Obere Papiermühle (Treuchtlingen)
Obere Papiermühle Stadt Treuchtlingen
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(2)&title=Obere+Papierm%C3%BChle 48° 58′ N, 10° 58′ O
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dim=10000 | globe= | name=Obere Papiermühle | region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | type=city
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| Höhe: | 435 m ü. NHN | |||||
| Einwohner: | 2 (25. Mai 1987)<ref name="OV 1987">Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 353 (Digitalisat).</ref> | |||||
| Postleitzahl: | 91757 | |||||
| Vorwahl: | 09142 | |||||
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Obere Papiermühle ist ein Gemeindeteil der Stadt Treuchtlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Mittelfranken, Bayern).<ref>Vorlage:BayernPortal Ortsteile</ref> Obere Papiermühle liegt in der Gemarkung Schambach.<ref>Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen – Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 24. Oktober 2024.</ref>
Lage
Die Einöde liegt oberhalb der Unteren Papiermühle an der Schambach östlich von Treuchtlingen und westlich der Flemmühle. An der Mühle führt südlich die Staatsstraße 2216 vorbei, von der ein Zufahrtsweg zum Anwesen führt.<ref>Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 24. Oktober 2024 (Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).</ref>
Ortsnamendeutung
Der Ortsname sagt aus, dass hier Lumpen zur Papierherstellung verarbeitet (gemahlen) wurden. Im Gegensatz zur Unteren Papiermühle erhielt die Mühle den Zusatz „Obere“, da sie an der Schambach weiter oben (dem Ursprung zu) steht.
Geschichte
Die beiden Papiermühlen des Ortes Schambach, die Obere und die Untere Papiermühle, galten im 18. Jahrhundert als „gut“.<ref>Joh. Georg Friedrich Jakobi: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. 3 Bd., Weißenburg im Nordgau 1784, S. 342</ref> Das Alter der oberen Mühle ist ungewiss; sie könnte unter anderem Namen bereits im 13./14. Jahrhundert bestanden haben.<ref name="Heimatbuch, S. 139">Heimatbuch Treuchtlingen, S. 139</ref> 1666 taucht in den Pfarrmatrikeln von Dietfurt an der Altmühl – zu dieser evangelischen Pfarrei gehörte Schambach mit seinen Mühlen – ein „Obermüller“ auf. Die Mühle gehörte der Herrschaft Pappenheim;<ref>Hofmann, S. 150</ref> als pappenheimerischer Untertan auf der Mühle ist 1680 ein Hans Christoff Preu bezeugt.<ref>Strassner, S. 60</ref> Da eine Papiermühle jährlich im Schnitt 500 Zentner Lumpen zum Verarbeiten benötigte,<ref>Handlungs-Zeitung oder Wöchentliche Nachrichten von Handel, Manufakturwesen, Künsten und neuen Erfindungen, 44. Stück, Gotha, 3. November 1792, S. 352, siehe [1]</ref> waren diese Mühlen auf entsprechenden Nachschub von Lumpenhändlern angewiesen. Insbesondere der grenzüberschreitende Lumpenhandel wurde immer wieder beklagt und der Lumpenexport durch Verordnungen eingeschränkt. Beispielsweise beklagte man sich im Bereich des Landgerichts Monheim über Lumpenlieferungen an die Papiermühle an der Schambach.<ref>Alfred Tausenpfund: Die Manufaktur im Fürstentum Neuburg. Nürnberg: Stadtarchiv 1975, zugl. Diss. Univ. Erlangen</ref> Lumpenhändler der Papiermühlen an der Schambach um das 17. und 18. Jahrhundert war der bis 1707 in Möhren ansässige Jude Schimmel.<ref>Karl Stöber: Der Erzähler aus dem Altmühltale. Stuttgart: J. F. Steinkopf 1851, S. 4, siehe [2]</ref>
Zwischen 1749 und 1786 besaß der aus Frankreich vertriebene Hugenotte Jacob Christoph Quinat die Untere Papiermühle, wo er ein stattliches Mühlen- und Manufakturgebäude neu errichtete; er kam 1770 auch in den Besitz der „Obermühle“, die er ebenfalls zur Papierherstellung nutzte.<ref name="Heimatbuch, S. 139" /><ref name="Kießling, S. 634">Kießling, S. 634</ref> Sein Papier stattete er mit dem Wasserzeichen „IC Q“, seinen Initialen, aus.<ref>Schelling. Historisch-kritische Ausgabe, 1988, Bd. 1, Teil 4, S. 11; Abbildung des Wasserzeichens in: Heimatbuch Treuchtlingen, S. 144</ref>
Seit 1806 im neuen Königreich Bayern, wurde die Mühle dem Steuerdistrikt Dietfurt im Untergericht Pappenheim des Rentamtes Greding, ab 1815 des Rentamtes (später Bezirksamt, dann Landkreis) Weißenburg zugeordnet;<ref>Hoffmann, S. 199f.; 255</ref> die pappenheimerische Patrimonialgerichtsbarkeit wurde 1848 aufgehoben. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde der Steuerdistrikt zur Ruralgemeinde Schambach umgestaltet, die im Zuge der Gebietsreform in Bayern zum 1. Juli 1971 nach Treuchtlingen eingemeindet wurde.<ref></ref><ref>Heimatbuch Treuchtlingen, S. 209</ref>
1811 wechselte die Quinatische Mühle wegen Konkurses den Besitzer; für die Versteigerung wurde bekannt gegeben, dass die Mühle „wegen ihres reinen Quellenwassers und in jeder andern Beziehung sehr zu empfehlen sei.“<ref>Intelligenz-Blatt der Königl. Baierischen Kreis-Hauptstadt Eichstätt, 16. Stück vom 20. April 1811</ref> Um 1820 gab der Nachbesitzer die Papierherstellung auf der Mühle auf. Mitte 1826 wurde das Mühlenanwesen als Besitz des „Papierfabrikanten Georg Paul Wilke“ versteigert; es bestand aus „einem großen Fabrik- und Wohnhause, Scheune, Stallung und Hofraith,“ zwei Gärten, mehrere Morgen Acker und Wiesen und 1 Morgen Holz.<ref>Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis, Nr. 24 vom 14. Juni 1826, Spalte 1526f.</ref> 1900 endete auch der Mahlbetrieb der Nachbesitzer, während die Säge bis 1960 arbeitete. Heute ist die ehemalige Mühle Sitz eines 1948 gegründeten Transportunternehmens.<ref name="Heimatbuch, S. 139" />
Das ehemalige Mühlhaus, ein zweigeschossiger Satteldachbau mit einem Anbau gleicher Bauart mit geringerer Firsthöhe, ist mit 1833 bezeichnet. Ein Nebengebäude, ein erdgeschossiger Satteldachbau, ist mit 1788 bezeichnet. Die Gebäude gelten als Denkmal.<ref name="Kießling, S. 634" />
Einwohnerzahlen
- 1818: 14 Einwohner<ref name="Hofmann, S. 255">Hofmann, S. 255</ref>
- 1824: 12 Einwohner, 1 Anwesen<ref name="Hofmann, S. 255" />
- 1846: 11 Einwohner, 1 Familie, 1 Haus<ref>Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern, Ansbach 1846, S. 283</ref>
- 1950: 16 Einwohner, 2 Gebäude<ref name="Hofmann, S. 255" />
- 1961: 11 Einwohner, 2 Wohngebäude<ref>Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 836 (Digitalisat).</ref>
- 1987: 2 Einwohner, 1 Wohngebäude<ref name="OV 1987"/>
Literatur
- Heimat- und Bäderverein Treuchtlingen e. V. (Hg.): Heimatbuch Treuchtlingen. Treuchtlingen, [um 1984], insbes. S. 139.
- Hanns Hubert Hofmann: Gunzenhausen-Weißenburg. In: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. Reihe I, Heft 8. Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1960, DNB 452071089 (Digitalisat).
- Gotthard Kießling: Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Reihe „Denkmäler in Bayern“. München: Karl M. Lipp Verlag 2000, S. 634.
- Vorlage:Strassner Land- und Stadtkreis Weißenburg
Weblinks
- Vorlage:Bavarikon Ort
- Papiermühle (obere) in der Topographia Franconiae der Uni WürzburgVorlage:Abrufdatum
- Papiermühle (obere) im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für ComputergenealogieVorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise
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