Nelkenöl
Nelkenöl ist ein ätherisches Öl pflanzlichen Ursprungs, welches aus den getrockneten Knospen, Blättern oder Stielen des Gewürznelkenbaums extrahiert wird.<ref name="Eckert 1935">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Oft werden hierfür die Knospen verwendet, wobei das ätherische Öl Nelken ihren charakteristischen Geruch verleiht.<ref name="Staudte 2015">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Nelkenöl zeichnet sich durch einen für Nelken charakteristischen, würzigen Geruch und einen brennenden Geschmack aus. Die Wirksamkeit des Öls bei Zahnschmerzen ist seit Jahrhunderten bekannt. Heutzutage wird es in unterschiedlichen Bereichen, wie der Pharmakologie, Parfüm-, Kosmetik- und Seifenindustrie verwendet. Darüber hinaus ist Nelkenöl als kulinarisches Gewürz und Aromatisierungsmittel weit verbreitet.<ref name="Wiesenauer 2018" />
Eigenschaft
Nelkenöl ist ein farbloses bis gelbliches Öl, welches nach einiger Zeit bräunlich erscheint. Die braune Farbe resultiert aus der Oxidation von Eugenol.<ref name="Considine 1982">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="Kracher 2007">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Der Geruch des flüchtigen Öls ist würzig und für Nelkenprodukte charakteristisch, während der Geschmack als brennend beschrieben wird. Nelkenöl enthält selbst kein Fett, ist jedoch in Fetten und anderen organischen Lösungsmitteln löslich.<ref name="Staudte 2015" />
Gewinnung
| Hauptkomponenten von Nelkenölen |
|---|
| Strukturformel von Eugenol Eugenol (75–95 %) |
| Strukturformel von Acetyleugenol Eugenolacetat (2–17 %) |
Nelkenöl wird durch die Wasserdampfdestillation von getrockneten Knospen, Blättern oder Stielen des Gewürznelkenbaumes gewonnen.<ref name="Eckert 1935" />
Inhaltsstoffe
Nelkenöl besteht aus verschiedenen Monoterpenen, Sesquiterpenen und aromatischen Verbindungen.<ref name="Staudte 2015" /> Die Hauptbestandteile sind Eugenol (75–95 %) und Eugenolacetat (2–17 %). Das Öl enthält außerdem Caryophyllene (α- und β-Form) und Caryophyllenoxid, welches durch die Oxidation von β-Caryophyllen gebildet wird. Acetylsalicylsäure, Benzoesäuremethylester, Salicylsäuremethylester, Pinene, Vanillin und weitere Inhaltsstoffe sind ebenfalls enthalten und tragen zum charakteristischen Aroma bei.<ref name="Jaminet 1949">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Je nachdem, welcher Teil des Gewürznelkenbaumes zur Extraktion verwendet wird, unterscheiden sich die Gehälter der einzelnen Inhaltsstoffe.<ref name="Chaieb 2007">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Während die Knospen noch signifikante Anteile an Eugenolacetat aufweisen, ist dieser in den Blättern wesentlich geringer. In den aus Stängeln hergestellten Extrakten fehlt das Eugenolacetat vollkommen. Stattdessen enthalten diese Naphthalin.<ref name="Jaminet 1949" />
Verwendung
(z. B. Nelkenöl) in Duftlampen
Sowohl Gewürznelken, als auch das aus diesen gewonnene Öl, wird seit Jahrhunderten als Gewürz und Aromatisierungsmittel verwendet.<ref name="Hofmann 2014" /> Die schmerzlindernde Wirkung von Nelkenöl im Mundraum ist seit dem Mittelalter bekannt.<ref name="Wiesenauer 2018">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Haushalt wird hauptsächlich das aus den Knospen des Gewürznelkenbaumes hergestellte Extrakt verwendet, während die Lebens- und Genussmittelindustrie (z. B. Likör- und Tabakindustrie) gemahlene Produkte aus den Blättern und Stielen bevorzugen.<ref name="Rimbach 2010">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Der Geruch wird häufig als angenehm empfunden, sodass es in der Parfüm-, Kosmetik- und Seifenindustrie verwendet wird. Darüber hinaus findet es in der Lebensmittel- und Gewürzindustrie unterschiedliche Anwendungen (z. B. Gewürz, Aromatisierungsmittel). Die lange Haltbarkeit ist ein weiterer Vorteil der Verwendung von Nelkenöl.<ref name="Jaminet 1949" /> Im Folgenden werden weitere Anwendungsfelder beschrieben.
Zahnschmerzen
In der Medizin hat es unterschiedliche Anwendungen, z. B. als Magenmittel, Anästhetikum oder in der Zahnmedizin. Gerade aus zahnmedizinischer Sicht wird Nelkenöl als anästhetisch wirkendes Haushaltsmittel empfohlen, welches sich zur kurzfristigen Linderung von Zahnschmerzen eignet.<ref name="Wiesenauer 2018" />
Geburtseinleitung
Mit Nelkenöl getränkte Tampons können zur Einleitung einer Geburt verwendet werden, wobei es sich um eine alternative Methode handelt. Sie ist kostengünstig und wird als weniger eingreifend in den natürlichen Geburtsablauf empfunden. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Dosierung, welche zum Erzielen der Wirkung eingesetzt werden muss. Das Nelkenöl wird außerdem nach der Behandlung schnell ausgeschieden. Zwar wurden einige, auch klinische, Studien zu diesem Themengebiet durchgeführt, der Sachverhalt muss jedoch weiter empirisch untersucht werden.<ref name="Dörken 2004">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Als Anästhetikum bei Fischen
Nelkenöl kann bei Labor- und Haushaltsfischen (z. B. Regenbogenforellen) eingesetzt werden.<ref name="Ostrander 2000">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dieser Anwendungsbereich wird kritisch diskutiert. Zum einen handelt es sich um ein Naturprodukt, die exakte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ist schwer bestimmbar und Nelkenöl als Anästhetikum in Bezug auf Fische damit schwer dosierbar. Zum anderen ist unklar, inwiefern der Geruchssinn der Tiere beeinträchtigt wird. Bisher wurde nicht untersucht, ob und wie lange die Riechrezeptoren derselben maskiert oder gar geschädigt werden.<ref name="Adam 2013">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Außerdem wird vereinzelt darüber berichtet, dass sich bei Zuchttieren eine Betäubung mit Nelkenöl auf den Geschmack des Fisches auswirken kann.<ref name="Oetinger 2003">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Wirkung
Die geringe Teilchengröße ermöglicht eine schnelle Resorption durch die Haut und Schleimhäute, sodass die Wirkstoffe schnell in den Blutkreislauf gelangen können.<ref name="Staudte 2015" /> Für einige Wirkungen existieren Indizien, wobei diese bisher nicht immer durch klinische Studien bestätigt wurden. Einige Wirkmechanismen sind nicht abschließend aufgeklärt.<ref name="Hofmann 2014">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="Hofmann 2011">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Allerdings wurde früh erkannt, dass Prostaglandine an der Entstehung von Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Die Biosynthese derselben wird durch phenolische Verbindungen, vor allem durch Eugenolacetat, gehemmt.<ref name="Wagner 1986">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Jüngste Untersuchungen bezüglich des Mechanismus der anästhesierenden Wirkung deuten auf eine Wechselwirkung zwischen β-Caryophyllen und dem Cannabinoid-Rezeptor 2 hin. Auf diese Weise kann die entzündungshemmende Wirkung von Nelkenöl erklärt werden.<ref name="Gertsch 2008">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Nelkenöl kann außerdem krampflösend sowie als Insekten-Repellent, z. B. gegen Mücken, wirken. Im Folgenden werden einige weitere Wirkungen von Nelkenöl dargestellt:<ref name="Hofmann 2011" /><ref name="Hofmann 2014" />
- antibakteriell: vor allem durch Eugenol bedingt, wachstumshemmende Wirkung, an diversen pathogenen Bakterien nachgewiesen
- antioxidativ: z. B. durch das Abfangen von Radikalen oder Bildung von Metallkomplexen der Inhaltsstoffe
- entzündungshemmend: durch Hemmung der Biosynthese von Prostaglandin, besonders die Hemmung der Cyclooxygenase (COX)
- fungizid: durch phenolische Inhaltsstoffe begründet (Eugenol, Carvacrol)
- hemmend gegen den Herpes-simplex-Virus: durch Inhibierung der HSV-1-DNA-Polymeraseaktivität
- antitumoral: einige Berichte deuten darauf hin, dass die enthaltenen Caryophyllene vor karzinogenen Stoffen schützen könnten und dass Eugenol den Zerfall von Tumorzellen induzieren kann
(nicht durch klinische Studien belegt) - vorbeugend gegen Magengeschwüre: durch massive Steigerung der Schleimproduktion (nicht durch klinische Studien belegt)
- vorbeugend gegen Osteoporose: durch Erhaltung der Knochensubstanz
- narkotisierend: bei hohen Dosen von Eugenol und Caryophyllen (200–400 mg/kg) erreichbar
- sedierend: bei geringen Dosen von Eugenol und Caryophyllen (1–100 mg/kg) durch die Hemmung der Nervenimpulsübertragung nach Reizung erreichbar
(Vorteile: geringe Konzentrationen notwendig, schnelle Ausscheidung)
Toxikologie
Die Food and Drug Administration (FDA) stuft alle Arten von Nelkenöl (aus Knospen, Blättern und Stielen) sowie das als Hauptbestandteil enthaltene Eugenol als generell sicher ein, sie sind als Zusatzstoff in Lebensmitteln zugelassen.<ref>Food and Drug Administration: Title 21-Food and Drugs. Aktualisiert am 1. April 2019.</ref> Allerdings kann Eugenol und damit Nelkenöl in hohen Dosen zu Leberschäden führen. Wenn es unverdünnt verwendet wird, kann es neurotoxisch und gewebereizend wirken. Der Wert der erlaubten Tagesdosis (ETD-Wert) beträgt 2,5 mg Eugenol/kg Körpergewicht.<ref name="Hofmann 2014" />
Weblinks
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Einzelnachweise
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