Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Diphenylamin – Wikipedia Zum Inhalt springen

Diphenylamin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von N-Phenylanilin)
Strukturformel
Struktur von Diphenylamin
Allgemeines
Name Diphenylamin
Andere Namen
  • N-Phenylanilin (IUPAC)
  • N-Phenylaminobenzol
Summenformel C12H11N
Kurzbeschreibung

farblose, blättrige, schwach blumig riechende Kristalle<ref name="roempp">Eintrag zu Diphenylamin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 204-539-4
ECHA-InfoCard 100.004.128
PubChem 11487
ChemSpider 11003
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 169,23 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="GESTIS" />

Dichte

1,16 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

53 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

302 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

0,33 Pa bei 20 °C<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • sehr schlecht in Wasser (40 mg·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />
  • leicht löslich in Ethanol und Säuren<ref name="roempp" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.004.128">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301+311+331​‐​373​‐​410
P: 273​‐​280​‐​302+352​‐​304+340​‐​308+310<ref name="GESTIS" />
MAK

Schweiz: 10 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub)<ref>Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach 122-39-4 bzw. Diphenylamin)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Toxikologische Daten

1120 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Diphenylamin oder auch N-Phenylanilin ist eine aromatische organische Verbindung mit der Summenformel C12H11N. Es gehört zur Stoffklasse der sekundären Amine.

Vorkommen

Diphenylamin kommt als Naturstoff in Zwiebeln, schwarzem und grünen Tee und in Schalen von Citrusfrüchten vor.<ref>Oliver Drzyzga: Umweltrelevanz von Diphenylamin — Ein Stoff der 3. EU-Altstoffprioritätenliste. In: Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung. 11, 1999, S. 365, doi:10.1007/BF03037729.</ref>

Herstellung

Diphenylamin wird technisch durch oxid-katalysierte Desaminierung von Anilin hergestellt.

<math>\mathrm{ 2 \ C_6H_5NH_2 \longrightarrow (C_6H_5)_2NH + NH_3}</math>

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Diphenylamin bildet farblose bis graue, lichtempfindliche, blättrige Kristalle mit blumigem Geruch.<ref name="GESTIS" />

Chemische Eigenschaften

Diphenylamin ist ein Redoxindikator. Ein Farbwechsel findet statt zwischen oxidierter Form (blauviolett) und reduzierter Form (farblos).

Thermisch oder photochemisch kann Diphenylamin durch oxidativen intramolekularen Ringschluss zu Carbazol reagieren.

Als aromatisches Amin reagiert Diphenylamin zwar als schwache Base, kann aber auch selbst von starken Basen zum (mesomeriestabilisierten) Diphenylamid-Anion deprotoniert werden.

Verwendung

Diphenylamin wird in der Landwirtschaft als Fungizid eingesetzt.<ref>alanwood</ref> Diphenylamin hemmt die Oxidation des Terpens α-Farnesen.<ref>F. E. Huelin, I. M. Coggiola: Superficial scald, a functional disorder of stored apples. V. – Oxidation of α-farnesene and its inhibition by diphenylamine. In: Journal of the Science of Food and Agriculture. Band 21, Nr. 1, Januar 1970, S. 44–48, doi:10.1002/jsfa.2740210113.</ref> Bei der Bekämpfung der Schalenbräune spielte es eine wichtige Rolle.<ref>Schalenbräune – Vorbeugung ohne Diphenylamin (DPA)</ref> In den Staaten der EU und in der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen.<ref>Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag in den nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen der Schweiz, Österreichs und DeutschlandsVorlage:Abrufdatum</ref>

Diphenylamin dient zum Nachweis von Nitrit-, Nitrat- und Chlorationen. Dabei wird es zu Tetraphenylhydrazin dimerisiert, das dann eine Benzidin-Umlagerung eingeht und zu einem farbigen chinoiden System (Chinoniminfarbstoff) oxidiert wird. Diese Nachweisreaktion wird beim Paraffintest eingesetzt, mit dem der Gebrauch von Schusswaffen nachgewiesen werden kann.

Diphenylamin (DPA) ist einer der am meisten verwendeten Stabilisatoren für Schießpulver. Seine Aufgabe ist das Abfangen von nitrosen Gasen (NOx) und sauren Bestandteilen. Es wurde daher anfänglich auch bei der Herstellung von Ballistit eingesetzt. Dabei wandelt es sich in das als Karzinogen verdächtige N-Nitrosodiphenylamin um. DPA ist mit Nitroglycerin (NG) unverträglich. Ab einem Nitroglyceringehalt von 20 % (häufig auch schon darunter) werden andere Stabilisatoren (Centralit, 2-Nitro-DPA oder Akardit) eingesetzt. Auch mit Kaliumnitrat ist DPA nicht verträglich.

Ferner kann es zur Herstellung von Farbstoffen<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Datenblatt bei Lanxess (Memento vom 14. Oktober 2018 im Internet Archive), abgerufen am 13. Oktober 2018.</ref> (wie Acid Yellow 36, Acid Yellow 63 und Acid Orange 5) und in Kautschukherstellung als Antioxidans und Vulkanisationsbeschleuniger verwendet werden.

Diphenylamin eignet sich auch zum Stabilisieren von Ethern.

Diphenylamin mit konzentrierter Schwefelsäure in Eisessig (Dische-Reagenz) reagiert mit Desoxyribosen beim Erhitzen zu einem blauen Farbstoff.

Arylierung mit Iodbenzol führt zu Triphenylamin.<ref name="triphenyl">F. D. Hager: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 8, 1928, S. 116, doi:10.15227/orgsyn.008.0116; Coll. Vol. 1, 1941, S. 544 (PDF).</ref>

Pharmakologische Bedeutung

Trizyklische Diphenylamin-Derivate wurden ab den 1960er Jahren als Antidepressiva eingesetzt.<ref>Gustav Ehrhart/Heinrich Ruschig: Arzneimittel, 1968, S. 446 f.</ref> Diphenylamin wirkt stark blutzuckersenkend.

Sicherheitshinweise

Diphenylamin ist giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut. Es besteht die Gefahr kumulativer Wirkungen. Bei Kontakt treten lokale Reizungen von Haut, Augen und Atemwegen auf. Die Hautresorption ist gering. Nach Resorption großer Mengen tritt Methämoglobinbildung auf.

Bei Aufnahme in den Körper sind irreversible schwere Gesundheitsschäden bis zur Todesfolge zu erwarten. Deshalb ist jeglicher Kontakt zum menschlichen Körper zu vermeiden.

Diphenylamin darf nicht mit Hexachlormelamin, Trichlormelamin und Oxidationsmitteln in Berührung gebracht werden. Im Brandfall treten gefährliche Zersetzungsprodukte auf wie nitrose Gase und Amine.

Diphenylamin sollte wegen der photochemischen Bildung von Carbazol unter Lichtschutz gelagert werden. Schutzhandschuhe bieten kurzzeitigen Staubschutz.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />