statt. Es gab wiederum ein Stehpult für die Rednerinnen und Redner – wie sonst auch – aber auf dem Podium standen nur zwei Stühle für ein anschließendes Interview sowie Diskussion der Referentin oder des Referenten mit Hadija Haruna-Oelker oder Alf Mentzer und zweimal mit jeweils einem per Internet (auf zwei Bildschirmen) zugeschalteten dritten Teilnehmer (Jurko Prochasko, aus Lwiw (früher: Lemberg) und Adam Tooze, aus New York). Die Grußworte von Angela Dorn, der Hessischen Staatsministerin, kamen ebenfalls über diese Bildschirme. Victor Jerofejew zog es vor seinen Beitrag auf einem der Stühle – statt am Pult – (auf Englisch) zu halten. Die Diskussionen mit den Besuchern entfielen diesmal ganz.

Veranstaltungen

Chronologisch absteigend:

  • 2020: INTERVENTION: Nur keine Angst! Zivile Unerschrockenheit in Zeiten von Hass und Hetze.<ref>Römerberggespräche. Abgerufen am 12. Februar 2020.</ref> Moderation: Hadija Haruna-Oelker, Alf Mentzer. Diese für den 21. März geplante Veranstaltung wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt.<ref>Römerberggespräche. Abgerufen am 26. März 2020.</ref> 48. Zwischen Wahnsinn und Methode – Vernunft in Zeiten von Pandemie und Populismus. (Veranstaltung entfallen)<ref>Veranstaltung entfallen. In: roemerberggespraeche-ffm.de. Abgerufen am 17. April 2023.</ref>

Rezeption

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die Römerberggespräche im April 2015 als den „ältesten Debattierclub der Republik“ und erinnerte an die „stets hohe Erregungsbereitschaft seines Publikums“.<ref>Volker Breidecker: Wir sind nicht mit Mördern im Bunde. In: Süddeutsche Zeitung. 26. April 2015, abgerufen am 27. April 2015.</ref>

Literatur

Zu einigen Veranstaltungen wurden in unregelmäßiger Folge von 1983 bis 2000 Tagungsbände veröffentlicht, die im Athenäum Verlag sowie im S. Fischer Verlag erschienen sind.

Weblinks

Commons: Römerberggespräche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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